Bürger

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Biografie

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              An Adoniden.

O Adonide, welche Kraft
Zwingt alle Kerzen, dir zu schlagen?
Die Huldgöttinnen könnten's sagen;
Verrieten sie die Wissenschaft.

Käm' uns Homer zurück ins Leben,
Und fühlte diesen Drang und Zug;
Würd' er die Schuld dem Gürtel geben,
Den Venus um den Busen trug.

Weißt du, was er davon gesungen?
Darein war alle Zauberei
Der Liebe, Lächeln, Schmeichelei
Und linder Zephyrsinn verschlungen;

War Witz verwebet, froh und leicht,
Und ah! das süße Huldgekose,
Das, wie ein mildes Öl der Rose,
Sogar des Weisen Herz beschleicht.

Nicht Jugendreiz, der bald verblühet,
Es ist die ewige Magie
Des Gürtels, den dir Venus lieh,
Der so die Herzen an sich ziehet!

Und noch im Herbste werden die
Für dich, wie jetzt im Lenze, lodern,
Und sehnend Lieb' um Liebe fodern:
Denn Huldgöttinnen altern nie.

 

             Die Unvergleichliche.

                        Sonnett.

Welch Ideal aus Engelsphantasie
Hat der Natur als Muster vorgeschwebet,
Als sie die Hüll' um einen Geist gewebet,
Den sie herab vom dritten Himmel lieh?

O Götterwerk! Mit welcher Harmonie
Hier Geist in Leib und Leib in Geist verschwebet!
An Allem, was hienieden Schönes lebet,
Vernahm mein Sinn so reinen Einklang nie.

Der, welchem noch der Adel ihrer Mienen,
Der Himmel nie in ihrem Aug' erschienen,
Entweiht vielleicht mein hohes Lied durch Scherz.

Der kannte nie der Liebe Lust und Schmerz,
Der nie erfuhr, wie süß ihr Atem fächelt,
Wie wundersüß die Lippe spricht und lächelt.

 

               Der versetzte Himmel.

                           Sonnett.

Licht und Lust des Himmels zu erschauen,
Wo hinan des Frommen Wünsche schweben,
Muß dein Blick sich über dich erheben,
Wie des Betenden voll Gottvertrauen.

Unter dir ist Todesnacht und Grauen.
Würde dir ein Blick hinab gegeben,
So gewahrtest du mit Angst und Beben
Das Gebiet der Höll' und Satans Klauen.

Also spricht gemeiner Menschenglaube.
Aber wann aus meines Armes Wiege
Molly's Blick empor nach meinem schmachtet:

Weiß ich, daß im Auge meiner Taube
Aller Himmelsseligkeit Genüge
Unter mir der trunkne Blick betrachtet.

 

                       Naturrecht.

                           Sonnett.

Von Blum' und Frucht, so die Natur erschafft,
Darf ich zur Lust, wie zum Bedürfnis, pflücken.
Ich darf getrost nach allem Schönen blicken,
Und atmen darf ich jeder Würze Kraft.

Ich darf die Traub', ich darf der Biene Saft,
Des Schafes Milch in meine Schale drücken.
Mir front der Stier; mir beut dans Roß den Rücken;
Der Seidenwurm spinnt Atlas mir und Taft.

Es darf das Lied der holden Nachtigallen
Mich, hingestreckt auf Flaumen oder Moos,
Wohl in den Schlaf, wohl aus dem Schlafe hallen

Was wehrt es denn mir Menschensatzung, bloß
Aus blödem Wahn, in Molly's Wonneschoß,
Von Lieb' und Lust bezwungen, hinzufallen?

 

                     Molly's Abschied.

Lebe wohl, du Mann der Lust und Schmerzen!
Mann der Liebe, meines Lebens Stab!
Gott mit dir, Geliebter! Tief zu Herzen
Halle dir mein Gegensruf hinab!

Zum Gedächtnis biet' ich dir, statt Goldes -
Was ist Gold und goldeswerter Tand? -
Biet' ich lieber, was dein Auge Holdes,
Was dein Herz an Molly Liebes fand.

Nimm, du süßer Schmeichler, von den Locken,
Die du oft zerwühltest und verschobst,
Wann du über Flachs an Pallas Rocken,
Über Gold und Seide sie erhobst!

Vom Gesicht, der Mahlstatt deiner Küsse,
Nimm, so lang' ich ferne von dir bin,
Halb zum mindesten im Schattenrisse
Für die Phantasie die Abschrift hin!

Meiner Augen Denkmal sei dies blaue
Kränzchen flehender Vergißmeinnicht,
Oft beträufelt von der Wehmut Taue,
Der hervor durch sie vom Herzen bricht!

Diese Schleife, welche deinem Triebe
Oft des Busens Heiligtum verschloß,
Hegt die Kraft des Hauches meiner Liebe,
Der hinein mit tausend Küssen floß.

Mann der Liebe! Mann der Lust und Schmerzen!
Du, für den ich alles that und litt,
Nimm von allem! Nimm von meinem Herzen -
Doch - du nimmst ja selbst das Ganze mit!

