Arndt

Seite 3

Inhalt

Biografie

     Reime aus einem Gebetbuche
            für zwei fromme Kinder

                         1.
Ein Blümlein steh' ich im Erdenthal,
Mich lockt die Sonne mit warmem Strahl,
Mit meinen Blättchen buhlet der Wind,
Der Zephyr nennt mich liebliches Kind,
Und Thau und Regen erquicken mich;
Wohl jung und lustig und schön bin ich,
Doch muß ich welken und sterben.
Und wann ich endlich gestorben bin,
So schläft und träumet mein kleiner Sinn
Im Winterwiegelein still und fromm;
Dann kommt der Frühling und rufet: komm!
Wach Kindlein! ruft die Sonne dazu,
Wach auf vom Schlummer! vorbei ist die Ruh,
Sollst wieder blühen in Freude.
 
                         2.
Zieh mich auf! zieh mich auf zu dir!
Du, der im Himmel wohnet.
O wie schön, o wie schön bei dir,
Der überschwänglich lohnet!
Jugend flieht, Freude fliehet früh,
Glück wechselt leicht abwendig;
Gott versäumt, Gott vergisset nie,
Ist immer gleich beständig.
Sei denn fromm, sei denn still in mir,
Mein Herz in süßer Freude!
Denn er wohnt und er zieht in dir,
Und kennt die Kindlein beide.
 
                         3.
Ein Kind wollt' Blumen pflücken gehn
Des Morgens früh im Thaue,
Und tausend Blümlein bunt und schön
Entblühten auf der Aue.
Lenz war es rings und Sonnenschein,
Und alle Blümlein groß und klein
Standen da in süßer Freude.
Und als das Kindlein tritt ins Feld,
Die Blümlein werden munter,
Und jedes gleich sein Köpfchen hält
Hinaufwärts und hinunter,
Wohin des Kindleins Händchen langt;
Ein jedes Blümlein sehr verlangt
In seiner Hand zu sterben.
Da plötzlich tritt ein Engel weiß
Gar freundlich zwischen beide
Und spricht: Gegrüßt der Jugend Preis!
Und Blümlein auf der Haide!
Voll Himmelslust und Himmelsschein,
Von innen und von außen rein,
Blumen schön und fromme Kinder!
Willkommen, Veilchen still und zart!
Willkommen, Lilie reine!
Und du von Königinnenart
Und Königin alleine,
Du Rose, hohes Purpurrot!
Euch Holde alle segne Gott,
Wie er dies Kindlein segnet!
Er drauf das Kindlein freundlich küßt
Und küßt die Blumen schöne,
Dann rauscht er wie er kommen ist,
Dahin wie Saitentöne.
Das Kindlein blickt ihm brünstig nach,
Und lauscht den Worten, die er sprach
Und ruft: ach! komm doch wieder!
Und als er doch nicht wiederkömmt,
So geht es traurig weiter,
Und nichts die heißen Thränen hemmt,
Die fallen auf die Kräuter
Und auf die Blumen rings umher:
Dem Kindlein wird das Herz so schwer
Und will ihm fast zerbrechen.
Da siehe! wie ein Himmelschein
Fällt ihm ein Glanz entgegen,
Es schießt ein helles Kränzelein
Herab als Himmelssegen,
Und fällt dem Kindlein in den Schoß,
Ihm wird das Herz in Freuden groß
Wohl ob dem lieben Kränzel.
Und diesen Kranz von Engelhand
Das Kindlein hat getragen,
So lang es ging im Erdentand,
In Nächten und an Tagen;
Das Kränzlein schön von Himmelsart
Hat weiß und rein das Kind bewahrt
Und ihm das Herz behütet.
So oft nun Kinder Blumen sehn,
Sie soll'n des Engels denken,
Daß ihnen auch er wolle schön
Ein solches Kränzel schenken.
Mit Erdenblumen spielt der Wind,
Doch Blumen, die vom Himmel sind,
Die blühen unvergänglich.
 
                         4.
Gott, deine Kindlein treten
Mit Freuden zu dir hin,
Sie stammeln und sie beten:
Du kennst der Worte Sinn.
Was aus dem Borne quillet,
Der nimmermehr versiegt,
Was ihnen selbst verhüllet
Im tiefsten Herzen liegt,
Das lockst du hoch nach oben
In seliger Begier,
Die Milde dein zu loben
Und Güte für und für.
O du, der in den Höhen
Und in den Tiefen wohnt,
Laß kindlich uns verstehen,
Was überschwenglich lohnt.
Gieb fromme Kinderworte
Und süßen Kinderwahn!
So wird uns einst die Pforte
Der Himmel aufgethan.
 
