Claudius

Inhalt

Biografie

        Ein gülden A B C

                    A

Armut des Geistes Gott erfreut;
Armut, und nicht Armseligkeit.

                    B

Besprich dich nicht mit Fleisch und Blut,
Fahr zu, gleich zu, wie Paulus tut,

                    C

Creuz ist ein Kraut, wenn man es pflegt,
Das ohne Blüte Früchte trägt.

                    D

Dürst nicht nach Rache und nach Blut;
Vergeben wäre wohl so gut.

                    E

Ein edles Herz glänzt hell und hold,
Ein gutes ist gediegen Gold.

                    F

Für was du Gutes hier getan,
Nimm keinen Lohn von Menschen an.

                    G

Gedultig sein – Herr lehr es mich,
Ich bitte dich, ich bitte dich.

                    H

Hau deinen Götzen mutig um,
Er sei Geld, Wollust oder Ruhm.

                    I

In dir ein edler Sklave ist,
Dem du die Freiheit schuldig bist.

                    J

                    K

Kämpf und erkämpf dir eignen Wert;
Hausbacken Brot am besten nährt.

                    L

Liebt euch auf Erden, liebt, und wißt,
Daß Gott im Himmel Liebe ist.

                    M

Merk auf die Stimme tief in dir;
Sie ist des Menschen Kleinod hier.

                    N

Nimm wahr der Zeit; sie eilet sich,
Und kommt nicht wieder ewiglich.

                    O

O Herr lehr uns bedenken wohl,
Daß wir sind sterblich allzumal.

                    P

Parabeln sind wohl fein und schön,
Doch muß sie einer auch verstehn.

                    Q

Quäl nicht dein Herz ohn Unterlaß,
Ein freier Mut gefällt Gott baß.

                    R

Recht halte heilig bis in'n Tod,
So bleibt ein Freund dir in der Not.

                    S

Straf keck das Böse ins Gesicht;
Vergiß dich aber selber nicht.

                    T

Treib Tugend jeden Augenblick;
Wer nicht voran geht, geht zurück.

                    U

Und wenn sie alle dich verschrein,
So wickle in dich selbst dich ein.

                    V

Verlaß dich nicht auf diese Welt;
Sie ist Schaum, der zusammenfällt.

                    W

Wie wird es dann, o dann uns sein,
Wenn wir der bessern Welt uns freun?

                    X

                    Y

In Sturm die Sonne spiegelt nicht
Im Meer ihr heilig Angesicht.

                    Z

Zerbrich den Kopf dir nicht zu sehr,
Zerbrich den Willen, das ist mehr.


            Abendlied

Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar;
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille,
Und in der Dämmrung Hülle
So traulich und so hold!
Als eine stille Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehn.

Wir stolze Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder
Und wissen gar nicht viel;
Wir spinnen Luftgespinste
Und suchen viele Künste
Und kommen weiter von dem Ziel.

Gott,laß uns dein Heil schauen,
Auf nichts Vergänglichs trauen,
Nicht Eitelkeit uns freun!
Laß uns einfältig werden
Und vor dir hier auf Erden
Wie Kinder fromm und fröhlich sein!

Wollst endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
Durch einen sanften Tod!
Und, wenn du uns genommen,
Laß uns in Himmel kommen,
Du unser Herr und unser Gott!

So legt euch denn, ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder;
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott! mit Strafen,
Und laß uns ruhig schlafen!
Und unsern kranken Nachbar auch!
 

  Bei dem Grabe meines Vaters

Friede sei um diesen Grabstein her!
Sanfter Friede Gottes! Ach, sie haben
Einen guten Mann begraben,
Und mir war er mehr;

Träufte mir von Segen, dieser Mann,
Wie ein milder Stern aus bessern Welten!
Und ich kann's ihm nicht vergelten ,
Was er mir getan.

Er entschlief; sie gruben ihn hier ein.
Leiser, süßer Trost, von Gott gegeben,
Und ein Ahnden von dem ew'gen Leben
Düft' um sein Gebein!

Bis ihn Jesus Christus, groß und hehr!
Freundlich wird erwecken - ach, sie haben
Einen guten Mann begraben,
Und mir war er mehr.
 

           Christiane

Es stand ein Sternlein am Himmel,
    Ein Sternlein guter Art;
Das tät so lieblich scheinen,
    So lieblich und so zart!

Ich wußte seine Stelle
    Am Himmel, wo es stand;
Trat abends vor die Schwelle,
    Und suchte, bis ich's fand;

Und blieb denn lange stehen,
    Hatt' große Freud' in mir:
Das Sternlein anzusehen;
    Und dankte Gott dafür.

Das Sternlein ist verschwunden;
    Ich suche hin und her
Wo ich es sonst gefunden,
    Und find es nun nicht mehr.
 

            Der Eine

Der Mensch lebt und bestehet
Nur eine kleine Zeit;
Und alle Welt vergehet
Mit ihrer Herrlichkeit.
Es ist nur Einer ewig und an allen Enden,
Und wir in Seinen Händen.


