Hoffmannswaldau

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Seite 2

Armseliger / was hilfft dich doch dein lieben …

Armseliger / was hilfft dich doch dein lieben?
Du liebest / was nicht lieben kan /
Des himmels schloß hat dich itzt zwar getrieben /
Doch rührst du was verbotnes an.
Die schönheit / die dein hertze sucht /
Ist des verbotnen baumes frucht.
Die hoffnung lud mich einsten zwar zu gaste /
Der neid läst aber mich nicht ein /
Die mißgunst macht mir eine stete faste /
In der viel marter-wochen seyn.
Mein paradieß ist zugemacht /
Und wird von eyffersucht bewacht.
Wer lescht den durst mir nun in dieser wüste?
Ich leide noth bey überfluß.
Was nutzt der auszug engels-gleicher lüste /
Weil sie kein mund gemessen muß?
Das auge / das vergnügung hat /
Macht durchs gesicht kein hertze satt.
Ich küsse gnug / und spiele in gedancken /
Gedancken aber speisen nicht.
Manch süsser traum setzt mich in liebes-schrancken;
Was ist ein traum beym tage-licht?
Diß blendwerck schwindet wie ein dunst /
Und das ergetzen ist umsonst.
So müh ich mich mit irrwisch und auch schatten /
Und der ichs klage / lacht darzu;
Es schwärmen kaum ums licht so viel der matten /
Als seuffzer stöhren meine ruh.
Ein stetes wünschen frißt mich ab /
Und nichts erhalten bringt das grab.
Stirb / Lysis / stirb / viel besser ists gestorben /
Als ohne Phyllis gunst gelebt;
Wer so verdirbt / der ist / traun / wohl verdorben /
Wenn ihn das glücke so erhebt;
 Vielleicht rührt Phyllis todt mich an /
Als sie im leben nicht gethan.
 


             Abriß eines verliebten.

Er ist ein krancker / den ein stündlich fieber plaget /
Ein jäger / so allzeit nach einem hirsche jaget /
Ein wetterhan der stets nach einem winde steht /
Ein schif / so ungehemmt nach Cypris hafen geht.
Ein märterer der brunst / den freund und feind belachet /
Ein Morpheus / der ihm selbst bey tage träume machet /
Ein arm gefangener / der seine fessel liebt /
Und seinen hencker ehrt wenn er ihm streiche giebt.
Ein Aetna / der voll glut läst flut und ströme fliessen /
Ein hungriger / der bloß will rohes fleisch geniessen /
Ein welt-Sebastian / den Venus schütze trifft /
Ein rechter Adams-sohn / den frauen-hand vergift.
Er wird ein ander kind / läst ernste sachen fahren /
Ein haar / ein altes band / sind seine besten wahren /
Itzt baut er etwas auf / itzt reist ers wieder ein.
Itzt muß Democritus der sitten meister seyn /
Itzt ist es Heraclyt. Das hertze / so er führet /
Vergleicht sich dem metall / das ein magnet gerühret.
Sein himmel ist ihr haupt / die erd ist ihre schoos.
Hier anckert seine lust / es wird der erden kloß /
Der überweißte koth / dem himmel vorgesetzet /
Und ist ihr auge mehr als Venus selbst geschätzet,
So wundre ich mich nicht / daß man das weib veracht /
Weil sie die erste pein zu erst hat aufgebracht.
Sein essen ist ein kuß / sein tranck sind heisse thränen /
Die zeit verjaget er mit seuffzen und mit stehnen.
Und wann ihm etwan träumt / wie er die liebste find /
So hat er nichts als luft / und küsset nichts als wind.
Denn träume / buler / wind sind gleiches thuns gesellen;
Sein schlafen darf er nicht nach einem wecker stellen;
Indem die weckerin / so in dem hertzen steckt /
Ihn besser als er wünscht aus seinem schlaff erweckt /
Und seinen schmertzen rührt. Zu dornen wird das bette /
Mit denen wachet er im lager in die wette /
Und führt der thränen strom um seine wangen her /
Bald will er aus der welt / bald will er über meer /
Und muß doch wie zuvor in seinem hause bleiben /
Muß lernen / wie sein rath nicht stetig wil bekleiben /
Wie erstlich bulerey und die gewölckte nacht
Auf Anschlag / aber nicht auf Ausschlag ist bedacht:
So läst er ohne ruh sich fremde sachen lencken /
Läst in gesunder haut sich seine schwachheit kräncken /
Liebt nacht und finsterniß bey sonne und bey licht;
Ist wie ein schweres schiff / dem der compas gebricht.
Und daß ich nicht zu viel von einer sache sage /
Die allen ist bekandt als allgemeine plage /
So muß der vorhang weg: das mahlwerck ist vollbracht /
Hier hat der mahler selbst sein ebenbild gemacht.
 


Als Flavia sich neben ihm einst auff dem lande befand

Wenn ich mein trübes licht nach diesem orte richte /
Da Flavia bey mir vor wenig tagen saß /
Als ich die lilien von ihrem angesichte
Und rosen um das feld der zarten lippen laß;
So seufz' ich: schöner ort! du hast zu viel verlohren!
 Doch deine Flavia die findest du bey mir.
Ich fluchte / daß ein weib mich zu der welt gebohren /
Wenn mir mein hertze sie nicht zeigte für und für.
O wald! muß gleich dein blat noch vor dem winter weichen /
Das bild der Flavia steht hier doch unberührt.
Wird gleich der bleiche tod mir umb die schläffe streichen /
So weiß ich / daß mein hertz sie mit zu grabe führt.
 


Als die Venus neulich saße …

Als die Venus neulich saße
In dem Bade nackt und bloß
Und Cupido auf der Schoß
Von dem Liebeszucker aße,
Zeigte sie dem kleinen Knaben
Alles, was die Frauen haben.
Marmelhügel sah er liegen,
Von Begierden aufgebaut;
Sprach zur Mutter überlaut:
Wann werd ich dergleichen kriegen,
Daß mich auch die Schäferinnen
Und die Damen liebgewinnen?
Venus lacht aus vollem Munde
Über ihren kleinen Sohn,
Denn sie sah und merkte schon,
Daß er was davon verstunde.
Sprach: Du hast wohl andre Sachen,
Die verliebter können machen.
Unterdessen ließ sie spielen
Seine Hand auf ihrer Brust,
Denn sie merkte, daß er Lust
Hatte, weiter nachzufühlen,
Bis ihr endlich dieser Kleine
Kam an ihre zarten Beine.
Als er sich an sie geschmieget,
Sprach er: Liebes Mütterlein,
Wer hat an das dicke Bein
Euch die Wunde zugefüget?
Müßt ihr Weiber denn auf Erden
Alle so verwundet werden?
Venus konnte nichts mehr sagen
Als: Du kleiner Bösewicht,
Packe dich, du sollst noch nicht
Nach dergleichen Sachen fragen.
Wunden, die von Liebespfeilen
Kommen, die sind nicht zu heilen.
 


                 An Albanie

Albanie, gebrauche deiner Zeit
Und laß den Liebeslüsten freien Zügel,
Wenn uns der Schnee der Jahre hat beschneit,
So schmeckt kein Kuß, der Liebe wahres Siegel,
Im grünen Mai grünt nur der bunte Klee.
Albanie.
 
Albanie, der schönen Augen Licht,
Der Leib und was auf den beliebten Wangen,
 Ist nicht für dich, für uns nur zugericht.
Die Äpfel, die auf deinen Brüsten prangen,
Sind unsre Lust und süße Anmutssee.
Albanie.
 
Albanie, was quälen wir uns viel
Und züchtigen die Nieren und die Lenden?
Nur frisch gewagt das angenehme Spiel!
Jedwedes Glied ist ja gemacht zum Wenden,
Und wendet doch die Sonn sich in der Höh.
Albanie.
 
Albanie, soll denn dein warmer Schoß
So öd und wüst und unbebauet liegen?
Im Paradies, da ging man nackt und bloß
Und durfte frei die Liebesäcker pflügen.
Welch Menschensatz macht uns dies neue Weh?
Albanie.
 
Albanie, wer kann die Süßigkeit
Der zwei vermischten Geister recht entdecken?
Wenn Lieb und Lust ein Essen uns bereit,
Das wiederholt am besten pflegt zu schmecken,
Wünscht nicht dein Herz, daß es dabei vergeh?
Albanie.
 
Albanie, weil noch der Wollusttau
Die Glieder netzt, und das Geblüte springet,
So laß doch zu, daß auf der Venusau
Ein brünstger Geist dir knieend Opfer bringet,
Daß er vor dir in voller Andacht steh!
Albanie.
 


                     An Algerthen

Ach! könte doch mein geist durch meine feder fliessen /
Wie gerne schlöß er sich in diese reimen ein /
Wie emsig würd' er dir die süssen lippen küssen /
Und einer biene gleich auff deinen rosen seyn.
Er würde zärtlich sich auff ihre blätter legen /
Und durch den honig-thau bald trunken seyn gemacht.
Dein purpur würd' in ihm dergleichen trieb erregen /
So nur das paradieß zu erst hat angelacht.
Auff deinen bergen würd' er rothe beeren suchen /
Wohin dringt endlich doch lieb und auch fürwitz nicht?
(Ich muß aus ungedult auff das verhängniß fluchen /
So unlust stählern macht / und lust wie glaß zerbricht.)
So bleibt mein schwacher geist in seinen liebes-schrancken /
 Und kommt / wie dieser brieff / Algertha / nicht zu dir /
Verschluckt die hoffnungs-kost / und tränckt sich in gedancken /
Was ich nicht melden kan / verdolmetscht das papier:
Wer offtmahls wenig sagt / thut allzu viel zu wissen /
Nimm meiner liebe pfand / die schlechte reimen / an:
Du wirst das leben mir ie mehr und mehr versüssen /
Wenn ich in deiner gunst seyn und auch sterben kan.
Du schickst mir einen brieff / geziert mit weisser seide /
Mit gold der zierligkeit und perlen ausgeschmückt.
Und meiner der ist schwartz und geht wie ich im leide /
Daraus die Traurigkeit an allen orten blickt.
Algerthe / wo soll ich doch endlich worte finden?
Ach! was gewähr ich dir für deine freundlichkeit.
Es will mich deine faust mit solchen seilen binden /
Die nicht zernagen kan der scharffe zahn der zeit.
Du weist der seelen selbst die fässel anzulegen:
O süsse dienstbarkeit / so nach der freyheit schmeckt!
Du kanst mehr lieblichkeit durch deine hand erregen /
Als nicht in Indien das zucker-rohr verdeckt.
Wie ist dein schöner brieff doch mit zibet bestrichen /
Und wie verschwenderisch ist deiner worte pracht:
Ein iede sylbe will nach mosc und ambra riechen /
So dich zur herrscherin und mich zum sclaven macht.
Doch zeucht vor andern mich dein redliches gemüthe /
So wie ein heller stern aus deinem brieffe dringt.
Es rühret meinen geist und reget mein geblüthe /
Ich fühle wie sein strahl die seele mir bezwingt.
Du zeigst mir unverstellt die reinen liebes-flammen /
Das feuer / das durch dich auch mich zugleiche brennt.
Es reimt sich in der welt doch nichts so wohl zusammen /
Als wenn sich eine brunst der andern freundin nennt.
In dieser wollen wir als Salamander leben /
Die tugend trägt uns stets ihr reines öle zu:
Es wird uns noch die welt das gute zeugniß geben /
Es liebe keiner nicht so rein als ich und du.
Und können wir nicht stets der süssen frucht geniessen /
So schmeckt doch nichts so gut / als wann mans selten schmeckt.
Der wein / der mäßig muß in unsre kehle fliessen /
Hat in dem magen offt die gröste lust erweckt.
Gefahr / verbot und zwang brennt zunder zu der liebe /
Verschloßne thürme sind die sparren unsrer lust /
Erzürnte blicke seyn die schärffsten buhlschaffts-triebe /
Und die bestraffung selbst erhitzt uns geist und brust.
Der lange winter giebt dem lentz die beste zierde /
Der schönste sonnenschein kommt aus der schwartzen nacht:
Verbotne frucht vermehrt dem menschen die begierde /
Und folgen haben offt glaß zu rubin gemacht.
Wer ungestöret liebt / ist mehr als halb gestorben /
Wer täglich zucker käut / spürt keine liebligkeit.
Die speisen haben selbst den besten ruhm erworben /
Darauff der kluge koch ein scharff gewürtze streut.
Auff dornen schauet man die schönsten rosen blühen /
Der sturm mehrt / wie man glaubt / den perlen ihren schein /
Und dürffte man sich nicht darnach so weit bemühen /
So würden sie nicht mehr als grauß geschätzet seyn.
Man muß / Algerthe / sich mit der vernunfft bestillen /
Und dencken daß der durst den krancken anmuth giebt /
Vergnügung paart sich nicht mit allzufreyem willen /
Der liebet ohne lust / der ungestöret liebt.
In dieser hoffnung will ich meine reime schliessen /
Es schaut mir itzt die nacht mit schwartzen augen zu.
Ich hoff / ich will dich bald in einem traume küssen /
So nach dem himmel schmeckt / und lieblich ist wie du.
 


