Bürger

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             Winterlied.

Der Winter hat mit kalter Hand
Die Pappel abgelaubt,
Und hat das grüne Maigewand
Der armen Flur geraubt
Hat Blümchen, blau und rot und weiß,
Begraben unter Schnee und Eis.

Doch, liebe Blümchen, hoffet nicht
Von mir ein Sterbelied.
Ich weiß ein holdes Angesicht,
Worauf ihr alle blüht.
Blau ist des Augensternes Rund,
Die Stirne weiß, und rot der Mund.

Was kümmert mich die Nachtigall,
Im aufgeblühten Hain?
Mein Liebchen trillert hundertmal
So süß und silberrein;
Ihr Atem ist, wie Frühlingsluft,
Erfüllt mit Hyazinthenduft.

Voll für den Mund, und würzereich,
Und allerfrischend ist,
Der purpurroten Erdbeer' gleich,
Der Kuß, den sie mir küßt. -
O Mai, was frag' ich viel nach dir?
Der Frühling lebt und webt in ihr.

 

Bei dem Grabe meines guten Großvaters
            Jakob Philipp Bauer's.

Ruhe, süße Ruhe schwebe
Friedlich über dieser Gruft!

Niemand spotte dieser Asche,
Die ich jetzt mit Thränen wasche
Und kein Fluch erschütt're diese Luft!

Denn dem Frommen, der hier schlummert,
Galt der Wert der Redlichkeit. -
Was vordem, in goldnen Jahren,
Deutsche Biedermänner waren,
War er den Genossen seiner Zeit. -

Dieser Biederseele Flecken
Rüge keine Lästerung!
Denn was Flecken war, vermodert;
Nur der Himmelsfunken lodert
Einst, geläutert, zur Verherrlichung. -

Ich! Er war mein treuer Pfleger,
Von dem Wiegenalter an.
Was ich bin, und was ich habe,
Gab der Mann in diesem Grabe,
Alles dank' ich dir, du guter Mann! -

Ruhe, süße Ruhe schwebe
Friedlich über dieser Gruft!
Bis der himmlische Belohner
Ihren ehrlichen Bewohner
Seine Krone zu empfangen, ruft.

 

      Das Lob Helenens.

  Am Tage ihrer Vermählung.

Bräutigam, welch' eine Braut
Wird deinem Arm' zur Beute!
Bei meiner Leier schwör' ich's laut:
Die Krone schöner Bräute!

Wer zweifelt, wandre hin und her ,
Rings um die alten Gleichen!
Kein schön'res Fräulein findet er,
In allen Königreichen. -

Ihr Blick verheißt ein Paradies;
Die Wang' ist Morgenröte;
Und ihre Stimme tönt so süß,
Wie König Friedrichs Flöte.

Doch mehr! Des Dichters Phantasei
Berrät es seiner Leier,
Daß ihre Lippe süßer sei,
Als Honig und Tokaier.

Ihr schlanker Wuchs - Doch wie vermag
Ich jeden Reiz zu singen?
Kaum reicht' ein langer Sommertag,
Ihr Loblied zu vollbringen.

Sie weichet nicht in Griechenland
Der schönen Namensschwester;
Doch hält ihr Herz das goldne Band
Der Liebestreu' weit fester. -

Sie hätten in der Wunderzeit
Der Riesen und der Mohren,
Die Paladine weit und breit
Zur Dame sich erkoren.

Ihr Name hätt' im Feldpanier
Den Rittern Mut geschimmert,
Und Schild' und Lanzen im Turnier
Zu tausenden zertrümmert.

Wär' sie geboren auf der Flur,
In jenen goldnen Jahren,
Als ritterliche Lanzen nur
Noch Hirtenstäbe waren:

So hätt' um sie, in Flur und Hain,
Ein jedes Lied geworben.
Wohl mancher wär' in Liebespein,
Nach Schäferart gestorben. -

Sieh, solche Braut zieht deine Hand
Hinweg aus unsern Blicken.
Wie neiden wir das fremde Land,
Das Helena soll schmücken!

Ach! welche Nachbarin ersetzt
Die unsern Nachbarsöhnen?
Und welche wird die Reigen jetzt,
Die Helena, verschönen?

Du müßtest wohl mit blankem Speer
O Mann, sie erst erwerben,
Und billig schäferlich vorher
Ein paarmal für sie sterben! -

Doch wirst du künftig, ohne Leid,
Die auf den Händen tragen,
Und immer, nach Verdienst, wie heut,
Ihr Honigwörtchen sagen:

So sei es d'rum! Wir lassen sie
In Frieden unsertwegen.
Die Liebe segne dich und sie,
Mit ihrem besten Segen!

 

                Minnesold.

Wem der Minne Dienst gelinget,
O wie hoch wird der belohnt!
Keinen bessern Sohn erringet,
Wer dem größten Kaiser front.
Denn, mit Scepter, Kron' und Gold,
Front er selbst um Minnesold.

Was sind Gold und Edelsteine?
Was des Mogols Perlenpracht?
Minnesold ist doch alleine,
Was auch reich die Herzen macht.
Perlen, Edelstein und Gold
Nähm' ich nicht für Minnesold.