Der Mond ist aufgegangen

Der Mond ist aufgegangen,
die goldnen Sternlein prangen
am Himmel hell und klar;
der Wald steht schwarz und schweiget,
und aus den Wiesen steiget
der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille
und in der Dämmrung Hülle
so traulich und so holt
als eine stille Kammer,
wo ihr des Tages Jammer
verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen
und ist doch rund und schön.
So sind wohl manche Sachen,
die wir getrost belachen,
weil unsre Augen sie nicht sehn.

Wir stolze Menschenkinder
sind eitel arme Sünder
und wissen gar nicht viel;
wir spinnen Luftgespinste
und suchen viele Künste
und kommen weiter von dem Ziel.

Gott, laß dein Heil uns schauen,
auf nichts Vergänglichs bauen,
nicht Eitelkeit uns freun;
laß uns einfältig werden
und vor dir hier auf Erden
wie Kinder fromm und fröhlich sein.

Wollst endlich sonder Grämen
aus dieser Welt uns nehmen
durch einen sanften Tod;
und wenn du uns genommen,
laß uns in Himmel kommen,
du unser Herr und unser Gott.

So legt euch denn, ihr Brüder,
in Gottes Namen nieder;
kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott, mit Strafen
und laß uns ruhig schlafen
und unsern kranken Nachbar auch.


                     Der Tod

Ach, es ist so dunkel in des Todes Kammer,
    Tönt so traurig, wenn er sich bewegt
Und nun aufhebt seinen schweren Hammer
    Und die Stunde schlägt.


                            Die Liebe

Die Liebe hemmet nichts; sie kennt nicht Tür noch Riegel,
    Und dringt durch alles sich;
Sie ist ohn Anbeginn, schlug ewig ihre Flügel,
    Und schlägt sie ewiglich.


Ein Lied hinterm Ofen zu singen

Der Winter ist ein rechter Mann,
kernfest und auf die Dauer;
sein Fleisch fühlt sich wie Eisen an
und scheut nicht süß noch sauer.

War je ein Mann gesund, ist er's;
er krankt und kränkelt nimmer,
weiß nichts von Nachtschweiß noch Vapeurs
und schläft im kalten Zimmer.

Er zieht sein Hemd im Freien an
und läßt's vorher nicht wärmen
und spottet über Fluß im Zahn
und Kolik in Gedärmen.

Aus Blumen und aus Vogelsang
weiß er sich nichts zu machen,
haßt warmen Drang und warmen Klang
und alle warmen Sachen.

Doch wenn die Füchse bellen sehr,
wenn's Holz im Ofen knittert,
und um den Ofen Knecht und Herr
die Hände reibt und zittert;

wenn Stein und Bein vor Frost zerbricht
und Teich' und Seen krachen;
das klingt ihm gut, das haßt er nicht,
dann will er sich tot lachen. -

Sein Schloß von Eis liegt ganz hinaus
beim Nordpol an dem Strande;
doch hat er auch ein Sommerhaus
im lieben Sch\veizerlande.

So ist' er denn bald dort, bald hier,
gut Regiment zu führen.
Und wenn er durchzieht, stehen wir
und sehn ihn an und frieren.


                Eine Fabel

Vor etwa achtzig, neunzig Jahren,
    Vielleicht sinds hundert oder mehr,
    Als alle Tiere hin und her
Noch hochgelahrt und aufgekläret waren,
    Wie jetzt die Menschen ohngefähr;
– Sie schrieben und lektürten sehr,
Die Widder waren die Skribenten,
Die andern: Leser und Studenten,
    Und Zensor war: der Brummelbär. –

    Da kam man supplicando ein:
»Es sei unschicklich und sei klein,
Um seine Worte und Gedanken
Erst mit dem Brummelbär zu zanken,
    Gedanken müßten zollfrei sein!«
    Der Löwe sperrt den Bären ein,
Und tat den Spruch: »Die edle Schreiberei
Sei künftig völlig frank und frei!«

    Der schöne Spruch war kaum gesprochen,
    So war auch Deich und Damm gebrochen.
Die klügern Widder schwiegen still,
Laut aber wurden Frosch und Krokodil,
Seekälber, Skorpionen, Füchse,
Kreuzspinnen, Paviane, Lüchse,
Kauz, Natter, Fledermaus und Star,
Und Esel mit dem langen Ohr etc. etc.
Die schrieben alle nun, und lieferten Traktate:
Vom Zipperlein und von dem Staate,
Vom Luftballon und vom Altar,
Und wußtens alles auf ein Haar,
Bewiesens alles sonnenklar,
Und rührten durcheinander gar,
Daß es ein Brei und Greuel war.

