Bürger

Seite 8

Inhalt

Biografie

             An Göckingk.

Nun, nun! Verschütt' Er nur nicht gar
Das Kindlein sammt dem Bade!
Das arme Kindlein das! Für wahr!
Es wär' ja jammerschade.

Denn, sieht Er, trotz der Plackerei,
Beim Zeugen und Gebären,
Mag doch die edle Reimerei
Auch viel Profit bescheren.

Trotz Sing und Sang von Cypripor,
Apoll, Achill und Hektor,
Bleibt man zwar Amtmann, nach wie vor,
Auch - Herr! Kanzleidirektor.

Denn leichter wird Vokation
Zu Pension und Pfründen
Die kahlste Dissertation,
Als Iliaden finden.

Auch mästet man sich eben nicht
Von Mäcenaten-Gnade;
Trägt Abcbuchs-Angesicht
Und Schlotterbauch und Wade.

Die Herren von der Klerisei,
Und auch dem edlen Rate
Verschmelzen mehr in Supp' und Brei,
Und prunken baß im Staate.

Doch neid' ich nicht das Bonzenheer
Um seine dicken Köpfe.
Die meisten sind ja hohl und leer,
Die ihre Kirchturmknöpfe.

Doch - Spaß bei Seite! - Hör' Er an,
Falls ihm mein Ernst beliebig!
Ist denn nicht auch für ihren Mann
Poeterei ergiebig?

Bedenk' Er nur, wie schön das ist!
Verleger, wohlgezogen,
Bezahlen oft, zu dieser Frist,
Mit Louisd'or den Bogen.

Wächst nun im zehnten sauern Jahr
Zehn Bogen stark Sein Bändchen,
So schnappt Er ja an Trankgeld bar
Zehn Blinde, ohne Rändchen.

Das heißt doch nicht für Katzendreck
Sich müd' und lahm kasteien.
Soll denn so viel gebratner Speck
Umsonst ins Maul ihm schneiden?

Herr Ugolino6 muß doch auch,
Nebst Weib und Kind und Gästen,
Nach altem hergebrachten Brauch
Von unserm Hirn sich mästen.

Steht der gelahrte Fakultist
Dagegen doch viel kahler.
Dem setzt es kaum, wenn's köstlich ist,
Zwei Gulden oder Thaler

Drob ärgern sich nun freilich baß
Die Herren Fakultisten,
Und sticheln Ihm ohn' Unterlaß
Brav auf die Belletristen.

Manch Herr Professor kriegte schon
Vor Kummer graue Haare,
Daß mehr jetzt gilt ein Agathon,
Als Fakultäten-Ware.

Der Ruhm hat freilich große Last
In diesem Jammerleben,
Wie du davon zum Sprechen hast
Ein Konterfei gegeben.

Doch nach dem Tode geht's erst an!
Denn auch bei den Tongusen,
Nach tausend Jahren, ehret man,
So Gott will! unsre Musen.

Dort illustriert man fein aus uns
Antiquitäten-Listen.
Uns liest manch hochberühmter Duns
Gelahrter Humanisten;

Die jetzt aus ihrem Bücherschrein
Verächtlich uns verschieben,
Weil wir nicht griechisch und Latein
Und nicht arabisch schrieben.

Dort preist man unsre Opera
Durch Kommentationen,
Inaugural-Programmata
Und Dissertationen.

Schon hör' ich Krittler-Mordgeschrei
In meinem stillen Grabe:
Der die Lenore doch wohl sei?
Ob sie gelebet habe?

Man bringt, bald chrestomathice
Und winzig klein in nucem,
Bald kommentiert cum Indice
In Folio ad lucem.

Wie schön, wenn Knaben, jung und alt,
In jenen goldnen Tagen,
Zur Schul', in Riemen eingeschnallt,
Mich alten Knaster tragen!

Aus mir Vokabeln wohlgemut
Und Phrases memorieren,
Um mich so recht in Saft und Blut,
Vt ajunt, zu vertieren?

Und gehts nicht mit der Lektion
Und mit dem Exponieren,
Dann wirds gar schlecht im Hause stohn. -
Der Junker muß karieren! -

Sieh, was die Reimerei beschert,
Die Du vermaledeiet!
Das ist doch wohl der Federn wert,
Die man darum zerkäuet? -

Nur Eine Angst vergällt den Ruhm,
Den ich mir phantasiere,
Daß einst nicht, wie Horatium,
Mich Hans und Kunz vertiere.

 

An Friedrich Leopold Grafen zu Stolberg.

                        Daimonie

Fritz, Fritz! Bei den Unsterblichen, die hold
Auch meinem Leben sind! -Sie zeugen mir! -
Sieh, angesichts der Ritter unsers Volks
Und ihrer losen Knappen, schreitest du
Zu Trutz, mit Wehr und Waffen, in mein Feld,
Und wirfst den Fehdehandschuh vor mich hin.
Ha Schauerte nun auch die Menschlichkeit,
Wie Hektorn vor dem Ajax; und Achill,
Vor dir mich an; hüb' ich ihn doch empor.
Bei Gott! Bei Gott! Du Trotziger, ich muß! -
So gelt' es dann! Sieg gelt' es, oder Tod! -
Denn wisse! Keinem Knaben sprichst du Hohn,
Der seine ersten Waffen schwankend prüft.
Straff sind die Sehnen meiner Jugendkraft;
Ich bin gewandt zu ringen; meinem Arm
Ist Phöbus goldnes Schwert ein Halmenspiel;
Des Fernhintreffers Silberbogen weiß
Ich wohl zu spannen; treffe scharf das Ziel;
Mein Köcher rasselt goldner Pfeile voll - -
Wer mag einher in meiner Rüstung gehn? -
Es gelte, Fritz! Sieg gelt' es, oder Tod!
Du! Huldigt dir Gesang und Sprach' allein?
Und waltet nicht des Mäoniden Geist
Auch über meinem Haupt? Ich rang mit ihm,
Die Herkuls Kraft mit Anteus Zauber rang.
Bezwang ich ihn nicht oben in der Luft? -
Ich komm', ich komme dir! Denn ehren mag
Ein solcher Widersacher das Gefecht.
Wie wird des Sieges Blume meinen Kranz
Verherrlichen! - Und gäbe mich der Rat
Der Himmelsherrscher dir auch unterthan;
So könnt' ich doch von keiner edlern Hand,
Als deiner sterben, edler, starker Held!
Auf rüste dich! Sieg gilt es oder Tod!

 

          Antwort an Gottfried August Bürger.

     Ê men emarnasthên eridos peri thymoboroio
     Êd aut en philotêti dietmagen arthmêsante.

Diese Helden kämpften aus heißer Begierde des Ruhmes,
Und dann schieden sie wieder mit Freundschaft  auseinander.
Homer. Ilias 7.

Fried' und Freude dem Sänger zuvor, und traulichen Handschlag!
Sieh, ich habe dein Zürnen vernommen am fernen Gestade,
Hörte den Flügelschlag deines Gesangs; melodische Stürme
Deiner Leier erhuben ihn hoch; ein Riesenadler
Steht er vor mir, mit dräuender Klaue, mit rüstigem Fittich;
Und schon zürnt' ich entgegen. Da faßte mich Pallas Athänä
Bei den goldnen Locken; ich wandte mich sträubend; mein Auge
Staunte zurück, vom Blitze der göttlichen Augen getroffen.
Sieh, ich bebte nicht dir; ich bebte der furchtbaren Göttin.
Sie verschwand; da war mir, als atmet' ich liebliche Düfte,
Läg' am blumigen Hange des Helikon, unter der Kühlung
Wehender Schatten, an Aganippens Silbergesäusel.
Nun erwacht' ich, und zürnte nun wieder, und griff zu der Leier.
Aber es hatte die jüngste der Musen die Leier umstimmet,
Das sie nicht tönte, wie sonst, wie Donner, wie Stimmen der Meere,
Sondern wie Lispel des schwankenden Schilfes, wie zärtliche Klagen
Junger Nachtigallen auf blühenden Zweigen der Myrten.
Und mir kehrte die Weisheit zurück; sie pflückte den Ölzweig,
Den ich dir reiche; sie redet durch mich; vernimm und sei weise!

Siehe, zwar kränzen uns Locken der Jugend, doch rauschet der Lorbeer
Über den Locken; es kühlt die Palme den Schweiß an der Stirne.
Früh betraten wir beide den Pfad des ewigen Ruhmes,
Früh erreichten wir beide das Ziel. Auf trotzenden Felsen
Stehn wir, und lächeln entgegen dem Strome der kommenden Zeiten.
Her besuchen uns oft Kronions liebliche Töchter,
Lehren uns oft die eigne Leier beseelen, und bringen
Oft herab vom Olymp die Harfe des Mäoniden.
Laß uns beide das heilige Lied des göttlichen Greisen,
Unserm Volke singen; wir lieben den Göttlichen Beide!

Freund, gehabe dich; wohl! Ich kenne die rufende Stimme,
Höre wiehern die feurigen Ross' am flammenden Wagen;
Siehe, mir winket die Mus'; ich folge der winkenden Göttin!

 

      Prolog zu Sprickmanns Eulalia
           auf einem Privattheater.

