Bürger

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Biografie

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     Daß Blümchen Wunderhold.

Es blüht ein Blümchen irgend wo
In einem stillen Thal.
Das schmeichelt Aug' und Herz so froh,
Die Abendsonnenstrahl.
Das ist viel köstlicher, als Gold,
Als Perl' und Diamant.
Drum wird es »Blümchen Wunderhold«
Mit gutem Fug genannt.

Wohl sänge sich ein langes Lied
Von meines Blümchens Kraft:
Wie es am Leib' und am Gemüt
So hohe Wunder schafft.
Was kein geheimes Elixir
Dir sonst gewähren kann,
Das leistet traun! mein Blümchen dir.
Man säh' es ihm nicht an.

Wer Wunderhold im Busen hegt,
Wird wie ein Engel schön.
Das hab' ich, inniglich bewegt,
An Mann und Weib gesehn.
An Mann und Weib, alt oder jung,
Zieht's, wie ein Talisman,
Der schönsten Seelen Huldigung
Unwiderstehlich an.

Auf steifem Hals ein Strotzerhaupt,
Des Wangen hoch sich bläh'n,
Des Nase nur nach Äther schnaubt,
Läßt doch gewiß nicht schön.
Wenn irgend nun ein Rang, wenn Gold
Zu steif den Hals dir gab,
So schmeidigt ihn mein Wunderhold
Und biegt dein Haupt herab.

Es webet über dein Gesicht
Der Anmut Rosenflor;
Und zieht des Auges grellem Licht
Die Wimper mildernd vor.
Es teilt der Flöte weichen Klang
Des Schreiers Kehle mit,
Und wandelt in Zephyrengang
Des Stürmers Poltertritt.

Der Laute gleicht des Menschen Herz,
Zu Sang und Klang gebaut,
Doch spielen sie oft Luft und Schmerz
Zu stürmisch und zu laut:
Der Schmerz, wann Ehre, Macht und Gold
Vor deinen Wünschen fliehn,
Und Luft, wann sie in deinen Sold
Mit Siegeskränzen ziehn.

O wie dann Wunderhold das Herz
So mild und lieblich stimmt!
Wie allgefällig Ernst und Scherz
In seinem Zauber schwimmt!
Wie man alsdann nichts thut und spricht,
Drob Jemand zürnen kann!
Das macht, man trotzt und strotzet nicht
Und drängt sich nicht voran.

O wie man dann so wohlgemut,
So friedlich lebt und webt!
Wie um das Lager, wo man ruht,
Der Schlaf so segnend schwebt!
Denn Wunderhold hält alles fern,
Was giftig beißt und sticht ;
Und stäch' ein Molch auch noch so gern,
So kann und kann es nicht.

Ich sing', o Lieder, glaub' es mir
Nichts aus der Fabelwelt,
Wenn gleich ein solches Wunder dir
Fast hart zu glauben fällt.
Mein Lied ist nur ein Wiederschein
Der Himmelslieblichkeit,
Die Wunderhold auf Groß und Klein
In Thun und Wesen streut.

Ach! hättest du nur die gekannt,
Die einst mein Kleinod war -
Der Tod entriß sie meiner Hand
Hart hinterm Traualtar -
Dann würdest du es ganz verstehn,
Was Wunderhold vermag,
Und in das Licht der Wahrheit sehn,
Wie in den hellen Tag.

Wohl hundertmal verdankt' ich ihr
Des Blümchens Segensflor.
Sanft schob sie's in den Busen mir
Zurück, wann ichs verlor.
Jetzt rafft ein Geist der Ungeduld
Es oft mir aus der Brust.
Erst, wann ich büße meine Schuld,
Bereu' ich den Verlust.

O was des Blümchens Wunderkraft
Am Leib' und am Gemüt
Ihr, meiner Holdin, einst verschafft,
Faßt nicht das längste Lied! -
Weil's mehr, als Seide, Perl' und Gold
Der Schönheit Zier verleiht,
So nenn' ichs »Blümchen Wunderhold«
Sonst heißt's - Bescheidenheit.

 

      Vorgefühl der Gesundheit.

       An Heinrich Christian Boie.

Täuschet ihr mit euerm Wechseltanze,
Du, o Wunsch, und du, o Hoffnung, mich?
Oder naht im Purpurnelkenkranze
Frohen Trittes die Gesundheit sich?
Will sie von dem Dämon mich erlösen,
Welcher meine Kraft gefangen nahm?
Soll ich wiederum zu Dem genesen,
Der ich der Natur vom Busen kam?

Laß mich dir mein Vorgefühl verkünden,
Boie, alter, trauter Herzensfreund!
Wonniglich wirfst du es mit empfinden,
Wann der Dulder fessellos erscheint;
Wann er mit der angebornen Stärke
Jugendlich Apollons Bogen spannt,
Oder rüstig zu Athenens Werke
Unter der Ägide sich ermannt.

Ha, dein Freund, einst mehr als halb verloren,
Keck verhöhnt von schnödem Übermut,
War zum lahmen Schwächling nicht geboren;
Ihn durchfloß kein träges feiges Blut.
Das bezeugen ihm des Pindus Würden,
Die er in der Ohnmacht noch erwarb,
Und die Kraft, die unter allen Bürden
Nicht in zwanzig Jahren ganz erstarb.