                         An Flavien

Will das gelücke denn gantz meine feindin werden?
Stürmt süd / ost / nord und west?
Bin ich ein gauckel-spiel und leichter ball der erden /
Den Venus fallen läst?
Will keine sonne mehr mein schwartzes haupt berühren?
Umhüllt mich nichts als nacht?
Will das verhängniß mich an einer kette führen /
So mich verzweiffelt macht?
Orontes weiß fast nicht was ferner sey zu dencken /
Zürnt Venus oder du?
Ach gläub es! Flavia / mein leiden und dein kräncken
Kommt mir und dir nicht zu;
Was hab ich dir gethan / daß du mich nicht wilst kennen?
Wie heist du meine schuld?
Soll mein verbrechen sich mit rechtem namen nennen?
So rufft es: Lieb und huld /
Du läst mein auge nicht zu deinen gräntzen dringen /
Mein auge sonder licht /
Du deckst den schönen mund mit deines schatten schwingen /
Und kennst mich ferner nicht.
Das basiliscken-gifft / der rauch von allen drachen /
Der fledermäuse blut /
Kan meiner Flavie nicht solchen eckel machen /
Als des Orontes glut.
Doch hab ich dich erzürnt / so will ich treulich büssen /
Es schweret hand und geist.
Wie solte nicht mein blut mit reichen strömen fliessen /
Wenn du es springen heist.
Solt ich / o Flavia! zu deinen füssen sterben /
So stürb ich ohne spott;
Denn liebe / so nicht kan die gegenlieb erwerben /
Ist ärger als der tod.
 


                         An Flavien

Geliebte Flavia / du kennest ja mein hertze /
Du kennst es allzuwohl / es steht in deiner hand.
Es wächst das andre mahl Dianens weisse kertze /
Als du das hertz und mich dir selber hast entwandt.
Wird ein gefällig wort auff diese blätter fliessen /
So rühme deinen trieb / nicht meinen geist und mich.
Ich werde sonder zwang dir doch bekennen müssen /
Die liebste Flavia die schreibt hier mehr als ich.
Doch bist du meisterin von meinen treuen sinnen /
So schaue diesen brieff mit holden augen an.
Du wirst die feder ja mit recht nicht tadeln können /
Die ohne deinen zug kein wort mehr schreiben kan.
Ich hoff es werde mich die richtsucht nicht verdammen /
Vor der die tugend selbst nicht unberührt kan stehn /
Es kennt der himmel ja die reinen freundschaffts-flammen /
Die auch an sauberkeit den sternen gleiche gehn.
Ach! liebste Flavia / die schrifft und die gedancken
Sind ja ein wunderwerck und kleinod dieser welt;
Was spielen wir doch nicht in des gemüthes schrancken?
 Was haben wir da nicht verwegen fürgestellt?
Was uns verboten wird / das kan man hier erfüllen /
Man lachet / schertzt und küßt / thut was uns wohlgefällt.
Kein scharff gesetze stört allhier den freyen willen /
Und nichts ist starck genug / das uns zurücke hält.
Man mag die schönste brust hier ohne scheu berühren /
Und schauen / was man sonst nicht wohl befühlen darff.
Man kan die heisse lust biß auff den gipffel führen:
Dann den gedancken ist kein richter allzuscharff.
Kein riegel hält sie auff / es kan sie nichts verdecken /
Wann ihre räder nur in scharffem triebe gehn;
Es kan kein zarter ort vor ihnen sich verstecken /
Kein zahn und nagel weiß hier recht zu widerstehn.
Zeit und Gelegenheit weiß keinem nicht zu fehlen /
Hier bricht man rosen ab / und fühlt die dornen nicht.
Man kan was / wo und wie nach seiner lust erwehlen /
Man findt kein thor allhier / so unsern fürsatz bricht.
Die schrifften / die man sonst verdolmetscht durchs gemüthe /
Die stumme redens-art / so aus der feder qvillt
Hat eine solche krafft / und ist von solcher güte /
Daß offt ein schreiben mehr als ein Gespräche gillt.
Fällt gleich ein süsser schall uns in die dünnen ohren /
So prägt die feder uns doch dessen meynung ein.
Es hat des menschen witz die littern ihm erkohren /
Daß sie der sterbligkeit geschwänzte boten seyn.
Sie lauffen über berg und schwimmen über flüsse /
Sie stifften buhlerey / und richten freundschafft an:
Sie führen gut und geld / sie bringen gruß und küsse /
Und schwingen offtermahls der liebe sieges-fahn.
Sie pressen thränen aus / sie regen unsre hertzen /
Sie blasen feuer auff / sie stärcken die gedult.
Sie sagen reichlich zu / sie wissen wohl zu schertzen /
Und ein geschmeider brieff zahlt offt die gröste schuld.
Schrifft und gedancken sind der trost entfernter seelen /
Damit bestellen sie die regung heisser pein /
Und was man vor der welt aus wohlstand muß verhölen /
Das kan im sinn gespielt / im brieff geschrieben seyn.
Geliebte Flavia / in meinem angedencken
Schwebt itzt dein freundlich seyn / dein anmuths-überfluß;
Mich deucht du wilst mich itzt mit rosen-thau beschencken /
Vor dem die rose bleicht / und thau vertrocknen muß.
Mich deucht es rühren mich der hellen augen flammen /
Und das geschwinde gifft / so aus rubinen fährt.
Es schlägt itzt über mir die wollust-fluth zusammen /
So mir die höllen-angst ins paradieß verkehrt.
Ich schau auff warmem schnee die rothen beeren stehen /
Die ohne zucker auch dem zucker ähnlich seyn;
Es scheint du heissest mich auff tuber-rosen gehen /
Und machst die schwartze nacht zum hellen sonnenschein!
Ich schliesse diesen brieff / der hin zu dir begehret /
Und der die hände küst / die ich nicht küssen kan.
Was mir versaget ist / das wird ihm itzt gewähret /
Es scheint / als stösse mich ein kleiner eifer an.
Gesegnetes papier! du schwebest voll gelücke /
Lauff itzt an meine statt in süssen hafen ein:
Geneuß von wegen mein der süssen liebes-blicke /
Vor der die sonne selbst scheint ohne krafft zu seyn.
Bezeuge Flavia / daß schrifft und angedencken
Des treuen freundes dir nicht gantz zu wider sey /
Und wilst du seinen geist nicht unverschuldet kräncken /
So denck itzund an ihn / und schreib ihm auch darbey.
 


                              An Flavien

Ach edle Flavia! ich weiß nicht wo ich bin /
Ich schreib / und weiß nicht was / dein schertzen macht mir schmertzen /
Dein stern der freundlichkeit reist meine freyheit hin /
Du schickst mir einen brieff / und greiffst mir nach dem hertzen.
Ach ein vergebner griff! du hast es ja bey dir /
Und mir ist nur davon ein kleiner rest erlaubet;
Denn seine schalen sind zwar / wie es scheint / bey mir /
Du aber hast mir längst den kern davon geraubet.
Ich schreibe sehr verwirrt: Denn wer so lebt / wie ich /
Und ohne hertze schreibt / dem taumeln geist und sinnen.
Verdirbt mir dieser brieff / so schrey ich über dich /
Was solt ich ohne hertz itzt wohl vollbringen können?
Doch schreib ich / wie ich kan / als sclave deiner hand;
Die fehler meiner schrifft sind deine sieges-zeichen.
Reicht Critons dienstbarkeit dir hier kein besser pfand /
So denck / ein schwacher kan nicht / was er will / erreichen;
Und rechte liebe will nicht reich verbrämet seyn /
Sie will nicht allemahl mit purpur sich bedecken /
Sie stellt nicht selten sich in schlechter kleidung ein /
Und meynt / daß schminck und schmuck nicht zieren sonder flecken.
Du aber / Flavia / gebrauchst verschwenderey /
Du thust mir deine gunst durch einen brieff zu wissen /
Und daß ich auch davon noch mehr versichert sey /
So wilst du bald darauff mein schlechtes haus begrüssen.
Ach freundin! das gelück und dessen freuden-fest
Speist die verliebten offt mit leeren fleisch-pasteten /
Und ob es seinen wein gleich etwas schmecken läst /
So fließt er mehrentheils nur unsre lust zu tödten.
Es drücket das gelück uns freundlich an die brust /
Und kratzet unvermerckt bey falschen liebes-küssen /
Es zeigt uns sein betrug den zucker reiner lust /
Und raubt uns / als ein feind / die nahrungs-reichen bissen.
Der krantz / den seine hand auff unsre scheitel setzt /
Ist mehrentheils mit dorn und disteln unterwunden.
Sein becher hat uns offt biß auff den tod verletzt;
Nicht selten hat man hier ein spinnen-gifft gefunden.
Ich rühr in meiner noth nicht fremden unfall an /
Ich kenne das gelück und dessen falsche waren /
Und wie sich dessen lust in list verstellen kan.
Denn was ich hier berührt / das hab ich auch erfahren:
Es stund mein treuer sinn in steiffer zuversicht /
In meinem hause dich / als freundin / zu umfangen;
Ach blumen ohne frucht! Ich armer fand dich nicht /
Du warst zu meiner noth mir allzubald entgangen /
Dein helles auge war vor mich ein donnerstrahl /
Als ich / du weist ja wo / dich unverhofft erblickte /
Kein pinsel kan allhier bezeichnen meine qual /
Die tausend seufftzer dir nach deinem hertzen schickte.
Mein größter kummer war zu bergen meine pein /
Mein blut stund schon gerüst / verrätherey zu üben /
Doch must ich in der noth als eiß gefrohren seyn.
Wie übel paart sich doch behutsamkeit und lieben!
Wie der verdruß hernach mir meinen tisch gedeckt /
Wie nichts als Traurigkeit mir oben an gesessen /
Wie bitter mir hierauf das mittags-mahl geschmeckt /
Das kanst du / liebst du mich / auch vor dich selbst ermessen.
Es schloß der unmuth mir die heisse kähle zu;
Mich hätte der verdruß auch endlich selbst erstecket /
Und läge wohl vielleicht itzt in der bleichen ruh /
Wann nicht mein hofnungs-stern mich wieder auffgewecket.
Ist eine wehmuth noch vor mich in dieser welt /
So trockne / Flavia / mir meine nasse wangen;
Du weist es / da mir doch kein ander tuch gefällt /
Als das ich armer kan aus deiner hand erlangen.
Schau meine liebe nicht als wollust-sprossen an /
Die aus dem hertzen nichts als geile blüthe treiben /
Du weist es / daß man auch vernünfftig lieben kan /
Und lieb und tugend wohl Geschwister können bleiben.
Ich schliesse meinen brieff / doch meine hoffnung nicht /
Dich / liebste Flavia / in kurtzer zeit zu schauen;
Und so der himmel uns nicht allen fürsatz bricht /
So wollen wir ein haus von zucker-rosen bauen.
Doch weil du rose bist, so will ich biene seyn /
Die bienen mögen sich in blätter ja verstecken;
Vielleicht fällt dir / wie mir / noch der gedancken ein /
Daß bienen zwar ein blat berühren, nicht beflecken.
 


