Fleming

Seite 2

Inhalt

Biografie

In grooß Neugart der Reussen / m. dc. xxxjv.

In dessen / daß der Maars bey zweymahl sieben Jahren
Annoch nicht grausam satt berennt und angefahren
Mein wehrtes Vaterland / vor aller Landet Kroon' /
Itzt ihr verdammter Haß und angepfifner Hohn;
Er geht noch täglich fort / Gradivus / der Verheerer /
Mit seiner bösen Schaar der geitzigen Verzehrer;
Verderbt / was er nicht mag / äscht Städt' und Dörffer ein /
Und lässt für seiner Macht nichts ungebrochen seyn /
Wo anders was noch gantz; so sey ein wenig deine /
Mein Fleming / weil du kanst. Du hast noch dieses eine
Von allem / was du hattst / dich / den dir niemand nimmt;
Wiewohl noch mancher itzt auch ümm sich selbsten kömmt /
Deß andren mehr als sein'. Ist alles denn verlohren /
So lass' es / wo es ist. Es wird noch stets gebohren /
Das so geht wieder hinn. Das blinde Glükke schertzt;
Verwechselt Graab umb Raub. Was ist es / das dich schmertzt?
Fürwar / ein groosses Nichts. Du bist ja noch derselbe.
Leebst sichrer als zuvor. Kanst du nicht umb die Elbe
und Muulde sicher seyn / so suuch' ein' ander statt /
Die mit geringrer Lust auch weenger Sorge hatt.
Die Welt ist grooß genung. Stürmt Eol dieser Seiten /
So laß dein kluuges Schiff ihm nicht entgegen streiten.
Fleuch dort nauß / toobt er hier. Ein Weiser dient der Zeit.
Nimmt sein Verhängnüß auff / wie es die Hand ihm beut.
Ist traurend dennoch froh. Ein himmlisches Gemühte
Ist irdnen Sachen feind. Ermannet sein Geblühte.
Schätzt ihm kein Guut nit gleich. Ist an sich selbst vergnügt;
In höchster Armuut reich. Du auch / machs / wie sichs fügt /
und hülle dich in dich / biß daß sich Sturm und Reegen /
Nach dem sich Föbus zeigt / hinwieder werden leegen /
Deß alten Vatern Noht / der frommen Mutter Leid /
Der lieben Schwester Angst / so vieler Freunde Neid
Setz' itzt ein weenig aus. Thu / was der Himmel heisset.
Nimm der Bequemheit wahr / eh sie sich dir entreisset.
Zeuch inn die Mitternacht / inn das entleegne Land /
Das mancher tadelt mehr / als das ihm ist bekandt.
Thu / was dir noch vergünnt der Frühling deiner Jahre.
Laß saagen / was mann wil. Erfahre du das wahre.
Dem traut mann / was mann sieht. Und hoffe diß darbey /
Daß inn der Barbarey auch was zu finden sey /
Das nicht barbarisch ist. Wolan / ich bin vergnüget.
Es hat mich nicht gereut / daß ich mich her verfüget.
Ich binn wohl kommen an / hier / wo Kalisto steht /
Und Arkas / der mier nun fast auff der Scheitel geht.
Der Beldt der war mier guut. Die Düne floß mier linde.
Die Narve war mein Freund. Ich gieng mit gutem Winde /
Wo Wind von nöhten war. Die Volgov seh' Ich nuhn /
Die mich ümm ihren Rand lässt nach begehren ruhn.
Wie kann ich doch vorbey. Ich muß die Leute preisen /
Die so / wie diese sind. Besteht es auff erweisen /
So hab' ich über recht. Wer loobet nicht den Mann /
Der sein' ist / weil er ist? der alles missen kann /
Und alles haben auch? Er ist darzu gebohren /
Daß er vergnügt kann seyn. Mann klaget nichts verlohren /
Wenn sich der Vater leegt / seins gleichen / Er / wächst auff /
Der wohlgezogne Sohn. Erfolgt kein Erbguut drauff /
So ist er selbst sein Teihl. Kein Goldt gehört zum Leeben.
Aus Golde wird kein Bluut. Er sieht ihm / wo's ihm eben /
Ein trächtigs Plätzlein aus / daß er nicht käuffen muuß /
Als wie man etwan tuht. Da setzt er seinen Fuuß /
Macht Feld und Gärten drauß. Fragt nichts nach hohen Bäuen.
Wenn er nur Hitz und Frost / und so was / nicht darf schäuen /
So ist er wohl versorgt. Geht selbst zu Wald' / und haut
Die längsten Tannen aus / bewohnet / was er baut /
Selbst Meister und selbst Wirt. Bekömmt er lust zum Weibe /
Deß Nachbaars Toochter wil; ein Mensch das schön am Leibe /
Und guut vom Hertzen ist; die / daß er sie mehr liebt /
Dem sonst nicht blassen Mund' ein liechters Färblein giebt.
Wer suuchte dieses hier? so leeben sie inn stille.
Kein Argwohn kömmt inn sie. Sein Raht der ist Ihr Wille.
Ehrt ihn / ie mehr er heerscht / und hält gewiß darfür /
Ie schärfer er sie hält / ie hulder sey er ihr.
Deß gläubt kein Weib bey uns. Inn dessen ist kein mangel /
Isst / wenn / und was er wil. Speisst / was ihm fängt die Angel /
Was Stall und Nest vermaag / und was sein Garten trägt.
Sein trincken führt der Bach. Der wilde Foorst der hägt
Ihm was auff seinen Tisch. Gelüstet ihm zu jaagen.
Es steht ihm alles frey / Er darf es sicher waagen.
Sein Wind- und Feder-spiel das ist sein Flitz und Pfeil /
Die er wohl selbst gemacht. Ein Messer und ein Beil
Das ist ihm Werck-zeugs satt. Sein Voorraht ist auf heute /
Auff morgen hat ihn Gott. Er zeugt nicht aus auff Beute /
Wie seine Nachbaarn tuhn / die ümm das schwartze Meer /
Die Ton' und Wolge sind. Sein Beutel ist nicht schweer /
Doch auch nicht all zu leer. So darf er sich nicht grämen /
Wo er den Unterhalt von Kleidern her sol nähmen.
Sein Schaaff trägt ihm den Beltz; sein Flaachs und Hanf stehn wohl.
Daraus er spinnt und wirkt / so viel er haben sol.
Wird mit Gesundheit alt / weiß weenig von Gebrechen.
Sein Knooblauch ist sein Aartzt. Das übermachte zechen /
Die all zu offte Koost / das zeitigt uns den Todt.
Mann leebe / wie mann sol / so hat es keine Noht.
Verbrechen nährt den Aartzt. Bey sechs mahl hundert Jahren
Hat Room sich frisch und stark bey Kohle können spaaren.
Muß nicht zu Hofe ziehn. Darf keine Frohne tuhn /
In strengsten Diensten frey. Kann unbesorglich ruhn.
Scheut keinen Aconit. Strekt sich in seinen raasen.
Lässt ümm und neben sich sein weenigs Viehlein graasen /
Das ihm ist Reichtuhms satt. Die schöne Nachtigaal
Fleugt über seinen Kopf / verführt so manchen Schaal /
Und schläfft den müden ein. Da liegt er / biß zu morgen.
Ihn plagt kein schwerer Traum / ist weit von allen Sorgen /
Die uns den schlaaff zerreisst. Kein Dieb bricht bey ihm ein.
Frau Armuht lässt ihn wohl für diesen sicher seyn.
Gott muß ihm gütig seyn. Er tuht zu Mitternachte
In Kirchen sein Gebet'. Er fastet mit bedachte.
Fromm seyn ist seine Kunst. Vonn mehrem weiß er nicht /
Wenn er verstehen mag nur was sein Nachbaar spricht /
So meynt er / hab' er gnung. Und was ist ihm mehr nütze?
Kein Mensch wird mehr ein Mensch mit seiner Kunst und Witze.
So giebts vor Gott auch nichts. Wer den inn einfalt ehrt /
Nur ein rein Hertze hat der ist recht hooch-gelehrt.
Es ist ein seltzams tuhn daß wir uns so bemühen
ümm Ehre Geldt und Kunst; durch ferne Länder ziehen;
Froost / Hitze / Hunger / Durst / Angst / Mühe / stehen aus;
Der Mann kömmt / weil er leebt kaum übers dritte Hauß /
Was binn ich mehr / als Er? Ich wil diers besser weisen /
Wohinn du sichrer solst / und mit mehr nützen / reisen.
Geh / sieh dich selbsten durch. Du selbst bist dir die Welt.
Verstehst du dich aus dier / so hast du's wohl bestellt.
    Drey- viermahl mehr / als wohl dem Volke / das so leebet!
Es kan nicht Elend seyn / weil nichts denn Ruhe schweebet
ümm seine Häuser her. Die treue Sicherheit
Verwacht sie Nacht und Tag. Deß Glükkes Troß / der Neid /
Kömmt nicht um dieses Land. Zu deß Saturnus Zeiten
Dem diß Volk noch kömmt zu / und was ihm liegt zur seiten /
Ward eben so geleebt. Da war kein mein und dein.
Kein Vorteihl / kein Betruug / der sich hernach schlich' ein.
Krieg kömmt von Kriegen her. Hast du dich hier verhalten /
O Einfalt / heilge Zier / von erster Zeit der Alten /
Biß auff die Heefen uns? ist hier dasselbe Land /
Da Ehr' und Redligkeit von uns sich hinngewand?