Minnesold läßt Amt und Ehren,
Goldnen Sporn und Ritterschlag,
Lässet ohne Neid entbehren,
Was der Kaiser geben mag.
Ehre lacht nicht halb so hold,
Als der Minne Freudensold.

Nimmer, nimmermehr hienieden
Fänd' ich süßeren Genieß.
Süßeres ist nur beschieden
Seligen im Paradies.
Süß ist, was die Biene zollt;
Süßer dennoch Minnesold.

Minnesold ist aller Freuden,
Aller Freuden Fünftelsaft;
Minnesold hat aller Leiden,
Aller Leiden Heilungskraft.
Was der Balsamstaud' entrollt,
Heilet nicht, wie Minnesold.

Minnesold lehrt frei verachten
Aller Zährlichkeiten Not,
Flammen, Wasserfluten, Schlachten,
Lehrt verschmähen jeden Tod.
Stürb' ich nicht für Ehr' und Gold,
Stürb' ich doch für Minnesold.

Auszuspenden alle Habe,
Zu verbluten mit Geduld,
Wär' ein Schärflein Armengabe,
Für der Minne dank und Huld.
Den Verlust von Gut und Blut
Macht der Sold der Minne gut.

O, so will ich immer harren,
Immerdar, mit stetem Mut;
Im Dezemberfrost erstarren,
Schmachten in des Heumonds Glut.
Denn das alles lohnt der Sold,
Den getreue Minne sollt.

 

          An Themiren.

 Travestiert nach dem Horaz.

Ach, würden falsche Schwüre
Durch Zeichen an dir kund!
Verfärbte sich, Themire,
Nein frevelhafter Mund!

O, daß ein Zahn sich schwärzte.
Meineidige! daß nur
Ein Fingerchen dir schmerzte,
Das sich erhob zum Schwur!

So glaubt' ich, Götter hielten
Noch was auf Treu' und Pflicht,
Und falsche Mädchen spielten
Mit teuern Eiden nicht. -

Doch deinen Reiz erheben
Verbrechen nur noch mehr;
Und immer dichter schweben
Verehrer um dich her .

Frau Venus und ihr Wölkchen
Läßt fünf gerade sein.
Von Unmut nicht ein Wölkchen
Hüllt ihre Stirnen ein.

Per Dio! Was noch schlimmer,
Dein Flattersinn ergötzt
Den Schadenfroh, der immer
An heißen Pfeilen wetzt.

Daher in allen Schulen
Befiedert täglich sich
Ein Heer von jungen Buhlen,
Und insgesammt für dich.

Die kommen dann, und zollen
Dir Huldigung und Pflicht.
Die Alten aber trollen
Deswegen sich noch nicht.

Und Alt und Jung umschwärmet
Nun, wie behext, dein Haus.
Man baxet sich, man lärmet - - -
Ach! wo will das hinaus? -

Dich scheut, des Söhnchens wegen,
Die zärtliche Mama;
Und, seines Beutels wegen,
Der geizige Papa.

Du ängstigst junge Frauen:
Es möchte deinen Wert
Ein Tröpfchen Gunst betauen,
Das ihnen zugehört.

 

         Die beiden Liebenden.

Ein Andrer werd' um Ehr' und Gold!
Ich werd' um Liebe bei Selinden.
Mich kann allein ihr süßer Gold
An allgetreue Dienste binden.
Das Glück läßt manchen Ehrenmann
In seinem Dienst' umsonst verderben.
Allein bei treuer Liebe kann
Der Hirt auch sichern Gold erwerben.

Ich bin kein großer reicher Herr,
Und sie ist keine hohe Dame.
Dagegen klingt viel reizender
Ein kurzer schäferlicher Name.
Dagegen herzen wir uns frei,
Sind sicher vor Verrätertücken,
Auch schielet keine Spötterei,
Wann wir uns Knie und Hände drücken.

Der Prunk der hochstaffierten Kunst,
Selbst die Natur im Feierkleide,
Berauben nie sie meiner Gunst,
Denn sie beschämt an Reizen beide.
Das tausendstimmige Konzert
Der Lerchen und der Nachtigallen
Ist mir kaum halb so lieb und wert
Wann ihre Solotriller schallen.

Im Denken ist sie Pallas ganz,
Und Juno ganz am edlen Gange,
Terpsichore beim Freudentanz',
Euterpe neidet sie im Sange;
Ihr weicht Aglaia, wann sie lacht,
Melpomene bei sanfter Klage,
Die Wollust ist sie in der Nacht.
Die holde Sittsamkeit bei Tage.

Des Morgens, welch ein Malerbild!
Wallt sie hervor in leichtem Kleide,
Doch ungeschnürt, uns halb verhüllt
Nur in ein Mäntelchen von Seide.
Entringelt auf die Schulter sinkt
Die Hälfte goldner Locken nieder.
Wie dann ihr rasches Auge blinkt,
So blinkt das Licht aus Quellen wieder.

Natur und Einfalt helfen ihr,
An ihrem kleinen Morgentischen.
Des Busens und des Hauptes Zier
Sind Ros' und Myhrt' in einem Büschchen.
Zu ihren Wangen wurde nie
Ein Pinsel in Karmin getauchet;
Und doch, wie Rosen, blühen sie,
Von Frühlingsodem aufgehauchet.