                      An Floriden

Ich quälte neulich mich in meinen krancken sinnen /
Die augen stunden mir voll wasser und voll glut /
Die zunge zwängte sich / ihr klagen zu beginnen /
Doch war der athem nicht viel besser als der muth.
Den himmel schaut ich an / von dem mein leiden kommen /
Und dann den reinen leib / der mich zum sclaven macht /
Und ob ich mir gleich viel zu sagen fürgenommen /
So ward es endlich doch in diese reime bracht:
Hier ist ein reiner geist / von reiner zucht entzündet /
Dem weder schein noch schmuck hat eine brunst erregt /
Der seine hoffnung bloß auff deine tugend gründet /
Und seinen gantzen sinn zu deinen füssen legt.
Ich weiß / du liebest nicht von liebe viel zu hören /
Weil thorheit ingemein der liebe richtschnur ist;
Doch glaube / Florida / ich will dich nicht bethören /
So wenig als ich mir die thorheit auserkiest.
Ich liebe keinen schmuck / ich ehre keine seide /
Sie ist der würmer werck / und auch der würmer kost /
Mein auge sehnt sich nicht so sehr nach einem kleide /
Was gold und perlen sind / ist mir genung bewust.
Dein reden ohne falsch hat meinen sinn gebunden /
Dein schertzen ohne list legt mir die fessel an;
Die reine liebligkeit / so ich bey dir gefunden /
Macht daß ich Florida nicht wohl verlassen kan.
Bedencke / was du thust / und dencke / daß die flammen
So reine sind wie du / von der sie kommen sind;
Laß endlich blick und blick / und kuß und kuß zusammen /
Doch daß die keuschheit stets sich zum geferten find.
Ein kuß der ist mein ziel / und meines wunsches ende;
Mehr schreib ich ietzo nicht / mich rufft die süsse ruh.
Immittelst küß ich dir die wollen-weiche hände /
Und schliesse diesen reim / doch nicht die hoffnung zu.

 

         An Melinden

Ich rede nur mit steinen.
Dein stoltzes ohre hört mich nicht /
Und deiner augen feurig licht
Will mir nur ewig grausam scheinen.
Kan denn mein nasses thränen-meer
Nicht deines zornes glut abwaschen?
So siehe / wie ich mich verzehr!
Dein heisser augen-blitz verbrennet mich zu aschen.
Was zwinget dich / Melinde /
So grausam gegen mir zu seyn?
Verdopple doch nicht meine pein /
Weil ich ohn dem genug empfinde;
Du straffest mich ja gar zu sehr.
Verdienet denn ein treues lieben
Bey dir schon kein erbarmniß mehr;
Wo hast du / schönste / denn die feinde hingeschrieben?
Was wilst du ferner haben?
Begehrst du noch mein blut zu lohn?
Denn meine seele hast du schon /
So nimm es; dir will ichs vergraben.
Wird hierdurch deine lust gestillt /
So will ich mich noch sterbend freuen /
Und also mach ichs wie du wilt;
Doch wo du menschlich bist / so wird mein tod dich reuen.
 


         Auf eine übersendete nelcke

Du sendest mir das blut von deinem mund und wangen /
Und eine nelcke muß dein theurer bote seyn:
Ich schaue zwar das blut auf weissen feldern prangen;
Doch stellt die wärmde sich hier nicht als nachbar ein.
Die negel ehr ich zwar mit mehr als tausend küssen /
Ich bin dazu verpflicht / sie kommt auß deiner hand;
Doch wil nichts feuchtes mir auf mund und lippen flüssen:
Was geist und wärmde heist / ist ihr gantz unbekannt.
Sie weiß mit honigthau mir nicht den mund zu netzen /
Sie kennt das schmätzeln nicht und diß was züngeln heist /
Sie weiß den purpur nicht auf meinen mund zu setzen /
Ich fühle nicht was mich auf meine lippen beist.
Sie weiß mir meinen mund nicht schlüpfrig aufzuschliessen /
Die feuchte kützelung kennt diese nelcke nicht.
Durch warmes böben kan sie keinen kuß versüssen /
Weil nässe / geist und blut der nelcke stets gebricht.
Doch kömmt die nelcke mir nicht leichtlich aus dem munde /
Ich aber netze sie durch einen heissen kuß.
Ach freundin! wünsche mir doch zeitlich diese stunde /
Da mich entzücken kan dein reicher überfluß.
Es reist mich aus mir selbst ein süsses angedencken /
Was mir vor höflichkeit dein kuß hat angethan.
Du wirst mir einen kuß bey dieser nelcke schencken /
Und zeigen / daß dein mund mehr als die blume kan.
 


                  Auff ihre schultern

Ist dieses schnee? nein / nein / schnee kan nicht flammen führen.
Ist dieses helffenbein? bein weiß nicht weis zu seyn.
Ist hier ein glatter schwan? mehr als der schwanen schein /
Ist weiche woll allhier? wie kan sich wolle rühren?
Ist alabaster hie? er wächst nicht bey saphiren /
Ist hier ein liljen-feld? der acker ist zu rein.
Was bist du endlich doch? weil schnee und helffenbein /
Weil alabaster / schwan / und liljen sich verlieren.
Du schaust nun / Lesbie / wie mein geringer mund
Vor deine schultern weiß kein rechtes wort zu finden /
Doch daß ich nicht zu sehr darf häufen meine sünden /
So macht ein kurtzer reim dir mein gemüthe kund:
Muß Atlas und sein hals sich vor dem himmel biegen /
So müssen götter nur auf deinen schultern liegen.
 


  Beschreibung vollkommener Schönheit

Ein haar so kühlich trotz der Berenice spricht /
Ein mund / der rosen führt und perlen in sich heget /
Ein zünglein / so ein gifft vor tausend hertzen träget /
Zwo brüste / wo rubin durch alabaster bricht /
Ein hals / der schwanen-schnee weit weit zurücke sticht
Zwey wangen / wo die pracht der Flora sich beweget /
Ein blick / der blitze führt und männer niederleget /
Zwey armen / derer krafft offt leuen hingericht /
Ein hertz / aus welchem nichts als mein verderben quillet /
Ein wort / so himmlisch ist / und mich verdammen kan /
Zwey hände / derer grimm mich in den bann gethan /
Und durch ein süssen gifft die seele selbst umhüllet /
Ein zierrath / wie es scheint / im paradieß gemacht /
Hat mich um meinen witz und meine freyheit bracht.
 


                                   Cato

Sol ich mein Rom verwüst / und Caesars Palmen schauen?
Sol ihm des Cato Faust des Thrones Staffeln bauen?
Nein / Cato, Aug und Hand schaut und vernicht es nicht.
Rom / Rom / wo bleibt dein Ruhm? dein Wohlstand ist zurissen /
Was dich itzunder will in Kett' und Fessel schlüssen /
Empfind ich mehr als diß / was hir mein Leben bricht.
Mein Ohre scheut das Wort / Rom ist berühmt gewesen /
Ich kan den Feind nicht sehn des SiegesFrüchte lesen /
Und Bürger an dem Joch und an der Kette stehn.
Der Cato, und sein Hauß war frey zu seyn gebohren /
Nach dem mein Vaterland die Freyheit hat verlohren /
So wil mit ihm zugleich ich auch zu Grabe gehn.
Ich mag und wil mich nicht zu Caesars Schuldner machen /
Es darf sein falscher Mund nicht meines Lebens lachen /
Mein Leben und mein Tod steht nicht in Caesars Hand /
Es mag der Feinde Fleiß Steg / Thor / und Port verschlüssen /
Des Cato Freyheit wird doch zuentkommen wissen /
Der Tod wird seine Bahn / der Himmel wird sein Land.
Es soll mich keiner sehn mit tieffgeneigten Rücken /
Das Wort erschreckt mich fast / vor Caesars Füssen bücken;
Nein / Cato betet Gott und keinen Menschen an:
Der durch der Bürger Fall den Ehren-Thron ersteiget /
Ihm Cronen schmieden läst / und andern Fessel zeiget /
Ist nur ein Herr vor den / der nichts als dienen kan.
Kein offenbahrer Feind / kein falscher Freund wird sagen:
Es war durch meine Hand der Cato Tod geschlagen.
Nein / Cato geht durch sich gemach aus dieser Welt.
Mein Willen ist der Thron / mein Scepter ist der Degen.
Ich kan der Feinde Schluß zu meinen Füssen legen /
Und thue biß in Tod diß was mir wolgefällt.
Der Caesar will das Feld mit todten Bürgern füllen /
Ich schlage hir halb Tod des Caesars stoltzen Willen /
Das kleine Zimmer soll die grosse Wahlstad seyn.
Trotz Caesar das du mich in deinen Ketten führest /
Und deine Siges-Pracht durch meine Fessel zierest!
Es reist mein edler Tod dir deinen Fürsatz ein.
Der Freyheit steiffe Fahn die pflantz' ich in die Wunden /
Durch meine Därme wird der Caesar selbst gebunden /
Hir stirbt sein freches Wort; ich thue was ich wil.
Er kan nur / wolt er gleich / mir nicht das Leben schencken /
Er kan nur / wolt er gleich / mich nicht durch Marter kräncken /
Sein unbegräntzte Macht schau't hier ein rothes Ziel.
Die Tropffen / so itzund aus meinem Leibe schiessen /
Die werden ungehemt zu seinen Palmen flüssen /
Zu Palmen / die der Tod der Bürger aufgebracht.
Ich weiß sie werden ihn'n Krafft / Ruhm und Farbe nehmen.
Ihr Hochmuth soll sich noch für diesem Blute schämen /
Das Heuchler vieler Art zu Rom itzt schamrot macht.
Der Caesar kan zwar Rom / doch nicht mein Hertz ersteigen /
Wird sich die Haubtburg gleich vor seinem Scepter neigen /
So neigt sich doch vor ihm die Burg der Freyheit nicht.
Es soll kein Tropffen Blut des Caesars Nahmen ehren /
Und mein verblaster Mund wird nach dem Tode lehren /
Daß nicht der Wütterich den Schluß der Freyheit bricht.
Mein Blut / das hir verscheust / wird dir zur Sündfluth werden /
Und / Caesar, deinen Ruhm vertilgen von der Erden /
Mein Blut das ziehrt mich mehr / als dich die Sieges-Fahn.
Es wird die Affter-Welt mich setzen zu den Helden /
Und der getreue Ruhm wird fleissig seyn zumelden /
Daß Cato Hand noch mehr als Caesars hier gethan.
Und hab ich gleich itzund von meiner Treu geschwiegen /
So laß ich doch allhir die stäten Zeugen liegen /
Daß vor die Freyheit ich geopfert Hertz und Muth /
Ich kan an dir / O Rom / nicht mehr die Augen weiden /
Dein Nothstand ist mein Tod / dein Jammer ist mein Leiden /
Diß unterschreib' ich hir mit Eysen und mit Blut.
 


 Der himmel pflantzet mein gelücke …

Der himmel pflantzet mein gelücke /
Er lacht mich freundlich an durch tausend holde blicke /
Er macht aus winter frühlings-zeit /
Er wirckt mir selber zeug zu einem feyer-kleide /
Ich bin von boy und flohr befreyt /
Und meine wolle wird zur seide.
Ich kan den port itzt recht erreichen /
Und darff nicht um das haupt der leeren hoffnung streichen /
Mein ancker sinckt in süsse ruh /
Dein auge hat mir selbst ein leit-stern werden müssen /
Ja / mein gelobtes land bist du /
Laß mich das vorgebürge küssen.
Schlag doch nicht mehr die augen nieder /
Ist denn mein reiner schertz / Rosette / dir zuwider?
Ich bin dir ja nicht unbekannt /
Du kennest mein gesicht / und auch mein treues hertze /
Drum glaube / daß der liebe brand
Sich stärcket zwischen freud und schertze.
Wilst du dich der natur entreissen?
Diß kan die tugend selbst nicht eine tugend heissen /
Das schöne blumwerck deiner brust
Ist nicht vor dich allein auff diese welt gebohren /
Es hat es auch zu meiner lust
Des himmels ausspruch außerkohren.
Du must in dir nicht selbst verwesen /
Laß mich um deinen mund die zucker-rosen lesen
Durch einen unverwehrten kuß /
Laß doch den süssen thau auff meine lippen rinnen /
Daß durch verliebten überfluß
Die geister selbst sich küssen können.
 


