Goethe

Seite 18

Inhalt

Biografie

Seite 20

Nachlese


Poetische Gedanken über die Höllenfahrt Jesu Christi

      Auf Verlangen entworfen von J. W. G.

Welch ungewöhnliches Getümmel!
Ein Jauchzen tönet durch die Himmel.
Ein großes Heer zieht herrlich fort.
Gefolgt von tausend Millionen
Steigt Gottes Sohn von Seinen Thronen
Und eilt an jenen finstern Ort.
Er eilt, umgeben von Gewittern;
Als Richter kommt Er und als Held.
Er geht, und alle Sterne zittern.
Die Sonne bebt. Es bebt die Welt.

Ich seh Ihn auf dem Siegeswagen,
Von Feuerrädern fortgetragen,
Den, der für uns am Kreuze starb.
Er zeigt den Sieg auch jenen Fernen,
Weit von der Welt, weit von den Sternen,
Den Sieg, den Er für uns erwarb.
Er kommt, die Hölle zu zerstören,
Die schon Sein Tod darnieder schlug;
Sie soll von Ihm ihr Urteil hören.
Hört! Jetzt erfüllet sich der Fluch.

Die Hölle sieht den Sieger kommen,
Sie fühlt sich ihre Macht genommen.
Sie bebt und scheut Sein Angesicht.
Sie kennet Seines Donners Schrecken.
Sie sucht umsonst sich zu verstecken.
Sie sucht zu fliehn und kann es nicht.
Sie eilt vergebens, sich zu retten
Und sich dem Richter zu entziehn,
Der Zorn des Herrn, gleich ehrnen Ketten,
Hält ihren Fuß, sie kann nicht fliehn.

Hier lieget der zertretne Drache,
Er liegt und fühlt des Höchsten Rache,
Er fühlet sie und knirscht vor Wut.
Er fühlt der ganzen Hölle Qualen,
Er ächzt und heult bei tausend Malen:
"Vernichte mich, o heiße Glut!"
Da liegt er in dem Flammenmeere,
Ihn foltern ewig Angst und Pein.
Er flucht, daß ihn die Qual verzehre,
Und hört, die Qual soll ewig sein.

Auch hier sind jene große Scharen,
Die mit ihm gleichen Lasters waren,
Doch lange nicht so bös als er.
Hier liegt die ungezählte Menge,
In schwarzem, schröcklichen Gedränge,
Im Feuerorkan um ihn her.
Er sieht, wie sie den Richter scheuen,
Er sieht, wie sie der Sturm zerfrißt.
Er sieht's und kann sich doch nicht freuen,
Weil seine Pein noch größer ist.

Des Menschen Sohn steigt im Triumphe
Hinab zum schwarzen Höllensumpfe
Und zeigt dort Seine Herrlichkeit.
Die Hölle kann den Glanz nicht tragen,
Seit ihren ersten Schöpfungstagen
Beherrschte sie die Dunkelheit.
Sie lag entfernt von allem Lichte,
Erfüllt von Qual im Chaos hier.
Den Strahl von Seinem Angesichte
Verwandte Gott auf stets von ihr.

Jetzt siehet sie in ihren Grenzen
Die Herrlichkeit des Sohnes glänzen,
Die fürchterliche Majestät.
Sie sieht mit Donnern Ihn umgeben,
Sie sieht, daß alle Felsen beben,
Wie Gott im Grimme vor ihr steht.
Sie sieht's, Er kommet, sie zu richten,
Sie fühlt den Schmerzen, der sie plagt;
Sie wünscht umsonst, sich zu vernichten.
Auch dieser Trost bleibt ihr versagt.

Nun denkt sie an ihr altes Glücke,
Voll Pein an jene Zeit zurücke,
Da dieser Glanz ihr Lust gebar;
Da noch ihr Herz im Stand der Tugend,
Ihr froher Geist in frischer Jugend
Und stets voll neuer Wonne war.
Sie denkt mit Wut an ihr Verbrechen,
Wie sie die Menschen kühn betrog.
Sie dachte sich an Gott zu rächen,
Jetzt fühlt sie, was es nach sich zog.

Gott ward ein Mensch. Er kam auf Erden.
"Auch dieser soll mein Opfer werden",
Sprach Satanas und freute sich.
Er suchte Christum zu verderben,
Der Welten Schöpfer sollte sterben.
Doch weh dir, Satan, ewiglich!
Du glaubtest, Ihn zu überwinden,
Du freutest dich bei Seiner Not.
Doch siegreich kommt Er, dich zu binden.
Wo ist dein Stachel hin, o Tod?

Sprich, Hölle, sprich, wo ist dein Siegen?
Sieh nur, wie deine Mächte liegen.
Erkennst du bald des Höchsten Macht?
Sieh, Satan, sieh dein Reich zerstöret!
Von tausendfacher Qual beschweret,
Liegst du in ewig finstrer Nacht.
Da liegst du wie vom Blitz getroffen.
Kein Schein vom Glück erfreuet dich.
Es ist umsonst. Du darfst nichts hoffen,
Messias starb allein für mich!

Es steigt ein Heulen durch die Lüfte,
Schnell wanken jene schwarze Grüfte,
Als Christus sich der Hölle zeigt.
Sie knirscht aus Wut; doch ihren Wüten
Kann unser großer Held gebieten;
Er winkt, die ganze Hölle schweigt.
Der Donner rollt vor Seiner Stimme.
Die hohe Siegesfahne weht.
Selbst Engel zittern vor dem Grimme,
Wann Christus zum Gerichte geht.

