Bürger

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Biografie

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            Zechlied.

Ich will einst, bei Ja und Nein!
Vor dem Zapfen sterben.
Alles, meinen Wein nur nicht,
Lass' ich frohen Erben.
Nach der letzten Ölung soll
Hefen noch mich färben.
Dann zertrümmre mein Pokal
In zehntausend Scherben!

Jedermann hat von Natur
Seine sondre Weise.
Mir gelinget jedes Werk
Nur nach Trank und Speise.
Speis' und Trank erhalten mich
In dem rechten Gleise.
Wer gut schmiert, der fährt auch gut.
Auf der Lebensreise.

Ich bin gar ein armer Wicht,
Bin die feigste Memme,
Halten Durst und Hungerqual
Mich in Angst und Klemme.
Schon ein Knäbchen schüttelt mich,
Was ich auch mich stemme.
Einem Riesen halt, ich Stand,
Wann ich zech' und schlemme.

Ächter Wein ist ächtes Öl
Zur Verstandeslampe;
Gibt der Seele Kraft und Schwung
Bis zum Sternenkampe.
Witz und Weißheit dunsten auf
Aus gefüllter Wampe.
Baß glückt Harfenspiel und Sang,
Wann ich brav schlampampe.

Nüchtern bin ich immerdar
Nur ein Harfenstümper.
Mir erlahmen Hand und Griff,
Welken Haupt und Wimper.
Wann der Wein in Himmelsklang
Wandelt mein Geklimper,
Sind Homer und Ossian
Gegen mich nur Stümper.

Nimmer hat durch meinen Mund
Hoher Geist gesungen,
Bis ich meinen lieben Bauch
Weidlich vollgeschlungen.
Wann mein Kapitolium
Bacchus Kraft erschwungen,
Sing' und red' ich wundersam
Gar in fremden Zungen.

D'rum will ich, bei Ja und Nein!
Vor dem Zapfen sterben.
Nach der letzten Ölung soll
Hefen noch mich färben.
Engelchöre weihen dann
Mich zum Nektarerben:
»Diesen Trinker gnade Gott!
Lass' ihn nicht verderben!«

 

         Liebeszauber.

Mädel, schau mir ins Gesicht!
Schelmenauge, blinzle nicht!
Mädel, merke was ich sage!
Gib mir Rede, wenn ich frage!
Holla hoch mir ins Gesicht!
Schelmenauge, blinzle nicht!

Bist nicht häßlich, das ist wahr;
Äuglein hast du, blau und klar;
Wang' und Mund sind süße Feigen:
Ach! vom Busen laß mich schweigen!
Reizend, Liebchen, das ist wahr,
Reizend bist du offenbar.

Aber reizend her und hin!
Bist ja doch nicht Kaiserin;
Nicht die Kaiserin der Schönen.
Wer wird dich allein nur krönen?
Reizend her und reizend hin!
Viel fehlt noch zur Kaiserin!

Hundert Schönen sicherlich,
Hundert, hundert! fänden sich,
Die vor Eifer würden lodern,
Dich auf Schönheit 'rauszufodern.
Hundert Schönen fänden sich;
Hundert siegten über dich.

Dennoch hegst du Kaiserrecht
Über deinen treuen Knecht:
Kaiserrecht in seinem Herzen,
Bald zu Wonne bald zu Schmerzen.
Tod und Leben, Kaiserrecht,
Nimmt von dir der treue Knecht!

Hundert ist wohl große Zahl;
Aber , Liebchen, laß es 'mal
Hunderttausend Schönen wagen,
Dich von Thron und Reich zu jagen!
Hunderttausend! Welche Zahl!
Sie verlören allzumal.

Schelmenauge, Schelmenmund,
Sieh mich an und thu mir's kund!
He, warum bist du die Meine?
Du allein und anders Keine?
Sieh mich an und thu mir's kund,
Schelmenauge, Schelmenmund!

Sinnig forsch' ich auf und ab:
Was so ganz dir hin mich gab? -
Ha! durch nichts mich so zu zwingen,
Geht nicht zu mit rechten Dingen.
Zaubermädel, auf und ab,
Sprich, wo ist dein Zauberstab?

 

           Männerkeuschheit.

Wer nie in schöner Wollust Schoß
Die Fülle der Gesundheit goß,
Dem steht ein stolzes Wort wohl an,
Das Heldenwort: Ich bin ein Mann!

Denn er gedeiht und sproßt empor,
Wie auf der Wies' ein schlankes Rohr;
Und lebt und webt, der Gottheit voll,
An Kraft und Schönheit ein Apoll.

Die Götterkraft, die ihn durchfleußt,
Beflügelt seinen Feuergeist,
Und treibt, aus kalter Dämmerung,
Gen Himmel seinen Adlerschwung.

Dort taucht er sich in's Sonnenmeer,
Und Klarheit strömet um ihn her.
Dann wandelt sein erhellter Sinn
Durch alle Schöpfung Gottes hin.

Und er durchspäht, und wagt, und mißt,
Was schön, was groß und herrlich ist,
Und stellt es dar in Red' und Sang,
Voll Harmonie, wie Himmelsklang.

O schaut, wie er voll Majestät,
Ein Gott, daher auf Erben geht!
Er geht und steht in Herrlichkeit,
Und fleht um nichts; denn er gebeut.