Du kennst mein treues hertze …

Du kennst mein treues hertze /
Es lieget ja in deiner hand /
Als meiner liebe treues pfand /
So dich bedient im ernst und schertze.
Kein garten blüht mir ohne dich /
Du schöne blume meiner sinnen /
Wie solte doch mein auge sich
Von dir entfernt ergetzen können?
Kein amber will mir schmecken /
Wann du nicht kanst gefährtin seyn.
Der morgenröthe purpur-schein
Verkehrt sich mir in trübe decken /
Wenn deiner augen sonnen-pracht
Die güldnen strahlen mir entziehen /
Und dieses / was dich englisch macht /
Von meiner seiten denckt zu fliehen.
Ich küsse noch die stunde /
Da ich den ersten liebes-kuß /
Aus keuscher freundschafft überfluß /
Genoß aus deinem zucker-munde:
Das reine siegel / so von dir
Auff meine lippen ward gedrücket /
Hat auch die seele selbst aus mir
In süsse bande hingerücket.
Doch fürcht ich das gelücke /
So nicht beständig farbe hält /
Und mir auff tausend wege stellt /
Braucht gegen mich auch seine tücke;
Mich daucht / daß eine fremde hand
Um deine rosen sich läst spüren /
Und dich / in einen andern stand
Aus meinen augen will entführen.
Mir aber muß belieben /
Was endlich dein belieben heist;
Es scheint / daß mein verstrickter geist
Nach deinem willen wird getrieben.
Dein wohlseyn pflantzt auch meine lust /
Ich acht es über alle schätze /
Ich tadle niemahls was du thust /
Dein willen bleibet mein gesetze.
Denn dir zu widerstreben /
Wär eine höllen-harte schuld /
Ich dencke nur / daß ungedult
Uns wenig wieder weiß zu geben;
Mich stell ich dir gehorsam ein /
Was du begehrst aus mir zu machen /
Doch kanstu auff den rosen seyn /
So muß ich auff den dornen lachen.
 


           Der Pallast der Liebe

Ich weiß nicht was mir nechst vor eine Regung kam /
Daß ich das Wunder-Buch Marinens vor mich nahm /
In welchem Venus selbst mit ihrer Faust geschrieben /
Da fast ein iedes Wort nach diesem Balsam schmeckt /
Der alles Leid ersäuft / der alle Lust erweckt /
Und unsern Augen streut den Zunder zu dem Lieben.
Ich wandte dazumahl ein Feuer-reiches Blat /
Das wie ein Spiegel-Glaß die Schönheit in sich hat /
So diese Welt bezwingt und den Adon gefangen /
Mich nahm die Liebligkeit dermassen selber ein /
Daß ich erstarret saß / wie Eisen / Stock und Stein /
Und bin itzund bestürtzt / daß ich nicht so vergangen.
Mich überfiel ein Schlaff / so dieses schlaffen heist /
In dem ein Augenblick die Kräfte von uns reist /
Und ein geschwindes Nun die matten Sinnen bindet /
Mich dauchte bald darnach wie mich die Venus fieng /
Und um den schlechten Hals mit diesem Arme hieng /
So fast die gantze Welt mit süssem Garn umbwindet.
Sie sagte / weiß ichs recht / dieweil dein sanfter Geist
Nicht meinen Nahmen hast / nicht alle Thoren heist /
Die einem kühnen Reim durch meine Thaten zieren /
So reich' ich dir hirmit die Schwanen-weisse Hand /
Die Zeugin meiner Gunst / das unbefleckte Pfand /
Und bin itzund bereit / dich in mein Hauß zuführen.
Kein Vogel in der Luft / kein Tyger-schneller Fluß
Kan so geschwinde seyn / als mein geringer Fuß
Geflügelt / wie es schien / durch dieser Göttin Willen;
Diß was Arabien in seinem Busen hegt /
Die Bluhme / so das Blut der schönen Venus trägt /
Bemühte sich den Weg mit Anmuth zuerfüllen.
Sie brachte mich in eyl auf einen weiten Plan /
Da man in aller Lust die Wohnung schauen kan /
So sich umzircken läst durch immergrüne Myrthen /
Die Tauben sassen hier / es that ein iedes Paar /
Woraus zuschlüssen stund / wer ihre Göttin war /
Und wie die Venus auch die Vogel kan bewirthen.
Es war das schöne Schloß durch einen Fluß berührt /
So nassen Cristallin in seinen Armen führt /
Und den berühmten Grund des weiten Hauses ehret /
Die Mauren waren hier von Marmel aufgebaut /
Umb welches man den Raub der schwartzen Mohren schaut /
Und den berühmten Stein / den nicht der Strahl versehret.
Von aussen trug ein Feld den Kunstschnid grosser Hand /
Wie der erhöhte Schaum getrieben an das Land /
Und Venus aus der Schoß der weiten See gestiegen /
Dem recht entgegen stund / wie die vertraute Last /
So itzt Cupido heist / den damahls neuen Gast /
Die schöne Mutter giebt den Gratien zuwiegen.
Die dritte Seite lehrt / wie alles / was sich regt /
Wie selbst der Juno Brust der Liebe Bande trägt /
Und sich der Venus Brunst zu Pluto Gluth gesellet /
Es führt das Fordertheil / so auch den Eingang zeigt /
Wie Jupiter mit Lust von seinem Throne steigt /
Und seine Himmels-Macht in einen Schwan verstellet.
Dann ward ich unvermerckt auch in die Wohnung bracht /
Wo ordentliche Kunst das Silber unwerth macht /
Wo Peru schamroth wird und Sidon muß verbleichen /
Wo die gelehrte Hand fast die Natur bezwingt /
Wo Nadel-Mahlerey der Perlen Glantz verdringt /
Und wo der Steine Schein nicht wil den Sternen weichen.
Es macht das Wunder-Werck das ungemeine Licht /
Daß mir / wie vor der Muth itzund die Kraft gebricht /
Des Himmels gleiches Hauß genugsam zubeschreiben /
Ich war / diß weis ich wol / auf einen Saal gestellt /
Wo durch den Pinselstrich noch die verliebte Welt /
So lange Zeit verlebt / kan für den Augen bleiben.
Der Macedonier / Achilles / Hannibal /
Der erste Käyser selbst / und wie die grosse Zahl
Der alten Buhler heist / die waren hier zufinden /
Hier schaut der grosse Carl den grossen Heinrich an /
Der achte Heinrich steht beym Brittischen Johann /
Und banden neben Ihm den grosse Bande binden.
Argia klagt allhier / den Unfall der sie trift /
Die Sophonisbe trinckt das überschickte Gift /
Und Pätus Ehgemahl verlachet ihre Wunde /
Bey vielen andrer Zeit / Beschaffenheit und Art /
Die ihrem freyen Geist den Männern nicht gespart /
Stund auch ein Labyrinth mit einer Rosemunde.
Die Göttin führte mich darauf in eine Gruft /
Wo Amber und Zibeth durchstreicht die dünne Luft /
Und wo der Balsam wil in güldnen Lampen brennen;
Hier hatte Venus selbst aus anvertrauter Macht /
Die schönsten Buhlerin mit Fleiß zusammen bracht /
Und ließ den alten Schein auch aus den Leichen kennen.
Cupido hatte sie mit etwas balsamirt /
So er dem Jupiter aus seinem Schatz entführt;
Sie liegen in Cristall und können nicht verwesen /
Des Mundes Muschel ist der Purpur nicht verwehrt /
Es hat der Haare Gold noch nicht die Zeit verzehrt /
Und Haubt und Stirne läst die alten Gaben lesen.
Hier ist Cleopatra / es lebet noch die Krafft /
So dem Antonius die Freyheit hingerafft /
Man schauet Helenen zu dero zarten Füssen /
Es schwebt die Freundligkeit noch um den zarten Mund /
Es macht die weisse Brust auch nach dem Tode kund /
Das Paris / und mit ihm auch Troja brennen müssen.
Den grossen Königin war gleichfalls beygesetzt /
Was kurtz vor unser Zeit der Männer Geist verletzt /
Doch ließ ich diese Grufft und kam in eine Kammer /
Es war der gantze Platz mit Silberstück umbhengt /
Darinnen sich ein Brand mit Anckern hat verschrenckt /
Wie gleichfals Mavors Helm / und des Vulcanus Hammer.
Ich war auch kurz darauf in ein Gemach gebracht /
Wo Venus und ihr Sohn verweilen bey der Nacht /
Das Bette füllt der Schwan / den Fürhang ferbt die Schnecke /
Allhier hat Bengala mit Bantam sich vermählt /
Und aller Schätze Schatz den Sammelplatz erwält /
Die Sonne wil sich selbst erzeigen in der Decke.
Die Venus reichte mir beynebenst auch das Gift /
Daß ihre Pfeile netzt und so viel Wunder stift /
Sie hält es wol verwahrt in einer weiten Schale /
Es stunden nechst darbey viel Bücher an der Wand /
Sie lehrten Leben / Zeit befreundten That und Land /
Der meisten in der Gruft / der meisten auf dem Saale.
Die Göttin nahm zugleich auch einen Spiegel her /
Sie sagte was mein Sohn bezwingt auf Land und Meer /
Erweiset sich allhier in diesem glatten Runde /
Was Africa beseufzt / was in Europa brennt /
Und was in Asia mich seine Göttin nennt /
Das lehret dieses Glaß in einer kurtzen Stunde.
Sie zeigte mir darbey im Glase mit der Hand /
Wie ihres Sohnes Pfeil / und der berühmte Brand
Denselben Augenblick viel Liebes-Sclaven machten.
Ich schaute hier Madrit Pariß und Lisabon /
Mit Londen / Augspurg / Wien / Rom / Moßkau / und Lion /
Und unser Breßlau selbst das kont' ich hier betrachten.
In dieser werthen Stad / da schaut ich auch ein Paar /
So mir nicht unbekant / dem ich gewogen war /
Sie stunden voller Glut / sie lebten in den Flammen /
Sie spielten wie es schien / mit Blicken vieler Art /
Bey ihren Blicken war das Lachen nicht gespart /
Und gaben durch die Hand die Hertzen selbst zusammen.
Die Venus der nicht viel verborgen bleiben kan /
Die schaute mich darauff mit frischen Augen an /
Sie sprach: hier siehestu auch die Bekandten brennen /
Viel Federn dieser Stadt die sind itzund bemüht /
Sie dencken allzumahl auf ein verliebtes Lied /
Und lassen ihre Gunst auch aus den Reimen kennen.
Ein Freund der dieses Paar für allen andern ehrt /
Der hat die grosse Zahl der Reimen auch vermehrt /
Ich habe dieses Werck aus meines Sohnes Händen /
Ich muß / dieweil dein Geist auch die Gedichte liebt /
Und ihnen manchesmal die Zeit zu eigen giebt /
Es melden / wo du wilst / ich will es zeitlich enden.
Es trauret Cynthia wann Phöbus ihr gebricht /
Sie zeucht ihr Silber ein / und läst den Schmertzen blicken /
Der Phöbus schencket auch der Erden Kraft und Licht /
Und wil ihr Schoß und Brust / mit Frucht und Bluhmen schmücken.
Der Sternen reiner Zeug / das ungezehlte Heer /
Fühlt auch den Liebes Zug / sie kommen oft zusammen /
Es dringt der heisse Brand / auch in das kalte Meer /
Und aus der tieffen See entstehen LiebesFlammen /
Es muß der Erde Brust / der Liebe Schauplatz seyn /
Es läst der kühne Löw die Liebe sich bezwingen /
Die Bäume lieben auch / es liebet Stahl und Stein /
Und ieder Vogel wil verbulte Lieder singen.
So kom nu liebes Paar erfreue deinen Geist /
Und laß die süsse Lust mit vollem Zügel rennen /
Nicht scheue diß zuthun / was dich der Himmel heist /
Und was die Erde muß für ihren Grund erkennen /
Das Küssen schmecke dir nach süsser Götter-Kost /
Dein Schertzen müsse sich dem reinen Nectar gleichen.
Es fülle Liebligkeit dir Adern / Marck und Brust /
Es müsse nicht die Kraft von deiner Seite weichen.
Genung Cupido komt / und lescht die Lichter aus /
Es wil der kleine Gott mit euch zu Bette gehen /
Der Hymen lacht und lauft mit Freuden durch das Hauß /
Und heist die Gratien in eurer Kammer stehen.
Es eylt auch Hesperus / es scheint die Stunde ruft /
Geht zu der neuen Lust und thut mit heissen Sinnen /
Was Phöbus / Cinthia / Stern / Erde / Meer und Luft /
Leu / Vögel Bäume / Stahl und Stein nicht lassen können.
Die Göttin schloß zwar hier / doch sagte sie noch viel /
Was sich in meinen Reim aus Zucht nicht reimen wil /
Und allzusehr entdeckt der Venus kühne Tücke /
Sie zeigte mir ein Bild gemahlet an der Wand /
Da fuhr der Spiegel ihr durch Zufall aus der Hand /
Und sprang auf einen Stein in mehr als tausend Stücke.
Es jagte mir der Klang die matten Augen auf /
Die Geister kamen auch in ihren alten Lauff /
Es gieng nun wie zuvor das Uhrwerck meiner Sinnen /
Mein Träumen ist vorbey / es träumt der gantzen Welt /
Und ob mein Träumen gleich nicht grossen Ruhm erhält /
So wird die Meinung doch gelobet werden können.
 


