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Der Winter
Die Erde traurt im weißen Todtenkleide, Und übergiebt sich träger Ruh. Kein Westwind haucht dem Wandrer Scherz und Freude Mit frischen Veilchendüften zu.
Der Ströme und der Bäche Urnen schließet Des wilden Winters kalte Hand; Und Boreas durchwühlt die Luft, und gießet Ein Meer von Flocken auf das Land.
Nun sinken auf die Wälder Silberhüllen, Und auf das fahle Hüttendach Des Landmanns. Hohe Schneegebürge schwillen Rings um den kleinen Wiesenbach.
Er murmelt keine Wonne durch die Fluren, Wie er im jungen Frühling that. An seinem Ufer schlummern welke Spuren Der Blume, die der Frost zertrat.
Der Landschaft vormahls bunte Scenen liegen Entstellt. Ein finstrer Schleyr umzieht Des Tages Antlitz. Neue Flocken fliegen Im Luftraum, wo kein Phoebus glüht.
Sey mir, du Flur, du weißgeschleyrte Erde Gegrüßet! Deine Majestät Bezaubert mich, wiewohl jetzt keine Herde Auf deinen öden Triften geht,
Und keine Harmonie die Schattengänge Des Waldes füllt. Ich liebe dich Mehr als den Flitterprunk, und das Gedränge Der Stadt, von der die Ruhe wich.
Die Schönen wandeln hier im Hermeline Den Bällen zu, und Chloe fängt Mit ihrem Busen, ihrer Zaubermiene Den Stutzer, der ihr Weyhrauch schenkt.
Die Siegerin! Die Männerblicke hangen An ihrem Haar, an ihrer Brust, Die immer wallt, an ihren Rosenwangen, Und sie ist ihres Siegs bewußt.
Nun rollen, gleich des Windes Flügeln, Schlitten Durch des gedrängten Pöbels Schwall; Und Stentor trabt mit abgemeßnen Schritten, Sobald der Abend winkt, dem Ball.
Entgegen, wo sein Lockenbau und Weste Der Schönen Augen auf sich reißt. Sein Federhut verräth, er sey der größte Erfindungsvollste, feinste Geist.
Hier dreht man sich im Tanze, Der labyrinthisch sich verstrickt, Und von der jungen Schönen Myrtenkranze Wird oft ein Blätchen abgepflückt.
Lob der Gottheit
Du bist es Schöpfer, der durch einen Wink Zahllose Welten schuff, Der Rosen um des Morgens Stirne band, Und um des Abends Haupt
Den Kranz von Gold. Dich lobet die Natur, Das bunte Veilchenthal, Die Morgenröthe, die ihr junges Bild In jede Welle prägt.
Dich lobt der Westwind, der die grüne Fluth Der Saaten kräuselt, Dich Erhebt die Windsbraut, die den Eichenwald Entwurzelt und zerreißt.
Dich lobt der Donner, der am Himmel rollt, Und rothe Blitze sprüht, Der Wolkenbruch, der auf die Wiese fällt, Und sie in Meer verkehrt.
Dich loben Flocken, die das grüne Haar Des finstren Tannenhayns Mit Silber überstreun, und weißen Flor Um die Gebüsche ziehn.
Die ganze Erde ist Dein Lobgesang, Und Hymn' auf Hymne steigt Zu Deinem Thron empor, wo Du im Licht, Wie im Gezelte, wohnst.
Verstummest du allein, du Mensch? Erwach Vom Schlummer, der dich drückt, Wirf deine Blicke rings umher, und sieh Die Wunder seiner Macht.
Preiß deinen Schöpfer, wenn der frühe Hahn Den Morgen ausposaunt, Erheb ihn, wenn das milde Abendroth Die Hügelspitzen mahlt.
Erheb ihn, wenn die Nacht der See entsteigt, Und ihr Gewand, durchwebt Mit goldnen Sternen, und mit Mondenschein, Rund um den Himmel wirft. -
Preiß ihn durch Hymnen, heiliges Gefühl Ergreife dich, wenn du Den Schöpfer denkst, der dich ins Leben rief, Den Gott voll Gnad und Huld.
