Hölty

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Inhalt

Biografie

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          Die Knabenzeit

Wie glücklich, wem das Knabenkleid
Noch um die Schultern fliegt,
Wem lächelnde Zufriedenheit
Den jungen Busen wiegt.

Der Kräusel, und das Steckenpferd,
Auf dem er herrisch sitzt,
Das hölzerne Husarenschwert
Belustigen ihn itzt.

Den Ball, des Knaben Busenfreund,
Der durch die Lüfte rollt,
Sobald der Blumenmond erscheint,
Vertauscht' er nicht um Gold.

Nie mahlt der Harm, die Pest der Welt,
Sein blühendes Gesicht,
Als wenn sein Ball ins Waßer fällt,
Als wenn sein Schwert zerbricht.

Er hüpfet oft, vom Schweiße naß,
Den halben Sommertag,
Im Garten, durch das bunte Graß,
Den Schmetterlingen nach.

So spielt er, bis das Mittagsbrodt
Ihn in die Stube winkt,
Und tändelt, bis das Abendroth
Durch Silberwolken blinkt.

Vergnügen hüpft um ihm herum,
Wenn Morpheus Mohn verstreut,
Er tanzet in Elisium,
Beglückte Knabenzeit!


              An den Abendstern

Hesper, mit dem goldnen Lockenhaare, blinket
Schon am rothgemahlten Abendhimmel, winket
Schon den Jüngling und das Mädchen in den Hayn,
Treuen Küßen sich zu weyhn.

Küßen, die so lieblich durch die Dämmrung rauschen,
Daß die Waldgöttinnen wonnetrunken lauschen,
Nach dem Jüngling schielen, voll von Lüsternheit,
Nach dem Mädchen, voll von Neid.

Wie die treuen wandeln, Arm in Arm geschloßen,
Durch die mondbeglänzten Schatten, ganz zerfloßen,
In Entzückung, die den Busen mächtig hebt,
Und in jeder Ader bebt.

Duftet süßer, wo sie wandeln, Frühlingsrosen,
Deren junge Busen Abendlüftgen kosen,
Lispelt Bäche, die durch Blumenthäler fliehn,
Angenehmre Melodien.

Gieße hellre Zaubereyen aus der Kehle,
Kleiner süßer Vogel, liebe Philomele,
Lächle durch das Laubgewölbe, Hesperus,
Reizender, bey jedem Kuß.

Seelig, welchen Hesper, wenn der Tag entfliehet,
Mit der Lieblingin im Hayne wandeln siehet,
Seeliger als jener, der aus Golde trinkt,
Und von Edelsteinen blinkt.

Seeliger als jener, der in fremden Zonen
Reichthum suchet, als ein Herr von Millionen,
Deßen Kasten, der sein Gold und Herz verschließt,
Seines Busens Abgott ist.


     Elegie auf einen Stadtkirchhof

Hespers Lampe funkelt schon im Westen,
Abendlüftchen buhlen
Mit den Wiesenblumen, mit den Büschen,
Die der Frühling röthet.

Zephyr scherzet mit des Mädchens Busen,
Das der Stadt entfliehet,
Und am Arme eines bunten Stutzers
Durch die Wiese gaukelt.

Gaukelt nur, ihr bunten Schmetterlinge!
Andre Scenen laden
Mich zur Grotte, wo die Schwermuth lauschet,
Der Betrachtung Mutter.

Wie der Fackeln goldne Locken wallen!
Wie der Leichenwagen
Durch das Stadtthor rollet! Wie die Wehmuth
Aus den Augen träufelt!

Mische dich, o Muse, in die Reihen,
Die der Bahre folgen,
Wandle auf den Kirchhof, wo der Städter
Unter Marmor schlummert.

Weile bey den goldnen Mausoläen,
Bey den Aschenkrügen,
Die den Vorhang vor die bunte Scene
Dieses Lebens ziehen.

Rosenwangen liegen hier im Arme
Der Verwesung, Hände,
Die so schön den Fächer schwangen, Füße,
Wie des Windes Flügel.

Arme Schönen! wo sind nun die Grübchen,
Wo die Scherze saßen
Und die Herzen raubten, wo Gott Amor
Seine Pfeile spitzte?

Moder naget an dem schönen Schleyer,
Den ein Geist bewohnte,
Der nur Moden, Opern, Aßambleen
Und Redouten dachte.