Jetzt spricht Er; Donner ist Sein Sprechen,
Er spricht, und alle Felsen brechen.
Sein Atem ist dem Feuer gleich.
So spricht Er: "Zittert, ihr Verruchte!
Der, der in Eden euch verfluchte,
Kommt und zerstöret euer Reich.
Seht auf! Ihr waret Meine Kinder,
Ihr habt euch wider Mich empört.
Ihr fielt und wurdet freche Sünder,
Ihr habt den Lohn, der euch gehört.

Ihr wurdet Meine größten Feinde,
Verführtet Meine liebsten Freunde.
Die Menschen fielen so wie ihr.
Ihr wolltet ewig sie verderben,
Des Todes sollten alle sterben,
Doch, heulet! Ich erwarb sie Mir.
Für sie bin Ich herabgegangen,
Ich litt, Ich bat, Ich starb für sie.
Ihr sollt nicht euren Zweck erlangen.
Wer an Mich glaubt, der stirbet nie.

Hier lieget ihr in ew'gen Ketten,
Nichts kann euch aus dem Pfuhl erretten,
Nicht Reue, nicht Verwegenheit.
Da liegt, krümmt euch in Schwefelflammen!
Ihr eiltet, euch selbst zu verdammen,
Da liegt und klagt in Ewigkeit!
Auch ihr, so Ich Mir auserkoren,
Auch ihr verscherztet Meine Huld;
Auch ihr seid ewiglich verloren.
Ihr murret? Gebt Mir keine Schuld.

Ihr solltet ewig mit Mir leben,
Euch war hierzu Mein Wort gegeben,
Ihr sündigtet und folgtet nicht.
Ihr lebtet in dem Sündenschlafe.
Nun quält euch die gerechte Strafe,
Ihr fühlt Mein schreckliches Gericht."
So sprach Er, und ein furchtbar Wetter
Geht von Ihm aus. Die Blitze glühn.
Der Donner faßt die Übertreter
Und stürzt sie in den Abgrund hin.

Der Gott-Mensch schließt der Höllen Pforten,
Er schwingt Sich aus den dunklen Orten
In Seine Herrlichkeit zurück.
Er sitzet an des Vaters Seiten,
Er will noch immer für uns streiten.
Er will's! O Freunde! Welches Glück?
Der Engel feierliche Chöre,
Die jauchzen vor dem großen Gott,
Daß es die ganze Schöpfung höre:
Groß ist der Herr Gott Zebaoth!


Dieses ist das Bild der Welt ...


Dieses ist das Bild der Welt,
Die man für die beste hält:
Fast wie eine Mördergrube,
Fast wie eines Burschen Stube,
Fast so wie ein Opernhaus,
Fast wie ein Magisterschmaus,
Fast wie Köpfe von Poeten,
Fast wie schöne Raritäten,
Fast wie abgesetztes Geld
Sieht sie aus, die beste Welt.




            Annette

        An Annetten

Es nannten ihre Bücher
Die Alten sonst nach Göttern,
Nach Musen und nach Freunden,
Doch keiner nach der Liebsten;
Warum sollt ich, Annette,
Die du mir Gottheit, Muse
Und Freund mir bist und alles,
Dies Buch nicht auch nach deinem
Geliebten Namen nennen?


                    Ziblis

            Eine Erzählung

Mädchen, setzt euch zu mir nieder,
Niemand stört hier unsre Ruh,
Seht, es kommt der Frühling wieder,
Weckt die Blumen und die Lieder,
Ihn zu ehren, hört mir zu.

Weise, strenge Mütter lehren:
"Mädchen, flieht der Männer List!"
Und doch laßt ihr euch betören!
Hört, ihr sollt ein Beispiel hören,
Wer am meisten furchtbar ist.

Ziblis, jung und schön, zur Liebe,
Zu der Zärtlichkeit gemacht,
Floh aus rauhem, wilden Triebe,
Nicht aus Tugend alle Liebe,
Ihre Freude war die Jagd.

Als sie einst tief im Gesträuche
Sorglos froh ein Liedchen sang,
Ward sie blaß wie eine Leiche,
Da aus einer alten Eiche
Ein gehörnter Waldgott sprang.

Zärtlich lacht das Ungeheuer,
Ziblis wendet ihr Gesicht,
Läuft, doch der gehörnte Freier
Springt ihr wie ein hüpfend Feuer
Nach und ruft: "O flieh mich nicht!"

Schrei'n kann niemals überwinden.
Sie lief schneller, er ihr nach.
Endlich kam sie zu den Gründen,
Da, wo unter jungen Linden
Emiren am Wasser lag.

"Hilf mir!" rief sie. Er, voll Freude,
Daß er so die Nymphe sah,
Stand bewaffnet zu dem Streite
Mit dem Ast der nächsten Weide,
Als der Waldgott kam, schon da.

Der trat näher, ihn zu höhnen,
Und ging schnell den Zweikampf ein.
Sie erbebt für Emirenen.
Immer wird das Herz der Schönen
Auf des Schönen Seite sein.

Seinen Feind im Sand zu höhnen,
Regt sich Fuß und Arm und Hand,
Bald mit Stoßen, bald mit Dehnen.
Liebe stärkt die Kraft der Sehnen,
Beide waren gleich entbrannt.

