Arndt

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Biografie

Seite 2

             Abendlied

Der Tag ist nun vergangen,
Und dunkel schläft die Welt,
Die hellen Sterne prangen
Am blauen Himmelszelt;
Nur in den grünen Zweigen
Singt noch die Nachtigall,
Im weiten tiefen Schweigen
Der einz'ge Lebensschall.
Ich aber, Vater, stehe
In meiner Hüttenthür,
Und schau' hinauf zur Höhe
Und schau' hinauf zu dir;
Wie gerne möcht' ich klingen
Als helle Nachtigall,
Dir Lob und Dank zu bringen
Mit tiefem Schmerzensschall!
Ja mit dem Schall der Schmerzen:
Denn geht die Nacht herauf,
So springt in meinem Herzen
Ein Quell der Thränen auf,
Der Thränen und der Klagen:
Du, Vater, weißt es best,
Was singen nicht und sagen,
Was sich nicht sprechen läßt.
Du kennest meinen Kummer,
Der auf gen Himmel blickt,
Wann für den süßen Schlummer
Die ganze Welt sich schickt,
Womit so schwer beladen
Mein Herz nach oben schaut,
Nach jenem Born der Gnaden,
Der Labsal niederthaut.
Ja, deine süße Liebe
Die tröstet mir den Schmerz,
Ja, deine süße Liebe
Die stillet mir das Herz,
Die löst in heißen Thränen
Das Eis des Busens auf
Und stellet Sinn und Sehnen
Zum hohen Sternenlauf.
O laß mich ewig schauen
Im stillen Kindersinn
Zu jenen güldnen Auen,
Woher ich kommen bin!
O richte Herz und Sinne,
Mein Vater, für und für
Zu deiner süßen Minne,
Zum Himmel hin, zu dir!
So mag ich froh mich legen
Nun mit der Welt zur Ruh,
Mein Amen und mein Segen,
Mein Wächter das bist du;
So mag in deinem Frieden
Ich fröhlich schlafen ein,
Dort oben und hienieden,
Im Schlaf und Wachen dein.

 

  Abschied von der Welt

Ade! ich muß nun scheiden,
Ihr Freunde, gute Nacht!
In Freuden und in Leiden
Gar schwer ist mir's gemacht,
In Kummer und in Thränen,
In Arbeit und in Not;
Drum ruft mein heißes Sehnen:
O komm, mein Herr und Gott!
O komm und schleuß dem Matten
Die müden Augen zu,
Bett' ihm im kühlen Schatten
Die stille sanfte Ruh,
Bett' ihm im kühlen Grabe
Den letzten weichen Pfühl,
Die einzige letzte Habe
Vom ganzen Weltgewühl.
Ade! ihr sollt nicht weinen,
Ihr Freunde lieb und fromm,
Das Licht wird wieder scheinen,
Das ruft dem Schläfer: komm!
Das klingt in seine Kammer:
Steh', Schläfer, steh' nun auf!
Steh' auf aus Erdenjammer!
Der Himmel thut sich auf.
Ade! ihr sollt nicht klagen,
Daß nun ich hinnen muß,
Die Nacht wird wieder tagen
Mit Freudenüberfluß,
Der große Held der Frommen
Wird mit der Krone stehn,
Und Engel werden kommen
Und mich zu Gott erhöhn.
 


            Abschiedslied
                   1855

Schon dunkeln meine Lebenstage
Sich tief hinab zum Abendschein,
Und ernster fragt die große Frage:
Was bist du? sprich: was wirst du sein?
Wie löst das Rätsel deines Lebens
Sich hinter deinem Grabe auf?
War all dein Streben nicht vergebens?
War eitel Irrlauf nicht dein Lauf?
Jawohl, die letzten Glockenschläge,
Der letzte Strahl des Abendlichts,
Was klingen sie im Busen rege?
Was leuchtet er aus deinem Nichts?
Was melden deiner Augen Thränen?
Was wird im kranken Herzen wach?
O all dein Irren, Träumen, Sehnen,
Des Lebens langes Weh und Ach.
So ist's: Mit Düsternis umhangen
Wie oft war dir die wunde Brust,
Ein Dorn dein Sehnen und Verlangen,
Ein Gift die Süßigkeit der Lust:
Wie mochte sich der Blinde hüten
Auf bunter Täuschung Blumenfeld,
Wie oft die Natter unter Blüten
Den Biß auf ihren Pflücker schnellt?
Doch still! Auch lieblich ist verklungen
Dir mancher schöne Erdentag,
Von Gottes Lieb' und Lust durchsungen,
Die tönt Erinnerung fröhlich nach.
Ja, Gott, ich danke für dein Werde!
Fürs Wonnewort Es werde Licht!
Für deine schöne, grüne Erde
Und all ihr Sonnenangesicht.
Ja, Dank dir, Herr, für reiche Freude
Auf schwerstem, längstem Pilgergang.
Es macht des Abends Schlafgeläute
Dem müden Wandrer nimmer bang;
Wie oft er auch auf wüstem Pfade
Von deinem Lichte lief verirrt,
Er weiß, daß deine Huld und Gnade
Ihn nimmermehr verlassen wird.
Nein, nimmer! Felsen sind die Worte,
Die Worte dein, Herr Jesus Christ,
Durch welche mir die Himmelspforte
Der Gnade weit geöffnet ist.
Mag dieser Erde Licht verscheinen,
Mag diese Sonne untergehn,
Ich werde selig mit den Deinen
Lobsingend stehn auf höhern Höhn.
Ja, süßer Heiland, mit den Deinen,
Sei auch ich unter Kleinsten klein –
Dein Licht wird ewig auf mir scheinen,
Dein Glanz wird ewig bei mir sein.
Hier gilt kein Zagen und kein Fragen,
Hier gilt: Halt fest, den Glauben fest,
Daß Gott nach diesen dunklen Tagen
Dir hellere Sterne scheinen läßt.
 


Als Thiers die Welschen aufgerührt hatte
                    Herbstmond   1841

Und brauset der Sturmwind des Krieges heran,
Und wollen die Welschen ihn haben,
So sammle, mein Deutschland, dich stark wie ein Mann
Und bringe die blutigen Gaben
Und bringe das Schrecken und trage das Grauen
Von all deinen Bergen, aus all deinen Gauen
Und klinge die Losung: »Zum Rhein! übern Rhein!
Alldeutschland in Frankreich hinein!«
Sie wollen's: So reiße denn, deutsche Geduld.
Reiß' durch von dem Belt bis zum Rheine!
Wir fordern die lange gestundete Schuld –
Auf, Welsche, und rühret die Beine.
Wir wollen im Spiele der Schwerter und Lanzen
Den wilden, den blutigen Tanz mit euch tanzen,
Wir klingen die Losung: »Zum Rhein! übern Rhein!
Alldeutschland in Frankreich hinein!«
Mein einziges Deutschland, mein kühnes, heran!
Wir wollen ein Liedlein euch singen
Von dem, was die schleichende List euch gewann,
Von Straßburg und Metz und Lothringen:
Zurück sollt ihr zahlen, heraus sollt ihr geben!
So stehe der Kampf uns auf Tod und auf Leben!
So klinge die Losung: »Zum Rhein! übern Rhein!
Alldeutschland in Frankreich hinein!«
Mein einiges Deutschland, mein freies, heran!
Sie wollen, sie sollen es haben.
Auf! sammle und rüste dich stark wie ein Mann
Und bringe die blutigen Gaben!
Du, das sie nun nimmer mit Listen zersplittern,
Erbrause wie Windsbraut aus schwarzen Gewittern!
So klinge die Losung: »Zum Rhein! übern Rhein!
Alldeutschland in Frankreich hinein!«

 