Leander und Hero,
eine Romanze
Schon ehmahls sang der Leyermann Musaeus die Geschichte, Die ich euch jetzt, so gut ich kan, Erzähle und berichte. - Ein Jüngling, der Leander hieß, Kam einstmahls in ein Städtchen, Das seinem Blick die Hero wies, Die Krone aller Mädchen.
Er machte einen Reverenz, Der ihn zur Erde drückte, Als er die Miß, im jungen Lenz, Zum erstenmahl erblickte. Von nun an schwebt' ihr Götterbild, Im labyrintschen Tanze, Um seinen Blick, das Haupt umhüllt Mit einem Blumenkranze.
Bald schwatzt er ihr von Liebe vor, Von Martern, und von Schmerzen. Und sie? sie widmet ihm ihr Ohr, Nebst einem Platz im Herzen. Nun fühlt der Jüngling sich, und brennt, Die Schöne glüht nicht minder, Doch, ach, das Meer der Helle trennt Die beyden armen Kinder.
Er hatte, leider, keinen Kahn, Drum schwamm er durch die Fluthen, Was noch kein Amadis gethan, Wenn Hayn und Fluren ruhten. Ein schattenvoller Myrthenhayn Verhüllte ihre Küße, Und tausend andre Tändeleyn In grüne Finsterniße.
Was sie sich Zärtliches gesagt, Das wißen nur die Plätze, Wo sie manch Stündchen zugebracht, Am flüsternden Geschwätze Des Bachs. Sie fühlten Cypris Sohn, Indeß die Gegend lauschte, Und ihrer Küße Silberton Den Schattenwald durchrauschte.
Kurz, sie beschloßen dieses Spiel, Geschaffen zum Ergötzen, Das ihnen ziemlich wohl gefiel, Hinführo fortzusetzen. Leander schwamm, die Schöne saß Am Ufer, voll Verlangen, Den Liebling, wär er noch so naß, Zu küßen, zu umfangen.
Sie wies ihm, mit erhobner Hand, Ein Lichtgen in der Ferne, Wenn Nacht sich um das Mondlicht wand, Und um den Glanz der Sterne. Er folgte dann dem Lichtstral nach. - Doch Aeols Höhlen senden Einst Stürme, und die reißen, ach, Das Licht ihr aus den Händen.
Nun öfnet sie den Rosenmund Zu Seufzern und zu Klagen, Der Königin von Amathunt Ihr Herzeleyd zu sagen. Umsonst! die Göttin spielte just, Sie hatte gute Karten, Und spürte folglich keine Lust Der Hero aufzuwarten.
Das arme Kind! Ihr Seufzen schallt Umher, ein Thränenregen Quillt ihr vom Aug. Indeßen wallt Ein Leichnam ihr entgegen. Leander ists, er schwimmt erblaßt Zum Ufer, bange Scene! Ein kalter Todesschauer faßt Die Brust der jungen Schöne.
Denn jetzt entschleyert Luna sich Von Wolken, und enthüllet Der Hero, die am Ufer schlich, Mit Traurigkeit erfüllet, Leanders Tod. Sie spricht kein Wort, Stürzt rauschend in die Wogen, Und ihre Seele flattert fort, Dem schönsten Leib entzogen.
Acktaeon
Romanze
Auf einem alten Rittersitz, Den seine Ahnen sich erlasen, Regierte einst Herr Acktaeon, Ein Wütrich gegen Hasen.
Erstaune Nachwelt, welch ein Geist Herr Acktaeon gewesen! Er konnte schon im zwölften Jahr Den Abendseegen lesen.
Mama zerfloß in Freude schier, Als ihm von seinem Bogen Tief in des schönsten Fuchses Herz Die ersten Pfeile flogen.
Papachen lobte sein Talent, Und pflegte oft zu sagen, Dies Söhnchen sey ihm sicherlich Nicht aus der Art geschlagen.
Er sollte Fräulein Adelheid In wenig Wochen freyen. An ihrem Busen dacht er sich Der Liebe recht zu weyhen.
Du armer Junker Acktaeon! Die Grausamkeit der Götter Versagt dir ihren Necktarkuß, Und Hymens Myrthenblätter.