Der Löwe ging mit sich zu Rate
    Und schüttelte den Kopf und sprach:
    »Die besseren Gedanken kommen nach;
Ich rechnete, aus angestammtem Triebe,
Auf Edelsinn und Wahrheitliebe –
    Sie waren es nicht wert die Sudler, klein und groß;

Macht doch den Bären wieder los!«


                   
Fritze

Nun mag ich auch nicht länger leben,
verhaßt ist mir des Tages Licht;
denn sie hat Franze Kuchen gegeben,
mir aber nicht.


Der Frühling; Am ersten Maimorgen

Heute will ich fröhlich, fröhlich sein,
Keine Weis' und keine Sitte hören;
Will mich wälzen und für Freude schrein,
Und der König soll mir das nicht wehren;

Denn er kommt mit seiner Freuden Schar
Heute aus der Morgenröte Hallen,
Einen Blumenkranz um Brust und Haar
Und auf seiner Schulter Nachtigallen;

Und sein Antlitz ist ihm rot und weiß,
Und er träuft von Tau und Duft und Segen -
Ha! Mein Thyrsus sei ein Knospenreis,
Und so tauml' ich meinem Freund entgegen.


           Fuchs und Bär

Kam einst ein Fuchs vom Dorfe her,
früh in der Morgenstunde,
und trug ein Huhn im Munde;
und es begegnet' ihm ein Bär.
"Ah! Guten Morgen, gnädiger Herr!
Ich bringe hier ein Huhn für Sie;
Ihr Gnaden promenieren ziemlich früh,
wo geht die Reise hin?"
"Was heißest du mich gnädig, Vieh!
Wer sagt dir, daß ich's bin?"
"Sah Dero Zahn, wenn ich es sagen darf,
und Dero Zahn ist lang und scharf."


                     Fuchs und Pferd

Einst wurden Fuchs und Pferd,
warum, das weiß ich nicht, auch hat es mich verdrossen,
denn mir sind beide Tiere wert,
in einen Käficht eingeschlossen.
Das Pferd fing weidlich an zu treten
für Ungeduld und trat
den armen Rein'ke Fuchs, der nichts an Füßen hat.
"Das nun hätt' ich mir wohl verbeten,
tret' Er mich nicht, Herr Pferd! ich will Ihn auch nicht treten."


       Bei ihrem Grabe

Diese Leiche hüte Gott!
    Wir vertrauen sie der Erde,
Daß sie hier von aller Not
    Ruh', und wieder Erde werde.

Da liegt sie, die Augen zu
    Unterm Kranz, im Sterbekleide!...
Lieg' und schlaf' in Frieden du;
    Unsre Lieb' und unsre Freude!

Gras und Blumen gehn herfür,
    Alle Samenkörner treiben,
Treiben – und sie wird auch hier
    In der Gruft nicht immer bleiben.

Ausgesä't nur, ausgesä't
    Wurden alle die, die starben;
Wind- und Regenzeit vergeht,
    Und es kommt ein Tag der Garben.

Alle Mängel abgetan
    Wird sie denn in bessern Kränzen
Still einhergehn, und fortan
    Unverweslich sein und glänzen.


           Auf O--o R--s Grab

Aus einer Welt voll Angst und Not,
Voll Ungerechtigkeit, und Blut und Tod
    Flüchtete die fromme reine Seele
Sich ins beßre Land zu Gott;
    Und der Leib in diese dunkle Höhle,
    Auszuruhen bis zum Wiedersehn.
    O der Christ ist immer groß und schön,
Doch im Tod' in seiner größten Schöne.
    Wandrer, bleib' am Grabe stehn,
    Lerne hier, was eitel ist, verschmähn;
Weine eine stille Träne!
    Und denn kannst du weitergehn.


          Alle gute Gabe

Wir pflügen und wir streuen
den Samen auf das Land,
doch Wachstum und Gedeihen
steht in des Himmels Hand;
der tut mit leisem Wehen
sich mild und heimlich auf
und träuft, wenn heim wir gehen,
Wuchs und Gedeihen drauf.
Alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt,
und hofft auf ihn.

Er sendet Tau und Regen
und Sonn und Mondenschein
und wickelt seinen Segen
gar zart und künstlich ein
und bringt ihn dann behende
in unser Feld und Brot;
es geht durch unsre Hände,
kommt aber her von Gott.

Was nah ist und was ferne,
von Gott kommt alles her,
der Strohhalm und die Sterne,
das Sandkorn und das Meer.
Von ihm sind büsch und Blätter
und Korn und Obst, von ihm
das schöne Frühlingswetter
und Schnee und Ungestüm.

Er läßt die Sonn aufgehen,
er stellt des Mondes Lauf;
er läßt die Winde wehen
und tut die Wolken auf.
Er schenkt uns so viel Freude,
er macht uns frisch und rot;
er gibt dem Viehe Weide
und seinen Menschen Brot.


                  Hochzeitlied

Stand ein junges Veilchen auf der Weiden,
Lieb und herzig, in sich, und bescheiden;
    Und ein wackrer Jüngling über Land
    Kam hin, da das Veilchen stand.

