Günderode

Inhalt

Biografie

             Schicksal und Bestimmung

                          An Charlotte

Blumen flecht' ich scherzend nicht für dich zum Kranze,
Und mein Rhythmus weiht sich nicht zum leichten Tanze,
Von Bestimmung red' er ernste Worte dir.

Hoffend, wünschend, suchst du - doch vernimm die Lehre,
Wenn dem Herzen jeder Wunsch befriedigt wäre,
Ungestillet bleibt das Sehnen deiner Brust.

Keins von allen Gütern dieser weiten Erde,
Keines! dem nicht Schmerz und Reue sei Gefährte,
Ueberall verfolgt die Plagegöttin dich.

Freundschaft, Liebe winken freundlich aus der Ferne,
Wie am Horizonte hell die Brüder Sterne,
Doch das eherne Geschick verschont sie nicht.

Reißt dich fremde Schuld nicht von verbund'nen Herzen,
Ha! so fühlst du's spät, durch tief're Schmerzen,
Eigner Wahn zerriß der Erde schönstes Band.

Drum entsage willig auch dem liebsten Gute,
Daß dein oft getäuschtes Herz nicht schmerzlich blute.
Edlerm Streben spare deines Geistes Kraft.

Folge nur der Pflicht, ob sie am ödsten Strande
Einsam, ungeliebt und unbeweint dich bannte:
Deiner Götter Abkunft Siegel ist sie dir.

Tugend ist das Ziel, nach dem die Millionen
Geister, die den ungemess'nen Raum bewohnen,
Ringen zur Vollendung und zur Göttlichkeit.

Wie Planeten um die Sonn' in ew'gen Kreisen,
Eilen sie auf Millionen Weg' und Weisen
Hin zum Ideale der Vollkommenheit.

Blicke stolz hinauf zum herrlich hohen Ziele,
Dräng' ihm zu, und wankst du, irret auch dein Wille,
Deiner Würd' und Freiheit bleibst du dir bewußt.

Zwar im Kampfe wird noch deine Kraft ermüden,
Schwache Erdentugend gibt dem Geist nicht Frieden,
Dennoch deinem Ideale naht sie dich.

Laß denn immerhin die Göttin Schicksal walten,
Ob sich dunkle Wolken gegen dich auch ballten,
Groß und ruhig siehst du ihrem Gange zu.


                          Brutus

Der Freiheit ward einst Cäsar hingeschlachtet,
In seines Ruhmes, seines Lebens Fülle.
Und Brutus schreitet zu dem hohen Ziele,
Das zu erfassen er so sehnlich trachtet;
Doch bald wird es von Dunkel ihm umnachtet,
Es schwankt sein Glück in solchem kühnen Spiele,
Doch ringt er muthig noch nach seinem Ziele
Bis zu dem Tode, den er stolz verachtet.

Denn freudiger als einst in Cäsars Seite
Senkt Brutus Dolch in Brutus Busen sich
Und sterbend erst wird Freiheit seine Beute.
So opferte der Freiheit seinem Gotte
Ein wahrer Priester, Brutus selber, sich,
Doch wer ihm stirbt, der lebt in seinem Gotte.


                       Der Dom zu Cölln

                             Ein Fragment

Fünffach wölbt sich die Decke auf Gruppen gothischer Säulen,
Höher hebt sich der Chor, stolzer getragen empor,
Schön ist das Innre geziert mit Erzen und Marmor und Teppchen
Und ein purpurner Tag bricht durch die farbigen Fenster. -
Aber dort, wo die Dunkelheit dichter sich webt durch die Säulen,
Hauchet ein Modergeruch dumpf aus der Tiefe herauf,
Alda schlafen die Helden der Kirche im hüllenden Sarge
Und ihr Bildniß ruht drauf, sie falten die Hände zum Beten,
Und ihr starrender Blick hat sich zum Himmel gewandt.
Staunend seh ich sie an, mir ist, als müßten sie reden,
Aber sie starren noch fort, wie sie es Jahrhunderte thaten
Und mich schauert so tief, daß also stumm sind die Todten.
Doch da hebt sich Gesang, und Orgeltöne, sie schweben
Feiernd die Dome hinauf, wo glänzende Heilige beten
Aber es wandlen die Töne sich und in Fitt'che der Engel
Und umrauschten melodisch wogend die heiligen Bilder.
Und zum Himmel verkläret sich alles - Musik, und Farben, und Formen,
Aus dem entzückten Auge verschwinden die Gräber, die Todten,
Und den stummen Grüften entsteiget ein freudiges Jauchzen. -
Ja ich habe die Auferstehung gesehen im Auge des Geistes.
Und das Leben der Kunst, es führte die Seele zum Himmel.
Dichtkunst! Du Seele der Künste, Du die sie alle gebohren,
Du beseelest das Grab, steigest zum Himmel empor.