Darf, Edle, die ihr hier versammelt seid,
Darf auch des Schauspiels Muse den Kristall,
Worin sie alles, was von Anbeginn
Der Erbe unter Sonn, und Mond geschah,
Lebendig darstellt, darf die Muse wohl
Den Zauberspiegel, düstrer Scenen voll,
Euch vor das Antlitz halten, daß vor Schreck
Die Knie' euch wanken, daß von bitterm Schmerz
Die Busen schwellen und von Thränen Euch
Die Augen übergehn? - Ergötztet ihr
Nicht lieber euch am lächerlichen Tand
Der Thorheit? Oder an dem heitern Glück,
Womit am Schluß, des drolligen Romans
Die Lieb' ein leicht genecktes Paar belohnt? -

Vielleicht! - Vielleicht behagt' es euch auch wohl,
Ein schönes, keusches, liebetreues Weib,
Umlagert von der schnöden Wollust Brut,
In einen sauern Kampf verstrickt zu sehn.
Ihr nähmet teil an ihrer Angst und Not;
Ihr zittertet und weintet bald mit ihr;
Bald zöget ihr, mit rascherm Odemzug,
Den Mut zu überwinden mit ihr ein.
Doch müßt' auch dann am Ende Heil und Sieg
Die Brut zerschmettern, und den Kranz,
Den schönen Kranz um ihre Scheitel ziehn,
Woran ihr Recht bewährte Tugend hat;
Doch müßt' auch dann des Friedens sanfte Ruh
Die Wunden heilen, die der Kampf ihr schlug;
Und nicht das arme, keusche, treue Weib
Ihr Heil, - o Gott, ihr eines letztes Heil! -
Gezwungen sein zu suchen - in der Gruft! -
Wohl ist ein edles herrliches Gefühl,
Das solche Wünsch' in euern Herzen zeugt.
Allein auf Erden kämpft nicht immerdar
Die Tugend, wie der Edle wünscht. Ach! oft
Ist nichts Geringers, als das Leben selbst,
Das Lösegeld für den erhabnen Sieg.
Der Lorbeerzweig, nach dem sie blutend rang,
Flicht sich zur Totenkron' auf ihren Sarg. -

Doch dann auch mag's euch frommen, diesen Kampf,
Den blutigen, den Todeskampf zu sehn;
Zu sehen, wie von allen Seiten her
Die Büberei mit Netzen sie umstellt;
Zu sehn, wie nirgends eine Freistatt ihr,
Als unter ihr das Grab nur, offen steht;
Und ach! zu sehn, wie sie hinunterstürzt
Und ihre Himmelsperle mit sich nimmt. -
Mag das Entsetzen doch euch dann beim Haar
Ergreifen und zerschütteln! Mag doch Schmerz
Durch eure Busen fahren, wie ein Schwert!
Und mögen eure Augen doch in Flut,
In heißer Thränenflut des Mitleids glühn! -
Wird's euch doch frommen zur Bewunderung,
Zu hoher heiliger Bewunderung
Der Heldin, welche Blut für Tugend gab.
Gedeihn wird's euch vielleicht zu gleichem Mut;
Zu Zorn und Abscheu gegen Bubenstück
Und Tyrannei. Zur Weisheit muß es euch
Gedeihen, daß der Tugend Kranz nicht stets
Auf Erden blüht. Zur Warnung, daß ihr nie
Euch gegen Den empören sollt, der tief
In des geheimen Heiligtumes Nacht
Die richterliche Wage hält, und oft
Der Tugend Schmerz, und oft dem Laster Luft,
Zwar unbegreiflich, aber doch gerecht
Und weise, in den Schoß herunter wägt.

 

                 Der kluge Held.

Tags vor der Schlacht gerät ein junger Held
In allerlei bedenkliche Bewegung;
Nimmt dies und das in ernste Überlegung
Und bringt heraus: Dein bißchen Löhnungsgeld
Und Lumpenruhm, mein guter König,
Reizt wahrlich unsereinen wenig,
Daß er dafür im Mordgemetzel fällt! -
Als er kaum fertig ist mit Grübeln,
Läuft er zum Chef: »Sie werdens nicht verübeln,
Daß ich, zu meinem bittersten Verdruß,
Gerade jetzt um Urlaub bitten muß.
Denn ach! mein Vater liegt an Todesenden nieder,
So schreibt man mir; ich seh' ihn sonst nicht wieder;
Und ihn verlangt nach mir und meinem letzten Gruß;
O gönnen Sie mir seinen Abschiedskuß!« -

»Sehr wohl! versetzt der Chef, und lächelt vor sich nieder;
Reis' hurtig ab, mein Sohn! Denn nach der Bibel muß
Dein Vater nach Gebühr von dir geehret werden,
Auf daß dirs wohlergeh' und du lang' leb'st auf Erden.«

 

              Der arme Dichter.

Ein Dichter, rund und seist bei Leibe,
Mit einem Antlitz, lang wie breit,
Und glänzend, wie des Vollmonds Scheibe,
Sprach einst von seiner Dürftigkeit,
Und schimpfte brav auf teure Zeit.

»Das thun Sie bloß zum Zeitvertreibe,
Rief einer aus der Compagnie;
Denn dies Gedeihn an Ihrem werten Leibe,
Und Ihr Gesicht, die schöne Vollmondsscheibe,
Herr Kläger, zeugen wider Sie!« -

»Das hat sich wohl! seufzt der Poet geduldig.
Doch, Gott gesegn' ihn! meinen Bauch -
Sanft strich er ihn - und diesen Vollmond auch
Bin ich dem Speisewirt noch schuldig.«

 

                        Prometheus.

Prometheus hatte kaum herab in Erdennacht
Den Quell des Lichts, der Wärm' und alles Lebens,
Das Feuer, von Olymp gebracht;
Sieh, da verbrannte sich - denn Warnen war vergebens-
Manch dummes Jüngelchen die Faust aus Unbedacht.
Mein Gott! Was für Geschrei erhuben
Nicht da so manches dummen Buben
Erzdummer Papa,
Erzdumme Mama,
Erzdumme Leibs- und Seelenamme!
Welch Gänsegeschnatter die Klerisei,
Welch Truthahnsgekoller die Polizei! -

Ist's weise, daß man dich verdamme,
Gebenedeite Gottesflamme,
Allfreie Denk- und Druckerei?

 

        Die Schatzgräber.

Ein Winzer, der am Tode lag,
Rief seine Kinder an und sprach:
»In unserm Weinberg liegt ein Schatz,
Grabt nur darnach!« - »An welchem Platz?« -
Schrie altes laut den Vater an.
»Grabt nur!« - O weh! da starb der Mann.

Kaum war der Alte beigeschafft,
So grub man nach aus Leibeskraft.
Mit Hacke, Karst und Spaden ward
Der Weinberg um und um gescharrt.
Da war kein Kloß, der ruhig blieb;
Man warf die Erde gar durchs Sieb,
Und zog die Harken kreuz und quer
Nach jedem Steinchen hin und her.
Allein da ward kein Schatz verspürt
Und jeder hielt sich angeführt.

Doch kaum erschien das nächste Jahr,
So nahm man mit Erstaunen wahr,
Daß jede Rebe dreifach trug.
Das wurden erst die Söhne klug,
Und gruben nun Jahr ein Jahr aus
Des Schatzes immer mehr heraus.

 

                  Die beiden Maler.

Zum Zeuxis prahlt' einst Agatharch, ein kleiner,
Fixfingriger, behender Pinselmann:
»So schnell, wie ich, malt wohl so leicht nicht Einer!« -
»Und ich, hub Zeuxis ruhig an,
Ich rühme mich, daß; ich so langsam malen kann !« -
Und Fingerfix nennt jetzt fast keiner;
Den Zeuxis noch fast Jedermann.

 

           Der Maulwurf und der Gärtner.

Ein Maulwurf verwüstete die schön geebneten Blu-
menfelder durch seinen Aufwurf, stürzte die Gewäch-
se und entblößte ihre Wurzeln, daß sie an der Sonne
verwelkten.

Voll Ingrimms erblickte das der Gärtner und stellte
sich mit erhobenem Spaden auf die Lauer. Risch stach
er zu, als Jener eben sich regte und hob ihn heraus
aufs Harte. »Nun sollst du mir auch des Todes sterben,
Garten-Verwüster!«

»Gnade! flehte der Maulwurf, da ich dir doch sonst
nicht unnütz bin. Ich vertilge die Regenmaden und
manches Ungeziefer, das deine Pflanzungen verwüstet.«

»Hole dich der Henker, versetzte der Gärtner, wenn
du Tugend mit Untugend aufwiegst!« und schlug ihn
ohne weitern Prozeß tot.

 

     Aufgegebene Liebeserklärung an Sophien, nach
     vorgeschriebenen Endreimen, am 21. Nov. 1784.

Im Herzen, wie am Geist, längst dumpf, und stumpf, wie - Blei,
Wähnt' ich - ein schlechtes Ziel! - vor Amors Pfeil mich - frei.
Bekannt mit meinem Wert, an Leib und Seele - Fratze,
Frißt, dacht' ich, wie ich bin, mich weder Hund noch - Katze.
Ich würgt' an Vers und Reim, als steckt' im Hals ein - Pflock,
Und langsam schlich mein Witz, wie Aarons Sünden - Bock.
Da, Fiekchen, tratst du auf, an Kraft ein Lebens - ,
Bewegtest zum Bimbam der Zunge trägen - Schwengel.
Nun, däucht mir, komm' ich faßt von neuem in den - Schuß.
Ganz fraß vielleicht der Wurm mich nicht zur tauben - Nuß.
Ha! tränktest du mich nun mit deiner Liebe - Sprudel,
So lernt' ich dein Apport noch wie der jüngste - Pudel.
Dir spräng' ich übern Stock und tanzt' im bunten - Frack,
Als Äffchen oder Bär, zum polnschen Dudel - Sack.

 

Als Elise sich ohne Lebewohl entfernt hatte.

Göttingen am 22. Nov. 1784. Morgens um 9 Uhr.

Frisch, Bürger, frisch zusammen dich genommen,
Und rüstig vorwärts stets von hier
Im Ozean der Zeiten fortgeschwommen! -
Sie ist nicht fort, das glaube mir! -
Steh nicht so düster, so beklommen,
Nicht so an Hoffnung, Mut und Lebenskraft verglommen!
Sie wird gewiß noch irgendwo zu dir,
Du wirst gewiß noch irgendwo zu Ihr,
Auf einem Freudenfest der Edlen und der Frommen,
Wer weiß an welcher Quelle, kommen.
Im Engelston gebot Sie dir:
»Steh nicht so düster, so beklommen!« -
Sie ist nicht fort, das glaube mir!
Denn - Abschied hat sie nicht genommen.

 

            Schnick und Schnack.

Verbreite du vor Hack und Mack
Den Duft der besten Thaten!
Kaum wird Frau Schnick und kaum Herr Schnack
Ihn merken und verraten.

Mach' aber Einen schwachen Streich -
Wer kann dem immer wehren? -
Ganz heimlich! - O so wirst du gleich
Dein blaues Wunder hören!