Endlich sinkt der Faun zur Erden,
Denn ihn traf ein harter Streich.
Gräßlich zerrt er die Gebärden;
Emiren, ihn loszuwerden,
Wirft ihn in den nächsten Teich.

Ziblis lag mit matten Blicken,
Da der Sieger kam, im Gras.
Wird's ihm, ihr zu helfen, glücken?
Leicht sind Mädchen zu erquicken,
Oft ist ihre Krankheit Spaß.

Sie erhebt sich. Neues Leben
Gibt ein heißer Kuß ihr gleich.
Doch, der einen schon gegeben,
Sollte nicht nach mehrern streben?
Das sieht einem Märchen gleich.

Wartet nur. Es folgten Küsse
Hundertweis; sie schmeckten ihr.
Ja, die Mäulchen schmecken süße.
Und bei Ziblis waren diese
Gar die ersten. Glaubt es mir.

Darum sog mit langen Zügen
Sie begierig immer mehr.
Endlich trunken von Vergnügen,
Ward dem Emiren das Siegen,
Wie ihr denken könnt, nicht schwer.

Mädchen, fürchtet rauher Leute
Buhlerische Wollust nie.
Die im ehrfurchtsvollen Kleide
Viel von unschuldsvoller Freude
Reden, Mädchen, fürchtet die.

Wacht, denn da ist nichts zu scherzen.
Seid viel lieber klug als kalt.
Zittert stets für eure Herzen.
Hat man einmal diese Herzen,
Ha, das andre hat man bald!


                 Lyde

         Eine Erzählung

Euer Beifall macht mich freier,
Mädchen, hört ein neues Lied.
Doch verzeiht, wenn meine Leier
Nicht von jenem heil'gen Feuer
Der geweihten Dichter glüht.

Hört von mir, was wenig wissen,
Hört's, und denket nach dabei:
Daß, wenn zwei sich zärtlich küssen,
Gern sich sehn und ungern missen,
Es nicht stets aus Liebe sei.

Lyde brannt von einem Blicke
Für Aminen, er für sie;
Doch ein widriges Geschicke
Hinderte noch beider Glücke,
Ihre Eltern schliefen nie.

Wachsamkeit wird euch nichts taugen,
Wenn die Töchter unser sind;
Eltern, habet hundert Augen,
Mädchen, wenn sie List gebrauchen,
Machen hundert Augen blind.

Listig hofft sie, eine Stunde
Ihre Wächter los zu sein.
Endlich kommt die Schäferstunde,
Und von ihrem heißen Munde
Saugt Amin die Wollust ein.

So genoß, entfernt vom Neide,
Er noch manchen süßen Kuß.
Doch er ward so vieler Beute
Überdrüssig. Jede Freude
Endigt sich mit dem Genuß.

Ist wohl bei des Blutes Wallen,
Denkt er, immer Liebe da?
Liebt sie mich denn wohl vor allen?
Oder hab ich ihr gefallen,
Weil sie mich am ersten sah?

Einst spricht er, dies auszuspüren:
"Ach, wie quält mein Vater mich!
Fern soll ich die Herde führen -
Himmel! Dich soll ich verlieren!
Ha, das Leben eh'r als dich!

Liebste, nein, ich komme wieder,
Doch der beste Freund von mir"
(Hier sah sie zur Erde nieder)
"Singet angenehme Lieder,
Diesen Freund, den laß ich dir."

Lyde denkt an keine Tücke,
Weint und geht es weinend ein.
Ungern flieht Amin sein Glücke,
Listig bleibt der Freund zurücke,
Oft ist er mit ihr allein.

Viel singt er von Glut und Liebe,
Sie wird feurig, er wird kühn.
Sie empfindet neue Triebe,
Und Gelegenheit macht Diebe.
Endlich - Gute Nacht, Amin.

Kinder, seht, da müßt ihr wachen,
Euch vom Irrtum zu befrein.
Glaubet nie den Schein der Sachen,
Sucht euch ja gewiß zu machen,
Eh ihr glaubt, geliebt zu sein.


                                          Kunst, die Spröden zu fangen

                                                   Erste Erzählung

Verzweifelt nicht, ihr Jünglinge, wenn eure Mädchen spröde sind. Niemals hat noch die Kälte der mütterlichen Lehren ein weibliches Herze so zu Eise gehärtet, daß es der alles erwärmende Hauch der Liebe nicht hätte zerschmelzen sollen.
Hört, was mir mein Freund erzählte, dem ich sonst viel glaube:
Ich liebte ein Mädchen recht feurig, recht zärtlich; aber sie floh die Jünglinge und die Liebe, weil ihr die Mutter die Jünglinge und die Liebe sehr fürchterlich gemalt hatte. Das schreckte mich nicht ab, es machte mich nur behutsam.

Ich seh's, du kennst sie nicht, die Liebe, dacht ich,
Denn wer sie kennt, der flieht sie nicht.
Wie leicht wird's sein, dich zu entzünden,
Da du so unerfahren bist?
Die Liebe sollst du bald empfinden,
Und sollst nicht wissen, daß sie's ist.

Wenn ich sie im Haine antraf, redete ich sie ganz trocken an. Meine Kälte betrog sie, daß sie nicht floh und mit sich reden ließ. Ich sagte ihr viel von erhabnen Empfindungen, die ich Freundschaft nannte; leicht gewann ich da ihre Vertraulichkeit.