Und er sah das Veilchen auf der Weiden
Lieb und herzig, in sich, und bescheiden,
    Sah es an mit Liebe und mit Lust,
    Wünscht es sich an seine Brust.

Heute wird das Blümchen ihm gegeben,
Daß ers trag an seiner Brust durchs Leben!
    Und ein Kreis von edlen Menschen steht
    Ernst, und feiert mit Gebet.

Seid denn glücklich! Gott mit euch, Ihr beide!
Seine »Sonn' am Himmel« schein euch Freude;
    Und, in eurer Freud', in eurem Schmerz,
    Seine »beßre« euch ins Herz!


Wir Wandsbecker an den Kronprinzen

              den 10. Julius 1787

Mit Freuden, unsern Brüdern gleich,
    Empfangen wir Dich hier;
Dich lieben viel' in Deinem Reich,
    Doch keiner mehr als wir.

Bis uns willkommen inniglich!
    Wir kommen, klein und groß,
Und schließen einen Kreis um Dich,
    Und lassen Dich nicht los;

Und stehn mit treuer Lieb' umher,
    Wir alle, Mann für Mann,
Und wünschen unsre Herzen leer
    Für Dich, und sehn Dich an....

Ach, diese Welt hat viel Gefahr;
    Du lieber Königssohn!
Nicht alles drin ist gut und wahr,
    Und fliegt wie Rauch davon.

Nicht was der Mensch meint oder tut
    Hat Sicherheit und Lohn.
Und Gott allein macht groß und gut;
    Du lieber Königssohn!

Der segne Dich! Dich segne Gott!
    Der wolle mit Dir sein!..
Er mache Deine Wangen rot,
    Und Deine Seele rein;

Er nehme Dich auf seinen Schoß,
    Er geb' ins Herz Dir ein..
Und lasse Dich wahrhaftig groß,
    Wahrhaftig glücklich sein! –

Mit Freuden, unsern Brüdern gleich,
    Empfangen wir Dich hier;
Dich lieben viel' in Deinem Reich,
    Doch keiner mehr als wir.


    Die Sternseherin Lise

Ich sehe oft um Mitternacht,
    Wenn ich mein Werk getan
Und niemand mehr im Hause wacht,
    Die Stern' am Himmel an.

Sie gehn da, hin und her zerstreut
    Als Lämmer auf der Flur;
In Rudeln auch, und aufgereih't
    Wie Perlen an der Schnur;

Und funkeln alle weit und breit,
    Und funkeln rein und schön;
Ich seh die große Herrlichkeit,
    Und kann mich satt nicht sehn...

Dann saget, unterm Himmelszelt,
    Mein Herz mir in der Brust:
»Es gibt was Bessers in der Welt
    Als all ihr Schmerz und Lust.«

Ich werf mich auf mein Lager hin,
    Und liege lange wach,
Und suche es in meinem Sinn,
    Und sehne mich darnach.


           Der Mensch

Empfangen und genähret
Vom Weibe wunderbar
Kömmt er und sieht und höret
Und nimmt des Trugs nicht wahr,
Gelüstet und begehret
Und bringt sein Tränlein dar,
Verachtet und verehret,
Hat Freude und Gefahr,
Glaubt, zweifelt, wähnt und lehret,
Hält nichts und alles wahr,
Erbauet und zerstöret
Und quält sich immerdar,
Schläft, wachet, wächst und zehret
Trägt braun und graues Haar.
Und alles dieses währet,
Wenn's hoch kommt, achtzig Jahr.
Denn legt er sich zu seinen Vätern nieder,
Und er kömmt nimmer wieder.


                  Phidile

Ich war erst sechzehn Sommer alt,
Unschuldig und nichts weiter,
Und kannte nichts als unsern Wald,
Als Blumen, Gras und Kräuter.

Da kam ein fremder Jüngling her;
Ich hatt ihn nicht verschrieben,
Und wußte nicht wohin noch her;
Der kam und sprach von Lieben.

Er hatte schönes langes Haar
Um seinen Nacken wehen;
Und einen Nacken, als das war,
Hab ich noch nie gesehen.

Sein Auge, himmelblau und klar!
Schien freundlich was zu flehen;
So blau und freundlich, als das war,
Hab ich noch keins gesehen.

Und sein Gesicht, wie Milch und Blut!
Ich habs nie so gesehen;
Auch, was er sagte, war sehr gut,
Nur konnt ich nichts verstehen.

Er ging mir allenthalben nach,
Und drückte mir die Hände
Und sagte immer O und Ach,
Und küßte sie behende.

Ich sah ihn einmal freundlich an
Und fragte, was er meinte;
Da fiel der junge schöne Mann
Mir um den Hals und weinte.

Das hatte niemand noch getan;
Doch wars mir nicht zuwider,
Und meine beiden Augen sahn
In meinen Busen nieder.