Nacht verschließt die großen blauen Augen,
Deren Blick den Himmel
Oefnete, die schmelzende Entzückung
In die Seelen blitzten.

Zauberische Augen! Sie erblickten
Nie die Morgenröthe,
Hiengen lieber an der goldnen Weste,
Als an Frühlingsblumen.

Auch der bunte Schmetterling, der Stutzer,
Der die kleine Spanne
Seines Lebens durchgeflattert hatte,
Hört hier auf zu flattern.

Todesschlummer sitzt auf seiner Scheitel,
Die er jeden Morgen
Mit Romanenscherzen, seine Schönen
Zu bezaubern, füllte.

Welch Gewühl von Hügeln! Wollüstlinge,
Deren Blumentage
Lauter Spiele, lauter Scherze waren,
Ruhen unter Wuchrern.

Lieblinge Lyäens, welche Rosen
Um die Becher wanden,
Ruhen unter Krämern und Pedanten,
Unter Waßertrinkern.

Dummheit schlummert bey Talenten, Reichthum
Bey dem Bettlerstabe,
Freude, deren Herz sich auf der Stirne
Malet, bey der Schwermuth.

Wie sich jene Marmorsäule brüstet,
Die vielleicht die Asche
Eines Harpagon mit Pomp bekleidet,
Der nur Münze zählte.

Staunend gafft der Pöbel nach der Säule,
Nicht nach jenem Hügel,
Dort im Winkel, den ein blauer Teppich
Von Violen kleidet.

Sey gegrüßt, du Hügel, wo ein Liebling
Der Kamönen ruhet,
Der den Busen oft durch seine Laute
In Entzückung schmelzte.

Seine Laute tönte durch die Dämmrung,
Wenn der junge Morgen,
Mit dem goldnen Kleide, mit den Rosen
Um die Stirn' erwachte.

Welche Freude, wenn in jeder Perle,
Die am Wipfel klebte,
Eine kleine Morgensonne blitzte,
Schlug in seinem Busen!

Hingegoßen auf den Blumenteppich,
Sah er, wie die Wellen
Plätschernd mit den bunten Kieseln scherzten,
Die den Boden deckten.

Einsam schlich er durch die Lindengänge,
Wenn die Sterne glänzten,
Und der Mond den Saum der grünen Schatten
Uebergoldet hatte.

Klaget ihn, den guten Hainenwandler,
Espenwipfel! Wieget
Eure lauen Flügel, Sommerlüftchen,
An dem frommen Hügel!

Mädchen, wenn ihr seinen Hügel sehet,
Pflücket eine Blume
Mit den Perlen, die an ihrem Busen
Hangen, von dem Grabe.


           Hymnus an die Morgensonne

Dämmrung kleidet den Hayn in ihr graues Gewand,
Und die Kerzen der Nacht, die den Himmel beglänzt,
Legen den Schleyer an, den der kommende Tag
Rings um alle Gestirne webt.

Schweigen herrschet umher, nur posaunet der Hahn
Seinen Morgengesang, und erwecket das Dorf,
Und erwecket den Tag, der sein graulichtes Aug
Schon allmählig zu öffnen beginnt.

Welche Nymphe besteigt itzt das rothe Gewölk,
Mit der Krone von Gold? Rosen bekränzen ihr Haar,
Wo die Göttliche geht, keimen Blumen hervor,
Füllen Balsamgerüche die Luft.

Sie bemahlet den Ost. Ists Aurora? Sie ists,
Sie, die Bothin des Tags! Freude tanzet ihr vor,
Heller wirbelt der Hayn, lauter gurgelt der Bach,
Durchs Gewinde des Veilchenthals.

Sie bestreuet die Bahn, welche die Sonne betritt,
Schon mit röthlichten und mit goldenen
Blumen, wandelt voran, mit dem Körbchen am Arm,
Den ihr Flora mit Rosen gefüllt.

Sonne, was harrest du? Wandle der Schwester nach,
Die ihr Körbchen bereits ganz von Blumen geleert,
Geh aus deinem Gezelt, Mutter des Tags! hervor,
Und befunkle den Silberbach.

Sie zerreißet den Schleyr, der ihr Auge verhüllt,
Zeigt die blitzende Stirn, hebt ihr funkelndes Haupt,
Welches die goldenen Locken umfliegen, empor,
Blicket Munterkeit über die Flur.

