Fleming

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Biografie

Seite 2

     Als Anemone ...

Als Anemone
der Venus kleinem Sohne
zu wieder war /
weil sie Nerenen /
deß züchtigen / deß schönen /
vergaß so gar /
in dem er sie
durch scheiden muste lassen /
hub sie ihn an je mehr und mehr zu hassen
die falsche die.

Neren der schiede /
Sie ward deß Liebsten müde /
und ihrer Pflicht.
Auff bunte Kräuter /
auff Blumen / und nichts weiter /
war sie erpicht.
Biß einer Zeit
Kupido ihr ward innen /
als sie allein' ümm ihre Blumen-brünnen
spatziert erfreut.

Nach dir du harte /
bin ich es der ich warte /
fuhr Amor auff.
Stracks sanck sie nieder /
kam auch zu sich nicht wieder.
So starb sie drauff.
Den todten Geist
streut Amor aus für Samen;
Bald wuchs ein Kraut / das nach der Nymfen Nahmen
Noch itzund heist.

Ach Anemone /
du aller schönen Krone /
halt ja und nein.
Laß dir / O Blume /
für aller Blumen Ruhme /
die Treue seyn.
Neren ist todt
von Anemonens Schmertze.
Ich werd' entfreyt durch Anemonens Hertze
von aller Noth



Als Echoward zu einem Schalle ...

Als Echo ward zu einem Schalle /
zu einer unbeleibten Lufft /
die durch das Thal mit halbem halle /
die / so sie ruffen wiederrufft /
da ward der hole Wald voll Klage /
das feige Wild stund als bethört /
die Nymfen rufften Nacht und Tage /
wo bist du / Lust / die man nur hört.

Narzissus / dir ist recht geschehen /
vor sahst du sie / und woltst sie nicht.
Itzt wilt du / die du nicht kanst sehen /
und hörst nur / was sie dir nach spricht.
Der Brunnen der dich dich ließ schauen /
der straffte deinen stoltzen Muth /
daß nun nicht eine von den Frauen
dir biß auff diesen Tag ist gut.

Nicht / nicht so ist mein Sinn gesinnet /
bey mir ist alles ümmgewandt.
Ich liebe / die mir böses gönnet.
Ich folge der / die nicht hält standt.
Ich lauff' / ich ruff' / ich bitt' / ich weine.
Sie weicht / und schweigt / und stellt sich taub.
Sie leugnets und ists doch alleine /
die mir mein Hertze nimmt in Raub.

Ach Freundin / scheu der Götter-rache.
Daß du dir nicht zu sehr gefällst /
daß Amor nicht einst deiner lache /
den du itzt höhnst / und spöttlich hälst.
Daß / weil du nichts von mir wilst wissen
ich nicht mit Echo lasse mich /
und du denn müssest mit Narzissen
selbst lieben / und doch hassen dich.



            Als Er Sie schlafend funde

Hier liegt das schöne Kind / in ihrer süssen Ruh /
Sie bläst die schöne Lufft / von welcher ich mich quähle
biß an die Seele selbst / durch ihre süße Kehle;
Hier liegt das schöne Kind / und hat die Augen zu.
    Streu Rosen ümm Sie her / du sanffter Zefyr du /
mit Nelcken untermengt / daß ihr Geruch vermähle
mit ihrem Ahtem sich / dieweil ich leise stehle
so manchen Kuß von Ihr. Silenus sprich kein Muh!
    St! Satyr / weg / Sylvan! geht weit von diesem Bache
daß meine Seele nicht von eurer Stimm' erwache.
Klitzscht in die Hände nicht / ihr schlipfrigen Napeen.
    Schlaf / Schatz ich hüte dein. Schlaf / biß du selbst erwachest /
So wirst du wachend thun / was du im Schlafe machest.
Mir auch träumt itzt mit dir / als solt ich vor dir stehn.



    Als Er wieder mit Ihr außgesöhnet war

Der Nebel ist vorbey. Die Sonne scheinet wieder.
Mein Lieb / das zornig war / das lacht mich freundlich an.
So / daß ich von sonst nichts als Freude sagen kan.
Ich fühle noch den Todt durch alle meine Glieder.
    Die Wangen wurden blaß / die Augen suncken nieder.
Das Hertze ward mir Bley. Nun denck' ich zwar daran /
doch bin ich zwiefach froh / daß dieses ist gethan:
von altem Trauren matt / von neuen Freuden müder.
    Der Zucker meiner Noth / das Labsal meiner Pein /
und was dem Krancken sonst pflegt recht gesund zu seyn /
das alles ist mir / Schatz / dein güldnes Angesichte.
    O Sonne meiner Lust / schein' ewig so / wie itzt.
Du bist die süße Glut / die meinen Geist erhitzt.
Von dir / Glantz / nähm' ich Schein; Von dir / Liecht / werd' ich liechte.



Als der Kunstreiche Johann Rudolff Stadeleraus der Schweitz / auf
dem Meydan zu Ispahan in Persien jämmerlich niedergesebelt ward

Dein tapffrer Christenmuth / du werther Schweitzer du /
ist ewig lobens werth: Denn da du kuntest leben /
Hast du dich willig hin in deinen Todt gegeben.
Was deinen Leib bringt ümb / das ist ein kurtzes nu.
    Die Seele flog darvon. Ihr kam kein Sebel zu.
Nun siehst du ümm dich her die Serafinnen schweben /
schaust auff diß grosse Nichts / ümm welches wier so streben /
Lachst deine Mörder aus / und jauchtzest in der Ruh.
    Hier ist dein Märter Krantz / du redlicher / du treuer /
den nim mit in dein Grab. Wir wollen deinen Preiß
durch die erlößte Welt bey allen machen teuer /
    Dein Vaterland sol seyn der Erden weiter Kreyß.
Wer so / wie du / verdirbt / der bleibet unverdorben;
Lebt / wenn er nicht mehr lebt / und stirbet ungestorben.