 

Das hohe Lied von der Einzigen, in Geist und
Herzen empfangen am Altare der Vermählung.

Hört von meiner Auserwählten,
Höret an mein schönstes Lied!
Ha, ein Lied des Neubeseelten
Von der süßen Anvermählten,
Die ihm endlich Gott beschied!

Wie aus tiefer Ohnmacht Banden,
Wie aus Graus und Moderduft
In verschloßner Totengruft,
Fühlt er froh sich auferstanden
Zu des Frühlings Licht und Luft.

Zepter, Diademe, Thronen,
Gold und Silber hab' ich nicht:
Hätten auch, ihr voll zu lohnen,
Silber, Gold und Perlenkronen
Ein genügendes Gewicht.
Was ich habe, will ich geben.
Ihrem Namen, den mein Lied
Schüchtern sonst zu nennen mied,
Will ich schaffen Glanz und Leben
Durch mein höchstes Feierlied.

Schweig', o Chor der Nachtigallen!
Mir nur lausche jedes Ohr!
Murmelbach, hör' auf zu wallen!
Winde, laßt die Flügel fallen,
Rasselt nicht durch Laub und Rohr!
Halt in jedem Elemente,
Halt in Garten, Hain und Flur
Jeden Laut, der irgend nur
Meine Feier stören könnte,
Halt den Odem an, Natur!

Glorreich, wie des Äthers Bogen,
Reich gefiedert, wie der Schwan,
Auf des Wohllauts Silberwogen
Majestätisch fortgezogen,
Wall', o Lied, des Ruhmes Bahn!
Denn bis zu den letzten Tagen,
Die der kleinste Hauch erlebt,
Der von deutscher Lippe schwebt,
Sollst du deren Namen tragen,
Welche mich zum Gott erhebt.

Ja, zum himmelfrohen Gotte,
Der nun, frei und wohlgemut
Vor des Tadels Ernst und Spotte,
Wie in seiner Göttin Grotte
Nach dem Sturm Odysseus, ruht!
Sturm und Woge sind entschlafen,
Die durch Zonen, kalt und feucht,
Dürr und glühend, ihn gescheucht;
Seines Wonnelandes Hafen
Hat der Dulder nun erreicht.

Meine Stärke war gesunken;
Lechzend hing die Zung' am Gaum;
Alles Öl war ausgetrunken,
Und des Lebens letzter Funken
Glimmt' am dürren Tachte kaum.
Da zerriß die Wolkenhülle,
Wie durch Zauberwort und Schlang.
Heiter lacht' ein blauer Tag
Auf des Wunderheiles Fülle,
Welche duftend vor ihm lag.

Wonne weht von Thal und Hügel,
Weht von Flur und Wiesenplan,
Weht vom glatten Wasserspiegel,
Wonne weht mit weichem Flügel
Des Piloten Wangen an.
Ihr Gefieder, nicht mit Aschen
Trauriger Vergangenheit
Für die Schmähsucht mehr bestreut,
Glänzet rein und hell gewaschen,
Wie des Schwanes Silberkleid.

In dem Paradiesgefilde,
Wie sein Aug' es nimmer sah,
Waltet mit des Himmels Milde,
Nach der Gottheit Ebenbilde,
Adonid-Urania.
Froh hat sie ihn aufgenommen,
Hat erquickt mit süßem Lohn
Ihn, des Kummers müden Sohn.
»Nun, o lieber Mann, willkommen!«
Sang ihr Philomelenton.

Ach, in ihren Feenarmen
Nun zu ruhen, ohne Schuld;
An dem Busen zu erwarmen,
An dem Busen voll Erbarmen,
Voller Liebe, Treu' und Huld:
Das ist mehr, als von der Kette,
Aus der Folterkammer Pein,
Oder von dem Rabenstein
In der Wollust Flaumenbette
Durch ein Wort entrückt zu sein! -

Ist es wahr, was mir begegnet?
Oder Traum, der mich bethört,
Wie er oft den Armen segnet
Und ihm goldne Berge regnet,
Die ein Hahnenruf zerstört?
Darf ichs glauben, daß die Eine,
Die sich selbst in mir vergißt,
Den Vermählungskuß mir küßt?
Daß die Herrliche die Meine
Ganz vor Welt und Himmel ist? -

Hohe Namen zu erkiesen
Ziemt dir wohl, o Lautenspiel!
Nie wird Die zu hoch gepriesen,
Die so herrlich sich erwiesen,
Herrlich ohne Maß und Ziel:
Daß sie, trotz dem Hohngeschreie,
Trotz der Hoffnung Untergang,
Gegen Sturm und Wogendrang,
Mir gehalten Lieb' und Treue,
Mehr als hundert Monden lang.

Und warum, warum gehalten?
Konnt' ich, wie der Großsultan,
Über Millionen schalten?
War ich unter Mannsgestalten
Ein Apoll des Vatikan?
War ich Herzog großer Geister,
Prangend in dem Kranz von Licht,
Den die Hand der Fama flicht
War ich holder Künste Meister?
Ach, das alles war ich nicht!