Sein Auge funkelt dunkelhell,
Wie ein krystallner Schattenquell.
Sein Antlitz strahlt, wie Morgenrot;
Auf Nas' und Stirn herrscht Machtgebot.

Das Machtgebot, daß d'raus regiert,
Wird hui! durch seinen Arm vollführt.
Denn der schnellt aus, wie Federstahl;
Sein Schwerthieb ist ein Wetterstrahl.

Das Roß fühlt seines Schenkels Macht,
Der nimmer wanket, nimmer kracht.
Er zwängt das Roß, vom Zwang' entwöhnt,
Er zwängt das Roß, und horch! es stöhnt.

Er geht und steht in Herrlichkeit,
Und fleht um nichts; denn er gebeut:
Und dennoch schaut, wo er sich zeigt,
O schaut, wie ihm sich alles neigt!

Die edelsten der Jungfrau'n blühn,
Sie blühn und duften nur für ihn.
O Glückliche, die er erkiest!
O Selige, die sein genießt!

Die Fülle seines Lebens glänzt,
Wie Wein, von Rosen rund umkränzt.
Sein glücklich Weib, an seiner Brust,
Berauscht sich d'raus zu Lieb' und Lust.

Frohlockend blickt sie rund umher:
»Wo sind der Männer mehr, wie Er?«
Fleuch, Zärtling, fleuch! Die spottet dein.
Nur Er nimmt Bett' und Busen ein.

Die steht und fodert auf umher:
»Wo ist, wo ist ein Mann, wie Er?«
Sie, ihm allein getreu und hold,
Erkauft kein Fürst mit Ehr' und Gold.

Wie, wann der Lenz die Erd' umfäht,
Und sie mit Blumen schwanger geht:
So segnet Gott durch ihn sein Weib,
Und Blumen trägt ihr edler Leib.

Die alle blüh'n, wie Sie und Er,
Sie blüh'n und duften um ihn her,
Und wachsen auf, ein Zedernwald,
Voll Vaterkraft und Wohlgestalt. -

So glänzt der Lohn, den der genießt,
So das Geschlecht, das dem entsprießt,
Der nie in schnöder Wollust Schoß
Die Fülle der Gesundheit goß.

 

    Auch ein Lied an den lieben Mond.

Ei! schönen guten Abend dort am Himmel!
Man freuet sich, Ihn noch fein wohl zu sehn.
Willkommen mir, vor allem Sterngewimmel!
Vor allem Sterngewimmel lieb und schön! -
Das lächelst du so bittlich her , mein Teurer?
Willst du vielleicht so was von Sing und Sang?
Ganz recht! Wofür auch wär' ich sonst der Leirer
Des Saitenspiel bisher - so so! - noch klang?

Es wäre ja nicht halb mir zu vezeihen,
Das muß ich selbst treuherzig eingestehn,
Da alle Dichter dir ein Schärflein weihen,
Wollt' ich allein dich stumm vorüber gehn.

Auch bist du's wert, mein sanfter, holder, lieber - - -
Ich weiß nicht recht, wie ich dich nennen soll?
Mann oder Weib? - Schon lange war ich über
Und über deines warmen Lobes voll.

So wissen's dann die Jungen und die Alten,
Was immerdar auch meine Wenigkeit
Vom schönen lieben Monde hat gehalten,
Und halten wird in alle Ewigkeit!

Die Sonn' ist zwar die Königin der Erden.
Das sei hiermit höchstfeierlich erklärt!
Ich wäre ja von ihr beglänzt zu werden,
Verneint' ich dies, nicht eine Stunde wert.

Wer aber kann, wann sie im Strahlenwagen
Einher an blauer Himmelstraße zieht,
Die Glorie in seinem Aug' ertragen,
Die ihre königliche Stirn umglüht?

Du, lieber Mond, bist schwächer zwar und kleiner,
Ein Kleid, nur recht und schlecht, bekleidet dich;
Allein du bist so mehr, wie Unsereiner,
Und dieses ist gerade recht für mich.

Ich würde mich fürwahr nicht unterstehen,
Mit ihrer hocherhabnen Majestät
So brüderlich und traulich umzugehen,
Wie man noch wohl mit dir sich untersteht.

Die Sonne mag uns tausend Segen schenken.
Das wissen wir und danken's herzlich ihr.
Doch weiß sie auch es wieder einzutränken,
Und sengt und brennt oft desto baß dafür.

Du aber, aller Kreaturen Freude!
Den jeder Mund so treu und froh begrüßt,
Bist immer gut, thust nimmer was zu Leide,
Kein Biedermann hat je durch dich gebüßt.

Wär' ohne sie die Welt nur hell und heiter,
Und frör' es nur nicht lauter Eis und Stein,
Und Wein und Korn und Obst gediehe weiter,
Wer weiß? so ließ' ich Sonne Sonne sein.

Dich ließ' ich mir in Ewigkeit nicht nehmen,
Wofern mein armes Nein was gelten kann.
Ich würde bis zum Kranken mich zergrämen,
Verlör' ich dich, du trauter Nachtkumpan!

Wen hätt' ich sonst, wann um die Zeit der Rosen,
Zur Mitternacht mein Gang um's Dörfchen irrt,
Mit dem ich so viel Liebes könnte kosen,
Als hin und her mit dir gekoset wird?

