Arndt

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Der Gott, der Eisen wachsen ließ ...

Der Gott, der Eisen wachsen ließ,
der wollte keine Knechte,
drum gab er Säbel, Schwert und Spieß
dem Mann in seine Rechte,
drum gab er ihm den kühnen Mut,
den Zorn der freien Rede,
dass er bestände bis aufs Blut,
bis in den Tod die Fehde.
So wollen wir, was Gott gewollt,
mit rechten Treuen halten
und nimmer um Tyrannensold
die Menschenschädel spalten.
Doch wer für Schand und Tande ficht,
den hauen wir in Scherben,
der soll im deutschen Lande nicht
mit deutschen Männern erben!
O Deutschland heil’ges Vaterland,
o deutsche Lieb’ und Treue!
Du hohes Land, du schönes Land,
wir schwören dir aufs Neue:
Dem Buben und dem Knecht die Acht,
der speise Kräh’n und Raben!
So ziehen wir aus zur Hermannsschlacht
Und wollen Rache haben.
Lasst brausen, was nur brausen kann,
in hellen, lichten Flammen!
Ihr Deutsche alle Mann für Mann,
zum heil’gen Krieg zusammen!
Und hebt die Herzen himmelan
Und himmelan die Hände,
und rufet alle Mann für Mann:
Die Knechtschaft hat ein Ende.
Lasst wehen, was nur wehen kann,
Standarten weh’n und Fahnen,
wir wollen heut uns Mann für Mann
zum Heldentod ermahnen.
Auf! Fliege hohes Siegspanier,
voran den kühnen Reihen!
Wir siegen oder sterben hier
Den süßen Tod der freien.
 


          Der Stein im Rhein
                    1838

Hier ist die Stelle, hier liegt der Stein,
Hier nahm mein Liebstes hinweg der Rhein,
Der Freude, der Liebe goldensten Hort,
Hier flog die Lust des Lebens mir fort.
O kurze Zeit! und o lange Zeit!
Wird die Vergangenheit Ewigkeit?
Wird Zukunft eine Ewigkeit lang,
Weil solchen Hort mir die Woge verschlang?
O Tag! – ja klage nur – Tag, der war!
Einst mustert' ein Feldherr mir meine Schar –
»Stell' auf die Knaben! alle herbei!
Daß ich sehe, welcher der Reisigste sei.«
Sie standen, und ich sprach: »Euer Rhein
Muß ewig Deutschlands Herrlichkeit sein;
Ihr wisset's, und euer frischestes Blut
Für solchen Preis sei es keinem zu gut.
Da trat der Kleinste wohl aus dem Chor,
Ein stolzer Freiwilliger, leuchtend hervor,
Schlug in des Feldherrn Ehrenhand
Den edlen Willen rasch ein als Pfand.
Er hat's gehalten, er ward der Hort,
Ihn trug sein Rhein sich als Opfer fort:
So hat er mir ohne Schlachten die Schlacht
Vor tausend Schlachten blutig gemacht.
Nun liege fest vor den Welschen mein Stein!
Nun brause freudiger, freier mein Rhein!
Meine Sehnsucht und Liebe sie rauschen mit dir –
O rauschten deine Wellen auch über mir!
 


    Der alte Baum und ich
An Elisa Camphausen. Antwort auf einen Blumenkranz.
                 1842

Alt und dürre steht der Baum
Ohne Zweig und ohne Blatt.
Schau doch, wie ein Frühlingstraum
Ihn so bunt umschlungen hat!
Hier Jelängerundjelieber,
Dort des Epheus grüner Glanz,
Und so deucht es ihm fast lieber
Als der eignen Blätter Kranz.
Solch ein dürrer Baum steh' ich,
Hoffend legten Wind und Fall,
Aber Blumen blühn um mich
Lieb und lustig überall,
Schlingen um zerrissne Schmerzen
Meines Stammes Lenzeslust,
O ihr Blüten, o ihr Herzen!
Liebesduft! und Liebeslust!
Altes Holz, so steh' getrost,
Bis der letzte Wind dich fällt!
Hast ein selig Los erlost,
Reiches Glück in armer Welt:
Süßer Liebe Blumenranken
Decken deine Schäden zu,
Wie ein Traum von Traumgedanken
Ferner Tage stehest du.
 


      Der grüne Wald
               1835

O der süße grüne Wald,
Wo wir einst in Wonne klangen,
Wo wir spielten, wo wir sangen,
Wo wir tanzten Maientänze,
Wo wir pflückten Maienkränze,
O der süße grüne Wald!
Wie er immer wiederhallt,
Wie er schallt
Wilibald! Wilibald!
Schalle nur, du grüner Wald,
Rufe immer deinem Frommen,
Ach! er kann nicht wiederkommen!
Blühet Blumen, flüstert Blätter,
Klinget Vöglein, das Geschmetter
Eures Lenzes durch den Wald –
Bleich ist eure Lichtgestalt,
Stumm und kalt
Wilibald, Wilibald.
O du süßer grüner Wald!
Wo wir nun in leisen Thränen
Uns nach unserm Liebling sehnen,
Nimmermehr im frischen Maien
Mit der jungen Lust juchheien –
Rufe ewig, grüner Wald,
Mit der Liebe Allgewalt,
Daß es schallt:
Wilibald! Wilibald!
 


  Der tapfere König von Preußen
                     1813

Der König von Preußen zieht reisig aus
Mit dreimalhunderttausend Mann.
Sie sehen so lustig und freudig aus,
Daß er die Welt wohl bezwingen kann;
Und wie zu dem Zuge die Trommel klingt,
Und wie in dem Winde die Fahne wallt,
Einem jeden das Herz in dem Leibe springt,
Einem jeden der Mund nur von Freuden schallt!
Heididei! Dideldei! Dideldei! Dideldei!
Einem jeden der Mund nur von Freuden schallt.
Bei Lützen sie hielten die erste Schlacht,
Da blühten die Maiblumen blutigrot,
Da schläft wohl mancher, der nie erwacht,
Ein fauler Langschläfer ist der Tod.
Doch schliefen die Burschen gar lustig ein,
Ein jeder nahm drei der Franzosen mit –
Sie schlugen wie Donner und Wetter drein
Mit Sturmeswut und im Sturmesschritt:
Heididei! Dideldei! Heididei! Dideldei
Mit Sturmeswut und im Sturmesschritt.
An der Katzbach auch hatt' es gar heißen Strauß,
Da jagte der Blücher den Macdonald,
Da rissen die Welschen wie Hasen aus,
Weil der alte Herr so gewaltig knallt;
Da deckten Zehntausend den grünen Plan,
Und Zwanzigtausend streckten's Gewehr,
Viele Tausende schwammen die nasse Bahn
Des Stromes als Leichen hinab zum Meer:
Heididei! Dideldei! Heididei! Dideldei!
Des Stromes als Leichen hinab zum Meer.
In Böhmen bei Kulm in den Bergeshöhn –
Hei Vivat, mein König! mein Siegesheld! –
Da hast du den giftigen Ratten schön
Die mordliche Falle gar fein gestellt.
Sie liefen mit gierigem Stolz hinein,
Der Rattenkönig Vandamme voran,
Bald klang's dir lustig von groß und klein:
Er hat sie gefangen mit Maus und Mann!
Heididei! Dideldei! Dideldei! Dideldei!
Er hat sie gefangen mit Maus und Mann!
Auch thaten's deine Preußen bei Dennewitz,
Heididei! Dideldei! Dideldei! Dideldei!
Da mißte der Mareschall Ney den Witz
Und lief wie ein Toller Berlin vorbei.
Herr Marschall, Herr Marschall, wo wollt Ihr hin?
Gen Süden liegt nimmer die Königsstadt,
Gen Norden zu reiset Ihr nach Berlin:
Doch er hört nicht und läuft wie ein Wagenrad.
Heididei! Dideldei! Dideldei! Dideldei!
Doch er hört nicht und läuft wie ein Wagenrad.
Bei Leipzig sie hielten den letzten Tanz,
Der Franzosenkehraus der sollt' es sein.
Drei Tage ward getanzt, sie verspielten's ganz.
Achtzigtausend nur flohen lebendig zum Rhein,
Achtzigtausend von dreihunderttausend Mann,
Die übrigen tot und gefangen all.
Alle Welt lobt den König, den tapfern Mann,
Und der alte Blücher ward Feldmarschall:
Heididei! Dideldei! Dideldei! Dideldei!
Und der alte Blücher ward Feldmarschall.
Drum Vivat der König von Preußen, der Held!
Drum Vivat der Blücher, der Feldmarschall!
Sie säeten Kugeln wie Erbsen ins Feld
Und spielten zum Tanz mit Kanonenknall.
Auch Vivat der Bursche, der flink hinterdrein
Frisch folgte dem König, dem Feldmarschall.
Bald singen wir Heidideldei! am Rhein
Und treiben nach Frankreich die Jagd mit Schall:
Heididei! Dideldei! Dideldei! Dideldei!
Und treiben nach Frankreich die Jagd mit Schall.
 