        Alterswehmut
               1849

O Erde, Land der Träume,
O Erde, Land des Trugs,
Willst in die hellern Räume
Die Flügel meines Flugs
Mir dunkeln stets und kürzen?
In deines Jammers Staub
Mich elend niederstürzen
In Jagd nach schlechtem Raub?
Es soll dir nicht gelingen,
Ich habe meinen Hort,
Der trägt auf Feuerschwingen
Mich durch den Himmel fort;
Ich habe meinen Meister,
Der Held und König ist –
Er ist der Fürst der Geister
Und heißet Jesus Christ.
Er stieg vom Himmel nieder
Auf unsre Erdenauen,
Damit die Menschen wieder
Nach oben könnten schauen,
Damit wir armen Wichte,
Von Wahn und Trug umstrickt,
Aufschauten nach dem Lichte,
Woraus die Gottheit blickt.
O König aller Liebe,
O Glanz des höchsten Lichts,
Wenn mir auch gar nichts bliebe
Gar nichts in diesem Nichts,
Worum die Welt sich reißet,
Du bleibst mein Held und Hort,
Und was auch reißt und spleißet,
Nichts reißt von dir mich fort.
So mag denn alles schweben
Im Wechsel hin und her,
Mir ist hinfort gegeben
Was wechselt nimmermehr:
O Liebe, Licht und Leben,
O süßer Gottesheld!
Du, du bist mir gegeben –
Was frag' ich nach der Welt?
 


          An Henriette von Willich
als ich ihr das Büchlein des Thomas von Kempen
von der Nachahmung Christi überreichte.
                      1830

Viel ist gered't, gelesen und geschrieben,
Seit dieses Büchlein in die Welt gegangen,
Das Mal und Siegel von dem Geist empfangen,
Der Liebe sandte, daß sie lehrte lieben.
Wie vieles ist gewesen und vergangen,
Dies Büchlein hat vier Säkeln überdauert,
Und in dem Lande, wo's den Seelen schauert,
Lehrt's heute noch das ew'ge Heil erlangen.
Geliebtes Kind, kannst du einfältig fragen,
Einfältig wirst du darin Antwort finden:
Wie Liebe alles lösen kann und binden,
Weiß einzig sie das Höchste auszusagen.
 


                   An Lili
                     1809

Es wächst ein Blümlein Bescheidenheit,
Der Mägdlein Kränzel und Ehrenkleid,
Wer solches Blümlein sich frisch erhält,
Dem blühet golden die ganze Welt.
Auch wird ein zweites, das Demut heißt,
Als Schmuck der Mägdelein hoch gepreist,
Die Englein, singend an Gottes Thron,
Es trag'n als Demant in goldner Kron.
Ein drittes Blümlein, wo diese zwei
Nur stehen, immer ist dicht dabei,
Heißt Unschuld, siehet gar freundlich aus,
Das schönste Blümchen im Frühlingsstrauß.
So pflege, Mägdelein, der Blümlein drei
Mit frommer Sorge und stiller Treu;
Denn wer sie wahret, wird nimmer alt,
Er trägt die himmlische Wohlgestalt.
 


An die Freunde Friedrich Dahlmann und Friedrich Welcker
                 1856

Seid gegrüßt, ihr treuen Alten,
Die dem alten Gott vertrau'n.
Durch des Altertums Gestalten
Hin auf neue Schöpfung schau'n.
Her die Hände auf den Glauben,
Der sein Halte fest! uns schreibt
Und, wie viel auch Narren schnauben,
Doch der Ewiggleiche bleibt.
Vaterland und Freiheit haben
Wir in stillem Streit gesucht,
Wollten nicht, daß Kräh'n und Raben
Frech bekrächzen Adlerflucht.
Haben auf die Adlersiege
Fest gehofft und treu geglaubt,
Doch fiel in dem schweren Kriege
Mancher Tropfen Schweiß vom Haupt.
Und so schaun trotz feiger Tadler
Und trotz feiler Knechte Witz
Wir von fern den deutschen Adler
Mit dem alten Donnerblitz.
Ja, schon saust es und wird kommen –
Deutschland, süßes Vaterland!
Alle Tapfern, Freien, Frommen
Sind dem Wetter zugewandt.
Schrei der Pöbelschwarm sich heiser,
Was sich fern zusammenballt,
Aus dem blitzt der Donnerweiser
Neuen Lebens Lichtgestalt.
 

  An die Nachtigall
             1813

Süße Klage,
Kleine Nachtigall,
Klang der Nächte, sage,
Wer gab dir den Schall?
Fielst von Sternen
Du, ein Engeltraum,
Daß wir Sehnsucht lernen
Nach dem lichten Raum?
Wurdest Leier
Für der Liebe Leid,
Singst der Seelen Feier
Nun im Federkleid?
Philomele,
Holdes Himmelskind,
Zarte Geisterseele,
Wie die Engel sind!
O der Herzen
Goldner Leierklang!
Klinge, Lust der Schmerzen,
Klinge laut Gesang!
Klinge, Liebe,
Klinge, Sehnsucht drein!
Funkelt, helle Triebe,
Hell wie Sternenschein!
Stimmt Gesänge
Gleich der Nachtigall,
Und im Strom der Klänge
Flutet hin zum All.
 


    An die Wehmut
             1813

Du, die im Sternenschleier
Der Nächte wandeln geht,
Wo Traum und Ahnung freier
Um fromme Seelen weht,
Wo sich von grünen Grüften
Die grüne Hoffnung hebt
Und in den Himmelslüften
Mit Engeln selig schwebt.
Die dann um stille Seelen
Ihr zartes Dunkel spinnt,
Die Wunder zu erzählen,
Die hoch im Himmel sind,
Die dann die hellen Saiten
Des tiefsten Herzens rührt
Und durch die langen Zeiten
Die Geister wandeln führt –
Sei süß mir, o Huldinne,
Sei, Wehmut, mir gegrüßt,
Die mild durch alle Sinne
Gleich Himmelsquellen fließt,
Die Gram und heißes Sehnen
In sanften Schlummer lullt
Und in der Flut der Thränen
Ertränkt die bittre Schuld.
Dir will ich ewig danken,
Dir, meiner Nächte Lust,
Die weich mit Himmelsranken
Umsticht die wunde Brust,
Die süße Liebesworte
Mit Engeltönen singt
Und an der Himmelspforte
Der Sehnsucht Glocken ringt.
Dich will ich ewig loben,
Dich und die Schwester dein,
Die Liebe, die nach oben
Auch lockt der lichte Schein,
Die Liebe, die auf Erden
Wohl nie Genüge find't,
Oft traurig an Gebärden
Gleich dir ein himmlisch Kind.
O bleibet süße beide,
O bleibt mir ewig treu!
Daß ich fröhlich im Leide,
In Freuden traurig sei.
Was flache Thoren preisen,
Das mag mein Glück nicht sein,
Wo eure Sterne kreisen,
Da kann ich selig sein.
 