   Der aus dem Himmel verbante Cupido

Der kleine Wunder-Gott / der Meister meister Hertzen /
Der zuvermählen weiß die Schmertzen mit dem Schertzen /
Und unsre Thränen ihm vor seinen Balsam hält /
Der ward so bald er nur aus Mutter-Leibe kommen /
Auch in die Bürgerschafft des Himmels aufgenommen /
Und als ein kleiner Gott den Göttern zugesellt.
Der grosse Jupiter der nahm ihn auf die Armen /
Die stoltze Juno ließ ihn auf der Brust erwarmen /
Die reine Suada sprach ihm selbst die Wörter für /
Diana lehret ihn den ersten Bogen führen /
Mars wolt ihn alsobald mit einem Helme zieren /
Nur die Minerva sprach: Mein gröster Feind ist hier.
Die Götter ehrten ihn mit mehr als tausend Küssen /
Man schaute nichts als Lust umb seine Lippen flüssen /
Sein helles Auge war ein Thron der Freundligkeit
Sein schreien konte selbst den Nectar süsse machen /
Saturnus muste stets des klugen Kindes lachen /
Ja auch die Trauersucht war durch sein Spiel erfreut.
Doch wolte dieses Lob nicht lange hir bekleiben /
Die Boßheit kam den Ruhm der Anmuth zuvertreiben /
Sein Schertzen roch nach List / sein Spiel nach Büberey /
Auf allgemeinen Ruhm kam allgemeines klagen /
Ein ieder wust ihm itzt was böses nach zusagen /
Und der Beschwernüß war auch nicht der Vater frey.
Bald miste Cynthia den allerbesten Gürtel /
Den Parcen den verschob er manchesmahl die Wirtel /
Den Ganymedes nannt er oft ich weiß nicht wie /
Der Mutter Tauben selbst berupft er Schwantz und Flügel /
Der Juno träuft' er Wachs auf ihren besten Spiegel /
Und keine Göttin war so sehr geplagt als sie.
Den weiten Thierekreiß besucht er alle Wochen /
Da ließ die Mutter ihn oft allenthalben suchen /
Hier that er Vieh und Mensch viel tausend Schalckheit an /
Er wolt einmahl dem Krebs die eine Scheere rauben /
Der Juno sie verkehrt zusetzen auf die Hauben /
Die weil sie seine List der Mutter kund gethan.
Diß und der gleichen kam dem Jupiter zu Ohren /
Der Lieb und auch Gedult nun allbereit verlohren /
Er sprach / der kleine Schalck der muß vertrieben seyn /
Er dürfte mir einmahl die Donnerkeul entführen /
Und seine schlaue Hand mit einem Zepter zieren /
Für dem sich itzund bückt der goldne SonnenSchein.
Er ließ den Himmel bald sein strenges Urtheil wissen /
Mercurius ruft aus der Ertz-Gott ist befliessen
Zuzeigen / daß sein Grimm wie Blitz und Brand verzehrt
Er wil den kleinen Gott der sich Cupido nennet /
Und dessen Büberey der gantze Himmel kennet /
Verbannen und ihm sey hiermit das Reich verwehrt.
Die Venus zog den Bann ihr treflich zu Gemüthe /
Sie sagte bey sich selbst / so sol ich mein Geblüthe /
Das Göttlich ist wie ich / ja meiner Sinnen Lust
Von mir gerissen sehn; was soll ich aber machen?
Es wird der Jupiter nur meiner Thränen lachen /
Diß naget mir das Hertz und ängstet meine Brust.
Sie rufte bald den Sohn / sie ließ bey tausend Küssen
Ihm eine heisse Bach umb beyde Schultern flüssen /
Man schaute wie ihr Mund von trauren trächtig stund /
Sie sprach die Wichtigkeit des Werckes heist mich schweigen /
Mein Auge wird dir mehr als meine Zunge zeigen /
Und dieser Seufzer thut dir meine Wehmuth kund.
Dich heisset Jupiter in seinem Zorne scheiden /
Du solst das weite Reich der grossen Götter meiden /
Ach daß ich Göttin bin und nicht zusterben weiß!
Hat Schaum und Muschel dann mich Göttin lassen werden /
Daß man mich itzt verlacht im Himmel und auf Erden /
Und fast geringer hält als Schwämme / Schnee / und Eyß.
Doch wirst du gleich itzund aus meiner Schoß gerissen /
Wird gleich dein zarter Fuß die Erde fühlen müssen /
So wird dein Nahme doch durch dieses nicht vergehn /
Die Göttin des Gerichts die wird ihn höher führen /
Als wo der Donner-Gott läst seinen Blitzen spüren /
Ich weiß er heist ihn noch um seine Crone stehn.
Drauf nahm sie ein Geschirr gemacht von Berg-Cristallen /
Und sprach / laß diesen Schatz bald auf die Erden fallen /
Wenn du berühren wirst den Kreiß der Unter-Welt /
Der Liebe heisser Trieb der lieget hier beschlossen /
So selbst aus meiner Hand in dieses Glaß geflossen /
Und als ein fester Leim die Welt zusammen hält.
Cupido wuste fast kein Wort nicht anzubringen /
Er nahm das edle Pfand und kehrte seine Schwingen
Der schweren Erden zu. Die Mutter schaut ihm nach /
Es kam ihm ohngefehr ein Marmel zu Gesichte /
So macht er den Cristall mit steiffer Hand zunichte /
Und warf ihn daß er wol in tausend Stücken brach.
Es schwam der werthe Saft der nicht geschätzt kan werden /
Nach dem das Glaß zerbrach / vergossen auf der Erden /
Der starcke Dampf umzog den weiten Erden-Kreis /
Ein süsses etwas drang dem Menschen um die Stirne /
Und pflantzt / ich weiß nicht was / ihm heimlich ins Gehirne /
So man zwar fühlen kan / doch nicht zunennen weiß.
Die Welt ward ein Spittal an tausend / tausend Krancken /
Der Schmertzen war gestärckt durch schlüpfrige Gedancken /
Der Geist fühlt einen Zug der mehr als fleischlich hieß /
Die Flüsse lieffen an / von viel verliebten Thränen /
Die Winde stärckten sich durch Seufzerreiches Sehnen /
So das entbrandte Hertz aus seinem Schrancken bließ.
Die Kräuter von der Noth und Schwachheit zugenesen /
Die waren nirgendwo zufinden und zulesen /
Man nennt es allbereit die Kranckheit ohne Rath /
Ich weiß nicht wie es hat der Zufall so geschicket /
Daß einer ohngefehr den süssen Fund erblicket /
Und ihm durch einen Kuß gewünscht gerathen hat.
Nachdem das Pflaster nun für diese Liebes-Wunden
Der menschliche Verstand ergründet und erfunden /
So fiel in einem Nu des Kummers Uberfluß:
Den Krancken und den Artzt den fand man stets beysammen /
Die Flammen leschten sich nicht selten in den Flammen /
Der Becher war der Mund / der Saft ein heisser Kuß.
So lange nun das Rund der Erden wird bestehen /
So wird die schöne Noth der Liebe nicht vergehen /
Die Liebe bleibet doch die Stütze dieser Welt /
Das Pflaster so man braucht / trägt oftmals selber Wunden /
Oft hat das Pflaster selbst der Wunden Pflaster funden /
Wann diß / was es verletzt / ihm wird hinzugesellt.
Mein Bruder darff ich itzt noch eine Sylbe sagen /
So schwer' ich daß du nicht nach Mitteln hast zufragen /
Das Mittel deiner Noth wünscht itzt bey dir zuseyn /
Die Rose / so der Braut die zarten Wangen zieret /
Und Zeugin ist der Zucht so sie im Hertzen führet /
Stellt als dein Eigenthum sich itzo selber ein.
Sie krancket gleich wie du / sie scheuet zubekennen /
Daß Flammen gleich wie dir / ihr um das Hertze brennen /
Daß sie der Dampf bestrickt der aus Cristallen kam /
Ihr Geist ist allzukeusch zu melden den Gebrechen /
Und ist sie gleich bereit ein Wort davon zusprechen /
So wird ihr doch der Mund versiegelt durch die Scham.
Du wirst ohn alle Müh' erlernen und verspüren /
Wie dir die Kranckheit ihr zuheilen sol gebühren /
Betrachte doch nur recht ihr keusches Augen-Licht /
Das wirstu selber dir mit treuen Farben zeigen /
Als spräch' es / dieses Bild / das wünsch' ich mir zu eigen /
So sagt der Augen-Glantz spricht gleich die Zunge nicht.
Hier ist es keine Zeit zu bitten und zu fragen /
Der Liebe Flügel seyn Geschwindigkeit und Wagen /
Hier buchstabiret man gar selten J und A.
Das Frauenzimmer steht den Parthen an der Seiten /
Sie zeigen durch die Flucht oft ihre Lust zustreiten /
Und ein erzürntes Nein / ist oft ein süsses Ja.
Es ist um hohe Zeit die tieffe Lust zubüssen /
Die Stunden die vergehn / die Sternen die verschüssen /
Cupido zeucht dir selbst den leichten Fürhang auf /
Die Röthe / so der Braut in das Gesichte steiget /
Wil itzt Aurora seyn / so auf die Sonne zeiget /
Die durch der Lüste Kreiß sol nehmen ihren Lauff.
Und du / O keusche Braut / schlägst dein Gesichte nieder /
Das Mittel heil zuseyn / das ist dir fast zuwieder /
Du wilst und wilst auch nicht: die eingepflantzte Zucht /
Die lehret dich itzund die reinen Augen sencken /
Der unbekanten Lust vermehrtes Angedencken
Bringt alle Freudigkeit dir schleunig auf die Flucht.
Heb nur die Augen auf / die reinen Liebes-Flammen /
Dadurch sich Hertz und Hertz verknüpfen läst zusammen /
Beflecken dir ja nicht die Schwanen-reiche Brust /
Ja die Verleumbdung selbst / so sich durch Tadel speiset /
Und auch der Tugend oft ein falsches Auge weiset /
Die steht itzund bereit zu loben deine Lust.
Die Lieb ist ja ein Werck so aus dem Himmel komrnen /
Und so der Erden Kreiß mit Lust hat eingenommen /
Wer reine Liebe hast / liebt Gott und Menschen nicht.
Die Tugend wie mich deucht die tadelt dein Verweilen /
Und heisset dich itzund zu der Ergötzung eilen /
Die dir der Himmel selbst mit reiner Hand verspricht.
Dein ander Leben kommt itzt auf dich zugegangen /
Entrück ihm nicht den Mund / entzeug ihm nicht die Wangen /
Ein Kuß verbleibet doch ein Aufboth unsrer Brunst /
Er reichet dir die Hand / der Ernst steht bey dem Schertzen /
Er giebet mit der Hand dir auch zugleich das Hertzen /
Und heist es Siegel seyn der ungefärbten Gunst.
Laß itzt die Reinligkeit geschwätziger Rubinen /
Mit Küssen angefüllt ihm zu der Schale dienen /
Und tritt die erste Lust mit frischem Hertzen an /
Gehorsam wil allhir die beste Tugend heissen /
Und der Vertrauligkeit mustu dich itzt befleissen /
Die dich die Liebe lehrt und ich nicht melden kan.
Geht rüstig zu der Ruh und last die heissen Sinnen /
Ein ungespieltes Spiel / zu dieser Zeit beginnen /
Das Gott hat aufgeführt und Adam aufgebracht /
Ein mehres weiß itzund die Feder nicht zuschreiben /
Sie neiget sich forthin in meiner Hand zubleiben /
Sie wüntscht euch ferner nichts als eine süsse Nacht.
Ich weiß der Hymen wird euch alles dieses lehren /
Was die verliebte Lust geschickt ist zuvermehren /
Ein süsses Ach und Ach reist keine Wollust ein /
Eh noch das andre Jahr die Rose wird verblühen /
Und das Geflügel wird das andre Nest beziehen /
So wird ein junger Fürst aus Flandern kommen seyn.