Ihm winkte einst ein Silberbach, Der durch ein Wäldchen hüpfte, Als er ermattet von der Jagd In kühle Schatten schlüpfte.
Er trippelt hin, und staunt zurück - Napaeen, Oreaden, Und selbst Dianen sah er sich In diesem Bache baden.
Die Damen wurden feuerroth, Und sanken rauschend nieder. Mit beiden Händen tappten sie Nach ihrem Rock und Mieder.
Diana aber, Wuth im Blick, Nahm Waßer, und besprützte Den Junker, dem die Lüsternheit Aus beiden Augen blitzte.
Man seh einmahl! Ein Hirschgeweyh Von mehr als sechzehn Enden Bekrönt sein Haupt; ein braunes Fell Umhüllet seine Lenden.
Mit langen Beinen setzet er Durch Büsche und durch Hecken, Gafft furchtsam um sich her, und will Im Walde sich verstecken.
Er tanzet seufzend durch den Hayn; Hier liegen seine Hunde; Die springen zu, und tödten ihn Durch manche tiefe Wunde.
Apoll und Daphne,
eine Romanze
Apoll, der gern nach Mädchen schielte, Wie Dichter thun, Sah einst im Thal, wo Zephyr spielte, Die Daphne ruhn.
Er nahte sich mit Stutzertritten; Kein Reh flieht so, Als Daphne, die mit Zephyrschritten Dem Gott entfloh.
Sie flog voran, Apollo keuchte Ihr hitzig nach, Bis er das arme Ding erreichte, Am Silberbach.
Da rief sie, rettet mich, ihr Götter! Die Thörin die! Zeus winkte - starre Lorbeerblätter Umflogen sie.
Ihr Füßgen, sonst so niedlich, pflanzte Sich plötzlich fest Tief in der Erde. Gaukelnd tanzte Um sie der West.
Apollo klagte ganze Stunden Am Lorbeerbaum, Hielt ihn mit festen Arm umwunden, Stand, als im Traum.
Er lehnte seine feuchten Wangen Ans grüne Holz, Jüngst eine Nymphe, sein Verlangen, Der Nymphen Stolz.
Er girrte noch ein Weilchen, pflückte Nun jenen Kranz, Der seine blonde Scheitel schmückte, Bey Spiel und Tanz.
Du arme Daphne! Tausend pflücken Nun Kränze sich, Von deinen Haaren, sich zu schmücken, Du dauerst mich!
Die Krieger und die Dichter hausen In deinem Haar, Wie Stürme, die den Wald durchbrausen; Die Köche gar.
Ja, ja, die braunen Köche ziehen Dir Locken aus, Zum lieblichen Gewürz der Brühen, Beym fetten Schmaus.
Laßt euch dies Beyspiel, Mädchen! rühren, Das Warnung spricht, Und flieht, so lang euch Reize zieren, Den Jüngling nicht.
Clytia und Phoebus,
eine Romanze
Miß Clytia, das schönste Kind, Cytherens Ebenbild, War, wie die Mädchen alle sind, Mit Liebe stets erfüllt.
Sie liebte ihres Nachbars Sohn, Weil man doch lieben muß, Im bunten Flügelkleide schon, Und gab ihm manchen Kuß.
Wie war die Freude doch so groß, Die ihre Brust durchglitt, Wenn er auf seinem Steckenroß, Vor ihrem Fenster ritt!
Die gute Jungfer sah einmahl Den Phoebus, welcher sich Nicht selten aus dem Himmel stahl, Und zu den Nymphen schlich.
Sie kramte ihren Busen aus, Doch Phoebus, wie es hieß, Zog seine Stirn beständig kraus, So oft sie Reize wies.
Satyrisch sah er auf sie hin, Mit Hohn im Blick, und sprach, Entflieh, du kleine Buhlerinn, Schleich Erdensöhnen nach.
Dies niederschlagende Gebot, Erschütterte sie tief, Und machte, daß ein lichtes Roth Durch ihre Wangen lief.
