Felming

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Biografie

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 Auf den Tod eines Kindes

Schlafe wohl, geliebtes Kind,
so viel tapfrer Helden sterben,
ganze Völker gar verderben,
und die Zeit verstiebt wie Wind;
wie soll da ein Mensch bestehn ?
Muß dies Ganze doch vergehn.

Schlafe wohl! Wir Armen, wir
bleiben, was wir immer waren:
jung von Weisheit, alt von Jahren,
unverständig für und für,
stumm an Mund, an Augen blind,
Kinder, wie wir kommen sind.



Auff Abscheiden zweyer Vertrauten

Sie.
Mag auch ein größer Hertzeleidt
gefunden können werden /
als dieses / das mich dieser Zeit
zur ärmsten macht auff Erden!
Was soll ich nun beginnen?
Itzt macht er sich von hinnen!
Kein Wort / kein Kuß / kein Zähren /
kan seinem Willen wehren.
Er soll / er muß sich scheiden.
Ich muß / ich soll ihn meyden.
Ach! ach deß bittern Schmertzen /
in mein- und seinem Hertzen!
Der mich in lieben übte /
der mich liebt' und betrübte /
den ich so innig liebte /
der / Ach! der soll von mir.

Er.
Ach das ists / das mein Hertze bricht!
Hör ich den Mund nicht klagen?
Seh ich die Augen weinen nicht /
die mir die meinen plagen?
O daß doch diese Stunden
schon wären überwunden!
Wol hab ich können dencken /
wie sie diß würde kräncken.
Was aber soll man machen;
kein Rath hilfft dieser Sachen.
Wir wolln nicht oder wollen;
wir müssen / wie wir sollen.
Daß ich mich itzt soll scheiden /
daß ich sie nun soll meiden /
das bringt mir gleiches Leiden;
Schatz / hörst dus / oder nicht?

Sie.
Recht / Liebster / hör' ich wol die Noth /
in welcher wir itzt schweben.
Daß aber aller Trost ist todt /
das tödtet mir mein Leben.
Sollt ihr mir seyn genommen /
So bin ich ümm mich kommen;
Bin ich von euch verlassen /
So muß ich mich selbst hassen.
So werd' ich krancke müssen
mit steten Thränen fliessen.
Soll ich euch fort nicht sehen /
So ists ümm mich geschehen.
Ich kan / ich mag nicht leben.
Ich will den Geist auffgeben.
Als stets in ängsten schweben.
Und itzt / itzt fang ich an.

Er.
Ich krancker ich / was mach ich nun?
Sie sinckt in Ohnmacht nieder.
Laß / Hertze / laß dein kläglich thun.
Wir sehn einander wieder.
Ach Lieb / gieb dich zu frieden /
Wir bleiben ungeschieden.
Gantz nichts nicht soll uns trennen.
Ich will dich meine nennen.
Dein werd ich unterdessen
und nimmermehr vergessen.
Mein Sinn wohnt in dem deinen /
und deiner in dem meinen.
Mein Hertze bleibet deine.
Dein Hertze bleibet meine.
Du / Schatz / du bists alleine /
die meine Seele liebt.

Sie.
Ach Thyrsi / nun so sey gegrüßt
von deiner Amaryllen.

Er.
Und / Amarylli / du geküßt /
von Thyrsi / deinem Willen.
Das wiederkommen machet /
daß man deß scheidens lachet.

Sie.
Auff tausent tausent Leyden
kömmt tausent tausent Freuden.
Gott schütz dich in Gefahren.

Er.
Der woll auch dich bewahren.

Sie.
Zeuch hin; machs wol; komm wieder.
Das wünscht mit mir ein ieder.

Er.
Ach Lieb / laß ungeklaget

Sie.
Wolan es sey gewaget.

Er.
Wolan es ist gesaget.

Beide.
Wolan / so scheiden wir.



                    Auff Ihr Abwesen

Ich irrte hin und her / und suchte mich in mir /
    und wuste dieses nicht / daß ich gantz war in dir.
Ach! thu dich mir doch auff / du Wohnhauß meiner Seelen!
Komm / Schöne / gieb mich mir. Benim mir dieses quälen.
    Schau / wie er sich betrübt / mein Geist / der in dir lebt?
    Tödtst du den / der dich liebt? itzt hat er außgelebt.
Doch / gieb mich nicht aus dir. Ich mag nicht in mich kehren.
Kein Todt hat macht an mir. Du kanst mich leben lehren.
    Ich sey auch / wo ich sey / bin ich / Schatz / nicht bey dir /
    So bin ich nimmermehr selbest in / und bey mir.



     Auff Ihre Gesundheit

Was ich schlaffe; was ich wache;
Was mir träumet für und für;
was mir Angst macht; was Begier;
was ich lasse; was ich mache;
    Was ich weine; was ich lache;
was ich nähm' an Kost zu mir;
schreibe; lese; dencke hier /
Die / und die / und diese Sache /
    was ich nicht thu / was ich thu;
nichts und alles; reis' und ruh';
Angst und Freuden; Lust und Schmertzen;
    Dieses alles / alles das /
ihn ich hier ohn unterlaß
Auff Gesundheit meines Hertzen.



Auff den lustigen Flecken Rubar in Gilan /
hinter den Caßbinischen Gebürgen / in welchem die Holst.
Gesandschafft den xxiij. Jenner m. dc. xxxviij.
im Rückzuge aus Persien übernachtete.

Du Lustthall der Natur / aus welchem wir von weiten
deß Taurus langen Gast / den Winter / lachen aus;
Hier tieff spatziren gehn in einer Nais Hauß
die gülden heist und ist; Da alle Fruchtbarkeiten
    auf Chloris grüner Brust / und Thetis Schoß sehn streiten
dort so viel Dryaden die Hügel machen krauß /
darvon Silenus bricht / so manchen dicken Strauß /
und jauchtzet durch den Pusch mit allen seinen Leuten.
    Osyris der ümmarmt die Oreaden hier;
Pomona hegt das Gold der hohen Pomerantzen /
Läst die Narzissen stets mit den Violen tantzen.
    Fürst aller Liebligkeit / was sing' Ich deine Zier?
Das Lufft-Volck führt ümm dich ein ewiges Gethöne /
Daß ja nichts ümm und an gebreche deiner Schöne.