Zwar - ich hätt' in Jünglingstagen,
Mit beglückter Liebe Kraft
Lenkend meinen Kämpferwagen,
Hundert mit Gesang geschlagen,
Tausende mit Wissenschaft!
Doch des Herzens Loos, zu darben,
Und der Gram, der mich verzehrt,
Hatten Trieb und Kraft zerstört.
Meiner Palmen Keime starben,
Eines mildern Lenzes wert.

Sie, mit aller Götter Gnaden
Hoch, an Seel' und Leib, geschmückt,
Schön und wert, Alcibiaden
Zur Umarmung einzuladen,
Hätt' ein Beßrer leicht beglückt.
Hymen hätte zur Belohnung
Sie im Freuden-Chor umschwebt,
Und ein Leben ihr gewebt,
Wie es in Kronions Wohnung
Hebe mit Alciden lebt.

Dennoch, ohne je zu wanken,
Käm' ihr ganzes Heil auch um,
Schlangen ihrer Liebe Ranken
Um den hingewelkten Kranken
Unablöslich sich herum.
Schmelzend im Bekümmernisse,
Daß der Eumeniden Schar,
Die um ihn gelagert war,
Nicht in Höllenglut ihn risse,
Bot sie sich zum Schirme dar. -

Macht in meiner Schuld, o Saiten,
Ihrer Tugend Adel kund!
Wahrheit knüpfe, des geweihten
Lautenschlägers Hand zu leiten,
Mit Gerechtigkeit den Bund!
Manche Tugend mag er missen:
Aber du, Gerechtigkeit,
Warst ihm heilig jederzeit!
Nein! Mit Willen und mit Wissen
Hat er nimmer dich entweiht.

Ruf es laut aus voller Seele:
Schuldlos war ihr Herz und Blut!
Welches Ziel die Rüge wähle,
O so trifft sie meine Fehle,
Fehle meiner Liebeswut!
Geißle mich des Hartsinns Tadel!
Wölke sich ob meiner Schuld
Selbst die Stirne milder Huld!
Büß' ich nur für ihren Adel,
O so büß' ich mit Geduld.

Ha, nicht linder Weste Blasen
Wehte mich zu Lieb' und Lust!
Nein, es war des Sturmes Rasen!
Flamme, Steine zu verglasen
Heiß genug, entfuhr der Brust!
Nur in Plutons grausen Landen
Hätten, eisern in der Pflicht,
Welche seine Not zerbricht,
Unholdinnen widerstanden:
Doch die zarte Holdin nicht! -

Unglückssohn, warum entflammte
Deinen Busen solche Glut?
Sprich woher, woher sie stammte?
Welches Dämons Macht verdammte,
Frevler, dich zu dieser Wut? -
Eitle Frage! Nimm, Gesunder,
Nimm mein Herz und meinen Sinn
Ohne dieses Fieber hin!
Staune dann noch ob dem Wunder,
Wie ich dieser war und bin!

Nimm mein Auge hin und schaue,
Schau in Ihres Auges Licht!
Ah, das klare, himmelblaue,
Das so heilig sein: Vertraue
Meinem Himmelssinne! spricht!
Sieh die Pfirsichzier der Wange,
Sieh nur halb, wie auf der Flucht,
Dieser Lippe Kirschenfrucht,
Ach, und werde von dem Drange
Deines Durstes nicht versucht!

Sieh, o Blöder, auf und nieder,
Sieh mit meinem Sinn den Bau
Und den Einklang ihrer Glieder!
Wende dann das Auge wieder,
Sprich: Ich sah nur eine Frau!
Sieh das Leben und das Weben
Dieser Graziengestalt,
Sieh es ruhig an und kalt!
Fühle nicht das Wonnebeben
Vor der Anmut Allgewalt!

Hat die Milde der Kamönen
Gütig dir ein Ohr verliehn,
Aufgethan den Zaubertönen,
Die in Leid- und Freudenthränen
Seelen aus den Busen ziehn:
O so neig' es ihrer Stimme
Und es ist um dich gethan!
Deine Seele faßt ein Wahn,
Daß sie in der Flut verglimme,
Wie ein Funk' im Ozean.

Nahe dich dem Taumelkreise,
Wo ihr Nelkenatem weht;
Wo ihr warmes Leben leise,
Nach Magnetenstromes Weise,
Dir an Leib und Seele geht!
Arm und Arm dann um einander!
An einander Brust und Brust!
Wenn du dann in heißer Lust -
Ha, du bist ein Salamander,
Wenn du nicht zerlodern mußt!

Steig' empor vom Erdenthale,
Was auch Florens Hand es kränzt!
Sonne dich, o Lied, im Strahle,
Der herab vom Sternensaale
Diesen Frühling überglänzt!
Siehe, wie des Maies Wonne,
So verarmt Autumnus Horn;
Wir verschwelgen Most und Korn:
Aber nie versiegt die Sonne,
Gottes goldner Segensborn.