Wann sie an ihrem Tischchen sitzt,
So werd' ich scherzend hingewinket:
»Komm, schmücke selbst dein Mädchen izt,
Wie deiner Laun' am besten dünket!«
Und mich beflügelt ihr Gebot,
Sie unvermutet zu umfangen.
Dann schminkt mit hohem Morgenrot
Mein Kuß die jugendlichen Wangen.

Ihr Haar im Nacken reizet mich
Zu hundert kleinen Thorenspielen.
Fast nimmer müde läßt es sich
In diesen seidnen Locken wühlen.
Sie äugelt nach dem Spiegel hin,
Belauschet meine Neckereien;
Sie schilt, daß ich ein Tändler bin,
Und freut sich doch der Tändeleien.

D'rauf leg' ich ihr die Schnürbrust an.
Vor Wonne beben mir die Hände.
Das Band zerreißt, so oft es kann,
Damit die Arbeit später ende.
Wie flink bin ich nicht stets bereit,
So liebe Dienste zu verrichten!
Doch flinker noch, zur Abendzeit,
Das Werk des Morgens zu zernichten.

Nun schlinget meine kühne Hand -
O Liebe, Liebe, welche Gnade! -
Ein sanftgeflammtes Rosenband
Ihr zierlich zwischen Knie und Wade.
Wie mir das Blut zu Herzen stürzt!
Nicht schöner wies sie Atalante,
Da sie um's Jawort, hochgeschürzt,
Mit ihren Freiern wetterannte.

Nun schwebt die Grazie vor mir,
Schlägt mit den Silberfüßchen Triller,
Und tanzet hin an das Klavier,
Und singt ein Lied, nach Weiß, von Miller.
Mit welcher Wollustfülle schwellt
Mein Herz der Zauber ihrer Kehle!
Hinweg, aus aller Gotteswelt,
Gen Himmel singt sie meine Seele!

Der Morgen eilt, man weiß nicht wie.
Zur Mahlzeit ruft die Küchenschelle.
Ihr gegen über, Knie an Knie,
Und Fuß an Fuß, ist meine Stelle.
Hier treiben wir's, wie froh und frei!
Uns fesselt kein verwünschter Dritter.
Die beste Fürstenschmauserei
Ist gegen solch ein Schmäuschen bitter.

Selinde schenkt mir Nektar ein.
Erst aber muß sie selber nippen.
Hierauf kredenzet sie den Wein,
Mit ihren süßen Purpurlippen.
Der Pfirsich, dessen zarten Flaum
Ihr reiner Perlenzahn verwundet,
Wie lüstern macht er Zung' und Gaum!
Wie süß mir dieser Pfirsich mundet!

Nach Tische läßt auf ihrer Brust
Mein hingesunknes Haupt sich wiegen.
Von Wein berauschet und von Lust,
Will schier die Sprache mir versiegen.
Ein volles Herz gibt wenig Klang;
Das leere klingt aus allen Tönen.
Sie fühlet dennoch seinen Drang;
Und ach! versteht sein stummes Sehnen.

Jetzt wird der Holden bang' um's Herz.
Ein Mädchen ist ein banges Wesen.
Sie reichet mir, aus losem Scherz,
Verwirrten Zwirn, ihn aufzulösen.
Zwar findet sie mich ungeschickt,
Doch sucht sie mich nur hinzuleiern.
O List! Indem sie her sich bückt,
Muß sich ihr Busen selbst entschleiern.

Ein schlauer Blick wird hingesandt;
Allein der Dieb läßt sich betreten.
Ein Streich von ihrer weichen Hand
Rächt auf der Stell' ihr Schamerröten.
Dann rückt sie weg uns spricht nicht mehr;
Bedeckt ihr Auge; macht die Blinde;
Lauscht aber durch die Finger her :
Wie ich die Kränkung wohl empfinde?

Dann spiel' ich einen Augenblick,
Doch nur verstellt, den Tiefbetrübten;
Und sie, o Wonne! springt zurück,
Versöhnt sich mit dem Vielgeliebten,
Umhalset ihn, weiß nicht genug
Mit süßen Namen ihn zu nennen,
Und Mund und Wange, die sie schlug,
Fühlt er von tausend Küssen brennen.

Wohl hundert Launen, kraus und hold
Umflattern täglich meine Traute.
Bald singt und lacht, bald weint und schmollt,
Bald klimpert sie auf ihrer Laute,
Tanzt hin und wieder, blitzgeschwind,
Bringt bald ein Büchelchen, bald Karten,
Bald streut sie alles in den Wind,
Und eilt hinunter in den Garten.

Ich hinterher, ereile sie
In einer sichern stillen Grotte.
Freund Amor treibt, sie weiß nicht wie,
Sie tief ins Dunkel. Dank dem Gotte!
Die bebt, von meinem Arm' umstrickt.
Mein Kuß erstickt ihr letztes Lallen.
Sie sinkt. Ich halte sie entzückt,
Und - halt! - und lasse sie nicht fallen.

 

             Das vergnügte Leben.

Der Geist muß denken. Ohne Denken gleicht
Der Mensch dem Öchs- und Eselein im Stalle.
Sein Herz muß lieben. Ohne Liebe schleicht
Sein Leben matt und lahm, nach Adams Falle.