  An die deutschen Fürsten
                  1842
 
Ihr schaut den deutschen Michel an?
Er trägt nicht mehr den Stamm der Tannen,
Doch ist er noch der wilde Mann,
Der nicht viel dannen fragt noch wannen,
Das Riesenkind im alten Traum,
Vor dessen Faust die Welt muß strauchen,
Und nimmt er sich den Weberbaum,
Er weiß wie weiland ihn zu brauchen.
Ihr schaut den deutschen Michel an?
O meinet nicht mit ihm zu scherzen,
Er ist noch heut der wilde Mann,
Der viel im Arm hat, mehr im Herzen.
Traut nicht zu viel auf seinen Traum,
Er träumet hart am Morgenthore,
Ein solcher Traum wird nimmer Schaum,
Er hat die volle Lichtaurore.
Ja, schaut euch nur den Michel an.
Er reibt die Augen zum Erwachen,
Ihm träumte, wie er ein Gespann
Von einem Riesen schlug und Drachen –
O schaut, wie ihm des Schlafes Sand
Vom lichtbestrahlten Auge fließet,
Wie er halb träumend mit der Hand
Wie durch die Lüfte Speere schießet.
Ja, schaut euch nur den Michel an,
Die Faust, das Herz, das Speereschießen,
Der schwere Schlaf gottlob wird dann
Auch euch wie ihm im Licht zerfließen –
Kommt, schaut den Traum, des Träumers Spiel,
Und traut nicht, daß er nur will spielen:
Weil er mit Geistern spielt zum Ziel,
So wird er desto schärfer zielen.
Ja, schaut euch nur den Michel an,
Und lernt im Michel euch erkennen,
Lernt mit dem deutschen starken Mann
Wie weiland für die Freiheit brennen,
Für deutsche Ehre, deutsches Recht,
Für deutsche Wahrheit, deutsche Freude –
Lernt das! dann weidet eu'r Geschlecht
Auch künftig mit auf deutscher Weide.
Ja, schaut den deutschen Michel an,
Was soll ich Fürsten Wahrheit fälschen? –
Zieht an den vollen deutschen Mann,
Werft weg den bunten Rock der Welschen,
Werft weg den welschen Lügenschein,
All eure welschen Feinereien –
Dann tritt der deutsche Held herein,
Der erste Freie unter Freien.
Ja, schaut den deutschen Michel an –
O wärt ihr ganz aus seinem Holze!
Gleich stünde da der ganze Mann,
Der Stille, Tapfre, Freie, Stolze,
Der winkte durch die Welt hinaus:
»Still, Moskowiter! still, Franzose!
Wir stehen fertig jedem Strauß
Und schütteln mutig rote Lose.«
Ja, schaut den deutschen Michel an,
Das Riesenkind mit Geisterträumen –
Nicht wird die Brandung, die begann,
In dünnem Wellenspiel verschäumen –
Mit ihm mit hellem Mut hinein,
Wie wild auch Sturm und Woge treiben!
So werdet ihr die ersten sein
Und Michel wird der Zweite bleiben.
 

Aufruf an die Deutschen nach Schills Tod

O Deutsche, nicht mehr Deutsche,
Nicht Männer, eitel Weiber!
Was krümmt ihr Euch die Leiber
Dem Schlag der Sklavenpeitsche?
Was kriecht ihr wie die Hunde
Vor Henkern und Banditen
Und lernt die Worte hüten
Des Zorns vom freien Munde?

O eure tapfern Väter!
O eure großen Ahnen!
Die Helden, die Germanen!
Das waren kühne Täter,
Nicht schöner Worte Sprecher
Nein, stolzer Freiheit Kinder,
Tyrannenüberwinder,
Entnervter Tugendknechte Rächer.

Ihr aber, Sklavenhorden,
Wie macht ihr Eisen blutig?
Wie sied ihr kühn und mutig?
Ach ! nur euch selbst zu morden:
Feil steht ihr dem Tyrannen
Zum Brudermorde fertig.
Steht seines Winks gewärtig,
Euch selber zu entmannen.

Oh Sonne, die noch scheinet!
O Himmel, der noch rollet!
Versteht ihr, was ihr wolltet?
Weint euren Wahnsinn weinet!
Versucht den Trug, die Schande,
Womit ihr euch zerreisset,
Womit ihr Knechte heisset
In freier Väter Lande!

Zusammen! frisch zusammen!
Es will die Welt vergehen,
Ihr seht sie schon verwehen
In hellen lichten Flammen
Ihr habt den Brand gezündet
Ihr müsst mit Blut ihn dämpfen
Und mit den Räubern kämpfen,
Bis ihr die Freiheit findet.

Dann auf getürmten Leibern
Der Schänder schreitend, pflücket
Den Schmuck, der Freie schmücket,
Das Laub der deutschen Eichen;
Dann schwört den Schwur der Treue
Den lieben Vaterlande,
Das nie Despotenschande
Die heilige Erd entweiht.


         Aus Frankfurt weg!
                  Mai 1849
 
Hinweg! die besten Streiter matt,
Die stärksten Arme todeswund.
Hinweg! satt ist und übersatt
Gelebt – es kommt die Sterbestund'.
Weg! keinen Augenblick gesäumt!
Sonst stirbst du wie ein feiger Hund.
Du hast vom Kaiserstolz geträumt –
Vergrab einstweilen deinen Fund.
Die Besten wissen, wo er liegt,
Einst heben sie ihn ans Sonnenlicht.
Wir sind geschlagen, nicht besiegt.
In solcher Schlacht erliegt man nicht.
 


                       Ballade
Und die Sonne machte den weiten Ritt
Um die Welt,
Und die Sternlein sprachen: "Wir reisen mit
Um die Welt";
Und die Sonne, sie schalt sie: "Ihr bleibt zu Haus!
Den ich brenn euch die goldnen Äuglein aus
Bei dem feurigen Ritt um die Welt."
Und die Sternlein gingen zum lieben Mond
In der Nacht,
Und sie sprachen: "Du, der auf Wolken trohnt
In der Nacht,
Laß uns wandeln mit dir, denn dein milder Schein,
Er verbrennet uns nimmer die Äugelein."
Und er nahm sie, Gesellen der Nacht.
Nun willkommen, Sternlein und lieber Mond,
In der Nacht!
Ihr versteht, was still in dem Herzen wohnt
In der Nacht.
Kommt und zündet die himmlischen Lichter an,
Daß ich lustig mit schwärmen und spielen kann
In den freundlichen Spielen der Nacht.
 


                 Bundeslied
                       1815

Sind wir vereint zur guten Stunde
Wir starker deutscher Männerchor,
So dringt aus jedem frohen Munde
Die Seele zum Gebet hervor:
Denn wir sind hier in ernsten Dingen
Mit hehrem, heiligem Gefühl;
Drum muß die volle Brust erklingen
Ein volles helles Saitenspiel.
Wem soll der erste Dank erschallen?
Dem Gott, der groß und wunderbar
Aus langer Schande Nacht uns allen
In Flammen aufgegangen war,
Der unsrer Feinde Trotz zerblitzet,
Der unsre Kraft uns schön erneut
Und auf den Sternen waltend sitzet
Von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Wem soll der zweite Wunsch ertönen?
Des Vaterlandes Majestät!
Verderben allen, die es höhnen!
Glück dem, der mit ihm fällt und steht!
Es geh, durch Tugenden bewundert,
Geliebt durch Redlichkeit und Recht
Stolz von Jahrhundert zu Jahrhundert,
An Kraft und Ehren ungeschwächt!
Das Dritte, deutscher Männer Weide!
Am hellsten soll's geklungen sein!
Die Freiheit heißet deutsche Freude,
Die Freiheit führt den deutschen Reih'n;
Für sie zu leben und zu sterben,
Das flammt durch jede deutsche Brust,
Für sie um großen Tod zu werben
Ist deutsche Ehre, deutsche Lust.
Das Vierte – Hebt zur hehren Weihe
Die Hände und die Herzen hoch!
Es lebe alte deutsche Treue!
Es lebe deutscher Glaube hoch! –
Mit diesen wollen wir's bestehen,
Sie sind des Bundes Schild und Hort:
Fürwahr, es muß die Welt vergehen,
Vergeht das feste Männerwort.
Rückt dichter in der heil'gen Runde,
Und klingt den letzten Jubelklang!
Von Herz zu Herz, von Mund zu Munde
Erbrause freudig der Gesang!
Das Wort, das unsern Bund geschürzet,
Das Heil, das uns kein Teufel raubt
Und kein Tyrannentrug uns kürzet,
Das sei gehalten und geglaubt!
 