                   Die Töne

Ihr tiefen Seelen, die im Stoff gefangen,
Nach Lebensodem, nach Befreiung ringt;
Wer löset eure Bande dem Verlangen,
Das gern melodisch aus der Stummheit dringt?
Wer Töne öffnet eurer Kerker Riegel?
Und wer entfesselt eure Aetherflügel?

Einst, da Gewalt den Widerstand berühret,
Zersprang der Töne alte Kerkernacht;
Im weiten Raume hier und da verirret
Entflohen sie, der Stummheit nun erwacht,
Und sie durchwandelten den blauen Bogen
Und jauchzten in den Sturm der wilden Wogen.

Sie schlüpften flüsternd durch der Bäume Wipfel
Und hauchten aus der Nachtigallen Brust,
Mit muthigen Strömen stürzten sie vom Gipfel
Der Felsen sich in wilder Freiheitslust.
Sie rauschten an der Menschen Ohr vorüber,
Er zog sie in sein innerstes hinüber.

Und da er unterm Herzen sie getragen,
Heist er sie wandlen auf der Lüfte Pfad
Und allen den verwandten Seelen sagen,
Wie liebend sie sein Geist gepfleget hat.
Harmonisch schweben sie aus ihrer Wiege
Und wandlen fort und tragen Menschenzüge.


      Hochroth

Du innig Roth,
Bis an den Tod
Soll meine Lieb Dir gleichen,
Soll nimmer bleichen,
Bis an den Tod,
Du glühend Roth,
Soll sie Dir gleichen.


Einstens lebt ich süßes Leben ...