Als die Fürstl. Holst. Gesandten mit dero Komitate
von Moskaw nacher Persien auffbrachen.
m. dc. xxxvj. Im Junio.

Steh' auf / steh' auf / aus Thetis feuchten Armen /
                        O güldner Phaeton /
Steh' auf / und laß von deiner Glut erwarmen
                        Olympens gantzen Thron.
                                Verhalt uns nicht
                                dein Lebens-Liecht.
Laß Sturm und Wind / und Regen für dir fallen /
                                In dem wir dir /
                                O unsre Zier /
ein Ehren-Lied zu Lobe lassen schallen.

Diß ist der Tag nach so viel hundert Tagen /
                        die uns beschwerlich sind /
zu dem wir einst mit jauchzen können sagen /
                        willkommen edles Kind.
                                Dein süßer Glantz
                                erfreut uns gantz.
Durch dich steht uns der Himmel offen
                                das schöne Thun
                                gewehrst du nun /
auff welches wir so manche Jahre hoffen.

Apollo / laß dein gnädigs Antlitz schauen
                        auff uns und unsern Pfad.
Erwege wol / was für ein hoch Vertrauen
                        gantz Hollstein in dich hat.
                                Diß edle Paar
                                und seine Schaar /
hat deiner Gunst / O Kunst sich gantz ergeben.
                                Kein Fall verrückts.
                                Wilst du / so glückts.
So hats nicht noth ümm unser kühnes Leben.

Lauff / Moskaw / lauff / und sag' es deiner Wolgen /
                        mit schnellen Wellen an /
daß wir alsbald ihr sind bereit zu folgen
                        biß über den Hyrkan.
                                In dessen sprich
                                daß alles sich /
was Schaden bringt von ihren Ufern mache.
                                Laß unsren Lauff /
                                nichts halten auff.
der alles sieht / hält über uns selbst wache.

Und nun Ade / ihr Reussischen Najaden /
                        du wolbekandte Schaar /
kein trüber Quell soll euren Flüssen schaden
                        durch dieses lange Jahr.
                                Bleibt ihr uns freund /
                                So wagts kein Feind.
Und du / O Stadt / O große bleib bey Glücke.
                                Nun / gute Nacht
                                hats Gott bedacht /
So scheiden wir / und kommen wol zu rücke.



Als etliche seiner Freunde von ihm zogen

Du öder Heyn!
Du wilde Wüsteney!
Sagt her / kans seyn /
sagt her / wo sind sie drey'?
Und / Zephyr / du /
wie denn ihr andern auch /
weht mir noch einen Hauch
von ihnen zu.

So kehrt ihr doch /
geliebte zu mir ein /
und wollet noch
von mir ummfasset seyn?
wo aber hin?
wo nauß? fliehn sie mit fleiß'?
Ich weiß nicht / was ich weiß;
wie ich dran bin.

Ich hört' / ich sah' /
Ich griffe Sie ja hier.
Ihr seyd ja da /
Ihr meine liebsten Ihr?
Wie ist mir denn?
Sie sinds / und sinds auch nicht.
Ich weiß nicht was geschicht /
wie oder wenn.

Steht doch! ach! nein.
Sie sind es leibhafft nicht.
Es ist ihr Schein /
der mir die Augen bricht.
Ach ich / nur ich!
weiß / daß ich gegend bin.
doch zweifelt noch mein Sinn
an mir bey sich.

Ach! ach! ach! ach!
wem ist mehr weh' / als mir!
wer misst die Bach /
die ich verweine hier?
Wer zählt die Lufft /
die durch die Lippen dringt?
Mein wundtes Hertze springt.
Es klopfft / es pufft.

Sie / sie sind dort /
ohn die ich nicht bin ich /
macht ihr euch fort /
Ihr Seufftzer / nach für mich.
Daß / wenn sie sehn /
daß sich die Oder hoch
schwöllt auff / es müss' annoch
durch Euch geschehn.



                    An Adelfien

Ists wahr / Adelfie / als wie man sagt vor wahr /
du habest / also bald ich sey von dir gezogen /
mit eines andern Gunst der Freundschafft so gepflogen /
daß dus ihm zugesagt / und nun auch Braut seyst gar.
    Ich fürcht' / und gläub' es fast. Am allermeisten zwar /
daß etwan dich hierzu mein langer Weg bewogen /
und ein vergälltes Maul dir etwas vorgelogen /
damit du dich und mich so setzest in Gefahr.
    Ich fürcht' / und gläub' es fast. Nichts wird so hoch versprochen /
das schändlich werde nicht durch Mißtreu' itzt gebrochen.
War / Schwester / das dein Muth / der sich so hoch verschwur?
    Hast du mir das gethan / so werd' ich einer Frauen
auff ihren höchsten Eyd nicht so viel künfftig trauen.
Verzeiht mirs alle denn / die eine macht es nur.



                         An Amorn

Geh / Amor / fleug geschwind / und sags ihr eilend an;
Es ist ümm mich geschehn; Ich lieg in letzten Zügen.
Das Blut ist außgedorrt: Das heisse Marck versiegen.
Ich singe selbst mein Lied / ich Tode naher Schwan.
    Geh / eile / sag es ihr / es ist ümm mich gethan.
Die Wichtigkeit der Pein ist über mich gestiegen:
Das müde Hertze klopfft / ich kan nicht Odem kriegen.
Es ist mir müglich nicht / daß ich mehr leben kan.
    Iedoch / verzeuch noch hier / biß mein gewisser Todt
dich fertigt bald von hier. Diß kanst du hoch bewehren.
Ich brenne liechter Loh / und schwimm' in meinen Zehren.
    Erzehls ihr / was du siehst / von meiner Todesnoth.
Ich kan nicht todt-arm seyn. Verschonen mich die Flammen /
So schlagt diß Thränen Meer doch über mich zusammen.