 

                    Die Welt

Was ist die Welt / und ihr berühmtes gläntzen?
Was ist die Welt und ihre gantze Pracht?
Ein schnöder Schein in kurtzgefasten Gräntzen /
Ein schneller Blitz bey schwartzgewölckter Nacht.
Ein bundtes Feld / da Kummerdisteln grünen;
Ein schön Spital / so voller Kranckheit steckt.
Ein Sclavenhauß / da alle Menschen dienen /
Ein faules Grab / so Alabaster deckt.
Das ist der Grund / darauff wir Menschen bauen /
Und was das Fleisch für einen Abgott hält.
Komm Seele / komm / und lerne weiter schauen /
Als sich erstreckt der Zirckel dieser Welt.
Streich ab von dir derselben kurtzes Prangen /
Halt ihre Lust vor eine schwere Last.
So wirstu leicht in diesen Port gelangen /
Da Ewigkeit und Schönheit sich umbfast.
 


                              Die Welt

Was ist die Lust der Welt? nichts als ein Fastnachtsspiel /
So lange Zeit gehofft / in kurtzer Zeit verschwindet /
Da unsre Masquen uns nicht hafften / wie man wil /
Und da der Anschlag nicht den Ausschlag recht empfindet.
Es gehet uns wie dem / der Feuerwercke macht /
Ein Augenblick verzehrt offt eines Jahres Sorgen;
Man schaut wie unser Fleiß von Kindern wird verlacht /
Der Abend tadelt offt den Mittag und den Morgen.
Wir Fluchen offt auf dis was gestern war gethan /
Und was man heute küst / mus morgen eckel heissen /
Die Reimen die ich itzt geduldig lesen kan /
Die werd ich wohl vielleicht zur Morgenzeit zerreissen.
Wir kennen uns / und dis / was unser ist / offt nicht /
Wir tretten unsern Kuß offt selbst mit steiffen Füssen /
Man merckt / wie unser Wuntsch ihm selber wiederspricht /
Und wie wir Lust und Zeit als Sclaven dienen müssen.
Was ist denn diese Lust und ihre Macht und Pracht?
Ein grosser Wunderball mit leichtem Wind erfüllet.
Wohl diesem der sich nur dem Himmel dienstbar macht /
Weil aus dem Erdenkloß nichts als Verwirrung quillet.
 


                         Die Wollust

                                  1.
Die Wollust bleibet doch der Zucker dieser Zeit /
Was kan uns mehr / denn sie / den Lebenslauf versüssen?
Sie lässet trinckbar Gold in unsre Kehle fliessen /
Und öffnet uns den Schatz beperlter Liebligkeit;
In Tuberosen kan sie Schnee und Eiß verkehren /
Und durch das gantze Jahr / die FrühlingsZeit gewehren.
                                  2.
Es schaut uns die Natur als rechte Kinder an /
Sie schenckt uns ungespart den Reichthum ihrer Brüste /
Sie öffnet einen Saal voll zimmetreicher Lüste /
Wo aus des Menschen Wunsch Erfüllung quellen kan.
Sie legt als Mutter uns / die Wollust in die Armen /
Und läst durch Lieb und Wein den kalten Geist erwarmen.
                                  3.
Nur das Gesetze wil allzu Tyrannisch seyn /
Es zeiget iederzeit ein widriges Gesichte /
Es macht des Menschen Lust und Freyheit gantz zunichte /
Und flöst vor süssen Most uns Wermuthtropffen ein;
Es untersteht sich uns die Augen zuverbinden /
Und alle Liebligkeit aus unser Hand zuwinden.
                                  4.
Die Ros' entblösset nicht vergebens ihre Pracht /
Jeßmin wil nicht umsonst uns in die Augen lachen /
Sie wollen unser Lust sich dienst- und zinsbar machen /
Der ist sein eigen Feind / der sich zu Plagen tracht;
Wer vor die Schwanenbrust ihm Dornen wil erwehlen /
Dem muß es an Verstand und reinen Sinnen fehlen.
                                  5.
Was nutzet endlich uns doch Jugend / Krafft und Muth /
Wenn man den Kern der Welt nicht reichlich wil genüssen /
Und dessen Zuckerstrom läst unbeschifft verschüssen /
Die Wollust bleibet doch der Menschen höchstes Guth /
Wer hier zu Seegel geht / dem wehet das Gelücke /
Und ist verschwenderisch mit seinem Liebesblicke.
                                  6.
Wer Epicuren nicht vor seinen Lehrer hält /
Der hat den Weltgeschmack / und allen Witz verlohren /
Es hat ihr die Natur als Stiefsohn ihn erkohren /
Er mus ein Unmensch seyn / und Scheusaal dieser Welt;
Der meisten Lehrer Wahn erregte Zwang und Schmertzen /
Was Epicur gelehrt / das kitzelt noch die Hertzen.
 


                     Die Tugend

                                  1.
Die Tugend pflastert uns die rechte Freudenbahn /
Sie kan den Nesselstrauch zu Lilgenblättern machen /
Sie lehrt uns auf dem Eis und in dem Feuer lachen /
Sie zeiget wie man auch in Banden herrschen kan /
Sie heisset unsern Geist im Sturme ruhig stehen /
Und wenn die Erde weicht / uns im Gewichte gehen.
                                  2.
Es giebt uns die Natur Gesundheit / Krafft und Muth /
Doch wo die Tugend nicht wil unser Ruder führen /
Da wird man Klippen / Sand und endlich Schifbruch spüren /
Die Tugend bleibet doch der Menschen höchstes Gutt /
Wer ohne Tugend sich zu leben hat vermessen /
Ist einem Schiffer gleich / so den Compaß vergessen.
                                  3.
Gesetze müssen ja der Menschen Richtschnur seyn /
Wer diesen Pharus ihm nicht zeitlich wil erwehlen /
Der wird / wie klug er ist / des Hafens leicht verfehlen;
Und läuffet in den Schlund von vielen Jammer ein /
Wem Lust und Uppigkeit ist Führerin gewesen /
Der hat vor Leitstern ihm ein Irrlicht auserlesen.
                                  4.
Diß / was man Wollust heist / verführt und liebt uns nicht /
Die Küsse so sie giebt / die triffen von Verderben /
Sie läst uns durch den Strang der zärtsten Seide sterben /
Man fühlet wie Zibeth das matte Hertze bricht /
Vergifter Hypocras wil uns die Lippen rühren /
Und ein ambrirte Lust zu Schimpf und Grabe führen.
                                  5.
Die Tugend drückt uns doch als Mutter an die Brust /
Ihr Gold und Edler Schmuck hält Farb und auch Gewichte /
Es leitet ihre Hand uns zu dem grossen Lichte;
Wo sich die Ewigkeit vermählet mit der Lust.
Sie reicht uns eine Kost / so nach dem Himmel schmecket /
Und giebt uns einen Rock / den nicht die Welt beflecket.
                                  6.
Die Wollust aber ist / als wie ein Unschlichtlicht /
So helle Flammen giebt / doch mit Gestanck vergehet /
Wer bey dem Epicur / und seinem Hauffen stehet /
Der lernt wie diese Waar / als dünnes Glas zerbricht /
Es kan die Drachenmilch uns nicht Artzney gewehren /
Noch gelbes Schlangengift in Labsal sich verkehren.
 