Einstens lebt ich süßes Leben,
denn mir war, als sey ich plötzlich
nur ein duftiges Gewölke.
Uber mir war nichts zu schauen
als ein tiefes blaues Meer
und ich schiffte auf den Woogen
dieses Meeres leicht umher.
Lustig in des Himmels Lüften
gaukelt ich den ganzen Tag,
lagerte dann froh und gaukelnd
hin mich um den Rand der Erde,
als sie sich der Sonne Armen
dampfend und voll Gluth entriß,
sich zu baden in nächtlicher Kühle,
sich zu erlaben im Abendwind.
Da umarmte mich die Sonne,
von des Scheidens Weh ergriffen,
und die schönen hellen Strahlen
liebten all und küßten mich.
Farbige Lichter
stiegen hernieder,
hüpfend und spielend,
wiegend auf Lüften
duftige Glieder.
Ihre Gewande
Purpur und Golden
und wie des Feuers
tiefere Gluthen.
Aber sie wurden
blässer und blässer,
bleicher die Wangen,
sterbend die Augen.
Plötzlich verschwanden
mir die Gespielen,
und als ich traurend
nach ihnen blickte,
sah ich den großen
eilenden Schatten,
der sie verfolgte,
sie zu erhaschen.
Tief noch im Westen
sah ich den goldnen
Saum der Gewänder.
Da erhub ich kleine Schwingen,
flatterte bald hie bald dort hin,
freute mich des leichten Lebens,
ruhend in dem klaren Aether.
Sah jetzt in dem heilig tiefen
unnennbaren Raum der Himmel
wunderseltsame Gebilde
und Gestalten sich bewegen.
Ewige Götter
saßen auf Thronen
glänzender Sterne,
schauten einander
seelig und lächelnd.
Tönende Schilde,
klingende Speere
huben gewaltige,
streitende Helden;
Vor ihnen flohen
gewaltige Thiere,
andre umwanden
in breiten Ringen
Erde und Himmel,
selbst sich verfolgend
ewig im Kreise.
Blühend voll Anmuth
unter den Rohen
stand eine Jungfrau,
Alle beherrschend.
Liebliche Kinder
spielten in mitten
giftiger Schlangen. -
Hin zu den Kindern
wollt ich nun flattern,
mit ihnen spielen
und auch der Jungfrau
Sohle dann küssen.
Und es hielt ein tiefes Sehnen
in mir selber mich gefangen.
Und mir war, als hab ich einstens
mich von einem süßen Leibe
los gerissen, und nun blute
erst die Wunde alter Schmerzen.
Und ich wandte mich zur Erde,
wie sie süß im trunknen Schlafe
sich im Arm des Himmels wiegte.
Leis erklungen nun die Sterne,
nicht die schöne Braut zu weken,
und des Himmels Lüfte spielten
leise um die zarte Brust.
Da ward mir, als sey ich entsprungen
dem innersten Leben der Mutter,
und habe getaumelt
in den Räumen des Aethers,
ein irrendes Kind.
Ich mußte weinen,
rinnend in Trähnen
sank ich hinab zu dem
Schooße der Mutter.
Farbige Kelche
duftender Blumen
faßten die Thränen,
und ich durchdrang sie,
alle die Kelche,
rieselte Abwärts
hin durch die Blumen,
tiefer und tiefer,
bis zu dem Schooße
hin, der verhüllten
Quelle des Lebens.


Des Knaben Morgengruß

Morgenlicht! Morgenlicht
Scheint mir hell ins Gesicht!
Wenn ich Tag kommen seh,
wird mir leid und weh;
Denn im Grabe liegt
Ein jung Mägdelein;
Des Frühroths Schein
Sieht traurig hinein
In das enge Kämmerlein.
Mögt wekken das Jungfräulein,
Das kann vom Schlaf nicht erstehn,
Morgenlicht nicht sehn;
Drum wenn ich Frühroth kommen seh,
Wird mir leid und weh.


               Vorzeit, und neue Zeit

Ein schmahler rauher Pfad schien sonst die Erde.
Und auf den Bergen glänzt der Himmel über ihr,
Ein Abgrund ihr zur Seite war die Hölle,
Und Pfade führten in den Himmel und zur Hölle.

Doch alles ist ganz anders nun geworden,
Der Himmel ist gestürzt, der Abgrund ausgefüllt,
Und mit Vernunft bedeckt, und sehr bequem zum gehen.

Des Glaubens Höhen sind nun demolieret.
Und auf der flachen Erde schreitet der Verstand,
Und misset alles aus, nach Klafter und nach Schuen.


                       Novalis

                            I

Wie Thau auch glänzt in Blumenkelch verhüllt,
Sich nährt von seiner Wiege süßen Düften,
Dann leise ihrer Blätter Nacht entschwillt,
Entführet von des Abends freien Lüften,

So strahlend von des ewgen Feuers Bild,
Ein Perlenthau in dunkler Erde Klüften,
Novalis leise ihrem Schoos entquillt;
Gesellt sich zu den freien Himmelslüften.

Sie tragen ihn auf leichtbeschwingten Woogen
Geleiten ihn zu Iris Farbenbogen
Und zu der dunkel glüh'nden Abendröthe.

Er badet sich in ihren heil'gen Fluthen,
Vergehet wonnig mit in ihren Gluthen
Und ernster, heil'ger sieht die Abendröthe.

                           II

Novalis, deinen heilgen Seherblikken
Sind aufgeschlossen aller Welten Räume,
Dir offenbahrt sich weihend das Gemeine,
Du schaust es in prophetischem Entzücken.