Heil ihm! Leichter fühlt er schon die Glieder ;
Und der Genius, der in ihm strebt,
Schüttelt freier, stärker das Gefieder,
Das dem schweren Nebel ihn entgeht
Erde, dich mit allen deinen Bergen,
Allem lastenden Metall darin,
Allen Reisen drauf und allen Zwergen,
Haucht er bald wie Flaum vor sich dahin.

Edle Rache beut er dann der Schande,
Die er über sein Verschulden trug,
Seit der Hypochonder dumpfe Bande
Um die rein gestimmten Nerven schlug,
Wann er heller um der Wahrheit Seher,
Wärmer um der Schönheit Pfleger tagt,
Und er glorreich eines Hauptes höher
Als zehntausend Alltagsmenschen ragt.

Mag es Riese dann und Drache wagen,
Gegen ihn zum Kampf heran zu gehn!
Mag das Glück ihn auf den Armen tragen,
Oder Er auf eignen Füßen stehn!
Neu gerüstet mit den Götterwaffen,
Die er mit gestähltem Arme führt,
Wird er sich nach Heldenrecht verschaffen,
Was sein Wunsch bedarf und ihm gebührt. -

Herr des Lebens, willst du mich erhalten,
O so gib nur Eins, - Gesundheit mir!
Dankend will ich dir die Hände falten,
Aber bitten weiter nichts von dir.
Kühn durch Klippen, Strudel, Ungeheuer
Lenk' ich, allgenugsam mir, alsdann
Auf des Lebens Ozean mein Steuer.
Selbst sein Gott ist ein gesunder Mann.

 

 

Zweites Buch

Episch - lyrische Gedichte

   Neue weltliche hochdeutsche Reime,
                       enthaltend
   die abenteuerliche doch wahrhaftige

                        Historiam
                          von der
      wunderschönen Durchlauchtigen
                       Kaiserlichen
                  Prinzessin Europa
                             und
          einem uralten heidnischen
                          Götzen,
                   Jupiter item Zeus
                           genannt,
als welcher sich nicht entblödet, unter der Larve
eines unvernünftigen Stieres, an höchtsgedachter
                          Prinzessin
ein crimen raptus zu deutsch: Jungfernraub auszu-
                             üben.
       Also gesetzet und an das Licht gestellet
                             durch
                M. Jocosum Hilarium,
                     Poët. caef. laur.

Vor alters war ein Gott,
Von nicht geringem Ruhme,
Im blinden Heidentume.
Nun aber ist er tot.
Er starb -- post Christum natum ---
Ich weiß nicht mehr das Datum.

Der war an Schelmerei
Das Weibchen zu betrügen,
Von dem Papa der Lügen
Das ächte Konterfei;
Und kurz auf alle Fälle,
Ein lockerer Geselle.

Ich hab' ein altes Buch,
Das thut von ihm berichten
Viel schnurrige Geschichten,
Worin manch Stutzer g'nug
Für seinen Schnabel fände,
Wenn er Latein verstände.

Mein unverdroßner Mund
Soll ohne viel zu wählen
Nur Einen Kniff erzählen.
Denn thät' ich alle kund
So wäre zu besorgen,
Ich säng' bis übermorgen.

Eu'r Batzen soll euch nicht,
Geehrte Herrn gereuen.
Mein Liedel soll euch freuen! -
Doch ihr dort! Schelmgezücht!
Kroaten, hinter'n Bänken!
Laßt nach mit Lärm uns Schwänken!

Heda! Hier nichts gegeckt,
Ihr ungewaschnen Buben!
Narriert in andern Stuben,
Nur mich laßt ungeneckt!
Sonst hängt euch, schnaps! am Munde
Ein Schloß; wiegt tausend Pfunde.

Ha! das Donatgeschmeiß!
Kaum hört und sieht's was Neues
So hat es gleich Geschreies,
So puppert Herz und Steiß.
Geduld! Man wird's euch zahlen,
Euch dünnen Schulpennalen!

Traut nicht! Es regt sich hie,
In meinem Wolfstornister,
Der Kuckuck und sein Küster -
Ein Kobolt - heißt Genie.
Dem schafft's gar guten Frieden,
Wem Gott solch Ding beschieden.

Laßt ja den Griesgram gehn!
Er weiß euch zu kuranzen;
Läßt euch wie Affen tanzen,
Und auf den Köpfen stehn;
Wird euch 'mal begenieen,
Daß euch die Steiße glühen. -

Doch ihr, Kunstjüngerlein!
Mögt meine Melodeien
Nur nicht flugs nachlalleien
So leicht lallt sich's nicht 'nein.
Beherzigt doch das dictum:
Cacatum non est pictum. ---

Eu'r Batzen soll euch nicht,
Geehrte Herr, gereuen.
Mein Liedel soll euch freuen!
Nun schaut mir ins Gesicht!
Merkt auf mit Herz und Sinnen!
Will endlich mal beginnen. -

Zeus wälzt im Bette sich,
Nachdem er lang gelegen
Wie Potentaten pflegen,
Und fluchte mörderlich:
»Schon trommelt's zur Parade!
Wo bleibt die Schokolade?«

Gleich bringt sie sein Lakai ;
Bringt Schlafrock, Toffeln, Hose
Schleppt Pfeife, Knasterdose
Nebst Fidibus herbei.
Denn morgens ging kein Mädchen
Gern in sein Kabinetchen.