Von Liebesschmerzen aufgezehrt, Ward endlich Clytia Zur Sonnenblume. Hingekehrt Gen Himmel stand sie da.
Mit liebetrunkner Miene lacht Sie ihren Phoebus an, So bald der junge Tag erwacht, Und schauet himmelan.
Sie blickt ihm nach, wenn er am Saum Des Abendhimmels blinkt, Bis er trübröthlicht in den Schaum Des Oceans versinkt.
Der Gärtner an den Garten im Winter,
eine Idylle
In Silberhüllen eingeschleyert Steht jetzt der Baum, Und strecket seine nackten Äste Dem Himmel zu.
Wo jüngst das reife Gold des Fruchtbaums Geblinket, hängt Jetzt Eiß herab, das keine Sonne Zerschmelzen kan.
Entblättert steht die Rebenlaube, Die mich in Nacht Verschloß, wenn Phoebus flammenathmend Herniedersah.
Das Blumenbeet, wo Florens Töchter In Morgenroth Gekleidet, Wohlgeruch verhauchten, Versinkt in Schnee.
Nur du, mein kleiner Buchsbaum, pflanzest Dein grünes Haupt Dem Frost entgegen, und verhöhnest Des Winters Macht.
Mit Goldschaum überzogen, funkelst Du an der Brust Des Mädchens, das die Dorfschalmeye Zum Tanze ruft.
Ruh sanft mein Garten, bis der Frühling Zur Erde sinkt, Und Silberkränze auf die Wipfel Der Bäume streut.
Dann gaukelt Zephyr in den Blüthen, Und küßet sie, Und weht mir mit den Düften Freude In meine Brust.
Elegie eines Schäfers
Ihr Linden, die ihr meiner Hütte Kühlung gebt, Rauscht Klagen, und ihr milden Weste, Die ihr von Zweig zu Zweig auf leichten Flügeln schwebt, Schlüpft traurig durch das Laub der Äste.
Verbreite weit umher, o Nachhall, meine Quaal! Rollt eure krausen Silberwellen Mit hohlen Murmeln durch das bunte Veilchenthal, Ihr Wiesenbäche, und ihr Quellen. -
Melinde ist nicht mehr! Die Schöne liegt erblaßt, Rings um sie herrschet Todesstille. Ein finstres Grab, dort wo die Linde winkt, umfaßt Der schönsten Seele schönste Hülle.
Mit ihr ist meine Ruh, und die Zufriedenheit, Die mir die guten Götter gaben, Und die mein Leben mir mit Rosen überstreut, Tief in die Nacht der Gruft begraben.
Nun kleidet sich der Lenz für mich in Trauerflor, Den ich so oft mit ihr belauschte, Wenn er im Tulpenkranz erschien, indeß ein Chor Von Abendwinden um uns rauschte.
Dort ist der Rasensitz, wo ich an ihrer Hand Mich dem Gefühl der Freude weyhte, Wenn sich der Mond erhob, und durch des Hayns Gewand Hellblitzend Silber streute.
Durch jene Blumen, die mit Regenbogenglanz Stolzieren, schlüpften ihre Füße So oft, dort wand sie mir den schönsten Blumenkranz Um meine Stirn, und gab mir Küße.
Sie waren doch so süß! Noch süßer als der Duft, Der aus der Rosenknospe quillet. Und allen diesen Reiz verschließet jene Gruft, Die itzt der May in Blumen hüllet!
Wiegenlied, an ein Mädchen
Noch schlinget dich die süße Ruh In ihren Arm. Vergnügt, Mein kleines Püppchen, schlummerst du, Wenn dich die Amme wiegt.
Auf deinen Wangen keimet schon Ein sanftes Morgenroth, Das, wenn 12 Lenze dir entflohn, Mit schönen Feßeln droht.
Um deine jungen Blicke schwebt Ein Lächeln, welches bald Dem Stutzer goldne Netze webt, Der dir entgegenwallt.
Dann öfnen hundert Fenster sich, Wenn du am Fenster stehst, Und Blick auf Blick verfolget dich, Wenn du zur Kirche gehst.
Man lobt, von warmer Lieb entbrannt, Bald deinen kleinen Fuß, Bald dein Gesicht, bald deine Hand, Und wünscht sich deinen Kuß.