Du siehst der Dinge zukunftsvolle Keime
Und zu des Weltalls ewigen Geschicken,
Die gern dem Aug der Menschen sich entrücken,
Wirst Du geführt durch ahndungsvolle Träume.

Du siehst das Recht, das Wahre, Schöne siegen,
Die Zeit sich selbst im Ewigen zernichten
Und Eros ruhend sich dem Weltall fügen:

So hat der Weltgeist liebend sich vertrauet
Und offenbahret in Novalis Dichten,
Und wie Narziß in sich verliebt geschauet.


                        Tendenz des Künstlers

Sage! was treibt doch den Künstler, sein Ideal aus dem Lande
Der Ideen zu ziehn, und es dem Stoff zu vertraun?
Schöner wird ihm sein Bilden gelingen im Reich der Gedanken,
Wäre es flüchtiger zwar, dennoch auch freier dafür,
Und sein Eigenthum mehr, und nicht dem Stoff unterthänig.

Frager! der du so fragst, du verstehst nicht des Geistes Beginnen,
Siehst nicht was er erstrebt, nicht was der Künstler ersehnt.
Alle! sie wollen unsterbliches thun, die sterblichen Menschen.
Leben im Himmel die Frommen, in guten Thaten die Guten,
Bleibend will sein der Künstler im Reiche der Schönheit,
Darum in dauernder Form stellt den Gedanken er dar.


                Der Luftschiffer

Gefahren bin ich in schwankendem Kahne
Auf dem blaulichen Oceane,
Der die leuchtenden Sterne umfließt,
Habe die himmlischen Mächte begrüßt.
War, in ihrer Betrachtung versunken,
Habe den ewigen Aether getrunken,
Habe dem Irdischen ganz mich entwandt,
Droben die Schriften der Sterne erkannt
Und in ihrem Kreisen und Drehen
Bildlich den heiligen Rhythmus gesehen,
Der gewaltig auch jeglichen Klang
Reißt zu des Wohllauts wogendem Drang.
Aber ach! es ziehet mich hernieder,
Nebel überschleiert meinen Blick,
Und der Erde Grenzen seh' ich wieder,
Wolken treiben mich zurück.
Wehe! Das Gesetz der Schwere
Es behauptet nur sein Recht,
Keiner darf sich ihm entziehen
Von dem irdischen Geschlecht.


Einer nur und Einer dienen

Einer nur und Einer dienen
Das ermüdet meine Seele.
Rosen nur und immer Rosen -
Andere Blumen blühen noch bunter;
Wie die Bienen will ich schwärmen
Mich in Trauben Gluth berauschen,
In der Lilie Weiß mich kühlen,
Ruhen in der Nacht der Büsche.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Wehe, wer mit engem Sinne
Einem, nur sich Einem weihet:
Schmachvoll rächt sich an dem Armen
Alles was er streng verschmähet!
Nicht zur Heimath wird die Weite,
Ungestaltet in die Ferne,
Aufgelöst in leeres Sehnen
Wird der Inhalt so des Lebens
Schön ist was sich grenzt und g'nüget,
Treu um eines sich beweget
An dem Einen sich erneuet,
Wie des Pulses rege Schläge
Stets sich um das Herz bewegen,
Stets zum Herzen wiederkehren
Stets am Herzen sich erneuen
Sich an seiner Gluth entzünden...


                               An Creuzer

Seh' ich das Spätroth, o Freund, tiefer erröthen im Westen,
Ernsthaft lächlend, voll Wehmuth lächlend und traurig verglimmen,
O dann muß ich es fragen, warum es so trüb wird und dunkel,
Aber es schweiget und weint perlenden Thau auf mich nieder.