Wen hätt' ich sonst, wann überlange Nächte
Entschlummern mich, du weißt wohl was, nicht läßt,
Dem alles ich so klagen könnt' und möchte,
Was für ein Weh mein krankes Herz zerpreßt?

 

           Molly's Wert.

Ach, könnt' ich Molly kaufen
Für Gold und Edelstein,
Und hätte große Haufen;
Die sollten mich nicht reu'n.
Zwar wühlt sich's hübsch im Golde;
Wohl dem, der wühlen kann! -
Doch ohne sie, die Holde,
Was hätt' ich Frohes d'ran?

Ja, wenn ich der Regente
Von ganz Europa wär',
Und Molly kaufen könnte;
So gäb ich alles her.
Vor Städten, Schlössern, Thronen,
Und mancher fetten Flur,
Wählt' ich mit ihr zu wohnen,
Ein Gartenhüttchen nur.

Mein liebes Leben enden
Darf nur der Herr der Welt.
Doch dürft' ich es verspenden,
So wie mein Gut und Geld;

So gäb' ich gern, ich schwöre!
Für jeden Tag ein Jahr,
Da sie mein eigen wäre,
Mein eigen ganz und gar.

 

        An die Menschengesichter.

Ich habe was Liebes, das hab' ich zu lieb;
Was kann ich, was kann ich dafür?
D'rum sind mir die Menschengesichter nicht hold:
Doch spinn' ich ja leider nicht Seide, noch Gold,
Ich spinne nur Herzeleid mir.

Auch mich hat was Liebes im Herzen zu lieb;
Was kann es was kann es für's Herz?
Auch ihm sind die Menschengesichter nicht hold:
Doch spinnt es ja leider nicht Seide noch Gold,
Es spinnt sich nur Elend und Schmerz.

Wir seufzen und sehnen, wir schmachten uns nach,
Wir sehnen und seufzen uns krank.
Die Menschengesichter verargen uns das;
Sie reden, sie thun uns bald dies und bald das,
Und schmieden uns Fessel und Zwang.

Wenn ihr für die Leiden der Liebe was könnt,
Gesichter, so nennen wir's euch.
Wenn mir es nicht können, so irr' es euch nicht!
Wir können, ach leider! wir können es nicht,
Nicht für das mogolische Reich!

Wir irren und quälen euch Andre ja nicht;
Wir quälen ja uns nur allein.
D'rum, Menschengesichter, mir bitten euch sehr,
D'rum laßt uns gewähren, und quält uns nicht mehr,
O laßt uns gewähren allein!

Das dränget ihr euch um die Kranken herum,
Und scheltet und schnarchet sie an?
Von Schelten und Schnarchen genesen sie nicht.
Man liebet ja Tugend, man übet ja Pflicht;
Doch Keiner thut mehr, als er kann.

Die Sonne, sie leuchtet; sie schattet, die Nacht;
Hinab will der Bach, nicht hinan;
Der Sommerwind trocknet; der Regen macht naß;
Das Feuer verbrennet. - Wie hindert ihr das? -
O laßt es gewähren, wie's kann!

Es hungert den Hunger, es dürstet den Durst;
Sie sterben von Nahrung entfernt.
Naturgang wendet kein Aber und Wenn. -
O Menschengesichter, wie zwinget ihr's denn,
Daß Liebe zu lieben verlernt?

 

                    Elegie.

  Als Molly sich losreißen wollte.

Darf ich noch ein Wörtchen lallen? -
Darf vor deinem Angesicht
Eine Thräne mir entfallen? -
Ach, sie dürfte freilich nicht!
Ihren Ausbruch abzuwehren,
Brächte mehr für dich Gewinst,
Um den Kampf nicht zu erschweren,
Den du gegen mich beginnst.

Und, o Gott! darf ich ihn tadeln?
Sollte nicht mein schönstes Lied
Mehr den edlen Kampf noch adeln,
Ob er gleich ins Grab mich zieht? -
Ja, das find' ich recht und billig!
Noch ist mein Gewissen wach
Und mein beßres Selbst ist willig;
Aber seine Kraft ist schwach.

Denn wie soll, wie kann ichs zähmen,
Dieses hochempörte Herz?
Wie den letzten Trost ihm nehmen,
Auszuschreien seinen Schmerz?
Schreien, aus muß ich ihn schreien!
Herr, mein Gott, du wirst es mir,
Du auch Molly, wirst verzeihen!
Denn zu schrecklich tobt er hier.

Ha, er tobet mit der Hölle,
Mit der ganzen Hölle Wut!
Höchste Glut ist seine Quelle,
Und sein Ausstrom höchste Glut!
Gott und Gottes Kreaturen
Ruf' ich laut zu Zeugen an:
Ob's von irdischen Naturen
Eine stumm verschmerzen kann! -

Rosicht, wie die Morgenstunde,
Freundlich, wie ein Paradies,
Wort und Kuß auf ihrem Munde -
O kein Nektar ist so süß! -
War ein Mädchen mir gewogen - - -
Wie? Gewogen nur? - Fürwahr,
Ihre tausend Schwüre logen,
Wenn ich nicht ihr Abgott war.

Und sie sollte lügen können?
Lügen nur ein einzig Wort?
Nein! In Flammen will ich brennen,
Zeitlich hier und ewig dort;
Der Verdammnis ganz zum Raube
Will ich sein, wofern ich nicht
An das kleinste Wörtchen glaube,
Welches dieser Engel spricht.