Dem Mädchen ward nebst andern Gaben
Viel feuriges Gefühl geschenkt,
Da meint's, es denke gleich erhaben,
Da es doch nichts als feurig denkt.

Ich ward ihr Freund, sie meine Freundin. Mein Umgang fing an, ihr täglich weniger gleichgültig zu werden. Sie freuete sich, wenn ich kam, und betrübte sich, wenn ich ging.

Was bei des Jünglings Blicken
Ein jedes Mädchen fühlt,
War das, was mit Entzücken
Sie nur für Freundschaft hielt.

Ich war oft mit ihr alleine gewesen, doch hatte ich es nicht wagen dürfen, die Lehren der Mutter mit Gewalt anzugreifen. Nach und nach suchte ich sie mit List zu untergraben. Seit einiger Zeit war ich ihr Lehrer geworden, hatte sie viel Gutes gelehrt; und dem Liebhaber glaubt ein Mädchen immer mehr als der Mutter. Da fing sie an zu zweifeln, ob auch die Mutter immer möchte wahr geredet haben. Das merkte ich, und wußte ihre Zweifel zu nähren.

Einst saß sie, meinen Lehren
Aufmerksam zuzuhören;
Da sprach ich: "Du mußt wissen,
Daß auch die Freunde küssen,
Die Freunde so wie ich und du -"
Ich wagt es - und sie ließ es zu.

Da ich den ersten so leicht erhalten hatte, konnte ich noch eher auf den zweeten hoffen.

Nie schmeckt ein Mädchen einen Kuß,
Die sich nicht nach dem zweeten sehnte.
Oft wiederholt ich meinen Kuß,
Daß sie sich bald daran gewöhnte.
Wenn ich sie sah und sie nicht küßte,
Sprach gleich ihr Blick, daß sie etwas vermißte.

Der glückliche Fortgang meiner Eroberungen machte mich stolz, und wer stolz ist, ist kühn.

So schwer ist's nicht, wie ich geglaubt,
Dem Mädchen eine Gunst zu rauben;
Hat sie uns nur erst eins erlaubt,
Das andre wird sie schon erlauben.

Sobald ich sie wiedersah, redete ich feuriger, küßte ich sie feuriger als sonst. Ich sah, daß sie bewegt ward.

Da wagt's mein Arm, sie zu umschließen.
Sie ließ es zu.
Da wagt's mein Mund, die weiße Brust zu küssen.
Sie ließ es zu.
Doch eilends sprang sie auf. "Dich werd ich fliehen müssen,
Gefährlicher!" rief sie und ließ nichts weiter zu
Und floh. Soweit gelang mir mein Bemühen.
Ich folg ihr langsam, da sie flieht;
Denn eher wird sie bei dem Fliehen
Als ich bei dem Verfolgen müd.


                                             Kunst, die Spröden zu fangen

                                                      Zwote Erzählung

Es ist kein Mädchen so listig, so vorsichtig, das nicht von einem listigen Jünglinge könnte gefangen werden. Hört, wie es Charlotten erging. Charlotte, ein weises Mädchen, die wohl wußte, warum die Jünglinge zu fürchten waren, liebte mich recht zärtlich, aber mehr noch sich selbst. Drum war sie immer zurückhaltend, immer streng gegen mich, wie es meine Annette jetzt ist, wenn sie ihre Mutter beobachtet. Wäre sie ganz klug gewesen, so hätte sie mich ganz gemieden; doch sie war zu dieser Tat zu sehr Mädchen.

Oft führt ich sie zum Haine
Und war mit ihr alleine;
O wie war ich erfreut!
Ist je ein Paar alleine,
Ist Amor niemals weit.

Einst saßen wir unter dem Schatten einer überhangenden Myrte, ein Becher mit Weine und ein Körbchen mit Obst stand vor uns; wir redeten von Freundschaft. Schnell flog Amor aus einer jungen Rose heraus, die, halb aufgeblüht wie ein Mädchen von funfzehn Jahren, sich die Myrte hinaufgeschlungen hatte. Ich sah ihn, das Mädchen nicht. Wie freuete ich mich, da ich seinen Bogen gespannt und seinen Köcher gefüllt sah. Nun wird er mir helfen und einen Pfeil auf ihre Brust schicken; er wird nicht abspringen, der spitzige Pfeil!

Du brauchst nicht scharf zu zielen,
Die Brust ist ohnbewehrt.
Ich hab ihr, wie im Spielen,
Gar manches schon gelehrt,
Was, ohne sich zu fühlen,
Kein junges Mädchen hört.

Aber er bleibt doch immer ein Kind, Amor. Kaum sah er die Trauben, als er schnell hinflog, eine Beere nach der andern mit einem Pfeile aufstach und aussog, wie die Bienen ihren Stachel in die Blumen stechen und Honig saugen. Da er sich satt gesogen hatte, ward
er mutwillig, flog auf den Becher und schaukelte auf dem Rande. Aber einmal versah er's, der gute Amor, und fiel mit einem lauten Schrei in den Wein. Possierlich schwamm er auf dem goldnen Meere, plätscherte mit den Flügeln, ruderte mit Händen und Füßen und schrie immer. Da jammerte er mich, daß ich ihn heraushub. "Was machst du?" fragte das Mädchen. - "Eine Biene war in den Wein gefallen", sagt ich. Freudig dankte mir Amor und hüpfte in den Sonnenschein, da schüttelte er seine Flügel und trocknete sich. Ich sah ihm zu und bemerkte, daß sein Köcher von Pfeilen leer war. Wo sind sie? dacht ich. - Indem fielen meine Blicke auf den Becher; da zogen sich Bläschen vom Boden herauf, wie sie der Wein aus dem Zucker zieht. Amor hatte die Pfeile im Schwimmen verloren, und nun sog der Wein das Gift aus den
Spitzen. "Ich habe deiner Hülfe nicht mehr nötig, Amor!" jauchzete ich und reichte ihr den Becher und sah starr auf sie. Sie trank und sah mich an und trank mit starken Zügen. "Wie süße!" seufzete sie tief, da sie den Becher niedersetzte. Ich beobachtete sie genau; eine sanfte Mattigkeit schlich durch alle ihre Glieder.