Ist dieses nun das süße Wesen

Ist dieses nun das süße Wesen /
nach dem mich so verlangst hat?
Ist dieses der gesunde Rath /
ohn den ich kundte nicht genesen?
und ist diß meines Wehmuths Frucht /
die ich so emsig auffgesucht?

O Feind! O Falscher! O Tyranne!
Kupido / das ist deine List.
Der bist du / der du allzeit bist.
Du hast mich nun in deinem Banne.
Der Dienst der falschen Ledigkeit
hat meiner Freyheit mich entfreyt.

Wie unverwirrt ist doch ein Hertze /
das nicht mehr als sich selbsten kennt /
von keiner fremden Flamme brennt.
Selbst seine Lust / und selbst sein schmertze.
Seit daß ich nicht mehr meine bin /
So ist mein gantzes Glücke hin.

Sie / diß Mensch / diese Halb-göttinne /
Sie / die ists / mein erfreutes Leid.
Die Krafft der starcken Trefligkeit
treibt mich aus mir und meinem Sinne.
So daß ich sonst nichts ümm und an /
als sie nur / achten muß und kan.

Ich schlaff' ich träume bey dem wachen.
Ich ruh' / und habe keine Ruh'.
Ich thu / und weiß nicht / was ich thu.
Ich weine mitten in dem lachen.
Ich denck'. Ich mache diß und das.
Ich schweig'. Ich red' / und weiß nicht / was.

Die Sonne scheint für mich nicht helle.
Mich kühlt die Glut. Mich brennt das Eyß.
Ich weiß / und weiß nicht / was ich weiß.
Die Nacht tritt an deß Tages Stelle.
Itzt bin ich dort / itzt da / itzt hier.
Ich folg' / und fliehe selbst für mir.

Bald billig' ich mir meinen Handel.
Bald drauf verklag' ich mich bey mir.
Ich bin verendert für und für /
und standhafft nur in stetem wandel.
Ich selbst bin mit mir selbst nicht eins.
Bald will ich alles / bald gar keins.

Wie wird mirs doch noch endlich gehen.
Ich wohne nunmehr nicht in mir.
Mein Schein nur ist es / den ihr hier
in meinem Bilde sehet stehen.
Ich bin nun nicht mehr selber Ich.
Ach Liebe / worzu bringst du mich!



Laß dich nur nichts nicht tauren

Laß dich nur nichts nicht tauren
                    mit trauren /
                        Sey stille /
                Wie Gott es fügt /
                So sey vergnügt /
                        mein Wille.

Was wilst du heute sorgen /
                    auff morgen /
                        der eine /
                steht allem für /
                der giebt auch dir /
                        das deine.

Sey nur in allen Handel
                    ohn Wandel.
                        Steh feste /
                Was Gott beschleust /
                das ist und heist /
                        das beste.



             Loob eines Soldaten zu Fusse

Ich bin ein Mann ins Feld: mein kühner Muth ist grooß.
Ist grösser als ich selbst / ich fürchte keinen stooß.
Ich scheue keinen Schuß. Die Liebe so zu leben
Hat mier in meinen Sinn von Jugend an gegeben /
Daß ich mich was versuuch'. Es wird nicht iedermann
Zum Kriege außerkohrn. Wer Pulver riechen kann /
Auff balg und stooß besteht / nicht die Karthaunen scheuet /
der ist ein Mann / wie ich. Ist einer der sich freuet /
wenn itzt der laute Lärm mit vollen Spielen geht /
und uns der kühne Feind im blancken Felde steht /
So binn auch warlich ichs. Wier treuen Kammeraden
Stehn als für einen Mann. Die schiessen / jene laden.
Wir wechseln emsig ümm. Wir schreyn einander zu /
Daß keiner etwan nicht / was ihm verfänglich / thu.
Wier fechten brüderlich. Der Feind wird abgehalten /
daß er /wie stark er kömmt die Ordnung nicht kann spalten.
Wier weichen keinen Schritt. Gleich wie ein ieder steht /
da fällt / da stirbt er auch. Was ist uns mehr zurükke /
ümm alles unser Thunn / ümm Glükk und Ungelükke /
Als wenn mann stirbet wohl. Wohl aber sterben heisst /
Wenn mann mit lust / ohn schmertz / und bald sein Bluut vergeust /
Gleich wie es hier geschieht. Die ritterlichen Wunden
Empfängt mann ins Gesicht'. An mier wird keine funden /
Die auff den Rükken sey. Die Stürmen und die Schlacht
die gestern noch geschah / sind unser Zier und Pracht.
Die Tugend sieht so aus. Wenn denn nach vielen streichen
Nach langer Fechtens-Zeit die müden Feinde weichen /
da sind wier Herren erst / da wächset uns der Muut /
der zwar nie kleine war. Da kriegt man Geld und Guut /
Mehr als mann haben wil. Wier machen frische Beute.
Das Vaterland wird froh. Wier retten Land und Leute /
und machen sie auch arm / nach dem das Glükke fällt.
Die Herren sind uns gleich. Wier stehen feil ümm Geld.