Auff die Italiänische Weise:
O fronte serena.

O Liebliche Wangen /
Ihr macht mir Verlangen /
diß rohte / diß weisse
zu schauen mit fleisse.
Und diß nur alleine
ists nicht / das ich meyne;
Zu schauen / zu grüssen /
zu rühren / zu küssen.
Ihr macht mir Verlangen /
O liebliche Wangen.

O Sonne der Wonne!
O Wonne der Sonne!
O Augen / so saugen
das Liecht meiner Augen.
O englische Sinnen /
O himmlisch Beginnen.
O Himmel auff Erden /
magst du mir nicht werden.
O Wonne der Sonne!
O Sonne der Wonne.

O schönste der schönen /
benimm mir diß sehnen.
Komm / eile / komm / komme /
du süße / du fromme.
Ach Schwester / ich sterbe /
ich sterb' / ich verderbe.
Komm komme / komm / eile /
komm / tröste / komm / heile.
Benimm mir diß sehnen /
O schönste der schönen!



            Auff eines Kindes Ableben

Wo ist der Gärten Pracht / der Blumen Königinn /
der Augen liebe Lust / die Anemone hin?
Die so nur gestern noch in ihrem Purpur-Munde
und keuschem Angesicht' allhier zu gegen stunde?
Wo ist denn heut' ihr Schmuck? Ihr wollust-volles Häupt?
und mit einander Sie? Sie ist schon abgeleibt.
Hier steht Ihr grüner Fuß / der Stengel noch zu schauen /
der schon auch matt und welck. Hier siehst du was zu trauen /
Mensch / auff dein Leben ist. Der / den man itzt begräbt /
das hertzeliebe Kind / hat neulich noch gelebt.
Und itzt / itzt starb es hin. Er war wie eine Blume /
Wo nur nicht leichter noch / mit seiner Schönheit Ruhme.
Hier liegt sein leerer Leib; Ihr Stengel steht noch hier.
Bald wird der keins mehr seyn. Beklagt es doch mit mir.
Was hilfft es / Menschen seyn / was liebe Blumen küssen /
Wann sie sind schöne zwar / doch balde nichts seyn müssen!



Auff eines seinen Nahmens Tag
In Astrachan geschrieben / m. dc. xxxviij. im Julio.

Ich sprach die Musen an auff diesen deinen Tag /
ümm einen saubern Vers / der für Gelehrte töchte /
Und in der Priefung recht gefunden werden möchte;
Gleich wie ich vor der Zeit wol eh' zu tichten pflag /
    Als ich frey aller Noth an meiner Mulden lag
und mir kein übermuht die kühnen Sinnen schwächte /
Kein grober übermuht / den ich zwar hier verfechte /
Wenn rechten wer' erläubt. Doch bleib' es / wo es mag.
    Ich sprach die Musen an / Ich rieff Sie an die Neune /
Ich rieff / Ich schrie sie an; nicht eine sprach ein Wort.
Es war kein Zynthius auff Pindus gantzem Heyne;
    Leer war ich kommen hier / leer must' ich wieder fort.
Ließ / Bruder / diß Sonnet / und schmeiß es über Port /
In dem Ich lachend stets ümm meine Gottheit weine.



             Auff ihr Verbündnüß

Ihr Schatten / die ihr nur alleine bey uns seyd /
und du auch stille Lufft / die unsern Ahtem reget /
Seyd Zeugen zwischen uns. Der Eyd ist abgeleget /
der Eyd / der mir und ihr soll nimmermehr seyn leid.
    Diß ist mein und ihr Schluß. Es berste List und Neid.
So lang' ein Pusch sein Laub / die Erde Kräuter träget /
und ein belebter Geist sich in der Flut beweget;
Diß soll sein Ende seyn / wenn mehr ist keine Zeit.
    So treue Fulvia / so liebt sechs ohne schmertzen /
wenn solche Freundschafft macht ein Hertze mit dem Hertzen.
Es mögen andre nun von ihrer Liebe Pein /
    Von Angst / von Grausamkeit / von dem und jenem Klagen;
Zwey Hertzen / das sind wir / die können redlich sagen /
daß von der Liebe sie noch nie betrübet seyn.



Aurora schlummre noch an deines Liebsten Brust ...

Aurora schlummre noch an deines Liebsten Brust /
es ist der tieffer Nacht kein Morgen noch bewust.
                Diana führt die Sternen
                    noch höher in die Lufft /
                will weiter von mir lernen /
                    was ich ihr vorgerufft.

Neun Stunden sind nun gleich von nächten durchgebracht /
Neun Stunden hab' ich nun an Korilen gedacht.
                an Korilen / die schöne /
                    von der ich bin so weit /
                drümm klinget mein Gethöne
                    nach nichts denn Traurigkeit.

Nähmt Korilen in acht / ihr Wächter aller Welt /
für ihren treuen Sinn / den sie mir vorbehält.
                Ich will nicht müde werden /
                    in ihrer festen Pflicht /
                biß daß der Feind der Erden
                    auch mir mein Urtheil spricht.

Aurora / lege nun ümm dich den purpur Flor /
Der junge Tag thut auff der Eas güldnes Thor.
                Wirst du mein Lieb ersehen /
                    so gieb ihr einen winck /
                Als mir von ihr geschehen /
                    in dem ich von ihr gieng.



                     Bekändtnüß

Mehr böse noch als bös' hab' ich bißher gelebet;
Bey kalter Gottesfurcht mich brennend angestellt.
Den Himmel offt geteuscht; mehr mein Freund und der Welt /
Bin selten über mich und Wolcken an geschwebet;
    Der schnöden Eitelkeit der Erden angeklebet.
Ich habe das gethan / das mir selbst nicht gefällt /
Ein Schüldner alles deß / das Mosis Rechnung hält /
der ich mit Eyfer auch hab' offte wiederstrebet.
    Ich muß / will ich schon nicht / bekennen wieder mich.
Mein Urtheil / meine Straff' und Todes-Art sprech' ich.
Ich hab' es so und so und ärger noch getrieben.
    Und was erzähl' ich viel die ungezählte Zahl
von meinen Schulden her? GOtt liest sie allzumahl
von meiner Stirnen ab / an der sie sind geschrieben.