Und ein Engel sonder gleichen,
Wenn die Erde Engel hat,
Ist sie! Weichen muß ihr, weichen, -
Was hier Gott erschaffen hat! -
O ich weiß wohl, was ich sage!
Deutlich, wie mir See und Land
Hoch um Mittag liegt zu Tage,
So wird das von mir erkannt.

Rümpften Tausend auch die Nasen:
»Deine Sinne täuschen dich!
Große Liebe macht dich, rasen! -«
O ihr Tausend seid nicht Ich!
Ich, ich weiß es, was ich sage!
Denn ich weiß es, was sie ist,
Was sie wiegt auf rechter Wage,
Was nach rechtem Maß sie mißt.

Andre mögen Andre loben,
Und zu Engeln sie erhöhn!
Mir, von unten auf bis oben,
Dünkt, wie Sie, nicht Eine schön.
Wie von außen, so von innen,
Dünkt auf nüchtern meinem Sinn,
Sie der höchsten Königinnen
Aller Anmut Königin.

Bettelarm ist, sie zu schildern,
Aller Sprachen Überfluss.
Zwischen tausend schönen Bildern
Wühlt umsonst mein Genius.
Spräch' ich auch mit Engelzungen
Und in Himmelsmelodie,
Dennoch, dennoch unbesungen,
Wie sie wert ist, bliebe sie. -

Eine solche ist es! Eine,
Die kein Name nennen kann!
Die zu vollem Herzvereine
Mich so innig liebgewann,
Daß ihr seligster Gedanke,
Den sie dachte, wie den Stab
Rund herum des Weinstocks Ranke,
Tag und Nacht nur mich umgab.

Welch ein Sehnen, welch ein Schmachten,
Wann sie mich nicht sah und fand!
Welch ein wonniges Betrachten,
Wo ich ging und saß und stand!
Welch ein Säuseln, welch ein Wehen,
Wann sie kosend mich umfing,
Und mit süßem Liebeflehen
Brünstig mir am Halse hing! -

Alles, alles das, wie selig,
O wie selig fühlt' ich das!
Fühlt' es so, daß ich allmählich
Alles außer ihr vergaß;
Und nun ward in ihr zu leben,
Mir so innig zur Natur,
Wie, in Licht und Luft zu weben,
Jeder Erden-Kreatur.

Stolz konnt' ich vor Zeiten wähnen,
Hoch sei ich mit Kraft erfüllt,
Auch das Geistigste, mit Tönen
Zu verwandeln in ein Bild.
Doch lebendig darzustellen
Das, was sie und ich gefühlt,
Fühl' ich jetzt mich, wie zum schnellen
Reigen sich der Lahme fühlt.

Es ist Geist, so rasch beflügelt,
Wie der Spezereien Geist,
Der hermetisch, auch versiegelt,
Sich aus seinem Kerker reißt.
Welche Macht kann ihn bezähmen?
Welche Macht durch Ton und Wort
Fesseln und gefangen nehmen? -
Leicht, wie Äther, schlüpft er fort -

Nun - o wär' ich nie geboren,
Oder schwänd' in nichts dahin! -
Was sie war, ist mir verloren,
Da, was ich ihr war, noch bin.
Sie wähnt sich's von Gott geheißen,
Trotz Verblutung oder Schmerz,
Von dem meinigen zu reißen
Ihr ihm einverwachs'nes Herz.

Rasch, mit Ernst und Kraft zu ringen,
Hat sie nun sich aufgerafft,
Und den Heldenkampf vollbringen
Will ihr Ernst und ihre Kraft.
Wird sie in dem Kampf' erliegen?
Wird sie, oder wird sie nicht?
»Sterben, rief sie, oder siegen
Heißen Tugend mich und Pflicht.«

Ach, ich weiß Dem keinen Tadel,
Ob es gleich mich nieder würgt,
Was so rühmlich für den Adel
Ihrer schönen Seele bürgt!
Denn, o Gott, in Christenlanden,
Auf der Erde weit und breit,
Ist ja kein Altar vorhanden,
Welcher unsre Liebe weiht.

Tief in Kerkers Nacht, belastet,
Die von Ketten, zentnerschwer,
Stöhnt mein Geist nun, tappt und tastet
Ohne Rat und That umher.
Nirgends ist ein Spalt nur offen
Für der Hoffnung Labeschein;
Und auch Wünschen oder Hoffen
Scheint Verbrechen gar zu sein.

Ich erstarre, ich verstumme,
In Verzweiflung tief versenkt,
Wann mein Herz die Leidensumme
Dieser Liebe überdenkt.
Nichts, ach nichts weiß ich zu sagen,
Im Bewußtsein dieser Schuld,
Nichts zu murren, nichts zu klagen:
Dennoch mangelt mir Geduld!

Wie wird mir so herzlich bange,
Wie so heiß und wieder kalt,
Wann in diesem Sturm' und Drange
Keuchend meine Seele wallt!
Ach! das Ende macht mich zittern,
Wie den Schiffer in der Nacht
Der Tumult von Ungewittern
Vor dem Abgrund' zittern macht.

Herr, mein Gott, wie soll es werden?
Herr, mein Gott, erleuchte mich!
Ist wohl irgend wo auf Erben
Rettung noch und Heil für mich?
Heil auch dann, wann ich erfahre,
Daß sie ganz von mir befreit,
Einem Andern am Altare
Sich mit Leib und Seele weiht?