       Loob eines Soldaten zu Rosse

Ein frischer Heldenmuht ist über alle Schätze
Ist über allen Neid. Er selbst ist sein Gesetze /
Sein Mahl / sein Sold / sein Preiß. Er reisset durch die Zeit /
Vergnüget sich durch sich. Lässt bey sich Ruh und Streit
Inn gleicher Waage stehn. Den adelichen Rittern
Wird dieses angebohrn. Wenn andre stehn und zittern /
Beseufftzen ihren Todt / und bitten ümm Quartier /
So setzen sie den Ruhm auch tausend Leeben für /
Die mann erbitten muuß / und doch nur Schande geeben.
Sie sterben Tugendhafft / wenn sie noch könten leeben.
Was ist das für ein Feind / der seinem Feinde fleht?
Ist einer so gesinnt / wenn er zum Treffen geht /
So bleib' er lieber da. Ein redlicher Soldate /
darff nicht inn zweifel stehn / ob auch der Sieg gerahte.
Den Sieg hat er bey sich / wenn er sich tapffer hält.
Was kann ihm helffen wohl das überwunden Geld /
das er zu geeben beut? ist doch schoon alles seine.
Er richt' ihn lieber hinn / so bleibt sein Eydschwuur reine /
und er versichert sich / schlägt er ihn heute todt /
So darff er morgen nicht für ihm stehn inn der Noht /
daß er sich rechen wird. Wenn wil der Krieg sich enden /
Wenn er verschonen wil / und sich zuer Gnade wenden
Wenn mann sol ernsthafft seyn. Vor alters gieng' es nicht.
Es wurden Könige beym Treffen hingericht.
Was gilt hier die Persoon? ein Feind hat mit den Nahmen
Sein Leeben schoon verbührt. So bleibt er stets bey samen /
Wenn mann Ihn ab lässt ziehn. Und er gedenkt es doch /
und pfiff' er einmahl noch so auff ein lindes Loch.
Es lehrt ihm diß die Noht. Wenn er zuer Freyheit kömmet /
So sieht und tichtet er / wie er ihm Vortheil nimmet.
Nimt aller Sachen wahr. Im fall daß er vermerckt /
daß sein verschoner liegt; Er sieht wie er sich stärckt /
Vergisst der alten Treu' und seiner guten Worte.
Setzt unvermerckt an ihn / und fällt ihn an dem Ohrte /
da mann es nicht gedacht. Alsdenn so ists zu spaat /
Wenn mann bereuen wil / daß mann geschonet hat /
und so barmhertzig war. Ich hab' es wohl erfahren.
Dem Kriege zieh' ich nach nun bey so vielen Jahren /
Ich weiß deß Krieges Brauch. Ich gebe kein Quartier /
und kähm ein General und König selbst mir für.
Ich achte dessen nicht / daß er von höhern Stamme /
Als ich / gebohren ist. Diß eben macht die Flamme /
daß ich mehr siegen wil / in dem er grösser ist /
An Ahnen / nicht an Muth. Ein dapfrer Geist erkiest
Ihm stets ein höhers aus / mit dem er möge ringen.
Der Ruhm der wächst mit ihm / daß er aus hohen dingen
Vorhinn entsprossen ist. Kein Adel dient vor mich.
Diß Schwerdt das adelt mich. Mein Ritter Sitz binn Ich.
Mein Leib ist mein Pallast. Ein Krieger ist vergnüget /
daß er von einem mahl' aufs andre so viel krieget
Als er benötigt ist. Was hilfft ihm Land und Gut
die Feigen sehn auff diß. Ich zahle baares Blut
Vor meine Güter aus. Wem ließ ichs wohl zu erben /
Solt' etwan heute noch ich vor dem Feinde sterben /
den ich mir wünsche stets? Ich lobe meinen Sinn.
Mein Leben lieb' ich nicht. Ein ander ziehe hinn /
und karge wie er wil. Wir kommen leicht zu Gelde /
und leichtlich wieder drümm. Wir nähmens auff dem Felde /
und gäbens in der Stadt. Uns ehret Iedermann.
Und wer nicht wil der muß. Es ist uns unterthan
Nicht ein Land nur. Die Welt die muß uns Herren heissen /
Wenn Herren uneins sind. Wir können uns nicht beissen /
Wie alte Mütter thun. Mann schlägt mit Fäusten drein /
Mit Degen und Pistool / wenn mann nicht Freund wil seyn.
Und das heisst recht geherscht. Wir sterben wie wir leben /
Frisch / dapfer / ritterlich. Wir sind den Todt ergeben /
Wier wuchern auff das Blut. Das theure Gut / der Kodt /
Ist keines ieden Kauff. Uns ist es täglich Brodt /
Was andern seltzam ist. Wer wünscht ihm doch zu siechen /
und ümm die Ofenbanck erbärmlich her zu kriechen /
Wie es zu Hause geht. Es ist ümm einen Blick /
So fällt uns ein Pistool / ein Degen oder Stück.
Mann fühlt nicht daß mann stirbt. Das Feld ist unser Bette /
der Gottes-Acker auch. Wir leben ümm die Wette /
und sterben auch also. Wer härmet sich darümm /
Es sey hieb oder stich / wenn wier nuer kommen ümm /
So ist uns wohl geschehn. Lob' einer nun das seine /
Sein Leben / wie es sey. Ich lobe stets das meine.
Du lebest nicht für mich. Ich sterbe nicht für dich.
Ein ander bleibe sein'. Ich bleibe so für mich.



             Madrigal

Weil Eurus sich noch streubet /
bestürmt die große Welt /
So trauret Wald und Feld /
und was diß Rund ümmleibet.
Nur ich bin ausser Kummer.
Wenn meine Doris kömmt /
Mich in die Arme nimmt.
Ihr Häupt ist mir der Lentz /
Ihr Antlitz Sommer.



Mag denn kein Rath und Trost mir lindern meine Pein ...

Mag denn kein Rath und Trost mir lindern meine Pein
                        Sie muß erlitten seyn.
                So will ich wie sichs fügt /
                mit allem seyn vergnügt.
                Wer sich entsetzt der liegt.
                        Ich wag es kühne drein.

Ein Hertze / das sich frisch der Noth entgegen stellt /
                        behält gewiß das Feld.
                Muß ich so will ich dran.
                Ihr Feinde / setzt nur an.
                Hier habt ihr euren Mann /
                        der euch die Wage hält.