Umsonst, umsonst bemühst du dich,
Ihn halb nur zu verstecken.
Vom Liebesmantel findet sich
Kein Läppchen, ihn zu decken.

Beging'st du ihn im Keller gleich,
Tief in der Nacht der Erde:
Hervor muß er, der matte Streich,
Daß er beschnickschnackt werde!

Du fragst umsonst: Wie hat das Pack
Das bißchen Streich erfahren? -
Auch Klag' und Fluch auf Schnick und Schnack
Kannst du gemächlich sparen.

Sie borgen dann die List vom Fuchs;
Vom Spürhund ihre Nasen;
Die gluhen Augen von dem Luchs;
Die Ohren von dem Hasen.

Und spüren und verschonen nie,
Nicht Bruder, Schwester, Base.
Wie Galgenraben: schwärmen sie
Am liebsten nach dem Aase.

 

               Keine Witwe!

Es will mir nicht und will nicht ein,
Mir eine Witwe anzufrein.
Ich könnt' es nimmermehr verdauen,
Den ganzen Tag, Jahr aus Jahr ein,
Das Lob des Seligen zu kauen.
Zur Sicherheit vor solcher Qual
Schritt' ich zu keiner Witwenwahl,
Wo nicht vor allem andern Dingen
Der selige Herr Ehgemahl
Am hohen lichten Galgen hingen.

 

              Prognostikon

Vor Feuersglut, vor Wassersnot
Mag sicher fort der Erdball rücken.
Wenn noch ein Untergang ihm droht
So wird er in Papier ersticken.

 

Auf einen litterarischen Händelsucher

Ich? Gegen ihn vom Leder ziehn? -
Dabei gewönn' er; ich verlöre!
Denn meine Fuchtel adelt' ihn,
Sie aber käm' um ihre Ehre.

 

Gänsegeschrei und Gänsekiele

Ihr dummer Kikak rettet' einst
Roms Kapitolium;
Doch ihr Kiele nun
Die sieben Hügel um.

 

Bewunderung über die allezeit Fertigen

Mein Gott! Wie macht's wohl mancher Mann,
Der jeden Quark beverseln kann
So viel Gedanken aufzujagen? -
Gedanken? - Worte wollt' ich sagen.

 

            An Stentor unter der Predigt

Freund, deine Predigt gleicht dem Heerposaunenschalle,
Dem Jericho erlag, durch ihren Wunderlaut.
Denn bald zerreißt von ihrem Donnerhalle -
O Gotteskraft! - des Ohres Trommelhaut.
Doch, soll das End' auch noch Hörers Beifall lohnen,
So mußt du seiner Ohren schonen.

 

Herr von Gänsewitz zum Kammerdiener

Befehlt doch draußen, still zu bleiben!
Ich muß itzt meinen Namen schreiben.

 

                      Ein Casus Anatomicus

Der Kaufmann Harpax starb; sein Leichnam ward spazieren;
Und als man überall dem Übel nachgespüret,
So kam man auch aufs Herz, und flieh! er hatte keins:
Da, wo sonst dieses schlägt, fand man das, Einmaleins.

 

          Der Edelmann und der Bauer

»Das schwör' ich dir, bei meinem hohen Namen
Mein guter Klaus ich bin aus altem Samen!«
»Das ist nicht gut, erwidert Klaus,
Oft artet alter Samen aus.«

 

An die blinde Virtuosin Mademoiselle Paradies.

Sein Schicksal werde nicht gescholten!
Zwar raubts dir Phöbus goldnen Strahl:
Doch hat dir diesen tausendmal
Sein goldnes Saitenspiel vergolten.

 

         An die Nymphe zu Mainberg.

Preis Nymphe dir! Dein! Kraftquell sieget oft,
Wann Außenglut den derben Bau umlodert.
Doch tröste Gott den Hausherr, der noch hofft,
Sobald der Kern in Schwell' und Ständer modert.

 

                  Der dunkle Dichter.

Sanct Lykophron baut SchöppenstädtsPalast,
Doch keine Fenster drein.
Abhelflich trägt das Licht sein Scholiast
Im Sack hinein

 

                   Einladung.

Seid doch einmal mein Gast, Herr Plitt!
Schon bitt' ich euch zu hundert Malen.
Bringt ihr etwa euer Essen mit,
So sollt ihr nur den Wein bezahlen.

 

             Kritik betreffend.

Verdammt er mein Gedicht mit Recht,
So hilft wahrhaftig kein Vertreten;
Doch urtelt Meister Krittler schlecht,
So ist warhaftig nicht vonnöten;
Drum würd' ich nie, schlecht oder recht,
Eins von dem Kritiker vertreten.

 

                     Trost.

Wenn dich die Lästerzunge sticht,
So laß dir dies zum Troste sagen:
Die schlechtsten Früchte sind es nicht,
Woran die Wespen nagen.

 

           An die Splitterrichter.

Das freut mich doch, ihr Herren Falken,
Die ihr, Gott weiß warum? erbost,
So gern auf meine Fehler stoßt,
Daß ihr nichts mehr erstoßt, ihr Falken,
Als Splitter nur von euern Balken.

 

             An einen Sittenkrittler.

Kein Herz gibt dir mehr Stoff zum Sprechen,
Keins zu Kritiken mehr, als meins.
Gern wollt' ich mich an deinem rächen,
O Krittler, hättest du nur eins.

 

                   Vollkommener Ernst.

Sprich, junger Mann, o sprich, was dich bewegt,
Nach schnödem Dichterruhm dich atemlos zu laufen?
Ha, diesen Dorn, den ach! mein Wohlsein in sich trägt,
Den Satans-Engel, der mein Glück mit Fäusten schlägt,
Wollt' ich - o könnt' ich nur! - spottwohlfeil dir verkaufen.

 

Als das Obige für Versündigung erklärt wurde.

Ich schelte nicht die edle Gabe,
Die ich von Gott empfangen habe.
Die Gabe hat mir Heil gewährt,
Allein ihr Ruhm oft Fluch beschert.

 

                       Bettelstolz.

Es gibt der bettelstolzen Hachen,
Die mehr aus ärmlicher Kathedertheorei,
Als aus Homers Gesang, Amphions Melodei
Und jedem Götterwerk der Muse selber machen.
Sprich, Menschensinn, und sag es laut den Hachen,
Daß diesem Wahnsinn ganz der Wahnsinn ähnlich sei:
Aus dem Compendio der Anthropologei,
Das ein Professor schreibt, für seine Klerisei,
Mehr als aus Gottes Werk, dem Menschen selbst, zu machen.

 

                          Mannstrotz.

So lang' ein edler Biedermann
Mit einem Glied sein Brot verdienen kann,
So lange schäm' er sich nach Gnadenbrot zu lungern!
Doch thut ihm endlich keins mehr gut:
So hab' er Stolz genug und Mut,
Sich aus der Welt hinaus zu hungern.

 

Mittel gegen den Hochmut der Großen.

Viel Klagen hör' ich oft erheben
Vom Hochmut, den der Große übt.
Der Großen Hochmut wird sich geben,
Wenn unsre Kriecherei sich gibt.

 

         Advokatenprahlerei.

Was fragt, Triumph im Angesicht:
Wer hat an Händeln mehr gewonnen,
Als ich, vor Stadt- und Landgericht?
Ganz recht! Genug hat er gewonnen;
Denn sein Klient gewann es nicht.

 

       Aruspex und Professor.

Wie ein Aruspex dem Kollegen
Ohn' aufzulachen, einst entgegen
Mit Ernst zu treten fähig war,
Schien, Tullius, dir wunderbar.
Ein größres Wunder fast wär's unter uns zu nennen,
Wie's manche Professoren können.

 

           Auf das Adeln der Gelehrten.

Mit einem Adelsbrief muß nie der ächte Sohn
Minervens und Apolls begnadigt heißen sollen.
Denn edel sind der Götter Söhne schon,
Die muß kein Fürst erst adeln wollen.

 

                            Gute Werke.

An Glauben und Vertraun, mein guter Musensohn,
Scheints dir wohl nicht zu fehlen, wie ich merke:
Doch wisse du, Apolls Religion
Schenkt dir die Glaubenspflicht und dringt auf gute Werke.

 

                     Bullius.

Das zwischen manchem wilden Haufen
Sich Bullius, der Adlermann,
An Hörnern endlich abgelaufen,
Das läuft sein Weib ihm wieder an,

 

                  Liebeschwur.

Flox zu den Füßen seiner Schönen
Schwört mit Verzuckungen und Thränen:
Aus Liebe sei er jederzeit
Mit Leib und Leben ihr bereit!
Nur kann er, trotz dem Wunsch der Schönen,
Des Schnupftobacks sich nicht entwöhnen.

 

                     Frage

Wie? Sollt' es denn nicht besser lassen,
Ein schönes Bild im Musenhain,
Als Pfahl nur, oder Pflasterstein,
Kaum gut genug für Zäun' und Gassen
In dieser besten Welt zu sein?

 

An Klopstock, den Dichter, und Lessing, den Kunstrichter

Mich wärmte der Gedank an Fürsten, die
Nichts, als geborne Fürsten sind, noch nie.
Doch dacht ich euch, ihr Edeln, dann entschwoll
Mein Herz, des süßen Vaterlandes voll.
Drum weiht ich euch - weg kalter Fürstendank! -
Des Mäoniden ewigen Gesang.



               An Madame B. geb. M.

Sehn, geliebte Freundin, und wiedersehn das Werthe
Auf der verworrenen Bahn, welche das Leben durchkreuzt,
Das sind Blüten des Glücks, die jedem Waller nicht blühen;
Dennoch welken sie auch, ähnlich den Blüten des Mai's.
Lieblich haben sie dir und mir drei Tage geduftet;
Morgen fallen sie welk ab von der werdenden Frucht.
Wiedererinnerung heißt die Frucht, die ihnen entkeimet,
Säuerlich Anfangs noch, süßer in Reife dereinst.
Reich' o Phantasie, die Frucht dem durstenden Herzen
Auf der ermüdenden Bahn, welche das Leben durchkreuzt,
Reiche sie reif und süß im Weidenkörbchen, durchflochten
Mit Vergißmeinnicht, kummerverlächelnd ihm dar!