                         5.
Du, der in flammende Gebete
Des Lebens höchste Kraft gelegt
Und aus des Busens tiefster Stätte
Das Herz in süßer Sehnsucht regt,
Du, aller Himmel höchster Meister,
Du, alles Lebens höchster Schein,
Komm, führe in das Land der Geister
Dein sehnend Kind zum Lichte ein!
Wo Myriaden Sonnen kreisen,
Der Morgenröte Jubelklang
In tausendfach verschiednen Weisen
Ertönt, ein seliger Gesang,
Wo Millionen Heil'ge knieen
Und schauen dir ins Angesicht,
O Vater! Gott! laß dort mich blühen
Am kleinsten Strahl von deinem Licht!
Denn ach! zur kalten Erde wollen
Die Himmelslichter nicht herab,
Und ihre goldnen Lampen rollen
Gefühllos über Sarg und Grab;
Der Wechsel hier vom Leid zum Glücke,
Vom Glück zum Leide ist zu schwer:
Es bricht die zarte Geisterbrücke,
Und Paradiese blühn nicht mehr.
Drum Himmel steige! sinke Erde!
Und irdisch Leben unter mir!
Daß ich ein weißer Engel werde,
Steht, weiße Engel, neben mir
Und helft im Glauben mir vollenden
Der Erde mühevollen Streit
Und traget mich auf reinen Händen
Empor ins Land der Seligkeit.
 
                         6.
Wir wandeln hier in Finsternissen
Und schaun vergebens nach dem Licht!
Nicht trösten mag uns, was wir wissen,
Und was wir können, helfen nicht:
So wickelt ewig auf und ab
Sich Labyrinth aus Labyrinthen,
Und heute sehen wir verschwinden,
Was gestern süße Täuschung gab.
Doch liebt der Stolze seine Irre,
Der Eitle seinen Lügenschein,
Und wirret in das Truggewirre
Sich jede Stunde fester ein,
Verschmäht die Wahrheit für Gedicht,
Verschmäht die Flamme für den Schimmer
Und hascht und sucht und findet immer,
Doch ach! sich selber find't er nicht.
O du, durch den die Sinnen brennen
Und leuchtend durch die Himmel gehn,
Gott, lehre du mich selbst erkennen
Und meiner Künste Lug verstehn,
O hebe dein demütig Kind
Empor mit deinen Liebesarmen,
Und laß sein Herz in dir erwarmen,
Vor dem die Engel Stammler sind!
Aus deines Lichtes reichem Meere
Floß einst ein einziger Tropfen aus
Und zündete die Sternenheere
Und Lampen all im Himmelshaus –
O einen Funken nur für mich!
Nur einen Schimmer von dem Glanze!
Und droben in dem Sternentanze
Mit allen Sel'gen preis' ich dich,
 
              7.
Lehr' mich beten,
Gott der Herrlichkeit!
Kindlich vor dich treten,
Wie das Herz gebeut.
Mach' unschuldig,
Mache fromm dein Kind,
Denn die Welt ist schuldig
Übervoll voll Sünd'.
Nach dem Bilde
Schufest du mich dein,
Vater aller Milde,
Laß mich heilig sein!
Nimm die Erde,
Nimm die Schuld von mir!
Daß ich Engel werde,
Wohne du in mir!
O Gedanke!
Himmelschein voll Licht!
Erd und Himmel wanke!
Gott verläßt mich nicht.
 
                 8.
Traum ist das Leben,
Schatten von Träumen der Jugend Lust:
Wolken verschweben,
Also die Bilder der Menschenbrust;
Alles ist Wanken,
Sinken und Steigen,
Selbst die Gedanken,
Sterblicher, sind nicht dein eigen.
Doch willst du bauen,
Bauen auf das, was vergänglich ist,
Doch willst du trauen
Dem, was das Maß der Sekunde mißt:
Trug aus Betruge
Spinnen und weben
Taumelnd im Fluge,
Eitler, das heißet dein Leben.
Saget denn keiner
Mir, wie die Unruh zur Ruhe wird?
Tröstet denn keiner
Sehnsucht, die schmachtend im Busen girrt?
Himmlischer Glaube,
Magst du nicht finden,
Wie aus dem Staube
Wir uns das Bleibende gründen?
Ach! nicht hienieden,
Nicht, wo in Gräbern die Asche liegt,
Suche den Frieden,
Nicht, wo die Freude mit Winden fliegt.
Arbeit und Thränen
Irdischem weihe,
Aber dein Sehnen
Stelle zur himmlischen Bläue.
Da gehn die Lichter,
Ewige Spiegel der reinsten Lust,
Liebende Richter,
Liebende Tröster der Menschenbrust;
Dahin gerichtet,
Was dich bedränget!
Da wird gelichtet,
Was dir hier Nacht noch verhänget.
 