      Bey einer Leichen

Ein Dunst in reger Lufft;
Ein geschwindes Wetterleuchten;
Güsse / so den Grund nicht feuchten;
Ein Geschoß / der bald verpufft;
    Hall der durch die Thäler rufft;
Stürme / so uns nichts seyn deuchten;
Pfeile / die den Zweck erreichten;
Eyß in einer warmen Grufft;
    Alle diese sind zwar rüchtig /
daß sie flüchtig seyn und nichtig;
Doch wie nichts Sie alle seyn /
    So ist doch / O Mensch / dein Leben /
mehr / als Sie / der Flucht ergeben.
Nichts ist alles. Du sein Schein.



             Braut-Lied

Amaryllis liebt Mirtyllen /
und Mirtyllus Amaryllen.
    Kommt Ihr Schäffer kommt heran
Kommt heran Ihr Schäfferinnen /
    Last uns ümm den Blumen Plan
Einen neuen Tantz beginnen.

Amaryllis liebt Mirtyllen /
und Mirtyllus Amaryllen.
    O das außerwählte Paar!
O die weit-gepreisten Beyde!
    Die der gantzen Hirten Schaar /
itzt gebähren solche Freude!

Amaryllis liebt Mirtyllen /
und Mirtyllus Amaryllen.
    Schlagt durch die gepaarte Hand /
Ihr hierzu ersuchten Sternen /
    und gesegnet derer Standt /
die von euch das lieben lernen.

Amaryllis liebt Mirtyllen /
und Mirtyllus Amaryllen.
    Paar an Treue / Paar an Zucht /
Paar an Ehren gleich gehalten.
    Kostet nun die süsse Frucht /
die euch nimmer läst veralten.

Amaryllis liebt Mirtyllen /
und Mirtyllus Amaryllen.
    Liebsten / Euch hat diese Gunst
Euer Himmel zu geeignet /
    Der erhalte diese Brunst /
Biß auch ihr zu Himmel steiget.



            Danck-Lied

Billich ists / daß wir uns freuen /
und mit lauten Jauchtzen schreyen /
Lob sey Gott und seiner Macht /
der die stoltzen Feinde beuget /
und mit seiner Allmacht zeuget /
daß er uns noch nimmt in acht.

Zweymahl kahmen sie gezogen /
zweymahl sind sie auch geflogen /
nicht ohn mächtigen Verlust.
Schreyt / ihr Jungen / rufft ihr Alten /
zweymahl hat das Feld behalten /
Gott und unser Held August.

Held August du kühner Krieger /
du Gelückes-voller Sieger /
vor und in und nach dem Fall' /
auff was Arten / auff was weisen /
soll man deine Thaten preisen /
hier und da / und überall.

Held / du kahmest her vom weiten /
daß du vor uns möchtest streiten /
Held du kahmest / Held du strittst /
Held / du siegtest auch im sterben.
Held / wie können wir verderben /
weil du itzt noch vor uns trittst.

Deine Ruthe / deine Wercke /
deine ritterliche Stärcke /
rufft aus / was nur ruffen kan /
die bezwungne Ströme brausen /
die verbundne Lüffte sausen /
was du / Helff er / hast gethan.

Elbe / Fürstin unsrer Flüsse /
mach' dich auff die feuchten Füße /
eile / lauffe Nacht und Tag /
meld es mit beredten Wellen /
daß die Ufer wieder-schällen /
wie der Feind für dir erschrack.

Die erblasseten Illyrer /
wichen mit samt ihren Führer /
hinter sich / und fielen hin /
wie für Jovis Donner-keilen /
wie für Herkuls heilgen Seulen /
die man nicht soll überziehn.

Schöne Stadt / der fromme Himmel /
der verschuff ein solch Getümmel /
ein solch Schrecken in den Feind /
daß der schändlich muste fliehen /
der dich grimmig auszuziehen /
und zu plündern war gemeynt.

Seyd nun froh / ihr frommen Bürger /
Er ist todt / der wilde Würger /
Er ist todt und ihr seyd frey.
Ihr / und wir / und alle sagen /
daß sich Gott für uns geschlagen /
daß die Ehre seine sey.

Ist schon unser Heyland blieben /
Gott hat einen schon verschrieben /
der ihn rechen kan und soll /
Ihn / und uns / und alle Frommen /
kömmt Er? Ja. Er ist schon kommen.
Gläubige / gehabt euch woll.



Dem Wolgebohrnen Herrn /
Herrn Dietrich von dem Werder.

Es sagts Jerusalem / es sagets Krieg und Sieg /
und hundert anders mehr / was werther Held dein dichten /
und dein verrichten sey. Du giebest den Geschichten
Ihr Leben durch dein Thun. Machst daß dein Sieg und Krieg
    sich kriegt und übersiegt / den sonst die Zeit verschwieg
in einer langen Nacht. Du kanst dich dir verpflichten /
daß dich und deinen Rhum kein Todt nicht mag vernichten.
Weil ritterliche Kunst ihn sieghafft überstieg.
    Ich lobe diese Faust / die Leib und Nahmen schützt /
Selbst schreibt was sie selbst thut. Auff Krafft und Kunst ihr eigen /
auff beyderley gelehrt / was beyder Seiten nutzt.
    Ihr Röhmer / tretet auff; Ihr Griechen gebet zeugen /
wird Agamemnon nun selbst sein Homerus nicht?
Eneas sein Virgil? wer ists / ders wiederspricht?



                     Der CII. Psalm

Ein Gebet des Elenden / so er betrübt ist /
und seine Klage vor dem HERRN außschüttet
.