Pein / trauren / Noth und Qual / und wie ihr andern heisst /
                        die Ihr so auff mich reisst /
                seyd noch so arg gesinnt;
                thut alles / was ihr künnt;
                Hier ist er / der gewinnt.
                        Hier steht er der euch schmeisst.

Nach aller meiner Angst / nach aller Müh' und Fleiß' /
                        erhalt ich recht den Preiß.
                Mein Sieg der steht bey mir
                drüm wächst mir die Begier.
                Denn mir bringt alle Zier /
                        was ich zur Beute weiß.

Flieht nun / und kommt nicht mehr auff euren Schaden an /
                        Ihr Feinde wie gethan.
                Her alle Fröligkeit /
                und was mein Hertz erfreut.
                Diß ist ein Theil der Zeit /
                        der ich mich rühmen kan.



Mein Unglück ist zu groß

Mein Unglück ist zu groß /
zu schwer die Noth /
So mancher Hertzens-stoß
dreut mir den Todt.
Mein Schmertze weiß von keiner Zahl.
Vor / nach / und alle mahl'
häufft sich die Quahl.

Ein Mensch hat alle schuld /
das mich doch liebt.
Das weil es mir ist huld /
mich so betrübt.
Von Liebe kömmt mir alles Leid.
Ich weiß von keiner Zeit /
die mich erfreut.

Preist jemand ihre Pracht /
so wird mir weh.
Wer ihr gedenckt / der macht /
daß ich vergeh'.
Erinner' ich mich denn der Pflicht /
was wunder ists / daß nicht
mein Hertze bricht.

Liecht ist ihr Augen-glantz /
klahr ihre Zier.
Das macht / daß ich mich gantz
verliehr in ihr.
Sie hat es / was mein Hertze sucht /
Scham / Schönheit / Jugend / Zucht /
der Tugend Frucht.

An Ihr liegt alles mir.
Was acht' ich mich.
Mein Sinn ist freund mit ihr /
und hasset sich.
Was ich beginne spat und früh /
Was ich gedenck ist Sie /
die werthe die.

Sie hat mich gantz bey sich /
das schöne Kind.
Ihr auch zu lassen mich
bin ich gesinnt.
Die Treue / die sie mir verspricht /
find' ich in solcher Pflicht
sonst nirgends nicht.

Und leb ich mich gleich todt
in solcher Pein /
noch hat es keine Noth;
Sie / sie kans seyn /
die mir das Leben wiedergiebt /
die mich so sehr betrübt
als sie mich liebt.

Ach! daß ich ihr mein Leid
nicht klagen kan!
Ich bin von Ihr zu weit
itzt abgethan.
Von scheiden kömmt mir alle Noth;
diß macht mich blaß für roth /
für lebend todt.

Läufft nun mein Glücke so?
Ach wehe mir.
O! warümm ward ich froh
von ihrer Zier?
Für jene kurtze Fröligkeit
hab' ich ein langes Leid /
auff allezeit.

Bekenne selbst auff dich /
mein krancker Sinn /
hast du nicht Schuld / daß ich
so elend binn?
Warümm bewegte dich die Gunst?
Es war ja gar ümmsonst
mit deiner Brunst.

Leid' ich für jene Lust /
so geht mirs recht.
Mir war nicht unbewust /
was Frucht sie brächt'.
Und gleichwol kunt ich gantz nicht ruhn;
Was mich betrübet nun
das must' ich thun.

Euch klag' ich erstlich an /
Ihr Augen ihr.
Wie habt ihr doch gethan /
so falsch an mir.
Verräther wart ihr meiner Pein.
Drüm müßt ihr ohne Schein /
und dunckel seyn.

Fliest / (denn diß sollet ihr
zur Busse thun /)
hinfürder für und für /
wie vor / und nun.
Quellt ewig / wie mein Schmertze quillt.
So wird mein Leid gestillt /
doch nie erfüllt.

Nicht aber läst mein Muth
Sie eins aus sich.
Das junge treue Blut
beherrschet mich.
So daß ich gantz nicht anders kan /
ich muß ihr ümm und an
seyn unterthan.

Liebt einer so / wie ich /
der sage mir /
wie er gehabe sich
bey Liebs-begier.
Ich fühle wol / was mich versehrt;
Noch gleichwol halt' ich wehrt /
was mich gefährt.

Itzt ist es Mitternacht /
da alles ruht.
Mein munter Hertze wacht /
thut / was es thut.
Es denckt / von müden Thränen naß /
von ihr ohn unterlaß /
und weiß nicht was.

Ein Krancker / der gewiß
am Tode liegt /
der tröstet sich auff diß /
was er auch kriegt.
Das ist gewiß / ich muß dahin.
Doch bleib' ich / wie ich bin /
frisch ohne Sinn.

Erbarmens bin ich werth.
Doch klagt mich nicht /
biß daß Sie von mir kehrt
der Liebe pflicht.
Doch wird Dianens Brudern schein
eh gehn am Himmel ein /
als dieses seyn.

Mit Gott und mit der Zeit
muß alles seyn.
Ein wechsel kehrt mein Leid
und gantze Pein.
Hat nichts / als Unbestand bestand /
So wird mein Ach zu hand
in Lust verwand.

Habt achtung auff mein Leid /
auff meine Quahl /
Ihr / die Ihr Wächter seyd
in Amors Saal'.
Hebt alle meine Thränen auff /
und schafft mir Freude drauff
für guten Kauff.

Ihr Sternen auch / die Ihr
vor habt geliebt /
und offtmahls / wie itzt wir /
auch wart betrübt /
Thut / wie man hat an euch gethan /
schreibt meine Seufftzer an
in Jovis Plan.

Vergeß' ich meiner Pflicht /
ja / säum ich nur /
und halt' ich dieses nicht /
was ich ihr schwur /
So sey mir Venus nimmer gut.
So quähle sich mein Muth /
wie er itzt thut.

Nein. Ich will feste stehn.
Sie / wie sie mir verspricht /
wird auch mir gleiche gehn
und wancken nicht.
Deß Hertzens / das sich selbst nicht schont
mit treue Treue lohnt
bin ich gewohnt.

So steht mein fester Schluß /
unwiederrufft.
Drauff schick' ich diesen Kuß
Ihr durch die Lufft.
Diß Lied auch sey von meiner Hand /
als meiner Liebe Pfand /
Ihr zugesand.

Glückt mirs / und sagt nicht nein /
der alles fügt /
So soll sies einig seyn /
die mich vergnügt.
Mein letztes Wort ist: Treue Pflicht.
Treu' ist es / der es spricht.
Mehr kan Er nicht.



Muß sie gleich sich itzund stellen ...

Muß sie gleich sich itzund stellen /
als wer' ich ihr unbekant;
meynt drüm nicht / ihr Mittgesellen /
daß ihr Sinn sey ümmgewand.
Ihre Treu' in unsrem Handel
die weiß gantz von keinem Wandel.

Amor liebet solche Hertzen /
die deß Mundes Meister seyn /
die bey trauren können schertzen /
und erfreuet seyn in Pein.
Wer will Haßfrey seyn im lieben
der muß sich im Bergen üben.