Er schlürft' acht Tassen aus;
Hing dann zum Zeitvertreibe
Sich mit dem halben Leibe
Zum Himmelsfenster 'naus,
Und schmauchte frisch und munter,
Sein Pfeifchen Knaster 'runter.

Und durch sein Perspektiv
Visiert' er von dem Himmel,
Nach unserem Weltgetümmel.
Sonst mochten wohl so tief
Die abgeschwächten Augen
Nicht mehr zu sehen taugen.

Da nahm er schmunzelnd wahr,
Auf schönbeblümten Auen,
Gar lieblich anzuschauen,
Vergnügter Mägdlein Schar,
Die auf dem grünen Rasen
Sich Gänseblümchen lasen.

Die Schönste war geschmückt
Mit einem leichten Kleide,
Von rosinfarbner Seide,
Mit Fadengold durchstickt.
Die Andern aber schienen
In Demut ihr zu dienen.

Die niedliche Gestalt,
Die schlanken zarten Glieder
Besah er auf und nieder.
Ihr Alter er gar bald
Recht kunstverständig schätzte,
Und es auf Sechzehn setzte.

Zum Blumenlesen war
Ihr Röckchen aufgehoben.
Das Perspektiv von oben
Sah alles auf ein Haar.
Die Füßchen, Knie', und Waden
Behagten Seiner Gnaden.

Sein Herzenshammer schlug.
Bald wollt' er mehr gewinnen.
Da hub er an zu sinnen,
Auf arge List und Trug.
Ihn dünkt, sie zu erschnappen,
Sei's not, sich zu verkappen.

Er klügelt' und erfand,
Nach schlauem Spintisieren,
Als Stier sich zu maskieren:
Doch ist mir unbekannt,
Wie dieses zugegangen?
Und wie er's angefangen?

Ich mag um Schlaf und Ruh
Durch Grübeln mich nicht bringen,
Allein mit rechten Dingen
Ging solches Spiel nicht zu.
Es half ihm, sonder Zweifel,
Gott sei bei uns! ††† der Teufel.

Kurz um, er kömmt als Stier,
Und graset im Gefilde,
Als führ't er nichts im Schilde,
Erst ziemlich weit von ihr,
Und scheint den Frauenzimmern
Sich schlecht um sie zu kümmern.

Allmählich hub er an,
Sich näher an zu drehen.
Doch noch blieb sie nicht stehen.
Der Krepp wuchs ihr bergan.
Auch ward ihr in die Länge
Die Schnürbrust mächtig enge.

Doch hört nur! Mein Monsieur
Verstand die fintenvolle
Vorherstudierte Rolle,
Wie ich mein A b c.
War er Acteur ich wette,
Daß man geklatschet hätte.

Er hatte Theorie
Mit Praxis wohl verbunden
Verabsäumt' er fast nie,
Nasonis Buch zu treiben,
Und Noten beizuschreiben.

D'rum that der arge Stier
Sehr zahm und sehr geduldig,
Schien keiner Tücke schuldig,
Und suchte mit Manier,
Durch Kopfhang sich und Schweigen
Empfindsam gar zu zeigen.

Das Mägdlein durch den Schein
Von Sittsamkeit betrogen,
Ward endlich ihm gewogen.
»Sollt' er wohl kurrig sein?«
Sprach sie zu ihrer Amme,
»Er gleicht ja einem Lamme!«

Die alte Strunsel rief:
»Ei! welche schöne Frage!
Nach alter deutscher Sage,
Sind stille Wasser tief.
D'rum Chère Enfant, d'rum bleibe
Dem bösen Stier vom Leibe!«

»Ich möchte«, fiel sie ein,
»Ihm wohl ein Kränzel binden,
Und um die Hörner winden
Er wird schon artig sein,
Wenn ich hübsch traulich rabb'le
Und hinter'm Ohr ihm krabb'le.« -

Fort, Kind! da kömmt er! Ah! ---
Doch er ließ sacht die Glieder
Ins weiche Gräschen nieder,
Lag wiederkäuend da.
Sein Auge, dumm und ehrlich,
Schien gänzlich nicht gefährlich.

Da ward das Mägdlein kühn,
Und trieb mit ihm viel Possen,
(das litt er unverdrossen)
Und ach! und stieg auf ihn.
»Hi! Hi! Ich will's doch wagen,
Ob mich das Tier will tragen?«

Doch der verkappte Gast
Empfand auf seinem Rücken
Mit krabbelndem Entzücken,
Kaum seine schöne Last,
So sprang er auf und rennte,
Als ob der Kopf ihm brennte.

Und lief im vollem Trab,
Querfeldein, schnurgerade,
Zum nächsten Meergestade,
Und hui! that er hinab,
Kein Weilchen zu verlieren,
Den Sprung mit allen Vieren.

»Ach! schrien die Zofen, ach!
(Die an das Ufer sprangen
Und ihre Hände rangen)
Ach! Ach! Prinzessin, ach!
Was für ein Streich, Ihr Gnaden!
Nun han wir's auszubaden«

Allein das arme Kind
Hub zappelnd mit den Beinen,
Erbärmlich an zu weinen:
»Ach! helft mir! helft geschwind!«
Doch unser Schalk vor Freude
War taub zu ihrem Leide.