Ein Kranz umkränz' ihn, ohne Drang und Zwang,
Ein Kranz von klugen nur nicht stolzen Leuten,
Die sich auf Witz verstehn und Schnurrigkeiten;
Denn sonst währt mancher Abend gar zu lang.

Dabei ist's eine himmlisch schöne Sache
Um Einen rechten braven  Herzensfreund,
Der, ist man fröhlich, wacker mit uns lache,
Und ehrlich weine, so man selber weint.

Der Abend muß ein Leckermahl bescheren;
Ein Mahl, erheitert durch Gespräch und Wein.
Da mag das Herz voll guter Dinge sein;
Nur muß der Kopf des Rausches sich erwehren.

Was für ein Wunsch zu guter Nacht sich schickt,
Das brauch' ich nicht erst lang und breit zu sagen.
Ein Weibchen muß man mit zu Bette tragen,
Das jede Nacht, wie eine Braut, entzückt.

Sagt, Freunde, schlendert nicht ein solches Leben
Gar artig und gemächlich seinen Gang?
Seit mir die Lieb' Amalien gegeben,
Besitz' ich alles, was ich eben sang.

 

                Der Bauer.

In seinen Durchlauchtigen Tyrannen.

Wer bist du, Fürst, daß ohne Scheu
Zerrollen mich dein Wagenrad,
Zerschlagen darf dein Roß?

Wer bist du, Fürst, daß in mein Fleisch
Dein Freund, dein Jagdhund, ungebläut
Darf Klau' und Rachen hau'n?

Wer bist du, daß, durch Saat und Forst.
Das Hurra deiner Jagd mich treibt,
Entatmet, wie das Wild? -

Die Saat, so deine Jagd zertritt,
Was Roß, und Hund, und Du verschlingst,
Das Brot, du Fürst, ist mein.

Du Fürst hast nicht, bei Egg' und Pflug,
Hast nicht den Erntetag durchschwitzt.
Mein, mein ist Fleiß und Brot! -

Ha! du wärst Obrigkeit von Gott?
Gott spendet Segen aus; du raubst!
Du nicht von Gott, Tyrann!

 

Abendphantasie eines Liebenden.

In weiche Ruh' hinabgesunken,
Unaufgestört von Harm und Not,
Vom süßen Labebecher trunken,
Den ihr der Gott des Schlummers bot,
Noch sanft umhallt vom Abendliede
Der Nachtigall, im Flötenton,
Schläft meine Herzens-Adonide
Nun ihr behäglich Schläfchen schon.

Wohlauf, mein liebender Gedanke,
Wohlauf zu ihrem Lager hin!
Umwebe, gleich der Epheuranke,
Die engelholde Schläferin!
Geneuß der übersüßen Fülle
Vollkommner Erdenseligkeit,
Wovon zu kosten noch ihr Wille,
Und ewig ach! vielleicht, verbeut! -

Ahi! Was hör' ich? - Das Gesäusel
Von ihres Schlummers Odemzug!
So leise wallt durch das Gekräusel
Des jungen Laubes, Zephyrs Flug.
Darunter mischt sich ein Gestöhne,
Das Wollust ihr vom Busen löst,
Wie Bienensang und Schilfgetöne,
Wann Abendwind dazwischen bläst.

O, wie so schön dahin gegossen,
Umleuchtet sie des Mondes Licht!
Die Blumen der Gesundheit sprossen
Auf ihrem wonnigen Gesicht.
Ihr Lenzgeruch wallt mir entgegen,
Süß, wie bei stiller Abendluft,
Nach einem milden Sprüheregen,
Der Moschushyacinthe Duft.

Mein ganzes Paradies steht offen.
Die offnen Arme, sonder Zwang,
Was lassen sie wohl anders hoffen,
Als herzenswilligen Empfang?
Oft spannt und hebt sie das Entzücken,
Als sollten sie jetzt ungesäumt
Den himmelfrohen Mann umstricken,
Den sie an ihrem Busen träumt. -

Nun kehre wieder! Nun entwanke
Dem Wonnebett'! Du hast genug!
Sonst wirst du trunken, mein Gedanke,
Sonst lähmt der Taumel deinen Flug.
Du loderst auf in Durstesflammen! -
Ha! wirf ins Meer der Wonne dich!
Schlagt, Wellen, über mir zusammen!
Ich brenne! brenne! kühlet mich!

 

   Seufzer eines Ungeliebten.

Hast du nicht Liebe zugemessen
Dem Leben jeder Kreatur?
Warum bin ich allein vergessen,
Auch meine Mutter du! Natur?

Wo lebte wohl in Forst und Hürde,
Und wo in Luft und Meer ein Tier,
Das nimmermehr geliebet würde?
Geliebt wird alles außer mir!

Wenn gleich in Hain und Wiesenmatten
Sich Baum und Staude, Moos und Kraut
Durch Lieb' und Gegenliebe gatten;
Vermählt sich mir doch keine Braut.

Mir wächst vom süßesten der Triebe
Nie Honigfrucht zur Lust heran.
Denn ach! mir mangelt Gegenliebe,
Die Eine nur gewähren kann.

 

                Gegenliebe.