Du aber, holder als der May, Der sich in Blüthen hüllt, Mein Püppchen, bleib der Unschuld treu, Die jetzt dein Herz erfüllt.
Es wimmre der Insektenchor Des Stutzervolks sich heisch! Leih nie dein jungfräuliches Ohr Dem summenden Geräusch.
Die Tugend, die der Himmel minnt, Schätz über Gold und Rang. Dann sing ich dir, mein schönes Kind, Noch einst den Brautgesang.
Klagen einer Nonne
Der Flora junge Rosenhand Bestreuet jetzt die Flur Mit Kränzen, und ein bunt Gewand Umhüllet die Natur.
Nur nicht für mich! Mir wallt vom Thal Kein Wohlgeruch empor. Mir tönt das Lied der Nachtigall Nur Klagen in mein Ohr.
Mit Fittigen der Mitternacht Irrt die Melancholey Um mich herum. Kein Lenztag macht Mich von dem Kummer frey.
Selbst an des heilgen Altars Fuß, Werf ich oft einen Blick In jene Zeit, da Damons Kuß Mir Himmel war, zurück.
Beym Paternoster seufze ich Die Worte himmelan, Erhöre, heilge Jungfrau, mich, Und schenk mir ihn zum Mann.
Um meine Augenlieder schleicht Der süße Schlaf nicht gern; Oft sieht, wenn schon die Nacht entweicht, Mein Leid der Morgenstern.
Stets schwebt mir meines Damons Bild Vor Augen, der die Luft Mit lauten Trauertönen füllt, Und meinen Namen ruft.
Vergebens ruft! Nie werd ich ihn, Den treuen, wiedersehn, Nie mit ihm, wenn die Bäume blühn, Durch Schattenhayne gehn.
Nein, trauern werd ich, bis der Arm Des Grabes mich umfaßt, Wenn du o Schwermuth, und du Harm Mich aufgezehret hast.
Elegie auf eine Rose
Die schönste Rose, die der Lenz gebar, Und Zephyr küßte, liegt Mit welken Busen, mit zerstreuten Haar Am Boden, und zerfliegt.
Ihr, die, mit voller Wang', am Morgenroth Die Schwestern überstrahlt, Ihr hat jetzt, da der Tag entflieht, der Tod Die Wange bleich gemalt.
Entpurpert liegt sie da! Der Schmetterling, Der, als ihr Reiz begann, Voll Lüsternheit an ihrem Busen hieng, Blickt ihren Rest kaum an.
Der West, der ihr so oft, von Lieb' erhitzt, Manch süßes Küßchen stahl, Der lose Flatterer, verläßt sie itzt Und tändelt durch das Thal.
Du duftetest an keines Mädchens Brust, In keines Mädchens Haar, Du arme Rose, die der Flora Lust, Der Neid der Schwestern war!
Von einem Wirbelwind ringsum bestürmt, Sank sie zur Erde hin, Als Donner sich am Himmel aufgethürmt, Lyäens Lieblinginn.
Kein Amor bettet je in ihren Schooß! - Selinde kam, und sprach, Indem ein Thränchen ihr vom Auge floß, Das schöne Blümchen, ach!
Narciß und Echo,
eine Romanze
Das Fräulein Echo sah einmal Den Ahnherrn der Narcißen, Der manches Jungfernherzgen stahl, In grünen Finsternißen, Sich einer Badequelle nahn. Stracks schielten Ihro Gnaden, Als sie den schönen Jüngling sahn, Nach seinen vollen Waden.
Der sechzehn Ahnen Dunst verschwand Gemach aus ihrem Hirne, Sie bot ihm buhlerisch die Hand, Wie eine Bürgerdirne. Narciß dreht ihr den Rücken zu, Und schreit ihr in die Ohren: Mamsellchen, laß sie mich in Ruh, Sie hat hier nichts verlohren.
Drauf schlich das Fräulein in den Wald, Ihr Leben zu verweinen, Sie starb, und ihre Stimme hallt Noch itzt in unsern Hainen. Doch soll sie, wie die Rede geht, Eh sie im Herrn entschlafen, Die Götter haben angefleht, Den Jüngling zu bestrafen.