Nichts half ihr Ach und Weh.
Sie mußte fürbaß reiten.
Da gafft' auf beiden Seiten,
Ianhagel aus der See,
Und hub, ganz ausgelassen,
Hierüber an zu spaßen.

Der Stier sprach nicht ein Wort,
Und trug sie sonder Gnade
Hinüber ans Gestade,
Und kam in sichern Port.
Darob empfand der Heide.
Herzinnigliche Freude.

Hier sank sie auf den Sand,
Ganz matt durch langes Reiten
Und Herzensbangigkeiten,
Von Sinnen und Verstand.
Vielleicht hat's euch darneben
Ein Wölfchen abgegeben.

Mein Stier nahm frisch und froh
Dies Tempo wahr, und spielte,
Als sie nicht sah und fühlte,
Ein neues Qui pro quo.
Denn er verstand den Jocus
Mit fiat Hocus pocus.

Und trat als Kavalier,
In hochfrisierten Haaren,
Wie damals Mode waren,
Mit dem Flacon zu ihr,
Und hub, um Brust und Hüften,
Die Schnürbrust an zu lüften.

Kaum war sie aufgeschnürt,
Kaum kitzelt' ihre Nase
Der Duft aus seinem Glase,
So war sie auch kuriert;
D'rauf er, wie sich's gebührte,
Comme ça mit ihr charmierte:

»Willkommen hier ins Grün!
Per dio! das bejah' ich!
Mein blaues Wunder sah ich!
Woher, mein Kind, wohin?
So weit durch's Meer zu reiten!
Und doch nicht abzugleiten? -

Indessen freut mich's hier
In meinem schlechten Garten,
Gehorsamst aufzuwarten.
Ma foi! das ahnte mir.
Heut hatt' ich so ein Träumchen - - -
Auch juckte mir das Däumchen.

Man zog ihr wackres Tier,
Worauf sie hergeritten
Nachdem sie abgeschnitten,
Gleich in den Stall von hier.
Da soll es, nach Verlangen
Sein Futter schon empfangen.

Sie werden Herzchen, gelt?
Wohl noch ein wenig frieren?
Geruhn sie zu spazieren
In dieses Luftgezelt,
Und thun in meiner Klause,
Als wären sie zu Hause.

Hier pflegen sie der Ruh,
Und trocknen sich, mein Schneckchen,
Ihr Hemde sammt dem Röckchen,
Die Strümpfchen und die Schuh.
Ich, mit Vermiß, will ihnen
Statt Kammermädchens dienen.« -

Sie sträubte jüngferlich
Sich anfangs zwar ein wenig:
Doch er bat unterthänig,
Und da ergab sie sich.
Nun hochgeehrte Gäste,
Merkt auf! Nun kömmt das Beste.

Hem! --- Ha! Ich merke wohl
An euren werten Nasen,
Daß ich mit hübschen Phrasen
Eu'r Ohr nun kitzeln soll.
Ihr möchtet, um den Batzen,
Für Lachen gern zerplatzen.

Doch teure Gönner, seht,
Was ich dabei riskiere!
Wenn's der Pastor erführe,
Der keinen Spaß versteht,
Dann wehe meiner Ehre! -
Ich kenne die Pastöre! -

D'rum weg mit Schäkerei'n!
Von süßkandierten Zoten
Wird vollends nichts geboten.
Hilarius hält fein
Auf Ehrbarkeit und Mores,
Ihr Herren Auditores.

In Züchten, wie sich's ziemt,
Weil mich vor langem Breie
In solchen Schosen scheue,
Meld' ich nur kurz verblümt:
Hier that mit seiner Schöne
Der Herr sich trefflich bene. -

Nun schwammen mit Geschrei,
In langen grünen Haaren,
Der Wassernixen Scharen
Hart an den Staub herbei:
Zu sehen das Spektakel,
In diesem Tabernakel.

Manch Nixchen wurde rot
Manch Nixchen wurde lüstern;
Jen's neigte sich zum Flüstern;
Dies lachte sich halb tot;
Neptun gelehnt an's Ruder,
Rief: Profit, lieber Bruder!

Nun dank', o frommer Christ,
Im Namen aller Weiber,
Daß dieser Heid' und Räuber
Bereits gestorben ist.
Zwar - - - fehlt's auch zum Verführen
Nicht an getauften Stieren.

 

  Des armen Suschens Traum

Ich träumte, wie um Mitternacht
Mein Falscher mir erschien.
Fast schwür' ich, daß ich hell gewacht,
So schnell erblickt' ich ihn.

Er zog den Treuring von der Hand
Und ach! zerbrach ihn mir.
Ein Wasserhelles Perlenband
Warf er mir hin dafür.

D'rauf ging ich wohl ans Gartenbeet,
Zu schau'n mein Myrtenreis,
Das ich zum Kränzchen pflanzen thät,
Und pflegen thät mit Fleiß.

Da riß entzwei mein Perlenband
Und eh ich's mich versah,
Entrollten all' in Erd' und Sand,
Und keine war mehr da.

Ich sucht' und sucht' in Angst und Schweiß,
Umsonst, umsonst! Da schien
Verwandelt mein geliebtes Reis
In dunkeln Rosmarin.

Erfüllt ist längst das Nachtgesicht,
Ach! längst erfüllt genau.
Das Traumbuch frag' ich weiter nicht,
Und keine weise Frau.