Werd' ich, o mein Gott und Rächer,
Ohne in den Höllenweh'n
Der Verzweiflung zum Verbrecher
Mich zu wüten, werd' ich's sehn:
Wie der Mann bei Kerzen-Scheine
Sie zum Brautgemache winkt,
Und in meinem Freudenweine
Sich zum frohsten Gotte trinkt? -

Freilich, freilich fühlt, was billig
Und gerecht ist, noch mein Sinn,
Und das beßre Selbst ist willig:
Doch des Herzens Kraft ist hin!
Weh mir! Alle Eingeweide
Preßt der bängsten Ahndung Krampf?
O ich armer Mann, wie meide
Ich den fürchterlichsten Kampf? -

Bist du nun verloren? Rettet
Keine Macht dich mehr für mich?
Molly, meine Molly, kettet
Mich kein Segensspruch an dich?
O so sprich, zu welchem Ziele
Schleudert mich ein solcher Sturm?
Dient denn Gott ein Mensch zum Spiele,
Wie des Buben Hand der Wurm? -

Nimmermehr! Dies nur zu wähnen
Wäre Hochverrat an ihm.
Rühre denn dich meiner Thränen,
Meines Jammers Ungestüm!
O es keimt, wie lang' es währe,
Doch vielleicht uns noch Gewinnst,
Wenn ich dir den Kampf erschwere,
Den du gegen mich beginnst.

War denn diese Flammenliebe
Freier Willkür heimgestellt?
Nein! den Samen solcher Triebe
Streut Natur ins Herzensfeld.
Unaustilgbar keimen diese,
Sprossen dicht von selbst empor,
Wie im Thal und auf der Wiese
Kraut und Blume, Gras und Rohr.

Sinnig sitz' ich oft und frage,
Und erwäg' es herzlich treu
Auf des besten Wissens Wage:
Ob »Uns lieben« Sünde sei?
Dann erkenn' ich zwar und finde
Krankheit, schwer und unheilbar;
Aber Sünde, Liebchen, Sünde
Fand ich nie, daß Krankheit war.

O ich möchte selbst genesen!
Doch durch welche Arznei?
Oft gedacht und oft gelesen.
Hab' ich viel und mancherlei;
Ärzte, Priester, Weis' und Thoren
Hab' ich oft um Rat gefragt:
Doch mein Forschen war verloren;
Keiner hat's mir angesagt.

O so laß es denn gewähren,
Da Genesung nicht gelingt!
Laß uns lieber Krankheit nähren,
Eh' und gar daß Grab verschlingt! -
Suche nicht den Strom zu hemmen,
Der so lang' sein Bett nur füllt,
Bis er zornig vor den Dämmen
Zum Vertilgungsmeer entschwillt.

Freier Strom sei meine Liebe,
Wo ich freier Schiffer bin!
Harmlos wollen seine Triebe
Wog' an Woge dann dahin.
Laß in seiner Kraft ihn brausen!
Wenn kein Damm ihn unterbricht,
Müsse dir davor nicht grausen!
Denn verheeren wird er nicht.

Auf des Stromes Höhe pranget
Eine Insel, anmutsvoll,
Wo der Schiffer hin verlanget,
Aber ach! nicht landen soll.
Auf der schönen Insel thronet
Seines Herzens Königin.
Bei der süßen Holdin wohnet
Dennoch immerdar sein Sinn.

Hänget gleich sein Schiff an Banden
Strenger Pflichten, die er ehrt;
Wird ihm gleich dort anzulanden,
Molly, selbst von dir verwehrt:
O so laß' ihn nur umfahren,
Seines Paradieses Rand,
Und es seine Obhut wahren
Gegen fremde Räuber-Hand.

Selbst, o Holdin, - kannst es glauben
Was dir Mund und Herz verspricht! -
Selbst das Paradies berauben
Und verheeren wird er nicht.
Keine Beere wird er pflücken,
Wie so lockend sie auch glüht,
Nicht ein Blümchen nur zerknicken,
Das in diesem Eden blüht.

Hinschaun soll ihn nur ergötzen,
Wann sein Schiff herum sich dreht,
Nur der süße Duft ihn letzen,
Den der West vom Ufer weht.
Aber ganz von hinnen scheiden,
Fern von deinem Angesicht
Und der Heimat seiner Freuden,
Heiß', o Königin, ihn nicht.

 

       Himmel und Erde.

In dem Himmel quillt die Fülle
Heiß ersehnter Seligkeit.
Ich auch, wär' es Gottes Wille,
Tränke gern aus dieser Fülle
Labsal für der Erde Leid;

Für den Wurm, der meiner Tage
Rosenblüte giftig sticht;
Dessen Schmerz ich in mir trage,
Den ich Arzt und Priester klage:
Aber ach! das hilft mir nicht.

Längst sind über Thal und Hügel
Alle Freuden mir entflohn.
Lahm sind meiner Hoffnung Flügel.
Rauher Hindernisse Hügel
Sprechen selbst den Wünschen Hohn. -

Dennoch setzt' ich auch auf Erden
Gern noch fort den Pilgerstab.
Sollte Molly mir nur werden,
Trüg' ich aller Welt Beschwerden
Noch den längsten Pfad hinab.