Ich sagt ihm nicht ein einzig Wort,
Als ob ichs übel nähme,
Kein einzigs, und - er flohe fort;
Wenn er doch wieder käme!


Der Bauer, nach geendigtem Prozeß

Gottlob, daß ich ein Bauer bin;
    Und nicht ein Advokat,
Der alle Tage seinen Sinn
    Auf Zank und Streiten hat.

Und wenn er noch so ehrlich ist,
    Wie sie nicht alle sind;
Fahr ich doch lieber meinen M...
    In Regen und in Wind.

Denn davon wächst die Saat herfür,
    Ohn Hülfe des Gerichts;
Aus nichts wird etwas denn bei mir,
    Bei ihm aus etwas nichts.

Gottlob, daß ich ein Bauer bin;
    Und nicht ein Advokat!
Und fahr ich wieder zu ihm hin;
    So breche mir das Rad!


Frau Rebekka mit den Kindern,
      an einem Maimorgen

Kommt Kinder, wischt die Augen aus,
    Es gibt hier was zu sehen;
Und ruft den Vater auch heraus...
    Die Sonne will aufgehen!

Wie ist sie doch in ihrem Lauf
    So unverzagt und munter!
Geht alle Morgen richtig auf,
    Und alle Abend unter!

Geht immer, und scheint weit und breit
    In Schweden und in Schwaben,
Dann kalt, dann warm, zu seiner Zeit,
    Wie wir es nötig haben.

Von ohngefähr kann das nicht sein,
    Das könnt ihr wohl gedenken;
Der Wagen da geht nicht allein,
    Ihr müßt ihn ziehn und lenken.

So hat die Sonne nicht Verstand,
    Weiß nicht, was sich gebühret;
Drum muß Wer sein, der an der Hand
    Als wie ein Lamm sie führet.

Und der hat Gutes nur im Sinn,
    Das kann man bald verstehen:
Er schüttet seine Wohltat hin,
    Und lässet sich nicht sehen;

Und hilft und segnet für und für,
    Gibt jedem seine Freude,
Gibt uns den Garten vor der Tür,
    Und unsrer Kuh die Weide;

Und hält euch Morgenbrot bereit,
    Und läßt euch Blumen pflücken,
Und stehet, wenn und wo ihr seid,
    Euch heimlich hinterm Rücken,

Sieht alles was ihr tut und denkt,
    Hält euch in seiner Pflege,
Weiß was euch freut und was euch kränkt,
    Und liebt euch allewege.

Das Sternenheer hoch in der Höh,
    Die Sonne die dort glänzet,
Das Morgenrot, der Silbersee
    Mit Busch und Wald umkränzet,

Dies Veilchen, dieser Blütenbaum
    Der seine Arm' ausstrecket,
Sind, Kinder! »seines Kleides Saum«,
    Das ihn vor uns bedecket;

Ein »Herold«, der uns weit und breit
    Von ihm erzähl' und lehre;
Der »Spiegel seiner Herrlichkeit«;
    Der »Tempel seiner Ehre«,

Ein mannichfaltig groß Gebäu,
    Durch Meisterhand vereinet,
Wo seine Lieb' und seine Treu
    Uns durch die Fenster scheinet.

Er selbst wohnt unerkannt darin,
    Und ist schwer zu ergründen.
Seid fromm, und sucht von Herzen ihn,
    Ob ihr ihn möchtet finden.


                     An Frau Rebekka;
bei der silbernen Hochzeit, den 15. März 1797

Ich habe Dich geliebet und ich will Dich lieben,
    Solang' Du goldner Engel bist;
In diesem wüsten Lande hier, und drüben
    Im Lande wo es besser ist.

Ich will nicht von Dir sagen, will nicht von Dir singen;
    Was soll uns Loblied und Gedicht?
Doch muß ich heut der Wahrheit Zeugnis bringen,
    Denn unerkenntlich bin ich nicht.

Ich danke Dir mein Wohl, mein Glück in diesem Leben.
    Ich war wohl klug, daß ich Dich fand;
Doch ich fand nicht. GOTT hat Dich mir gegeben;
    So segnet keine andre Hand.

Sein Tun ist je und je großmütig und verborgen;
    Und darum hoff' ich, fromm und blind,
Er werde auch für unsre Kinder sorgen,
    Die unser Schatz und Reichtum sind.

Und werde sie regieren, werde für sie wachen,
    Sie an sich halten Tag und Nacht,
Daß sie wert werden, und auch glücklich machen,
    Wie ihre Mutter glücklich macht.

Uns hat gewogt die Freude, wie es wogt und flutet
    Im Meer, so weit und breit und hoch! –
Doch, manchmal auch hat uns das Herz geblutet,
    Geblutet... Ach, und blutet noch.

Es gibt in dieser Welt nicht lauter gute Tage,
    Wir kommen hier zu leiden her;
Und jeder Mensch hat seine eigne Plage,
    Und noch sein heimlich Crève-cœur.