      Die allgemeine Vergängligkeit

Es zeiget sich der Tod in iedem Augenblicke /
Der Tag / so gestern war / kommt nimmermehr zurücke;
Er ist dahin / bleibt hin / und starb nach seiner Art;
Der Lippen kluges Wort / das Werck gelehrter Hände
Hat seinen Untergang / und sein bestimmtes Ende /
Was Welt und weltlich heist muß auf die Todesfahrt.
Was stirbt uns täglich nicht an prächtigen Gedancken?
Was Leichen liegen nicht in diesen weiten Schrancken?
Was Schlösser sincken nicht durch Hoffnung aufgebaut?
Was stirbet nicht in uns von Regung und Begierde?
Was stirbet nicht in uns von Anmuth und von Zierde?
Der Mensch ist Leichenvoll / wenn er sich recht beschaut.
Die Kindheit ist verwest / und kommt zu uns nicht wieder /
Der Frühling der Gestalt / der Sommer unsrer Glieder /
Der Sinnen weiser Herbst / der That mit Rath verbringt /
Verstreicht / erstirbt / erblast. An stat der weissen Seyde /
Gehn wir mit grauem Haar und Runtzeln in dem Leide /
Weil Hust- und Keuchen uns ein heisser Grab-Lied singt.
Das Alter muß in sich die schwartze Bahre haben /
Verschleust sich wie ein Tuch / wird in sich selbst begraben /
Und schickt den kleinsten Rest des Leibes in das Grab /
Verstirbt auch eh es stirbt / Ihm / Freunden / Kind und Weibe /
Und sucht / so gutt es kan / dem abgematten Leibe
Der Kindheit erstes Pferd / halb kindisch einen Stab.
Diß was durch Menschen Hand ist worden aufgeführet /
Die Seule / die erkühnt die Wolcken fast berühret /
An der vermischtes Ertzt umhalst den Marmelstein /
Stirbt eben so / wie wir. Wir schauen / wie die Bogen /
Dadurch Domitian und Titus ist gezogen /
Zustümmelte Geripp' und halb begraben seyn.
Diß was Vespasian zum Schauplatz ihm erkohren /
Und in dem Tode noch Paläste hat gebohren /
Ist zwar Verwunderung / doch auch des Traurens werth /
Nichts lebet / was allda gesessen und geschauet /
Es hat / was dazumahl auf ewig war gebauet /
Der Zeiten Zahn zermalmt / der Jahre Rest verzehrt.
Das grosse Capitol / der Brunnen der Gesetze /
Der Sieger treue Schloß / der Sammelplatz der Schätze /
Da vormahls ieder Raum lag Kunst und Reichthum voll /
Hat aufgehört zuseyn: was Capitol itzt heisset /
Und jenem alten gleich zuwerden sich befleisset /
Dient itzt vor Grabe-Stein dem alten Capitol.
Aegyptens Wunderwerck geht mehrentheils zu Grunde /
Des Rhodis Roland hat vorlängst die letzte Stunde /
Mausolus Wunder-Grab ist Leiche dieser Zeit:
Die Pracht in Epheso / die Macht von Babels Mauren /
Die wusten vor der Hand der Zeiten nicht zu tauren /
Kein Bild des Jupiters / kein Pharos blieb befreyt.
Die Stadt in Griechen-Land / wo Kunst und Pracht gesessen /
Die hat der harte Zahn der Zeiten aufgefressen /
Ihr Witz und Höflichseyn ist in der faulen Nacht /
Es liegt die Barberey auf diesen edlen Leichen;
Wo vor die Stoa war / dar schaut man Nattern schleichen /
Und ist zu wenigern / als Ziegel Grauß gemacht.
Was angeanckert schien dem Mittel-Punct der Erden /
Verfiel zu seiner Zeit und must ein Unding werden /
Carthago und Corinth liegt itzt dem Boden gleich.
Was itzt noch mächtig ist / wird auch nicht ewig bleiben /
Die Mauren kan die Zeit als wie das Fleisch zerreiben /
Und alles zeucht der Todt in sein verweßlich Reich.
Man sagt vor Zeiten ist Lyceum groß gewesen /
Wer weiß / wer künftig wird in der Sorbone lesen?
Areopagus fiel: das grosse Parlament /
So Franckreich mächtig macht / kan endlich auch verschwinden;
Es mag was weltlich ist mit Ertzte sich verbinden /
So wird es durch den Stoß der Zeiten doch getrennt.
Es läst der Berge Last sich ihre Last bestreiten /
Die Wälder brechen ein: Was hemmt den Sturm der Zeiten /
So Städte niederreist / und Länder tilgen kan?
Es ist die alte Welt ein grosses Bein-Hauß worden /
Es muß die neue Welt auch in den bleichen Orden /
Und was den Anfang hat / muß auf die Todes-Bahn.
Kan sich die gantze Welt des Todes nicht erwehren /
Wie wollen wir uns doch durch Ach und Ach verzehren /
Wenn da und dort ein Freund uns aus den Augen tritt?
Wir folgen diesen nach / so uns zuvor gegangen /
Und keinen Frey-Brieff kan die Sterbligkeit erlangen;
Der Tod ist der Natur ein allgemeiner Schritt.
Ich bin nicht Stahl und Eiß; und kan hier leicht gedencken /
Der edlen Freundschaft wird diß Hertz und Sinnen kräncken /
Daß Bruder / Mann / und Freund itzt auf der Bahre steht /
Daß nun die Hoffnung ist mit ihm zugleich gestorben /
Und seine Jugend nicht die Jahre hat erworben /
Da man gebuckt und grau zu seinem Grabe geht.
Daß / wie der Anfang war / das freundliche Gelücke
Ihn ferner nicht gekrönt mit angenehmen Blicke /
Und Lorber-Zweige hat dem Scheitel beygelegt /
Daß seiner Tugend nicht mehr Früchte zugeflossen /
Davon er allbereit die Würdigkeit genossen /
Daß man mit Helm und Schild ihn itzt zu Grabe trägt.
Daß ihn der Todt vielleicht der Ehre nun entrücket /
Die ihn vor diesem hat begrüst und angeblicket /
Daß er vom Sonnenschein in diesen Schatten muß /
Daß man ihn in die Schoß der Fäulnüß sol versencken /
Und das Gelück ihn nicht sol aus dem Becher träncken /
Der angefüllet ist mit Lust und Uberfluß.
Nur Sanftmuth und Geduld legt diese lieben Glieder /
Wie das Verhängnüß wil / mit treuen Händen nieder.
Das Weinen schwächet nur und hilfft den Todten nicht /
Was zeitlich schlaffen geht entweichet vielen Sorgen /
Der Todt entrücket uns oft einem bösen Morgen /
Der nur mit Hagel dräut / und unsre Wolfarth bricht.
Was hier verfaulen wird / keimt zu dem neuen Leben;
Der Höchste wird den Leib der Seelen wieder geben /
Denn sol auf Ewigkeit ein neu Verlöbnüß seyn.
Last ruhen / was ihm Gott zu Bette hat geführet /
Der Vater liebt ein Kind / wenn er Gehorsam spüret /
Kommt doch auf diese Nacht der rechte Sonnenschein.
 