           An Molly

O Molly, welcher Talisman
Hilft alle Herzen dir gewinnen?
Zwar kennen ihn die Huldgöttinnen,
Allein sie geben ihn nicht an.

Käm' uns Homer zurück in's Leben
Und fühlte diesen Drang und Zug,
Er würd' ihn schuld dem Gürtel geben,
Den Venus um den Busen trug.

Weißt du, was er davon gesungen
Darein war alle Zauberei
Der Liebe, Lächeln, Schmeichelei
Und sanfter Taubensinn verschlungen;

War Witz verwebt, von Güt' erzeugt,
Und ah! das süße Huldgekose,
Das, gleich dem milden Oel der Rose,
Sogar des Weisen Herz beschleicht.

Nicht Jugendreiz, der bald verblühet,
Es ist die ewige Magie
Des Gürtels, den dir Venus lieh,
Der so die Herzen an sich ziehet!

Und noch im Herbste werden die
Für dich, wie jetzt im Lenze, lodern
Und sehnend Lieb' um Liebe fodern;
Denn Huldgöttinnen altern nie.



             An Reinhard

Stell' auf dein Kunstwerk fest und gut
Für's weise Publikum, mein Lieber,
Und fürchte nicht die Kollerwuth
Von meinem Recensentenfieber.



               An das Herz
                    Sonett

Lange schon in manchem Sturm' und Drange
Wandeln meine Füße durch die Welt.
Bald den Lebensmüden beigesellt,
Ruh ich aus von meinem Pilgergange.

Leise sinkend faltet sich die Wange;
Jede meiner Blüten welkt und fällt.
Herz, ich muß dich fragen: Was erhält
Dich in Kraft und Fülle noch so lange?

Trotz der Zeit Despoten-Allgewalt,
Fährst du fort, wie in des Lenzes Tagen,
Liebend wie die Nachtigall zu schlagen.

Aber ach! Aurora hört es kalt,
Was ihr Tithons Lippen Holdes sagen. -
Herz, ich wollte, du auch würdest alt!



                An den Apollo
  Zur Vermählung meines Freundes, des Herrn
  Doctor Althof, mit der Demoiselle Kuchel.
  Am 17. Mai 1789.

Gott der goldnen Leier, gib, daß heut
Meiner Brust ein schönes Lied entschalle,
Das durch Wahrheit und durch Herzlichkeit
Deinen edeln Enkeln wohlgefalle!
Alles, was uns deine Gottheit gab,
Hat ein Recht an unsern Huldigungen,
Und der Menschenhelfer Aesculap
Ist aus deiner Vaterkraft entsprungen.

Du vertrautest ihm die Wissenschaft,
Die dein hoher, heller Geist erfunden,
Aller irdischen Naturen Kraft
Zu dem Heil der Menschen auszukunden.
Deine hochgebenedeite Kunst
Ward den Hippokraten und Galenen.
Dieser achtet deiner Musen Gunst
Werth, vor tausend Wissern zu bekrönen.

Wohlgerüstet geißelt ihre Hand
Unsers Leibes Furien von dannen;
Darum sind sie auch mit uns verwandt,
Deren Lieder Seelengeier bannen.
Unter allen, die vom Anbeginn
Sich zu deinem Götterstamm bekannten,
Blicken wir mit brüderlichem Sinn
Ehrend auf die edeln Mitverwandten.

Sie auch, großer Ahnherr, sind noch nicht
Von uns abgefallen und entartet;
Plunderweisheit hat ihr Angesicht
Nicht also berußt und lang bebartet,
So sie nicht des reinern Sinns beraubt,
So noch nicht entwöhnt von deinem Schönen,
Daß sie dünkelhaft dein goldnes Haupt,
Deine glatten Jugendreize höhnen.

Ihrer Besten viele lockten gern
Selbst aus deinen Saiten süße Klänge.
Herrlich strahlt, ein großer schöner Stern,
Haller, durch unsterbliche Gesänge.
O, ich könnt' ein langes Feierlied
Von den größten deiner Enkel singen,
Die mit Flammeneifer sich bemüht,
Deines Kranzes Ehren zu erringen.

Tausend nennte leicht noch mein Gesang,
Tausend Derer, so die Leier ehrten
Und auf ihren segenreichen Klang
Mit des Herzens stummer Wonne hörten.
Drum erleuchtet sie auch die Vernunft,
Darum adelt sie auch deine Gnade;
Süßer träuft in keiner Bärtlerzunft
Lipp' und Kiel vom Honigseim der Suade.

Einer aber bliebe nicht mit Recht
Heut in deines Sängers Brust verschlossen.
Einen Mann, aus Aesculap's Geschlecht
So zur Ehre wie zum Glück entsprossen,
Einen Derer, welche hoch und kühn
Zu des Harfners Freuden sich bekennen,
Diesen Einen, Vater, laß mich ihm
Laut aus meines Herzens Fülle nennen.

Daß du mild ihn segnest, nenn' ich dir
Meines Althof's lieben, theuren Namen.
Dieser rühmt sich brüderlich mit mir,
Geisterfürst, aus deinem Göttersamen.
Mir entgegen wallt sein Bruderherz,
Mir im Trauer- wie im Freudenkleide.
Balsam gießt er oft mir in den Schmerz,
Würze streuet er in meine Freude.

Sieh, der Freundliche bekränzet heut
Mit der Liebe Myrte seine Haare.
Wunsch und Ahnung hoher Seligkeit
Tanzen vor ihm hin zum Weihaltare.
Ihn begleitet eine süße Braut,
Die sein Herz vor Allen auserkoren.
Ihre stummsten Blicke sagen laut,
Er, nur er sei ihr auch angeboren.

Liebe, Treu' und holde Sittlichkeit
Gehn als Führerinnen ihr zur Seite.
Alle Tugenden der Häuslichkeit
Geben seiner Trauten das Geleite.
Frommer Wille nimmt voran den Flug;
Ihn begleitet Kraft mit vollem Köcher.
Gott und Göttin aus dem ganzen Zug
Zeigen blinkend ihm der Freude Becher. –

Hymen, Phöbus, stammet auch von dir;
Auf! Gebiete deinem schönsten Sohne,
Daß er diesen wackern Bruder mir
Mit der Fülle seines Segens lohne!
Ihn, der wie ein Held mit Schwert und Speer
Tausend Erdenleiden niederstreitet!
Wer verdient der Freude Becher mehr
Als der Mann, der Andern ihn bereitet?




        An die kalten Vernünftler

Ich hab' was Liebes, das hab' ich zu lieb;
Was kann ich, was kann ich dafür?
Drum sind mir die kalten Vernünftler nicht hold;
Doch spinn' ich ja leider nicht Seide noch Gold,
Ich spinne nur Herzeleid mir.

Auch mich hat was Liebes im Herzen zu lieb;
Was kann es für's liebende Herz?
Auch ihm sind die kalten Vernünftler nicht hold;
Doch spinnt es ja leider nicht Seite noch Gold,
Es spinnt sich nur Elend und Schmerz.

Wir seufzen und sehnen, wir schmachten uns nach,
Wir sehnen und seufzen uns krank.
Die kalten Vernünftler verargen uns das;
Sie reden, sie thun uns bald Dies und bald Das
Und schmieden uns Fessel und Zwang.

Wenn ihr für die Leiden der Liebe was könnt,
Vernünftler, so gönnen wir's euch.
Wenn wir es nicht können, so irr' es euch nicht!
Wir können, ach leider! wir können es nicht,
Nicht für das mogolische Reich!

Wir irren und quälen auch Andre ja nicht;
Wir quälen ja uns nur allein.
Drum, kalte Vernünftler, wir bitten euch sehr,
Drum laßt uns gewähren und quält uns nicht mehr,
O laßt uns gewähren allein!

Was dränget ihr euch um die Kranken herum
Und scheltet und schnarchet sie an?
Von Schelten und Schnarchen genesen sie nicht.
Man liebet ja Tugend, man übet ja Pflicht;
Doch Keiner thut mehr als er kann.

Die Sonne, sie leuchtet; sie schattet, die Nacht;
Hinab will der Bach, nicht hinan!
Der Sommerwind trocknet: der Regen macht naß;
Das Feuer verbrennet. – Wie hindert ihr Das? –
O laßt es gewähren, wie's kann!

Es hungert den Hunger, es dürstet den Durst;
Sie sterben von Nahrung entfernt.
Naturgang wendet kein Aber und Wenn. –
O kalte Vernünftler, wie zwinget ihr's denn,
Daß Liebe zu lieben verlernt?



            Bacchus

Hoch, dreimal höher als Apoll,
Soll Vater Bacchus leben!
Zehn Berge, dicht von Lorbeern voll
Gilt einererden mir voll Reben.

Um Phöbus steilen Helikon
Herrscht Noth in den Provinzen.
Er und ein Prinz vom Libanon,
Was sind sie? Bettelprinzen!

Gewiß gar kümmerlichen Sold
Erwirbt ihm seine Leier,
Wiewol er prahlt, sie sei von Gold
Und ganz entsetzlich theuer.

Ihm borgt auf diesen Kindertand
Kein Kluger einen Heller.
Ganz anders reizt ein Unterpfand
Aus Vater Evans Keller.

Zwar wissen wir, wie stolz Apoll
Mit Sang und Klang sich blähet,
Doch scheint's, daß sich auch Bacchus wol
Auf Sang und Klang verstehet.

Wie mag im Offnen am Parnaß
Sein Kammerton behagen?
Da sollte Bacchus' Juchhei baß
An's Ohr der Kenner schlagen.

Auf! Diesen laßt zum Schutzpatron
Des Helikons uns weihen;
Weit besser wird durch seinen Lohn
Die Dichterzunft gedeihen.

Vertilgt den alten Lorbeerhain!
Pflanzt Reben an die Stelle!
Das heidelberger Faß voll Wein
Rollt auf die Roßhuf-Quelle!

Alsdann wird unser neuer Staat
Der großen Welt gefallen;
Gern wird der Fürst und der Prälat
Zu unserm Berge wallen.