Ohne Wandel durch die Jahre,
Durch den Wechsel aller Zeit,
Leuchtet hoch das reine, klare
Geistig-Schöne, Gute, Wahre
Dieser Seel' in Ewigkeit.
Lebensgeist, von Gott gehauchet,
Odem, Wärme, Licht zu Rat,
Kraft zu jeder Edelthat,
Selig, wer in dich sich tauchet,
Du der Seelen Labebad!

Schmeichelflut der Vorgefühle
Hoher Götterlust schon hier
Wallet oft, bei Frost und Schwüle,
Wie mit Wärme, so mit Kühle,
Lieblich um den Busen mir.
Fühlet wohl ein Gottesseher,
Wann sein Seelenaug' entzückt
In die bessern Welten blickt,
Fühlt er seinen Busen höher,
Unaussprechlicher beglückt?

O der Wahrheit! O der Güte,
Rein wie Perlen, ächt wie Gold!
O der Sittenanmut! Blühte
Je im weiblichen Gemüte
Jeder Tugend Reiz so hold?
Hinter sanfter Hügel Schirme,
Wo die Purpurbeere reift
Und der Liebe Nektar träuft,
Hat kein Fittich böser Stürme
Dies Elysium bestreift.

Da vergiftet nichts die Lüfte,
Nichts den Sonnenschein und Tau,
Nichts die Blum' und ihre Düfte;
Da sind keine Mördergrüfte,
Da beschleicht kein Tod die Au;
Da berückt dich keine Schlange,
Zwischen Moos und Klee versteckt;
Da umschwirrt dich kein Insekt,
So das Lächeln von der Wange,
Aus der Brust den Frieden neckt.

Alle deine Wünsche brechen
Ihre Früchte hier in Ruh;
Milch und Honig fließt in Bächen;
Töne wie vom Himmel sprechen
Labsal dir und Segen zu. -
Doch - du fühlest dich verlassen,
Lied, in dieser Region!
Lange weigern sich dir schon
Das Unsägliche zu fassen,
Bild, Gedanke, Wort und Ton. -

Der, dem sie die Götter schufen
Zur Genossin seiner Zeit,
Ist vor aller Welt berufen,
Zu erobern alle Stufen
Höchster Erdenseligkeit.
Ihm gedeihn des Glückes Saaten;
Seinem Wunsch ist jedes Heil,
Ehre, Macht und Reichtum feil:
Denn zu tausend Wunderthaten
Wird Vermögen ihm zu teil.

Durch den Balsam ihres Kusses
Höhnt das Leben Sarg und Grab;
Stark im Segen des Genusses
Gibt's der Flut des Zeitenflusses
Keine seiner Blühten ab.
Rosicht hebt es sich und golden,
Wie des Morgens lichtes Haupt,
Seiner Jugend nie beraubt,
Aus dem Bette dieser Holden,
Mit verjüngtem Schmuck umlaubt.

Erd' und Himmel! Eine Solche
Sollt' ich nicht mein eigen sehn?
Über Nattern weg und Molche,
Mitten hin durch Pfeil' und Dolche
Konnt' ich stürmend nach ihr gehn.
Mit der Stimme der Empörung
Konnt' ich furchtbar: Sie ist mein!
Gegen alle Mächte schrein,
Tempel lieber der Zerstörung,
Eh' ich ihrer mißte, weihn.

Singt mir nicht das Lied von Andern!
Andre sind für mich nicht da:
Sollt' ich auch, gleich Alexandern,
Durch die Welt erobernd wandern.
West- und osthin, fern und nah.
Andre füllen Andrer Herzen;
Andre reizen Andrer Sinn.
Wann ich erst ein Andrer bin,
Dann sind Andrer Lust und Schmerzen
Mir Verlust auch und Gewinn.

Läßt so ganz nach allen Fernen,
So von Allem abgetrennt,
Was die Sehnsucht möchte körnen,
Schwebend zwischen Meer und Sternen,
Von des Durstes Glut verbrennt,
Läßt die Strebekraft sich dämpfen,
Wenn mir dann, so weit wir sehn,
Eine Labung nur erspähn?
Gilt was anders, als erkämpfen,
Oder kämpfend untergehn? -

Herr des Schicksals deine Hände
Wandten meinen Untergang!
Nun hat alle Fehd' ein Ende;
Mich, o neue Sonnenwende,
Grüßet jubelnd mein Gesang!
Hymen, den ich benedeie,
Der du mich der langen Last
Endlich nun entladen hast,
Habe Dank für deine Weihe!
Sei willkommen, Himmelsgast!

Bei willkommen, Fackelschwinger!
Sei gegrüßt im Freudenchor,
Schuldversöhner, Grambezwinger!
Sei gesegnet, Wiederbringer
Aller Huld, die ich verlor!
Ach, von Gott und Welt vergeben
Und vergessen werd' ich sehn
Alles, was nicht recht geschehen,
Wann im schönsten neuen Leben
Gott und Welt mich wandeln sehn.

Schände nun nicht mehr die Blume
Meiner Freuden, niedre Schmach!
Schleiche, bis zum Heiligtume
Frommer Unschuld, nicht dem Ruhme
Meiner Auserwählten nach!
Stirb nunmehr, verworfne Schlange!
Längst verheertest du genug!
Ihres Retters Adlerflug
Rauscht heran im Waffenklange
Dessen, der den Python schlug.