 

         Volkers Schwanenlied.

Sonst schlug die Lieb' aus mir so helle,
Wie eine Nachtigall am Quelle.
Nun hat sie meine Kunst geirrt,
Daß jeder Laut zum Seufzer wird.

O Liebe, wundersüßes Wesen,
Wovon die Kranken oft genesen,
Ja Tote schier vom Grab' erstehn,
Mich drängest du, ins Grab zu gehn! -

Im Busen hegt, ich dich so lange,
Wie Jener die verklomte Schlange.
Dem Busen, der ihr Leben bot,
Gab sie zum Lohne Schmerz und Tod.

Nun, süße Mörderin des Lebens,
O Molly, laß nur nicht vergebens
Mein Flehn, mein letztes Flehen sein!
Vergiß nicht, ach, vergiß nicht mein!

Auf meiner Gruft, wo ich verwese,
Will ich, daß sanftes Mitleid lese:
»Wie Volker, liebt' und litt kein Mann:
Der Hoffnungslose starb daran.« -

Fritz Stolberg, Harfner, der von Allen
Mir stets von Herzen wohl gefallen,
Mann, der voll Gotteskraft und Geist
So herzlich Tugend liebt, als preist!

Dir, Freund, vermach' ich Kranz und Leier,
Doch nur geweiht zu Molly's Feier.
Der Name Molly sei verwebt
In jedes Lied, das ihr entschwebt!

Es gilt der Herrlichsten von Allen,
Die unter Gottes Sonne wallen,
Die Volker, der verlorne Mann,
Vom Schicksal nicht erseufzen kann.

Nun sei, o Gott, dem Armen gnädig!
Laß aller Schuld ihn los und ledig!
Laß nie in andern Flammen ihn,
Als Flammen seiner Liebe glühn!

 

                 Fortunens Pranger

Nieten? Nieten? Nichts als kahle Nieten? -
Nun so niete dich denn satt und matt! -
Zur Vergeltung will ich dir auch bieten,
Was noch keiner dir geboten hat.

Nicht mit Erbsen muß man nach dir schnellen,
Wie ein Lustigmacher etwa schnellt:
An den Pranger, und in Eisenschellen,
Sei, Fortuna, schimpflich ausgestellt! -

Rüstig, ihr Verwandten meiner Leier,
Satyrbuben, auf! Verschont sie nicht!
Alle faulen Äpfel - puh! - und Eier
Werft der Bübin in daß Angesicht!

Denn sie ist, sie ist die Ehrenlose,
Die das ärgste Schandgesindel liebt,
Und nur selten ihrer Wollust Rose
Einem Biedermann zu kosten gibt.

Ha, der Frechen! die so unverhohlen,
Mir nichts, dir nichts! falsche Münzen schlägt,
Und aus Lumpenkupfer die Pistolen,
Und aus Gold die Lumpenheller prägt!

O wie manchem edlen Tugendsohne
Gönnte sie kaum seinen Bettelstab,
Sie, die dennoch Zepter, Reich und Krone
Oft dem tollsten Oran-Utan gab!

Mit dem Räuber zieht sie aus zum Raube;
Selbst dem Mörder führt sie oft den Stahl.
Wie sie rupft dem Habicht Lamm und Taube,
Zupft sie jenem Wais' und Witwe kahl.

Seht, wie sie beim Beutelschneider stehet,
Und dem Gauner, den der Würfel nährt,
Zum Gewinn die Schinderknochen drehet,
Und dem frommen Tropf die Taschen leert!

Wie sie dort den Mann von Treu' und Glauben
In der Heuchlerlarve fein beschnellt,
Und, ihm vollends Rock und Hemd zu rauben,
Nachts dem Diebe gar die Leiter hält!

Ha, mit Treue weiß sie umzuspringen,
Wie die Katze mit der armen Maus!
Wahrheit kann von ihr ein Liedchen singen
Wahrheit oft verjagt von Amt und Haus!

Doch den Auswurf von den ärgsten Schelmen
Lohnte sie, für seine Heuchelkunst,
Oft mit Sternen, oft mit Ritterhelmen
Und mit Überschwang von Fürstengunst. -

Wird sie stets zum Tapfern sich gesellen,
Der für die gerechte Sache kriegt? -
Öfter haben Schurken und Rebellen,
Ohne Recht, durch ihre Hand gesiegt. -

Dennoch wird im kurzen alle Gnade
Ihren Buhlen oft zum Ungewinn;
Wie im Märchen der Scheherezade
Von der geilen Zauberkönigin.

Labe hieß sie. Buhlerisch gewogen
War sie manchem jungen schönen Mann!
Doch, sobald sie satt der Lust gepflogen,
Spie sie hui und pfui! sein Antlitz an.

Hui und pfui! ward er zum Ungeheuer,
Dessen Namen ihre Zunge sprach.
Ihren Kitzel stillte bald ein Neuer:
Aber immer traf ihn gleiche Schmach.

Eben so schon tausendmal gehandelt
Hat die Bübin, die wir ausgestellt.
Oft ihr liebster Liebling wird verwandelt
Durch die Zauberstäbchen, Ehr' und Geld.

Ihro Hoch- Hochehr- und Wohlehrwürden
Schaffet sie zu Hammeln, fett und dumm,
Blökend, wie die Brüder in den Hürden,
Öfters auch zu Stutzeböcken um.