Heut aber schlag ich aus dem Sinn mir alles Trübe,
    Vergesse allen meinen Schmerz;
Und drücke fröhlich Dich, mit voller Liebe,
    Vor Gottes Antlitz an mein Herz.


  Ein Lied für Schwindsüchtige

Weh mir! Es sitzt mir in der Brust,
Und drückt und nagt mich sehr;
Mein Leben ist mir keine Lust
Und keine Freude mehr.

Ich bin mir selber nicht mehr gleich,
Bin recht ein Bild der Not,
Bin Haut und Knochen, blaß und bleich,
Und huste mich fast tot.

Die Luft, drein herrlich von Natur
Gott seinen Segen senkt,
Und daraus alle Kreatur
Mit Heil und Leben tränkt;

Die ist für mich nicht frei, nicht Heil.
Mein Atem geht schwer ein;
Ich muß um mein bescheiden Teil
Mich martern und kastein.

Und doch labt's und erquickt's mich nicht,
Macht's mir nicht frischen Sinn;
Die Blume, die der Wurm zersticht,
Welkt jämmerlich dahin!

Auch Schlaf, der alle glücklich macht,
Will nicht mein Freund mehr sein,
Und lässet mich die ganze Nacht
Mit meiner Not allein.

Die Ärzte tun zwar ihre Pflicht,
Und fuschern drum und dran;
Allein sie haben leider nicht
Das, was mir helfen kann.

Mein Hülf allein bleibt Sarg und Grab,
O sängen an der Tür
Sie schon, und senkten mich hinab!
Wie leicht und wohl wär's mir!

O sängen doch an meiner Tür
Sie laut: "Ich habe meine Sach etc."
Und trügen mich, und folgten mir
In langer Reihe nach,

Rund um die Kirch ans Grab heran,
Und senkten mich hinein! -
Ich läg und hätte Ruhe dann,
Und fühlte keine Pein.

Doch ich will leiden, bis Gott ruft,
Gern leiden bis ans Ziel.
Nur deinen Trost! und etwas Luft!
Du hast der Luft so viel.


Auf einen Selbstmörder

       Videre verum, atque uti res est dicere.

Er glaubte sich und seine Not
Zu lösen durch den Tod.
    Wie hat er sich betrogen!

Hier stand er hinterm Busch versteckt;
Dort steht er bloß und unbedeckt,
Und alles, was ihn hier geschreckt,
    Ist mit ihm hingezogen. –
    Wie hat er sich betrogen!


Ein Seliger an die Seinen in der Welt

Hier ist alles heilig, alles hehr!
    Und die kleinen Erdenfreuden,
    Und die kleinen Erdenleiden
Kümmern uns nicht mehr.
Doch wir denken hier an die da drüben,
Denken hier an sie, und lieben.


    Als der Sohn unsers Kronprinzen,
 gleich nach der Geburt, gestorben war

Mit den vielen andern, Groß und Kleinen,
    Klag' ich schmerzlich Deinen Tod;
Will bei Deinem Sarge satt mich weinen
    Und die Augen rot.

Nicht: daß Du Dich nicht, nach Herzensgnüge,
    An die holde Mutter schmiegst,
Und daß Du, statt freundlich in der Wiege,
    Tot im Sarge liegst, –

Hier ist Vorplatz nur, spät oder frühe
    Gehn wir alle weiter ein,
Und es lohnt sich wahrlich nicht der Mühe
    Lange hier zu sein,

Nicht: daß Du des Vaters Glanz hienieden
    Und sein Königreich nicht sahst,
Und daß Du die Krone, Dir beschieden,
    Nicht getragen hast; –

Ach, die Kronen sind nicht ohne Bürden,
    Sind nicht ohn Gefahren, Kind!
Und es gibt für Menschenkinder Würden,
    Die noch größer sind;

Sondern: daß wir hier ein Land bewohnen,
    Wo der Rost das Eisen frißt,
Wo durchhin, um Hütten wie um Thronen,
    Alles brechlich ist;

Wo wir hin aufs Ungewisse wandeln,
    Und in Nacht und Nebel gehn,
Nur nach Wahn und Schein und Täuschung handeln,
    Und das Licht nicht sehn;

Wo im Dunkeln wir uns freun und weinen,
    Und rund um uns, rund umher,
Alles, alles, mag es noch so scheinen,
    Eitel ist und leer.

O du Land des Wesens und der Wahrheit,
    Unvergänglich für und für!
Mich verlangt nach dir und deiner Klarheit;
    Mich verlangt nach dir.