             Danklied

Frisch auf, mein Herz! und werde Klang!
Und Seele, werde Lied!
Und Freude töne Lobgesang,
Der mir im Busen blüht!
Denn er, der alle Himmel rollt
Und zählt das Sternenheer,
Denn Gott, der Vater fromm und hold,
Verläßt mich nimmermehr.
Ich lag umhüllt mit Finsternis,
Die aus der Hölle kam,
Und durch die tiefste Seele riß
Mit Tigerklaun der Gram,
Gebrochen war mir alle Kraft,
Erloschen aller Mut,
Da rief ich dem, der alles schafft:
Mach's Vater, mach es gut!
Und plötzlich ward die Nacht zum Licht,
Zur Wonne ward das Leid,
Und wieder schaut' ich aufgericht't
Des Lebens Herrlichkeit,
Den blauen lichten Sonnenraum,
Das bunte Blumenfeld –
Da war mein Jammer nur ein Traum,
Die Welt die beste Welt.
Drum dank ich dem, der Wunder thut
Und Güte für und für,
Es rieselt jeder Tropfen Blut
Den Lobgesang in mir,
Es wird ein jeder Blick ein Strahl,
Der auf gen Himmel dringt,
Wo tausend tausend tausendmal
Das Heilig! Heilig! klingt.
Denn wie die Kindlein in dem Schoß
Die treue Mutter hegt,
Läßt seine Treue nimmer los,
Die alles selig trägt,
Und seine Liebe lockt so süß,
Was Liebe mag verstehn,
Daß wir zu ihm ins Paradies
Der Lust und Unschuld gehn.
 


         Das Feuerlied
                1817

Aus Feuer ist der Geist geschaffen,
Drum schenkt mir süßes Feuer ein!
Die Lust der Lieder und der Waffen,
Die Lust der Liebe schenkt mir ein,
Der Traube süßes Sonnenblut,
Das Wunder glaubt und Wunder thut.
Was soll ich mit dem Zeuge machen,
Dem Wasser ohne Saft und Kraft?
Gemacht für Frösche, Kröten, Drachen,
Und für die ganze Würmerschaft?
Für Menschen muß es frischer sein,
Drum bringet Wein und schenket Wein!
O Wonnesaft der edlen Reben!
O Gegengift für jede Pein!
Wie matt und wässrig fließt das Leben,
Wie ohne Stern und Sonnenschein,
Wenn du, der einzig leuchten kann,
Nicht zündest deine Lichter an!
Es wäre Glauben, Lieben. Hoffen
Und alle Herzensherrlichkeit
Im nassen Jammer längst ersoffen
Und alles Leben hieße Leid,
Wärst du nicht in der Wassersnot
Des Mutes Sporn, der Sorge Tod.
Drum dreimal Ruf und Klang gegeben!
Ihr frohen Brüder, stoßet an!
Dem frischen, kühnen Wind im Leben,
Das Schiff und Segel treiben kann!
Ruft Wein, klingt Wein und aber Wein!
Und trinket aus und schenket ein!
Aus Feuer ist der Geist geschaffen,
Drum schenkt mir süßes Feuer ein!
Die Lust der Lieder und der Waffen,
Die Lust der Liebe schenkt mir ein!
Der Trauben süßes Sonnenblut,
Das Wunder glaubt und Wunder thut.
 


               Das Gespräch
                       1803

Ich sprach zum Morgenrot: was glänzest du
Mit hellem Rosenlicht?
Ich sprach zur Jungfrau schön: was kränzest du
Dein junges Angesicht?
Morgenrot, du einst erbleichen mußt;
Jungfrau schön, du einst verwelken mußt;
Drum schmücket euch nicht.
Ich schmücke mich, so sprach das Morgenrot,
Mit hellem Rosenlicht;
Ob mir dereinst ein bleiches Schicksal droht,
Das frag' und weiß ich nicht:
Der dem Mond, den Sternen gab den Schein,
Auch gefärbt hat rot die Wangen mein;
Drum traure ich nicht.
Ich kränze mich, so sprach die Jungfrau schön,
Weil noch mein Frühling blüht;
Sollt' ich darum in stetem Trauren gehn,
Daß einst die Jugend flieht?
Der beschirmt und hält der Vöglein Nest,
Der die Blumen blühn und welken läßt,
Dem traut mein Gemüt.
 


              Das Grab
                  1835

Steh hier still, hier wächst der Baum
Schon mit Blättern grün und voll,
Der des letzten Schlummers Traum
Freundlich dir umschatten soll.
Schau ihn an, er ist so grün,
Nickt so lustig in die Welt,
Rote Rosen ihn umblühn,
Von der Maienluft geschwellt.
Welch ein Schimmer! welch ein Duft!
Horche, wie der Morgen klingt,
Wie der Kuckuck unten ruft!
Wie die Lerche oben singt!
Und dies Leben rosenrot,
Diese Wonne liederreich
Wäre graulich, und der Tod
Hätte hier sein düstres Reich?
Nein, ihr Rosen, nein, du Baum,
Der mich einst umsäuseln wird,
Nein, du Vöglein, das den Traum
Dieses Schlafes einst umschwirrt,
Nein, ihr Maienlüftchen süß,
Die ihr mit den Blumen kost,
Hier blüht wieder Paradies,
Das nicht Sturm noch Flut umtost.
Wachse denn, du grüner Baum,
Wachset, Rosen, zum Gebüsch,
Mit dem vollen Frühlingstraum
Duftet um mein Bette frisch;
Liebe, hüte dieses Grab,
Hoffnung, winde drum dein Grün,
Und so laßt mich bald hinab
In die sel'ge Stille fliehn.
 


    Das Lied vom Chasot
                   1813

In Deutschland lebt' ein edler Graf,
Eine freie Stadt sein Vaterland,
Ein rechter Ritter, fromm und brav,
Seine Seele trug er in seiner Hand.
Die Stadt heißt Lübeck mit stolzem Namen,
Der Graf heißt Chasot von edlem Samen.
Dem freien reichsgebornen Mann
Gefiel die Schande des Reiches schlecht,
In seinen Adern Ehre rann,
Drum haßte er durstig den Schelm und Knecht,
Ein Freund von redlichen Biederleuten
Kann er zum Recht nicht die Knechtschaft deuten.
Drum war er mit dem Degen risch,
Wo gegen die Welschen die Trommel klang:
Das machte Mut ihm und Seele frisch,
Das war ihm höchster Freudenklang,
Da mußt' er hin über Land und Wasser,
Der tapfre, kühne Franzosenhasser.
Als nun die Post nach Deutschland schallt:
Der Kaiser von Rußland ziehet aus,
Dem Grafen das Herz in dem Leibe wallt,
Da kann er nicht sitzen still zu Haus,
Da muß er sein Blut und Leben wagen,
Er muß sich mit den Franzosen schlagen.
Durch Buben und Verräter schleicht
Viele hundert Meilen der Grafensohn
Hin, wo's dem Herzen lustig deucht,
Wo klinget des Kriegs Posaunenton,
Wo Alexander die Männer rüstet
Und mutige Russen nach Streit gelüstet.
Bald braust auf sie wie ein wildes Meer
Der welschen Rotten gewaltige Flut,
Sie ziehen trotziglich daher
Und dräuen im prahlenden Übermut:
Hieher! wer stehet vor unsern Heeren?
Wer mag uns die Herrschaft der Erde wehren?
Doch Gott im Himmel sah darein,
Und der Russen mächtige Kriegesfaust,
Wie Herbstwind schüttelt das Laub im Hain,
So hat sie der Sturmwind der Schlacht zerzaust:
Sie sollten Raben und Wölfe füttern
In Rußland sollt' ihr Gebein verwittern.
Der edle Graf in mancher Schlacht,
In manchem blutigen Männerstrauß
Sich gegen die Schelme lustig macht,
Er sieht sie zerstieben zu Staub und Graus,
Er sieht sie fliehen, er sieht sie fallen.
Das deucht ihm der lustigste Fall von allen.
Drauf reist er hin nach Petersburg
An Hoffnungen und an Freuden reich,
Eine Zierde der hohen Kaiserburg,
Ein stolzer Sprößling aus deutschem Reich,
Dort soll er des Vaterlands heil'gen Waffen
Erlesene Scharen von Männern schaffen.
Schon hebt die deutsche Legion
Für Freiheit und Ehre das Siegspanier,
Sie brennet gegen Schmach und Hohn
Und gegen Franzosen von Kriegsbegier,
Sie brennet von Sehnsucht der süßen Stunde,
Wo Rache klinget von Mund zu Munde.
Sie schauet auf des Grafen Schwert
Und auf sein frommes und deutsches Herz,
Er dünket ihr vor allen wert
Voranzuspielen im Schlachtenscherz,
Voranzustreiten dem kühnen Reihen
Als Held und Führer der edlen Freien.
Du edler Graf, wo ziehst du hin?
Wo ziehst du hin durch Winter und Schnee?
Auf Deutschland steht dir nur der Sinn,
Dir thun die armen Gefangnen weh,
Die armen Gefangnen, die die Franzosen
Haben in den Tod und das Elend gestoßen.
Du edler Graf, wo ziehst du hin?
Wo ziehst du hin durch Winter und Schnee?
Auf Deutschland steht dir nur der Sinn,
Drum ziehst du nach Pleskow am Peipussee,
Da willst du die armen Gefangnen erlösen
Und waffnen und führen gegen die Bösen.
O Pleskow, Stadt am Peipussee!
Wann hört die Klage der Freien auf?
Wann saust nicht mehr ein dumpfes Weh
In deiner Wellen ächzendem Lauf?
In dir soll der Bravste von allen Braven,
In dir soll der edle Graf Chasot schlafen.
Der Ritter, der die Kranken pflegt
Und der Verwundeten Schmerz verbind't,
Wird in die dunkle Gruft gelegt,
Schon spielt um seinen Hügel der Wind,
Die irdische Sonne wird nimmer ihm scheinen,
Doch werden ihn ewig die Freien beweinen.
Denn einen freiern deutschen Mann
Als Chasot war der viel edle Graf,
Das Deutschland nie gebären kann,
An Leib und Seele so fest und brav,
Ein Kind in Liebe, ein Held in Treuen,
Ein Herz wie die Herzen der edlen Leuen.
Drum setzen wir diesen Leichenstein,
Drum singen wir dieses Trauerlied.
So lange grünt eine Eich' im Hain,
So lang' eine Blume auf Auen blüht,
Eine Liebe noch glühet in deutschen Seelen,
Sollen Kränze und Lieder ihm nimmer fehlen.
 