Also wenig sie sich hassen /
und nicht selber sie seyn mag /
also wenig wird sie lassen /
den / der sie zu seyn stets pflag.
Eins / das sich dem andern giebet /
liebt es / wie sichs selten liebet.

Dennoch hat sie mich im Sinne /
hat sie mich im Auge nicht.
Nicht ists aussen / sondern drinne /
was mir ihre Gunst verspricht.
Müssen schon die Lippen schweigen;
Sie denckt doch: der bleibt mein eigen.

Recht so / Schwester. Laß nicht mercken /
was dich heimlich labt und kränckt.
Man verräth sich mit den Wercken /
der bleibt sicher / der viel denckt.
Laß sie sagen / was sie wollen /
wir nur wissen / was wir sollen.

Sey dir ähnlich / und verbleibe /
die du vor warst / und noch bist.
Und denck nicht / weil ich nichts schreibe /
daß mein dencken dich vergißt.
So gedenck' ich stetigs deiner /
daß ich auch vergesse meiner.



Nach deß vj. Psalmens Weise

In allen meinen Thaten
laß ich den Höchsten rahten /
der alles kan und hat /
Er muß zu allen Dingen /
sols anders wol gelingen /
selbst geben Raht und That.

Nichts ist es spat und frühe /
ümm alle meine Mühe /
mein sorgen ist ümmsonst /
Er mags mit meinen Sachen
nach seinen Willen machen.
Ich stells in seine Gunst.

Es kan mir nichts geschehen /
als was er hat versehen /
und was mir selig ist /
Ich nähm' es / wie ers giebet /
was ihm von mir geliebet
das hab' auch ich erkiest.

Ich traue seiner Gnaden /
die mich für allen Schaden /
für allen übel schützt.
Leb' ich nach seinen Sätzen /
So wird mich nichts verletzen /
nichts fehlen / was mir nützt.

Er wolle meiner Sünden /
in Gnaden mich entbinden /
durchstreichen meine Schuld.
Er wird auff mein verbrechen /
nicht stracks das Urtheil sprechen /
und haben noch Gedult.

Ich zieh' in ferne Lande /
zu nützen einem Stande /
an den er mich bestellt.
Sein Segen wird mir lassen /
was gut und recht ist / fassen /
zu dienen seiner Welt.

Bin ich in wilder Wüsten /
So bin ich doch bey Christen /
und Christus ist bey mir.
Der Helffer in Gefahren /
der kan mich doch bewahren /
wie dorte / so auch hier.

Er wird zu diesen Reisen /
gewünschten Fortgang weisen /
wol helffen hin und her.
Gesundheit / Heyl und Leben /
Zeit / Wind und Wetter geben /
und alles nach Begehr.

Sein Engel / der getreue /
macht meine Feinde scheue /
tritt zwischen mich und sie.
Durch seinen Zug / den frommen /
sind wir so weit nun kommen /
und wissen fast nicht wie.

Leg' ich mich späte nieder /
erwach' ich frühe wieder /
lieg' / oder zieh' ich fort.
In Schwachheit und in Banden /
und was mir stoßt zu handen /
so tröstet mich sein Wort.

Hat er es denn beschlossen /
So will ich unverdrossen /
an mein Verhängniß gehn /
Kein Unfall unter allen /
wird mir zu harte fallen /
Ich will ihn überstehn.

Ihm hab' ich mich ergeben /
zu sterben und zu leben /
So bald er mir gebeut.
Es sey heut' oder morgen /
dafür laß ich ihn sorgen /
Er weiß die rechte Zeit.

Gefällt es seiner Güte
und sagt mir mein Gemühte
nicht was vergeblichs zu /
So werd' ich Gott noch preisen
mit manchen schönen Weisen /
daheim in meiner Ruh.

In deß wird er den meinen /
mit Segen auch erscheinen /
ihr Schutz / wie meiner / seyn /
wird beyderseits gewehren /
was unser Wunsch und Zähren /
Ihn bitten überein.

So sey nun / Seele / deine /
und traue dem alleine /
Der dich geschaffen hat.
Es gehe wie es gehe /
dein Vater in der Höhe
weiß allen Sachen Raht.



Neue-Jahrs-Ode
m. dc. xxxiij.

Darinnen über zwey-mählige Verwüstung deß Landes /
denn auch über Königl. Majest. aus Schweden
Todes-fall geklaget / und der endliche
Friede erseufftzet wird
.

O Du zweymahl wüstes Land /
von der Feinde bösen Hand /
Ach du liebes Meissen du /
wie bistu gerichtet zu.

Deine Felder liegen bloß /
deine Flüsse werden groß /
groß von Thränen / die man geust /
und als Ströme fliessen heist.

Deine Dörffer sind verbrannt /
deine Mauren ümmgerant /
deine Bürger sind verzagt /
deine Bauren außgejagt.

Aller Vorraht ist verzehrt /
alle Kammern außgelehrt /
alle Kasten sind besucht /
unsre Schätze hat die Flucht.

Du vor aller Güter reich /
bist itzt einer Wittben gleich /
Wir die Wäysen sind erschreckt /
und mit Kummer gantz bedeckt.

Unser Heyland / unser Held /
dem wir alles heimgestellt /
der uns zweymahl frey gemacht /
den reibt auff die wilde Schlacht.

Der erzürnte Himmel dreut /
wegen unsrer Sicherheit /
daß er uns gantz stürtzen will /
weil uns unser Helffer fiel.

Zwar wie zornig Gott auch war /
doch bedacht' er die Gefahr /
unsre Noth erhielte dieß /
daß er uns noch siegen ließ.

Aber / ach der theuren Lust /
die uns unsern Schatz gekost /
unsern Nützen und Gewinn /
reisset eine Kugel hinn.

Unser Feind ist froh und lacht /
daß er uns hat Schaden bracht.
Zweymahl mehr wächst ihm der Muht
durch deß Edlen Helden Bluht.

Gläublich ists / und fast schon war /
daß er seiner Räuber Schaar /
wie er immer kan und weiß /
über uns wird geben preyß.

Großes Kind Emanuel /
wende du diß Ungefäll /
komm doch du den Schaden für /
der schon wartet vor der Thür.

ümm ein lachen ists geschehn /
ümm ein liebes freundlich sehn /
daß dein Vater sich bedenckt /
und uns unsre Straffen schenckt.

Lencke du der Feinde Muht /
daß sie uns eins werden gut.
Wo sie dieses wollen nicht /
So nim uns in deine Pflicht.

Zeuch vor unsern Rittern aus /
und beschütz deß Sachsens Hauß /
der für deinen Ruhm und sich /
alles waget williglich.

Kan es seyn / so gib uns Rast /
der du alles kanst und hast.
Frieden-Fürst bist du genant /
bring du uns in Frieden-stand.

Und ihr Feinde gebt es zu /
setzet euch mit uns in Ruh /
daß wir bey der letzten Zeit
stehn in sichrer Einigkeit.