Und kraftlos sank ihr Haupt zurücke.
Erst irrten unbestimmt die Blicke
Umher, und fielen dann auf mich,
Und eilten weg, und kamen wieder.
Sie lächelte und schlug die Augen nieder,
Ihr fühlbar Herz empörte sich
Und schickte brennendes Verlangen
In ihren Busen, auf die Wangen,
Die Wangen glühten, und der Busen stieg.
Da rief ich: "Sieg! Sieg, Amor, Sieg!"

Und der kleine getrocknete Prahler, als wenn er noch so viel bei der Sache getan hätte,

Rief, als er in die Lüfte stieg:
"Sieg! Sieg!"


       Triumph der Tugend

          Erste Erzählung

Von stiller Wollust eingeladen,
Drang in den Tempel der Dryaden
Mit seinem Mädchen Daphnis ein,
Um zärtlich ohnbemerkt zu sein.
Des Taxus Nacht umgab den Fuß der Eichen,
Nur Vögel hüpften auf den Zweigen,
Rings um sie her lag feierliches Schweigen,
Als wären sie auf dieser Welt allein.

Sie saßen tändelnd in dem Kühlen.
Allein, dem Herzen nah, das uns so zärtlich liebt -
Wem Amor solch ein Glücke gibt,
Wird der nicht mehr als sonsten fühlen?
Und unser Paar fing bald an, mehr zu fühlen.

Des Mädchens zärtlich Herz lag ganz in ihrem Blicke,
Halb lächelnd nennt sie ihn ihr bestes, größtes Glücke.
Sein Herz, von heißem Blut erfüllt,
Drückt sich an ihrs, läßt nach, drückt wieder;
Und wenn das Blut einmal von Liebe schwillt,
Reißt es gar leicht der Ehrfurcht Grenzen nieder.

Konnt Daphnis wohl dem Reiz des Busens widerstehn?
Bei jedem Kuß durchglüht' ihn neues Feuer,
Bei jedem Kusse ward er freier,
Und sie - und sie - ließ es geschehn.

Der Schäfer fühlt ein taumelndes Entzücken,
Und da sie schweigt, da jetzt in ihren Blicken
Anstatt der Munterkeit ein sanfter Kummer liegt,
Glaubt er sie auf dem Grad von feurigen Entzücken,
Wo man die Mädchen leicht besiegt.

Sie war an seine Brust gesunken,
Und er zuletzt, von Wollust trunken,
Erbat sich, Amor, Sieg von dir.
Doch schnell entriß sie sich den Armen,
Die sie umfaßten: "Aus Erbarmen",
Rief sie, "komm, eile weg von hier."
Bestürzt und zitternd folgt er ihr.

Da sprach sie zärtlich: "Laß nicht mehr
Dich die Gelegenheit verführen;
O Freund, ich liebe dich zu sehr,
Um dich unwürdig zu verlieren."


          Triumph der Tugend

            Zwote Erzählung

Ich fand mein Mädchen einst allein
Am Abend so, wie ich sie selten finde.
Entkleidet sah ich sie; dem guten Kinde
Fiel es nicht ein,
Daß ich so nahe bei ihr sein,
Neugierig sie betrachten könnte.
Was sie mir nie zu sehn vergönnte,
Des Busens volle Blüten wies
Sie dem verschwiegnen, kalten Spiegel, ließ
Das Haar geteilt von ihrem Scheitel fallen,
Wie Rosenzweig' um Knospen, um den Busen wallen.

Ganz außer mir vom niegefundnen Glück
Sprang ich hervor. Jedoch wie schmollte
Sie, da ich sie umarmen wollte.
Zorn sprach ihr furchtsam wilder Blick,
Die eine Hand stieß mich zurück,
Die andre deckte das, was ich nicht sehen sollte.
"Geh!" rief sie, "soll ich deine Kühnheit dir
Verzeihen; eile weg von hier."

Ich fliehn? Von heißer Glut durchdrungen -
Ohnmöglich - Diese schöne Zeit
Von sich zu stoßen! Die Gelegenheit
Kömmt nicht so leicht zurück. Voll Zärtlichkeit
Den Arm um ihren Hals gezwungen, stand
Ich neben ihrem Sessel, meine warme Hand
Auf ihrem heißen Busen, den zuvor
Sie nie berühret. Hoch empor
Stieg er und trug die Hand mit sich empor,
Dann sank mit einem tiefen Atemzug er wieder
Und zog die Hand mit sich hernieder.
So stand Dianens Jäger mutig da,
Triumph gen Himmel hauchend, als er sah,
Was ungestraft kein Sterblicher noch sah.