              Die versöhnte Venus

Die Göttin so die Welt und alle Hertzen bindet /
Die Wasser / Erd und Lufft durch ihren Strahl entzündet /
Auf welcher WunderWort erzittert niederfällt /
Was Nord / Süd / Ost und West in seinen Armen hält.
Die gieng nach ihrer Arth zu dem erhöhten Throne /
Es war das stoltze Haubt umbzirckt mit einer Crone /
Darauf der Berge Schatz und des Gewässers Pracht /
Durch ihrer Haare Gold noch werther war gemacht.
Es küsten dazumahl die wolgestalten Ohren
Zwo Perlen / den der Ost nichts gleiches hat gebohren /
Es war der zarte Leib durch einen Rock geziert /
Den Phrygien gestrickt / der Sydons Farbe führt.
Umb diesen schaute man der Venus grosse Thaten /
Die Helden so durch sie in Dienstbarkeit gerathen /
Achillem / Herculem / Philippen und die Hand /
So Persien bezwang / und Poren überwand /
Hieß diese Mahlerey der Nadel knechtisch stehen /
Cupido wolte gleich von ihrem Saale gehen /
So sprach das Wunder-Weib / was kommt dich wieder an?
Du meinst das meine Faust dich nicht mehr straffen kan.
Die Berge zubeziehn / die Städte zubeschauen /
Der Kurtzweil nachzugehn auf den begrünten Auen /
Zu sehen was der Nil / Euphrat und Ganges macht /
Bey Tage nichts zu thun / zuschlaffen bey der Nacht /
Ist nicht genung für mich. Wo sind die grossen Stunden /
Da deine Fackel brand / und deiner Pfeile Wunden
Fast iedes Hertze trug? Wie daß nicht mehr die Welt /
Wie vormahls ist geschehn vor mir darnieder fällt?
Betrachte diesen Rock; was meinstu von den Siegen?
Durch die mein hohes Lob ist auf den Thron gestiegen /
Der Sonnen gleiche kommt / den Sternen gleiche geht /
Und beyde trotzen kan / der Zorn beginnt zuwittern /
Es heist die Ungedult mir Hertz und Sehnen zittern /
Es zündet mir der Grimm Geblüth und Adern an /
Daß ich dir deinen Lohn nicht länger borgen kan.
Du allzukaltes Kind betracht ich diese Welt /
Was zwischen Gibraltar und Javan ist gestellt /
Den grossen WunderKreiß / den Zirckel dieser Erden /
Wo sich die Sonne wäscht und wo sie mit den Pferden /
Den alten Weg besucht; wo ihre Hitze brennt /
Und wo der Phöbus fast nicht seine Strahlen kennt /
So merck' ich wenig mehr / als Wüten / Mord und Kriegen /
Ich finde hin und her die todten Leichen liegen /
Die Männer stehn verwund / die Weiber stehn verblast /
Mein Mars wird angeruft und Venus wird verhasst /
Mars der mich selber nicht gescheuet hat zuküssen /
Man schaut das rothe Bluth vor Liebes-Thränen flüssen /
Kein Seuffzer kommet fast von meiner Regung hier /
Betracht ich Berg und Thal / beschau ich See und Meer /
Setz' ich die gantze Welt in meinem Sinn zusammen /
So find ich keinen Dampf von diesen Wunderflammen /
Da eine gantze Stadt durch eine Gluth gebrannt /
Da einer Feindin Schoß den Feind zum Buhler fand.
Da zweyer Hertzen Blut verliebt zusammenflossen /
Da das erzörnte Meer die Brunst nicht ausgegossen /
Da Armuth / Kälte / Schwerd / Flucht / Marter / Brand und Todt
Oft ein verliebter Sinn hielt vor geringe Noth.
Und wil ich gleich den Geist auf wenig Länder lencken /
Die ohne Zanck und Streit den Degen von sich hencken /
Da Fried und Einigkeit auf allen Seiten steht /
Da Wollust ohne Maaß auf ihren Mauren geht /
Da nur das Pulver gilt so sich nach Cypern nennet /
Und iede Kugel stinckt so nicht Venedig kennet /
Von den kein ander Rohr für köstlich wird geacht /
Als diß so Zucker trägt und Indien gebracht.
So machen sie mich roth / und heissen dich verstummen /
Wie schöne bistu doch aus solchen Ländern kommen /
Ein Köcher ohne Pfeil / ein Kämpffer ohne Muth /
Ein Bothe sonder Fleiß / ein Hertze sonder Bluth
Die stehen hier für mir. Ich kan dich nicht mehr schauen /
Und deine Gegenwart erwecket mir ein Grauen /
Du kleiner Ehren-Dieb. Es hieng an einer Wand /
Des Saales da sie war / ein altgesticktes Band /
Darauf der Perlen Glantz des Goldes Pracht umfasssen /
Und der verliebte Mars der Venus hinterlassen /
Als seinen Leib Vulcan / Sie Geist und Leib umfieng /
Und dieser grosse Gott an schweren Banden hieng.
Das Zeugnüß aller Gunst must ihre Peitsche werden /
Sie stieß den kleinen Sohn erzürnet zu der Erden /
Sie grief mit einer Hand ihm in das schöne Haar /
Und peitschte biß sein Leib wie ihre Lippen war.
Biß Rosen um den Schnee der zarten Lenden stunden /
Cupido hatte kaum den ersten Schmitz empfunden /
So ruft er / Königin / ich bitt' euch umb den Pfeil /
Der mehr verrichten kan als Blitz und Donnerkeil /
Ich bitt' euch um den Schertz / ich bitt' euch um das küssen /
Durch die der starcke Mars ein Sclave werden müssen /
Und so diß alles noch gesucht ist allzuweit /
So bitt' ich euch umb diß davon ihr kommen seyd.
Die Göttin konte hier nicht mehr das Lachen halten /
Der Eifer / den sie trug begunte zuerkalten /
Sie warf das Band hinweg / und sprach mein kleiner Sohn /
Genung vor diesesmahl / und denck an diesen Lohn /
Den du durch Müßiggehn aus meiner Faust bekommen.
Es wird der Mutter Schlag geduldig aufgenommen /
Fieng der Cupido an mit Seufzen ohne Maß /
Als welchem Schmertz und Furcht auf Haut und Hertze saß /
Und fuhr so ferner fort: Beherrscherin der Erden /
Sol diese Schuld allein auf mich gebürdet werden /
Greift meine Mutter mich mit Band und Marter an /
Daß diese gantze Welt nicht länger brennen kan /
Und allzulaulicht ist. Es wird der strenge Bogen /
Wie vormahls ist geschehn / itzunder angezogen /
Mein Pfeil hat gleiche Maß und führet gleichen Stahl /
Daß Eiß und Eisen umb sich findet überall /
Und Wasser für das Blut die hohlen Adern füllet /
Daß Aetna itzt nicht mehr in allen Hertzen quillet /
Ist ja nicht meine Schuld. Es ist nicht lange Zeit /
Da zog ich durch ein Land / wo Unmuth / Krieg und Streit
Gar frembde Gäste sind. Ich dachte hier zu siegen /
Da Agtstein gleich wie ihr sich läst die Wellen wiegen /
Und setzte meinen Fuß bald in die gröste Stadt /
Da Reichthum / Macht und Muth Verstand zum Bruder hat.
Mein Fürwitz führte mich in eine stille Kammer /
Da nicht erschallen kan des schwartzen Vaters Hammer /
Man schaute um und um manch hochgelehrtes Pfand /
So der Beredten Mund und vieler Tichter Hand
Von Rom / Corinth / Athen / und die sich diesen gleichen /
Den alle Männer noch der Künste Scepter reichen /
Den Menschen zugeschickt. Hier saß ein junger Mann /
Und sprach manch schönes Buch um seine Schätze an.
Ich war alsbald gemüht ihn schleunig zuereilen /
Ich grief den Bogen an / ich spielte mit den Pfeilen /
Es war verspieltes Werck und Arbeit sonder Lohn /
Die Pfeile flogen weg / der Jüngling kam davon
Und hielt mich ungescheut vor einem KinderSchützen /
Ich ließ ihn dieses mahl bey seinen Büchern sitzen /
Ich hab ihn zwar nach dem auch ferner angerant /
Doch war ein ieder Pfeil vergebens ausgesand.
Ertheilet mir nun Rath / was ferner sey zu machen?
Die Mutter sprach / mein Sohn / hier liegt der Grund der Sachen /
Wer nicht durch suchet hat der Leiber Unterscheid /
Und nicht zu urtheln weiß von Sehnen / Blut und Zeit. /
Nicht weiß / wenn dieser Trieb und jener sich beweget /
Wann Blut und Geist erwacht / wann Bluth und Geist sich leget /
Wann Feuer Meister wird / wann Wasser herrschen will /
Der trift / ich schwere dir / nicht auf das rechte Ziel.
Du wirst mein lieber Sohn fast keinen Menschen finden /
Der sich nicht leichtlich läst an dis und jenes binden /
Der sich nicht allsobald erschüttert und beweg't /
Wenn dieses auf ihn trift / was er im Hertzen trägt
So dencke nicht auf Pfeil / auf Bogen und auf Wunden /
Du habest denn zuvor den HertzensTrieb gefunden /
Und glaube daß allhier der Hertzen Schlüssel liegt /
Wer nicht die Geister kennt hat selten obgesiegt.
Der eine liebet nur des Leibes Pracht und Gaben /
Ein ander will die Zucht zu einer Schwester haben /
Der eine meint / das Geld die beste Heyrath stift /
Ein ander heist die Treu das beste Morgen Gift /
Viel lieben Spiel und Tantz / nicht wenig auch das Singen /
Und manchem muß der Wein die Brunst zum Hertzen bringen /
Viel seufzen ohne Maß nach zarter Bluhmen Pracht /
Viel heissen diesen Schatz ein Kleinod einer Nacht /
Viel locket und bewegt der Eltern Geist und Tugend /
Viel werden angereitzt durch unverwelckte Jugend /
Der eine siehet nur die süssen Wörter an /
Viel sehen auch dabey was Spiel und Nadel kan.
Diß alles mustu wol und gar genau erwegen /
Es wird auch gleicher Pfeil nicht iedes Wild erlegen /
Und dieses hab ich schon vor vieler Zeit bedacht /
Und nicht nach meiner Arth der Pfeile Zeug gemacht.
Der eine schicket sich noch zu den grünen Jahren /
Ein ander sehnet sich nur nach den grauen Haaren /
Der eine lencket sich auf Hertzen reich an Kunst /
Ein ander reitzet nur die Adern voller Brunst /
Der eine führt Zibeth viel schmecken nach der Küchen /
Der eine weiß Latein ein ander kennt die Grichen /
Der eine führet Gold der ander stinckt nach Wein /
Viel sind von Ebenholtz und viel von Helffenbein.
So lauf nun vor mir hin und gründe recht die Hertzen /
Wo Ernst und Witz regiert / wo Lachen / Spiel und Schertzen
Fast immer müssig gehn / wo Kunst am meisten gilt /
Wo Füllerey und Wein die blauen Adern füllt /
Wird dieser Unterricht nur richtig eingenommen /
So wirstu liebes Kind bald wieder zu mir kommen /
Und ruffen / dem ich oft der Liebe Garn gestellt /
Der ist durch euren Sohn und meine Faust gefällt.
Cupido der genug der Mutter Wort erwogen /
Grieff nun mit Zuversicht auf Köcher / Pfeil und Bogen /
Und schwang sich ungesäumt auch wieder in die Stadt /
So von den Dähnen noch den alten Nahmen hat /
Und ihre Mutter itzt mit reichen Gaben ehret /
Ein Hertze / so kein Pfeil der süssen Brunst versehret /
War dieses Schützens Zweck. Es war bey Tag und Nacht
Der Bogen stets gespannt / das Hertze stets bedacht /
Nach vielem Krieg und Streit dem Jüngling obzusiegen /
Wie oft er aber kam so fand er um ihn liegen /
Der Griechen kluges Heer der Römer weisen Rath /
Was Chäronea noch der Welt geschencket hat /
Halff nebenst Cordöen fast unermüdet kämpfen /
Auch Cato war bemüht der Pfeile Macht zudämpfen /
Und goß den heissen Brand mit seinen Sprüchen aus /
Cupido sprach bey sich: sol dieses Mannes Hauß
Mein Feuer und mein Pfeil denn nicht erreichen können /
Ist Eisen / Stahl und Stein der Grundzeug dieser Sinnen?
Er stellt ihm offtermahls durch ein verliebtes Blat /
Wie jener Lesbien / und der Corinnen bat /
Wie der Petrarcha schwur die Lauren stets zulieben /
Und was der Grafenhag vom Küssen hat geschrieben /
Marinens Wunderbuch / Gvarinens treues Pfand /
Was Drayten / Teophil und Samtamann erfand /
Die schaut' er oftermals auf seiner Stelle schertzen /
Die Kunst gefiel ihm wol / das Gift drang nicht zum Hertzen /
Und der erzörnte Gott war numehr gantz bereit
Zu meiden diesen Orth zu lassen diesen Streit /
Als dieser freye Geist bey schönen SommerStunden /
Als Erd und Himmel-Lust zusammen war verbunden /
Durch einen guten Freund / ward aus der Stadt geführt /
Der Orth so sie umfieng stund überall geziert
Mit schönen Tulipen / geholt aus frembden Erden /
Die itzund auch bey uns gemeine Bürger werden /
Viel andre Bluhmen mehr die waren hier gepaart /
Manch frembdes WunderKraut / so die erkühnte Farth
Dem Ost und West entraubt / war neben dem zuschauen /
Das geile Kind der Luft kam Nester hier zubauen /
Die kleine Nachtigall so nimmer schweigen kan /
Die stimmet ungestört ein süsses Brautlied an.
Es schertzten überall die Baltischen Syrenen /
Man hörte manches Lied mit höchster Lust erthönen /
Der Phöbus schaute selbst erfreuet durch die Luft /
Als Richter / wie ihm deucht / der Kurtzweil angeruft.
Vor andern zeigte sich ein Kleinod aller Tugend /
Ein Spiegel aller Lust / ein WunderBild der Jugend /
Auf derer Stirne selbst des Vatern Nahmen saß /
Aus derer Augen man der Mutter Keuschheit laß /
Da Höfligkeit und Zucht einander Schwestern hießen
Da Sinnen / Geist und Bluth sich fromm zu seyn befliessen /
Der eher nichts gefällt als wenn der Vater wiel /
Und spricht / der Eltern Wuntsch ist mein gewüntschtes Ziel
Und meines Willens Zweck / der ernste Feind des Buhlen /
So nie ersuchet hat der Venus süsse Schulen /
That hier die Augen auf / und schaute wie die Welt /
Sich itzund lustig macht in Florens Lustgezelt /
So Feld und Gärte deckt. Doch war das keusche Prangen /
Derselben so ich itzt zu rühmen angefangen /
Ihm lieblicher als diß / was uns der Tulipan
Auf seinen Blättern zeigt / und nicht bestehen kan.
Cupido der sein Ziel zu keiner Zeit verlassen /
Begunte nebenst Trost auch seinen Pfeil zufassen /
Der Arm stund ausgestreckt / der Bogen war bereit /
Durch gleich gestellten Stahl der Sinnen Härtigkeit
Zu machen wie das Wachs. Er hielte zu dem Hertzen /
Der Pfeil drang durch die Brust nicht ohne süsse Schmertzen /
Und das erkühnte Kind zu mehren seine Lust /
Traff auch das schöne Bild und ihre zarte Brust /
Die kein verliebter Strahl vor diesem angerühret /
Es ward die süsse Gluth durch beyder Blut geführet /
Sie schauten hin und her / sie schauten diß und das /
Und wusten fast nicht recht was in dem Hertzen saß /
Biß daß die Flamm allhier iemehr und mehr entbrandte /
Und beyder Hertz und Geist die süssen Flammen kante /
Da denn der Eltern Treu durch längst geneigte Hand /
Ihn'n Wuntsch und Segen sprach / und dieses Paar verband.
Cupido meinte nun vor freuden zuvergehen /
Er schaute höchst ersetzt die zwey verliebten stehen /
Er lachte daß den Schall auch Echo selbst vernahm /
Und wie man meinen wil in Juno Kammer kam.
Doch ließ die grosse Lust ihn länger nicht verziehen /
Er hieng den Bogen an der Mutter zuzufliehen /
Zu sagen / daß sie nun für einen rauhen Schlag /
Des kleinen Sohnes Haubt mit Rosen krönen mag.
Er schwang sich durch die Luft biß zu der Venus Throne /
Und rief / was düncket euch itzund von eurem Sohne /
Dem ich vor vieler Zeit vergebens Garn gestellt /
Ist nun durch mein Geschoß mit Wucher hingefällt.
Und ruft die Venus an zu seiner Liebsten Füssen /
Der Liebsten die mit ihm läst Liebes Thränen fliessen /
Doch wird ein festes Band bald enden ihre Pein /
Und Lachen vor die Noth / Lust vor das Weinen seyn.
Hab ich genung gethan? die Mutter war ergetzet /
Daß dieses zarte Fleisch des Sohnes Hand verletzet /
Sie satzt ihn auf die Schoß / sie druckt ihn an die Brust /
Sie nannt ihn ihren Schatz sie nannt ihn ihre Lust /
Sie küst ihn auf den Mund / sie klopft ihn auf die Lenden /
Sie nahm ihn aus der Schoß / sie trug ihn auf den Händen /
Und sprach weil sich itzund nicht alles sagen läst /
So eile nun von mir auch auf das Hochzeit Fest /
Dann kanstu ihre Noth und ihre Lust beschreiben.
Cupido läst sich nicht viel zu der Wollust treiben /
Er ließ der Mutter Hand / er ließ der Mutter Schoß /
Er machte sich alsbald der süssen Bande loß /
Und schwang sich über Baum / Thal / Häuser / See und Hügel /
Es gläntzten wie Cristall die Silber-weissen Flügel /
Biß daß er in die Stadt des grossen Sieges kam /
Und seinen FreudenFlug recht in die Wohnung nahm /
Da dieses werthe Paar auf einem grossen Saale /
Bey Kurtzweil / Liedern / Tantz / Gespräche / Spiel und Schale
In höchsten Freuden saß. Da der berühmte Rein
Mit Weinen / die er hegt / nicht wolte sparsam seyn.
Tockäy und Mallaga / Bourdeaux und ihres gleichen /
Die liessen auch den Schatz des Bacchus überreichen /
Was seltzam in der See / was köstlich in der Luft /
Was Erd und Bäume ziert / ward auf das Mahl geruft.
Hier muste Cinnamey das Haselhun umschlüssen /
Die Fische wolten nur in Muscateller fliessen /
Der stoltze Phasian ward in ein Grab gethan /
Dergleichen Phönix nur ihm selber geben kan /
Was die Natur gebiert und was die Kunst erzwinget /
Was vieler Menschen Witz aus frembden Ländern bringet /
Was Zucker überzeucht und Specerey erhält /
Ward auf den FreudenTisch mit reicher Hand gestellt /
Und wolte Dinstbahr seyn den zwey verliebten Hertzen /
Den nun die reine Lust durch tugendhaftes Schertzen
In alle Glieder trat / und den der süsse Brand /
Noch heisser ward gemacht durch Augen / Hertz und Hand /
Es kam nun unvermerckt der Hesperus gegangen /
Der Reisenden Verdruß / der Liebenden Verlangen /
Er sprach durch seinen Schein geht zu der neuen Ruh /
Und schlüsset nicht die Lust mit euer Kammer zu.
Bezwinget euch der Schlaff / so macht das bey erwachen
Der Braut die Röthe kommt / den Bräutigam das Lachen /
Nicht traure zarte Braut es sagt die gantze Welt /
Man samlet keine Frucht wann nicht die Blüthe fällt.