     An Anemonen

Anemone / meine Wonne /
meines Hertzens stete Zier /
meine Klarheit / meine Sonne /
kanst du diß denn gläuben dir /
daß / was dir mein Mund verspricht /
meyne mein Gemüthe nicht.

Nicht so / Liebste. Laß dir sagen /
es ist ein betrogner Wahn /
der dich heißt ümm etwas klagen /
das dir doch nicht fehlen kan.
Was betrübt dich Zeit und Ort.
Wahre Liebe hält ihr Wort.

Nacht / und Tag / und alle Blicke /
gehn auff dein Gedächtnüß hin.
Was von Seufftzen ich verschicke /
heiß' ich alles zu dir ziehn.
Und die Thränen meiner Pein /
send' ich / Schatz / zu dir allein.

Ach nun / Anemone / gläube /
was du dir selb-selbst sagst zu.
Der ich eigen bin und bleibe /
Anemone / das bist du.
Anemone / meine Zier /
Du nur bist die Liebste mir.



                         An Anemonen

Ich meynt' / ich hätte dir mein gantzes Hertz' entdeckt /
mein lassen und mein Thun / mein wollen und beginnen /
So / daß ich mich mir selbst nicht besser öffnen können.
Ich war nun nicht in mir; Ich war in dich versteckt.
    Was hat denn diesen Haß so bald auff mich erweckt /
daß du mir itzund auch ein Auge nicht wilst gönnen?
Besinne dich doch / Lieb / wo du was kanst besinnen /
wie hoch mich dieses schmertzt / wie sehr mich dieß erschreckt.
    Gedencke doch an dich / wilst du an mich nicht dencken.
Sey mir feind / und nicht dir / dieweil es Zeit ist noch.
Wilst du mich richten hin / so schone deiner doch /
    als die ümm meinen Todt zu tode sich wird kräncken.
Nim einmahl dieses dir für allemahl gesagt;
Du bist die einige / die ewig mir behagt.



              An Anemonen
Nachdem er von Ihr gereiset war.

Ach einig diß war übrig noch
von allen meinen Plagen /
daß ich das schwere Liebes-Joch
muß abgeschieden tragen.
Die mir das gröste Leiden thut /
die tröstet meine Sinnen.
Ich brenn / und meines Brandes Glut
ist / ach! wie weit! von hinnen.

Nicht gläub' ich / daß die letzte Noth
mir größre Quahl kan machen.
An mir lebt nichts nicht / als der Todt;
der starck ist in mir schwachen.
Das krancke Hertze windet sich /
die matten Augen brechen.
Nichts denck' ich / Liebste / denn an dich.
Doch kan mein Mund nichts sprechen.

Nach dir zu warten ist ümmsonst /
O Aertztinn meiner Seelen.
Ich bin zu weit von dieser Gunst.
Ich muß mich nur so quälen.
Doch freu' ich mich bey höchster Pein /
und setze diß entgegen /
muß ich gleich der betrübtste seyn /
es ist der werthen wegen.

Ach Anemone / meine Lust /
bleib unverwand im Hertzen.
Ich thu dasselbe / wie du thust /
und fühle gleiche Schmertzen.
Ists wahr / daß alle Fröligkeit
wird süßer nach dem Leyden /
So schicke / Schatz / dich in die Zeit.
Wir sehen uns mit Freuden.



                          An Balthien

Darff / Edle Balthie / ich mich schon hier nicht nennen /
weil dieser kleine Brieff sehr weit zu reisen hat /
da List zu Felde liegt mit Neide früh' und spat /
da Vorwitz und Betrug den schmalen Paß berennen.
    So wirst du aus der Hand doch meinen Nahmen kennen /
die du / wie deine kennst; Sie / meines Hertzens Rath /
und stumme Rednerinn / bezeugt dirs in der That /
wie ich von deiner Brunst nicht lasse nach zu brennen.
    Bist du / wie ich / gesinnt / so bleibst du unverwand /
Behältst mir deine Gunst / biß daß ich deine Hand /
die zahrte / dermahleins hinwieder werde küssen.
    Itzt muß ich weiter fort. Doch solst du / meine Zier /
noch dieses wahre Wort von mir zu letzte wissen /
Je weiter ich mich mach' / je näher kömst du mir.



An Basilenen
Nach dem Er von Ihr gereiset war.

Ist mein Glücke gleich gesonnen /
mich zu führen weit von dir /
O du Sonne meiner Wonnen /
So verbleibst du doch in mir.
Du in mir / und ich in dir /
sind beisammen für und für.

Künftig werd ich gantz nicht scheuen /
Kaspis / deine fremde Fluht /
und die öden Wüsteneyen /
da man nichts / als fürchten / thut.
Auch das wilde macht mir zahm /
Liebste / dein gelobter Nahm'.

überstehe diese Stunden /
Schwester / und sey unverwand.
Ich verbleibe dir verbunden /
und du bist mein festes Band.
Meines Hertzens Trost bist du /
und mein Hertze selbst darzu.

Ihr / ihr Träume / sollt indessen
unter uns das beste thun.
Kein Schlaff der soll ihr vergessen.
Ohne mich soll Sie nicht ruhn.
Daß die süße Nacht ersetzt /
was der trübe Tag verletzt.