                      Buonaparte in Egypten

Aus dem Schoos der Nacht entwindet mühesam die Dämmerung sich,
Und der Dämmerung Gebilde löset einst des Tages Licht.
Endlich fliehet die Nacht! und herrlicher Morgen
Golden entsteigst du dem bläulichten Bette der Tiefe
Und erleuchtest das dunkle Land wo der Vorzeit
Erster Funke geglüht, wo Licht dem Dunkel entwunden
Früh gelodert im Schutze mystischer Schleier
Dann auf lange entfloh und ferne Zonen erleuchtet. -
Ewig weicht sie doch nicht vom heimischen Lande
Die Flamme, sie kehret mit hochaufloderndem Glanz hin.
Alle Bande der Knechtschaft löset die Freiheit,
Der Begeisterung Funke erwekt die Söhne Egyptens. -
Wer bewirkt die Erscheinung? Wer ruft der Vorwelt
Tage zurük? Wer reiset Hüll und Ketten vom Bilde
Jener Isis, die der Vergangenheit Räthsel
Dasteht, ein Denkmal vergessener Weisheit der
Urwelt?
Bonaparte ist's. Italiens Erobrer,
Frankreichs Liebling, die Säule der würdigeren Freiheit
Rufet er der Vorzeit Begeisterung zurüke
Zeiget dem erschlaften Jahrhunderte römische Kraft. -
Möge dem Helden das Werk gelingen Völker
Zu beglücken, möge der schöne Morgen der Freiheit
Sich entwinden der Dämmerung finsterem Schoose.
Möge der späte Enkel sich freuen der labenden
Der gereiften Frucht, die mit Todesgefahren
In dem schreklichen Kampf mit finsterem Wahn, der Menge
Irrthum, der großen Härte, des Volks Verblendung
Blutige Thränen vergiesend die leidende Menschheit
Zitternd in dieses Jahrhunderts Laufe gepflanzt.


Wild verwirrt sind mir die Sinne

              (Fragment)

Wild verwirrt sind mir die Sinne;
Steig herauf, eh ich beginne,
Dich am Schlangenhaar zu greifen,
Wüthend an den Tag zu schleifen.
Weh wenn du mit Antwort geizest,
Schwer mir so die Seele reizest,
Wisse das ich dann dich finde,
Wärst du in der Höllenschlunde.
Peitsche dich mit Flammenruthen,
Bade dich in Hölengluthen;
Dich soll die Sommersgluth verzehren
Und Todesangst dein Leben nähren.
Kein Mitleid soll dir Trost gewähren,
Schmerz, Qual erzeugen und gebähren,
Drum steig herauf ehe gewaltig
Dich ergreifet meines Zornes
Mächtige Rechte!

Wer ruft so mit mächtiger
Stimme in den Abgrund,
Daß der Hela
Burgen erbeben
Und wiederhallen
Die dunklen Klüfte
Vom gräßlichen Nachhall?


                          Brutus. II

                                1

Die Sonne taugte sich im Schoos des Abends nieder
Ihr lezter Scheideblick fiel auf der Römer Heer
Es sandte hier der Tod sein ehrenes Gefieder
Und alle wateten in einem blut'gen Meer
Die weite Ebne raucht die Rosse stampfen wilder
Im wütenden Gefecht erklingen schwere Schilder.

                                         2

Schon naht die Dämmrung sich, und die Entscheidung weilet
Der Sieg schwankt ungewis, in Brutus Seele flammt
Der stählerne Entschlus, wenn ihm das Glück enteilet
Flieht er dem Grabe zu was auch daraus entstammt
Und seinem Schwure hat sich Kassius Schwur verbunden
Nicht in Gefangenschaft zu zählen Trauer Stunden.

                                       3

Jetzt sinkt der Freiheit Herr, durchbohret von dem Schwerde
Das Cäsars Brust durchdrang stürzt Kassius blutig hin
Ha! rufet Brutus aus, Ha! sterbender Gefährte
Mit Dir stirbt Romas Glück und wahrer Freiheits Sinn
Verweile Freund! Bald eilt mein Geist dem deinigen zu
In jenem schwarzen Styksumflossnen Land der Ruh.

                                       4

Mit einem großen Blik der eine Erd' umfasset
Mit einem Schmerz zu schwer für diese kleine Welt
Mit dem Gefühl vor dem die Menschheit scheu erblasset
Verweilet Brutus noch im blutgetränkten Feld
Er fühlt der Sterbenden weitaufgerißne Wunden
Und hört im Geiste schon von Rom die Trauer kunden.