Der letzte Seufzer ward erfüllt. Er sah in einer Quelle, Die silbern rann, sein eigen Bild, Und liebt' es auf der Stelle. Am Ufer lag er, wie behext, Und floß in Klagen über. Sein Pfarrer las ihm oft den Text, Mit vielem Ernst, darüber.
Was halfs? Narciß, der Starrkopf, blieb Bey seinen sieben Sinnen, Und lief, wie ein verjagter Dieb, Sein Gucken zu beginnen, Sobald die liebe Sonne schien, Zum Spiegel seiner Quelle, Und sah, bedeckt vom Baldachin Des Hains, in eine Stelle.
Er machte, wenn er nahe war, Verliebte Reverenze, Bot dem Phantom Geschenke dar, Bald Sträußer, und bald Kränze. Er reichte seiner Abgöttin Einst eine Purpurrose. Sie hielt ihm auch ein Röschen hin, Und lächelte, die Lose.
Sein Röschen fiel ihm in den Bach, Ich weiß nicht, wie's gekommen, Stracks fiel das andre Röschen nach, Doch kams nicht angeschwommen. Er gab dem Bache Kuß auf Kuß. So liebt' er, wie Poeten, Ein Ideal, fern vom Genuß Und den Realitäten.
Drauf macht' er, im Gehirn verrückt, Das Ding noch immer bunter, Und sprang, nachdem er gnug geguckt, Husch, in den Bach hinunter. Sein Name lebt, wie Doctor Duns In dicken Folianten, In einem Blümchen unter uns, Das Gärtner nach ihm nannten.
Stax
Nach dem Martial
Corinnen denkt Herr Stax, Corinnen, Denn weiter denkt er nichts, Vom Morgen an, bis zum Beginnen Des Mondenlichts. Als er einmahl vor einer Weile An seinen Vater schrieb, Schloß er den Brief mit dieser Zeile, Behalte mich, Corinna, lieb.
An einen Knaben
Wohl dir, dem noch der bleiche Mund Der Amme Lieder singt, Den noch der kleine Schlummergott In Schwanenarme schlingt.
Wohl dir, dein kleiner Busen kennt Den Flitterprunk der Welt, Und Amorn nicht, den losen Gott, Der schlaue Netze stellt.
Doch bald entfliegt, mit Adlerflug, Die süße, goldne Zeit, Die Tag und Nacht der sanfte Schlaf Mit Mohnlaub überstreut.
Dann plagt ein mürrischer Pedant Dein Köpfchen mit Latein, So sehr Mamachen auf ihn schmählt, Bis in die Nacht hinein.
Du fluchst dem ehrlichen Terenz Noch oft in seiner Gruft, Wenn er von deinem Steckenpferd Dich in die Schule ruft.
Du wünschest oft, wenn Cicero Dein süßes Spiel verrückt, O hätt er doch, der böse Mann, Das Tagslicht nie erblickt.
Ruh sanft, so lange dir das Lied Der Amme noch erschallt, Die süße Morgendämmerung Der Kindheit fliehet bald.
Der May
Der junge May erscheint, und streuet Gold, Und Azur in die Lüfte, Das Thal, besät mit Frühlingsblumen, zollt Den Zephyrn wieder Düfte.
Nun schlinget sich der Bach, vom kalten Band Des Eises loßgebunden, Die Flur hinab, den sammetweichen Rand Mit Kränzen rund umwunden.
In jedem Wellchen schwimmt Aurorens Bild, Wenn sie den Tag erwecket, Den ganzen Ost in ihren Purpur hüllt, Den Berg mit Gold bedecket.
Nun sinket Dämmerung und grüne Nacht Von jedem Wipfel nieder, Nun wirbeln, wenn der Abendstern erwacht, Der Nachtigallen Lieder.
Nun hüpft die Ruh, dort, wo das Quellchen schwätzt, Im aetherblauen Kleide, Mit ihrer Schwester, die der Erdball schätzt, Am Arme, mit der Freude.