Lebe meines Lebens Leben /
stirb nicht meines Todes Todt /
daß wir uns uns wiedergeben /
abgethan von aller Noth.
Sey gegrüßt / bald Trost / itzt Quahl
tausent / tausent / tausent mahl.



              An Deutschland

Ja Mutter es ist war. Ich habe diese Zeit /
die Jugend mehr als faul und übel angewendet.
Ich hab' es nicht gethan / wie ich mich dir verpfändet.
So lange bin ich aus / und dencke noch so weit.
    Ach Mutter zürne nicht; es ist mir mehr als leid /
der Vorwitz dieser Muth hat mich zu sehr verblendet.
Nun hab' ich allzuweit von dir / Trost / abgeländet /
und kan es endern nicht / wie hoch es mir auch reut.
    Ich bin ein schwaches Both ans große Schiff gehangen /
muß folgen / wie / und wenn / und wo man denckt hinaus.
Ich will gleich / oder nicht. Es wird nichts anders draus.
    Indessen meyne nicht / O du mein schweer Verlangen /
Ich dencke nicht auff dich / und was mir frommen bringt.
Der wohnet überall / der nach der Tugend ringt.



                     An Dulkamaren

Wie kan ich ohne Haß / dich / Dulkamara / lieben /
du bitter-süße du? Bald bist du gar zu gut.
Bald / wenn ein schlechter Wahn ersteiget deinen Muth /
So steht mein naher Todt ümm deiner Stirn geschrieben.
    So lange hast du nun diß Spiel mit mir getrieben.
Sag' / ob dir meine Pein denn also sanffte thut?
Ob dich mein frohseyn schmertzt; so weiß ich / theures Blut /
daß ich bey Lust und Noth die Masse mehr muß üben.
    Wer' ich / wie du gesinnt; so könt' auch ich / wie du /
bey gleichem Muthe seyn inzwischen Müh' und Ruh /
inzwischen Leid' und Lust bey einem Hertzen stehen.
    So / weil ich standhaft bin / weichst du ohn unterlaß.
Wie kan es anders seyn? Ich muß zu grunde gehen /
durch dich / gehaßtes Lieb / durch dich / geliebter Haß.



An H. Martin Christenien /
über Ableben dessen Vatern / Mutter und Schwester.

Liebster nach dem Liebsten du /
O du meiner Freunde Seele /
Gieb doch / Bruder / gieb doch zu /
daß ich mich mit dir auch quäle /
Der du in viel Todten stirbst /
und in keinem doch verdirbst.

Ach! was ist das Leben doch /
in dem nichts als sterben lebet.
ärger ist es / ärger noch /
als der Todt der vor uns schwebet /
Der / wie sehr man nach ihm greifft /
stetigs weicht und von uns läufft.

über das so große Leid /
daß der ungestüme Würger
nun so eine lange Zeit
gegen dich und seine Bürger
außgeübt / und noch hält an /
war dein größtes nicht gethan.

Dein Raub aus so mancher Noth /
dein Trost / deiner Jugend Freude /
alles ist auff einmahl todt /
Ihm zur Ruh und dir zu Leide.
Deine Liebsten von der Welt
hat das strenge Recht gefällt.

Drey auff einmahl ist zu viel.
Vater / Mutter / Schwester fallen.
Was ist deiner Hoffnung Ziel /
du betrübtster unter allen?
Eine Grufft hat sie und dich /
und den andern dich / auch mich.

Wie ist aber ihm zu thun?
Was so hin ist kömmt nicht wieder.
Wol dem / der in sich kan ruhn /
der läßt seine Segel nieder /
wenn das Wetter hat sein Spiel /
und der Wind nicht fugen wil.

Laß den Zeiten ihren Lauff.
Was der Himmel heißt geschehen /
das hält man vergebens auff.
Auff den Höchsten muß man sehen /
der uns dreyfach offt betrübt /
weil Er uns auch dreyfach liebt.

Tröste dich und schau auff mich.
Ich verzeihe mich der meinen.
Heute trifft das Elend dich.
Ich vielleicht muß morgen weinen.
Bevoraus / weil ich forthin
weit von Euch / ihr lieben bin.

Mutter Deutschland / und auch ihr /
Vater / Mutter / Schwester / Freunde /
mein / erläubet diß doch mir /
daß ihr mehr wünscht eurem Feinde /
daß ich ferner Länder Zier
unserm Meissen setze für.

Ist mir Gott und Glücke gut /
daß ich mit gelehrten Küssen /
wie mein Opitz täglich thut /
Euch hinwieder soll begrüßen /
Denn soll meiner Verse Lust
auch bey Fremden seyn bewust.

Meynt nicht / wie der Pöfel spricht /
Mitternacht sey gantz ohn Ehren.
Persien das habe nicht /
was uns könne Weißheit lehren.
Denckt / daß in der Barbarey
alles nicht barbarisch sey.

Meine Poesie steht hier /
und verpflichtet sich bey treuen /
dermahl eins soll ihre Zier
nur zu eurer Lust gedeyen.
Euer ists / was sie begehrt /
und in fremder Welt erfährt.

Du indessen / denck' an dich /
O du Hertze voller Sorgen /
denck' an dich / und auch an mich /
und an jenen lieben Morgen /
da dein Leid und meine Pein
erst soll recht bethauret seyn.