               9.
 Gottes süße Liebe,
Gottes freundlich frommes Herz,
Ziehe meine Triebe
Alle himmelwärts
Unten sind nur Thränen,
Unten ist nur eitel Lug,
Ungestilltes Sehnen,
Täuschung nur und Trug.
Unten ist nur Mühe,
Kampf nur, wenn's am besten ist,
Hader spat und frühe,
Daß man dein vergißt.
Alle, gleich den Blinden,
Tappen wir in Biesternis,
Können dich nicht finden
In der Finsternis.
O du reiche Quelle,
O du Brunnen jeder Lust!
Mache mir es helle,
Hell in Aug und Brust!
Ziehe, süße Liebe,
Aus dem Dunkel mich zum Licht,
Alle meine Triebe,
All mein Angesicht.
Gottes Liebe, ziehe,
Zieh' in dich mich ganz hinein!
Daß ich hier schon blühe
Wie ein Himmelsschein.
Gottes Liebe, Spiegel
Aller Freude, alles Lichts,
Gieb mir Sonnenflügel
Zu entfliehn dem Nichts.
Daß ich gleich der Lerche
Flieg empor ins Sternenhaus
Ueber Thal und Berge
Und die Welt hinaus.
 
                     10.
Ich bin so traurig in dem Herzen
Und weiß nicht mehr wohin noch her,
In meinem Innern braust von Schmerzen
Ein weites kaltes wüstes Meer,
Es reißt mich Sehnsucht und Verlangen
Vom Süd zum Nord, vom Ost zum West,
Gleich einem Menschen, der von Schlangen
Im Busen trüg' ein ganzes Nest.
Ich bin so traurig in dem Sinne,
Der sonst so still und freundlich war,
So voll von Gottes süßer Minne,
So voll von Gottes Lichte klar;
Bei Menschen fühl' ich mich verlassen,
Und einsam faßt mich schlimme Not,
Ich kann mich selber nicht mehr fassen
Und wünsche oft: o wärst du tot!
Denn ach! mein Gott hat mich verlassen,
Weil ich zuerst mich selbst verließ
Und auf des Lebens breite Straßen
Mich thöricht gnug verlocken ließ.
Im bunten gaukelnden Gebrause
Wo floh es hin, mein altes Glück?
Wie find' ich zu der stillen Klause
Der Kinderunschuld nun zurück?
O du, der in das Land der Nächte
Die Liebe selbst herabgesandt,
Daß sie uns allen Gnade brächte
Und Heilung mit der milden Hand,
Der sie ans harte Kreuz geschlagen,
Mit Dornen blutig sie zerriß,
Daß wir in Sünden nicht verzagen,
Der unerschöpften Huld gewiß.
Du tröste, was den Trost verloren,
Du richte das Gefallne auf
Und zu den steilen Himmelsthoren
Gieb Mut und Licht dem Pilgerlauf.
Du bist die Güte, du die Treue,
Ich bin der Staub, ich bin das Nichts,
Das sehnend lechzt zur heitern Bläue
Des reinen Glücks, des reinen Lichts.
 
                   11.
Der heil'ge Christ ist kommen,
Der süße Gottessohn,
Des freun sich alle Frommen
Am höchsten Himmelsthron;
Auch was auf Erden ist,
Muß preisen hoch und loben
Mit allen Engeln droben
Den lieben heil'gen Christ.
Das Licht ist aufgegangen,
Die lange Nacht ist hin,
Die Sünde ist gefangen,
Erlöset ist der Sinn,
Die Sündenangst ist weg,
Und Liebe und Entzücken
Baun weite Himmelsbrücken
Aus jedem schmalsten Steg.
Verwaiset sind die Kinder
Nicht mehr und vaterlos,
Gott rufet selbst die Sünder
In seinen Gnadenschoß,
Er will, daß alle rein
Von ihren alten Schulden,
Vertrauend seinen Hulden,
Gehn in den Himmel ein.
Drum freuet euch und preiset,
Ihr Kindlein fern und nah!
Der euch den Vater weiset,
Der heil'ge Christ ist da;
Er ruft so freundlich drein
Mit süßen Liebesworten:
Geöffnet sind die Pforten,
Ihr Kinder, kommt herein!
 