Schwing', o Lied, als Ehrenfahne
Deinen Fittich um ihr Haupt!
Und erstatte, trotz dem Wahne,
Was ihr mit dem Drachenzahne
Pöbellästerung geraubt!
Spät, wann dies' im Staubgewimmel
Längst des Unwerts Buße zahlt,
Strahl', in dies Panier gemalt,
Adonide, wie am Himmel
Dort die Halmen-Jungfrau strahlt.

Erdentöchter, unbesungen,
Roher Faunen Spiel und Scherz,
Seht, mit solchen Huldigungen
Lohnt die teuern Opferungen
Des gerechten Sängers Herz!
Offenbar und groß auf Erden,
Hoch und hehr zu jeder Frist,
Wie die Sonn' am Himmel ist,
Heißt ers vor den Edlen werden,
Was ihm seine Holdin ist. -

Lange hatt' ich mich gesehnet,
Lange hatt' ein stummer Drang
Meinen Busen ausgedehnet.
Endlich hast du sie gekrönet,
Meine Sehnsucht o Gesang!
Ach! dies bange süße Drücken
Macht vielleicht ihr Gegenstand
Nur der jungen Frau bekannt.
Trägt sie so nicht vom Entzücken
Der Vermählungsnacht das Pfand?

Ah, nun bist du mir geboren,
Schön, ein geistiger Adon!
Tanzet nun, in Lust verloren,
Ihr, der Liebe goldne Horen,
Tanzt um meinen schönsten Sohn!
Segnet ihn, ihr Pierinnen!
Laßt, o süße Melodie,
Laßt ihn, Schwester Harmonie,
Jedes Ohr und Herz gewinnen,
Jede Götterphantasie!

Nimm, o Sohn, Meistersiegel
Der Vollendung an die Stirn!
Ewig strahlen dir die Flügel,
Meines Geistes helle Spiegel,
Wie der Liebe Nachtgestirn!
Schweb', o Liebling, nun hinnieder,
Schweb' in deiner Herrlichkeit
Stolz  hinab den Strom der Zeit!
Keiner wird von nun an wieder
Deiner Töne Pomp geweiht.

 

                      Verlust

                      Sonnett.

Wonnelohn getreuer Huldigungen,
Dem ich mehr als hundert Monden lang,
Tag und Nacht, wie gegen Sturm und Drang
Der Pilot dem Hafen, nachgerungen!

Becher, allgenug für Götterzungen,
Goldnes Kleinod, bis zum Überschwang
Stündlich neu erfüllt mit Labetrank,
O wie bald hat dich das Grab verschlungen!

Nektarkelch, du warest süß genug,
Einen Strom des Lebens zu versüßen,
Sollt' er auch durch Weltenalter fließen.

Wehe mir! Seitdem du schwandest, trug
Bitterkeit mit jeder Tag im Munde.
Honig trägt nur meine Todesstunde.

 

                   Trauerstille.

                       Sonnett.

O wie öde, sonder Freudenschall,
Schweigen nun Palläste mir, wie Hütten,
Flur und Hain, so munter einst durchschritten,
Und der Wonnesitz am Wasserfall!

Todeshauch verwehte deinen Hall,
Melodie der Liebesred' und Bitten,
Welche mir in Ohr und Seele glitten,
Wie der Flötenton der Nachtigall.

Leere Hoffnung! Nach der Abendröte
Meines Lebens einst im Ulmenhain
Süß in Schlaf durch dich gelullt zu sein!

Aber nun, o milde Liebesflöte,
Wecke mich beim letzten Morgenschein
Lieblich, statt der schmetternden Trompete.

 

            Auf die Morgenröte

                       Sonnett.

Wann die goldne Frühe, neugeboren,
Am Olymp mein matter Blick erschaut,
Dann erblass' ich, wein' und seufze laut:
Dort im Glanze wohnt, die ich verloren!

Grauer Tithon! du empfängst Auroren
Froh aufs neu, sobald der Abend taut;
Aber ich umarm' erst meine Braut
An des Schattenlandes schwarzen Thoren.

Tithon! Deine Alters Dämmerung
Mildert mit dem Strahl der Rosenstirne
Deine Gattin, ewig schön und jung:

Aber mir erloschen die Gestirne,
Sank der Tag in öde Finsternis,
Als sich Molly dieser Welt entriß.

 

            Liebe ohne Heimat.

                     Sonnett.

Meine Liebe, lange wie die Taube
Von dem Falken hin und her gescheucht,
Wähnte froh, sie hab' ihr Nest erreicht
In den Zweigen einer Götterlaube.

Armes Täubchen! Hart getäuschter Glaube!
Herbes Schicksal, dem kein andres gleicht!
Ihre Heimat, kaum dem Blick gezeigt,
Wurde schnell dem Wetterstrahl zum Raube.

Ach, nun irrt sie wieder hin und her!
Zwischen Erd' und Himmel schwebt die Arme,
Sonder Ziel für ihres Flugs Beschwer.