     Des Deutschen Vaterland
                    1813

Was ist des Deutschen Vaterland?
Ist's Preußenland, ist's Schwabenland?
Ist's, wo am Rhein die Rebe blüht?
Ist's, wo am Belt die Möve zieht?
O nein! nein! nein!
Sein Vaterland muß größer sein.
Was ist des Deutschen Vaterland?
Ist's Bayerland, ist's Steierland?
Ist's, wo des Marsen Rind sich streckt?
Ist's, wo der Märker Eisen reckt?
O nein! nein! nein!
Sein Vaterland muß größer sein.
Was ist des Deutschen Vaterland?
Ist's Pommerland, Westfalenland?
Ist's, wo der Sand der Dünen weht?
Ist's, wo die Donau brausend geht?
O nein! nein! nein!
Sein Vaterland muß größer sein.
Was ist des Deutschen Vaterland?
So nenne mir das große Land!
Ist's Land der Schweizer? ist's Tirol?
Das Land und Volk gefiel mir wohl;
Doch nein! nein! nein!
Sein Vaterland muß größer sein.
Was ist des Deutschen Vaterland?
So nenne mir das große Land!
Gewiß es ist das Österreich,
An Ehren und an Siegen reich?
O nein! nein! nein!
Sein Vaterland muß größer sein.
Was ist des Deutschen Vaterland?
So nenne mir das große Land!
So weit die deutsche Zunge klingt
Und Gott im Himmel Lieder singt,
Das soll es sein!
Das, wackrer Deutscher, nenne dein!
Das ist des Deutschen Vaterland,
Wo Eide schwört der Druck der Hand,
Wo Treue hell vom Auge blitzt,
Und Liebe warm im Herzen sitzt –
Das soll es sein!
Das, wackrer Deutscher, nenne dein!
Das ist des Deutschen Vaterland,
Wo Zorn vertilgt den welschen Tand,
Wo jeder Franzmann heißet Feind,
Wo jeder Deutsche heißet Freund –
Das soll es sein!
Das ganze Deutschland soll es sein!
Das ganze Deutschland soll es sein!
O Gott vom Himmel sieh darein
Und gieb uns rechten deutschen Mut,
Daß wir es lieben treu und gut.
Das soll es sein!
Das ganze Deutschland soll es sein!
 


  Des Knaben Abendgebet
                   1813

Die Welt thut ihre Augen zu,
Und alles wird so still,
Auch ich bin müde und zur Ruh'
Ich nun mich legen will;
Ich leg' im stillen Kämmerlein
Mich in mein Bettchen warm,
Und Engel sollen Wächter sein
Vor jedem Trug und Harm.
Du lieber Gott, der uns die Nacht
Mit Mond und Sternen schuf,
Der himmlisch uns das Herz gemacht
Für himmlischen Beruf,
Der uns den lichten Himmelschein
Gesenkt in tiefe Brust,
Damit wir sollen selig sein
Durch deiner Liebe Lust.
Du lieber Gott, du gehst mit mir
Ins stille Kämmerlein
Und stellst die Wächter an die Thür,
Die Engel fromm und fein;
Sie treten leis und sanft daher
Und halten treue Hut,
Daß diese Nacht und nimmermehr
Uns nichts was Leides thut.
Nun habe Dank für jeden Tag
Und Dank für jede Freud'.
Ich weiß nicht, was ich beten mag
Mit rechter Herzlichkeit!
Du weißt am besten, was ich will,
Du liebster, treuster Hort,
Drum bin ich mit den Lippen still,
Gott ist mein einzig Wort.

 

         Des Knaben Segen
                      1801

Wir haben den Knaben ins Grab gelegt.
Wie der Schelm sich lustig bewegt!
Wie er strebet mit Händen und Füßen!
Will mit Gewalt hinein in den süßen
Taumel, der um ihn summt und schwirrt.
Wie ihm das Auge lebendig wird!
Läßt es in der Entzückung schweifen
In des Lichts unermeßlichem Blau,
Mögte alles so gern genau
Mit den Fingern und Augen greifen,
Mögte in das fröhliche Leben
Mit den Schwalben und Bienen schweben,
Mögte sich stürzen nimmer satt
In der Welten unendliches Bad.
Kleiner Unschuldiger, halte still!
Dein Geschlecht kann nicht, wie es will.
O wie schimmert dir, süßer Knabe,
In dem Blick die gefährliche Gabe,
Alles zu fassen mit inniger Lust,
Alles zu ziehen in die Brust!
Wirst den unendlichen Durst nicht stillen,
Wirst die unendliche Brust nicht füllen.
Spiele denn die fröhliche Zeit,
Ehe der Winter die Blumen verschneit,
Ehe die süße Nachtigall schweigt
Und der Sommer Gewitter zeugt.
O wie wird's dann dem Busen so enge!
Wie wird so heiß aus dem Weg das Gedränge!
Ein stetes Fluchen und Stoßen und Treiben –
Kannst nicht fliehen und kannst nicht bleiben:
Darfst nicht lieben und sollst nicht hassen:
Wo soll das geängstete Herz sich lassen?
Flehend suchet das Aug umher,
Wie der Wehrlose nach dem Speer,
Sehnst dich heraus aus dem wilden Getümmel
Unter der Kindheit freundlichen Himmel,
Zu dem Steckenpferde, zum Ball,
Wünschest, daß in der stillen Erde,
Ferne von Sonne und Vogelschall,
Dir die Ruhe gegraben werde.
Wir haben den Knaben gesetzt auf die Bühne,
Worauf er künftig spielen soll.
Es gehe dem Unschuldigen wohl!
Wir vertrauen ihn dir, Erde du grüne,
Dir, leuchtender Himmel, liebevoll.
Wollet ihm kindlich das Herz bewahren
In der Verschuldung bösen Jahren!
Wollet ihn machen liebereich!
So bleibt die Brust ihm fromm und weich.
Großes Schicksal, das mächtig waltet
Und das Leben verborgen gestaltet,
Nimm die lächelnde Unschuld hin!
Gesund ist sein Leib, gesund sein Sinn,
Ist in süßer Liebe geboren,
Laßt ihn freundlich führen die Horen!

 

Des Lilienmädchens Wiegenlied
                  1817

Schlafe, Kindlein hold und weiß,
Das noch nichts von Sorgen weiß,
Schlaf in stiller, süßer Ruh,
Thu die kleinen Äuglein zu.
Draußen stehn die Lilien weiß,
Haben allerschönsten Preis,
Droben in der lichten Höh'
Stehn die Englein weiß wie Schnee.
Kommt, ihr Englein weiß und fein,
Wiegt mir schön mein Kindelein,
Wiegt sein Herzchen fromm und gut,
Wie der Wind der Lilie thut.
Schlafe, Kindlein, schlafe nun!
Sollst in Gottes Frieden ruhn;
Denn die frommen Engelein
Wollen deine Wächter sein.
 


 Des Reisenden Abendlied
                 1814

Gegangen ist das Sonnenlicht,
Still schweiget Feld und Hain,
Und hell am Firmamente bricht
Hervor der Sterne Schein,
Und hell aus stiller Seele blitzt
Ein wundersamer Strahl
Von dem, der ewig waltend sitzt
Im hohen Himmelssaal.
Wie wäre doch das Menschenkind
So elend, so allein,
Wenn nicht von oben zart und lind
Ihm käme dieser Schein?
Es wäre nichts als Trug und Wahn,
Ein zitternd Blatt am Baum,
Ein Körnlein Sand im Ocean,
Ein Traumbild fast vom Traum.
Das Leben wallt von Ort zu Ort,
Hat nimmer Ruh' noch Rast
Und treibt im wilden Fluge fort,
Geschnellt durch eigne Last;
Es brauset wie ein schäumend Meer,
Das keine Ufer kennt,
Und wirft uns Tropfen hin und her
Im wilden Element.
Drum komm, o du, der Frieden bringt,
O Gott, in stiller Nacht,
Wo hell die Engelglocke klingt
Bei goldner Sterne Pracht –
Komm, wirf den frommen Liebesstrahl
Mir warm ins arme Herz,
Und die Gedanken allzumal
O zieh sie himmelwärts!
Drum komm mit deinem Engelheer,
Du Vater lieb und gut!
Du bist die einzig feste Wehr,
Die einzig sichre Hut;
Gar nichtig ist der Menschen Macht,
Die eitle Eitelkeit:
Was Gott bewacht, ist wohl bewacht
Hier und in Ewigkeit.
 


            Des Zweiflers Unruh'
                        1837

Wohin? wohin, ihr flatternden Gedanken?
Wohin mit mir im brausenden Gewimmel?
Was reißt ihr mich durch aller Himmel Himmel
Und schlingt um nichts und alles eure Ranken?
Wir stiegen hoch. Sind wir so hochgeboren?
Und warnt uns nicht, was Fabel klingt und Sage,
Der Weisen Lehre und der Helden Klage,
Der Frommen Seufzer und der Spott des Thoren?
Sie warnen: Kinder flüchtiger Sekunden,
Wie reißt euch doch der wilde Wahnsinn hinnen?
Was Menschen schaffen, bauen, denken, sinnen,
Wird ihnen gleich ein Morgentraum erfunden.
Ja, daß wir durch die höchsten Himmelshöhen
Und durch die tiefsten Höllen müssen schweifen,
Nach Unergreiflichkeiten müssen greifen,
Das ist das lange Weh der ältsten Wehen.
Da spielt die Hoffart und ihr Sohn, der Zweifel,
Ach! schon Gesell von Adam, unserm Ahnen;
Wir sind Soldaten unter seinen Fahnen,
Und folgen ihres bunten Trugs Gewaifel.
Er ruft: Mir nach zum Sieg, ihr tapfern Knechte!
Mir nach! zum Dienst das Geisterreich zu zwingen!
Wir müssen durch zum Lichtesurborn dringen;
Den Feigen unten lassen wir die Nächte.
Das ist's, das ist der alte Fluch hienieden:
Wir jagen nach den bunten Zauberbildern,
Bis wir im wirren Zauberkrieg verwildern,
Stets weiter weg von Einfalt, Ruh' und Frieden.
Weh heißt die Aufschrift auf dem Lebensschilde,
Verwirrt hat unser ABC die Lüge,
Verwischt das klare Antlitz reiner Züge,
Des Götterbilds der Liebe, Lust und Milde.
Doch ist des Bildes Bild herabgekommen,
Des Armen Reichtum und das Licht der Blinden,
Der Edelstein, den Kunst und List nicht finden,
Der nur den Stillen leuchtet und den Frommen.
 