             Ruf zu Gott

Du, der Licht war vor meinem Tage,
Du, der Klang war vor meiner Klage
In der Gestirne Jubelgesang;
Du, dem Sonnen und Welten entrollten,
Eh' meine Sinne fühlten und wollten,
Hilf, Herr! mir ist die Seele so bang.
Du, der Licht bist, laß es durchdringen,
Du, der Klang bist, laß es erklingen,
Hauche von oben himmlischen Wind,
Hauche den Odem ewigen Lebens,
Daß entfliehen die Schauer des Bebens –
Hilf, Gott! höre dein flehendes Kind!
Aus dem Lichtmeer nur einen Funken,
Wie ich einst ihn selig getrunken!
Aus deiner Wonne nur einen Ton! –
Und es wehen die Lüfte des Lebens,
Und es fliehn die Schauer des Bebens,
Du bist Vater, ich wieder dein Sohn.
 


     Scharnhorst der Ehrenbote
                        1813

Wen erlest ihr für die großen Toten,
Die einst ritterlich fürs deutsche Land
Ihre Brust dem Eisen boten?
Wen erlest ihr als den rechten Boten,
Götter, für das Schattenland?
Wer ist würdig, solche Mär zu bringen:
»Aufgestanden sind die Söhne Teuts,
Millionen Stimmen klingen:
Unsre Schandeketten sollen springen!
Auch der Donner klingt's des Streits.«
Wer mag Hermann seine Rechte reichen
Und der Väter Angesichter schaun?
Wahrlich keine von den bleichen
Seelen, die vor jedem Sturmwind streichen,
Die zermalmte schier das Graun.
Nur ein Held mag Helden Botschaft tragen,
Darum muß Germaniens bester Mann,
Scharnhorst muß die Botschaft tragen:
Unser Joch das wollen wir zerschlagen,
Und der Rache Tag bricht an.
Heil dir, edler Bote! Hohe Weihe
Giebt dein Gang dem deutschen Waffenspiel:
Jeder wird ein Held in Treue,
Jeder wird fürs Vaterland ein Leue,
Wann ein Solcher blutig fiel.
Heil dir, edler Bote! Männerspiegel,
Biedermann aus alter deutscher Zeit!
Herrlich grünt dein Grabeshügel,
Und der Ruhm schlägt seine goldnen Flügel
Um ihn bis in Ewigkeit.
Und er steht uns wie ein heil'ges Zeichen,
Wie ein hohes festes Götterpfand,
Daß die Schande wird entweichen
Aus dem Vaterlande grüner Eichen,
Aus dem heil'gen deutschen Land.
Wann einst fromme Herzen deutsch sich finden,
Ohne Eide mit dem Händedruck
Werden hier sie Treue binden;
Bräuten, welche Hochzeitkränze winden,
Blühet hier der Ehrenschmuck.
Wann sich Männer nächtlich still verschwören
Gegen Lug und Vaterlandsverrat,
Gegen Gaukler, die bethören,
Gegen Memmen, welche Knechtschaft lehren,
Hieher lenken sie den Pfad.
Will der Vater seinen Sohn bewehren,
Hieher führt er ihn im Abendschein,
Heißt ihn knieen, heißt ihn schwören,
Treu des Vaterlandes heil'gen Ehren,
Treu bis in den Tod zu sein.
So blüht Tugend aus der Tugend Samen
herrlich durch die Zeiten ohne Ziel;
Buben zittern bei dem Namen,
Edle rufen Scharnhorst! wie ein Amen
Für das gläubigste Gefühl.
 


           Schlachtgesang
                   1810

Zu den Waffen! zu den Waffen!
Als Männer hat uns Gott geschaffen,
Auf! Männer, auf! und schlaget drein!
Laßt Hörner und Trompeten klingen,
Laßt Sturm von allen Türmen ringen,
Die Freiheit soll die Losung sein!
Zu den Waffen! zu den Waffen!
Die Arme müssen sich erstraffen
Und stählern alle Brüste sein,
Voll Kraft und Mut und Wut der Leuen,
Bis wieder strömt in deutschen Treuen
Der deutsche Strom, der deutsche Rhein.
Zu den Waffen! zu den Waffen!
Zur Hölle mit den welschen Affen!
Das alte Land soll unser sein!
Kommt alle, welche Klauen haben,
Kommt, Adler, Wölfe, Krähen, Raben!
Wir laden euch zur Tafel ein.
Zu den Waffen! zu den Waffen!
Komm, Tod, und laß die Gräber klaffen!
Komm. Hölle, thu den Abgrund auf!
Heut schicken viele tausend Gäste
Wir hin zu Satans düsterm Neste
Heut hört die lange Schande auf.
Zu den Waffen! zu den Waffen!
Als Männer hat uns Gott geschaffen,
Weht, Fahnen, weht! Trompeten, klingt!
In deutscher Treue alle Brüder,
Hinein! Es kehret keiner wieder,
Der nicht den Sieg nach Hause bringt.
 