Denn ein Herz, das ihrer sich erbarme,
Wo sie noch einmal, wie einst erwarme,
Schlägt für sie auf Erden nirgends mehr.

 

   Gesang am heiligen Vorabend des
funfzigjährigen Jubelfestes der Georgia
                       Augusta.

Morgen, o festlicher Tag,
Morgen entschwebe
Herrlich und hehr der Nacht!
Komm in Titans Strahlenkranze,
Komm im blauen Äthermantel,
In des Urlichts reinstem Glanze!
So entsteige der Grotte der Nacht
Unter dem Meer!
So entschwebe dem Wogentanze
Herrlich und hehr,
Hehr und herrlich in Bräutigamspracht!

Es harret dein,
Voll Lieb' und Lust,
Die hohe Jubelkönigin
Vor bräutlichem Entzücken
Hüpft ihr die Brust.
Sie harrte dein,
Mit wonneglänzenden Wangen und Blicken,
Georgia Augusta harret dein!

Als sie vor funfzig ruhmbestrahlten Jahren
Ein schönes Kind,
Ein wunderschönes Götterkind
Geboren war,
Da brachten sie in dieses Tempels Halle,
Vor Gottes Hochaltar,
Ihr großer Vater und die Hochberühmten alle,
Die ihrer Kindheit Pfleger waren,
Dem Gegenspender dar,
Und auf der Andacht Flügel schwang
Sich himmelan ihr flehender Gesang.

Herr, erfülle sie mit Weisheit,
Adle sie, o Herr, durch Schönheit,
Rüste sie mit Heldenstärke,
Für den großen Gang zum Ziele
Strahlender Vollkommenheit!

Denn der Geist gedeiht durch Weisheit,
Und das Herz gedeiht durch Schönheit,
Dieser Einklang rauscht in Stärke;
Dieser Adel führt zum Ziele
Dauernder Glückseligkeit.

Und als das Lied der frommen Schar,
Das Lied der heißen Inbrunst,
Hinauf gesungen war,
Da wallte Gottes Flamme,

Sanft wallte von des Gebers Thron
Des herzlichen Gebetes Lohn,
Die Flamme, die noch nie verlosch,
Des Segens Flamm' herab auf den Altar.

O Flamme, die vom Himmel sank,
Entlodre hoch und weh' umher!
Umher, umher!
Entzünde jedes Herz umher
Zu heißem Dank!
Dem Geber zu unaussprechlichem Dank!

Der königliche Herrscher auf dem Thron
Von Albion
Trat väterlich herzu, und gab
Ihr reichlich mildes Öl zur Nahrung.
Wetteifernd trat herzu die Schar
Der Pfleger und der Priester am Altar,
Der sie zu heiliger, zu ewiger Bewahrung
Von Gott und König anvertrauet war,
Und hütet' ihrer gegen jegliche Gefahr
Hinweg zu löschen, oder sich zu trüben:
So gegen den wild stürmenden Orkan
Des Krieges, als des Neides leise Pest.
Gleich jener in der Vesta Heiligtume,
Erhielt getreue, rege Wachsamkeit
Die heil'ge Lohe rein und schön
Und doch vom Anbeginn bis heut.

Himmelslohn euch, große Seelen,
In der Ruhe Heiligtum!
Ewig Heil euch, ewig Friede!
Hier auf Erden tön' im Liede
Nun und immerdar eu'r Ruhm!

Erwärmt von Gottes Segensflamme wuchs,
Münchhausen, du Unsterblicher,
Wuchs deine Tochter schnell und hoch heran.
Des Ruhmes starker Adlerfittich trug
Lautrauschend ihren Namen
Rund um den Erdball über Meer und Land;
Und seiner edlern Völker Söhne kamen
Bei Tausenden zur Huldigung.
Viel teilte sie von ihres Reichtums Fülle,
Und viel von ihres Adels Hoheit,
Viel Mut und Kraft zu Thaten -
So war es in der Weihe ihr verliehn -
Zum Heil der Völker mit.

Selig, selig, himmelselig
Ist das hocherhabne Amt,
Auszuspenden, gleich der Sonne
Durch den großen Raum der Welten,
Ins Unendliche des Geistes
Lebensnahrung, Licht und Kraft!

O wie hoch und herrlich strahlet
Des Triumphes Majestät,
Wann der Held des Geistes Chaos
Und des Chaos Ungeheuer,
Brut der Barbarei, besteht,
Und zum Rechte seines Adels
Den gepreßten Geist erhöht!

Georgia Augusta schön und stark
Voll Lebensgeist und Mark,
Mit Athenäens Rüstung angetan,
Ging tadellos bis heut der Ehre Bahn,
Und stritt des Ruhmes Streit
Mit ungeschwächter rascher Tapferkeit.
Nun steht sie, lehnt sich ruhend auf den Speer,
Und darf - das zeuge du, Gerechtigkeit! -
Getrost zurück auf ihre Taten schaun.
Des Kampfes Richter nehmen mild und schmeichelnd
Nun zur Erholung ihr die Waffen ab,
Und kleiden sie in festliches Gewand,
Für ihren ersten Jubelfeiertag.