Man lebte ja nach altem Brauch
Bisher dort allzu nüchtern;
Drum blieben die neun Jungfern auch
Von je und je so schüchtern.

Ha! Zapften sie sich ihren Trank
Aus Bacchus' Nektartonnen,
Sie jagten Blödigkeit und Zwang
Ins Kloster zu den Nonnen.

Fürwahr! Sie ließen nicht mit Müh'
Zur kleinsten Gunst sich zwingen,
Und ungerufen würden sie
Uns in die Arme springen.



   Collin und Juliette

Im süßen Duft der Rosen
Lag Schäfer Collinet
Und machte seiner losen
Geliebten ein Bouquet
Und etwas anders noch –
Ich wag es nicht zu sagen –
Und etwas anders noch; –
Wer wird nach allem fragen?

Fein züchtig, wie es Sitte,
Sprach er mit ihr, allein
Bald mischte, als der Dritte,
Sich Cypripor darein;
Und etwas anders noch –
Ich wag es nicht zu sagen –
Und etwas anders noch; –
Wer wird nach allem fragen?

Ich fühle deine Nähe,
Du kleiner Göttersohn,
Dank, Amor! Dank – ich sehe,
Dein Zepter winkt mir schon,
Und etwas anders noch –
Ich wag es nicht zu sagen –
Und etwas anders noch; –
Wer wird nach allem fragen?

O Dank für diese Stunde!
Sie führet zum Genuß,
Verspricht von diesem Munde
Mir einen Wonnekuß
Und etwas anders noch –
Ich wag es nicht zu sagen –
Und etwas anders noch; –
Wer wird nach allem fragen?

So dacht er – naht dem Weibchen
Sich schnell – von Liebe warm,
Umfaßt das zarte Leibchen,
Den Alabasterarm,
Und etwas anders noch –
Ich wag es nicht zu sagen –
Und etwas anders noch; –
Wer wird nach allem fragen?

»Nimm diese Blumenkette!«
Rief er: – »ich flocht sie dir;
Doch dafür, Juliette,
Gewähr ein Mäulchen mir,
Und etwas anders noch –
Ich wag es nicht zu sagen –
Und etwas anders noch; –
Wer wird nach allem fragen?

Drauf legt er sie geschwinde
Auf weichen Rasen hin,
Berührt dem lieben Kinde
Das anmutsvolle Kinn,
Und etwas anders noch –
Ich wag es nicht zu sagen –
Und etwas anders noch; –
Wer wird nach allem fragen?

Sie widerstrebt, er ringet,
Siegt – eilet zum Genuß,
In Rosenlippen dringet
Ein feuervoller Kuß,
Und etwas anders noch –
Ich wag es nicht zu sagen –
Und etwas anders noch; –
Wer wird nach allem fragen?

»O Collin!« rief entzücket
Die schöne Schäferin:
»Wie hast du mich beglücket,
Ich fühle Wonnesinn,
Und etwas anders noch –
Ich wag es nicht zu sagen –
Und etwas anders noch; –
Wer wird nach allem fragen?

Ach! meine Augen brechen
Vor lauter Seligkeit;
Wie groß, nicht auszusprechen
Ist deine Zärtlichkeit,
Und etwas anders noch –
Ich wag es nicht zu sagen –
Und etwas anders noch; –
Wer wird nach allem fragen?

Des Schäfers banges Sehnen
Ist nun gestillt – es floß
Ein Strom von Freudentränen
In der Geliebten Schoß,
Und etwas anders noch –
Ich wag es nicht zu sagen –
Und etwas anders noch; –
Wer wird nach allem fragen?

Sie trieben Scherz und Possen,
Bis süßer Schlaf sie band,
Die Augen fest geschlossen,
Hielt eins des andern Hand,
Und etwas anders noch –
Ich wag es nicht zu sagen –
Und etwas anders noch; –
Wer wird nach allem fragen?



  Das Blümchen Wunderhold

Es blüht ein Blümchen irgendwo
In einem stillen Thal;
Das schmeichelt Aug' und Herz so froh
Wie Abendsonnenstrahl;
Das ist viel köstlicher als Gold,
Als Perl' und Diamant:
Drum wird es »Blümchen Wunderhold«
Mit gutem Fug genannt.

Wol sänge ich ein langes Lied
Von meines Blümchens Kraft,
Wie es am Leib und am Gemüth
So hohe Wunder schafft.
Was kein geheimes Elixir
Dir sonst gewähren kann,
Das leistet traun mein Blümchen dir!
Man säh' es ihm nicht an.

Wer Wunderhold im Busen hegt,
Wird wie ein Engel schön.
Das hab' ich, inniglich bewegt,
An Mann und Weib gesehn.
An Mann und Weib, alt oder jung,
Zieht's wie ein Talisman
Der schönsten Seelen Huldigung
Unwiderstehlich an.

Auf steifem Hals ein Strotzerhaupt,
Das über alle Höhn
Weit, weit hinauszuragen glaubt,
Läßt doch gewiß nicht schön.
Wenn irgend nun ein Rang, wenn Gold
Zu steif den Hals dir gab,
So schmeidigt ihn mein Wunderhold
Und biegt dein Haupt herab.

Es webet über dein Gesicht
Der Anmuth Rosenflor
Und zieht des Auges grellem Licht
Die Wimper mildernd vor.
Es theilt der Flöte weichen Klang
Des Schreiers Kehle mit
Und wandelt in Zephyrengang
Des Stürmers Poltertritt.

Der Laute gleicht des Menschen Herz,
Zu Sang und Klang gebaut;
Doch spielen sie oft Lust und Schmerz
Zu stürmisch und zu laut:
Der Schmerz, wann Ehre, Macht und Gold
Vor deinen Wünschen fliehn,
Und Lust, wann sie in deinen Sold
Mit Siegeskränzen ziehn.

O wie dann Wunderhold das Herz
So mild und lieblich stimmt!
Wie allgefällig Ernst und Scherz
In seinem Zauber schwimmt!
Wie man alsdann Nichts thut und spricht,
Drob Jemand zürnen kann!
Das macht, man trotzt und strotzet nicht
Und drängt sich nicht voran.

O wie man dann so wohlgemuth,
So friedlich lebet und webt!
Wie um das Lager, wo man ruht,
Der Schlaf so segnend schwebt!
Denn Wunderhold hält alles fern,
Was giftig beißt und sticht;
Und stäch' ein Molch auch noch so gern,
So kann und kann er nicht.

Ich sing', o Lieber, glaub' es mir
Nichts aus der Fabelwelt,
Wenngleich ein solches Wunder dir
Fast hart zu glauben fällt.
Mein Lied ist nur ein Widerschein
Der Himmelslieblichkeit,
Die Wunderhold auf groß und klein
In Thun und Wesen streut.

Ach! Hättest du nur Die gekannt,
Die einst mein Kleinod war –
Der Tod entriß sie meiner Hand
Hart hinterm Traualtar –,
Dann würdest du es ganz verstehn,
Was Wunderhold vermag,
Und in das Licht der Wahrheit sehn,
Wie in den hellen Tag.

Wol hundert Mal verdankt' ich ihr
Des Blümchens Segensflor.
Sanft schob sie's in den Busen mir
Zurück, wann ich's verlor.
Jetzt rafft ein Geist der Ungeduld
Es oft mir aus der Brust.
Erst wann ich büße meine Schuld,
Bereu' ich den Verlust.

O was des Blümchens Wunderkraft
Am Leib und am Gemüth
Ihr, meiner Holdin, einst verschafft,
Faßt nicht das längste Lied! –
Weil's mehr als Seide, Perl' und Gold
Der Schönheit Zier verleiht,
So nenn' ich's »Blümchen Wunderhold«.
Sonst heißt's – Bescheidenheit.



                Das Herz

Aufs Herz behaupten oft die Damen,
Ach! auf das Herz kommt alles an;
Das Herz vereinigt Weib und Mann,
Das Herz nur ist der Angel oder Hamen,
Wodurch man Lieb und Glück erfischen kann.
Doch was für einen Talisman
Verstehn wohl unter Herz die Damen?

So alles, wie man will, kommt ihnen nicht drauf an,
Mir dünket: Herz ist ihnen nur ein Namen
Für etwas, das durch Dorf und Stadt
Zwar Namen gnug, doch keinen hübschen hat.
Und so ist Herz der Eleganz zum Ruhme
Wohl weiter nichts als eine Redeblume.

Zwar hat einst Plato, wie bekannt,
Von Herzensbanden viel vernunftet,
Man hat ihm nachgelallt, doch nicht in Griechenland
Noch anderswo, so viel man fand
Hat man sich in der Tat so recht mit ihm verzunftet.
Man fand gar bald ins Liebesband
Sich mit Vernunft hineinstudieren
Heißt weiter nichts, als die Vernunft verlieren,
In Amors schöner Kunst verspricht
Nur die Natur den besten Unterricht.



             Der Entfernten

                   1. Sonett
O wie soll ich Kunde zu ihr bringen,
Kunde dieser ruhelosen Pein,
Von der Holden so getrennt zu sein,
Da Gefahren lauernd mich umringen?

Hüll ich, der Entfernten sie zu singen,
In den Flor der Heimlichkeit mich ein:
Ach! so achtet sie wohl schwerlich mein;
Und vergebens muß mein Lied verklingen.

Doch getrost! Zerriß nicht, als sie schied,
Laut ihr Schwur die Pause stummer Schmerzen:
»Mann, du wohnest ewig mir im Herzen«? -

Diesem Herzen brauchest du, o Lied,
Des Verhüllten Namen nicht zu nennen:
An der Stimme wird es ihn erkennen.

                    2. Sonett
Du mein Heil, mein Leben, meine Seele!
Süßes Wesen, von des Himmels Macht
Darum, dünkt mir, nur hervorgebracht,
Daß dich Liebe ganz mir anvermähle!

Welcher meiner todeswerten Fehle
Bannte mich in diesen Sklavenschacht,
Wo ich fern von dir, in öder Nacht,
Ohne Licht und Wärme mich zerquäle?

O warum entbehret mein Gesicht
Jenen Strahl aus deinem Himmelsauge,
Den ich dürftig nur im Geiste sauge?