              Trinklied
                  1817

Bringt mir Blut der edlen Reben,
Bringt mir Wein!
Wie ein Frühlingsvogel schweben
In den Lüften soll mein Leben
In dem Wein.
Bringt mir Epheu, bringt mir Rosen
Zu dem Wein!
Mag Fortuna sich erbosen,
Selbst will ich mein Glück mir losen
In dem Wein.
Bringt mir Mägdlein hold und mundlich
Zu dem Wein!
Rollt die Stunde glatt und rundlich
Greif ich mir die Lust sekundlich
In dem Wein.
Bringt mir auch – das darf nicht fehlen
Bei dem Wein –
Echte treue deutsche Seelen
Und Gesang aus hellen Kehlen
Zu dem Wein.
Klang dir, Bacchus, Gott der Liebe,
In dem Wein!
Sorgen fliehen fort wie Diebe,
Und wie Helden glühn die Triebe
Durch den Wein.
Klang dir, Bacchus, Gott der Wonne,
In dem Wein!
Ha! schon schau' ich Mond und Sonne,
Alle Sterne in der Tonne,
In dem Wein.
Höchster Klang, wem sollst du klingen
In dem Wein?
Süßestes von allen Dingen,
Dir will ich's im stillen bringen
In dem Wein.

 

  Trost in Christo

Ich bin des Lebens müde,
Der eitlen Eitelkeit,
O komm, du Gottesfriede,
Und nimm mich aus dem Streit,
Nimm mich in deine Ruh,
In deine stillen Freuden,
Und schließ' den bittern Leiden
Des Wahns Erinnrung zu.
Zuviel hab ich geduldet,
Gekämpfet überlang,
Gesündigt und verschuldet,
Drum ist mir weh und bang,
Ich weiß nicht aus noch ein
Auf diesen biestern Straßen;
Ich wäre gar verlassen,
Wär Jesus Christ nicht mein.
Ich wäre längst vergangen,
Wär Jesus Christ nicht mein,
In Zittern und in Bangen,
In Sündenangst und Pein,
In tiefer Seelennot,
Wär er, das Licht der Frommen,
Vom Himmel nicht gekommen,
Der Ankunft Morgenrot.
Du süßer Jesu Christe,
So freundlich und so hold!
Ach! wenn doch jeder wüßte,
Was deine Huld gewollt,
Wir werden immerdar
Entzückt nach oben schauen,
Und von den Sternenauen
Herab würd alles klar.
Ja, von den Sternenauen,
Wo unsre Heimat ist,
Daher käm' uns das Schauen,
Wer du gewesen bist,
Nein, wer du ewig bist,
Im Himmel und auf Erden
Würd' offenbaret werden
Der ganze Jesus Christ!
 


       Vaterlandslied
               1812

Der Gott, der Eisen wachsen ließ,
Der wollte keine Knechte,
Drum gab er Säbel, Schwert und Spieß
Dem Mann in seine Rechte.
Drum gab er ihm den kühnen Mut,
Den Zorn der freien Rede,
Daß er bestände bis aufs Blut,
Bis in den Tod die Fehde.
So wollen wir, was Gott gewollt,
Mit rechter Treue halten
Und nimmer im Tyrannensold
Die Menschenschädel spalten,
Doch wer für Tand und Schande steht,
Den hauen wir zu Scherben,
Der soll im deutschen Lande nicht
Mit deutschen Männern erben.
O Deutschland, heil'ges Vaterland!
O deutsche Lieb' und Treue!
Du hohes Land! du schönes Land!
Dir schworen wir aufs neue:
Dem Buben und dem Knecht die Acht!
Der füttre Krähn und Raben!
So ziehn wir aus zur Hermannsschlacht
Und wollen Rache haben.
Laßt brausen, was nur brausen kann,
In hellen lichten Flammen,
Ihr Deutschen alle Mann für Mann
Fürs Vaterland zusammen!
Und hebt die Herzen himmelan
Und himmelan die Hände,
Und rufet alle Mann für Mann:
Die Knechtschaft hat ein Ende!
Laßt klingen, was nur klingen kann,
Die Trommeln und die Flöten!
Wir wollen heute Mann für Mann
Mit Blut das Eisen röten,
Mit Henkerblut, Franzosenblut –
O süßer Tag der Rache!
Das klinget allen Deutschen gut,
Das ist die große Sache.
Laßt wehen, was nur wehen kann,
Standarten wehn und Fahnen!
Wir wollen heut uns Mann für Mann
Zum Heldentode mahnen.
Auf! fliege, stolzes Siegspanier,
Voran den kühnen Reihen!
Wir siegen oder sterben hier
Den süßen Tod der Freien.
 