Nun brich o Herz, der Ring ist hin!
Die Perlen sind geweint!
Statt Myrt' erwuchs dir Rosmarin!
Der Traum hat Tod gemeint.

 

                      Lenore

Brich, armes Herz! Zur Totenkron'
Erwuchs dir Rosmarin.
Verweint sind deine Perlen schon,
Der Ring der Ring ist hin!
Lenore fuhr um's Morgenrot
Empor aus schweren Träumen:
»Bist untreu, Wilhelm, oder tot?
Wie lange willst du säumen?« -
Er war mit König Friedrichs Macht
Gezogen in die Prager Schlacht,
Und hatte nicht geschrieben:
Ob er gesund geblieben.

Der König und die Kaiserin,
Des langen Haders müde,
Erweichten ihren harten Sinn,
Und machten endlich Friede ;
Und jedes Heer, mit Sing und Sang,
Mit Paukenschlag und Kling und Klang,
Geschmückt mit grünen Reisern,
Zog heim zu seinen Häusern.

Und überall all überall,
Auf Wegen und auf Stegen,
Zog Alt und Jung dem Jubelschall
Der Kommenden entgegen.
Gottlob! rief Kind und Gattin laut,
Willkommen! manche frohe Braut.
Ach! aber für Lenoren
War Gruß und Kuß verloren.

Sie trug den Zug wohl auf und ab,
Und frug nach allen Namen;
Doch keiner war, der Kundschaft gab,
Von allen, so da kamen.
Als nun das Heer vorüber war,
Zerraufte sie ihr Rabenhaar,
Und warf sich hin zur Erde,
Mit wütiger Geberde.

Die Mutter lief wohl hin zu ihr; -
»Ach daß sich Gott erbarme!
Du trautes Kind was ist mit dir?« -
Und schloß sie in die Arme -
»O Mutter, Mutter! hin ist hin!
Nun fahre Welt und alles hin!
Bei Gott ist kein Erbarmen.
O weh, o weh mir Armen!« -

»Hilf Gott, hilf! Sieh uns gnädig an!
Kind, bet' ein Vaterunser!
Was Gott thut das ist wohlgethan!
Gott, Gott erbarmt sich Unser!« -
»O Mutter, Mutter! Eitler Wahn!
Gott hat an mir wohlgethan!
Was half, was half mein Beten?
Nun ist's nicht mehr vonnöten.« -

»Hilf Gott, hilf! wer den Vater kennt,
Der weiß, er hilft den Kindern.
Das hochgelobte Sakrament
Wird deinen Jammer lindern.« -
»O Mutter, Mutter! was mich brennt,
Das lindert mir kein Sakrament!
Kein Sakrament mag Leben
Den Toten wiedergeben.« -

»Hör Kind! wie, wenn der falsche Mann,
Im fernen Ungerlande,
Sich seines Glaubens abgethan,
Zum neuen Ehebande?
Laß fahren Kind, sein Herz dahin!
Er hat es nimmermehr Gewinn!
Wann Seel' und Leib sich trennen,
Wird ihn sein Meineid brennen.«

»O Mutter, Mutter! Hin ist hin!
Verloren ist verloren!
Der Tod, der Tod ist mein Gewinn!
O wär' ich nie geboren!
Lisch aus, mein Licht auf ewig aus!
Stirb hin, stirb hin in Nacht und Graus!
Bei Gott ist kein Erbarmen.
O weh , o weh mir Armen!« -

»Hilf Gott, hilf! Geh nicht ins Gericht
Mit deinem armen Kinde!
Sie weiß nicht, was die Zunge spricht.
Behalt ihr nicht die Sünde!
Ach, Kind vergiß dein irdisch Leid,
Und denk an Gott und Seligkeit!
So wird doch deiner Seelen
Der Bräutigam nicht fehlen.« -

»O Mutter! Was ist Seligkeit?
O Mutter! was ist Hölle?
Bei ihm, bei ihm ist Seligkeit,
Und ohne Wilhelm Hölle! -
Lisch aus, mein Licht, auf ewig aus!
Stirb hin, stirb hin in Nacht und Graus!
Ohn' ihn mag ich auf Erden,
Mag dort nicht selig werden.« ---

So wütete Verzweifelung
Ihr in Gehirn und Adern.
Sie fuhr mit Gottes Vorsehung
Vermessen fort zu hadern;
Zerschlug den Busen und zerrang
Die Hand, bis Sonnenuntergang,
Bis auf am Himmelsbogen
Die goldnen Sterne zogen.

Und außen, horch! ging's trap trap trap,
Als wie von Rosseshufen;
Und klirrend stieg ein Reiter ab,
An des Geländers Stufen;
Und horch! und horch! den Pfortenring
Ganz lose, leise, klinglingling!
Dann kamen durch die Pforte
Vernehmlich diese Worte:

»Holla, Holla! Thu auf mein Kind!
Schläfft, Liebchen, oder wachst du?
Wie bist noch gegen mich gesinnt?
Und weinest oder lachst du?« -
»Ach, Wilhelm, du? - - So spät bei Nacht? - -
Geweinet hab' ich und gewacht;
Ach, großes Leid erlitten!
Wo kommst du hergeritten?« -