                   An Ihren Spiegel

O Du drey- viermahl mehr glückseeliger / als ich!
Der du der Liebsten Glantz in deinem Auge trägest /
und selbst zu lieben sich das schöne Kind bewegest /
daher sie nur wird stoltz / sieht weit hin über mich /
Giebt ihre Gunst ihr selbst / und achtet mehr auff dich /
In dem du bist bemüht / und höchsten Fleiß anlegest /
daß du dich / wie sie sich / an allen Gliedern regest /
durch dich schaut sie sich an / und redet selbst mit sich.
Du rechtes Freuden-werck von früh an biß zu Nachte /
wie mach' ichs / daß ich sie doch einmahl so betrachte /
als wie du allzeit thust? So meyn' ich kan es gehn /
Versuch es einen Tag / und gönne mir dein Glücke.
Und daß ich wieder gleich in ihre Blicke blicke /
So laß diß Auge hier an deine Stelle stehn.



An Kandien /
Daß es Ihm unmöglich sey / Ihr zu theilezu werden.

Wie bitter mir es wird / wie hart ich bin verletzet /
daß / weisse Kandie / ich dich verlassen muß /
Ach / das ist viel zu schweer / als daß dir der Verdruß /
in diesem kurtzen Brieff kan werden auffgesetzet.
    Mein Mund ist von der Zeit mit Thränen noch genetzet /
als ich zu dir sprach: Schatz / das ist der letzte Gruß.
Und du mein süßer Trost / mir gabest einen Kuß /
der mich auch itzund noch betrübet und ergetzet.
    Ach schöne straff mich nicht / und gieb mir keine schuld.
Du kennst mich ümm und an. Rath deiner Ungedult /
ümm die ich krancker mich zu Tode noch betrübe.
    Laß mich / dieweil ich muß. Schau / was mich von dir reisst.
Und sey mit dem vergnügt / in dem du warlich weist
daß ich / O Schwester / dich mehr / als die Liebste / liebe.



                   An Makarien

Ists so / Makarie / als wie mir wird gesagt /
du solst / so balde du die Post von mir verstanden /
daß Ich enthalten sey in weit-entlegnen Landen /
da es sechs Stunden eh' / als in den unsern tagt.
    Dich haben über mir von Hertzen sehr beklagt /
So gar auch / daß du dich samt meiner Salibanden
zu Bette hast gelegt / und ungescheut der Schanden
Offt öffentlich von mir / Ich weiß nicht was gefragt.
    Diß habest du so offt / so lang und viel getrieben /
Biß daß du endlich gantz darüber bist geblieben.
Ists so / Makarie / Exempel einer Gunst /
    die Todt und Leben trutzt / so muß ich mich zwar krencken /
hoch über deinen Fall / doch einer solchen Brunst
nicht minder auch mit lust zu aller zeit gedencken.



    An das Jahr / daß es doch balde verlaufe

Zwölff Fürsten dienen dir / Vier Häuptern unterthan;
Die Wochen sind dein Heer / als welche du aus Tagen /
aus Stunden diese machst. So fährst du auff dem Wagen /
den Mon und Sonne ziehn. Die Zeit die fleucht voran /
    Heut alles vor ihr ümm / und macht dir reinen Plan;
So sieht man weit und breit der Sternen-pövel jagen
ümm / neben / und nach dir. So wirst du hingetragen
ins Hauß der Ewigkeit / der niemand folgen kan.
    Lauf / Vater Jahr / diß Jahr / lauff mehr / als sonst behende /
und komme noch einmahl / so balde zu dem Ende /
O meiner Arbeit Trost! daß ich das schone Thun /
    Auff das mein Vaterland in langer Hoffnung dencket /
recht führe wol hinaus. Und die sich itzt so krencket /
alsdenn mit freuden mög' in diesen Armen ruhn.



     An den Fluß Moskaw / als er schiede

Fleuß sanffte / wie du thust / in beyden Ufern hin /
fleuß deine Stadt vorbey / die große / die gepreiste /
die nun das ander mahl sich uns so gut erweiste /
durch welcher Urlaub wir nun in den Auffgang ziehn.
    Verbleib' ich so gesund / als wie ich itzo bin /
und komm' ich wieder heim / als wie ich ab verreiste /
So sey dirs zugesagt mit Mund und gantzem Geiste /
du solt mir nimmermehr nicht kommen aus dem Sinn'.
    Ich will dich so bekand / als meine Mulde machen /
die itzund über mir nicht allzusehr wird lachen /
weil ich fast nicht denck heim ein halb-verlohrner Sohn.
    Nim diese Hand voll Klee / im mangel der Violen /
zu treuen Günsten an. Ich dichte schon den Thon.
Lauff / Erato / alßbald / die Zyther her zu holen.



                        An den Mohn

Du / die du standhafft bist in deinem Unbestande /
Steig' / Hekate / herab; Ich singe dir ein Lied /
ein Lied von meiner Zier / die itzt auch nach dir sieht /
ob ich schon bin sehr weit von ihr und ihrem Lande.
    Komm / Berezynthie / zu dieses Strohmes Rande /
an dem ich geh' herüm / da meine Hoffnung blüht /
du weist es / Delie / was itzt mit ihr geschicht:
Du weist es / wie es steht ümm meine Salibande.
    Komm / Föbe / Tag der Nacht / Diane / Borge-liecht /
Warsägrinn / Lieder-Freund; Komm / Lune / säume nicht;
Die gantze Welt die schläfft. Ich wache dich zu loben.
    Strohm-Fürstinn / Jäger-Frau / Nacht-Auge / Horn-Gesicht' /
Herab; Itzt fang' ich an / das süße Lob-Gedicht'.
Und kömst du nicht herab / so hör es nur dort oben.