Hast du dich nicht wohl in Acht genommen,
Wirst du plötzlich in den Kot gestutzt,
Weil sie unversehns von hinten kommen,
Wirst geknufft, zertrampelt und beschmutzt.

Ihro Hoch- Hochwohl- und Wohlgeboren,
Wann sie sich an ihnen satt gepflegt,
Schenkt sie hohe Rüssel, oder Ohren,
Wie sie ein bekanntes Tierchen trägt.

Manche werden Pavian' und Lüchse,
Manchen schafft sie um zum Krokodil;
Fürstenschranzen wandelt sie in Füchse
Und Chamäleone, wie sie will.

Ihro Gnaden, dero teure Frauen,
Gehen ebenfalls so leer nicht aus.
Diese führt, als stolzbeschwänzte Pfauen,
Sie auf Bäll' und Assembleen aus.

Selten, selten schonet sie der Krieger,
Denen sie mit Gunst zur Seite war,
Wandelt sie in blutversoffne Tiger,
Oft, behüt' uns Gott! in Teufel gar.

Die Gelahrten werden angebunden,
Wild in Bärgestalten, an ihr Pult.
Krittler bellen sich zu tollen Hunden
Und ermüden Ohren und Geduld.

Philosophen werden umgeschaffen,
Sammt Ästhetikern, in Dunst und Wind;
Viel Poeten aber sind schon Affen,
Und die bleiben denn nur, was sie sind. -

Fuselbrenner, Müller, Bäcker, Schlächter,
Brauer, Wirte, Kauf- und Handelsherrn,
Pferdetäuscher, Lieferer und Pächter
Wandelt sie in Büffel gar zu gern.

Manchem ihrer Söhne hext die Metze
Einen Rüssel, der nur frißt und säuft,
Zu zerwühlen die erbuhlten Schätze,
Welche weiland Büffel aufgehäuft. -

Dennoch - ließe sie nur so sich gnügen
An so mancher schnöden Zauberthat! -
Aber ach! auch Köpfe läßt sie fliegen.
Manchen Liebling flocht sie schon aufs Rad.

Wie mit Rüben, so mit Menschenhälsen
Spielt sie. Den, dem sie die Hand kaum gab,
Ihn zu heben auf den Ehrenfelsen,
Stürzt sie rücklings wieder tief hinab.

Manchem Reichen, wann sie kaum gefüllet
Seinen Kasten, hoch bis an den Rand,
Hat sie hinterher den Strick getrillet
Und ihn aufgeknüpft durch eigne Hand.

Dieb' und Gauner, deren guter Engel
Sie zu Schutz und Trutz gewesen war,
Wandelt sie zuletzt in Galgenschwengel
Und in Speise für die Rabenschar. -

O der Bübin! über ihren Ränken
Gehn mir Sprache schier und Atem aus. -
Dieser Litanei soll sie gedenken! -
Satyrbuben packt euch nun nach Haus!

 

         Muttertändelei.

        Für meine Dorette.

Seht mir doch mein schönes Kind,
Mit den goldnen Zottellöckchen,
Blauen Augen, roten Bäckchen!
Leutchen, habt ihr auch so eins? -
Leutchen, nein ihr habet keins!

Seht mir doch mein süßes Kind!
Fetter, als ein fettes Schneckchen,
Süßer, als ein Zuckerweckchen!
Leutchen, habt ihr auch so eins? -
Leutchen, nein ihr habet keins!

Seht mir doch mein holdes Kind!
Nicht zu mürrisch, nicht zu wählig!
Immer freundlich, immer fröhlich!
Leutchen, habt ihr auch so eins? -
Leutchen, nein ihr habet keins!

Seht mir doch mein frommes Kind!
Keine bitterböse Sieben
Würd' ihr Mütterchen so lieben.
Leutchen, möchtet ihr so eins? -
O ihr kriegt gewiß nicht meins!

Komm' einmal ein Kaufmann her !
Hunderttausend blanke Thaler,
Alles Gold der Erde zähl' er!
O er kriegt gewiß nicht meins!
Kauf' er sich wo anders eins!

 

            Der große Mann.

Es ist ein Ding, das mich verdreußt,
Wenn Schwindel oder Schmeichelgeist
Gemeines Maß für großes preist.

Du, Geist der Wahrheit, sag' es an:
Wer ist, wer ist ein großer Mann?
Der Ruhmverschwendung Acht und Bann!

Der, dem die Gottheit Sinn beschert,
Der Größe, Bild Verhalt und Wert,
Und aller Wesen Kraft ihm lehrt;

Des weit umfassender Verstand,
Wie einen Ball mit hohler Hand
Ein ganzes Weltsystem umspannt;

Der weiß, was Großes hie und da,
Zu allen Zeiten, fern und nah,
Und wo, und wann, und wie geschah;

Der Mann, der die Natur vertraut,
Gleichwie ein Bräutigam die Braut,
An allen Reizen nackend schaut;

Und warm an ihres Busens Glut,
Vermögen stets und Heldenmut
Und Lieb' und Leben saugend, ruht;

Und nun, was je ein Erdenmann
Für Menschenheil gekonnt und kann,
Wofern er will, desgleichen kann;

Dabei in seiner Zeit und Welt,
Wo sein Beruf ihn hingestellt,
Durch That der Kunst die Wage hält:

Der ist ein Mann, und der ist groß!
Doch ringt sich aus der Menschheit Schoß
Jahrhundertelang kaum Einer los.