     Der Philosoph und die Sonne

                  Der Philosoph
Du edler Stern am hohen Himmelszelt,
    Du Herr und König deiner Brüder!
Du bist so gut gesinnt – du wärmest uns die Welt,
Und schmückst mit Blumen uns das Feld,
    Und machst den Bäumen Laub, den Vögeln bunt Gefieder;
Du machst uns Gold, das Wunderding der Welt,
    Und Diamant, und seine Brüder;
    Kömmst alle Morgen fröhlich wieder,
    Und schüttest immer Strahlen nieder –
Sprich edler Stern am hohen Himmelszelt,
    Wie wachsen dir die Strahlen wieder?
Wie wärmest du? Wie schmückst du Wald und Feld?
Wie machst du doch in aller Welt
    Dem Diamant sein Licht, dem Pfau sein schön Gefieder?
Wie machst du Gold?
Sprich liebe Sonn', ich wüßt' es gern.

                   Die Sonne
Weiß ichs? Geh, frage meinen Herrn.


      Sterben und Auferstehn

Du Menschenkind, sieh um dich her...
    Und weißt du eine Lehre,
Die größer und die tröstlicher
    Für uns hienieden wäre? –

Dort, wo die Siegespalmen wehn,
    Ist Sein nur, ist kein Werden,
Kein Sterben und kein Auferstehn,
    Wie hier bei uns auf Erden.

Dort freun sie ewig ewig sich,
    Ist ewig Licht und Friede,
Das Leben quillt dort mildiglich
    Aus sich, und wird nicht müde.

Doch dieser Unterwelt ist nicht
    Solch glorreich Los gegeben;
Hier ist ohn Finsternis kein Licht,
    Und ohne Tod kein Leben.

Der Löwe liegt und fäult und schwellt –
    Dann geht vom Fresser Speise;
Der Same in die Erde fällt
    Und stirbt, – und keimt dann leise.

Und die Natur ein Spiegel ist;
    Es wird darin vernommen:
Was deinem Geist du schuldig bist
    Soll er zum Leben kommen.

Willst du wahrhaftig glücklich sein,
    Auf festem Grunde bauen;
Mußt du den Dornenweg nicht scheu'n,
    Der Rosenbahn nicht trauen.

Einst war ein großer Mann bedacht
    Uns darin einzuweihen,
Und führte durch die lange Nacht
    Das Volk zum Fest der Maien.

Drum spare dir viel Ungemach,
    Du Menschenkind, und höre,
Und denke der Verleugnung nach,
    Und jener großen Lehre.

In uns ist zweierlei Natur,
    Doch ein Gesetz für beide;
Es geht durch Tod und Leiden nur
    Der Weg zur wahren Freude.


                 Till, der Holzhacker

Zur Erläuterung der neuen philosophischen Methode:
die Reinheit in unsre Willkür aufzunehmen

Till hackte Holz auf Mord und Brand,
(Der Mond am Himmel vor ihm stand)
    Husch auf, husch kräftig nieder;
Da fuhr ihm's Beil, bei Ja und Nein,
Vom Schaft, und in den Mond hinein,
    Hinein, und kam nicht wieder.

»Feirabend«, sprach Till, »alleweil!
Denn hack mir einer ohne Beil,
    Koch' einer ohne Kohlen! –
Weil Till denn ohne Beil nichts kann;
So muß er, halter, wohl daran,
    Und muß es wieder holen.«

Gesagt, getan. Er geht zur Stund
Und nimmt die Leiter von der Wand,
    Wirft von sich Hut und Mütze,
Und stellt die Leiter frank und frei
Vor sich hin, und – und, ein zwei drei,
    Bis oben auf die Spitze.

Da saß er, sah zum Mond hinan;
»Noch«, sagt er, »bin ich nicht daran,
    Doch vivat meine Leiter!«
Und drehete, so wie er saß,
Sie um, als wie ein Stundenglas,
    Und stieg allmählig weiter.

So fuhr er fort: bald ruht er sich,
Dann dreht' er wieder um und stieg,
    Und stieg und drehte wieder;
Und kam, nachdem er's OFT getan,
Im Monde wohlbehalten an,
    Und setzte sich dort nieder.

Der Mond ist groß, ein wüster Ort,
Und mancher sucht vergebens dort;
    Till'n sollte alles glücken.
Er ging kaum drei vier Schritte weit,
So lag das Beil da groß und breit;
    Und er steckt's in die Ficken.

Uns andern würd's in solcher Höh
Wohl schwarz vor Augen, angst und weh;
    Doch Till blieb keck und munter.
Er witterte nicht Furcht noch Fahr,
Und, wie er aufgestiegen war,
    So stieg er auch herunter.

Das Ding war also abgemacht;
Indes war es nun Mitternacht,
    Und ihn fings an zu grauen.
Da macht' er 's Beil geschwinde fest
Am Schaft, und lief damit zu Nest,
    Und sagt' es seiner Frauen.


   Der Tod und das Mädchen

Das Mädchen:
Vorüber! Ach, vorüber!
Geh, wilder Knochenmann!
Ich bin noch jung, geh Lieber!
Und rühre mich nicht an.

Der Tod:
Gib deine Hand, du schön und zart Gebild!
Bin Freund, und komme nicht, zu strafen.
Sei gutes Muts! ich bin nicht wild,
Sollst sanft in meinen Armen schlafen!