  An den Ort / da Er Sie erstlich ümmfangen

Es müss' ein ewger Lentz mit steten Favoninnen
auff dein gepüschtes Häupt und blumicht Antlitz wehn /
die reich-bethaute Brust den Perlen gleiche stehn /
und deine feuchte Schoß mit kalten Brünnen rinnen /
    So sollen jährlich auch hier meine Kastalinnen /
mit Zweigen vom Parnass' ümm dein Gehege gehn /
und deine Trefligkeit durch solch ein Lied erhöhn /
das du nur würdig bist / und die uns lieb gewinnen.
    Die Hamadryaden die sollen dir für Schaden /
für Wild-behüter seyn die rauchen Oreaden.
Und daß dir kein Sylvan / kein Satyr nicht sey feind /
    So will ich diese Wort' an deinen Eingang schreiben /
die wieder Sturm und Schlag / und Jahre sollen bleiben:
Wer dieses Ortes schont / der ist deß Himmels Freund.



 
An den West-wind / Daß Er Sie zu Ihm bringe

Fleug / feuchter Zefyr / aus / fleug / wie nach deiner Floren
du itzt noch pflegst zu thun. Such meinen Auffenthalt /
Ob er bey deinem ist / durch diesen Tannen-Wald.
Such / wie du deine hast / so hab ich sie verlohren.
    Such sie / und sag ihr das in ihre leise Ohren:
Dort ist er / der dich wünscht / du Göttliche Gestalt:
Dort ist er / der dich hofft. Erfreust du ihn nicht bald /
So hat er seinen Ort zum Grabe schon erkohren.
    Nim sie / so bald sie will / in deinen Blumen-schoß /
daß keine trübe Lufft auff meine Schönheit stoß' /
und helle sie in dich / und laß es niemand wissen.
    Hier wart' ich / meine Post / ich warte mit Begier /
dich bald zu nähmen an / mit tausent Göttern hier;
Sie / meiner Augen-Trost / mit hundert tausent Küssen.



               An die Stolze

Und gleichwohl kann ich anders nicht,
Ich muß ihr günstig sein,
Obgleich der Augen stolzes Licht
Mir mißgönnt seinen Schein.
Ich will, ich soll, ich soll, ich muß dich lieben,
Dadurch wir beid' uns nur betrüben,
Weil mein Wunsch doch nicht gilt
Und du nicht hören wilt.

Wie manchen Tag, wie manche Nacht,
Wie manche liebe Zeit
Hab' ich mit Klagen durchgebracht,
Und du verlachst mein Leid!
Du weißt, du hörst, du hörst, du siehst die Schmerzen,
Und nimmst der' keinen doch zu Herzen,
So daß ich zweifle fast,
Ob du ein Herze hast.

Bist du denn harter Stein und Stahl
Die man doch zwingen kann?
Feld, Wiesen, Wälder, Berg und Tal
Seh'n meine Wehmut an.
Die Vögel seufzen, was ich klage.
Der hohle Busch ruft, was ich sage.
Du nur, du Stolze du,
Hältst Ohr und Augen zu.

Ach denke, denke, was du tust.
Ich kann nicht anders sein.
Ich hab' an meinem Leiden Lust,
Du hassest meine Pein.
Kann ich denn keine Huld erlangen,
So laß' mich die Gunst nur empfangen
Und wolle doch mit mir,
Daß ich stracks sterbe hier.



               
An die Wolge zu Niesen

Seyd mehr als sehr gegrüßt / Ihr Nymfen dieser Enden /
Ihr weiches Wasser-Volck; Und du auch / edler Fluß /
O unser speter Trost / empfange diesen Gruß /
und nim die Männer an / die dir die Zimbern senden.
    Die sind es / die sich dir zu nutzen nach verpfänden.
Nim / Gast-freund / nim sie auff / und sicher' ihren Fuß /
Daß / was sich hat verschworn zu schaden / fallen muß;
Sie an dein Astrachan mit Sicherheit anländen.
    diß Schiff / das Venus selbst / nach ihrer Muschel liebt /
auff daß der große Mars auch selber achtung giebt /
befiehlt sich deiner Gunst. Gebeut / daß kein Kossacke /
    kein Wilder sich erkühnt / das Volck zu fallen an.
Daß Raub und Unheil sich von deinen Ufern packe.
Wer sie betrüben wird / der hat es Gott gethan.



  An die große Stadt Moskaw / als er schiede

Prinzessin deines Reichs / die Hollstein Mume nennt;
Du wahre Freundinn du / durch welcher Gunst wir wagen /
was Fürsten ward versagt / und Köngen abgeschlagen /
den Weg nach Auffgang zu. Wir haben nun erkennt /
    wie sehr dein freundlichs Hertz in unsrer Liebe brennt /
die Treue wollen wir mit uns nach Osten tragen /
und bey der Wiederkunfft in unsern Landen sagen /
das Bündnüß ist gemacht / das keine Zeit zertrennt /
    Deß frommen Himmels Gunst die müsse dich erfreuen /
und alles / was du thust / nach wunsche dir gedeyen.
Kein Mars und kein Vulkan dir überlästig seyn.
    Nim itzo dis Sonnet. Komm ich mit Glücke wieder /
So will ich deinen Preiß erhöhn durch stärckre Lieder /
daß deiner Wolgen Schall auch hören soll mein Rhein.



                 An meinen Erlöser

Erhöre meine Noth / du aller Noth Erhörer /
Hilff Helffer aller Welt / hilff mir auch / der ich mir
selb-selbst nicht helffen kan; ich suche Trost bey dir.
HERR / du hast Rath und That. Dich preisen deine Lehrer /
    wie du es denn auch bist / für einen Glaubens-mehrer.
Ich bin desselben leer. Hier steh' ich / Ich steh' hier.
Erfülle mich mit dir und deines Geistes Zier.
Er ist es / Er dein Geist / der rechte Glaubens-mehrer.
    Artzt / Ich bin kranck nach dir. Du Brunnen Israel /
dein kräfftigs Wasser löscht den Durst der matten Seel'.
Auch dein Blut / Oster-Lam / hat meine Thür erröhtet /
    die zu dem Hertzen geht. Ich steiffe mich auff dich
du mein Hort / du mein Felß. Belebe / Leben / mich.
Dein Todt hat meinen Todt / Du Todes Todt / getödtet.