HERR / höre mein Gebet / und laß mein sehnlichs schreyen
Zu dir und vor dich ein. * Verbirge nicht vom newen
Dein Antlitz erst für mir. neig' / HERR / dein leises Ohr.
Vernimb / was in der Noth ich dir jetzt bringe vor.
Denn meine Tage sind / als wie ein Rauch / vergangen /
Der eh zerfleucht / als kömpt. die dürren Beine hangen /
Und sind gantz außgebrandt. * Mein Hertz' ist wund und matt /
Wie ein verschmachter Halm / der nicht mehr Nahrung hat.
Ich bin verduttet gantz / daß ich auch kan vergessen.
Das grawerliche Brot und eckle Kost zu essen.
Die Backen trucknen aus. die Schläffe fallen ein.
Ich bin durch steten Harm nur worden Haut und Bein.
Gleich als der Pelican im wüsten Rohre schreyet /
Und wie ein wilder Kautz / der sich zu machen schewet
Aus seiner öden statt. * gleich wie ein Vogel girrt /
Wenn ihm sein Ehgemahl vom Garn' erhaschet wird /
Der stets sein Einsamseyn rufft aus auff allen Bäwen /
So bin anjetzo ich. * Man schmäht mich stets vom newen.
So offt' es taget nur / so tritt mein Feind vor mich /
Kühlt seinen Muth an mir / und lästert trotziglich.
Ich bin sein Spott und Schwur. * Wo ist mein erstes tischen?
Asch' ess ich jetzt für Brot. mit Thränen muß ich mischen
Den ungeschmackten Tranck. * Weil du so zornig bist /
Und deine Dräwung mir das Marck und Seele frisst.
Du hubest mich empor hoch uber alle Grossen.
Wie hastu mich denn jetzt zu Boden so gestossen?
Mein gantzer Lebenslauff gleicht einem Schatten nur /
Der / wenn der Cörper weicht / verlesset keine Spur.
Bey zusehn schwind' ich ab. der Lenden Marck verrinnet.
Und ich dorr' aus / wie Graß / daß man am Warmen sönnet.
Was bin ich gegen dir / du starcker Zebaoth?
Du bleibest ewig HERR / und ohne wandel Gott /
Dich endert keine Zeit / du Herrscher aller Zeiten.
Dein' ist die Ewigkeit / du Printz der Ewigkeiten.
Wenn dieses Gantze denn die Glut wird äschern ein /
So wird doch für und für noch dein Gedächtnüß seyn.
Ach! mache dich doch auff / und hilff mir ärmsten Armen.
Wenn deines Sions Drangs du dich noch kanst erbarmen /
So mache dich doch auff. Jetzt ist es hohe Zeit /
Daß du ihr gnädig seyst / und werffest ab ihr Leid.
Die reiffe Stund' ist da. * Denn wir / wir deine Knechte /
Sehn gerne / daß einmal sie käme doch zu rechte.
Daß ihre Stein' und Kalck nur würden zugerichtt /
Daß man sie führet' auff. * Damit in deiner Pflicht
Das unbekehrte Wild / die Heyden möchten leben /
Und alle Könige dem Namen Ehre geben /
Der aller Ehren werth / * daß Zion sey erbawt /
Und daß man Gott allda in seiner Hochheit schawt.
Der Unterdrückten Wundsch / das außerpresste Flehen
Hört Er. lesst keinen Mann nicht Hülffloß von ihm gehen /
Der ihm nur trawen kan. Er wendet sich zu dir /
Verschmäht nicht / was du ihm in deiner Noth tregst für.
Das werd' in ewige Demanten eingegraben /
Was wir für einen Gott an unserm Gotte haben.
In Bücher müsse diß geschrieben werden ein /
Die keine Zeit befrisst / daß auch / die nach uns seyn /
Das ungebohrne Volck / den HERREN loben mügen /
Und sich vor dessen Macht und Ehre willig schmiegen /
Der von der heilgen Höh' auff dieses Tieffe schawt /
Daß er das arme Volck / das seiner Gnade trawt /
Und hart umbfässelt ist / aus seinen Ketten reisse /
Und den geschwornen Tod der Seufftzenden zerschmeisse.
Daß Zion predige / wie man Gott ehren soll' /
Und gantz Jerusalem sey seines Ruhmbes voll.
Wenn das bewohnte Rund / wenn alle Königreiche /
So dieser Boden helt / beisammen seyn zugleiche /
Und einen solchen Dienst dir werden stellen an /
Den nur das werthe Volck / das du liebst / leisten kan.
Er / dieser grosse HERR / erschöpffet meine Kräffte.
Und treibet offt' im Thun zu rücke mein Geschäffte /
Verkürtzet meine Tag'. * Ich flehe stets an Ihn /
Nimb / mein Gott / mich doch nicht in besten Jahren hin /
Und wenn ich halb alt bin. * Du bist der Zeit Verwalter /
Doch ausser aller Zeit. du weisst von keinem Alter /
Bleibst immer / wer du bist. du gründetest vorhin
Der Erden grossen Punct. dein Weißheitreicher Sinn
Gab alle Himmel an. * Jedoch die festen Wercke
Und was zusammen zwingt der Elementen Stärcke /
Daß nichts nicht leer muß seyn / die werden untergehn /
Und du wirst unbewegt in deinen Kräfften stehn.
Sie werden allesampt durch letzten Sturm zerreissen /
Und wie ein alt Gewand und böses Kleid verschleissen.
JEHOVAH / aber du bleibst immer / wie du bist.
Umbschreibest dich durch dich. die Ewigkeit / HERR / ist
Bloß deines Endes Ziel. * Laß deiner Knechte Kinder
Auch bleiben stets vor dir. Ihr Same sey nichts minder /
Als unsrer Väter war / von dir gebenedeyt /
Und breche / wie vor Sie / durch alle böse Zeit.



                       Der CXXX. Psalm

Aus diesem tieffen Schlund'/ aus dieser schwartzen Grufft /
Hab' ich so offt' und offt' / O HERR / zu dir gerufft:
Ach Vater / höre mich! ach laß dein' Ohren mercken
Auff meines flehens Stimm'. * HERR / so du nach den Wercken
Mit uns verfahren wilst / uns unsre Missethat
Und Sünde rechnen zu / so man verübet hat /
HERR / HERR / wer wird vor dir in seinem Thun bestehen.
Wir müssen allesampt auff eins zu scheittern gehen.
Du aber / Gott / vergiebst / daß man dich fürchten sol.
Und so kan mancher noch vor dir bestehen wol /
Der nur frisch aus bekennt / und Gnad' umb Recht begehret.
Das ihm denn / milder HERR / von dir stracks wird gewehret.
So kan man selig seyn. * Ich harre meines HERRN /
Und meine Seele harrt. der frische Safft und Kern /
Den sein Wort in sich hat / heisst so mich auff ihn hoffen.
Diß Wohnhauß meiner Seel' halt' ich dem HERREN offen
Nicht an dem Tage nur. wenn noch die dicke Nacht
Umb mein Gemach ist her / und eh die Sonn' erwacht /
So denck' ich schon an ihn / und warte mit Verlangen
Auff ihn und seinen Trost. * Gantz Israel sol hangen
Mit seinen Hoffnungen und Seufftzen / HERR / an dir /
Denn bloß bey dir allein ist Gnade für und für.
Du bist die Gnade selbst. Wohl! hoffet all' ihr Frommen /
Wir wollen doch durch ihn zur alten Freyheit kommen.
Erlösung hat er gnung. * Und Er / der trewe Gott /
Wird Jacob machen loß von aller Schuld und Noth.