Dencket daß der Friede nehrt /
dencket daß der Krieg verzehrt /
dencket daß man doch nichts kriegt /
ob man schon auch lange siegt.

Stelle deine Schlachten ein /
Mars / und lerne milder seyn /
Thu die Waffen ab und sprich:
hin Schwerdt was beschwerst du mich.

Dieser Helm wird nütze seyn /
daß die Schwalben nisten drein /
daß man / wann der Frühling kömmt /
junge Vögel da vernimmt.

Und der prachen Erden Bauch
darff der Spieß und Degen auch /
doch / daß sie sehn anders aus /
Pflug und Spaden werden drauß.

Tritt / was schädlich ist / bey seit /
hin verdamte Pest und Streit /
weg ihr Sorgen / weg Gefahr /
itzund komt ein neues Jahr.



 O liebliche Wangen

O liebliche Wangen,
Ihr macht mir Verlangen,
Dies rote, dies weiße
Zu schauen mit Fleiße.
Und dies nur alleine
Ist's nicht, was ich meine;
Zu schauen, zu grüssen,
Zu rühren, zu küssen!
Ihr macht mir Verlangen,
O liebliche Wangen!

O Sonne der Wonne!
O Wonne der Sonne!
O Augen, so saugen
Das Licht meiner Augen.
O englische Sinnen!
O himmlisch Beginnen!
O Himmel auf Erden,
Magst du mir nicht werden,
O Wonne der Sonne!
O Sonne der Wonne!

O Schönste der Schönen!
Benimm mir dies Sehnen,
Komm, eile, komm, komme,
Du süße, du fromme!
Ach, Schwester, ich sterbe,
Ich sterb', ich verderbe,
Komm, komme, komm, eile,
Benimm mir dies Sehnen,
O Schönste der Schönen!



Ode
An Herrn Grahmannen / als derselbte in Astrachan
den m. dc. xxxijx. wie vorigen Jahres zu Ardefil
in Persien von einer hitzigen höchst-
gefährlichen Kranckheit wieder
genaß.

Vertrauter meines Hertzen
Nun ist das fünffte Jahr /
In ernsten und in schertzen /
In Freuden und Gefahr /
In Mangel und in Fülle /
und wies auff Reisen fällt /
Mein Wunsch und gantzer Wille /
durch / in / und aus der Welt:

Ergäntze dein Gemühte /
das halb gestorben lebt /
und kühl dir das Geblüte /
das so für Hitze klebt;
Auch diesen Stoß den herben /
verrückst du aus dem Ziel';
Es lest sich nicht so sterben /
als wie der Würger wil.

Dem heissen Perser-Lande
gefalle seine Gluht;
Der Tartereyen Sande /
Sey seine Dürre gut.
Ich lobe deine Felder /
Europe / deine Lufft /
dein Wasser / deine Wälder
die wir so offt gerufft.

Komm / laß uns alle Mühen
und was uns hat gekränckt /
mit Zucker überziehen /
in Weine seyn vertränckt.
Kein Wermuht ist so bitter /
der nicht auch Honig hält;
So steht sichs wie ein Ritter /
So fällt sichs wie ein Held.

Da lebt / da stirbt sichs süße
wo Lust kein' unlust hat /
komm mach dich auff die Füße:
Diß schafft dir deine Stadt.
Behalt dich deinen Freuden
und deinen Freunden vor /
und weise deinem Leiden
das auffgesperrte Thor.

Komm Bruder laß uns eilen /
Wir haben hohe Zeit;
Zerreisse diß verweilen /
und tödte selbst dein Leid.
Der Donner ist verschwunden;
Der Regen ist vorbey;
Apollo wird empfunden /
und du bist frisch und frey.



Tugend ist mein Leben ...

Tugend ist mein Leben /
der hab' ich ergeben /
                den gantzen mich /
Tugend wil ich ehren /
Tugend wird mich lehren /
was sie selbst kan mehren /
                Sie wächst durch sich.

Nicht deß Weges länge
noch deß Pfades enge
                schreckt mich davon.
Laß die Dornen stechen /
Füß' und Kleider brechen /
Sie wird alles rechen /
                durch ihren Lohn.

Weil die andern karten /
Lust und Schlaffes warten /
                so säum ich nicht.
Itzt ist zeit zu eilen /
dem wird alles feilen /
der sich wird verweilen /
                und itzt verbricht.

Alles ander' alles
hat die Art deß Palles /
                der steigt und fällt.
Schätze haben Flügel.
Ehre läßt den Zügel /
Lust kommt aus den Bügel.
                Die Tugend hält.

Hab' ich Gott und Tugend /
So hat meine Jugend /
                was sie macht wehrt.
Diese schönen beyde /
wehren allem Leide /
lieben alle Freude
                So man begehrt.



      Ueber Gedächtnüß seiner ersten Freundinn

Noch dennoch bleib' ich Ihr / muß ich Sie gleich verlassen /
und meyne Sie / muß ich gleich ihr entzogen seyn /
bezwungen durch das Thun / das unsern Trost und Pein
verwechselt / wie es will. Ich will mein Trübnüß massen /
    Thun wie ein Weiser thut. Ein großes Hertze fassen.
Seyn meine / wie ich soll. Sie aller Tugend schein /
mein alles und auch nichts / ist nicht / und ist doch mein'.
Hass' ich das schöne Kind / so muß ich selbst mich hassen.
    Verhängnüß / schone nicht. Reiß sie nur immer hinn.
Du raubst mir ihren Leib nicht aber ihren Sinn /
der nun und nimmermehr von mir spricht sich zu lencken.
    Mir bleibt dein bester Theil / O meiner Seelen Licht /
und darff ich künfftig schon / Lust / dich besitzen nicht /
So darff ich deiner doch mit Freuden stets gedencken.



Ueber Herrn Martin Opitzen auff Boberfeld
sein Ableben.

So zeuch auch du denn hin in dein Elyserfeld /
Du Pindar / du Homer / du Maro unsrer Zeiten /
und untermenge dich mit diesen grossen Leuten /
Die gantz in deinen Geist sich hatten hier verstellt.
    Zeuch jenen Helden zu / du jenen gleicher Held /
Der itzt nichts gleiches hat. Du Hertzog deutscher Seiten;
O Erbe durch dich selbst der steten Ewigkeiten;
O ewiglicher Schatz und auch Verlust der Welt.
    Germanie ist tod / die Herrliche / die Freye /
Ein Grab verdecket sie und ihre gantze Treue.
Die Mutter die ist hin; Hier liegt nun auch ihr Sohn /
    Ihr Recher / und sein Arm. Last / last nur alles bleiben
Ihr / die ihr übrig seyd / und macht euch nur darvon.
Die Welt hat warlich mehr nichts würdigs zu beschreiben



Und gleichwol kan ich anders nicht

Und gleichwol kan ich anders nicht /
Ich muß ihr günstig seyn.
Ob gleich der Augen stoltzes Licht
mir mißgönnt seinen Schein.
Ich wil / ich soll / ich muß dich lieben /
dadurch wir beyd' uns nur betrüben /
weil mein Wunsch doch nicht gilt /
und du nicht hören wilt.