  Das Lied vom Dörnberg
                  1813

Es war ein Freiherr fromm und gut
Vom Kattenland und Kattenblut –
O tapfres Land der Hessen!
Der haßte tief den welschen Tand,
Der konnte Ehr' und Vaterland
Und Freiheit nicht vergessen.
Es hatt' auf den Landgrafenthron
Den Bruder sein Napoleon
Im Kaiserstolz gesetztet;
Der Bruder hieß Hieronymus,
Ein Weichling, der im Diebsgenuß
Der Wollust sich ergetzet.
Das deucht dem edlen Dörnberg schlimm,
Er rüstet sich im Heldengrimm,
Den Buben will er schlagen,
Die Welschen will der Ritter wert
Mit Spieß und Stange, Kolb' und Schwert
Weit übern Rhein verjagen.
Schon hat er klug sein Netz gespannt,
Schon hält er's Schwert in tapfrer Hand,
Schon warten seine Treuen,
Sie brennen all' von deutschem Mut,
Sie dürsten all' Franzosenblut
Mit Durst der edlen Leuen.
Das deuchte einem Schelm nicht recht,
Ein Ritter, doch von Sinn ein Knecht,
An Ehren mißgeboren,
Der sagt's dem König alles aus,
Der rüstet sich und schirmt sein Haus
Mit Wehr an Türmen und Thoren.
Da muß der edle Dörnberg fliehn,
Verräter spähen hinter ihn,
Sein Leben zu erlauschen;
Er auf der Flucht muß ab und an
Mit manchem fremden Wandersmann
Wohl Kleid und Kappe tauschen.
Bis er den wackern Braunschweig find't,
Der Welfen echtgebornes Kind,
Den treuen deutschen Degen;
Da muß noch mancher welsche Hund
Sich blutig auf den grünen Grund
Durch seinen Säbel legen.
Sie hauen sich wie Männer durch,
Dann segeln sie zur Freiheitsburg,
Altengelland mit Namen;
Da ruhen sie vom harten Strauß
Die müden, wunden Glieder aus.
Gott sprach zur Kühnheit Amen.
Nun, Deutsche, hört die neue Mär!
Der Dörnberg ziehet wieder her,
Er führet tapfre Reiter,
Er reitet ein geschwindes Pferd,
Er schwinget ein geschliffnes Schwert,
Und Gott ist sein Begleiter.
 


     Das Lied vom Feldmarschall
                        1813

Was blasen die Trompeten? Husaren, heraus!
Es reitet der Feldmarschall im fliegenden Saus,
Er reitet so freudig sein mutiges Pferd,
Er schwinget so schneidig sein blitzendes Schwert.
O schauet, wie ihm leuchten die Augen so klar!
O schauet, wie ihm wallet sein schneeweißes Haar!
So frisch blüht sein Alter wie greisender Wein.
Drum kann er Verwalter des Schlachtfeldes sein.
Der Mann ist er gewesen, als alles versank,
Der mutig auf gen Himmel den Degen noch schwang;
Da schwur er beim Eisen gar zornig und hart,
Den Welschen zu weisen die deutscheste Art.
Den Schwur hat er gehalten. Als Kriegsruf erklang,
Hei! wie der weiße Jüngling in'n Sattel sich schwang!
Da ist er's gewesen, der Kehraus gemacht,
Mit eisernem Besen das Land rein gemacht.
Bei Lützen auf der Aue er hielt solchen Strauß,
Daß vielen tausend Welschen der Atem ging aus,
Daß Tausende liefen dort hasigen Lauf;
Zehntausend entschliefen, die nimmer wachen auf.
Am Wasser der Katzbach er's auch hat bewährt,
Da hat er den Franzosen das Schwimmen gelehrt:
Fahrt wohl, ihr Franzosen, zur Ostsee hinab!
Und nehmt, Ohnehosen, den Walfisch zum Grab.
Bei Wartburg an der Elbe, wie fuhr er hindurch!
Da schirmte die Franzosen nicht Schanze noch Burg!
Da mußten sie springen wie Hasen übers Feld,
Hinterdrein ließ erklingen sein Hussa! der Held.
Bei Leipzig auf dem Plane, o herrliche Schlacht!
Da brach er den Franzosen das Glück und die Macht,
Da lagen sie sicher nach blutigem Fall,
Da ward der Herr Blücher ein Feldmarschall.
Drum blaset, ihr Trompeten! Husaren, heraus!
Du reite, Herr Feldmarschall, wie Winde im Saus!
Dem Siege entgegen, zum Rhein, übern Rhein!
Du tapferer Degen, in Frankreich hinein!
 