Ein getreues Hertze wissen ...

Ein getreues Hertze wissen /
hat deß höchsten Schatzes Preiß.
Der ist seelig zu begrüssen /
der ein treues Hertze weiß.
Mir ist wol bey höchstem Schmertze /
denn ich weiß ein treues Hertze.

Läufft das Glücke gleich zu zeiten
anders als man will und meynt /
ein getreues Hertz' hilfft streiten /
wieder alles / was ist feind.
Mir ist wol bey höchstem Schmertze /
denn ich weiß ein treues Hertze.

Sein vergnügen steht alleine
in deß andern Redligkeit.
Hält deß andern Noth für seine.
Weicht nicht auch bey böser Zeit.
Mir ist wol bey höchstem Schmertze /
denn ich weiß ein treues Hertze.

Gunst die kehrt sich nach dem Glücke.
Geld und Reichthum das zersteubt.
Schönheit läst uns bald zu rücke.
Ein getreues Hertze bleibt.
Mir ist wol bey höchstem Schmertze /
denn ich weiß ein treues Hertze.

Eins ist da seyn / und geschieden.
Ein getreues Hertze hält.
Giebt sich allezeit zu frieden.
Steht auff / wenn es nieder fällt.
Ich bin froh bey höchstem Schmertze /
denn ich weiß ein treues Hertze.

Nichts ist süßers / als zwey Treue /
wenn sie eines worden seyn.
Diß ists / das ich mich erfreue.
Und Sie giebt ihr Ja auch drein.
Mir ist wol bey höchstem Schmertze /
denn ich weiß ein treues Hertze.



Eine hab' ich mir erwählet

Eine hab' ich mir erwählet /
und die solls alleine seyn /
die mich frölich macht und quählet /
doch mit einer süßen Pein /
Ihrer Tugend reine Pracht
hat mir ihre Gunst gemacht.

Lobt der seine von der Jugend /
jener seine von der Zier;
Mich ergetzet ihre Tugend /
die vor andern gläntzt an ihr /
wie deß Monden voller Schein /
unter tausent Sternelein.

So erstreckt sich mein begehren
weiter als auff Treue nicht.
Ihre Warheit kan gewehren /
was mir ihre Gunst verspricht.
Hab' ich sie / so hab ich mir
aller Schätze Schätz' an Ihr.

Auff Sie bin ich außgeschüttet.
Mein Liecht borgt von ihr den Schein.
Was mein Mund / der nichts mehr bittet /
als von ihr geküst zu seyn /
Nachts und Tages / spat und früh
redt und singet / das ist sie.

Basilene / deine Liebe /
dein gewisser / fäster Sinn /
der mich dir zu lieben triebe /
wird gerühmt seyn / weil ich bin.
Deiner treuen Redligkeit
wird vergessen keine Zeit.

Ein Gedächtnüß will ich stifften
und von Jaspis führen auff /
Amor soll mit güldnen Schrifften
diese Worte stechen drauff:
Basilene du allein /
und sonst keine soll es seyn.




                               Elegie
                      An sein Vaterland

Ach! daß ich mich einmahl doch wieder solt' erfrischen
    an deiner reichen Lust / du edler Mulden-Fluß /
Da du so sanffte gehst inn bergichten Gepüschen /
    da / da mein Harttenstein mier boht den ersten Kuß.
Wie jung / wie klein' ich auch ward jener Zeit genommen
    aus deiner süßen Schooß / so fällt miers doch noch ein /
Wie offt' ich lustig hab' inn deiner Fluth geschwommen.
    Mier träumet offte noch / als solt' ich ümm dich seyn.
Itzt wolt' ich mier erst Lust / und dier Ergötzung schaffen.
    Inn dem ich nach der Kunst / die mich und dich erheebt /
Ein unerhörtes Lied / nicht von Gradivus Waffen /
    Für dem du nun / Gott loob / itzund hast außgebeebt /
Ein Lied / von stiller Ruh' / und sanfftem Leeben spielte /
    Wie unser Maro itzt bey seinem Bober thut /
Ein Lied / das Himmel hätt' / und etwas solches fühlte /
    das nach der Gottheit schmekk' / und rege Muth und Bluth.
Als ich denn pflag zu tuhn vor sieben halben Jahren /
    (Wo ist sie itzund nun / die liebe schöne Zeit!)
Da ich so helle sang bey Philyrenens Paaren /
    daß sich mein Thoon erschwung biß an die Ewigkeit.
Ich sang der deutschen Ruhm / und ihrer theuren Printzen /
    Biß Mars mich da trieb' aus / der Unhold aller Kunst.
Da macht' ich mich beloobt bey vielerlei Provintzen /
    das Lief- und Rußland auch mier boten ihre Gunst.
Rubelle / die ich pflag mehr als mich selbst zu lieben /
    Rubelle / von Gestalt und Sitten hooch-benahmt /
dieselbe hatte mier die Pest auch aufgerieben.
    Doch hat sich ihre Frucht inn mier sehr reich besaamt.
Die weisse Balthie / ümm die zu einem Schwane
    Zeus itzt auch würde noch / fing mich mit ihrer Zier.
Nach dieser wurd mier hold die lange Roxolane.
    Ach! aber / ach! wie weit binn ich von beyden hier!
Zwar / es verstattet mier das Kaspische Gestade /
    daß ich ümm seinen Strand mag ungehindert gehn:
Auch bittet mich zur zeit zu Ihrem schönen Bade /
    Auff urlaub deß Hyrkans / manch' Asische Siren'.
Ich binn den Nymfen lieb / den weichen Zirkassinnen /
    Dieweil ich ihnen fremd' und nicht zu heßlich binn.
Und ob einander wier schoon nicht verstehen können /
    So kan ihr Auge doch mich günstig nach sich ziehn.
Was aber soll ich so / und auff der Flucht nur lieben.
    Kupido wird durch nichts / als stätigkeit vergnügt.
Was den zu laben scheint / das macht ihm nur betrüben /
    der allzeit alles hat / und niemahls nichts doch kriegt.
Ich stürbe miers denn ab / so hoff' ichs zu erleeben /
    Daß / wenn ich diesen Lauff zu ende habe bracht /
Ich dier den ersten Kuß / O Landsmannin wil geeben /
    Was ferner kann geschehn / das laß ich ungedacht.