Und die Lippe, welche singt und spricht,
Daß ich kaum ihr nachzulallen tauge,
O warum erquickt sie mich denn nicht?



     Der Liebekranke

Mir thut's so weh im Herzen!
Ich bin so matt und krank!
Ich schlafe nicht vor Schmerzen,
Mag Speise nicht und Trank;
Seh' Alles sich entfärben,
Was schön war rundumher.
Nichts, Molly, als zu sterben,
Nichts, Liebchen, wünsch' ich mehr.

Zwar könnte noch mich laben
Ein Kelch, der mir behagt;
Allein die Götter haben
Ihn meinem Durst versagt.
Wol fleh' ich, ihn zu stillen,
Vergebens dich und sie;
Denn tränk' ich auch nach Willen,
Ich stillt' ihn doch wol nie.

Drum laß mich vor den Wehen
Der ungestillten Lust
Zerschmelzen und vergehen,
Vergehn an deiner Brust!
Aus deinem süßen Munde
Laß saugen süßen Tod!
Denn, Herzchen, ich gesunde
Sonst nie von meiner Noth.



Der wohlgesinnte Liebhaber
             Volkslied

In Nebelduft und Nacht versank
Das Dörfchen und die Flur.
Kein Sternchen war mehr blink und blank,
Als Liebchens Äuglein nur.
Da tappt ich still mich hin zu ihr;
Warf Nüß ans Fensterlein;
Sie weht' im Hemdchen an die Tür,
Und ließ mich still hinein.

Husch! sie voran; husch! ich ihr nach,
Wie leichter Frühlingswest,
Hinauf zur Kammer unterm Dach,
Hinein ins warme Nest!
»Rück hin! Rück hin!« - »Ei, schönen Dank!« -
»O ja! O ja!« - »Nein, nein!« -
Mit Bitten halb und halb mit Zank
Schob ich mich doch hinein.

»Hinaus«, rief Liebchen schnell, »hinaus!
Hinaus aufs Schemelbrett!
Ich ließ dich Schelm wohl in das Haus,
Allein nicht in mein Bett.« -
»O Bett«, rief ich, »du Freudensaal,
Du Grab der Sehnsuchtspein!
Verwahrt' auch Eisen dich und Stahl,
So müßt ich doch hinein.« -

Drauf küßt ich sie, von heißer Lust
Durch Mark und Bein entbrannt,
Auf Stirn, auf Auge, Mund und Brust,
Und hielt sie fest umspannt. -
»Ach, Schelmchen, nichts zu arg gemacht,
Damit wir nichts bereun!
Du sollst auch wieder morgen nacht
Und alle Nacht herein.« - - -

Doch ach! noch war kein Monat voll,
Da merkte Liebchen klar,
Daß ihr es unterm Schürzchen wohl
Nicht allzu richtig war.
»O weh, du hast es arg gemacht!
Nun droht mir Schmach und Pein.
Ach, hätt ich nie erlebt die Nacht,
Da ich dich ließ herein!« -

Das Mädchen seiner Lieb und Lust
In Angst und Pein zu sehn,
Ist von der ärgsten Heidenbrust
Wohl schwerlich auszustehn.
Wer A gesagt, der sag' auch B,
C, D dann hintendrein,
Und buchstabiere bis in E -h'
Sich treu und brav hinein!

Ich nahm getrost, so wie sie war,
Mein Liebchen an die Hand,
Und gab ihr vor dem Traualtar
Der Weiber Ehrenstand.
Kaum war der Fehl gebenedeit
So schwanden Angst und Pein;
Und - wohl mir! - sie hat's nie bereut,
Daß sie mich ließ hinein.



Die Aspiranten und der Dichter

        Die Aspiranten
Du Göttlicher, wie geht es zu,
Daß deine Lieder so behagen?
Wir quälen uns zu ganzen Tagen,
Zu ganzen Nächten sonder Ruh;
Wir setzen Vers für Vers wie du,
Und wenn wir gute Leute fragen,
So ist kein Schimpf auf uns zu sagen;
Und dennoch wollen unsre Schuh'
Uns nicht wie dich zum Ruhme tragen.
O Mann, wir müssen dich drum fragen;
Denn du nur kannst uns lehren, du!
 
            Der Dichter
Weht's euch der Genius nicht zu,
So weiß ich's wahrlich nicht zu sagen.



                 Die Bitte

O Schwester, merk' auf diese Kunde:
Erscheint dir je ein junger Hirt,
Der lieb sogleich dem Herzen wird
Und immer lieber jede Stunde:
Den lass' ich nicht, ich schwör' es dir,
Du aber laß den Lieben mir!

Rührt, ohn' ein Wörtchen laut zusagen,
Sein stummer Blick schon jedes Herz,
Und darf bei seinem holden Scherz
Die Unschuld selbst zu lächeln wagen:
Den lass' ich nicht, ich schwör' es dir,
Du aber laß den Holden mir!

Schweigt seiner Laute Philomele,
Hört sie ihr zu im Pappelbaum,
Umschwebet dich ein Wonnetraum
Beim süßen Klange seiner Kehle:
Den lass' ich nie, ich schwör' es dir,
Du aber laß den Süßen mir!

Wofern aus eines Schäfers Hürde
Dem armen Mann auf's erste Wort:
»O hätt' ich doch das Lämmchen dort!«
Das Lämmchen sammt der Mutter würde:
Den lass' ich nie, ich schwör' es dir!
O laß, o laß den Guten mir!



   Die Brüderschaft

Er führt als Bruder im Apoll
Sich selber bei mir ein.
Ich will's in jedem Gotte wol,
Nur nicht in diesem sein!



Die Esel und die Nachtigallen

Es gibt der Esel, welche wollen,
Daß Nachtigallen hin und her
Des Müllers Säcke tragen sollen.
Ob recht, fällt mir zu sagen schwer.
Das weiß ich: Nachtigallen wollen
Nicht, daß die Esel singen sollen.



  Die Holde, die ich meine

O, was in tausend Liebespracht
Die Holde, die ich meine, lacht!
Verkünd' es laut, mein frommer Mund,
Wer that sich in dem Wunder kund,
Wodurch in tausend Liebespracht
Die Holde, die ich meine, lacht?

Wer hat wie Paradieseswelt
Der Holden blaues Aug' erhellt? –
Er, welcher über Meer und Land
Den lichten Himmel ausgespannt,
Er hat wie Paradieseswelt
Der Holden blaues Aug' erhellt.

Wer tuschte so mit Kunst und Fleiß
Der Holden Wange roth und weiß? –
Er, der die sanfte Lieblichkeit
Der jungen Mandelblüte leiht,
Er tuschte so mit Kunst und Fleiß
Der Holden Wange roth und weiß.

Wer schuf der Holden Purpurmund
So würzig süß, so lieb und rund? –
Er, der mit Süßigkeit so mild
Die Amarelle würzt und füllt,
Er schuf der Holden Purpurmund
So würzig süß, so lieb und rund.

Wer ließ vom Nacken blond und schön
Der Holden seidne Locken wehn? –
Er, der in seinem milden West
Die goldnen Halme wallen läßt,
Er ließ vom Nacken blond und schön
Der Holden seidne Locken wehn.

Wer gab zu Liebesred' und Sang
Der Holden süßer Stimme Klang? –
Er, welcher Flötenmelodie
Der Lerch' und Nachtigall verlieh,
Er gab zu Liebesred' und Sang
Der Holden süßer Stimme Klang.

Wer hat zur Fülle höchster Lust
Gewölbt der Holden weiße Brust? –
Er auch, durch den ihr Ebenbild,
Des Schwanes Brust von Flaumen schwillt,
Er hat zur Fülle höchster Lust
Gewölbt der Holden weiße Brust.

Durch welches Bildners Hände ward
Der Holden Wuchs so schlank und zart? –
Durch ihm, der wol zu jeder Frist,
Der Schönheit Bildner war und ist,
Durch ihn, den höchsten Bildner, ward
Der Holden Wuchs so schlank und zart.

Wer blies so engelfromm und rein
Der Holden Seel' und Leben ein? –
Wer sonst, als Er nur, dessen Ruf
Die Engel seines Himmels schuf?
Er blies so engelfromm und rein
Der Holden Seel' und Leben ein. –

Lob sei, o Bildner, deiner Kunst
Und hoher Dank für deine Gunst,
Daß so dein Abbild mich entzückt
Mit Allem, was die Schöpfung schmückt!
Lob sei, o Bildner, deiner Kunst
Und hoher Dank für deine Gunst! –

Doch ach! für wen auf Erden lacht
Die Holde so in Liebespracht? –
O Gott, bei deinem Sonnenschein!
Fast möcht' ich nie geboren sein,
Wenn nie in solcher Liebespracht
Die Holde mir auf Erden lacht.



                         Die Tode

Für Tugend, Menschenrecht und Menschenfreiheit sterben
Ist höchst erhabner Mut, ist Welt-Erlösertod:
Denn nur die göttlichsten der Heldenmenschen färben
Dafür den Panzerrock mit ihrem Herzblut rot.

Am höchsten ragt an ihm die große Todesweihe
Für sein verwandtes Volk, sein Vaterland hinan.
Dreihundert Sparter ziehn in dieser Heldenreihe
Durchs Tor der Ewigkeit den übrigen voran.

So groß ist auch der Tod für einen guten Fürsten,
Mit Zepter, Waag' und Schwert in tugendhafter Hand.
Wohl mag der Edlen Mut nach solchem Tode dürsten:
Denn es ist Tod zugleich für Volk und Vaterland.

Der Tod für Freund und Kind, und für die süße Holde
Ist, wenn nicht immer groß, doch rührend stets und schön.
Denn es ist Todesgang, den, nicht erkauft mit Golde,
Im Drange des Gefühls nur edle Menschen gehn.

Für blanke Majestät, und weiter nichts, verbluten,
Wer das für groß, für schön und rührend hält, der irrt.
Denn das ist Hundemut, der eingepeitscht mit Ruten
Und eingefuttert mit des Hofmahls Brocken wird.