Des deutschen Knaben Robert Schwur
                    1813

Der Knabe Robert fest und wert
Hält in der Hand ein blankes Schwert,
Er legt das Schwert auf den Altar
Und schwört beim Himmel treu und wahr:
Ich schwöre dir, o Vaterland,
Mit blankem Schwert in fester Hand,
An des Altares heil'gem Schrein,
Bis in den Tod dir treu zu sein.
Ich schwöre dir, o Freiheit, auch
Zu dienen bis zum legten Hauch
Mit Herz und Seele, Mut und Blut –
Du bist des Mannes höchstes Gut.
Auch schwör' ich heißen blut'gen Haß
Und tiefen Zorn ohn' Unterlaß
Dem Franzmann und dem franschen Tand,
Die schänden unser deutsches Land.
Du droben in dem Himmelszelt,
Der Sonnen lenkt und Herzen hält,
Du großer Gott, o steh mir bei,
Daß ich es halte wahr und treu!
Daß ich, vom Lug und Truge rein,
Dein rechter Streiter möge sein,
Daß dieses Eisen ehrenwert
Fürs Recht nur aus der Scheide fährt!
Und zieh' ich's gegen's Vaterland
Und Gott, dann welke hin, o Hand!
Dann dorre, Arm, zum dürren Ast!
Dann werd' ein Halm dir Centnerlast!
O nein! o nein! o ewig nein!
Der Robert will kein Schurke sein,
Der Robert schwört's bei Gott dem Herrn;
Die Ehr' und Tugend bleibt sein Stern.
 


         Deutscher Trost
                   1813

Deutsches Herz, verzage nicht,
Thu, was dein Gewissen spricht,
Dieser Strahl des Himmelslichts,
Thue recht und fürchte nichts.
Baue nicht auf bunten Schein,
Lug und Trug ist dir zu fein,
Schlecht gerät dir List und Kunst,
Feinheit wird dir eitel Dunst.
Doch die Treue ehrenfest
Und die Liebe, die nicht läßt,
Einfalt, Demut, Redlichkeit,
Stehn dir wohl, o Sohn vom Teut.
Wohl steht dir das grade Wort,
Wohl der Speer, der grade bohrt,
Wohl das Schwert, das offen ficht
Und von vorn die Brust durchsticht.
Laß den Welschen Meuchelei,
Du sei redlich, fromm und frei;
Laß den Welschen Sklavenzier,
Schlichte Treue sei mit dir.
Deutsche Freiheit, deutscher Gott,
Deutscher Glaube ohne Spott,
Deutsches Herz und deutscher Stahl
Sind vier Helden allzumal.
Diese stehn wie Felsenburg,
Diese fechten alles durch,
Diese halten tapfer aus
In Gefahr und Todesbraus.
Deutsches Herz, verzage nicht,
Thu, was dein Gewissen spricht,
Redlich folge seiner Spur,
Redlich hält es seinen Schwur.
 


        Deutsches Kriegslied
                    1841

Fürs Vaterland, fürs Vaterland
Alldeutschland frisch und fröhlich auf!
Vom Ostseestrand, vom Nordseestrand,
Aus Berg und Thal Alldeutschland auf!
Auf! auf! was kann die Stange tragen
Und was von deutschen Ehren weiß!
Und was ein deutsches Herz fühlt schlagen,
Dem glüh' das Herz heut' doppelt heiß!
Fürs Vaterland, fürs Vaterland!
Alldeutschland frisch und fröhlich auf!
Auf gegen welschen Lügentand
Mit Sturmesschritt im Sprung und Lauf!
Ha! hört ihr frech die Welschen tönen?
»Für uns das Land, für uns der Rhein!
Der Sieg ist Galliens tapfern Söhnen,
Drum, stiller Deutscher, gieb dich drein!«
Fürs Vaterland! fürs Vaterland!
Horch Welschland! hör' ein Gegenlied:
Ein Volk, ein Heer, ein Herz und Hand,
Was gegen euch den Degen zieht –
Sind all zu Schild und Helm geboren,
Das freie, tapfre Teutsgeschlecht,
Zu edlem Tode aufgeschworen,
Zum Kampf für Freiheit, Licht und Recht.
Fürs Vaterland! fürs Vaterland!
Drum alle frisch und fröhlich drein!
Auf welschen Trotz ins welsche Land!
Für unsern Rhein frisch übern Rhein!
Mit Gott dem Herrn, dem Gott der Freien,
Drum alle frisch und fröhlich drein!
Und was die Prahler dräu'n und schreien,
Es muß durch Gott zerstoben sein.
 

Die Ausfahrt zur Heimholung des deutschen Kaisers
     Frankfurt, 17. Mai 1849

Kaiserstolz und Majestät
Zogen auf geschwinden Sohlen
Wir fürs deutsche Reich zu holen,
Wovon neue Sage geht.
Klang und Sage überall,
Soweit deutsche Zungen klingen:
Einen Kaiser heimzubringen
Rief der Völker Jubelschall.
Ach! wie sollten Dorn und Stein
An der Wandrer Sohlen reißen!
Zu den Scheinen, die nur gleißen,
Warf man unsern Kaiserschein.
Kaiserschein, du höchster Schein,
Bleibst du denn in Staub begraben?
Schrein umsonst Prophetenraben
Um den Barbarossastein?
Nein! und nein! und aber nein!
Nein! Kyffhäusers Fels wird springen
Durch die Lande wird es klingen;
Frankfurt holt den Kaiser ein.
 


Die Feier des 18. des Weinmonds 1814
  bei den Freudenfeuern auf dem Taunus

Es ist in diesen Tagen
Eine stolze Schlacht geschlagen,
Wovon man noch wird sagen
In spätster Enkel Zeit.
Bei Leipzig an der Pleiße
Da drängten sich im Schweiße
Und Blute Männer heiße
In arbeitvollem Streit.
Die Schlacht stand wild und grausend,
Es wälzten Hunderttausend
Sich über Hunderttausend
Verderben schnaubend fort,
Der Tod traf ohne Schonen
Mit Schwertern und Kanonen
Hier Männer aller Zonen,
Und flog von Ort zu Ort.
Doch Gott vom hohen Himmel
Sah mit ins Schlachtgewimmel,
Von ihm sind die Getümmel,
Von ihm kommt Pest und Krieg;
Er sprach den Spruch der Rache:
Heut falle, falscher Drache!
Heut steh, gerechte Sache!
Heut jauchze, deutscher Sieg!
Da fielen die Franzosen,
Die falschen, die treulosen
Wie vor der Stürme Tosen
Die Blätter von dem Baum,
Da hieb dem Bonaparte
Das Glück eine solche Scharte,
Daß man auch ohne Warte
Sie sah auf Meilen Raum.
Es floh die gift'ge Schlange
Im Lauf und nicht im Gange,
Und mit Karthaunenklange
Scholl Jagd ihm hinterdrein;
Durch Berg und Thal und Höhen
Hat man ihn laufen sehen
Und nimmer stille stehen,
Als hinterm tiefen Rhein.
Und aus der Knechtschaft Banden,
Aus Lug und Trug und Schanden
Ist alles Volk erstanden
Im heil'gen deutschen Reich;
Es ließ auf Tod und Leben
Der Freiheit Banner schweben.
Und Sieg ward ihm gegeben,
In Ehren steht das Reich.
Drum auf in diesen Tagen,
Weil solche Schlacht geschlagen,
Von der einst Enkel sagen:
Es war die beste Schlacht!
Drum auf! ihr Männer alle!
Ihr deutschen Männer alle!
Und ruft mit Freudenschalle:
Es war die beste Schlacht!
Drum auf zur stolzen Freude!
Weil Gott der Herr hat heute
In jenem harten Streite
Sein tapfres Volk befreit;
Laßt Deutschlands echten Söhnen
Heut in Karthaunentönen
Den stolzen Hymnus dröhnen:
Gewonnen ward der Streit.
Auf Bergen und auf Höhen
Laßt helle Flammen wehen,
Daß alle Augen sehen:
Es ist ein deutscher Tag;
Laßt hehre Feuer zünden,
Daß sie dem Nachbar künden,
Dem Volke welscher Sünden:
Es ist ein deutscher Tag.
Und wann die Flammen sinken,
Und wann mit hellerm Blinken
Zum Schlaf die Sterne winken
In tiefer Mitternacht,
Dann laßt uns in Gebeten
Still an die Feuer treten
Und niederknien und beten
Zu Gott dem Herrn der Macht:
Daß er mit Gnaden walte
Und Volk und Land gestalte,
Daß es an Freiheit halte,
An Freiheit Licht und Recht,
Daß stets in Deutschlands Grenzen
Des Sieges Feuer glänzen,
Nie deutsche Eichen kränzen
Den Wütrich und den Knecht.
 