Wüßt' ich, wüßt' ich, daß du mich
Lieb und wert ein bißchen hieltest,
Und von dem, was ich für dich,
Nur ein Hundertteilchen fühltest;

Daß dein Dank hübsch meinem Gruß'
Halben Wegs entgegen käme,
Und dein Mund den Wechselkuß
Gerne gäb' und wiedernähme:

Dann, o Himmel, außer sich,
Würde ganz mein Herz zerlodern!
Leib und Leben könnt' ich dich
Nicht vergebens lassen fodern! -

Gegengunst erhöhet Gunst,
Liebe nähret Gegenliebe,
Und entflammt zur Feuersbrunst,
Was ein Aschenfünkchen bliebe.

 

An die Nymphe des Regenborns.

Neig' aus deines Vaters Halle,
Felsentochter, mir dein Ohr!
Hell im Schimmer der Krystalle,
Hell im Silberschleier, walle,
Keine Nymphe, wall' hervor!

Libern jauchzet die Mänade
Huldigung bei Zymbelklang.
Dir nur, glänzende Najade,
Deiner Urne, deinem Bade
Weihte keiner Hochgesang? -

Wohl, ich weih' ihn! Wo der Zecher,
Der des Preises spotten soll?
Ha! Wo ist er? Ich bin Rächer!
Fleuch! Mein Bogen tönt! Mein Köcher
Rasselt goldner Pfeile voll!

Hier, wie aus der Traube, quillet
Geist und Leben, frisch, und rein,
Leben, das den Hirten füllet,
Das den Durst der Herde stillet,
Welches Wiese tränkt und Hain.

Horch! Es rauscht im Felsenhaine,
Woget auf der Wies' entlang,
Leckt im Widder auf dem Raine,
Schauert durch das Mark der Beine,
Kühlt des Wandrers heißen Gang.

Saugt aus Wein der Klee sein Leben,
Wohlgeruch und Honigsaft? -
Kraut und Blumen, selbst die Reben
Danken dir, o Nais, Leben,
Würze, Süßigkeit und Kraft.

Lebensfülle, Kraft und Streben
Trank auch ich schon oft bei dir.
Drob sei auch von nun an Leben
Und Unsterblichkeit gegeben
Deinem Namen für und für.

 

  Die Menagerie der Götter.

Wie hier an Affen, Papagei'n,
An Kakadu und Raben
Hofherrn und Damen insgemein
Ihr träges Mütchen laben:

So hegt auch mancher Gott sein Tier,
Selbst in der Himmelsstube.
Zeus dahlt mit seinem Adler schier,
Wie ein Quintanerbube.

Der darf in Kabinett und Saal,
Auf Stuhl und Tafel springen,
Und keck ein ganzes Göttermahl
Ambrosia verschlingen.

Allein, wer so viel frißt, der muß,
Mit Gunst! auch viel hofieren.
D'rum möchte Juno, voll Verdruß,
Ihm oft den Steiß verschnüren.

Dagegen kann ihr Pfauenpaar
Sie desto baß erfreuen;
Doch schmälet Zeus, und dies ist wahr,
Daß sie abscheulich schreien.

Mit Täubchen kürzt an ihrem Platz'
Sich Cypria die Stunden.
Ihr Por läßt flattern einen Spatz,
An langen Zwirn gebunden.

Minerva kömmt durch ihre Gunst
Noch dem Olymp zu statten:
Denn ihre Eule fängt mit Kunst
Die Himmelsmäus' und Ratten.

Apoll hält solchen Tand für schwach,
Nährt sich vier stolze Schimmel,
Und galoppieret, Tag für Tag,
Eins durch den weiten Himmel.

Auch, sagt man, hält er einen Schwan,
Des wunderbarer Schnabel
Trotz Roms Kastraten singen kann;
Doch halt' ich dies für Fabel.

Lyäus laßt den Wagen gar
Von zahmen Tigern führen,
Und ohne Sorge vor Gefahr,
Sich durch die Welt kutschieren.

Vor Plutons schwarzer Pforte bellt,
Der größte Bullenbeißer,
Und macht die Qual der Unterwelt,
Durch sein Geheul noch heißer. -

Vor allen Tieren, groß und klein,
Die sich bei Göttern mästen,
Behagt Silenus Eselein
Noch meinem Sinn' am besten.

Das ist fürwahr! ein feines Vieh,
Von sondrer Zucht und Ehren,
Und läßt von vorn und hinten nie
Was Unverschämtes hören.

Mit sich und seinem Herrn vergnügt,
Geduldig allerwegen,
Nimmt es vorlieb, so wie sich's fügt,
Mit Marzipan und Schlägen.

Zum Keller weiß es hin und her
Den Weg von selbst zu finden;
Auch braucht man gar nicht drüber her
Den Reiter fest zu binden.

Piano klimmt's den Berg hinan,
Piano tritt's bergunter,
Und wirft den trunknen Ehrenmann
Kein einzigmal herunter.

So einen Esel wünscht' ich mir! -
Silen, wirst du einst sterben;
So laß mich dies bequeme Tier,
Laß, Vater, laß mich's erben!

 

          Das neue Leben.

Eia! Wie so wach und froh,
Froh und wach sind meine Sinnen!
O vor welcher Sonne floh
Meines Lebens Nacht von hinnein?
Wie so holden Gruß entbot
Mir das neue Morgenrot!