An seine Thränen /
Als Er von Ihr verstossen war.

Fliest / fliest so / wie Ihr thut / Ihr zweyer Brünnen Bäche.
Fliest ferner / wie bißher mit zweymahl stärckrer Fluht.
Fliest / wie ihr habt gethan / und wie ihr itzt noch thut /
daß ich mich recht an der / die euch erpresset / reche.
    Fliest immer Nacht und Tag / ob sich ihr Sinn / der freche /
der Feind-gesinnte Freund / das hochgehertzte Blut /
das mich ümm dieses hasst / dieweil ich ihm bin gut /
durch eine stetigkeit und große Stärcke breche:
    Die Tropfen waschen aus den fästen Marmelstein.
Das weiche Wasser zwingt das harte Helffenbein.
Auch Eisen und Demant muß feuchten Sachen weichen.
    Fliest ewig / wie ihr fliest. Es ist ja müglich nicht /
daß einst der harten nicht ihr fleischerns Hertze bricht /
das lange keinem Stahl' und Steine sich mag gleichen.



                        An seinen Ring

Der schöne Nahmens-Tag der Liebsten ist erschienen;
die Anmuth macht mich froh / die aus der halben Nacht
gantz wie die Lilgen-Milch / und Blut der Rosen lacht /
mit Saffran angemischt. Ihr müsset euch erkühnen
    zu wagen einen Gang / ihr funckelnden Rubinen;
Eilt / eh das schöne Kind von ihrer Ruh' erwacht /
und sehet wie ihr euch an ihren Finger macht?
So wird ihr sanffter Schlaf zu eurem Vortheil dienen.
    Geht / bindet sie also / wie aber? wollt ihr nicht?
wie werdet ihr so blaß ümm euer Angesicht'?
und was verstellt ihr euch in sterbende Geberden?
    Ists etwan / das ihr meynt / wo sie schon sey erwacht /
ihr möchtet schamroth stehn für ihrer Lippen Pracht /
und diß Goldt bleiches Bley für ihren Augen werden?



                         Andacht

Ich lebe. Doch nicht ich. Derselbe lebt in mir /
    Der mir durch seinen Todt das Leben bringt herfür.
Mein Leben war sein Todt / sein Todt war mir mein Leben /
Nur geb' ich wieder Ihm / was Er mir hat gegeben.
    Er lebt durch meinen Todt. Mir sterb' ich täglich ab.
    Der Leib / mein Irdnes Theil / der ist der Seelen Grab.
Er lebt nur auff den schein. Wer ewig nicht wil sterben.
Der muß hier in der Zeit verwesen und verderben /
    Weil er noch sterben kan. Der Todt / der Geistlich heisst /
    Der ist als denn zu spat / wann uns sein Freund hinreisst /
Der unsern Leib bringt ümm. HERR / gieb mir die Genade.
Daß dieses Leibes-Brauch nicht meiner Seelen schade.
    Mein Alles und mein Nichts / mein Leben / meinen Todt /
    Das hab' ich bey mir selbst. Hilffst du / so hats nicht noth.
Ich wil / ich mag / ich sol / ich kan mir selbst nicht rahten /
Dich wil ichs lassen thun. du hast bey dir die Thaten.
    Die Wünsche thu ich nur. Ich lasse mich gantz dir.
    Ich wil nicht meine seyn. Nim mich nur / gieb dich mir.



Außerwählte nach der einen ...

Außerwählte nach der einen /
die mir gut war auff den Schein /
wilst du mich getreue meynen /
so will ich auch deine seyn.
Wahre Liebe steht vergnüget /
wenn sie ihres gleichen krieget.

Neue Gunst ist nicht ohn Sorgen;
doch dein redlichs Hertze macht /
daß mir nichts nicht ist verborgen /
was die andern macht bedacht.
Andre mögen anders dencken.
Laß uns uns einander schencken.

Neige deiner Liebe Feuer
auff mich / der ich deine binn.
Halt mich wehrt / wie ich dich theuer.
Diß ist steter Liebe Sinn.
Was sich regt in meinem Bluhte /
weiß von keinem Wanckel-muhte.

Anemone / meine Treue
sey hiermit dir zugesagt.
Thu stets / was ich mich stets freue /
daß mein Hertze nicht mehr klagt.
Was an jener ist verlohren /
das ist mir an dir gebohren.

Nun / mein Hertze / sey geschieden /
und gieb jener gute Nacht.
Eine stellet dich zu frieden /
die dich einig frölich macht.
Anemone / die dir scheint /
die ists / die dich ewig meynt.