       Die Leipziger Schlacht
                      1813

Wo kommst du her in dem roten Kleid?
Und färbst das Gras auf dem grünen Plan?
Ich komm' aus blutigem Männerstreit,
Ich komme rot von der Ehrenbahn.
Wir haben die blutige Schlacht geschlagen,
Drob müssen die Mütter und Bräute klagen,
Da ward ich so rot.
Sag' an, Gesell, und Verkünde mir,
Wie heißt das Land, wo ihr schlugt die Schlacht?
Bei Leipzig trauert das Mordrevier,
Das manches Auge voll Thränen macht,
Da flogen die Kugeln wie Winterslocken,
Und Tausenden mußte der Atem stocken
Bei Leipzig der Stadt.
Wie heißen, die zogen ins Todesfeld
Und ließen fliegende Banner aus?
Es kamen Völker aus aller Welt,
Die zogen gegen Franzosen aus,
Die Russen, die Schweden, die tapfern Preußen
Und die nach dem glorreichen Ostreich heißen,
Die zogen all' aus.
Wem ward der Sieg in dem harten Streit,
Wem ward der Preis mit der Eisenhand?
Die Welschen hat Gott wie die Spreu zerstreut,
Die Welschen hat Gott verweht wie den Sand;
Viele Tausende decken den grünen Rasen,
Die Übriggebliebenen entflohen wie Hasen,
Napoleon mit.
Nimm Gottes Lohn! habe Dank, Gesell!
Das war ein Klang, der das Herz erfreut!
Das klang wie himmlische Cymbeln hell,
Habe Dank der Mär von dem blutigen Streit!
Laß Witwen und Bräute die Toten klagen,
Wir singen noch fröhlich in spätesten Tagen
Die Leipziger Schlacht.
O Leipzig, freundliche Lindenstadt,
Dir ward ein leuchtendes Ehrenmal.
So lange rollt der Jahre Rad,
So lange scheinet der Sonnenstrahl,
So lange die Ströme zum Meere reisen,
Wird noch der späteste Enkel preisen
Die Leipziger Schlacht.
 


                Die Nachtrheinfahrt
                             1839

Zwei schlugs nach Mitternacht. Wohl sieben Meilen
Hat ich am heißen Sommertag vollendet,
Da sahen, wo die Sieg zum Rhein sich wendet,
Nur Mond und Sterne mich nach Mondorf eilen.
Es schliefen Mensch und Tier und Wald und Bäume,
Die Vöglein bargen unter stillen Flügeln
Die Schnäbel, und die Stimmen, aus den Spiegeln
Des Tages spielten Bilderspiel die Träume.
Ich rief den Fergen, doch mir scholl's entgegen:
»Er liegt am Ufer jenseits eingeschlafen,
Denn selten kommt zu unserm kleinen Hafen
Ein Wandrer her auf mitternächt'gen Wegen.
Doch steht ein Eichstock an der Sieg Gestade,
Und macht das schmale Fahrzeug euch kein Grauen,
So mögt ihr meiner Armeskraft vertrauen,
Ich rudr' euch mutig durch die Wellenpfade.«
»Geh! Hol!« – Er ging. Doch unterdes erblaßten
Mond und Gestirne, schwarze Wolken zogen
Gewitternacht zusammen, Blitze flogen,
Die sich vom Ost zum West umarmend faßten.
Der Eichstock kam. Sein blitzerhellter Treiber
Erschien mir nun, ein Mensch gewalt'ger Knochen,
Schwarz, düster, gleich dem Fährmann viel besprochen,
Der weiland Geister führte dünnster Leiber.
Frisch sprang ich doch in diesen Charonsnachen,
Doch kaum das Viertel meines Wegs gefahren
Erpfiff ein Lispelwind, er pfiff Gefahren,
Die bald als Sturm und Donner sollten krachen.
Schon bebet die Natur, die Vöglein sausen
Durch wilde Luft, mit Bellen, Heulen, Stöhnen
Erwacht die Kreatur in Klagetönen,
Die kurz verhallend durcheinander brausen.
Der Ruf der Wächter, die die Nacht durchschreiten,
Schreit in geschwinder Angst aus dumpfem Horne,
Als bliesen sie ein Lied von Gottes Zorne,
Den jüngsten Tag, den Untergang der Zeiten.
Und krach! schlägt's ein vor uns, die Wellen spritzen,
Der Nachen bäumt sich wie zum letzten Sprunge
Ein fallend Roß, und aus dem Ruderschwunge
Entstürzen beide wir zugleich den Sitzen.
Ein Ruder brach, ein Vogel ohne Flügel
Fliegt nun das Schifflein fort. »Gott sei uns gnädig!«
So rufen wir kleinmütig und kleinredig,
»Der Wogenturm wird uns zum Grabeshügel.«
Doch Wunder! wie wir kaum das Wort gesprochen,
Verstummt der Donner, und die Winde lispeln
Sich sanft zum Säuseln ab, zum Zephirwispeln,
Das Morgenrot erglänzt aus Nacht gebrochen.
Wohin wir wollten, muß die Flut uns bringen,
Wir, die noch eben Tod in Tiefen sahen,
Schon können wir des Ufers Weiden fahen
Und bei Graurheindorf froh ans Ufer springen.
Die Lerche klingt, es klingt der Mensch den Morgen,
Wach auf, mein Herz, und singe! hör' ich klingen
Aus kleinem Häuschen, mußte mit es singen,
Bald lag ich in der Meinen Arm geborgen.
 


                  Die Rheinfahrt
                   (Ein Bruchstück)
                          1851
 
Wir sind an Bord – Engländer, Amerikaner,
Franzosen, Russen – alles will zum Rhein;
Doch sollten Pelasger, Danaer und Trojaner,
Die ältsten Trümmerhäusler mit uns sein,
Der irdischen Verschollenheiten Mahner,
Wie Herrlichstes zuletzt als Stein und Bein,
Worüber einsam Krähn und Raben fliegen
Und Käuze wimmern, muß im Staube liegen.
Doch du, o Rhein, bleibst frisch in deiner Schöne,
Du brausest jugendfrisch durch Felsgestein,
Nie schwinden deiner Sagen Liedertöne
Um Drachenfels, Rheineck und Hammerstein.
Was kümmert das Vergänglichkeitsgestöhne
Unsterbliche? Was dich, ob Stein und Bein
Dereinst als Staub in alle Winde fliegen,
Solange deine Quellen nicht versiegen?
Und wir? Zerbröckelt uns an Trümmersteinen
Und an geborstnen Türmen heut der Mut?
Erfrischt uns an der Vorzeit blassen Scheinen
Des Lebens junge, helle Sonnenglut?
Nein wahrlich nicht zum Stöhnen, Wimmern, Weinen
Schnellt heut' der Dampf uns siegreich durch die Flut, –
Heißt er des Tages Atem, heißt sein Kämpfer,
So werd' er heute trüber Dämpfe Dämpfer.
Wie? Auf dem Strom der Katten und der Franken,
Wo nichts als Stolz und Ruhm und Großheit winkt,
Da webten wir der Trümmer Epheuranken
Um das, was stets als Staub zum Staube sinkt?
Da spönnen wir Gespenster aus Gedanken,
Wodurch das Schwert des Vaters Teuto blinkt,
Worin die Karle, Friedriche, Ottonen
Zur Höhe weisen, wo die Höchsten thronen?
Frischauf! auf zum Lebendigen von dem Toten!
Von toten Steinen zum lebendigen Stein!
Von bleicher Schatten Vorzeit zu den roten
Gebilden, rot im Jugendsonnenschein!
Ha! wird nicht Jugendglanz dem Blick geboten?
Der frische Glanz vom Ehrenbreitenstein?
Nein weg von diesem mächtigen Felsgesteine!
Weg in die kleine Lahn vom mächtigen Rheine!
Auf in die Lahn! vom Tode hin zum Leben!
Von toten Steinen zum lebendigen Stein,
Nach Nassau auf, wo heilige Geister schweben,
Die deutschen Geister vom lebendigen Stein!
Mit aller deiner Schöne, deinen Reben
Und Wassern hast du Einen, stolzer Rhein,
Nur Einen, der dem Manne sonder Gleichen,
Dem Sohn der kleinen Lahn sich könnte gleichen?
Wir stehn in seinem Thal, auf seinen Bergen,
Wir rufen: Sprich das Wort erhabner Geist,
Das Wort des Fluchs den Schelmen und den Schergen,
Wodurch die Welt um deutschen Raub sich reißt, –
Wodurch man deutsche Ehre, wie aus Särgen
Den Leichenmoder durcheinanderschmeißt. –
Sprich, Hoher! – Du verstandest zu zerschmettern,
Du Donn'rer, rede heut' aus Donnerwettern!
Komm nieder, laß es schallen, hoher Sprecher!
Von deinen Sternen komm herab ins Thal!
Du Ehrenzünder, komm, du Schandebrecher!
Komm mit dem allerschwersten Donnerstrahl!
Des Vaterlandes Mahner, Warner, Rächer,
Auf deutscher Erde rede noch einmal:
Wo Kleinste um das Größte sich befehden,
Da sprich zu uns in laut'sten Himmelsreden!
Wohin? Zwar sind die Donner Gottessprüche,
Vielleicht auch Geistersprüche – doch wohin?
Wir flehen aus dem Jammer unsrer Brüche
Und Wunden, wissend kaum, woher, wohin.
Der Mann des Zorns war Stein, doch nicht der Flüche.
Trug in der stärksten Brust den frommsten Sinn,
Der Mann, im Glauben mächtig und im Beten,
Vor Könige stolz und still vor Gott zu treten.
Drum könnt ihr beten, betet hier um Segen,
Um Segen bittet den erhabnen Geist,
Der über unserm Weh auf Sternenwegen
Mit allen guten Geistern selig kreist,
Der allen Geistern, die sich unten regen
In tapfrer Kraft die deutsche Losung weist:
Seid stark im Lieben, werdet schwach im Hassen!
So wird Gott seine Deutschen nicht verlassen.