Das Lied vom Gneisenau
               1813

Bei Kolberg auf der grünen Au,
Juchheididei! Juchheididei!
Geht's mit dem Leben nicht zu genau,
Juchhei! Juchhei! Juchhei!
Da donnert's aus Kanonen,
Da sät man blaue Bohnen,
Die nimmer Stengel treiben,
Bei Kolberg auf der Au.
Bei Kolberg hat es flinken Tanz,
Juchheididei! Juchheididei!
Um Mauer und Graben, um Wall und Schanz,
Juchhei! Juchhei! Juchhei!
Sie tanzen also munter,
Daß mancher wird herunter
Vom Tanzplatz tot getragen,
Bei Kolberg auf der Au.
Wie heißt die Braut, die Hochzeit hält?
Juchheididei! Juchheididei!
Um die so mancher tanzend fällt?
Juchhei! Juchhei! Juchhei!
Stadt Kolberg heißt die Schöne,
Sie weckt die hellen Töne,
Wonach die Tänzer tanzen
Auf Kolbergs grüner Au.
Wie heißt ihr schöner Bräutigam?
Juchheididei! Juchheididei!
Es ist ein Held von deutschem Stamm,
Juchhei! Juchhei! Juchhei!
Ein Held von echten Treuen,
Daß sich die Deutschen freuen,
Und Gneisenau klingt sein Name
Auf Kolbergs grüner Au.
Bei Kolberg auf der grünen Au,
Juchheididei! Juchheididei!
Da tanzt der tapfre Gneisenau,
Juchhei! Juchhei! Juchhei!
Er tanzt so frisch und freudig,
Er tanzt so scharf und schneidig
Franzosen aus dem Atem
Auf Kolbergs grüner Au.
So ging's auf Kolbergs grüner Au,
Juchheididei! Juchheididei!
Mit Tod und Leben nicht zu genau,
Juchhei! Juchhei! Juchhei!
Und manchen Franzosen haben
Sie nach dem Tanz begraben:
Der Tanz ging ihnen zu mächtig
Auf Kolbergs grüner Au.
Doch als es still wird auf der Au,
Juchheididei! Juchheididei!
Da deucht es schlecht dem Gneisenau,
Er ruft: Ei! ei! ei! ei!
Er hasset die Franzosen,
Die argen Ohnehosen,
Nach England muß er reisen
Von Kolbergs grüner Au.
Komm nun zurück, du frommer Held!
Juchheididei! Juchheididei!
Und zieh mit Deutschen froh ins Feld,
Und rufe: Hei! Juchhei!
Thu einen Tanz noch wagen,
Wir woll'n die Welschen jagen
Mit dir und deinem Degen
Von Deutschlands grüner Au.
Komm nun zurück aus Engelland.
Juchheididei! Juchheididei!
Das Glück hat alles umgewandt,
Juchhei! Juchhei! Juchhei!
Komm, laß dein Lied erklingen,
Komm, laß die Welschen springen,
Wie du sie springen ließest
Auf Kolbergs grüner Au.
 


Das Lied vom Rhein an Niklas Becker
                 1840

Es klang ein Lied vom Rhein
Ein Lied aus deutschem Munde,
Und schnell wie Blitzesschein
Durchflog's die weite Runde,
Und heiß wie Blitzesschein
Durchzuckt' es jede Brust
Mit alter Wehen Pein,
Mit junger Freuden Lust.
Sein heller Wiederklang
Vom Süden fort zum Norden
Ist gleich wie Wehrgesang
Des Vaterlands geworden.
Nun brause fröhlich, Rhein:
Nie soll ob meinem Hort
Ein Welscher Wächter sein!
Das brause fort und fort.
Und stärkrer Wiederklang
Gleich Pauken und Posaunen,
Gleich kühnem Schlachtgesang
Klingt Welschland durch mit Staunen –
Es klinget. Neue Zeit
Und neues Volk ist da;
Komm, Hoffart, willst du Streit,
Germania ist da.
Drum klinge, Lied vom Rhein!
Drum klinget, deutsche Herzen!
Neu, jung will alles sein –
Fort! fort die alten Schmerzen!
Der alten Wahne Tand!
Alleinig stehn wir da,
Fürs ganze Vaterland,
Jung steht Germania.
 


       Das Lied vom Schill
                    1812

Es zog aus Berlin ein tapferer Held,
Er führte sechshundert Reiter ins Feld,
Sechshundert Reiter mit redlichem Mut,
Die dürsteten alle Franzosenblut.
Auch zogen mit Reitern und Rossen im Schritt
Wohl tausend der tapfersten Schützen mit.
Ihr Schützen gesegn' euch Gott jeglichen Schuß,
Durch welchen ein Franzmann erblassen muß!
So zielet der tapfre, der mutige Schill,
Der mit den Franzosen schlagen sich will;
Ihn sendet kein Kaiser, kein König aus,
Ihn sendet die Freiheit, das Vaterland aus.
Bei Dodendorf färbten die Männer gut
Das magdeburger Land mit französischem Blut,
Zweitausend zerhieben die Säbel blank,
Die übrigen machten die Beine lang.
Drauf stürmten sie Dömitz, das feste Haus,
Und jagten die Schelmenfranzosen hinaus,
Dann zogen sie lustig ins Pommerland ein,
Da soll kein Franzose sein Kiwi! mehr schrein.
Auf Stralsund stürmte der reisige Zug –
O Franzosen, verständet ihr Vogelflug!
O wüchsen euch Federn und Flügel geschwind!
Es nahet der Schill und er reitet wie Wind.
Er reitet wie Wetter hinein in die Stadt,
Die der Wallenstein weiland belagert hat,
Wo der Zwölfte Karolus im Thore schlief.
Jetzt liegen ihre Mauern und Türme tief.
O weh euch, Franzosen! jetzt seid ihr tot,
Ihr färbet die Säbel der Reiter rot,
Die Reiter sie fühlen das deutsche Blut,
Franzosen zu säbeln das deucht ihnen gut.
O Schill! o Schill! du tapferer Held!
Was sind dir für bübische Netze gestellt!
Viele ziehen zu Lande, es schleichet vom Meer
Der Däne, die tückische Schlange daher.
O Schill! o Schill! du tapferer Held!
Was sprengst du nicht mit den Reitern ins Feld?
Was schließest in Mauern die Tapferkeit ein?
In Stralsund da sollst du begraben sein.
O Stralsund, du trauriges Stralesund!
In dir geht das tapferste Herz zu Grund,
Eine Kugel durchbohret das treueste Herz,
Und Buben sie treiben mit Helden Scherz.
Da schreiet ein frecher Franzosenmund:
»Man soll ihn begraben wie einen Hund,
Wie einen Schelm, der an Galgen und Rad
Schon fütterte Krähen und Raben satt.«
So trugen sie ihn ohne Sang und Klang,
Ohne Pfeifenspiel und ohne Trommelklang,
Ohne Kanonenmusik und Flintengruß,
Womit man die Tapfern begraben muß.
Sie schnitten den Kopf von dem Rumpf ihm ab
Und warfen den Leib in ein schlechtes Grab,
Da schläft er nun bis an den jüngsten Tag,
Wo Gott ihn zu Freuden erwecken mag.
Da schläft der fromme, der tapfre Held,
Ihm ward kein Stein zum Gedächtnis gestellt;
Doch hat er auch keinen Ehrenstein,
Sein Name wird nimmer vergessen sein.
Denn zäumet ein Reiter sein schnelles Pferd,
Und schwinget ein Reiter sein blankes Schwert,
So rufet er immer: Herr Schill! Herr Schill!
Ich an den Franzosen mich rächen will.
 