Mein erheitertes Gesicht
Siehet Paradiese blühen.
Welche Töne! Hör' ich nicht
Aller Himmel Melodieen?
O wie süß erfüllt die Luft
Edens Amarantenduft!

Weingott, bist du mir so nah.
Mir so nah bei jedem Mahle?
Füllst du mit Ambrosia
Und mit Nektar jede Schale?
Geber der Ambrosia
Und des Nektars, mir so nah?

Liebe, deine Wunderkraft
Hat mein Leben neu geboren,
Hat zum Glück der Götterschaft
Mich hienieden schon erkoren.
Ohne Wandel! ewig so!
Ewig jung und ewig froh!

 

                    Trautel.

Mein Trautel hält mich für und für
In festen Liebesbanden;
Bin immer um und neben ihr;
Sie läßt mich nicht abhanden.
Ich darf nicht weiter, als das Band,
Woran sie mich gebunden.
Sie gängelt mich an ihrer Hand
Wohl Tag für Tag zwölf Stunden.

Mein Trautel hält mich für und für
In ihrer stillen Klause.
Darf nie zum Tanz', als nur mit ihr,
Nie ohne sie zum Schmause.
Und ich bin gar ein guter Mann,
Der sie nur sieht und höret,
Und aus den Augen lesen kann,
Was sie befiehlt und wehret.

Ich, Trautel, bin wohl recht für dich,
Und du für mich geboren.
O Trautel, ohne dich und mich,
Sind ich und du verloren. -
Wann einst des Todes Sense klirrt,
Und mähet mich von hinnen,
Ach! lieber, lieber Gott! Was wird
Mein Trautel doch beginnen?

 

            Spinnerlied.

Hurre, hurre, hurre!
Schnurre, Rädchen, schnurre!
Trille, Rädchen, lang und fein,
Trille fein ein Fädelein,
Mir zum Busenschleier.

Hurre, hurre, hurre!
Schnurre, Rädchen, schnurre!
Weber, webe zart und fein,
Webe fein das Schleierlein,
Mir zur Kirmeßfeier.

Hurre, hurre, hurre!
Schnurre, Rädchen, schnurre!
In und außen blank und rein,
Muß des Mädchens Busen sein,
Wohl deckt ihn der Schleier.

Hurre, hurre, hurre!
Schnurre, Rädchen, schnurre!
In und außen blank Und rein,
Fleißig, fromm und sittsam sein,
Locket wackre Freier.

 

             Ständchen.

Trallyrum larum höre mich!
Trallyrum larum leier!
Trallyrum larum das bin ich,
Schön Liebchen, dein Getreuer!
Schleuß auf den hellen Sonnenschein,
In deinen zwei Guckäugelein!

Durch Nacht und Dunkel komm' ich her,
Zur Stunde der Gespenster.
Es leuchtet längst kein Lämpchen mehr,
Durch stiller Hütten Fenster.
Nichts wachet mehr, was schlafen kann,
Als ich, und Uhr, und Wetterhahn.

Auf seiner Gattin Busen wiegt
Sein müdes Haupt der Gatte;
Wohl bei der Henne ruht vergnügt
Der Hahn auf seiner Latte;
Der Sperling unterm Dache sitzt
Bei der geliebten Sie anitzt.

Wann, o wann ist auch mir erlaubt,
Daß ich zu dir mich füge?
Daß ich in süße Ruh' mein Haupt
Auf deinem Busen wiege?
O Priesterhand, wann führest du
Mich meiner Herzgeliebten zu?

Wie wollt' ich dann herzinniglich,
So lieb, so lieb dich haben!
Wie wollt' ich, o wie wollt' ich mich
In deinen Armen laben!
Geduld! die Zeit schleicht auch herbei.
Ich, Trautchen, bleib mir nur getreu!

Nun lyrum larum gute Nacht!
Gott mag dein Herz bewahren! -
Was Gott bewahrt ist wohl bewacht. -
Daß wir kein Leid erfahren.
Ade! schleuß wieder zu den Schein,
In deinen zwei Guckäugelein!

 

  Das Mädel, das ich meine.

O was in tausend Liebespracht
Das Mädel, das ich meine, lacht!
Nun sing', o Lied, und sag mir an!
Wer hat das Wunder aufgethan:
Daß so in tausend Liebespracht
Das Mädel, das ich meine, lacht?

Wer hat, wie Paradieseswelt,
Des Mädels blaues Aug' erhellt? -
Der liebe Gott! der hat's gethan,
Der's Firmament erleuchten kann;
Der hat, wie Paradieseswelt,
Des Mädels blaues Aug' erhellt.

Wer hat das Rot auf Weiß gemalt,
Das von des Mädels Wange strahlt? -
Der liebe Gott! der hat's gethan,
Der Pfirsichblüte malen kann;
Der hat das Rot auf Weiß gemalt,
Das von des Mädels Wange strahlt.

Wer schuf des Mädels Purpurmund
So würzig, süß, und lieb und rund? -
Der liebe Gott! der hat's gethan,
Der Nelk' und Erdbeer' würzen kann;
Der schuf des Mädels Purpurmund
So würzig, süß, und lieb und rund.