 

Die deutschen auswandernden Krieger
                       1851

O mein Deutschland, will dein Jammer
Breiter, täglich breiter werden?
Finden deine besten Söhne
Keinen Platz auf deutscher Erden?
Klingt der bittre Fluch des Flüchtlings
Durch der Angeln Land und Hessen?
Wird so deutsche Lieb' und Treue
Deinen Tapfern zugemessen?
Jammer, den kein Lied kann singen!
Unheil, das kein Wort kann fassen!
Also müssen deine Streiter,
Kampfs- und glück- und landsverlassen
Nach Utopien, nach Brasilien
Bettelnd durch die Länder streichen?
Ihre nackten Ehrennarben
Zeigen als ein deutsches Zeichen?
Ihr von Siebzehnhundertachtzig
Kassellieder, Stuttgartlieder,
Ihr des Asbergskerkersängers,
Alte Lieder, tönt ihr wieder?
Die bei Saratoga fielen,
Die die Mohrensonn' verbrannte,
Werden sie uns heute wieder
Neugeborne, Neugenannte?
Heute Achtzehnhundertfünfzig
Hessen, Angeln, Sachsen, Friesen,
Laufen in die Welt des Elends
Ehr- und glück- und landsverwiesen?
O dem Jammer bricht das Wort ab,
Wo die Ehre will zerbrechen –
Wo der Helfer? wo der Rächer,
Solche grimme Schmach zu rächen?
Still! Es rufet! du sollst beten,
Christ, sollst glauben, lieben, hoffen;
Sperrt sich dir die deutsche Welt auch,
Ewig steht der Himmel offen,
Drum laß alles durcheinander
Fallen, stürzen, krachen, brechen,
Droben, glaube, waltet Einer,
Der wird letztes Urteil sprechen.
 


Drei Trostlieder aus dem Sommer von 1819
                           1.
Es war einst ein Wahn mir gekommen,
Ein Wahn, und, besinn' ich mich recht,
Ich hörte von Paulus dem Frommen,
Der Mensch sei von Göttergeschlecht,
Es hat's der Apostel verkündet:
So weit diese Kugel sich ründet,
Soll walten ein ewiges Recht.
So weit diese Kugel sich ründet,
So weit nur erklungen das Wort,
So weit es die Geister verbindet,
Verpfändet dem himmlischen Hort,
Verpfändet unsichtlichen Reichen,
Soll knechtischer Frevel erbleichen!
Es bläst ihn das mächtige fort.
Drum mutig! die Losung soll gelten!
Wer mag vor dem starken bestehn?
Es schafft die unendlichen Welten
Und läßt sie wie Flocken verwehn –
Drum mutig des Zorns und der Rede!
Drum mutig der heiligen Fehde!
Wir siegen, auch wenn wir vergehn.
Drum mutig! die Freiheit soll leben!
Und leben das ewige Recht!
Es blüht als das Leben im Leben
Und adelt den König und Knecht.
Wie viel sie auch flittern und flunkern,
Wie viel sie auch gaukeln und junkern,
Doch sieget das ewige Recht.
 
                           2.
Komm, Geist! und zieh dich stählen an!
Komm Herz! und laß dich eisern kleiden!
Es rüste sich was streiten kann
Auf harten Krieg und schwere Leiden!
Komm, Stolz! und fasse das Panier!
Laß wehn die Fahnen! wehn zum Himmel!
Das rechte Bleiben ist nicht hier,
Drum wirf dich mutig ins Getümmel!
Komm, Hoffnung, auch! es soll dein Grün,
Dein Maigrün, rosenrot sich färben,
Noch einmal sollst du herrlich blühn,
Und dann gleich roten Rosen sterben.
So ist der Krieg, so ist der Zorn,
Und in der Mitte gar kein Bleiben:
Wer lechzet Strom zu sein, der Born
Muß kühn als Dunst von Felsen stäuben.
So alles dran! so alles drein!
Und setzt das Kleine für das Große!
Gott aber soll der Würfler sein!
Er kennet die Millionen Lose.
So alles dran! so alles drein!
Und setzt das Kurze für das Lange.
Gott aber soll der Würfler sein!
Bei dieser Schanzung seid nicht bange.
 
               3.
Wo ist der Geist,
Der mildlich fleußt
In Lieb' und Sehnen?
Der Geist der fromm und still
Was Gott will immer will?
Der lächelt aus Thränen?
Wo ist der Geist,
Der Tröster heißt?
Der Stolze, Freie?
Durch den der Jammer Psalm,
Speer wird der dünne Halm,
Das Lämmchen ein Leue?
Wo ist der Geist,
Vor dem vergleißt,
Was trügisch blinket?
Der Geist des tiefsten Borns,
Aus dem die Glut des Zorns
Kein irdischer trinket?
Dies ist der Geist,
Den fromm verheißt
Sehnsucht und Liebe.
Geh aus, o Morgenstern!
Komm, funkle, Geist vom Herrn!
Komm, Leuchte der Triebe!
 


 Einladung zum Tanz
            1813
Das Schwert ist gefeget,
Der Säbel ist blank,
Der Speer ist umleget
Mit Stahl breit und lang,
Der Mut ist gewetzet,
Das Herz sich erletzet
Mit Trommeln und Pfeifen
Im krieg'rischen Klang.
Nun her, ihr Franzosen!
Hieher in das Feld!
Hier tanzet auf Rosen!
Musik ist bestellt;
Schon klingen die Saiten
Des Reigens von weitem;
Versuchet, wer heute
Den Vortanz erhält.
Die Braut heißet Ehre,
Sie führet den Tanz
Und schreitet dem Heere
Voran mit dem Kranz;
Sie mahnet zur Rache
Für heilige Sache
Und hat ihn gefärbet
Mit blutigem Glanz.
Das Brautmädchen springet
So tapfer daher,
Heißt Freiheit und schwinget
Den mächtigen Speer;
Sie kann nicht erbleichen,
Auf Trümmern und Leichen
Da führt sie als Heldin
Das vorderste Heer.
Drum frisch, Kameraden!
Wer greifet den Kranz?
Seid alle geladen
Zum Spiel und zum Tanz;
Die Trommeln erklingen,
Die Fahnen sich schwingen –
Juchheißa! Juchheißa!
Zum lustigen Tanz!
 


  Erinnerung an Psychidion
                   1809

Was blickst du sehnend so zurück?
Der Tag er geht geschwind,
Und Menschenleben, Menschenglück
Verwehet gleich dem Wind.
Doch wann die Zeit vergangen ist,
Und die Erinnrung kömmt,
Wie alles dann so freundlich ist,
Was nun das Herz beklemmt!
Wie alles dann so lieb und hold
Von ferne wiederscheint!
Gleichwie der Mond am Himmel rollt,
Der Nächte stiller Freund.
Drück an die Brust den lieben Traum,
Das süße Kinderspiel,
Für Freud' und Leid ist weiter Raum
Im Herzen voll Gefühl.
 


           Erinnerungsbilder

Her mit deinen Helden, wenn auch in nuce!
Heute sollst du mir deine Sehrmänner nennen,
Die vor dir in gloriosissima luce
Im Ruhmessonnenschein leuchten und brennen.
Frostwetter ist es, dass Gott erbarm!
So sind wir an Taten und Ehren arm.

Den Größten zuerst. Das Wörtlein der Größte
Verpufft mich billig, doch wie dem sei,
Dem Deutschen bleibt der Beste der Größte,
Der Treueste Beste - das bleibt dabei.
Solchen Ehrenspruch begreint mir kein Hohn:
Der Beste war Scharnhorst, der Bauernsohn.

Den Edelsten jetzt. O Edel! Hochedel!
Wort, das von göttlichen Flammen sprüht!
Vernimm, nie hat's unter menschlichen Schädel,
Im menschlichen Herzen nie stolzer geglüht,
Geglühet, geblühet auf deutscher An,
Als im Ritterglanze, im Gneisenau.

Den Hellsten. Lieber, hier werd' ich ein Blinder,
Licht suchend unter so strahlenden Lichtern.
Du meinst der Schlachten Treffer und Finder,
Das hellste Aug von den hellen Gesichtern.
Da schaute vor Vielen mit Adlerblick
Der Grollmann des wogenden Kampfs Geschick.

Den Frommsten. O fröhliches Heldengewimmel!
Wie sind da die Tausende betend gezogen!
Wie sind da die Fahnen und Herzen zum Himmel
In Gottes Hoffnung und Wonne geflogen!
Der Löwe Hiller. Glückseliger Mann,
Der Solchem gleich fechten und beten kann!

Den Stillsten. Was meinst du wohl mit dem Stillen?
Eine Frage fast hoch über meinem Erdreich.
Ich meine, du meinest den tapfersten Willen:
Solcher Stillen ist Erdreich und Himmelreich -
So merke die Wörter Hell  Frei  und Treu,
Darin sitzt der Boyen, der stille Leu.

Den Muthigsten. Dornichste Frage der Fragen,
In Deutschland zu fragen und mutigstem Muth.
Muth war ja von allerältesten Tagen
Ein eigenstes allerdeutsches Gut -
Doch der nimmer und vor nichts sich gefürchtet, voran
Stehe hier der Blücher der deutscheste Mann.

Den Stärksten. O der Starke der Starken,
Der herrlich schließet den Heldenreih'n,
Der Gewaltigste war in des Vaterlands Marken
Der Stärkste der unzerbrechliche  Stein.
So lange klinget von deutschen Lippen Gesang,
Wirk klingen des mächtigen Namens Klang.