                                     5

Verlaßt mich spricht er jezt verlaßt mich ihr Getreuen
Entflieht der Sclaverei, sucht euch ein Vaterland
Allein nur kan ich mich der Schicksalsgöttin weihen
Zufrieden wohin auch ihr strenger Ruf mich bant
Doch wählt ich zwischen meinem Fall und jener Siegen
Weil lieber würd' ich für die Freiheit unterliegen.

                                    6

Ein stummer Abscheid trent ihn schmerzlich von den Freunden
Und traurig schweigend eilet er ins nächste Thal
Von allen tausenden die sich ihm sonst vereinten
Sind zwei gesinnt mit ihm zu sinken gleichen Fall
Ergeben bis zum Tod und ewig treu dem Kühnen
Bis an des Orkus schwarzumhülltes Thor zu dienen.

                                    7

Noch zögert Brutus denn noch einmal will er leben
Im lezten Augenblik des Lebens schweren Traum -
Weh ihm! mißlungne Mühen, Zweifel Schmerzen schweben
Wie Furien um ihn im öden wüsten Raum
In dieser Stunde weichet des Bewußtseins Frieden
Und ihn umzischt die gräßlichste der Eumeniden.

                                   8

Und doch des eigenen Schicksals ehrner Griffel gräbet
In seine große Seele solche Wunden nicht
Daß was so zehrend ihm im starken Busen bebet
Ist, daß er nimmer nun der Römer Ketten bricht
Auf seinem Grabe wird die Tiranei regieren
Der Freiheit Genius auf ihren Trümmern irren.


                Wo erfrag ich den Freund

Wo erfrag ich den Freund, wo find ich, was ich verlohren,
Sage es Morgenroth mir, wo mein Geliebter verweilt!
Weihet der Priester den Schleier, der den, dich mir o Lieber vereinigt,
Hält ein fremdes Gesez stets dich entfernet von mir?
Aber der Morgen verstumt, verschlungen vom glühenden Tage;
Abendroth, sage es mir, freundlicher milderer Schein!
Aber es färbt sich die Wange des Abendroths blässer und blässer,
Und es streuet auf mich wehmutsvoll perlenden Thau hin.
Frag ich die Sterne, sie schweigen, verglimmen leise im Osten,
Aber der Morgen kehrt wieder, und wieder erröthet der Abend,
Und der ewige Kreis führet die Sterne zurük.
Kehret der Morgen einst wieder, dann möge der Mittag
Gierig schlingen den Morgen, und über mir
grüssen die Sterne
Mich verschlinge die Nacht, bis jenseits des Dunkels
Wieder der Liebe Ton goldner Morgen entsprießt.


 Ist alles stumm und leer

Ist alles stumm und leer;
Nichts macht mir Freude mehr;
Düfte, sie düften nicht,
Lüfte, sie lüften nicht;
Mein Herz so schwer!

Ist alles öd' und hin;
Bange mein Herz und Sinn;
Möchte, nicht weiß ich, was;
Treibt mich ohn' Unterlaß,
Weiß nicht, wohin!

Ein Bild von Meisterhand
Hat mir den Sinn gebannt;
Seit ich das holde sah,
Ist's fern und ewig nah,
Mir anverwandt.

Ein Klang im Herzen ruht,
Der noch erquickt den Muth,
Wie Flötenhauch ein Wort,
Tönet noch leise fort,
Stillt Thränenfluth.

Frühlinges Blumen treu
Kommen zurück auf's Neu;
Nicht so der Liebe Glück,
Ach, es kommt nicht zurück -
Schön, doch nicht treu!

Kann Lieb' so unlieb sein,
Von mir so fern, was mein?
Kann Lust so schmerzlich sein,
Untreu so herzlich sein?
O Wonn', o Pein!

Phönix der Lieblichkeit,
Dich trägt dein Fittig weit
Hin zu der Sonne Strahl,
Ach was ist dir zumal
Mein einsam Leid!