Sie fliehn die Stadt, den goldenen Pallast, Und seine Marmorsäale Die Tafeln, die der weise Comus haßt, Die schäumenden Pocäle.
Sie tanzen durch die Blümchen ihren Reihn, Von Westen sanft gekühlet, Und um den Schäfer, der im Buchenhayn Auf seiner Flöte spielet.
O dreymahl glücklich, wer an ihren Arm Geschlungen, durch die Flächen, Voll Heerden, irrt, in Thälern, die kein Harm Beschleichet, an den Bächen.
Sein Geist ist ruhig, wie der Sommersee, Um den ein Wäldchen nicket, Wenn Luna von des Himmels blauer Höh Auf ihn herunterblicket.
Auf den Tod Sr. Exzellenz des Herrn Premierministers, Gerlach Adolph von Münchhausen
Welch eine Wolke, die kein Sonnenstral durchblinkt, Hängt sich um jedes Aug? Wem fließt die Zähre, die auf jeder Wange steht, Der Trauer Heroldin?
Dem edeln Greise, dem das Looß des Todes fiel, Münchhausen - Rinnt herab Auf seine Urne, wie der Thau vom Rosenstrauch, Er ist der Thränen werth!
Er, deßen Seele nie der Tugend sich verschloß, Der wie ein Genius, Auf diese Erdwelt kam, Glück um sich auszustreun, Verdienste zu erhöhn.
Er, der mit Wachsamkeit im Blick, am Ruder saß, Des Landes Wohlfarth wog, Den Flor der Städte hob, und Wonn' und Überfluß Auf die Gefilde rief.
Er, dem der Schlummer oft vom Augenliede wich, Wenn Er um Mitternacht, Die Seele auf das Wohl der Menschheit heftete, Und manchen Plan entwarf.
Er, der die Musen an die Leine winkte, Er, Der, wie Georg gebot, Mit Rosen ihren Pfad bestreute, manchen Kranz Um ihre Scheiteln wand.
Ihr Enkel, dankt es Ihm! Traur Ihn Georgia, Du, seine Lieblingin, Und rolle einen Schleyr um dein gesenktes Haupt, Er starb, dein Vater starb:
Beständig dachte Er dein Wohl, bis sich sein Geist Vom Staube loßwand, und Auf Engelschwingen durch der Sterne goldne Reyhn Zum Sitz der Gottheit flog.
Da erndtet Er die Frucht der großen Tugenden! Die Sterne unter sich, Schaut Er in eine Welt, die Er beseeligte, Mit heiterm Blick herab.
Die Nachwelt ehret Ihn, stellt Ihn zum Muster auf, Pflantzt sein Gedächtniß fort, Der Nachruhm schreibt sein Lob, mit goldner Flammenschrift, Ans Thor der Ewigkeit.
Augusta liebet Ihn, gräbt sein ehrwürdig Bild In ihren Busen, wirft Oft einen feuchten Blick, in jene Tage hin, Da Er ihr Schutzfreund war. -
Oft klagt noch eine Leyr, in Trauerton gestimmt, Um seine Urne, oft Durchfliegt sein Ruhm, vermischt mit Harfenklang, den Hayn, Und jeder Wipfel horcht.
Elegie auf eine Nachtigall
Sie ist dahin, die Maienlieder tönte, Die Sängerin, Die durch ihr Lied den ganzen Hain verschönte, Sie ist dahin. Sie, deren Lied mir in die Seele hallte, Wenn ich am Bach, Der durchs Gebüsch, im Abendgolde, wallte, Auf Blumen lag.
Sie schmelzete die Wipfel in Entzücken. Der Wiederklang Entfuhr dem Schlaf, auf blauer Berge Rücken, Wenn ihr Gesang Im Wipfel floß. Die ländlichen Schallmeien Erklangen drein, Es tanzeten die Elfen ihre Reihen Darnach im Hain.
Dann lauschten oft die jugendlichen Bräute, Auf einer Bank Von Rasen, an des trauten Lieblings Seite, Dem Zauberklang. Sie drückten sich, bey jeder deiner Fugen, Die Hand einmahl, Und hörten nicht, wenn deine Schwestern schlugen, O Nachtigall.