                  Ermannung
                       1849

Laß du die Dinge nur rennen und rinnen,
Blitzet es draußen, so blitze du drinnen,
Brauche den göttlichgeborenen Blitz!
Rasen die Stürme, und brausen die Fluten,
Zünden die Blitze mit fressenden Gluten,
Halte, Prometheus, den Geist auf dem Sitz!
Mutig gleich schlachtenbegeisterten Rossen,
Wiehernd entgegen den Donnergeschossen
Streite und schreite entgegen dem Sturm;
Streite und schreite und, gilt es zu stehen,
Schau, wie die Blätter und Halme verwehen,
Schau, wie er steht, wie er fällt, auf den Turm.
Streiten und Schreiten und Stehen und Fallen
So klingt der Spruch von dem irdischen Wallen,
Rastlos und endlos im Ernst und im Spiel.
Wähnst du das Ende der Bahn zu erreichen,
Gleich siehst du's dämmern und fliehn und entweichen,
Mensch, hier auf Erden erreichst du kein Ziel.
 


        Ermunterung

Was willst du dich betrüben?
Der alte Gott lebt noch,
Nicht hüben und nicht drüben,
Nicht ferne und nicht hoch!
Sein Sein ist allenthalben,
Sein Lieben klingt durchs All
In höchster Engel Psalmen,
In kleinster Vöglein Schall.
Er weiß um deine Schmerzen,
Er weiß um deine Lust,
Und willst du ihn von Herzen,
Gleich hat ihn deine Brust,
Gleich fällt wie Frühlingsregen
Bei warmem Sonnenschein
Sein süßer Gnadensegen
Dir voll ins Herz hinein.
Auf! wirf dein schlechtes Grämen,
Dein eitles Sorgen weg!
Verscheuche alle Schemen,
Die irren deinen Weg!
Du sollst im Lichte schreiten,
Und der dich frei gemacht,
Das große Licht der Zeiten,
Schloß ewig deine Nacht.
Mag alles sinken, wanken,
Dies Eine bleibet fest,
Gedanke der Gedanken,
Der nimmer sinken läßt:
Das große Licht der Zeiten,
Dein Heiland Jesus Christ,
Wird Strahlen um dich spreiten
Wo alles finster ist.
Dies wage fest zu fassen,
Dies halte treu und fest:
Den schwöre nie zu lassen,
Der nimmer dich verläßt:
Der dich mit seinem Blute
Erlöst aus Nacht und Wahn
Will, daß mit gellem Mute
Du wandelst deine Bahn.
 


  Ermunterlungslieder

Frischauf, ihr deutschen Brüder!
Frischauf zum heil´gen Streit!
Der Satan drückt uns nieder
Und wütet weit und breit.
Er will die Erdenflur
Zur Schlangenwüste machen,
Mit Tigern und mit Drachen,
Verheeren die Natur.

Er will die Freiheit morden
Und brechen jedes Recht,
Der Trug ist Herr geworden,
Es dient der Mut als Knecht,
Die Wahrheit fliehet fern
Vom blutigen Getümmel
Hoch in den lichten Himmel,
Sie klagt es Gott dem Herrn.

Drum auf, ihr deutschen Brüder!
Es hat´s der Herr gehört -
Auf! Schlagt die Schande nieder,
Die Recht und Licht zerstört!
Auf! Waffnet Herz und Hand
Mit alter deutscher Treue,
Daß Redlichkeit sich freue,
Daß zittre Trug und Tand!

Auf mit dem Herrn der Scharen!
Wohlauf in Not und Tod!
Es wird euch wohl bewahren
Der alte treue Gott;
Von ihm kommt alles her,
Zu ihm geht alles wieder:
Drum zagt nicht, deutsche Brüder!
Gott steht mit euch im Heer.

Gott steht mit euch im Leben,
Gott steht mit euch im Tod;
Will Gott den Arm erheben,
Wo bleibet, was euch droht?
Mit Gott das Schwert zur Hand!
Mit Gott hineingefallen!
Und laßt die Losung schallen:
Gott! Freiheit! Vaterland!



       Fels des Heils

Ich weiß, woran ich glaube,
Ich weiß, was fest besteht,
Wenn alles hier im Staube
Wie Sand und Staub verweht;
Ich weiß, was ewig bleibet,
Wo alles wankt und fällt,
Wo Wahn die Weisen treibet
Und Trug die Klugen prellt.

Ich weiß, was ewig dauert,
Ich weiß, was nimmer läßt,
Mit Diamanten mauert
Mir´s Gott im Herzen fest.
Ja, Recht mit Edelsteinen
Von allerbester Art
Hat Gott der Herr den Seinen
Des Herzens Burg verwahrt.

Ich kenne wohl die Steine
Die stolze Herzenswehr,
Sie funkeln ja im Scheine
Wie Sterne schön und hehr:
Die Steine sind die Worte,
Die Worte hell und rein,
Wodurch die schwächsten Orte
Gar feste können sein.

Auch kenn´ ich wohl den Meister,
Der mir die Feste baut,
Er heißt der Fürst der Geister,
Auf den der Himmel schaut,
Vor dem die Seraphinen
Anbetend niederknien,
Um den die Engel dienen:
Ich weiß und kenne ihn.

Das ist das Licht der Höhe,
Das ist der Jesus Christ,
Der Fels, auf dem ich stehe,
Der diamanten ist,
Der nimmermehr kann wanken,
Der Heiland und der Hort,
Die Leuchte der Gedanken,
Die leuchten hier und dort.

So weiß ich, was ich glaube,
Ich weiß, was fest besteht
Und in dem Erdenstaube
Nicht mit als Staub verweht;
Ich weiß, was in dem Grauen
Des Todes ewig bleibt
Und selbst auf Erdenauen
Schon Himmelsblumen treibt.


                Frühling
                   1835

Wann die leisen Bächlein rauschen,
Säuseln durch die Blätter bebt,
Muß ich horchen, muß ich lauschen,
Ob der Liebste niederschwebt;
Wann die Frühlingsvöglein singen,
Und die ganze Blumenflur
Nur Ein Blüten ist und Klingen,
Singt und klingt und blüht er nur.
Und ich rufe meinen Schmerzen
Unter manchem lauten Ach:
Blüht auch ihr! – ich will euch herzen –
Werdet frisch im Lenze wach!
Bringt die schönste meiner Gaben,
Bringt mir das verlorne Glück,
Bringt mir meinen süßen Knaben
In der alten Pracht zurück.
Und die Thränen fließen milder,
Und es schmilzt das starre Herz,
Und die holden Liebesbilder
Zaubert neu der neue Schmerz,
Liebesbilder, Liebesschatten,
Sie bevölkern jeden Raum;
Was wir haben, was wir hatten,
Was wir lieben, heißet Traum.
Ach! ein süßer Traum, verdunkelt
In der Erde Nebelluft.
Dessen hellstes Bild erfunkelt,
Wann wir weinen auf der Gruft:
Erde müssen wir begraben
Und was in uns irdisch ist,
Wollen wir im Lichte haben,
Was vom Himmel göttlich ist.
 


              Frühling im Alter
                        1841
 Singen die Vöglein im grünen Wald,
Klingen die Bächlein bergunter,
Lockt es den Alten mit Lustgewalt,
Klopfet das Herz ihm so munter:
Denket der Wonnen verschienener Lenze,
Denket der Kränze und denket der Tänze,
Fallen auch Thränen herunter.
Singet und klinget! das Heute ist mein,
Heut will ich singen und klingen
Lustig mit spielenden Kindern feldein,
Fröhlich mit fröhlichen Dingen,
Will mir bekränzen die Locken, die greisen:
Bald muß ich hinnen und wandern und reisen,
Wo mir die Vögel nicht singen.
 


               Frühlingslied
                     1802

Wann das Veilchen blüht und der Kuckuck singt
Und die Nachtigall flötet im Busch,
Wann die Jugend munter zum Reigen springt
Und es rauscht durch die Blätter husch! husch!
Dann führet zum Baume, zum Quell
Die Gesellin der frohe Gesell,
Dann paart sich die Liebe im Busch.
Sei willkommen, Frühling, du süßer Gast!
Sei willkommen, du fröhlicher Mai!
Der die Freude bringt und die Sorge haßt.
Noch sind Leben und Jubel uns frei.
Auf, liebliches Mädchen, zum Tanz!
Weil dir blühet der liebliche Kranz
Der Jugend, ein fröhlicher Mai.
Wann der Winter schneit und das Alter friert,
Dann du wünschest und weinest umsonst;
Wer die Blume pflückt, die den Frühling ziert,
Der verstehet die glücklichste Kunst.
Süß Liebchen, wir kommen zur Stell' –
Wie dir glänzen die Äugelein hell!
Frau Luna, ihr Sternlein mit Gunst.
 