 

Geweihtes Angebinde, zu Louisens Geburtstage.

Kann denn nur der Vater Pabst allein
Schwerter, Kerzen, Amulett' und Ringe
Für die Frommen seiner Kirche weih'n,
Daß kein Leid und Unheil an sie dringe? -

Freilich rühmt er sich mit stolzem Sinn
Gottes höchsten Priester auf der Erde;
Aber ich, auch ich weiß, was ich bin,
Weiß, daß ich ihm nimmer weichen werde.

Denn ich bin zu hoher Priesterschaft,
Nicht, wie er, von Menschen auserkoren,
Bin dazu empfangen und geboren
Und emporgesproßt durch Gottes Kraft!

Bin geweiht zum Priester des Apoll
Mit des Gottes Kranz und goldnem Stabe!
Seines Geistes bin ich froh und voll;
Warum nicht auch frommer Wundergabe? -

Ja, ich bin's! So weih' ich betend dann
Dieses Band mit Wunderkraft und Segen,
Daß ich's an Louisens Busen legen,
Und damit Ihr Herz beglücken kann;

O ein Herz, des besten Glückes wert!
Das ich nie zu rühmen mich bestrebe,
Weil der schönste Name, den ich gebe,
Doch dies Herz noch nicht genugsam ehrt. -

Band, ich segne dich mit Freud' und Lust,
Für das längste Leben, sonder Grämen;
Diesen Segen sollst du in die Brust
Meiner edlen Freundin reichlich strömen!

Freud' und Lust an Ihrem braven Mann
Ein Jahrhundert, oder nicht viel minder,
Freud' und Lust an allem ab und an,
An und ab dem Kleeblatt holder Kinder;

Freud' und Lust, von keinem Harm vergällt,
Sei durch dich Ihr in die Brust gegossen,
Freud' an Gottes ganzer weiter Welt,
Mich, den Priester, auch mit eingeschlossen!

 

                        Die Eine.

                         Sonnett.

Nicht selten hüpft, dem Finken gleich im Haine,
Der Flattersinn mir keck vors Angesicht:
»Warum, warum bist du denn so auf Eine,
Auf Eine nur bei Tag und Nacht erpicht?

Ha! glaubst du denn, weil diese dir gebricht,
Daß Liebe dich mit Keiner mehr vereine?
Der Gram um sie beflort dein Augenlicht;
Und freilich glänzt durch diesen Flor dir Keine.

Die Welt ist groß, und in der großen Welt
Blühn schön und süß viel Mädchen noch und Frauen.
Du kannst dich ja in manches Herz noch bauen.« -

Ach, alles wahr! Vom Rhein an dich zum Belt
Blüht Reiz genug auf allen deutschen Auen.
Was hilft es mir, dem Molly nur gefällt?

 

         Überall Molly und Liebe.

                       Sonnett.

In die Nacht der Tannen oder Eichen,
Die das Kind der Freude schauernd flieht,
Such' ich oft, von Kummer abgemüht,
Aus der Welt Gerassel wegzuschleichen.

Könnt' ich nur, wie allem Meinesgleichen,
Auch sogar der Wildnis, die mich sieht,
Und den Sinn zu neuer Arbeit zieht,
Bis ins Nichts hinein zur Ruh' entweichen!

Dennoch ist so heimlich kein Revier,
Ist auch nicht ein Felsenspalt so öde,
Daß mich nicht, wie überall, auch hier

Liebe, die Verfolgerin, befehde;
Daß nicht ich mit ihr von Molly rede,
Oder sie, die Schwätzerin, mit mir.

 

                      Täuschung

                          Sonnett.

Um von Ihr das Herz nur zu entwöhnen,
Der es sich zu stetem Grame weiht,
Forschet durch die ganze Wirklichkeit,
Ach umsonst! mein Sinn nach allem Schönen.

Dann erschafft, bewegt durch langes Sehnen,
Phantasie aus Stoff, den Herzchen leiht,
Ihm ein Bild voll Himmelslieblichkeit.
Diesem will es nun statt Molly frönen.

Brünstig wird das neue Bild geküßt;
Ale Huld wird froh ihm zugeteilet;
Herzchen glaubt von Molly sich geheilet.

O des Wahns von allzu kurzer Frist!
Denn es zeigt sich, wenn Betrachtung weilet,
Daß das Bild leibhaftig - Molly ist.

 

        Für Sie mein Eins und Alles.

                        Sonnett.

Nicht zum Fürsten hat mich das Geschick,
Nicht zum Grafen, noch zum Herrn geboren,
Und fürwahr nicht hellerswert verloren
Hat an mich das goldbeschwerte Glück.

Günstig hat auch keines Wesirs Blick
Mich im Staat zu hoher Würd' erkoren.
Alles stößt, wie gegen mich verschworen,
Jeden Wunsch mir unerhört zurück.

Von der Wieg' an, bis zu meinem Grabe,
Ist ein wohl ersung'nes Lorbeerreis
Meine Ehr' und meine ganze Habe.

Dennoch auch dies Eine, so ich weiß,
Spendet' ich mit Lust zur Opfergabe,
Wär', o Molly, dein Besitz der Preis.