Verse zur Begleitung des Schillschen

Ewig, Mensch, sollst du das loben,
Was die Erdennot besiegt
Und im stolzen Flug nach oben
Mit des Geistes Flügeln fliegt,
Was mit hochgebornen Seelen
Um die stolze Freiheit wirbt
Und nicht rechnen kann und zählen,
Wo sich's ehrlich lebt und stirbt.
 


             Vorwärts
                 1818

Vorwärts! Vorwärts! rief der Blücher,
Deutschlands treuster, bester Degen,
Und auf schlüpfrig blut'gen Wegen
Schritt der alte Held so sicher.
Vorwärts! Vorwärts! hat's geklungen
Von der Oder bis zur Seine,
Und die welsche Mordhyäne
Hat der alte Held bezwungen.
Vorwärts! drum soll mir's auch klingen,
Vorwärts! will ich mir auch wählen,
Vorwärts! Klang der stolzen Seelen
Soll auch mir zum Sieg gelingen.
Rückwärts klingt ein Klang der Hölle,
Schlechter Klang und schlechtes Zeichen,
Worob Mut und Lust erbleichen
Und erstarrt des Herzens Welle.
Rückwärts schleichen Satans Schliche,
Wann er Seelen meint zu fangen,
Rückwärts schleichen feige Schlangen,
Wann sie lauschen Todesstiche.
Rückwärts tasten Krebsesscheren
Für den Mord und Spinnenfüße,
Wann im luftigen Verließe
Sie die Fliegen winseln hören.
Rückwärts – o die feigen Seelen! –
Nein! nicht Namen sollst du nennen!
Wo sie mit dem Schwarzen brennen,
Mag der Schwarze sie sich zählen.
Vorwärts! Vorwärts! rief der Blücher,
Vorwärts! klinget frisch und freudig,
Vorwärts! hauet scharf und schneidig,
Vorwärts! schreitet kühn und sicher.

 

             Waldgruß
                 1844

Ihr, süße Blumen, grüne Haine,
O seid ihr endlich wieder mein?
In euch geborgen gar alleine,
Doch nie bin ich bei euch allein:
Ihr sprecht mit wundersamer Stimme
Die einz'ge Sprache ohne Trug,
Der Vogel predigt hier, die Imme,
Der Blütenzweig wie Gottes Buch
O Gottes Buch! o welche Klänge
Aus allerstillster Einsamkeit!
Entflohn dem wilden Weltgedränge
Zu höhrer Welt Gemeinsamkeit:
Denn wie aus längst vergangnen Tagen,
Wie aus der Geister Ewigkeit
Haucht's hier von Fabeln und von Sagen
So dicht, als Lenzwind Blüten schneit.
O Gottes Buch! o heil'ge Mächte!
Hier brecht ihr alle Siegel auf:
Geheimnis stummer Mitternächte
Und Sonnenlauf und Mondenlauf,
Und was von irren Wandelsternen
Die tiefe Menschenbrust durchkreist,
Kann hier der stille Lauscher lernen,
Wo alles hoch nach oben weist.
O Gottes Buch! o süßes Wehen,
Das säuselnd durch die Zweige geht!
O leises Flüstern aus den Höhen,
Wo aller Herzen Sonne steht!
O süßes Ahnen, süßes Sehnen!
Hier ist dein trauter Liebesort,
Hier findet Gram die ersten Thränen
Und Zorn sein mild Versöhnungswort.
Drum kommt, ihr Blumen, kommt ihr Haine,
Komm, stille, fromme Waldesnacht,
Und werdet, bleibet ewig meine
Mit aller süßen Gottesmacht,
Mit allen Vögeln, allen Immen,
Mit allen Blüten groß und klein,
Mit Millionen Wonnestimmen
Singt mir das Herz in Frieden ein.
 