Triumph! Des Tages Ehrenkönigin
Erhebt ihr Haupt!
Sie trägt's ihr hohes Götterhaupt,
Sie trägt's mit Laub und Blumen,
Laut rauschend,
Süß duftend,
Süß duftend mit lieblichen Blumen,
Laut rauschend mit Laube des Ruhms umlaubt!

Wer aber führt den schönen Sohn der Zeit,
Wer führt herauf von Osten
Den hellen Ehrentag,
Den lauten Wonnebringer?
Wer führt der schönen Jubelbraut
Den Jubelbräutigam nun zu?
Wer weihet zur Unsterblichkeit sie ein? -
Wer sonst, als ihres großen Vaters Geist
Und ihrer heimgewallten Pfleger Geister,
Die jetzt, von Gott dazu ersehn,
Ihr unsichtbare Lebenswächter sind?

Hebe dich himmelan, Weihegesang,
Hoch in die Heimat der seligen Schar!
Zeuch der großen Heimgewallten
Geister zum Feste der Tochter herab!

Schwebe herunter, wir rufen dich laut,
schwebe vom Himmel, unsterbliche Schar!
Freue dich der Ruhmbekränzten,
Hoch in der Blüte der Schönheit und Kraft!

Führt, ihr Verklärten, in Bräutigamspracht,
Führet den Freudenerwecker ihr zu!
Strömt auf ihre Kraft und Schönheit
Segen der ewigen Jugend herab! -

Merkt auf! Sie habens vernommen,
Die schützenden Geister! Sie kommen!
Sie führen den glänzenden Bräutigam an!
Schon weht der heilige Schauer voran.

Schaut auf! Die Himmlischen steigen,
Ein feierlich schwebender Reigen,
Ein tönender, Seelen entzückender Chor,
Auf purpurnen Wolken in Osten empor.

Schlagt hoch, ihr lodernden Flammen
Der Herzen und Lieder, zusammen!
Führt, Orgel und Pauke, mit festlichem Klang
Entgegen des frohen Willkommens Gesang!

 

Ode der funfzigjährigen Jubelfeier der Georgia
Augusta am 17 September 1787 gewidmet von
       mehrern zu Göttingen Studierenden.

Erhabenster, der du daß All gestaltet,
Zu deiner Herrlichkeit Pallast,
Und in ein Lichtgewand, aus Finsternis entfaltet,
Dein Werk gekleidet hast!

Du hast im Raum, wo deine Sonne lodert,
Um Ein Zentralziel aller Kraft
Zu dem erhabnen Tanz die Sphären aufgefordert,
Der nimmermehr erschlafft!

Es schwebt mit ihm, an Harmonieen- Banden,
Der hohe Welt-Choral dahin,
Vom dem Pythagoras und Newton viel verstanden,
Und Keplers tiefer Sinn.

Im Geistesall, wo Form des Raums verschwindet,
Wo dumpf der Sinn des Zeitstroms Fall
Nur noch vernimmt hast du weit Größer dich verkündet,
Als in dem Sinnenall.

Da lodern hoch, mit wunderbarem Glanze,
Die Sonnen Wahr und Gut und Schön,
Um die - so willst du es - sich in vereintem Tanze
Des Geistes Künste drehn.

Vereinigung ersehnen die drei Flammen
Durch wechselsweisen Zug und Drang.
Auch hier rauscht die Musik der Sphären laut zusammen
In Einen Chorgesang;

Und rauschet fort, von Einen Strom gezogen,
Vom Strome der Vollkommenheit.
Ein Niagara stürzt der feine lichten Wogen
Ins Meer der Seligkeit. -

Georgia, die auch Gesang und Reigen
Erhabner Geisteskünste führt,
Tritt heut vor deinen Thron, ihr Haupt vor dir zu neigen,
Dem Anbetung gebührt.

Gefiel bisher dir höchsten Chorageten
Ihr Einklang mit dem großen Chor
Der Schöpfung, so vernimm, was ihre Söhne beten,
O Herr, mit mildem Ohr!

Gesegn' ihr heut im Jubelfeierkleide
Den Wunsch, den jede Brust ihr weiht,
Und bis zu Götterkraft den Lebenswein der Freude,
Den ihr Georg ihr beut!

Hoch aufgefrischt von dieses Tages Wonnen,
Und deiner Segenskräfte voll,
Erhalte sich ihr Schwung um die drei Geistes-Sonnen,
Um die sie schweben soll!

Nie müsse sie des Rhythmus Kunst verlernen,
Die Glied an Glied ins Ganze fügt!
So fliege sie den Flug mit ihren Folge-Sternen,
Den alles Leben fliegt!

Und werde stets zum Ziele fortgezogen,
Das nur der Gottgeweihte sieht,
Wohin mit Ozeans-Gewalt der Kräfte Wogen
Die Kraft der Kräfte zieht!

 

                   Lied.

Du mit dem Frühlingsangesichte,
Du schönes blondes Himmelskind,
An deiner Anmut Rosenlichte
Sieht sich mein Auge noch halb blind!