»Wir satteln nur um Mitternacht.
Weit ritt ich her von Böhmen.
Ich habe spät mich aufgemacht,
Und will dich mit mir nehmen.« -
»Ach, Wilhelm, erst herein geschwind!
Den Hagedorn durchsaust der Wind,
Herein, in meinen Armen,
Herzliebster, zu erwarmen!« -

»Laß sausen durch den Hagedorn,
Laß sausen, Kind laß sausen!
Der Rappe scharrt; es klirrt der Sporn.
Ich darf allhier nicht hausen.
Komm, schürze, spring' und schwinge dich
Auf meinen Rappen hinter mich!
Muß heut noch hundert Meilen
Mit dir in's Brautbett' eilen.« -

»Ach! wolltest hundert Meilen noch
Mich heut in's Brautbett' tragen?
Und horch! es brummt die Glocke noch,
Die elf schon angeschlagen.« -
»Sieh hin, sieh her! der Mond scheint hell.
Wir und die Toten reiten schnell.
Ich bringe dich zur Wette,
Noch heut ins Hochzeitbette.« -

»Sag an, wo ist dein Kämmerlein?
Wo? Wie dein Hochzeitbettchen?« -
»Weit, weit von hier! -- Still, kühl und klein! --
Sechs Bretter und zwei Brettchen!« -
»Hat's Raum für mich?« - »für dich und mich!
Komm, schürze, spring' und schwinge dich!
Die Hochzeitgäste hoffen;
Die Kammer steht uns offen.« -

Schön Liebchen schürzte, sprang und schwang
Sich auf das Roß behende;
Wohl um den trauten Reiter schlang
Sie ihre Liljenhände;
Und hurre hurre, hop hop hop!
Ging's fort in sausendem Galopp,
Daß Roß und Reiter schnoben,
Und Ries und Funken stoben.

Zur rechten und zur linken Hand,
Vorbei von ihren Blicken;
Wie flogen Anger, Heid' und Land!
Wie donnerten die Brücken! -
»Graut Liebchen auch? - - Der Mond scheint hell!
Hurra! die Toten reiten schnell!
Traut Liebchen auch vor Toten?« -
»Ach nein! - - Doch laß die Toten!« -

Was klang dort für Gesang und Klang?
Was flatterten die Raben? - -
Horch Glockenklang! horch Totensang:
»Laßt uns den Leib begraben!«
Und näher zog ein Leichenzug,
Der Sarg und Totenbahre trug.
Das Lied war zu vergleichen
Den Unkenruf in Teichen.

»Nach Mitternacht begrabt den Leib,
Mit Klang und Sang und Klage!
Jetzt führ ich heim mein junges Weib.
Mit, mit zum Brautgelage!
Komm, Küster, hier! Komm mit dem Chor,
Und gurgle mir das Brautlied vor!
Komm, Pfaff', und sprich den Segen,
Eh wir zu Bett' uns legen!« -

Still Klang und Sang. - - Die Bahre schwand. - -
Gehorsam seinem Rufen,
Kam's hurre hurre! nachgerannt,
Hart hinter's Rappen Hufen.
Und immer weiter, hop hop hop!
Ging's fort in sausendem Galopp,
Daß Roß und Reiter schnoben,
Und Ries und Funken stoben.

Wie flogen rechts, wie flogen links,
Gebirge, Bäum' und Hecken!
Wie flogen links und rechts, und links
Die Dörfer, Städt' und Flecken! -
»Graut Liebchen auch? - - Der Mond scheint hell!
Hurra die Toten reiten schnell!
Graut Liebchen auch vor Toten?« -
»Ach! Laß sie ruhn, die Toten!« -

Sieh da! sieh da! Am Hochgericht
Tanzt' um des Rades Spindel
Halb sichtbarlich bei Mondenlicht,
Ein lustiges Gesindel. -
»Sasa! Gesindel hier! Komm hier!
Gesindel, komm und folge mir!
Tanz' uns den Hochzeitreigen,
Wann wir zu Bette steigen!« -

Und das Gesindel husch husch husch!
Kam hinten nachgeprasselt,
Wie Wirbelwind am Haselbusch
Durch dürre Blätter rasselt.
Und weiter, weiter, hop hop hop!
Ging's fort in sausendem Galopp,
Daß Roß und Reiter schnoben,
Und Kies und Funken stoben.

Wie flog, was rund der Mond beschien,
Wie flog es in die Ferne!
Wie flogen oben über hin
Der Himmel und die Sterne! -
»Graut Liebchen auch? -- Der Mond scheint hell!
Hurra! die Toten reiten schnell!
Graut Liebchen auch vor Toten?« -
»O weh! Laß ruhn die Toten!« - - -

»Rapp'! Rapp'! Mich dünkt der Hahn schon ruft. - -
Bald wird der Sand verrinnen - -
Rapp'! Rapp'! Ich wittre Morgenlust --
Rapp'! Tummle dich von hinnen! -
Vollbracht, vollbracht ist unser Lauf!
Das Hochzeitbette thut sich auf!
Die Toten reiten schnelle!
Wir sind, wir sind zur Stelle.« - - -

Rasch auf ein eisern Gitterthor
Ging's mit verhängtem Zügel.
Mit schwanker Gert' ein Schlag davor
Zersprengte Schloß und Riegel.
Die Flügel flogen klirrend auf,
Und über Gräber ging der Lauf.
Es blinkten Leichensteine
Rund um im Mondenscheine.