       Warum ruf' ich?
                1837

Und rufst du immer Vaterland
Und Freiheit? will das Herz nicht rasten?
Und doch wie bald umrollt der Sand
Des Grabes deinen Leichenkasten!
Die nächste Ladung trägst du schon
Geschrieben hell auf weißer Scheitel;
Gedenk des weisen Salomon,
Gedenk des Spruches: Alles eitel.
Ja, darum ruf' ich Vaterland
Und Freiheit – dieser Ruf muß bleiben,
Wann lange unsrer Gräber Sand
Und unsern Staub die Winde treiben;
Wann unsrer Namen dünner Schall
Im Zeitensturme längst verklungen,
Sei dieses Namens Wiederhall
Von Millionen nachgesungen!
Ja, darum, weil wir gleich dem Schein
Der Morgendämmerung verschweben,
Muß dies die große Sonne sein,
Worin wir blühn, wodurch wir leben;
Drum müssen wir an diesem Bau
Uns hier die Ewigkeit erbauen,
Damit wir aus dem Geistergau
Einst selig können niederschauen.
O Vaterland! mein Vaterland!
Du heil'ges, das mir Gott gegeben!
Sei alles eitel, alles Tand,
Mein Name nichts und nichts mein Leben –
Du wirst Jahrtausende durchblühn
In deutschen Treuen, deutschen Ehren:
Wir Kurze müssen hinnen ziehn,
Doch Liebe wird unsterblich währen.

 

Was Goldringlein sagen soll
                1813

Geh hin, geh hin, Goldringelein,
Und sage meinem trauten Kinde,
Treufest wie Berge soll sie sein
Und lieblich wie die Frühlingswinde,
Doch nicht wie Zephirs Flügel leicht,
Der alles küssend weiter fleucht.
Geh hin, geh hin, Goldringelein,
Und sage meiner hübschen Feinen,
Sie soll in meines Herzens Schrein
Hell leuchtend wie Karfunkel scheinen,
Womit man heil'ge Bilder schmückt,
Daß sich der Frommen Herz entzückt.
Geh hin, geh hin, Goldringelein,
Und sage meiner süßen Holden,
Wann ostwärts geht der Sonne Schein
Und Sterne Höllennacht vergolden,
Wann Wasser rinnen berghinauf,
Dann höret meine Liebe auf.
Geh hin, geh hin, Goldringelein,
Das sollst du noch zuletzt ihr sagen:
Nichts süßer ist als Liebespein,
Nichts lustiger als Liebesklagen,
Nichts fröhlicher als Liebesnot,
Nichts seliger als Liebestod.

 

Was ist des Deutschen Vaterland

Was ist des Deutschen Vaterland?
Ist's Preußenland? Ist's Schwabenland?
Ist's Pommernland? Westfalenland?
Ist's wo am Rhein die Rebe blüht?
Ist's wo der Sand der Dünen weht?
Ist's wo am Belt die Möwe zieht?
Ist's wo die Donau brausend geht?
O nein! nein! nein! O nein! nein! nein!
Sein Vaterland muss größer sein!
Sein Vaterland muss größer sein!

Was ist des Deutschen Vaterland?
So nenne mir das große Land!
So nenne mir das große Land!
Ist's Land der Schweizer, ist's Tirol?
Gewiss ist es das Österreich,
Das Land und Volk gefiel, mir wohl;
an Ehren und an Siegen reich?
doch nein! nein! nein! O nein!, nein!, nein!
Sein Vaterland muss größer sein.
Das ganze Deutschland muss es sein!

Was ist des Deutschen Vaterland?
Das ganze Deutschland soll es sein!
So nenne mir das große Land!
O Gott vom Himmel sieh darein!
So weit die deutsche Zunge klingt
Und gib uns rechten deutschen Mut,
und Gott im Himmel Lieder singt,
dass wir es lieben treu und gut.
das soll es sein! Das soll es sein!
Das wack´rer Deutscher, nenne Dein!
Das ganze Deutschland soll es sein!


Was ist des Deutschen Vaterland
                   Zusatz

Das ganze Deutschland soll es sein!
Das sei der Ruf, der Klang, der Schein,
Der junge und der alte Schluß,
Der Blücher, der Arminius!
Das soll es sein!
Das ganze Deutschland soll es sein!
Das ganze Deutschland soll es sein!
So klingt's vom Belt bis über'n Rhein.
Der Römer sank, der Römling sinkt,
Wo Stahl in deutschen Fäusten blinkt.
So soll es sein!
So war, so soll das Deutschland sein!
 