Urians Reise um die Welt, mit Anmerkungen

Wenn jemand eine Reise tut,
So kann er was verzählen;
Drum nahm ich meinen Stock und Hut,
Und tät das Reisen wählen.
Tutti
Da hat Er gar nicht übel dran getan;
Verzähl' Er doch weiter Herr Urian!

Zuerst ging's an den Nordpol hin;
Da war es kalt, bei Ehre!
Da dacht' ich denn in meinem Sinn,
Daß es hier besser wäre.
Tutti
Da hat Er gar nicht übel dran getan;
Verzähl' Er doch weiter Herr Urian!

In Grönland freuten sie sich sehr,
Mich ihres Orts zu sehen,
Und setzten mir den Trankrug her;
Ich ließ ihn aber stehen.
Tutti
Da hat Er gar nicht übel dran getan;
Verzähl' Er doch weiter Herr Urian!

Die Esquimaux sind wild und groß,
Zu allem Guten träge;
Da schalt ich einen einen Kloß,
Und kriegte viele Schläge.
Tutti
Da hat Er gar nicht übel dran getan;
Verzähl' Er doch weiter Herr Urian!

Nun war ich in Amerika;
Da sagt' ich zu mir: Lieber!
Nordwestpassage ist doch da;
Mach dich einmal darüber!
Tutti
Da hat Er gar nicht übel dran getan;
Verzähl' Er doch weiter Herr Urian!

Flugs ich an Bord und aus ins Meer,
Den Tubus festgebunden,
Und suchte sie die Kreuz und Quer,
Und hab sie nicht gefunden.
Tutti
Da hat Er gar nicht übel dran getan;
Verzähl' Er doch weiter Herr Urian!

Von hier ging ich nach Mexiko;
Ist weiter als nach Bremen,
Da, dacht' ich, liegt das Gold wie Stroh;
Du sollst'n Sackvoll nehmen.
Tutti
Da hat Er gar nicht übel dran getan;
Verzähl' Er doch weiter Herr Urian!

Allein, allein, allein, allein,
Wie kann ein Mensch sich trügen!
Ich fand da nichts als Sand und Stein,
Und ließ den Sack da liegen.
Tutti
Da hat Er gar nicht übel dran getan;
Verzähl' Er doch weiter Herr Urian!

Drauf kauft' ich etwas kalte Kost,
Und Kieler Sprott und Kuchen,
Und setzte mich auf Extrapost,
Land Asia zu besuchen.
Tutti
Da hat Er gar nicht übel dran getan;
Verzähl' Er doch weiter Herr Urian!

Der Mogul ist ein großer Mann,
Und gnädig über Maßen,
Und klug; er war itzt eben dran,
'n Zahn ausziehn zu lassen.
Tutti
Da hat Er gar nicht übel dran getan;
Verzähl' Er doch weiter Herr Urian!

Hm! dacht ich, der hat Zähnepein,
Bei aller Größ' und Gaben! –
Was hilfts denn auch noch: Mogul sein?
Die kann man so wohl haben.
Tutti
Da hat Er gar nicht übel dran getan;
Verzähl' Er doch weiter Herr Urian!

    Ich gab dem Wirt mein Ehrenwort,
Ihn nächstens zu bezahlen;
Und damit reist' ich weiter fort
Nach China und Bengalen.
Tutti
Da hat Er gar nicht übel dran getan;
Verzähl' Er doch weiter Herr Urian!

Nach Java und nach Otaheit,
Und Afrika nicht minder;
Und sah bei der Gelegenheit
Viel Städt' und Menschenkinder;
Tutti
Da hat Er gar nicht übel dran getan;
Verzähl' Er doch weiter Herr Urian!

Und fand es überall wie hier,
Fand überall 'n Sparren,
Die Menschen grade so wie wir,
Und ebensolche Narren.
Tutti
Da hat Er übel übel dran getan;
Verzähl' Er nicht weiter Herr Urian!


                    Kriegslied

's ist Krieg! 's ist Krieg! O Gottes Engel wehre,
Und rede du darein!
's ist leider Krieg - und ich begehre
Nicht schuld daran zu sein!

Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen
Und blutig, bleich und blaß,
Die Geister der Erschlagnen zu mir kämen,
Und vor mir weinten, was?

Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten,
Verstümmelt und halb tot
Im Staub sich vor mir wälzten, und mir fluchten
In ihrer Todesnot?

Wenn tausend tausend Väter, Mütter, Bräute,
So glücklich vor dem Krieg,
Nun alle elend, alle arme Leute,
Wehklagten über mich?

Wenn Hunger, böse Seuch' und ihre Nöten
Freund, Freund und Feind ins Grab
Versammelten, und mir zu Ehren krähten
Von einer Leich herab?

Was hülf mir Kron' und Land und Gold und Ehre?
Die könnten mich nicht freun!
's ist leider Krieg - und ich begehre
Nicht schuld daran zu sein!