Wie manchen Tag / wie manche Nacht /
wie manche liebe Zeit /
hab' ich mit klagen durchgebracht /
und du verlachst mein Leid.
Du weist / du hörst / du siehst die schmertzen /
und nimmst dir keinen doch zu Hertzen /
So / daß ich zweifle fast /
ob du ein Hertze hast.

Bist du denn harter Stein und Stahl /
die man doch zwingen kan?
Feld / Wiesen / Wälder / Berg und Thal
sehn meinen Wehmuht an.
Die Vögel seufftzen / was ich klage.
Der hole Pusch rufft / was ich sage.
Du nur / du stoltze du /
hälst Ohr- und Augen zu.

Ach dencke / dencke / was du thust.
Ich kan nicht anders seyn.
Ich hab' an meinem Leiden lust.
Du hassest meine Pein.
Kan ich denn keine Huld' erlangen /
So laß mich die Gunst nur empfangen /
und wolle doch mit mir /
daß ich stracks sterbe hier.



                Von sich selber

Ich feure gantz und brenne liechter Loh.
Die Trähnen hier sind meiner Flammen Ammen /
Die mich nicht lässt diß stete Leid verthammen;
ich kenn' es wohl / was mich kan machen froh /
    Daß ich fortan nicht dürffte weinen so.
Wo aber ists? So müssen nun die Flammen
hier über mir nur schlagen frey zusammen.
Mein Schirm ist weg / mein Schutz ist anders wo.
    Ist gantz nichts da / daran ich mich mag kühlen /
In solcher Gluth / die meine Geister fühlen?
Der Liebes-Durst verzehrt mir Marck und Bein.
    Diß Wasser ists / die Kühlung meiner Hitze /
Das ich zum Trunck' aus beyden Augen schwitze.
Ich zapfe selbst / und Amor schenckt mir ein.



Was säumst du dich / O Seele / zu zerspringen ...

Was säumst du dich / O Seele / zu zerspringen /
für Angst / für Quahl / die dich und mich ümmringen.
    Und bist noch du / mein Hertze nicht entzwey.
    Thus doch! thus bald / und mach' uns beyde frey.
O daß ich doch den Tag erleben müssen /
der mir verbeut das schöne Kind zu küssen!
    Der mir versagt das liebe Mensch zu sehn.
    Ach mir! was mehr? Es ist ümm mich geschehn.
An stat daß ich nicht eine Viertelstunde
vor kunte seyn von ihrem süssen Munde /
    da muß ich nun seyn ewig ohne Sie.
    Wo? Ach! wo ist Sie nun die wehrte die?
Sagts sicher nach ihr stummen Wasser-Scharen /
wie hertzlich offt wir beyde bey euch wahren.
    Bringts kühnlich aus / ihr Lüffte / was ihr wißt /
    wie vielmahl wir uns haben laß geküßt.
Du blasser Mund / was ists nunmehr gewesen /
daß du so offt von ihrem bist genesen?
    Wo ist dein Geist / ihr süßer Athem hin /
    von dessen Krafft ich noch verzäubert bin.
Ich ruff' euch an / O Sonn / O Mohn / O Sternen /
und was uns sonst das Glücke wirckt von fernen /
    Ich ruff' euch an / seyd Zeugen über mir /
    was ich für Angst hier leide wegen ihr.
Gehabt euch wol / Ihr schönsten meiner Tage /
der ich mit ihr so viel zu haben pflage.
    Gehab dich wol / du manche süße Nacht /
    die ich mit ihr in Liebe durchgebracht.
Ade / O Platz / den Göttern selbst begehret /
der du sie mir so vielmahl hast gewehret.
    Sey tausentmahl / sey tausent / tausentmahl
    gegrüßt. Du bleibst in Lust / ich leb' in Quahl.
Ihr Bäch' / ihr Püsch / ihr Gärten und Gefilder /
und was ihr hegt; Ihr schönen Lentzen-Bilder /
    du Sommer-Lust / du Herbst / du Winter-Zier.
    Zu guter Nacht. Ich scheid'; Ihr bleibt bey Ihr.



Wenn du mich köntest lieben ...

Wenn du mich köntest lieben /
O du mein Ich /
gleich wie ich dich /
So wär' ich ohn betrüben.
Daß du mich aber nicht hältst wehrt
das ists / das mich so sehr beschwert.

Sonst allen dich alleine
setz' ich weit für /
das schwer' ich dir /
bey Föbus güldnem Scheine.
Bey Gott Kupido süßer Glut /
dir nur alleine bin ich gut.

Du kanst mich ja nicht hassen /
daß ich die Zier /
so wohnt in dir /
nicht dencke zu verlassen /
die einen ieden in gemein
beweget dir geneigt zu seyn.

Siehst du nicht / wie ich weine /
und wegen dir /
O meine Zier /
fast nicht zu trösten scheine.
Du siehst / und nimst dichs doch nicht an /
daß mir sonst niemand rathen kan.

Ach! laß dich doch erbitten /
mein einigs Ein /
durch diese Pein /
die ich so offt erlitten.
Schaff' / Hertze / schaffe doch einmahl /
daß ich mich freue nach der Quahl.



Wil sie nicht / so mag sies lassen ...

Wil sie nicht / so mag sies lassen /
Zynthie / die stoltze die.
Was betrüb ich mich ümm Sie.
Eins ist mir ihr Huld' und hassen.
Zynthie sey wer sie sey;
Ich bin froh / daß ich bin frey.

Vorhin thät' ich / wie sie thäte.
Lieb' ist Gegen-liebe wehrt.
Itzund / weil sie sich verkehrt
bin auch ich auff andrer stette.
Zynthie sey wer sie sey;
Ich bin froh / daß ich bin frey.

Meynt sie wol mich zu betrüben /
mit dem / was nur ist ein Schein?
Nein. Will sie mir gut nicht seyn /
So kan ich auch sie nicht lieben.
Zynthie sey wer sie sey;
Ich bin froh / daß ich bin frey.

Zahlt mir diß nur meine Treue /
meinen unbewegten Sinn?
Doch wer achtets. Immer hin.
Es kömmt doch noch wol zur Reue.
Zynthie sey wer sie sey;
Ich bin froh / daß ich bin frey.

Sie bekömmt wol meines gleichen /
und auch ihres gleichen ich.
Weil sie ja verdringet mich /
So will ich ihr gerne weichen.
Zynthie sey / wer sie sey;
Ich bin froh / daß ich bin frey.

Sie mag lachen / oder klagen /
oder etwas anders thun.
Mich vergnüget dieses nun /
daß ich kan mit Warheit sagen:
Zynthie sey / wer sie sey;
Ich bin froh / daß ich bin frey.



Wol dem / der Gnad' ümm Recht kan finden ...

Wol dem / der Gnad' ümm Recht kan finden /
bey der / die über ihn rufft weh'!
Er giebt sein Leid den leichten Winden /
und läst es tragen über See.
O du verletzte Charitinne /
bist noch auff deinem harten Sinne.