Wer ließ vom Nacken, blond und schön,
Des Mädels seidne Locken wehn? -
Der liebe Gott! der gute Geist!
Der goldne Saaten reifen heißt,
Der ließ vom Nacken, blond und schön,
Des Mädels seidne Locken wehn.

Wer gab, zu Liebesred' und Sang,
Dem Mädel holder Stimme Klang? -
Der liebe, liebe Gott that dies,
Der Nachtigallen flöten hießt;
Der gab, zu Liebesred' und Sang,
Dem Mädel holder Stimme Klang.

Wer hat, zur Fülle süßer Lust,
Gewölbt des Mädels weiße Brust? -
Der liebe Gott hat's auch gethan,
Der stolz die Schwäne kleiden kann;
Der hat, zur Fülle süßer Lust,
Gewölbt des Mädels weiße Brust.

Durch welches Bildners Hände ward,
Des Mädels Wuchs so schlank und zart? -
Das hat die Meisterhand gethan,
Die alle Schönheit bilden kann;
Durch Gott, den höchsten Bildner, ward
Des Mädels Wuchs so schlank und zart.

Wer blies, so lichthell, schön und rein,
Die fromme Seel' dem Mädel ein? -
Wer anders hat's als er gethan,
Der Seraphim erschaffen kann;
Der blies so lichthell, schön und rein
Die Engelseel' dem Mädel ein. -

Lob sei, o Bildner, deiner Kunst!
Und hoher Dank für deine Gunst!
Daß du dein Abbild ausstaffiert,
Mit allem, was die Schöpfung ziert.
Lob sei, o Bildner, deiner Kunst!
Und hoher Dank für deine Gunst!

Doch ach! für wen auf Erden lacht
Das Mädel so in Liebespracht? -
O Gott! bei deinem Sonnenschein!
Bald möcht' ich nie geboren sein,
Wenn nie in solcher Liebespracht
Das Mädel mir auf Erden lacht.

 

           Schwanenlied.

Mir thut's so weh im Herzen!
Ich bin so matt und krank!
Ich schlafe nicht vor Schmerzen;
Mag Speise nicht und Trank;
Seh' alles sich entfärben,Was Schönes mir geblüht.
Ach, Liebchen, will nur sterben!
Dies ist mein Schwanenlied.

Du wärst mir zwar ein Becher,
Von Heilungslabsal voll. -
Nur - daß ich armer Lecher
Nicht ganz ihn trinken soll!
Ihn, welcher so viel Süßes,
So tausend Süßes hat! -
Doch - hätt' ich des Genießes,
Die hätt' ich dennoch satt.

D'rum laß mich, vor den Wehen
Der ungstillten Lust,
Zerschmelzen und vergehen,
Vergehn an deiner Brust!
Aus deinem süßen Munde
Laß saugen süßen Tod!
Denn, Herzchen, ich gesunde
Sonst nie von meiner Not!

 

        Die Umarmung.

Wie um ihren Stab die Rebe
Brünstig ihre Ranke strickt,
Wie der Epheu sein Gewebe
An der Ulme Busen drückt,

Wie ein Taubenpaar sich schnäbelt,
Und auf ausgeforschtem Nest,
Von der Liebe Rausch umnebelt,
Haschen sich und würgen läßt:

Dürft' ich so dich rund umfangen!
Dürftest du, Geliebte, mich! -
Dürften so zusammenhangen
Unsre Lippen ewiglich! -

Dann, von keines Fürsten Mahle,
Nicht von seines Gartens Frucht,
Noch des Rebengottes Schale,
Würde dann mein Gaum versucht.

Sterben wollt' ich im Genusse,
Wie ihn deine Lippe beut,
Sterben in dem langen Kusse
Wollustvoller Trunkenheit. -

Komm, o komm, und laß uns sterben!
Mir entlodert schon der Geist.
Fluch vermachet sei dem Erben,
Der uns von einander reißt!

Unter Myrten, wo wir fallen,
Bleib' uns Eine Gruft bevor!
Unsre Seelen aber wallen
In vereintem Hauch' empor,

In die seligen Gefilde,
Voller Wohlgeruch und Pracht,
Denen stete Frühlingsmilde
Vom entwölkten Himmel lacht;

Wo die Bäume schöner blühen,
Wo die Quellen, wo der Wind,
Und der Vögel Melodieen
Lieblicher und reiner sind;

Wo das Auge des Betrübten
Seine Thränen ausgeweint,
Und Geliebte mit Geliebten
Ewig das Geschick vereint;

Wo nun Phaon, voll Bedauren,
Seiner Sappho sich erbarmt;
Wo Petrarca ruhig Lauren
An der reinsten Quell' umarmt;

Und auf rundumschirmten Wiesen,
Nicht vom Argwohn mehr gestört,
Glücklicher bei Heloisen
Abälard die Liebe lehrt, -

O des Himmels voller Freuden,
Den ich da schon offen sah! -
Komm! Von hinnen laß uns scheiden
Eia! wären wir schon da! -

 

            Die Elemente.

Horch! Hohe Dinge lehr' ich dich:
Vier Elemente gatten sich;
Sie gatten sich, wie Mann und Weib,
Voll Liebesglut in einem Leib.
Der Gott der Liebe rief: Es werde!
Da ward Luft, Feuer, Wasser, Erde.