Sich für Tyrannen gar hinab zur Hölle balgen,
Das ist ein Tod, der nur der Hölle wohl gefällt.
Wo solch ein Held erliegt, da werde Rad und Galgen
Für Straßenräuber und für Mörder aufgestellt!



           Entsagung der Politik

Ade, Frau Politik! Sie mag sich fürbaß trollen:
Die Schrift-Zensur ist heutzutage scharf.
Was mancher Edle will, scheint er oft nicht zu sollen;
Dagegen, was er schreiben soll und darf,
Kann doch ein Edler oft nicht wollen.



       Entschuldigung

Ja, Betty, ja ich that den Schwur,
Mit Lieb' an deinem Reiz zu halten;
Doch ungerechterweise nur
Machst du zum Meineid mein Erkalten.
Stets ehrenfest hat sich mein Schwur,
Dein Reiz nur hat sich nicht gehalten.



          Feldjägerlied

Mit Hörnerschall und Lustgesang,
Als ging es froh zur Jagd,
So ziehn wir Jäger wohlgemuth
Wann's noth dem Vaterlande thut,
Hinaus in's Feld der Schlacht.

Gewöhnt sind wir von Jugend auf
An Feld- und Waldbeschwer.
Wir klimmen Berg und Fels empor
Und waten tief durch Sumpf und Moor,
Durch Schilf und Dorn einher.

Nicht Sturm und Regen achten wir,
Nicht Hagel, Reif und Schnee.
In Hitz' und Frost, bei Tag und Nacht
Sind wir bereit zu Marsch und Wacht,
Als gölt' es Hirsch und Reh.

Wir brauchen nicht zu unserm Mahl
Erst Pfanne, Topf und Rost.
Im Hungersfall ein Bissen Brod,
Ein Labeschluck in Durstesnoth
Genügen uns zur Kost.

Wo wackre Jäger Helfer sind,
Da ist es wohlbestellt.
Denn Kunst erhöht uns Kraft und Muth;
Wir zielen scharf, wir treffen gut,
Und was wir treffen, fällt.

Und färbet gleich auch unser Blut
Das Feld des Krieges roth,
So wandelt Furcht uns doch nicht an;
Denn nimmer scheut ein braver Mann
Für's Vaterland den Tod.

Erliegt doch rechts, erliegt doch links
So mancher tapfre Held!
Die Guten wandeln Hand in Hand
Frohlockend in ein Lebensland,
Wo Niemand weiter fällt.

Doch trifft denn stets des Feindes Blei?
Verletzt denn stets sein Schwert? –
Ha! Oefter führt das Waffenglück
Uns aus dem Mordgefecht zurück
Gesund und unversehrt.

Dann feiern wir ein Heldenfest
Bei Bischof, Punsch und Wein.
Zu Freudentänzen laden wir
Um's aufgepflanzte Siegspanier
Die schönsten Schönen ein.

Und jeder Jäger preist den Tag,
Als er in's Schlachtfeld zog.
Bei Hörnerschall und Becherklang
Ertönet laut der Chorgesang:
»Wer brav ist, lebe hoch!«



             Franken und Franzosen

Die Edlen, die nicht mehr an alter Seuche kranken,
Nennt nicht Franzosen mehr! Sie heißen edler Franken!
Begriff und Wort Franzos ist nur für das geprägt,
Was noch in Mund und Schoß die alte Seuche hegt.



                                  Freiheit

Freiheit wünschest du dir, und klagst alltäglich und zürnest,
Daß dir Freiheit fehlt, über Despotengewalt? -
Lern entbehren, o Freund! Beut Trotz dem Schmerz und dem Tode!
Und kein Gott des Olymps fühlet sich freier, als du. -
Aber noch fragt dein Blick: Wie lern ich die schwerste der Künste,
Wie den erhabenen Trotz gegen den Schmerz und den Tod? -
Wirb bei der Mutter Vernunft um Tugend, die göttliche Tochter,
Wirb! - Und dein ist die Kunst, dein der erhabene Trotz.



                         Friedrich

Mein Friedrich braucht zu seinem ganzen
Regierungswesen lauter Franzen.
Nur ein Geschäft ist noch, das er durch Deutsche tut,
Zum Überwinden braucht er deutschen Heldenmut.



 
        Elise an Bürger

O Bürger, Bürger, edler Mann,
Der Lieder singt, wie Keiner kann
Vom Rhein an bis zum Belt,
Vergebens berg' ich das Gefühl,
Das mir bei deinem Harfenspiel
Den Busen schwellt!

Mein Auge sah von dir sonst nichts
Als nur die Abschrift des Gesichts,
Und dennoch – lieb' ich dich!
Denn deine Seele, fromm und gut,
Und deiner Lieder Kraft und Muth
Entzückten mich.

So füllt' im ganzen Musenhain
Von allen Sängern, groß und klein,
Noch Keiner mir die Brust.
Sie wogt' empor wie Flut der See;
Es kämpften stürmend Lust und Weh
Und Weg und Lust.

An Wonnen wie an Thränen reich,
Rief ich, wie oft: »O herzen gleich
Und küssen möcht' ich dich!« –
So wechselte, wie dein Gesang,
In mir der Hochgefühle Drang,
Dem Alles wich.

O Bürger, Bürger, süßer Mann,
Der Ohr und Herz bezaubern kann
Mit Schmeichelwort und Sinn,
Mein Loblied ehrt dich freilich nicht;
Doch höre, was mein Herz dir spricht
Und wer ich bin!

In Schwaben blüht am Neckarstrand
Ein schönes segenreiches Land,
Das mich an's Licht gebar,
Ein Land, worin seit grauer Zeit
Die alte deutsche Redlichkeit
Zu Hause war.

Da wuchs ich wohlbehalten auf,
Und meines reinen Lebens Lauf
Maß zwanzig Mal das Jahr.
Zum Grabe sank mein Vater früh –
Kaum ließ mir noch der Himmel Die,
Die mich gebar.

Schon wankend an des Grabes Rand,
Ergriff sie des Erbarmers Hand
Und gab sie mir zurück.
Sie bildete mit weiser Müh',
Was Gutes mir Natur verlieh,
Zu meinem Glück.

Bei heiterm Geist, bei frohem Muth
Ward mir ein Herz, das fromm und gut
Vor Gott zu sein begehrt.
Nur edler Liebe huldigt's frei,
Und was es liebt, das liebt es treu
Und hält es werth.

Mein Leib, – er zeigt vielleicht dem Blick
Kein Stümper- und kein Meisterstück
Der bildenden Natur.
Ich bin nicht arm und bin nicht reich;
Mein Stand hält, meinen Gütern gleich
Die Mittelspur.

Die bin ich, die! und – liebe dich!
Im schönen Stuttgart find'st du mich,
Du trauter Wittwersmann!
Umschlänge wol nach langem Harm
Ein liebevolles Weib dein Arm,
So komm heran!

Denn träten tausend Freier her
Und böten Säcke, Goldes schwer,
Und du begehrtest mein,
Dir weigert' ich nicht Herz noch Hand;
Selbst um mein liebes Vaterland
Tauscht' ich dich ein.

Steht Schwabenlieb' und Treu' dir an,
So komm, Geliebter, komm heran
Und wirb – o wirb um mich! –
Nimm oder nimm mich nicht, so ist
Und bleibt mein Lied zu jeder Frist:
Dich lieb' ich, dich!
 
                         An Elise
über die Umarbeitung des voranstehenden Liedes.

Dein neues Lied, mehr gnügt es Geist und Ohr,
Als das, wodurch ich einst mein Herz an dich verlor,
Und meine Kunst – sie lächelt diesen Tönen;
Doch meine Liebe lächelt jenen.
Sprich, welches Lächeln ziehst du vor?
 
                         An Elise

Was singt mir dort aus Myrtenhecken
Im Ton der liebevollen Braut?
Mein Herz vernimmt mit süßem Schrecken
Den unerhörten Schmeichellaut.
O Stimme, willst du mich nur necken,
Und lachend den Betrug entdecken,
Sobald das eitle Herz dir traut?

Es singt: Ich bin ein Schwabenmädchen,
Und wirbt um mich gar unbesehn,
O ihr Poeten und Poetchen,
Wem ist ein Gleiches noch geschehn?
Das ist fürwahr das schönste Fädchen,
So mir auf goldnem Spinnerädchen
Die Parzen in mein Leben drehn!

O Schwabenmädchen, lieblich schallen
Zwar deine Töne mir in's Ohr;
Doch auch dem Auge zu gefallen,
Tritt nun aus deiner Nacht hervor!
Denn ach! die Liebesgötter wallen
Zu meinem Herzen wie zu allen
Durch's Auge lieber als durch's Ohr,

Und zeigt, die Sehnsucht zu erfreuen
Die Ferne mir dich selbst nicht klar,
So mache deine Schmeicheleien
Durch dieser Bitt' Erfüllung wahr:
Laß, ohn' ein Mißgeschick zu scheuen,
Dich von der Wahrheit conterfeien
Und stelle ganz dein Bild mir dar!

Du sollst nicht hoch in Schönheit prangen,
Denn ich bin selbst nicht jung und schön;
Das aber darf ich wol verlangen:
Mein Auge muß mit Lust dich sehn.
Auf! Zwingt kein Fehl dich, zu erbangen,
So nimm am Tage mich gefangen!
Und dann – was sein soll, muß geschehn.



      Heute mir, morgen dir

Ein Junker, der nach Junkersbrauch
Dem Kutscher Ruhbart Hörner setzte
Und weidlich lachend, daß der Bauch
Ihm bebte, sich darob ergötzte,
Vernahm aus einem nahen Strauch,
Wo Ruhbart saß, den das verhöhnte:
»Sohn, hüte dich! – So lacht' ich auch,
Als deiner Mutter Mann ich krönte.«



             Hummellied

Die Buben sind den Hummeln gleich:
Ihr Mägdlein mögt euch hüten!
Sie schwärmen durch des Lenzes Reich,
Um Blumen und um Blüten.
Sie irren her, sie schwirren hin,
Mit Sehnen und mit Stöhnen,
Und können ihren Leckersinn
Des Honigs nicht entwöhnen.