Er beklagt die Enderung und Furchtsamkeit
itziger Deutschen

Itzt fällt man ins Konfect / in unsre vollen Schalen /
wie man uns längst gedräut. Wo ist nun unser Muth?
der außgestählte Sinn? das kriegerische Blut?
Es fällt kein Unger nicht von unserm eiteln pralen.
    Kein Pusch / kein Schützen-Rock / kein buntes Fahnenmahlen
schreckt den Krabaten ab. Das ansehn ist sehr gut /
das ansehn meyn' ich nur / daß nichts zum schlagen thut.
Wir feigsten Krieger wir / die Föbus kan bestrahlen.
    Was engsten wir uns doch und legen Rüstung an /
die doch der weiche Leib nicht ümm sich leiden kan?
Deß großen Vatern Helm ist viel zu weit dem Sohne.
    Der Degen schändet ihn. Wir Männer ohne Mann /
Wir starcken auff den Schein / so ists ümm uns gethan /
uns Nahmens-deutsche nur. Ich sags auch mir zum Hohne.



                  Er bittet Sie zu sich

Erfreue mich und dich / O Freude meiner Seelen /
Ohn die ich traurig noch bey höchster Wonne bin.
Komm / du mein selber ich / komm / Liebste komm dorthin /
wo wir uns beiderseits offt pflegen zu verhölen.
    Ich bin / Schatz / kranck nach dir. Komm / laß mich nicht so quälen.
Hier wart' ich deines Trosts / den du mir / O mein Sinn /
alleine geben kanst. Komm meine Trösterinn.
Hier findest du und ich / was ich und du erwehlen;
    Kein Gott / kein Mensch / kein Wild und keine Kreatur
ist hier. Auch keine Lufft / ohn die alleine nur /
die ich / ich seufftzender / alleine nach dir schicke.
    Thus / Hertze / sey bald hier. Kömst / oder kömst du nicht /
So höre; was zu dir dein eignes Hertze spricht:
Du bist mein gröstes Glück' und gröstes Ungelücke.



                 Er hat alles wol gemacht

Ja mehr als wol gemacht! nicht tauben nur und blinden /
und was ein krancker Leib für Mangel haben kan /
hilfft dieser Wunder-Artzt. Es trifft was höhers an /
als ein natürlichs Weh / die Glieder zu entbinden /
    Ja mehr auch als den Todt. Der Staat der blinden Sünden /
das Band der tauben Lust / der Hoffart stummer Wahn
wird sonst durch keinen nicht / als diesen / abgethan.
Kein Leib-Artzt wird sich so zu heilen unterwinden.
    Die Seele die ist kranck. Dem Geiste wird vergeben.
Er trinckt den Kelch für uns. Stirbt selbst für unser Leben.
Zerbricht der Höllen Burg / und was den Todt verwacht.
    Schleust unser Gräber auff / wird selbst die Himmels-Leiter /
Ja / selbst der Himmel gar. Rufft läuter / ruffet weiter:
Er / Er hat alles wol / und mehr als wol gemacht.



Er redet die Stadt Moskaw an /
Als er ihre vergüldeten Thürme von fernen sahe.

Du Edle Käyserinn der Städte der Ruthenen /
Groß / herrlich / schöne / reich; seh' ich auff dich dorthinn /
auff dein vergüldtes Häupt / so kömmt mir in den Sinn
was güldners noch als Gold / nach dem ich mich muß sehnen.
    Es ist das hohe Haar der schönen Basilenen /
durch welcher Trefligkeit ich eingenommen binn.
Sie / Gantz ich / Sie mein All / Sie / meine Herrscherinn /
hat bey mir allen Preiß der schönsten unter schönen.
    Ich rühme billich dich / du Häupt-Stadt deiner Welt /
weil deiner Göttligkeit hier nichts die Wage hält /
und du der Außzug bist von tausenden der Reussen.
    Mehr aber rühm' ich dich / weil / was dich himmlisch preist /
mich an ein göttlichs Mensch bey dir gedencken heisst /
in welcher alles ist / was treflich wird geheissen.



     Er verwundert sich seiner Glückseeligkeit

Wie mir es gestern gieng / und wie ich ward empfangen
in meiner Freundinn Schoß / weiß Sie nur und nur ich.
Das allerliebste Kind das hertzt' und grüßte mich.
Sie hielte fäste mich / wie Ich sie hart' ümmfangen.
    Auf meinem lag ihr Mund / auff ihren meine Wangen.
Offt sagte sie mir auch / was nicht läst sagen sich.
Darümm du / Momus / nicht hast zu bekümmern dich.
Bey ihr ist noch mein Sinn / bey mir noch ihr Verlangen;
    O wol mir / der ich weiß / was nur die Götter wissen /
die sich auch / wie wir uns / in reiner Keuschheit küssen.
O wol mir / der ich weiß / was kein verliebter weiß.
    Wird meiner Seelen Trost mich allzeit also laben /
mir allzeit also thun / so werd' ich an ihr haben
ein weltlichs Himmelreich / ein sterbliche Paradeiß.



Erbarme du dich meiner Quahlen ...

Erbarme du dich meiner Quahlen /
du dicker wüster Heyn /
dem Titans allerhellste Strahlen
doch geben keinen Schein.
Wie dunckel hier ist deine schwartze Höle /
So finster auch ist meine krancke Seele.

Laß unter deinem stillen Schatten
mein klagen sicher gehn
und höre meinen Sinn / den matten /
sein Leid-lied recht erhöhn.
Den armen Sinn / der seinen Haß auch liebet /
den nichts erfreut / als daß er ist betrübet.

So muß ich todter dennoch leben?
Ach! kan diß möglich seyn?
Was meiner Seelen Trost soll geben /
das selbst ist ihre Pein.
Ach mir! was ists vor ein verkehrtes Wesen /
das mich bringt ümm von dem will ich genesen.