 Frühlingslied an die Frömmler
                    1843

Schmält mir nicht die alten Heiden,
Denn ein Heide bin ich auch,
Wann ich's Blümlein schau der Heiden,
Wann ich's Vöglein hör' im Strauch.
Weg mit euren dunkeln Listen
Weg mit eurer trüben Kunst!
Denn dem freien, frohen Christen
Werden solche Schmerzen Dunst.
Ihr, die uns das Licht verdüstert,
Schreckt die Freude blaß und bleich,
Wißt, was unter Rosen flüstert
Hat auch Weg zum Himmelreich,
Blumen gab der Herr der Imme,
Liebesklang der Nachtigall
Und dem Menschen eine Stimme
Tiefer Brust für Freudenschall.
Bleibe Gott und Gottes Ehre
In der ewigen Natur!
Sophoklesse und Homere
Sangen seines Geistes nur.
Schmält nur Goethen nicht und Schiller,
Ihr, des engen Eifers heiß,
Alle eure Jammertriller
Geb' ich gern für solche preis.
Denn mein Heiland und Befreier
Fuhr hinab ins Sündenland,
Der die höchste Sternenleier
Hat für Lust und Leid gespannt.
Der mit ersten Morgenröten
Sang der Welten Urgesang,
Gönnet auch den Erdenflöten
Ihren kurzen Freudenklang.
Denn besiegt hat er die Lüste
Und den Lüstensatan nur,
Damit jeder fröhlich wüßte,
Gottes Klänge klingt Natur;
Denn gebracht hat hellre Lieder
Darum er dem Erdengraun,
Daß die Menschenangesichter
Heller sollten um sich schaun.
Ha! die Frühlingsbäume stäuben
Duft'gen Blütenschnee umher,
Mich beleben, mich beleiben
Will ich voll im Wonnemeer.
Alles Heitre blüh' und Schöne!
Spiele, süßer Sonnenstrahl!
Vöglein, singe deine Töne!
Bächlein, klinge hell zu Thal!
 


                      Freude
                         1797

Freundlich leuchten die Sonne, Mond und Sterne,
Freundlich schimmert das Blumenkleid der Erde,
Mächtig brauset das Meer mit seinen Wellen
Furchtbar und lieblich.
Droben kreiset in Sonnenglut der Adler,
Drunten sumset der Käfer und die Biene,
Aus den Büschen klingen der Nachtigallen
Zärtliche Lieder.
Ja du bist schön und golden, Mutter Erde,
Schön in deinen rosigen Abendlocken,
Duftig in deines Erwachens Silberschimmer,
Bräutlich und züchtig.
Lustig hüpfest du hin im Weltentanze,
Alle deine Kinder am warmen Herzen,
Wandelst freudig dahin in deiner Sonne
Funkelndem Reigen.
Lustig sei und leuchtend des Menschen Stirne!
Nur dem Fröhlichen blüht der Baum des Lebens,
Dem Unschuldigen rinnt der Born der Jugend
Auch noch im Alter.
 


                 Frischauf
                     1819

Heraus, mein Herz, aus deinem Jammer!
Mein krankes Herz, verzage nicht!
Heraus aus deiner dunklen Kammer!
Und suche Licht, so findst du Licht.
Heraus! Es brütet in dem Dunkeln
Des Trübsinns volles Schlangennest –
Heraus! Wo Gottes Sterne funkeln,
Da wird der Mut dir hell und fest.
Wie? willst du auf den Hort nicht bauen,
Der dir ein Fels in Nöten war?
Auf den Propheten nicht vertrauen,
Der selbst dir Träume machte wahr?
Wie? willst du Eitler dich betrüben,
Wenn Welt und du auch ungleich gehn?
Bedenk, sein Sein ist eitel Lieben
Und was er will, das muß geschehn.
Wie? willst du, zage, nicht mehr hoffen,
Als wär's um Welt und dich geschehn,
Und hast so oft den Himmel offen
Und Gott die Finger recken sehn?
Drum mutig! – Satan nimmt die Waffen –
Auf gürte dich zu Lauf und Stand!
Erzittre nicht vor Gottes Affen,
Denn seine Wehr zerstäubt wie Sand.
Es gilt mit Gott hineinzufahren,
Mit Gott wird Unten Oben sein;
Denk der Jahrtausende, die waren,
Jahrtausende, die werden sein.
 


      Gebet an die Liebe
                  1809
Blitzesschnelle, Adlerschwinge
Deucht der Liebe Macht geringe;
Große Mutter aller Dinge,
Gerne trag' ich deine Schuld,
Gerne will ich alles leiden,
Deine Schmerzen, deine Freuden,
Denn du mischest mild zu beiden
Unaussprechlich süße Huld.
 


Gebet eines kleinen Knaben an den heiligen Christ
                  1811

Du lieber heil'ger frommer Christ,
Der für uns Kinder kommen ist,
Damit wir sollen weiß und rein
Und rechte Kinder Gottes sein,
Du Licht vom lieben Gott gesandt
In unser dunkles Erdenland,
Du Himmelskind und Himmelschein,
Damit wir sollen himmlisch sein:
Du lieber heil'ger frommer Christ,
Weil heute dein Geburtstag ist,
Drum ist auf Erden weit und breit,
Bei allen Kindern frohe Zeit.
O segne mich! ich bin noch klein,
O mache mir den Busen rein!
O bade mir die Seele hell
In deinem reichen Himmelsquell!
Daß ich wie Engel Gottes sei
In Demut und in Liebe treu,
Daß ich dein bleibe für und für,
Du heil'ger Christ, das schenke mir!
 

          Gottes Gericht

"Ich will das Schwert lassen klingen,
Die Herzen sollen verzagen.
Wie Blitz auf feurigen Schwingen
Herbrausen Reiter und Wagen,
Es schallen Donnergeschosse,
Blut dürsten Männer und Rosse."

So hat der Herr es gesprochen,
Der Schaffer, Helfer in Nöten.
In Blut wird Sünde gebrochen,
Die Schmach das Eisen muß töten:
So tilgt er Weibergebärde,
Und heilt die Welt mit dem Schwerte.

Dann wollen Männer nicht sterben,
Und Weiber Kindlein nicht wiegen,
Dann nahet Mord und Verderben,
Und Völker müssen erliegen,
Und Schlachten mähen das Alte,
Damit sich Neues gestalte.

Dann fahren durch die Verruchten,
Gott hat die Macht ihnen gegeben;
Und flehen lernen, die fluchten,
Und Toren Hände erheben;
Wild schnauben Räuber und Henker,
Sie meinen´s, Er ist der Lenker.

Drum laß es donnern und blitzen,
Du, Herr, bleibst ewig derselbe,
Du rollst in leuchtenden Sitzen
Das hohe Himmelsgewölbe,
Du trägst die Erde, die kleine,
Und nennst sie freundlich die deine.

Du hebest hoch vom Getümmel
Die Guten auf von der Erde,
Du hebst sie selbst in den Himmel,
Daß unten herrlich sie werde.
Das Leid es muß ja vergehen,
Das Glück muß wieder erstehen.

O laß den himmlischen Glauben,
Die süße Liebe uns halten!
Dann laß Tyrannen nur schnauben,
Wir stehen in höhern Gewalten;
Wir lachen der bübischen Wichte,
Denn Gottes sind die Gerichte.


               Grablied

Geht nun hin und grabt mein Grab,
Denn ich bin des Wanderns müde,
Von der Erde scheid' ich ab,
Denn mir ruft des Himmels Friede,
Denn mir ruft die süße Ruh
Von den Engeln droben zu.
Geht nun hin und grabt mein Grab,
Meinen Lauf hab' ich vollendet,
Lege nun den Wanderstab
Hin, wo alles Ird'sche endet,
Lege selbst mich nun hinein
In das Bette sonder Pein.
Was soll ich hienieden noch
In dem dunkeln Thale machen?
Denn wie mächtig stolz und hoch
Wir auch stellen unsre Sachen,
Muß es doch wie Sand zergehn,
Wann die Winde drüber wehn.
Darum, Erde fahre wohl!
Laß mich nun in Frieden scheiden,
Deine Hoffnung ach! ist hohl,
Deine Freuden werden Leiden,
Deine Schönheit Unbestand,
Eitel Wahn und Trug und Tand.
Darum letzte gute Nacht,
Sonn' und Mond und liebe Sterne!
Fahret wohl mit eurer Pracht!
Denn ich reis' in weite Ferne,
Reise hin zu jenem Glanz,
Worin ihr erbleichet ganz.
Ihr, die nun in Trauren geht,
Fahret wohl, ihr lieben Freunde!
Was von oben niederweht,
Tröstet froh des Herrn Gemeinde;
Weint nicht ob dem eitlen Schein,
Droben nur kann ewig sein.
Weinet nicht, daß nun ich will
Von der Welt den Abschied nehmen,
Daß ich aus dem Irrland will,
Aus den Schatten, aus den Schemen,
Aus dem Eitlen, aus dem Nichts
Hin ins Land des ew'gen Lichts.
Weinet nicht, mein süßes Heil,
Meinen Heiland hab' ich funden,
Und ich habe auch mein Teil
In den warmen Herzenswunden,
Woraus einst sein frommes Blut
Floß der ganzen Welt zu Gut.
Weint nicht, mein Erlöser lebt,
Hoch vom finstern Erdenstaube
Hell empor die Hoffnung schwebt
Und der Himmelsheld, der Glaube,
Und die ewige Liebe spricht:
Kind des Vaters zittre nicht!