Ha sieh! Ha sieh! im Augenblick,
Huhu! ein gräßlich Wunder!
Des Reiters Koller, Stück für Stück,
Fiel ab, wie mürber Zunder.
Zum Schädel ohne Zopf und Schopf,
Zum nackten Schädel ward sein Kopf;
Sein Körper zum Gerippe,
Mit Stundenglas und Hippe.

Hoch bäumte sich wild, schnob der Rapp',
Und sprühte Feuerfunken;
Und hui! war's unter ihr hinab
Verschwunden und versunken.
Geheul! Geheul aus hoher Luft,
Gewindel kam aus tiefer Gruft.
Lenorens Herz, mit Beben,
Rang zwischen Tod und Leben.

Nun tanzten wohl bei Mondenglanz,
Rund um herum im Kreise,
Die Geister einen Rettentanz,
Und heulten diese Weise:
»Geduld! Geduld! Wenn's Herz auch bricht!
Mit Gott im Himmel hadre nicht!
Des Leibes bist du ledig;
Gott sei der Seele gnädig!«

 

              Der Raubgraf.

Es liegt nicht weit von hier ein Land,
Da reift' ich einst hindurch;
Am Weg' auf hohem Felsen stand,
Vor alters, eine Burg.
Die alten Rudera davon
Wies mir der Schwager Postillon.

»Mein Herr, begann der Schwager Matz,
Mit heimlichen Gesicht,
Wär' mir beschert dort jener Schatz,
Führ' ich den Herrn wohl nicht.
Mein Seel! den König fragt' ich gleich:
Wie teuer, Herr, sein Königreich?

Wohl manchem wässerte der Mund,
Doch mancher ward geprellt.
Denn, Herr, Gott sei bei uns! Ein Hund
Bewacht das schöne Geld.
Ein schwarzer Hund die Zähne bloß,
Mit Feueraugen, tellersgroß!

Nur immer alle sieben Jahr'
Läßt sich ein Flämmchen sehn.
Dann mag ein Bock, kohlschwarz von Haar,
Die Hebung wohl bestehn.
Um zwölf Uhr in Walpurgis Nacht,
Wird der dem Unhold dargebracht.

Doch merk' eins nur des Bösen List!
Wo noch zum Ungelück
Am Bock ein weißes Härchen ist,
Alsdann: Ade, Genick!
Den Kniff hat mancher nicht bedacht,
Und sich um Leib und Seel' gebracht.

Für meinen Part, mit großen Herrn,
Und Meister Urian,
Äß' ich wohl keine Kirschen gern.
Man läuft verdammt oft an.
Sie werfen einem wie man spricht,
Gern Stiel und Stein ins Angesicht.

D'rum rat ich immer: Lieber Christ,
Laß dich mit keinem ein!
Wann der Kontakt geschlossen ist,
Bricht man dir Hals und Bein.
Trotz allen Klauseln, glaube du,
Macht jeder die ein X für U. -

Goldmacherei und Lotterie,
Nach reichen Weibern frei'n,
Und Schätze graben, segnet nie,
Wird manchen noch gereu'n.
Mein Sprüchlein heißt: Auf Gott vertrau,
Arbeite brav und leb' genau!

Ein alter Graf, fuhr Schwager Matz
Nach seiner Weise fort,
Vergrub zu Olims Zeit den Schatz
In seinem Keller dort.
Der Graf, mein Herr, hieß Graf von Rips,
Ein Kraut, wie Käsebier und Lips.

Der streifte durch das ganze Land,
Mit Wagen, Roß und Mann,
Und wo er was zu kapern fand,
Da macht' er frisch sich d'ran.
Wips! hatt' er's weg, wips! ging er
Und schleppt' es heim auf seine Burg.

Und wann er erst zu Loche saß,
So schlug mein Graf von Rips, -
Denn hier that ihn kein Teufel was, -
Gar höhnisch seinen Schnips.
Ein allverfluchtes Felsennest
War, wie der Königstein, so fest.

So übt' er nun gar lang' und oft
Viel Bubenstücken aus,
Und fiel den Nachbarn unverhofft
In Hof und Stall und Haus.
Allein, der Krug geht, wie man spricht,
So lang' zu Wasser bis er bricht.

Das Ding verdroß den Magistrat
Im nächsten Städtchen sehr,
D'rum riet der längst auf klugen Rat
Bedächtlich hin und her,
Und riet und riet - doch weiß man wohl! -
Die Herren rieten sich halb toll.

Da nun begab sich's daß einsmals,
Ob vielem Teufelspaß,
Ein Lumpenherzchen auf den Hals
In Kett' und Banden saß.
Schon wetzte Meister Urian
Auf diesen Braten seinen Zahn.

Dies Hexchen sprach: Hört! Laßt mich frei,
So schaff' ich ihn herein.
Wohl! sprach ein edler Rat, es sei!
Und gab ihr oben d'rein
Ein eisern Privilegium,
Zu hexen frank und frei herum.

Ein närrscher Handel! Unsereins
Thät' nichts auf solchen Kauf.
Doch Satans Reich ist selten eins,
Und reibt sich selber auf.
Für diesmal spielt die Lügenbrut
Ihr Stückchen ehrlich und auch gut.