Das Lied vom Siegerich
             1817

Von Freiheit will ich klingen –
Das ist der höchste Klang –
Von Freiheit will ich singen
All all mein Lebenlang,
Daß mächtig ihr Geläute
Die kühnen Herzen weckt
Und für die schönste Beute
Der Tugend Sehnen streckt.
Auch klingt mein Lied von denen,
Die Stolz auf Recht und Gott
Und hohes Herzenssehnen
Gelockt in edlen Tod,
Die ritterlich verblutet
Das Leben jung und schön,
Getrieben und gemutet
Durch das, was wir nicht sehn.
Denn das, was wir nicht sehen,
Heißt Gott und Vaterland,
Die Freiheit in den Höhen,
Ein unsichtbares Land,
Geliebt, geschaut im Glauben,
Im stillen frommen Mut,
Durch keine List zu klauben,
Weil's ist ein hehres Gut.
Von hohen Bergen fließet
Ein Flüßlein in den Rhein,
An dessen Ufern sprießet
Ein Knabe fromm und fein,
Aus altem Heldenstamme,
Mit Welschen nie im Kauf:
Drum schlägt auch edle Flamme
Aus Stamm und Wurzeln auf.
Das Flüßlein, welches fließet
Zum Rheine, heißt die Wied,
Der Knabe, welcher sprießet
Am Flüßchen, heißt Neuwied.
Sie haben ihn genennet
Den Viktor Siegerich:
Der stolze Name brennet,
Auf Thaten schickt er sich.
Er hatte seinen Weiser –
So galt es im Geschlecht –
Zu dienen Deutschlands Kaiser
Das deucht ihm Pflicht und Recht;
Wo deutsche Fahnen wehen,
Wo deutsche Losung schallt,
Da muß der Siegrich stehen,
Da treibt's ihn mit Gewalt.
So zog in Franzens Schlachten
Er zweimal fröhlich aus,
Doch ach! die Männer brachten
Den Sieg nicht mit nach Haus:
Da hat die welsche Rotte.
Kühn durch des Teufels Macht,
Den Spruch vom deutschen Gotte
Bei vielen klein gemacht.
Auch Siegerich den Jungen
Hat da das welsche Glück
Verwundet und bezwungen
Das deutsche wich zurück –
Er kam in böse Bande
Gen Straßburg an dem Rhein;
Da beweint' er deutsche Lande
Verwelscht und deutschen Wein.
Er mußt' in Kerkers Mauern
Der trüben Monde drei
Versehnen und vertrauern.
Da war der Kampf vorbei:
»Die Schwerter und die Lanzen,
Ihr Krieger, steckt sie ein!
Ihr sollt zur Hochzeit tanzen,
Das soll der Friede sein.«
»O Friede, schnöder Friede!
Wie bist du ehrensiech!
Ist das der Schluß vom Liede?
Viel besser wäre Krieg.
So klingt im deutschen Lande
Ringsum der Jammerschall:
Wir tragen schwer die Schande
Ihr springt den Hochzeitball.«
Nun steht der Kerker offen
Dem Viktor Siegerich,
Doch hin ist Lust und Hoffen,
O Vaterland, für dich;
Noch giebt die alte Sonne
Dir Licht und Lebenschein,
Doch weh! der Freiheit Wonne
Und Stolz ist nicht mehr dein.
Er sieht die Welschen meucheln
Die Ehre und das Recht,
Er sieht die Fürsten heucheln
Und schmeicheln gleich dem Knecht,
Er sieht in Diademen
Den neuen Sklavenprunk,
Wie sie sich übernehmen
In Babels Hurentrunk.
Er hört die Hochzeit schallen
Von Habsburg edlem Sproß,
Hört auf den Hofer knallen
Das feige Mordgeschoß:
In Wien erklingt der Reigen;
In Mantua knallt der Schuß,
Wodurch zur Gruft sich neigen
Der beste Deutsche muß.
Da hat's ihn weggetrieben,
Da war die Freude tot,
Er wäre nicht geblieben
Um alles Goldes Bot,
Um Scepter und um Kronen,
Die nicht die Ehre weiht:
Er muß mit solchen wohnen,
Wo Freiheit kämpft den Streit.
Er muß mit solchen stehen,
Die mit der Freiheit stehn,
Drum läßt er Wimpel wehen,
Die hin nach Westen sehn,
Nach Spanien hin, nach Westen
Es klingt daher so schön –
Da will er mit den Besten
Den welschen Trug bestehn.
Nach Spanien will er reisen,
Ins stolze Wunderland,
In Spanien will er weisen
Deutsch Herz und deutsche Hand;
Nach Spanien will er reisen,
Der Freiheit Heim und Haus,
Da hofft sein gutes Eisen
Auf manchen welschen Strauß.
So haben ihn die Wogen
Und Winde und Gewalt
Des Herzens fortgezogen,
Wo Krieg um Kadix schallt:
Da blüht ihm erste Freude
Nach langer trüber Zeit,
Sein Schwert fährt aus der Scheide,
Sein Fuß fliegt in den Streit.
Und wohl, wohl ist's gelungen
Dem Eisen und dem Fuß,
Daß unter ihm bezwungen
Manch Welscher bluten muß.
Auf Andalusiens Feldern
Da trat er rote Spur,
Aus der Pyrene Wäldern
Bedräut er Welschlands Flur.
So in zwei schönen Jahren –
O stolzer Freiheitskampf! –
Ist er hindurchgefahren,
Der Welschen Schreck und Dampf;
Sie sahn sein Eisen blitzen,
Sein Auge blitzte mehr,
Stets flog er an den Spitzen,
Der Vordermann im Heer.
So ist er einst geflogen
Gleich Himmelsflammen wild,
Auf roten Schlachtenwogen
Der Katalanen Schild,
Hat mit den roten Wogen
Die Feinde weggespült;
Da ist von Gottes Bogen
Der Pfeil auf ihn gezielt.
Da deckt, vom deutschen Lande,
Von deutscher Liebe fern,
Der Hasser welscher Schande,
Der deutschen Fürsten Stern,
Der Preis der deutschen Jugend,
Der junge grüne Held,
Das fromme Bild der Tugend,
Erblaßt das fremde Feld.
Da ist der Held gefallen
In jenem großen Jahr,
Als des Tyrannen Wallen
Gen Moskau schaurig war;
Er hat nicht mehr gesehen,
Was seine Seele rang,
Das Vaterland erstehen
Aus Jammers Überschwang.
Doch ist er auch gestorben
Fürs deutsche Vaterland,
Und hat den Kranz erworben,
Der Ehre schönstes Pfand,
Den Kranz, wodurch die Freien
Im Himmel herrlich stehn,
Die gegen Tyranneien
Durch Feuer und Eisen gehn.
Drum schreibt die deutsche Treue
Mit goldnem Strahlenschein
Dich kühner Schlachtenleue
In ihre Tafeln ein;
So lang' in festen Kreisen
Noch Mond und Sonne reist,
Wird man dich, Siegrich, preisen,
Wo man die Freiheit preist.
Von Freiheit muß ich klingen –
Das ist der höchste Klang –
Und ihre Glocken ringen
All all mein Lebenlang.
Drum hab' ich auch gesungen
Vom Siegerich die Mär,
Die weit und breit erklungen
Ist über Land und Meer.
 


       Das Lied vom Stein
                   1814

Wo zu des Rheines heil'gen Wogen
Die Lahn in bunten Ufern rauscht,
Da ist ein Adler aufgeflogen,
Der früh dem Sphärenklang gelauscht,
Der frühe in des Lichtes Wonne
Die junge Seele eingetaucht,
Den früh der goldne Reiz der Sonne
Mit stolzer Sehnsucht angehaucht.
Da saß er in dem Felsenneste,
Das seine Väter einst gebaut,
Da klang ihm auf der hohen Feste
Der grauen Vorzeit Wunderlaut:
Hei! wie dem Jüngling von dem Klingen
Die Brust erschwoll im süßen Wahn!
Hei! wie er oft geregt die Schwingen,
Als mäß' er schon die Sonnenbahn!
Drauf in das Leben ausgeflogen
Wie find't er alles anders gar!
Verfinstert hat den Himmelsbogen
Ein wüster Schwarm dem Sonnenaar,
Die Krähen und die Dohlen haben
Verhüllt des Lichtes goldnen Schein,
Und Eulen wollen gar und Raben
Herolde und Propheten sein.
Doch mitten in den Truggestalten
Schirmt ihn des Herzens fromme Scheu,
Er bleibt den himmlischen Gewalten
Des Jugendwahnes redlich treu,
Er winkt hinauf zur höchsten Ferne,
Hinab zum tiefsten Geisterort
Und spricht: die Götter und die Sterne
Sie halten ewig fest ihr Wort.
Ist gleich der Sonnenpfad der Väter
Vom schwarzen Pöbelschwarm verhüllt,
So brennt mir doch vom lichten Äther
In tiefster Brust ein Flammenbild;
Laß ew'ge Nacht das All bedecken,
Den Himmel thun den Höllenfall,
Die Seele zittert keinen Schrecken,
Sie trägt das All, sie ist das All.
Heil dir, du Sohn vom Felsenneste!
Heil dir, du mutig Sonnenkind!
Der hohe Walter ob der Feste
Er hat gesandt den Sausewind:
Die schwachen Flügel sind zerbrochen,
Dem Adler sind die Lüfte rein,
Das Nichts ist in sein Nichts gekrochen,
Der Tugend soll das Szepter sein!
Heil, fester Stein von festem Steine!
Heil, stolzer, freier, deutscher Mann!
Der in des Ruhmes Sonnenscheine
Vor aller Welt nun leuchten kann!
Zerschmettert liegt die Pöbelrotte,
Zerflogen ist der Knechte Wahn,
Und mit dem alten, deutschen Gotte
Geht Ehre auf der Ehrenbahn.
Heil, fester Stein von festem Steine!
Heil Freiheit, Vaterland und Recht!
Sieh lange noch am deutschen Rheine
In Freuden blühen Teuts Geschlecht!
Sieh lange noch vom Sitz der Ahnen
Im schönsten Lebensabendschein
Die freien Enkel der Germanen,
Das freie Land, den freien Rhein!
 