Sie lauschten, bis der Hall der Abendglocke Im Dorfe schwieg, Und Hesperus, mit silberfarbner Locke, Dem Meer entstieg. Und giengen dann, im Wehn der Abendkühle, Dem Dörfchen zu, Mit einer Brust voll zärtlicher Gefühle, Voll süßer Ruh.
Elegie auf einen Dorfkirchhof
(Keine Nachahmung des Gray, sondern nur eine Ausführung derselben Idee)
Mit dem letzten Schall der Abendglocke, Die den jungen Maytag Weinend jetzt zu Grabe läutet, wandle Ich in diese Schatten.
Vor mir schwimmt die bunte Frühlingslandschaft Schon im Dunkel; Luna Tritt entschleyert aus den Wolken, mischet In die Schatten Silber.
Wie die Königinn mit voller Wange Durch die Linde lächelt, Wo ich sitze, und die Epheuranken Dort am Kirchthurm malet!
Scene, welche vor mir lieget, gieße Wehmuth mir zum Busen! Süße Ruhe schlinget hier die Arme Um des Landmanns Urne.
Welch Gemisch von grünen Leichenhügeln! Gelbe Blümchen breiten Teppiche darüber, wilder Wermuth Ueberragt die Hügel.
Flittergold und rothe Bänder rauschen Von den schwarzen Kreuzen, Welche Gräber zeichnen, wo ein Jüngling, Wo ein Mädchen schlummert.
Am Geschwätz des Baches, auf den Matten Flogen ihre Füße Oft im Tanze, wenn ein alter Bergmann Auf der Cyther spielte.
Mit dem Blumenstrauße vorn am Busen Hüpfte dann das Mädchen Durch die Veilchen. Junger Buchsbaum nickte An des Jünglings Hute.
Sie umtanzten, wenn die blanken Sicheln Nicht mehr in den Furchen Rauschten, ihren Aerntekranz, und sangen Ihres Herzens Regung. -
Graue Leichensteine ragen einzeln, Rund mit Moos bewachsen, Und mit Todtenköpfen, Stundengläsern, Engeln ausgeschmücket.
Keine Inschrift, die von Ordensbändern, Langen Ehrentiteln, Die von Ahnen und von Würden strotzet, Rufet hier den Wandrer.
Wenig Zeilen, die den grauen Sandstein Ueberfüllen, melden Wer hier ruhet: Greise, treue Väter, Tugendhafte Mütter.
O was nützt der Marmor? Schläft man etwan Einen süßern Schlummer Unter Ehrensäulen, als der Landmann Unter seinem Rasen? -
Diese kleinen Leichenhügel decken Kinder. Eh' die Knospe Ihrer Kindheit sich entfaltet, wurden Sie des Grabes Beute.
Auf den goldnen Schlüßelblumenglocken, Die die Gräber kränzen, Blinken oft die Zähren ihrer Mütter; Warme, treue Zähren!
Sie verhüllen - o die guten Mütter! - Oft die feuchten Augen In die Schürze, wenn sie wider Willen Diese Hügel sehen.
O die guten Kinder! Sie durchhüpften Oft den Garten, flochten Sich von jungen Gänseblumen Kronen, Kränzten ihre Haare.
Frölich raubten sie dem Vater Küße Von den braunen Wangen, Wenn er sie, voll Zärtlichkeit beym Heerdfeu'r, Auf den Knieen wiegte. -
O ihr Blümchen und ihr Wermuthstauden, Deckt oft beßre Herzen, Größre Geistesgaben, als der Marmor Mit der Heroldsstimme.
Mancher, deßen keimende Talente Nie zur Reife kamen, Ruht vielleicht hier unter diesen Kreuzen, Unter diesen Rasen.
Mancher, der mit kühnen Saitengriffen, Feuer in der Seele, Dich, o Tugend, dich, o Blumengeber, Lenz, besungen hätte!
Schlummert sanft, ihr frohen Dorfbewohner, Hier um eures Tempels Gothisches Gebäude! Winkt, ihr Gräber, Mir oft süße Schwermuth!
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