Er spielet förder auffs gewisse.
Hört nicht / was dem und jenem träumt.
Giebt seiner Liebsten küß' ümm küsse /
und holet nach was er versäumt.
O du verletzte Charitinne
bist noch auff deinem harten Sinne.

Wie hastu mich so lassen fallen /
Verhängnüß / oder was du bist?
Das schönste Mägdlein unter allen
hast du betrübt durch deine List.
O du verletzte Charitinne
bist noch auff deinem harten Sinne.

Ich schwere bey den Flitz' und Pfeilen /
darmit der kleine Gott uns zwingt /
daß ich mich lassen übereilen /
diß / was mir nun den Todt fast bringt.
O du verletzte Charitinne /
bist noch auff deinem harten Sinne.

Hab' ich seit der Zeit recht geschlafen /
hab' ich gepflogen einger Lust /
So müsse mich der Knabe strafen /
dem du so stets zu wieder thust.
Und du verletzte Charitinne /
bist noch auff deinem harten Sinne.

Ist dieses auch erhöret worden /
zugleiche schön' und grausam seyn?
Kupido führt den frommen Orden /
bey ihm reißt gantz kein Zanck nicht ein.
Und du verletzte Charitinne
bist noch auff deinem harten Sinne.

Je höher einer ist vom Stande /
je weniger bewegt er sich.
Der Pövel braucht der Rach' und schande.
Verschonen das steht Königlich.
Und du verletzte Charitinne
bist noch auff deinem harten Sinne.

Wenn Jupiter stracks straffen solte /
So offt man ihn mit Worten schlägt /
Ich weiß nicht wo er nähmen wolte
stets / was er in den Händen trägt.
Du nur verletzte Charitinne /
Bleibst stets auf deinem harten Sinne.

Soll denn ein Wort die Krafft nun haben /
daß es dir brächte so viel Leid?
Nein. Schönste / deiner Tugend Gaben
die übersteigen allen Neid.
Und du verletzte Charitinne /
bist noch auff deinem harten Sinne.

Die starcke Krafft der heissen Reben
ümmnebelt unsern schwachen Muth.
Wer denn auff reden acht will geben /
der thut nicht / wie ein weiser thut.
Und du verletzte Charitinne /
bist noch auff deinem harten Sinne.

Die Thränen / die du hast vergossen /
die sind gefolgt der flucht der Zeit.
Schau / so viel Zeit ist hin verflossen /
Ich weine noch ümm diß dein Leid.
Und du verletzte Charitinne
bist noch auff deinem harten Sinne.

Hätt' ich ein SalamanderLeben /
So wär' es wol ümm mich bewandt.
Dein Zornfeur hat mich gantz ümmgeben.
Es steckt mir Leib und Seel in brandt.
Und du verletzte Charitinne
bist noch auff deinem harten Sinne.

Das böse Meer / das heute brauset /
wird morgen still' und milder seyn.
Wenn Boreas hat außgesauset /
so tritt ein linder Zefyr ein.
Du nur verletzte Charitinne
bleibst stets auff deinem harten Sinne.

Auff dunckle Nacht folgt heller Morgen.
Auff Winter der gesunde Mäy.
Ist Titan itzo schon verborgen /
bald zeigt er sein Gold wieder frey.
Und du verletzte Charitinne
bleibst stets auff deinem harten Sinne.

Komm / schönste / lasse dich versöhnen /
und schaffe meiner Seelen Rast.
Ich bitte durch die Zier der schönen /
da du das Lob vor allen hast.
Ach nun / verletzte Charitinne /
gebeut doch diesem harten Sinne.



Wolte sie nur / wie sie sollte ...

Wolte sie nur / wie sie solte;
und solt' ich nur / wie ich wolte /
So wer' ich und sie vergnügt.
Ach! wie wer' es wol gefügt /
wenn wir nicht so wiederstrebten /
sondern itzt und für und für /
Ich bey ihr / und sie bey mir /
in verglichner Liebe lebten.

O wie würden unsre Heerden
so geschwinde feister werden!
Feld / und Thal / und Berg / und Heyn /
würde mit uns frölich seyn.
Alle Nymfen würden lachen /
und uns manchen schönen Tantz /
manchen schönen lieben Krantz
in den bunten Wiesen machen.

Ich auch würd auff meiner Pfeiffen
ein erfreutes Liedlein greiffen /
wenn ich in der Liebsten Schoß
alles Kummers würde loß.
Denn wolt' ich an stat deß Klagen /
das mich itzt für seiner Pein /
kaum läßt mich und meine seyn /
nur von lauter Wonne sagen.

O du schöne Salibene!
Salibene / O du schöne!
Schau doch / wie sich alles liebt /
und in süßen Freuden übt.
Alles wird durch Lust gerühret.
Wir nur gönnen unsre Zeit
der verstoßnen Einsamkeit.
Denck' ob diß sich auch gebühret.



Zu Terki in Zirkassen / im Rückzuge aus Persien /
auff eines seinen Nahmens Tag.

Auff hundert Ach und Weh / auff tausend Noht und Mühen /
Auff hundert tausend Leid / kommt ein Tag endlich her /
der alles Ach und Weh / Noth / Mühe / Leid / Beschwer /
auff einmahl nimmet hin. Ihr Götter habts verliehen /
    Daß wir nun sehn vor uns ein neues Glücke blühen.
Der Weg ist über halb. Es kömt nicht ohn gefähr /
Daß wir noch alle stehn / und können nach Begehr
In unser Vaterland / das liebe / wieder ziehen.
    Sey / Bruder / froh mit uns / und stell' uns an ein Fest /
denn daß uns auch für dich / Gott heut' Ihm dancken lest /
das thut Er Ihm zur Ehr' / und dir und uns zu Glücke.
    So feyre deinen Tag / und schaff uns Lust genung.
Greiff hurtig in das Geld; es geht nunmehr zu rücke.
Auff eine reiche Frau ist dis der erste Sprung.



             Zur Zeit seiner Verstossung

Ein Kauffmann / der sein Gut nur einem Schiffe traut /
ist hochgefährlich dran / in dem es bald kan kommen /
daß ihm auff einen Stoß sein gantzes wird genommen.
Der fehlt / der allzuviel auff ein Gelücke traut.
    Gedenck' ich nun an mich / so schauret mir die Haut.
Mein Schiff das ist entzwey. Mein Gut ist weggeschwommen.
Nichts mehr das ist mein Rest; das machet kurtze Summen.
Ich habe Müh' und Angst / ein ander meine Braut.
    Ich unglückseeliger! mein Hertze wird zerrissen /
mein Sinn ist ohne sich. Mein Geist zeucht von mir aus.
Mein alles wird nun nichts. Was wird doch endlich drauß?
    Wer eins doch übrig noch / so wolt' ich alles missen.
Mein theuerster Verlust der bin selb-selbsten ich.
Nun bin ich ohne Sie / nun bin ich ohne mich.