Glaubts / wo ihrs anders könnt verstehen /
ihr Blätter ingesammt /
der Pein muß eure Zahl nachgehen
in die ich bin verdammt.
Die Wolge hier hat nicht so viel der Tropffen
als ängste mir an meine Seele klopffen.

Es möchte müglich seyn zu messen /
die Fluht der Kasper-See.
Zu zählen wie viel Bienen essen
von Hyblens süßem Klee.
Nur meine Pein / ein Ding auff aller Erden
kan nicht gezählt / kan nicht gemessen werden.

Natürlich ists / das stetigs klagen
uns endlich alle macht.
Ich werd erquickt durch ewigs plagen /
und will seyn ümmgebracht.
Laß sehn ob ich durch Freude denn kan sterben /
dieweil kein leid mich doch nicht kan verderben.



Es ist ümmsonst / das klagen ...

Es ist ümmsonst / das klagen /
                das du ümm mich /
                und ich ümm dich /
wir ümeinander tragen.
Sie ist ümmsonst / die harte Pein /
mit der wir itzt ümmfangen seyn.

Laß das Verhängnüß walten.
                Was dich dort ziehrt /
                und mich hier führt /
das wird uns doch erhalten.
Diß / was uns itzt so sehr betrübt /
ists dennoch das uns Freude giebt.

Sey unterdessen meine /
                mein mehr als ich /
                und schau' auff mich /
daß ich bin ewig deine.
Vertraute Liebe weichet nicht.
Hält allzeit / was sie einmahl spricht.

Auff alle meine Treue
                sag' ich dirs zu /
                du bist es / du /
der ich mich einig freue.
Mein Hertze / das sich itzt so quählt /
hat dich und keine sonst erwählt.

Bleib / wie ich dich verlassen /
                daß ich dich einst /
                die du itzt weinst /
mit lachen mag ümmfassen.
Diß soll für diese kurtze Pein
uns ewig unsre Freude seyn.

Eilt / laufft ihr trüben Tage /
                Eilt / laufft / vorbey.
                Eilt macht mich frey
von aller meiner Plage.
Eilt / kommt ihr hellen Stunden ihr /
die mich gewehren aller Zier.



Es ist unverwand / mein Hertze ...

Es ist unverwand / mein Hertze /
das ich trage gegen dir.
Es ist unverwand in mir /
du mein Trost und auch mein schmertze, /
was sich regt in meinem Blute /
weiß von keinem Wanckel-muthe.

Lasse dich diß nicht betrüben /
daß ich dir ohn unterlaß
von der Pein / die mich macht blaß
seither habe nicht geschrieben.
Das Gemüthe redt die fülle /
schweigt gleich Mund und Feder stille.

Siehst du / wie die festen Eichen
für den Stürmen sicher sind /
wie der schwache Norden-wind
von den Felsen ab muß weichen?
Mein starck Hertze / das dich meynt /
bleibt / weil uns die Sonne scheint.

Geuß die Strahlen deiner lieben /
deiner süßen Trefligkeit /
in mein Hertze / das sich freut /
sich ümm dich auch zu betrüben.
Deine keusche Schönheit macht
daß mein Mund auch weinend lacht.

Eben diß ist mir ein Zeichen
deiner ungefärbten Gunst /
wenn du mich in dieser Brunst
nicht gantz Hülfloß läßt erbleichen /
und weil du mich nicht kanst küssen /
mich doch lässest noch begrüssen.

Nun / erfreue mich / O Schöne /
daß ich / wie ich vorgethan /
so auch ferner sagen kan:
Die getreue Basilene /
Basilene die getreue /
thut stets / was ich mich stets freue.



      Für eine Jungfrau

Der Mäy der kömmt gegangen
und hat die schönen Wangen
mit Blumen außgemahlt.
Das Leid der langen Fröste
wird durch die warmen Weste
mit Wollust reich bezahlt.

Auch euer Tag der liebe /
will gantz nicht sehen trübe /
stellt sich erfreuter ein.
Und / alles / was wir fragen /
das sagt in einem sagen /
Ihr sollt gebunden seyn.

Drüm wils auch mir gebühren /
daß ich euch helffe ziehren.
Nehmt dieses schlechte Band.
Ihr Wünsche / die ich schicke /
habt mehr / als ich Gelücke /
und schlingts ihm ümm die Hand.

Ich bitte seinetwegen
von Gott ihm so viel Seegen /
als Stern am Himmel stehn;
als Zweige sind in Wäldern;
als Kräuter auff den Feldern;
als Fisch im Meere gehn.



                               An sich

Sei dennoch unverzagt! Gib dennoch unverloren!
Weich keinem Glücke nicht, steh höher als der Neid,
vergnüge dich an dir und acht es für kein Leid,
hat sich gleich wider dich Glück, Ort und Zeit verschworen.

Was dich betrübt und labt, halt alles für erkoren;
nimm dein Verhängnis an. Laß alles unbereut.
Tu, was getan muß sein, und eh man dir's gebeut.
Was du noch hoffen kannst, das wird noch stets geboren.

Was klagt, was lobt man noch? Sein Unglück und sein Glücke
ist ihm ein jeder selbst. Schau alle Sachen an:
dies alles ist in dir. Laß deinen eitlen Wahn,

und eh du fürder gehst, so geh in dich zurücke.
Wer sein selbst Meister ist und sich beherrschen kann,
dem ist die weite Welt und alles untertan.



  Wie er wolle geküsset seyn

Nirgends hin / als auff den Mund /
da sinckts in deß Hertzens Grund.
Nicht zu frey / nicht zu gezwungen /
nicht mit gar zu fauler Zungen.

Nicht zu wenig / nicht zu viel!
Beydes wird sonst Kinder-spiel.
Nicht zu laut / und nicht zu leise /
Beyder Maß' ist rechte Weise.

Nicht zu nahe / nicht zu weit.
Diß macht Kummer / jenes Leid.
Nicht zu trucken / nicht zu feuchte /
wie Adonis Venus reichte.

Nicht zu harte / nicht zu weich.
Bald zugleich / bald nicht zugleich.
Nicht zu langsam / nicht zu schnelle.
Nicht ohn Unterscheid der Stelle.