Auf H. Georg Glogers Med. Cand. Seeliges Ableben

O Liebster / was bedeut das ungewohnte röcheln?
Die Furcht der heissen Brust? Der matten Lungen fecheln /
Das so geschwinde keicht? Ach! wo? wo läst du dich?
Dein' Augen? deinen Mund? und was noch mehr / wo mich?
Mich / deinen andern Dich? So bistu nun geflogen /
du schöne Seele du / und läßst unnachgezogen
den Leib / dein schönes Kleid / das mit so schöner Pracht
der Tugend war gestückt / und sauber ausgemacht.
Du Mund / den Venus selbst in ihre Nectar tauchet /
und dem die Gratien ihr Holdseyn eingehauchet:
Ihr Augen / die ihr mich durch euer freundlich sehn
zur Gegenliebe zwingt / nun ists ümm euch geschehn
und auch ümm euren mich. Vor hab' ich finden können /
noch meinen Landsmann / dich / du Labsal meiner Sinnen.
Ein Freund zwar / hoff' ich wol / mir anzutreffen ist:
So einer nimmermehr / wie du gewesen bist.
An dir hab' ich gehabt / ach! ach gehabt! den Zeugen
von meiner Poesie / wie sehr sie ümmzubeugen
der hagre Neid erkühnt; wie schlim er auff sie sieht /
durch dich verlacht' ich ihn. Du hubst mir das Gemüht'
je mehr zum ewig seyn. Apollo war mir günstig /
der Musicant' und Artzt / weil du mich machtest brünstig
zu seiner doppeln Kunst. Die freye Meditrin
verweiste mich durch dich zu ihrem Tempell hin /
und hieß mich ihren Freund. Wo werd' ich nun gelassen /
weil du mich so verläst? Wie auff den rauen Gassen
daß bösen Oceans ein schwacher Nachen wankt /
der keinen Bots-knecht hat / daß er den Port erlangt /
schöpfft Wasser / tauchet ein: Also gehts meinem Kane /
der nun Kunst holen soll. Ich bin auff wilder Bahne /
mein Ruder ist entzwey / mein Ancker bleibt im Stich'/
im Boden-losen Grund'. O du mein selber Ich!
Mein alles und mein nichts. Ach Liebster! war dein Name /
ders wol auch bleiben wird / so lang ein Körnlein Same
der Seelen in mir bleibt. Die Faust erstarret mir /
die Thränen schwemmen aus die Dinte vom Pappier'.
Ich kan / ich kan nicht mehr. So nim doch hin / mein Leben /
den Kuß / den letzten Kuß / den ohne wieder geben /
Ach! wers auch vor geschehn? Ich setz' auff deinen Mund /
auff deinen kalten Mund. Dis ist der letzte Bund.
So bleib' ich dir vermählt. So ewig Flemings Buhlen /
die zarte Poesie / wird seyn in Phöbus Schulen /
so soll dein hertzer Nam an allen Wänden stehn /
und mit der Ewigkeit mein Gloger untergehn.



Auf H. Johann Friedrich Schröters und Marien Magdalenen
Weinmans Hochzeit.
An das Frauenzimmer und Gesellschafft.

Heute sind der Götter Schaaren
außspatzieret allzumahl;
haben sich verfügt bey Paaren
in den weiten Sternen-Saal.
Pflocken Blumen / winden Kräntze /
Führen liebe Lobe-Täntze.

Venus hertzet ihren Buhlen.
Mars vertauscht den rohten Streit.
Zynthius die blassen Schulen /
mit der süßen Müßigkeit.
Pflocken Blumen / winden Kräntze /
Führen liebe Lobe-Täntze.

Zeres springt auff allen Reinen
mit der frohen Bauer-Welt /
ümm die Tennen / ümm die Scheunen /
ümm das abgethane Feldt.
Pflocket Blumen / windet Kräntze /
Führet liebe Lobe-Täntze.

Ihr auch / Götter und Göttinnen /
nur nicht ohne Sterbligkeit
lebet nach deß Himmels-sinnen /
dem ihr sonst gantz ähnlich seyd.
Pflocket Blumen / windet Kräntze /
Führet liebe Lobe-Täntze.

Hier steht richender Lavendel /
da gesunde Saturey.
Eißwig / Poley / Narde / Quendel /
Tausendschön und Allerley.
Pflocket Blumen / windet Kräntze /
Führet liebe Lobe-Täntze.

Müntze / Roßmarin / Zypressen /
Nelcken / Scharlach / Amaranth
bleiben gleichsfalls unvergessen /
und was noch nicht ist genannt.
Pflocket Blumen / windet Kräntze /
Führet liebe Lobe-Täntze.

Pflocket / windet ümm die Wette.
Alles soll von Farben seyn.
Führet auff ein Blumen-Bette /
legt die zwey verliebten drein.
Pflocket Blumen / windet Kräntze /
führet liebe Lobe-Täntze.

Legt sie drein. Pflockt / windet immer /
streuet auff das Liebe-Paar.
Tantzet ümm ihr bundtes Zimmer /
und ümmschrenckt sie gantz und gar.
Pflocket Blumen / windet Kräntze /
führet liebe Lobe-Täntze.

Lobe-Täntze so die Wercke
der Welt-mehrerinn vermehrn /
und deß großen Knabens stärcke /
den die Zyprus-bürger ehrn.
Pflocket Blumen / windet Kräntze /
führet liebe Lobe-Täntze.

Pflocket / windet / streuet / springet /
tantzet / jauchzet / was ihr könnt /
aller Himmel hats gedinget /
alle Welt ist so gesinnt.
Pflocket Blumen / windet Kräntze /
führet liebe Lobe-Täntze.

Biß der Gott der güldnen Gluten /
der die braunen Mohren brennt /
in die Hesperischen Fluten
freygelaßnes Zügels rennt.
Pflocket Blumen / windet Kräntze /
führet liebe Lobe-Täntze.

Biß die silberne Diane
zu dem lichten Wagen kehrt /
und am plancken Himmels-plane
Ihr gestirntes Haupt empöhrt;
Pflocket Blumen / windet Kräntze /
führet liebe Lobe-Täntze.

Gleiches Glücke wartet Eurer /
geb' es Gott noch dieses Jahr /
da man wird ümm neue Freyer /
hier und da / und dort ein Paar /
Blumen pflocken / Kräntze ziehren /
und so Lobe-Täntze führen.