   Das Los des Schönen
                  1803

Die Rose blühet auf Dornen,
Die Nachtigall singet im Leide,
Was hoffest du irdische Freude,
Wo nirgends das Schöne besteht?
Die Blüten verwelkten und starben,
Dann klangen die Sicheln zu Garben,
Doch manche der lieblichsten Blüten
Hat fruchtlos der Winter verweht.
Hier steh' ich, pflücke mir Blumen,
Der Liebsten den Hügel zu schmücken,
Ich hoffte in Freuden zu pflücken,
Was brachte der lustige Mai;
Nun lieget mir still und begraben
Die schönste der irdischen Gaben,
Drum pflück' ich die Blumen mit Thränen,
Die brachte der lustige Mai.
Klingt stiller, zärtliche Saiten,
Klingt still um die schlummernde Schöne!
Sie kannte den Wohllaut der Töne,
Der Seelen melodischen Klang;
Haucht, Blumen, die lieblichsten Düfte!
Die schläft in dem Schweigen der Grüfte,
Ging Veilchen zu pflücken und Rosen
Oft spielend die Auen entlang.
 


 Dem Probst Pritzbuer zu Garz in Rügen
 zu seinem fünfundachtzigsten Jahrestage 1815

Heil sei dir! wackrer Greis, am Jubeltage,
Daß du vertraut hast dem gewalt'gen Wächter,
Der sä't und erntet sterbliche Geschlechter
Und schwebend hält die ernste Richterwage!
Dem alten Glauben treu, der alten Sage,
Der auf den Sternen herrscht, sei ein gerechter
Hort, lachtest du der höhnenden Verächter
Des Rechts und der Verzagten feiger Klage.
Drum ward dir auch das hohe Heil verliehen,
Der schönern Zukunft Dämmrung noch zu schauen,
Den freien Tag der Menschheit zu begrüßen.
O mögen, wie die Vögel spielend ziehen,
Wann linder Lüfte Atem blümt die Auen,
Die letzten Jahre dir gen Himmel fließen!
 

       Der Fahnenschwur

Hebt das Herz! Hebt die Hand!
Schwöret für die große Sache!
Schwört den heil´gen Schwur der Rache!
Schwöret auf das Vaterland!
Schwöret auf den Ruhm der Ahnen!
Auf die deutsche Redlichkeit!
Auf die Freiheit der Germanen!
Auf das Höchste schwört heut!
Hebt das Herz! Hebt die Hand!
Erd und Himmel soll ihn hören,
Unsern Schwur der Ehren,
Unsern Schwur fürs Vaterland.
Glorreich schwebe,
stolzes Zeichen,
Das voran im Streite weht!
Keiner soll von hinnen weichen,
Wo sie dies Panier erhöht!

Hebt das Herz! Hebt die Hand!
Wehe mutig, edle Fahne!
Dass sich jede Brust ermahne
Für das heil´ge Vaterland!
Mache, stolzes Ehrenzeichen,
Dass sie tausendmal erbleichen,
Eh´ nur einer Dich verlässt.

Hebt das Herz! Hebt die Hand!
Heil uns dieser Ehrenweihe!
Ewig lebe deutsche Treue!
Ewig blühe deutsches Land!
Freiheit, deutsche Freiheit,
schwebe
um die Hütten, um den Thron!
Trug und Lug und Schande bebe,
Und zur Hölle fahre Hohn!


  Der Fels des Heils

Ich weiß woran ich glaube,
Ich weiß, was fest besteht,
Wenn alles hier im Staube
Wie Sand und Staub verweht;
Ich weiß was ewig bleibet,
Wo alles wankt und fällt,
Wo Wahn die Weisen treibet,
Und Trug die Klugen prellt.
Ich weiß, was ewig dauret,
Ich weiß, was nimmer läßt,
Mit Diamanten mauret
Mir's Gott im Herzen fest,
Ja, recht mit Edelsteinen
Von allerbester Art
Hat Gott der Herr den Seinen
Des Herzens Burg verwahrt.
Ich kenne wohl die Steine,
Die stolze Herzenswehr,
Sie funkeln ja mit Scheine
Wie Sterne schön und hehr:
Die Steine sind die Worte,
Die Worte hell und rein,
Wodurch die schwächsten Orte
Gar feste können sein.
Auch kenn' ich wohl den Meister,
Der mir die Feste baut,
Er heißt der Fürst der Geister,
Auf den der Himmel schaut,
Vor dem die Seraphinen
Anbetend niederknien,
Um den die Engel dienen.
Ich weiß und kenne ihn.
Das ist das Licht der Höhe,
Das ist der Jesus Christ,
Der Fels, auf dem ich stehe,
Der diamanten ist,
Der nimmermehr kann wanken,
Der Heiland und der Hort,
Die Leuchte der Gedanken,
Die leuchten hier und dort.
So weiß ich, was ich glaube,
Ich weiß, was fest besteht
Und in dem Erdenstaube
Nicht mit als Staub verweht;
Ich weiß, was in dem Grauen
Des Todes ewig bleibt
Und selbst auf Erdenauen
Schon Himmelsblumen treibt.

 

    Der Freudenklang
                 1813

Durch Deutschland flog ein heller Klang
Vom Süden bis zum Norden,
Ein Ehrenklang, ein Freiheitsklang
Ist laut geklungen worden:
Der Wütrich ist gefallen,
Durch Gott den Herrn gefallen,
Mit seinen Henkerhorden.
Drum auf, ihr Männer! auf ins Feld!
Drum auf, ihr deutschen Brüder!
Die Bösen hat der Herr gefällt,
Ihr Glück ersteht nicht wieder –
Drum auf mit Jubelschalle!
Und ruft und schwöret alle:
Wir sind und bleiben Brüder.
Nicht Bayern und nicht Sachsen mehr,
Nicht Österreich und nicht Preußen,
Ein Land, Ein Volk, Ein Herz, Ein Heer,
Wir wollen Deutsche heißen;
Als echte Deutsche Brüder
Haun wir die Räuber nieder,
Die unsre Ehr' zerreißen.
In gleicher Liebe fest und treu,
In Einem Bund geschlossen,
Ihr Welschen, ziehen wir herbei
Mit Männern und mit Rossen:
Wie Herbstesstürme brausen
Und wilde Meere sausen,
So kommen wir geflossen.
So kommen wir, so brausen wir
Und schwören rote Rache,
Und Gott der Herr ist mit uns hier
Und hält die gute Sache;
Der Herr der Himmelscharen
Wird Recht und Licht bewahren,
Vor ihm erliegt der Drache.
Mit diesem Glauben ziehn wir aus
Als rechte deutsche Brüder,
In Deutschland stand der Freiheit Haus,
Wir baun es tapfer wieder,
In Fahr und Todesflammen
Wir baun es kühn zusammen,
Kein Teufel reißt es nieder.