Mein Mädchen schwieg und sah mich an; ein Zeichen,
Die Grausamkeit fing' an, sich zu erweichen,
Geschmolzen durch die Fühlbarkeit.
O Mädchen, soll mit list'gen Streichen
Kein Jüngling seinen Zweck erreichen,
So müßt ihr niemals ruhig schweigen,
Wenn ihr mit ihm alleine seid.

Mein Arm umschlang mit angestrengten Sehnen
Die weiche Hüfte. Fast - fast - doch des Sieges Lauf
Hielt schnell ein glühnder Strom von Tränen
Unwiderstehlich auf.
Sie stürzt' mir um den Hals, rief schluchsend: "Rette
Mich Unglückselige, die niemand retten kann
Als du, Geliebter. Gott! ach hätte
Dir nie dies Herz gebrannt! Ich sah dich, da begann
Mein Elend; bald, bald ist's vollendet.
O Mutter, welchen Lohn
Gab ich den treuen Lehren, die du mir verschwendet,
Dies Herz zu bilden! Mußte sich dein Drohn
So fürchterlich erfüllen:
Würd ich eine Tat
Vor dir verhüllen,
Deinen Rat
Verachten, selbst mich weise dünken,
Würd ich versinken.
Ich sinke schon; o rette mich!-
Sei stark, mein Freund, o rette dich!
Wir beide sind verloren - Freund, Erbarmen!"

Noch hielt ich sie in meinen Armen.
Sie sah voll Angst rings um sich her.
Wie Wellen auf dem Meer,
Des Grund erbebte, schlug die Brust, dem Munde
Entrauscht' ein Sturm. Sie seufzte: "Unschuld - ach, wie klang
Dies Wort so lieblich, wenn in mitternächt'ger Stunde
An meinem Haupt es mir mein Engel sang.
Jetzt rauscht's wie ein Gewitterton vorüber."
Sie rief's. Es ward ihr Auge trüber,
Sah sternenan. Sie betet': "Sieh
Aus deiner Unschuldswohnung, Herr, auf mich herüber,
Erbarme dich! Entzieh Der reißenden Gefahr mich. Du
Vermagst's allein; der ist zu schwach dazu,
Der Mensch, zu dem ich vor dir betete."

Naht euch, Verführer, deren Wange nie
Von heil'gem Graun errötete,
Wenn eure Hand gefühllos, wie
Die Schnitter Blumen, Unschuld tötete,
Und euer Siegerfuß, darüber tretend, sie
Durch Hohn zum zweiten Male tötete,
Naht euch. Betrachtet hie
Der Vielgeliebten Tränen rollen;
Hört ihre Seufzer, hört die feuervollen
Gebete. Wehe dem, der dann
Noch einen Wunsch zu ihrem Elend wollen,
Noch einen Schritt zum Raube wagen kann!

Es sank mein Arm, aus ihm zur Erd sie nieder,
Ich betet, weint und riß mich los und floh.

Den nächsten Tag fand ich sie wieder
Bei ihrer Mutter, als sie froh
Der freudbetränten Mutter Unschuldslieder
Mit Engelstimmen sang.

O Gott, wie drang ein Wonnestrahl durchs Herz mir! Nieder
Zur Erde blickend stand
Ich da. Sie faßt' mich bei der Hand,
Führt' mich vertraulich auf die Seite
Und sprach: "Dank es dem harten Streite,
Daß du zur Sonn unschuldig blickst,
Beim Anblick jener Heil'gen nicht erschrickst,
Mich nicht verachtend von dir schickst.
Freund, dieses ist der Tugend Lohn;
O wärst du gestern tränend nicht entflohn,
Du sähst mich heute
Und ewig nie mit Freude."


Elegie auf den Tod des Bruders meines Freundes

Im düstern Wald, auf der gespaltnen Eiche,
Die einst der Donner hingestreckt,
Sing ich um deines Bruders Leiche,
Die fern von uns ein fremdes Grab bedeckt.

Nah schon dem Herbste seiner Jahre,
Hofft' er getrost der Taten Lohn;
Doch unaufhaltsam trug die
Bahre Ihn schnell davon.

Du weinest nicht? - Dir nahm ein langes Scheiden
Die Hoffnung, ihn hier noch einmal zu sehn.
Gott ließ vor dir ihn zu dem Himmel gehn;
Du sahst's und konntest nichts als ihn beneiden.

Doch horch - Welch eine Stimm voll Schmerz
Tönt in mein Ohr von seinem Grabe?
Ich eil, ich seh, sie ist's! Ihr Herz
Liegt mit in seinem Grabe.

Verlassen, ohne Trost liegt hie,
Mit ängstlicher Gebärde
Zu Gott gekehrt, als hoffte sie,
Das schönste Mädchen an der Erde.

Nie hat ein Herz so viel gelitten,
Herr, sieh herab auf ihre Not,
Und schenke gnädig ihren
Bitten Sein Leben oder ihren Tod.

O Gott, bestrafest du die Liebe,
Du Wesen voller Lieb und Huld?
Denn nichts als eine heil'ge Liebe
War dieser Unglücksel'gen Schuld.

Sie hofft' im hochzeitlichen Kleide
Bald mit ihm zum Altar zu ziehn;
Da riß sein Fürst von ihrer Seite
Tyrannisch ihn.

O Fürst, du kannst die Menschen zwingen,
Für dich allein ihr Leben zuzubringen,
Das wird man deinem Stolz verzeihn;
Doch willst du ihre Seelen binden,
Durch dich zu denken, zu empfinden,
Das muß zu Gott um Rache schrein.