Nach etwas durst' ich lang' im stillen;
Nach Einem Labekuß von dir.
Den gib mir nur mit gutem Willen,
Sonst nehm' ich rasch ihn selber mir!

Und sollte dich der Raub verdrießen,
So geb' ich gern den Augenblick,
Die Schuld des Frevels abzubüßen,
Ihn hundertfältig dir zurück.

 

                    An Amalien.

         Auf ein Stammbuchs-Blatt.

Schön, wie du, o Holdin, blüht der Garten,
Den des Dichters Phantasie dir schafft.
Sein als Gärtner treu und hold zu warten,
Sehnet sich des Herzens ganze Kraft.

Hundert Wünsche, ächte Leibessprossen
Dieses Gärtners, schwärmen froh hinaus,
Und durchziehn die Felder unverdrossen,
Blumen auszuspähn zum Busenstrauß.

Jeder Schönsten, so die Zeiten schenken,
Jeder Blume reiner Lebenslust
Spähn sie nach, zum holden Angedenken,
Welches blüh' und duft' an deiner Brust.

Ist dies nur der kleinsten Kraft empfänglich,
Die das Herz hinein zu segnen strebt,
O so weiß ich, daß es unvergänglich,
Unvergänglich dir am Busen lebt;

Daß es blühn und duften wird so lange
Als dein süßer Atem drüber weht,
Als noch Leben deiner Rosenwange,
Deiner Purpurlippe Glanz erhöht,

Als dein blaues Auge dieses Blickes
Allgewalt bei Himmelsmilde trägt,
Und dein Herz - o welchem Sohn des Glückes? -
Hier auf Erden Lieb' und Leben schlägt.

 

           An die Bienen.

Wollt ihr wissen, holde Bienen,
Die ihr süße Beute liebt,
Wo es mehr, als hier im Grünen,
Honigreiche Blumen gibt?
Statt die tausend auszunippen,
Die euch Florens Milde beut,
Saugt aus Amaryllis Lippen
Aller tausend Süßigkeit.

Florens schöne Kinder rötet
Nur der Frühlingssonne Licht:
Amaryllis Blumen tötet
Auch der strenge Winter nicht.
Jener ausgeleerte Hülle
Wird nicht wieder ausgefüllt:
Aber nie versiegt die Fülle,
Die aus diesem Kelche quillt.

Eins, nur Eins sei euch geklaget!
Eh' ihr auf dies Purpurrot
Eure seidnen Flügel waget,
Hört, ihr Lieben, was euch droht!
Ach, ein heißer Kuß hat neulich
Die Gefahr mir kund gemacht.
Nehmt die Flügel, warn' ich treulich,
Ja vor dieser Glut in acht!

 

An F. M. als sie nach London ging.

Könnt' auf väterlichen Auen
Ein verkümmerter Poet,
Könnt' er dir ein Hüttchen bauen,
Wie es vor dem Geist' ihm steht;

In der Hütt' ein frohes Stübchen,
Groß genug für Weib und Mann,
Und zwei Mädchen, oder Bübchen,
Die Gott leicht bescheren kann;

In der Stub' ein nährend Tischchen,
Täglich bietend Wein und Brot,
Auch wohl Brätchen, oder Fischchen,
Unversalzt durch Schuldennot;

Neben an zur Gartenseite
Ein vertrautes Kämmerlein,
D'rin ein Bett', an Läng' und Breite,
Für ein Pärchen nicht zu klein,

So du gern hinein dich bettest,
Wo du ruhest, weich und warm,
Mit dem Mann, den du gern hättest,
Fest verschlungen Arm in Arm;

Könnte das, mein gutes Mädchen,
Ein verarmter Leiermann,
Der nur auf dies Spinnenfädchen
Wunschkorallen reihen kann:

Heut noch brächt' er froh den Schlüssel
Dir zu Stub' und Kämmerlein,
Führte dich zu Krug und Schüssel,
Spräche: »Bleib, denn dies ist dein!«

»Bleib würd' er ins Ohr dir raunen,
Hier ist gut und besser sein,
Als sich mit des Hofes Launen
Zu St. James herum kastein.« -

Aber ach! durch Sturm und Regen
Muß er fort dich wandern sehn;
Nichts kann er als Gottes Segen
Zum Begleiter dir erflehn.

 

    An August Wilhelm Schlegel.

                     Sonnett.

Kraft der Laute, die ich rühmlich schlug
Kraft der Zweige, die mein Haupt umwinden,
Darf ich dir ein hohes Wort verkünden,
Das ich längst in meinem Busen trug.

Junger Aar! Dein königlicher Flug
Wird den Druck der Wolken überwinden,
Wird die Bahn zum Sonnentempel finden,
Oder Phöbus Wort in mir ist Lug.

Schön und laut ist deines Fittichs Tönen,
Wie das Erz, das zu Dodona klang,
Leicht und stark dein Aufflug sonder Zwang.

Dich zum Dienst des Sonnengotts zu krönen,
Hielt' ich nicht den eignen Kranz zu wert;
Doch - dir ist ein besserer beschert.