 

         Gruß der Heimat
                    1817

Geliebte Felder, süße Haine,
So bin ich endlich wieder da,
Wo ich als Kind beim Sternenscheine
So oft die Engel wandeln sah,
Wo mir aus himmlischen Geschichten
Ein Himmel diese Erde schien,
Von Freuden wimmelnd und Gedichten,
Wie Adams Eden lieb und grün?
So seh ich dich, mein Schoritz, wieder,
Wo mir das Meer mit dunkelm Klang
Die ahnungsvollen Wunderlieder
Der Zukunft um die Wiege sang?
So kann ich wieder dich begrüßen,
Mein Dumsevitz, du trauter Ort?
So traut, daß meine Thränen fließen
Und meine Lippe weiß kein Wort?
Wie vieles muß ich nicht bedenken,
Wenn euch ich also wiederseh?
Wohin sich meine Schritte lenken,
Thut alles mir so lieb, so weh,
An jeden Baum, an jede Quelle
Hängt liebend die Erinn'rung sich
Und jedes Blättchen, jede Welle
Fragt freundlich: Wandrer, kennst du mich?
Und diese leise Kinderfrage
Fällt wie ein Stein mir auf das Herz,
In stiller Rückflut ferner Tage
Kommt inhaltschwer ein ernster Scherz,
Und zwischen Weinen, zwischen Lachen
Die Wehmut endlich mächtig siegt:
Es läßt sich nicht zum Spaße machen,
Worin ein ganzes Leben liegt.
Sind einst nicht hier auch sie getreten
In Jugendkraft und Freudigkeit,
Die jetzt für mich im Himmel beten
Hoch über Erdenlust und Leid?
Habt ihr mich hier nicht eingesegnet
Fürs Leben, Eltern fromm und treu,
Und Lieb' auf mich herabgeregnet,
Wie's Blüten regnet in dem Mai?
Was ward aus euren frommen Sorgen?
Was trug die treue Liebe ein?
Reicht wohl an jenen schönen Morgen
Des Lebens voller Mittagsschein?
Mögt ihr von euren lichten Höhen,
Wo nichts mehr zwischen Schatten schwebt,
Noch auf den Wandrer niedersehen,
Der unten heiß im Staube strebt?
Wie kommt er aus der weiten Ferne
Auf seiner Kindheit Feld zurück?
Schaut noch zum Spiegel sel'ger Sterne
Ein heitrer Spiegel auf sein Blick?
Und spielt er noch mit reinen Händen
Das süße Kinderblumenspiel?
Ach! abwärts muß er hier sich wenden –
Wo steht er nun? wo steht sein Ziel?
O ernster Klang der fernen Tage!
O süße Mahnung ernster Zeit!
Die Thräne tritt als stumme Klage
Auf gegen den, der viel bereut:
Die Blumen und die Sterne bleiben
In steter Unschuld licht und rein,
Doch Menschenwandern,
Menschentreiben
Mag nimmer ohne Sünde sein.
Doch nehmt mich, ihr geliebten Fluren,
Fromm auf in euren süßen Schoß,
Die Reinheit himmlischer Naturen
Ward hier nur eines einz'gen Los;
Bei uns ist's Ahnden, Träumen, Sehnen
Und vielfach Irren auf und ab –
Drum rinnet nur, ihr heißen Thränen
Als Balsam auf den Wanderstab.
 


 Hahnenkrei des deutschen Morgens
                       1848

Hat mir ein goldkammiger Hahn gekräht,
Der der Zeiten und Völker Geheimnis singt –
Ihr wißt, es wird nimmer zu Wind verweht,
Was der kluge Schnabel der Weisheit klingt. –
Er sang aus verborgener Zukunft Wolke
Mir Wunderrunen vom deutschen Volke.
Er krähte – sein goldiger Kamm ward bleich –
Mir der deutschen Treue geschwundene Kraft,
Die Leichengesänge vom heiligen Reich,
Von verrosteten Degen der Ritterschaft,
Von gebrochenen Türmen, geschleiften Wehren
Und des Kaiserpurpurs zerrissenen Ehren.
So kräht er mir traurig vom dürren Ast
Der Schandjahrhunderte Weh und Ach,
Er krähte, daß unter der Töne Last
Vom eisigen Jammer das Herz mir brach,
Daß mir mit mordlich scharfen Harpunen
Die Brust durchschossen des Sanges Runen.
Doch sieh! bald fliegt er auf grünen Baum,
Bald kräht er von blühendem Zweig sein Lied,
Das hell, ein leuchtender Zeitentraum,
Der Zukunft sonnige Bahnen zieht:
Er kräht gar lustig aus heiterer Wolke
Verjüngte Freuden dem deutschen Volke.
Er krähte: »Der düstern Jahrhunderte Lauf
Verrann, Germaniens Luft wird klar,
Neu wachen die Heinriche, Friedriche auf,
Mit ihnen der Seher, der Helden Schar,
Die deutsche Sonne mit glänzenden Tagen
Lenkt über die Häupter der Völker den Wagen.«
O Goldkamm, du glückverkündender Hahn,
So singst und klingst du vom grünen Ast –
O süßer, heiliger, deutscher Wahn!
Ich halte die Herrlichkeit fest umfaßt:
Was seine Runen geklungen haben,
Die Weissagung soll mir kein Grab begraben.
 


         Harald Schönhaar
                    1813
 
In der Freude der Hallen zechte,
Frode, König von Hadaland,
Ida, die Schöne, deckt' ihm die rechte,
Kämpfer deckten die linke Hand;
Hell zum Becher die Skalden sangen
Odins Reisen und Ragnars Krieg,
Als mit Brausen die Pforten klangen,
Und die Stufen ein Mann erstieg.
Stattlich tritt er mit zücht'gem Neigen
An dem Stuhle der Fürstin hin,
Und die Stimmen der Skalden schweigen,
Und es staunet der Männer Sinn;
Um die mächtigen Schultern stießen
Locken schimmernd wie Sonnenschein,
Und die blitzenden Augen schießen
Furcht in tapfere Herzen ein.
Und es reicht von dem Sitz der Alte
Ihm den Becher, den goldnen, zu,
Daß er das Mahl mit den Kämpfern halte,
Neigt er und winkt er ihm freundlich zu;
Doch der Jüngling mit fester Rede
Zu dem König der Inseln spricht:
Nicht zum Spiele und nicht zur Fehde,
Zu dem Becher auch komm' ich nicht.
Um die Schöne ich komme werben,
Um die Fürstin, die Tochter dein,
Harald heiß' ich, von Odins Erben
Nicht der letzte in Schlachtenreihn,
Harald Schönhaar, der Sohn des Grafen,
See mir Heimat und Himmel Dach –
Rede: soll ich bei Ida schlafen?
Soll sie schmücken ihr Brautgemach?
Nein! bei Ida nicht sollst du schlafen,
Stelle tiefer den stolzen Mut;
Tausend Streuner sich nennen Grafen,
Tausend Knechte sich Odins Blut:
In der Herrschaft der weiten Lande,
In dem Scepter und in dem Schwert
Gieb von himmlischen Ahnen Pfande,
Geh, und weise dich Odins wert!
Und der Jüngling mit edlem Zorne
Rennet hinnen im schnellen Lauf,
Bläst die Seinen mit hellem Horne
Risch aus Bergen und Thälern auf,
Und er schwöret und läßt sie schwören,
Herrscher will er der Länder sein
Oder frühe mit blut'gen Ehren
Gehn zur Freude Walhallas ein.
Und so zückt er das scharfe Eisen,
Und so bäumt er den starken Speer,
Und die Monden und Jahre reisen,
Und es schwillet ihm Macht und Heer,
Riesen schlägt er und schlimme Zwerge,
Überwindet der Zaubrer List,
Bis er König der höchsten Berge,
König der Küsten und Inseln ist.
Und nun fliegt er mit süßem Triebe
Hin zur Feste, wo Ida sitzt,
Und er rufet: Thu auf mir, Liebe!
Harald ruft, der das Land besitzt.
Und sie öffnet der starken Mauer
Eisenthore dem Helden weit,
Doch die Augen umhüllet Trauer
Und die Glieder ein schwarzes Kleid.
Und er staunet – doch sie in Freuden
Bricht von Eichen den grünen Kranz,
Drückt ihm züchtig und hold bescheiden
Auf die Locken den Ehrenglanz,
Heißt ihn lieblich vom Becher trinken,
Den sie füllet mit goldnem Wein,
Und die freundlichen Augen winken
Auf ihn, leuchtend wie Sonnenschein.
Dann, als Harald mit lieben Händen
Will die Liebliche zu sich ziehn,
Sieht er zornig den Leib sie wenden
Und zum ragenden Söller fliehn;
Nach sich zieht sie empor die Stufen,
Flammend wirft sie hinab den Blick;
Harald, spricht sie, die Geister rufen,
Harald, weiche! zurück! zurück!
Was wir heischten, du hast's erfüllet.
Und ich flocht dir des Stolzes Lohn,
Odins Enkel ist groß enthüllet,
Herrsche lange, du Odinssohn!
Doch mein Vater und liebe Brüder
Liegen stumm durch dein grimmes Schwert,
Und sie laden mich: komm hernieder!
Zeig' auch du dich der Ahnen wert!
Hör' ich nicht sie in Winden wehen?
Brausen in Wellen nicht überlaut?
O ihr Götter in Himmelshöhen,
Nehmt mich, empfanget mich, Haralds Braut!
Fahr wohl, Sonne am blauen Bogen!
Nimmer färbst du den Tag mir rot –
Und sie springt in die wilden Wogen,
In den brausenden Heldentod.
Und der König erfaßt die Schöne,
Wie die Flut sie ans Ufer bringt,
Und er suchet umsonst die Töne,
Welche Leben und Liebe klingt,
Und er schlingt um den Leib die Rechte,
Hält ihn trauernd im bittern Harm,
Und zwölf stumme und finstre Nächte
Macht ihn Feuer und Schlaf nicht warm.
Dann gebeut er das Grab zu graben,
Senkt die herrliche Leiche drein,
Schmückt es glänzend mit Siegesgaben,
Türmt es hoch zum Gebirg von Stein,
Daß es stehe in langen Zeiten
Als ein Denkmal der Zärtlichkeit,
Woran Liebende traurig deuten
Alles Schönen Vergänglichkeit.