Die Unschuld ist dem Honig gleich.
Die Hummeln nahn sich leise.
Ihr Honigblümlein, hütet euch
Vor ihrer losen Weise!
Sie tippen hie, sie nippen da,
Erst mit den Saugerspitzen,
Bis sie, so schnell sich spricht ein Ja,
Im Honigkelche sitzen.

Die Mägdlein sind den Blumen gleich,
In ihren Frühlingstagen.
Sie blühn gesunder, wenn sie reich
Des Honigs Fülle tragen.
Zertummelt da, zerhummelt hie,
Wird jede krank sich fühlen.
Drum, süße Blümlein, laßt euch nie
Den Honigkelch zerwühlen!



       Kampfgesetz

Gleich sei der Streit,
Den man uns beut!
Schwert gegen Schwert vom Leder,
Doch Feder gegen Feder!



  Lieb' und Lob der Schönen

Ich will das Herz mein Leben lang
An Lieb' und Lob der Schönen
Und meine Laute, meinen Sang
An Lieb' und Lob gewöhnen.

Denn lange, lange hat es schon
Anakreon erprobet:
Nichts bringt dem Sänger süßern Lohn,
Als wenn er liebt und lobet.

Wer sich auf Lieb' und Lob versteht,
Auf Lieb' und Lob der Mädchen,
Der ist und bleibt der Leibpoet
An Putztisch, Rahm und Rädchen.

Wolan, o Laute, stimme dich
Zu Lob- und Liebessange!
Kein Mädchenherz verschließe sich
Vor deinem Zauberklange.

Man wird für diesen Wohlgenuß
Gar lieblich Dank mir nicken;
Auch werden Händedruck und Kuß
Nicht selten mich erquicken.

Es wird mir manche schöne Hand
Ein Pfand der Huld verleihen,
Bald wird sie mir ein Busenband,
Bald eine Locke weihen.

Beim Spiel und Tanze werden mir
Die Schönsten immer winken,
Und die ich fordre, werden schier
Sich mehr als andre dünken.

Geliebt, geehrt bis an mein Ziel,
Von einer Flur zur andern
Werd' ich mit Sang und Lautenspiel
Herbeigerufen wandern.

Und wann ich längst zur Ruhe bin
Und unter Ulmen schlafe,
So weidet gern die Schäferin
Noch um mein Grab die Schafe.

Sie senkt gelehnt auf ihren Stab,
Ihr Auge, feucht von Schmerzen,
Auf meines Hügels Moos herab
Und klagt aus vollem Herzen:

»Du, der so holde Lieder schuf,
So holde, süße Lieder!
O weckte dich mein lauter Ruf
Aus deinem Grabe wieder!

»Du würdest mich nach deinem Brauch
Gewiß ein wenig preisen;
Dann hätt' ich bei den Schwestern auch
Ein Liedchen aufzuweisen.

»Dein Schmeichelliedchen säng' ich dann,
Sollt' auch die Mutter schelten.
O lieber, süßer Leiermann,
Wie wollt' ich's dir vergelten!«

Dann wir mein Geist, wie Sommerlust,
Aus seiner Ulme Zweigen
Zu ihr herunter auf die Gruft,
Sie anzuwehen, steigen,

Wird durch des Wiesenbaches Rohr
Und Blätter, sie sich kräuseln,
Ein Lied in ihr entzücktes Ohr
Zu Lob und Liebe säuseln.



     Mittel wider die Agrypnie

»Die ganze Nacht hab' ich kein Auge zugethan«,
Fing Ursula am Sonntagmorgen an.
»Nun will ich in die Predigt gehen
Und wundershalber sehen,
Ob ich nicht da ein wenig nicken kann.«



    Neuseeländisches Schlachtlied
 
Hallo, ihr Gesellen, empor und hervor!
So stampfen, so tanzen die Wogen empor,
Hoch über das Riff hin mir zorniger Macht;
So tanzen wir muthig zur blutigen Schlacht.

Zusammen! Zusammen! Zusammen heran,
Was rühren an Schenkeln und Armen sich kann!
Wie Wirbelwind schüttelt das Röhrich im Moor,
So schwenken wir Schlachtbeil' und Lanzen empor.

Scharf sind sie gewetzt, wie des Wasserhunds Zahn,
Zum Bohren und Spalten. Fleuch, Lanze, voran!
Fleuch sträcklich! Triff tief in den Busen hinein!
Beil, spalt' und zerschellere Schädel und Bein!

Heut fodern wir Rache, heut bieten wir Mord;
Wir fodern, wir kommen und halten das Wort.
Nichts kümmert den Sturm, der die Wälder zerbricht;
Wir fodern, wir kommen und schonen euch nicht.

Heim bauen die Weiber und Kinder den Herd;
Ein leckeres Fleischmahl ist heut uns beschert.
Schon wölkt sich dort hinter den Bergen der Rauch;
Schon knistert, schon lodert die Lohe vom Strauch.

Uns lüstert, uns hungert schon lange nach euch.
Heim lauern die Hunde am spülenden Teich.
Wir schmausen heut Abend euch jauchzend im Hain
Rein auf bis an's klingende, blanke Gebein.

Risch, rasch, ihr Geselle, rischan überall!
Bald niesen die Nasen vom röstenden Mahl.
Die Lohe verlodert; der Ofen ist gluh!
Halloha! Halloha! Werft zu nun! Haut zu.



                                Problem

Liebebewanderter Mann und liebekundiges Weib, sprich:
Welche von zweierlei Pein dünket die peinlichste dir,
Die, wann du inniglich liebst, allein nicht wieder geliebt wirst,
Und das andre nicht hehlt, daß es vergelten nicht kann?
Oder, wann inniglich du geliebt wirst, ohne daß du liebst,
Und du hehlen es mußt, daß du vergelten nicht kannst?
Ach! Dort juckt dir das Herz, doch fehlt die reibende Hand dir; –
 Aber hier reibet sie dich, wo es dir leider! nicht juckt.
Beides, Beides ist peinlich und kaum dem Feinde zu gönnen,
Aber von beiderlei Eins halt' ich am peinlichsten doch.
Dort ermannt und erhebt doch immer das rüstige Herz sich,
Schwingt sich in Phantasus' Reich, suchet und findet oft Trost;
Aber in Ohnmacht liegt's hier auf der Wirklichkeit Boden
Und muß halten der Pein, welcher kein Schwung es entzieht.



                 Räthsel

Verfertigt ist's vor langer Zeit,
Doch mehrentheils gemacht erst heut.
Höchst schätzbar ist es seinem Herrn,
Und dennoch hütet's Niemand gern.



     Reiz und Schönheit

Bei des stillen Reizes Mangel
Zieht kein schönes Angesicht;
Denn der Bissen sonder Angel
Lockt wol, aber fängt doch nicht.



        Sinnesänderung

Ich war wohl Jungfer Eigensinn,
Durch Güte kaum zu zähmen;
Und sträubte mich oft her und hin,
Zu geben und zu nehmen.
Der Himmel weiß es, wie es kam,
Daß ich so ungern gab und nahm.

Da kam ein junger Flaumenbart,
Schön wie der Gott der Reben.
Der wußte mit der besten Art
Zu nehmen und zu geben.
Da weiß der Himmel, wie es kam,
Daß ich so willig gab und nahm.

Ich merkte, wo er ging und stand,
Auf jeden seiner Winke.
Ergriff er meine rechte Hand,
So bot ich auch die Linke.
Der Himmel weiß es, wie es kam,
Daß ich so willig gab und nahm.

Zum Nußgesträuch mit ihm entwich
Ich der Gespielen Schwarme.
Ich gab ihm in die Arme mich,
Und nahm ihn in die Arme.
Der Himmel weiß es, wie es kam,
Daß ich so willig gab und nahm.

Wir ließen, tauschend Kuß um Kuß,
Auf weiches Moos uns nieder.
Ich gab den Kern von meiner Nuß,
Nahm den von seiner wieder.
Der Himmel weiß es, wie es kam,
Daß ich so willig gab und nahm.

Da hörten wir durch Laub und Gras
Die Mutter rufend kommen.
Wohl hätt ich sonst, wer weiß noch was,
Gegeben und genommen.
Der Himmel weiß es, wie es kam,
Daß ich so willig gab und nahm.



Straflied beim schlechten Kriegsanfange der Gallier

Wer nicht für Freiheit sterben kann,
Der ist der Kette wert.
Ihn peitsche Pfaff und Edelmann
Um seinen eignen Herd!

O Franzen, eure Rednerei
Ist mir ein Greuel nun.
Nicht prahlen, daß man tapfer sei,
Nein, tapfer muß man tun.

Zwar wissen wir, um Blut erkauft
Der Sieg sich immer nicht;
Doch daß ihr wie Gesindel lauft,
Drob zürnt mein Strafgedicht.

Ha, glaubt ihr, daß man feigen Sinn
Durch Tigertaten birgt?
Schmach euch, die ihr den Feldherrn hin,
Hin den Gefangnen würgt!

Wie war mein freies Herz entbrannt,
Getäuscht durch Adelschein,
Selbst gegen Hermanns Vaterland
Tyrtäus euch zu sein!

Nun wend ich meines Liedes Pfeil,
Von Unmut rasch beschwingt;
Und rufe jedem Sieg und Heil,
Der euch die Fessel bringt.

Wer nicht für Freiheit sterben kann,
Der ist der Kette wert.
Ihn peitsche Pfaff und Edelmann
Um seinen eignen Herd!



                         Unmut

Der Henker hole sie, die schönen Seifenblasen
Von euerm Freiheitsmut und seiner Riesenkraft,
Wenn beides schon im ersten Kampf erschlafft!
Mit Fäusten schlagt den Feind, und nicht mit Rednerphrasen!



Unter zwei Uebeln lieber das kleinste

Ich schelte nicht das Titelkaufen.
Es würde für denselben Preis
Das Amt der Dummkopf leicht erlaufen
Der jetzt sich zu bescheiden weiß.



       Vorschlag zur Güte

Ihr Schwärmer für die Monarchie,
Für Aristo- und für Demokratie,
Ihr tollen Schwärmer, laßt euch raten,
Und werdet alle - Logokraten!