Wie ward sein großes Herz durchstochen,
Als er, der nie sein Wort gebrochen,
Sein Wort zum ersten Male brach,
Zum ersten Mal es der Geliebten brach,
Der, eh es noch sein Mund versprach,
Sein Herz ein ewig Band versprochen.

"Als Bürger der bedrängten Erde",
Sprach er, "kann ich nie deine sein;
Doch von der Furcht, daß ich dir untreu werde,
Soll dich mein Tod befrein.
Leb wohl, es wein bei meinem Grabe
Jed' zärtlich Herz, gerührt von meiner Treu,
Dann eil die stolze Tyrannei,
Der ich schon längst vergeben habe,
Daß sie des Grabes Ursach sei,
Unwillig fühlend, schnell vorbei."


         Ode an Herrn Professor Zachariä

Schon wälzen schnelle Räder rasselnd sich und tragen
Dich von dem unbedau'rten Ort,
Und angekettet fest an deinem Wagen
Die Freude mit dir fort.

Du bist uns kaum entwichen, und schwermütig ziehen
Aus dumpfen Höhlen (denn dahin
Flohn sie bei deiner Ankunft, wie fürm Glühen
Der Sonne Nebel fliehn)

Verdruß und Langeweile. Wie die Stymphaliden
Umschwärmen sie den Tisch und sprühn
Von ihren Fittichen Gift unserm Frieden
Auf alle Speisen hin.

Wo ist, sie zu verscheuchen, unser güt'ger Retter,
Der Venus vielgeliebter Sohn,
Apollos Liebling, Liebling aller Götter?
Bebt! Er ist uns entflohn.

O gäb er mir die Stärke, seine mächt'ge Leier
Zu schlagen, die Apoll ihm gab;
Ich rührte sie, dann flöhn die Ungeheuer
Erschröckt zur Höll hinab.

O leih mir, Sohn der Maja, deiner Ferse Schwingen,
Die du sonst Sterblichen geliehn;
Sie reißen mich aus diesem Elend, bringen
Mich nach der Ocker hin.

Dann folg ich ohnerwartet einstens ihm am Flusse;
Jedoch so wenig staunet er,
Als ging' ihm, angeheftet seinem Fuße,
Sein Schatten hinterher.

Von ihm dann unzertrennlich wärmt den jungen Busen
Der Glanz, der glorreich ihn umgibt.
Er liebet mich, dann lieben mich die Musen,
Weil mich ihr Liebling liebt.


        An den Schlaf

Der du mit deinem Mohne
Selbst Götteraugen zwingst
Und Bettler oft zum Throne,
Zum Mädchen Schäfer bringst,
Vernimm: Kein Traumgespinste
Verlang ich heut von dir.
Den größten deiner Dienste,
Geliebter, leiste mir.

An meines Mädchens Seite
Sitz ich, ihr Aug spricht Lust,
Und unter neid'scher Seide
Steigt fühlbar ihre Brust;
Oft hatte meinen Küssen
Sie Amor zugebracht,
Dies Glück muß ich vermissen,
Die strenge Mutter wacht.

Am Abend triffst du wieder
Mich dort, o tritt herein,
Sprüh Mohn von dem Gefieder,
Da schlaf die Mutter ein:
Bei blassem Lichterscheinen,
Von Lieb Annette warm
Sink, wie Mama in deinen,
In meinen gier'gen Arm.


            Pygmalion

         Eine Romanze

Es war einmal ein Hagenstolz,
Der hieß Pygmalion;
Er machte manches Bild von Holz.
Von Marmor und von Ton.

Und dieses war sein Zeitvertreib
Und alle seine Lust.
Kein junges, schönes, sanftes Weib
Erwärmte seine Brust.

Denn er war klug und furchte sehr
Der Hörner schwer Gewicht;
Denn schon seit vielen Jahren her Traut
Man den Weibern nicht.

Doch es sei einer noch so wild,
Gern wird er Mädchen sehn.
Drum macht' er sich gar manches Bild
Von Mädchen jung und schön.

Einst hatt er sich ein Bild gemacht,
Es staunte, wer es sah;
Es stand in aller Schönheit Pracht
Ein junges Mädchen da.

Sie schien belebt und weich und warm,
War nur von kaltem Stein;
Die hohe Brust, der weiße Arm
Lud zur Umarmung ein.

Das Auge war empor gewandt,
Halb auf zum Kuß der Mund.
Er sah das Werk von seiner Hand,
Und Amor schoß ihn wund.

Er war von Liebe ganz erfüllt,
Und was die Liebe tut!
Er geht, umarmt das kalte Bild,
Umarmet es mit Glut.

Da trat ein guter Freund herein
Und sah dem Narren zu,
Sprach: "Du umarmest harten Stein,
O welch ein Tor bist du!

Ich kauft ein schönes Mädchen mir,
Willst du, ich geb dir sie?
Und sie gefällt gewißlich dir
Weit besser als wie die.

Sag, ob du es zufrieden bist -"
Er sah es nun wohl ein,
Ein Mädchen, das lebendig ist,
Sei besser als von Stein.

Er spricht zu seinem Freunde: "Ja."
Der geht und holt sie her.
Er glühte schon, eh er sie sah,
Jetzt glüht er zweimal mehr.