Des Feuers Quell, die Sonne, brennt
Am blauen Himmelsfirmament.
Sie strahlet Wärme, Tagesschein;
Sie reifet Korn und Obst und Wein;
Macht alles Lebens Säfte kochen,
Und seine Pulse rascher pochen.

Sie hüllt den Mond in stillen Glanz,
Und flicht ihm einen Sternenkranz.
Was leuchtet vor dem Wandrer her?
Was führt den Schiffer, durch das Meer,
Viel tausend Meilen in die Ferne?
Ihm leuchten Sonne, Mond und Sterne.

Die Luft umfängt den Erdenball,
Weht hie und dort, weht überall;
Ist Lebenshauch aus Gottes Mund,
Durchwandelt gar das Erdenrund,
Wo sie durch alle Höhlung webet,
Und selbst des Würmchens Lunge hebet.

Das Wasser braust durch Wald und Feld.
In tausend Arme nimmt's die Welt.
Wie Gottes Odem, bringt es auch
Tief durch der Erde finstern Bauch.
Die Wesen schmachteten und sänken,
Wo sie nicht seines Lebens tränken.

Drei Bräutigamen hat, als Braut,
Gott seine Erde angetraut.
Wann Luft und Wasser sie umarmt,
Und von der Sonn' ihr Schoß erwarmt,
Dann wird ihr Schoß, zu allen Stunden,
Von Kindern jeder Art entbunden.

All' ihre Kindlein hegt und pflegt
Sie, an ihr liebend Herz gelegt.
Sie ist die beste Mutter sie;
Sie säuget spät, sie säuget früh
Kein Kindlein, so ihr Schoß geboren,
Geht ihrem Schoße je verloren.

Sieh hin und her! Sieh rund um dich!
Die Elemente lieben sich;
Sie gatten sich in Himmelsglut;
Je Eins dem Andern Liebes thut
Aus solchem Liebestrieb' empfangen,
Bist du, o Mensch, hervorgegangen

Nun prüfe dich, nun sage mir:
Glüht noch des Ursprungs Glut in dir?
Erhellt, wie Sonne, dein Verstand,
Erhellt er Haus und Stadt und Land?
Entlodert, gleich den Himmelskerzen,
Noch Liebeslohe deinem Herzen?

Und deine Zunge stimmet sie
Zur allgemeinen Harmonie?
Ist deine Rede, dein Gesang
Der Herzensliebe Wiederklang?
Entweht dir Frieden, Freude, Segen,
Wie Maienluft und Frühlingsregen?

Hält unzerrissen deine Hand,
Das heilige Verlobungsband?
Reicht sie dem Nächsten in der Not
Von deinem Trank, von deinem Brot?
Und seinen nackenden Gebeinen
Von deiner Wolle, deinen Leinen? -

O du! O du! der das nicht kann,
Du Bastard du! was bist du dann? -
Und wärst du mächtig, schön und reich,
Dem Salomo an Weisheit gleich,
Und hättest gar mit Engelzungen
Zur Welt geredet und gesungen,

Du Bastard, der nicht lieben kann!
Was bist du ohne Liebe dann? -
Ein toter Klumpen ist dein Herz;
Du bist ein eiteltönend Erz;
Bist leerer Klingklang einer Schelle,
Und Tosen einer Wasserwelle.

 

         Des Schäfers Liebeswerbung.

Für Herrn Voß vor seiner Hochzeit gesungen.

Komm, biß mein Liebchen, biß mein Weib!
Und fodre Lust und Zeitvertreib,
So oft und viel dein Herz begehrt,
Und Garten, Flur, und Hain gewährt.

Bald wollen wir von freien Höhn
Rund um die Herden weiden sehn,
Und sehn der Lämmer Fröhlichkeit,
Und junger Stiere Hörnerstreit;

Bald hören, durch den Birkenhain,
Das Tutti froher Vögelein,
Und, an des Bächleins Murmelfall,
Das Solo einer Nachtigall.

Bald rudern auf bekränztem Kahn,
Den See hinab, den See hinan;
Bald Fischchen angeln aus der Flut,
Bald locken junge Vögelbrut;

Bald atmen auf der Maienflur
Den Balsam blühender Natur;
Bald, um die dünnbebuschten Höhn,
Nach Erd- und Heidelbeeren gehn.

Ein Blumengurt, ein Myrtenhut
Kühlt Liebchen vor des Sommers Glut.
Ist Liebchen müde, bett' ich's gleich
Auf Moos und Thymiänchen weich.

Ein Wams, verbrämt mit Schwanenfell,
Mit Knöpfen von Krystallen hell,
Ein Röckchen weiß, aus zarter Woll',
Aus Lämmchenwoll' es tragen soll.

Und hüpfen soll's in Saffian,
Mit goldnen Spänglein auf dem Spann,
Und weißen Strümpfchen, fein gestrickt,
Mit Blumenzwickeln ausgeschmückt.

Im Maimond tanzt ein Schäferchor
Dir hundert frohe Reigen vor.
Behagt dir dieser Zeitvertreib,
So biß mein Liebchen, biß mein Weib!

Ich sing' und blas' auf meinem Rohr
Dir täglich Lust und Liebe vor.
Ist das für Liebchen Zeitvertreib,
So biß mein Liebchen, biß mein Weib!