        Wer ist ein Mann?
                  1813

Wer ist ein Mann? Wer beten kann
Und Gott dem Herrn vertraut;
Wann alles bricht, er zaget nicht:
Dem Frommen nimmer graut.
Wer ist ein Mann? Wer glauben kann
Inbrünstig wahr und frei;
Denn diese Wehr bricht nimmermehr,
Sie bricht kein Mensch inzwei.
Wer ist ein Mann? Wer lieben kann
Von Herzen fromm und warm:
Die heil'ge Glut giebt hohen Mut
Und stärkt mit Stahl den Arm.
Dies ist der Mann, der streiten kann
Für Weib und liebes Kind;
Der kalten Brust fehlt Kraft und Lust,
Und ihre That wird Wind.
Dies ist der Mann, der sterben kann
Für Freiheit, Pflicht und Recht:
Dem frommen Mut deucht alles gut,
Es geht ihm nimmer schlecht.
Dies ist der Mann, der sterben kann
Für Gott und Vaterland,
Er läßt nicht ab bis an das Grab
Mit Herz und Mund und Hand.
So, deutscher Mann, so, freier Mann,
Mit Gott dem Herrn zum Krieg!
Denn Gott allein kann Helfer sein,
Von Gott kommt Glück und Sieg.
 


Worte, gesprochen an Schills Grabe in Stralsund
zur halbhundertjährigen Gedächtnisfeier seines Todes
                       am 31. Mai 1859

Wir kommen heut getreten,
Du tapfre Sundia,
Zu wünschen und zu beten;
Zu beten ist immer da:
Schon wieder listen die Welschen
In weiter Welt herum,
Zu verkehren und zu fälschen
Deutsch Evangelium:
Evangelium der Treue,
Die beste deutsche Macht,
Die täglich wieder neue
Und frische Herzen macht:
Die Macht, worauf wir stehen
Und stehen ganz allein,
Die Macht, der in den Höhen
Der Herr will Helfer sein.
Bei dir ist viel zu melden
Von alter Sachsenkraft,
Deine Bürger waren Helden
Mit Schwert und Lanzenschaft,
Es mußt' an deinen Wällen,
Wie stolz er lief daran,
Der Wallenstein zerschellen,
Der allgewaltige Mann.
Die ritterlichen Namen,
Die dich als Braut gewollt
Und um dich werben kamen,
Die Fahnen aufgerollt,
Wer mag sie heute nennen,
Die stolze Heldenzahl,
Die herrlich leuchtend brennen
In deinem Wappenstrahl?
Viel reiche Ruhmesgarben
Fuhrst weiland du dir ein;
Die buhlend um dich warben
Schwer ließest du sie ein;
Zuletzt ist einer der Frommen
In böser welscher Zeit
In deine Mauern gekommen.
Sein Name klinge heut!
Ja, als die Wucht von Schanden
Den Nacken Deutschlands bog,
Ist einer aufgestanden,
Der stolz den Degen zog;
Als viele wie Memmen erblichen
Und kuschten feig und still,
Ist dieser nicht ausgewichen.
Sein Name klinget Schill.
Er ruht an deinem Strande,
Du edle Strahlenstadt.1)
Umgerollt im Vaterlande
Ist glücklich der Zeiten Rad.
Ueber dem die Welschen riefen:
Verscharrt ihn wie einen Hund!
Den grüßen heut aus Herzenstiefen
Die Männer am Strahlensund.
Drum wollen wir fröhlich treten
Heut an des Helden Gruft
Und fromm für jeden beten,
Der Nieder Welschland! ruft;
Wer nichts als deutsche Sache
Und deutsche Freiheit will,
Ruft Nieder, welscher Drache!
Ruft Hoch der deutsche Schill!
 


   Zorn und Liebe
An Karoline Hegewisch
             1820

Wer nie im Zorn erglühte,
Kennt auch die Liebe nicht,
Die Lieb' ist süße Blüte,
Die bitterm Zorn entbricht,
Wie Rosen blühn aus Dornen
Und wunderlieblich stehn,
So steht auf scharfen Zornen
Auch Liebe wunderschön.
Wie, wer will Rosen pflücken,
Muß streiten mit dem Dorn,
Pflockt Liebe, pflückt Entzücken
Der Liebe nur der Zorn;
Durch Mut und stolze Thränen
Und Arbeit und Gefahr
Wird ihr unendlich Sehnen
Allein hienieden klar.
Wohlan! wenn so die Lose
Uns hier geworfen sind,
So greif' ich nach der Rose,
Dem hellen Dornenkind,
So ring' ich nach der Liebe,
Dem süßen Himmelschein,
Wenn eine Welt sich hübe
Mitringer drum zu sein.
So blühe Rose, blühe!
Blüh', Liebe, scharf im Dorn!
Komm du, mein Blitz, und sprühe!
Sprüh', sprühe, edler Zorn!
Komm, Stolz, und nimm die Waffen
Der Arbeit und der Not!
Was frommte dir der Schlaffen
Lebendig toter Tod?