Er atmet tief, sein Herze schlug,
Er eilt, und ohne Trau
Nimmt er - man ist nicht immer klug -,
Nimmt er sie sich, zur Frau.

Flieht, Freunde, ja die Liebe nicht,
Denn niemand flieht ihr Reich:
Und wenn euch Amor einmal kriegt,
Dann ist es aus mit euch.

Wer wild ist, alle Mädchen flieht,
Sich unempfindlich glaubt,
Dem ist, wenn er ein Mädchen sieht,
Das Herze gleich geraubt.

Drum seht oft Mädchen, küsset sie,
Und liebt sie auch wohl gar,
Gewöhnt euch dran, und werdet nie
Ein Tor, wie jener war.

Nun, lieben Freunde, merkt euch dies
Und folget mir genau;
Sonst straft euch Amor ganz gewiß
Und gibt euch eine Frau.


              Die Liebhaber

Mein Mädchen im Schatten der Laube,
Umhangen von purpurner Traube,
Bekränzte mit Rebenlaub sich
Und wartete schmachtend auf mich.
Da wallte der Herrscher der Träume
Durch zitternde Wipfel der Bäume,
Erblickte das liebliche Kind,
Sank nieder, umarmt' es geschwind.

Sie schlummert', er küßte die Wangen,
Sie glühten von heißem Verlangen,
Erhitzet, o Gottheit, von dir,
Nach sterblichen Küssen von mir.
Da saugte mit atmenden Zügen
Annette das größte Vergnügen
Der Träume, die Mädchen erfreun,
Vom Munde des Göttlichen ein.

Schnell war sie von Leuten umgeben,
Die schmachteten seufzend nach Leben
Und harreten zitternd aufs Glück
Von einem beseelenden Blick.
Da lag nun auf Knien die Menge,
Mein Mädchen erblickt' das Gedränge
Und hörte der Bittenden Schrei'n
Und dünkte sich Venus zu sein.

Erst sah sie den schrecklichen Sieger,
Da lag er gebückt, wie ein Krieger,
Den stärkerer Streitenden Macht
In schimpfliche Fesseln gebracht.
So sprach er: "Die mächtigen Waffen,
Den Ruhm zu erobern geschaffen,
Erheben, erwählest du mich,
Auf deine Befehle nur sich.

Da fürcht ich nicht Wäll, nicht Kanonen,
Nicht Tonnen, die Minen bewohnen,
Nicht Feinde, die scharenweis ziehn,
Du sprichst nur: ›Entflieht!‹ - sie entfliehn.
Doch mußt du für Eisen nicht beben,
Mein Arm, den jetzt Waffen umgeben,
Schließt sich in entwaffneter Ruh
Auch sanften Umarmungen zu."

Der Kaufmann mit Putzwerk und Stoffen,
Was eitele Mädchen nur hoffen,
Trat näher und beugte sein Knie,
Verbreitet' es hoffend vor sie;
"Erhöre mich, werde die meine",
So sprach er, "dies alles ist deine,
Dich kleid ich in herrlicher Pracht
Dann, wenn du mich glücklich gemacht."

Der Stutzer im scheckigen Kleide
Von Samt und von Gold und von Seide
Kam summend wie Käfer im Mai
Mit künstlichen Sprüngen herbei:
"Du glänzest bei Ball und Konzerten,
Du herrschest beim Spiel und in Gärten,
Mein Dressenrock schimmert auf dich,
Geliebteste, wähle du mich."

Noch andere kamen. Geschwinde
Wies da mich dem göttlichen Kinde
Der Traumgott. Sie schaute mich kaum:
"Den lieb ich!" so rief sie im Traum,
"Komm, eile! o komm, mich zu küssen!"
Ich eilte, sie fest zu umschließen;
Denn ich war ihr wachend schon nah,
Und küssend erwachte sie da.

Kein Pinsel malt unser Entzücken,
Da sank sie mit sterbenden Blicken,
O welche unsterbliche Lust!
An meine hochfliegende Brust.
So lag einst Vertumn' und Pomone,
Als er auf dem grünenden Throne
Das sprödeste Mädchen bekehrt,
Zuerst sie die Liebe gelehrt.


       Annette an ihren Geliebten

Ich sah, wie Doris bei Damöten stand,
Er nahm sie zärtlich bei der Hand;
Lang sahen sie einander an,
Und sahn sich um, ob nicht die Eltern wachen,
Und da sie niemand sahn,
Geschwind - Genug, sie machten's, wie wir's machen.


       An einen jungen Prahler

Dir hat, wie du mir selbst erzählt,
Es nie an Phillis' Gunst gefehlt.
Du sprichst, dir hab sie viel erlaubt
Und du ihr noch weit mehr geraubt.
Doch jetzt kommt sie, es wird sehr viel davon gesprochen,
In wenig Tagen in die Wochen.
Was könnte nun vom Argwohn dich befrein,
Der Vater dieses Kinds zu sein?
Wärst du nicht gar zu klein!


                    Madrigal

Mein Mädchen sagte mir: "Wie schön
Ist nicht Olind! ich hab ihn heut gesehn,
Lang sah ich ihn bewundernd an;
Wer hätt ihn nicht bewundern sollen?
Geliebter, du wirst doch nicht schmollen,
Daß ich's getan?"
Ich sprach: "Mein Herz fühlt nichts vom Neide,
Was auch dein Mund für Lob der Schönheit gibt;
Denn liebtest du die schönen Leute,
Sprich, hättest du mich je geliebt?".