Sie kroch, als Kröt, auf's Räuberschloß,
Mit losem leisen Tritt,
Verwandelte sich in das Roß,
Das Rips gewöhnlich ritt;
Und als der Schloßhahn krähte früh,
Bestieg der Graf gesattelt sie.

Sie aber trug, trotz Gert' und Sporn,
So sehr er hieb und trat,
Ihn über Stock und Stein und Dorn,
Gerades Wegs zur Stadt.
Früh, als das Thor ward aufgethan.
Sieh da! kam unser Hexlein an.

Mit Kratzfuß und mit Reverenz
Naht höhnisch alle Welt;
Willkommen hier, Ihr' Excellenz!
Quartier ist schon bestellt!
Du hast uns lange satt geknufft;
Man wird dich wieder knuffen Schuft!

Dem Schnapphahn ward, wie sich's gebührt,
Bald der Prozeß gemacht,
Und d'rauf als man ihn kondemniert,
Ein Käficht ausgedacht.
Da ward mein Rips hineingesperrt
Und wie ein Murmeltier genärrt.

Und, als ihn hungern thät, da schnitt
Der Knips, mit Höllenqual,
Vom eignen Leib' und Glied für Glied,
Und briet es ihm zum Mahl.
Als jeglich Glied verzehret war,
Briet er ihm seinen Magen gar.

So schmaust' er sich denn selber auf,
Bis auf den letzten Stumpf,
Und endigte den Lebenslauf,
Den Nachbarn zum Triumph.
Der Eisenbau'r, worin er lag,
Wird aufbewahrt, bis diesen Tag. -

Mein Herr, fällt mir der Käficht ein,
So denk' ich oft bei mir:
Er dürfte noch zu brauchen sein,
Und weiß der Herr, wofür? - -
Für die französchen Raubmarquis
Die man zur Ferme kommen ließ.« -

Als Matz kaum ausgeperoriert,
Sieh da! kam querfeldan
Ein Sansfaçon daher trottiert,
Und hielt den Wagen an,
Und visitierte, Pack für Pack,
Nach ungestempeltem Taback.

 

     Die Weiber von Weinsberg.

Wer sagt mir an, wo Weinsberg liegt?
Soll sein ein wackres Städtchen,
Soll haben, fromm und klug gewiegt,
Viel Weiberchen und Mädchen.
Kömmt mir einmal das Freien ein,
So werd' ich eins aus Weinsberg frei'n.

Einsmals der Kaiser Konrad war
Dem guten Städtlein böse,
Und rückt' heran mit Kriegeschar
Und Reisigengetöse,
Umlagert' es mit Roß und Mann,
Und schoß und rannte drauf und dran.

Und als das Städtlein widerstand,
Trotz allen seinen Nöten,
Da ließ er, hoch von Grimm entbannt,
Den Herold 'nein trompeten:
Ihr Schurken komm' ich nein, so, wißt,
Soll hängen, was die Wand bepißt.

Drob, als er den Avis also
Hinein trompeten lassen,
Gab's lautes Zetermordio,
Zu Haus und auf den Gassen.
Das Brot war teuer in der Stadt ;
Doch teurer noch war guter Rat.

»O weh, mir armen Korydon!
O weh mir! die Pastores
Schrie'n: Kyrie Eleison!
Wir gehn, wir gehn kapores!
O weh, mir armen Korydon!
Es juckt mir an der Kehle schon.«

Doch wann's Matthä am letzten ist,
Trotz Raten, Thun und Beten,
So rettet oft noch Weiberlist
Aus Ängsten und aus Nöten.
Denn Pfaffentrug und Weiberlist
Gehn über alles wie ihr wißt.

Ein junges Weibchen Lobesan,
Seit gestern erst getrauet,
Gibt einen klugen Einfall an,
Der alles Volk erbauet;
Den ihr, sofern ihr anders wollt,
Belachen und beklatschen sollt.

Zur Zeit der stillen Mitternacht
Die schönste Ambassade
Von Weiber sich ins Lager macht,
Und bettelt dort um Gnade.
Sie bettelt sanft, sie bettelt süß,
Erhält doch aber nichts, als dies:

»Die Weiber sollten Abzug han,
Mit ihren besten Schätzen,
Was übrig bliebe, wollte man
Zerhauen und zerfetzen.«
Mit der Kapitulation
Schleicht die Gesandschaft trüb' davon.

Drauf, als der Morgen bricht hervor,
Gebt Achtung! Was geschiehet?
Es öffnet sich das nächste Thor,
Und jedes Weibchen ziehet,
Mit ihrem Männchen schwer im Sack',
So war ich lebe! Huckepack-

Manch Hofschranz suchte zwar sofort
Das Kniffchen zu vereiteln;
Doch Konrad sprach: »Ein Kaiserwort
Soll man nicht dreh'n noch beuteln.
Ha bravo! rief er, bravo so!
Meint' unsre Frau es auch nur so!«

Er gab Pardon und ein Bankett,
Den Schönen zu gefallen.
Da ward gegeigt, da ward trompet't,
Und durchgetanzt mit allen,
Wie mit der Burgenmeisterin,
So mit der Besembinderin.

Ei! sagt mir doch, wo Weinsberg liegt?
Ist gar ein wackres Städtchen.
Hat, treu und fromm und klug gewiegt,
Viel Weiberchen und Mädchen.
Ich muß, kömmt mir das Freien ein,
Führwahr! muß Eins aus Weinberg frei'n.