Halb gebissen / halb gehaucht.
Halb die Lippen eingetaucht.
Nicht ohn Unterscheid der Zeiten.
Mehr alleine denn bei Leuten.

Küsse nun ein Jedermann /
wie er weiß / will / soll und kan.
Ich nur und die Liebste wissen /
wie wir uns recht sollen küssen.



            Gedancken / über der Zeit

Ihr lebet in der Zeit / und kennt doch keine Zeit /
So wisst Ihr Menschen nicht von / und in was Ihr seyd.
Diß wisst Ihr / daß ihr seyd in einer Zeit gebohren.
Und daß ihr werdet auch in einer Zeit verlohren.
Was aber war die Zeit / die euch in sich gebracht?
Und was wird diese seyn / die euch zu nichts mehr macht?
Die Zeit ist was / und nichts. Der Mensch in gleichem Falle.
Doch was dasselbe was / und nichts sey / zweifeln alle.
Die Zeit die stirbt in sich / und zeucht sich auch aus sich.
Diß kommt aus mir und dir / von dem du bist und ich.
Der Mensch ist in der Zeit; sie ist in ihm ingleichen.
Doch aber muß der Mensch / wenn sie noch bleibet / weichen.
Die Zeit ist / was ihr seyd / und ihr seyd / was die Zeit /
Nur daß ihr Wenger noch / als was die Zeit ist / seyd.
Ach daß doch jene Zeit / die ohne Zeit ist kähme /
Und uns aus dieser Zeit in ihre Zeiten nähme.
Und aus uns selbsten uns / daß wir gleich köndten seyn /
Wie der itzt / jener Zeit / die keine Zeit geht ein!



Geht / ihr meine Thränen / geht ...

Geht / ihr meine Thränen / geht /
und erweichet der ihr Hertze /
die wie eine Klippe steht
unbewegt von meinem Schmertze.
Die das / was mein Hertze bricht /
sieht / und wils doch sehen nicht.

Fliegt / ihr meine Seuffzer ihr /
nähmet eure Krafft zusammen.
Blaset / wie ihr thut bey mir /
auff bey ihr die Liebes-flammen /
daß sie / wenn sie sieht auff mich /
liechter Lohe brenn' / als ich.

Meine Bothen / so fahrt hin.
Schafft mir Raht / so viel ihr könnet /
und vergnüget meinen Sinn /
der sich selbsten kaum besinnet.
Bringt nicht ihr mir ihre Gunst /
so ist alle Kunst ümmsunst.

und erweichet der ihr Hertze /
die wie eine Klippe steht
unbewegt von meinem Schmertze.
Die das / was mein Hertze bricht /
sieht / und wils doch sehen nicht.

Fliegt / ihr meine Seuffzer ihr /
nähmet eure Krafft zusammen.
Blaset / wie ihr thut bey mir /
auff bey ihr die Liebes-flammen /
daß sie / wenn sie sieht auff mich /
liechter Lohe brenn' / als ich.

Meine Bothen / so fahrt hin.
Schafft mir Raht / so viel ihr könnet /
und vergnüget meinen Sinn /
der sich selbsten kaum besinnet.
Bringt nicht ihr mir ihre Gunst /
so ist alle Kunst ümmsunst.



Grab-schrifft
Eines jungen Bähren / der gehetzet worden war

Ich / der ich klein' und jung von meiner Mutter kahm /
Von welcher mich die Macht der strengen Bauren nahm /
Ward in der Stadt verkauft; daselbsten mich zu üben /
was in der Dienstbarkeit für Freyheit wird getrieben.
Für wilde ward ich zahm. Begriffe manche Kunst;
doch thäte mir die Welt darfür gar kleine Gunst.
Ich weiß von keiner Schuld / als daß ich allzukühner
erhascht hab' / und verzehrt so manche schöne Hüner.
Mein gantzes Leben war ein steter langer Tantz.
Zu letzte kriegt' ich noch darvon den Märtrer Krantz.
Sol euch nicht seyn / wie mir / ihr Brüder und ihr Schwestern
So bleibet / wie ihr sollt / in euren wilden Nestern.



                                Hephata

Ach! sprich es auch zu mir / dein kräfftigs thu dich auff /
Ach! sprich es auch zu mir. Denn mir auch sind verschlossen
Ohr / Augen / und der Mund. Viel Zeit ist hin verflossen /
daß ich so elend bin. Die Welt hat viel zu kauff'.
    Ich folge / was sie räth / und wird nur ärger drauff.
So lebt mein krancker Leib mit seinem Hauß-genossen /
zu allem Wercke laß / zu allem Thun verdrossen.
Auff ein Ding nur behertzt; zu enden seinen Lauff.
    Ists möglich / daß mir noch auff dieser bösen Erden
O Artzt durch deine Hand soll außgeholffen werden /
So zeuch mich nicht mehr auff. Hilff diesem übel ab.
    Nim mein beschweren hin / nach dem mein Geist so wacht.
Thust dus / so soll dein Lob auch ruffen aus mein Grab:
Der alles machet wol / hat mirs auch wol gemacht!



Herrn Pauli Flemingi der Med. Doct. Grabschrifft /
so er ihm selbst gemacht in Hamburg / den xxiix. Tag
deß Mertzens m. dc. xl auff seinem Todtbette
drey Tage vor seinem seel: Absterben.

Ich war an Kunst / und Gut / und Stande groß und reich.
Deß Glückes lieber Sohn. Von Eltern guter Ehren.
Frey; Meine. Kunte mich aus meinen Mitteln nehren.
Mein Schall floh überweit. Kein Landsmann sang mir gleich.
    Von reisen hochgepreist; für keiner Mühe bleich.
Jung / wachsam / unbesorgt. Man wird mich nennen hören /
Biß daß die letzte Glut diß alles wird verstören.
Diß / Deütsche Klarien / diß gantze danck' ich Euch.
    Verzeiht mir/ bin ichs werth / Gott / Vater / Liebste / Freunde.
Ich sag' Euch gute Nacht / und trette willig ab.
Sonst alles ist gethan / biß an das schwartze Grab.
    Was frey dem Tode steht / das thu er seinem Feinde.
Was bin ich viel besorgt / den Othem auffzugeben?
An mir ist minder nichts / das lebet / als mein Leben