Heil dir, Mutter des Lichts! Sie beschimmert den Hayn,
Der, am Fittig des Winds, auf dem Gebirge nickt,
Prägt ihr lachendes Bild in den Spiegel des Bachs,
Röthet die Busen des Blumenvolks.

Wie der Puls der Natur itzt so jugendlich klopft!
Wie des Waldes Musik von den Wipfeln ertönt!
Wie die Blume stolziert, und ihr seidenes Kleid
In vergoldeten Purpur taucht!

Durch dein Lächeln erweckt, Wolkenbewandlerin!
Schreitet der rege Fleiß durch das Aehrengefild,
Mengt das Sichelgeräusch, und ein fröhliges Lied,
In das Morgengeflüster des Hayns.

Langsam wandelt der Hirt, und der Schäfer aufs Feld,
Über den Morgenthau, welcher den Blumen entrollt,
Spielt auf seiner Schalmey süße Zufriedenheit,
Und begrüßet den jungen Tag.

Fröhlich steht er am Bach. Um ihn tanzet die Ruh
Durch der Blumen Gewühl, hüpfet im Sonnenschein
Jedes zitternde Blat, welches Entzückung spricht,
Flüstert Vergnügen in seine Brust.

Wär ich Schäfer, wie er! könnt ich am Bache ruhn,
Wenn die Sonne dem Schoos rother Wogen entsteigt,
Und ihr funkelndes Bild in den Wellchen des Bachs,
In den Perlen der Wiese sehn!

Dir, o Mutter Natur, klänge mein Harfenspiel!
Seeliger wär ich dann, als ein Harpagon ist,
Dem ein Kasten voll Gold, und ein Busen voll Sturm,
Vom Geschicke zum Loose fiel.


               Hymnus an den Mond

Freundlich ist deine Stirn', helles Auge der Nacht,
Weiß bekleideter Mond, lächelnd ist deine Wang',
Holder Wolkenbewandler,
Der die silberne Fackel schwingt.

Ruhe hüpfet dir vor. Wie der Pflüger frohlockt,
Wie der Schnitter frohlockt, wenn er hinter dem Hain,
Dich, am Saume des Himmels,
Mit der blinkenden Kerze sieht!

Frölich wandelt er heim, mit der Sichel am Arm,
Singet ein Schnitterlied. Du beflimmerst indeß
Seine blitzende Sichel,
Seinen nickenden Aerntestraus.

Röthlicht ist deine Wang', purpurfarben dein Kleid,
Wenn du, Rosen ums Haar, deine Grotte verläßt,
Und den östlichen Himmel,
Mit der Miene voll Lächeln, besteigst.

Silberfarben dein Kleid, wenn du vom hohen Gewölb'
Deines Himmels, die Stadt und das Dörfchen beschaust,
Das ein nickendes Wäldchen
In die wirthlichen Arme schlingt.

Du bist reizend, o Mond, wenn du, lächelnder Gott,
Durch das blaue Gefild, im Gewande von Licht,
Deine Tritte beflügelst
Und die Säume der Schatten färbst.

Minder reizend, doch schön, wenn du hinter dem Schirm
Regnichter Wolken stehst, und den sinkenden Kranz
Von verfärbten und welken
Blumen um deine Schläfe webst.

Welch ein freundlicher Gott! Wie er sein Fackellicht
Unter die Schatten des Hains und der Gesträuche mengt,
Wie er den silbernen Teppich
Ueber die Scheiteln der Hügel wirft!

Wie er vom Himmel herab sich im Bache besieht,
Manchen goldenen Streif auf die Gewäßer malt,
Manches goldene Sternchen
Auf die hüpfenden Wellen streut!

Welch ein wohlthätiger Gott! Zünde die Fackel an,
Ruft der liebende Hirt, leuchte mich durch den Wald,
Wo mein reizendes Mädchen
Meinen Schritten entgegen lauscht.

Zünde die Fackel an, fleht das Mädchen, o Mond,
Und beglänze den Pfad, wo mein Geliebter irrt;
Und du zündest die Fackel
Hinter dem Kranze von Hügeln an.

Frölicher wandelt er nun durch das krause Gebüsch,
Welches dein Licht verbrämt, durch den dämmernden Hain,
Seinem Mädchen entgegen,
Das beym Lispeln des Baches sitzt.

Immer reizest du mich, freundliches Auge der Nacht,
Wenn du dem Ost entsteigst, und im rothen Gewand
Hinter dem Walde hervorgehst,
Oder im grauenden Westen sinkst.

Immer reizest du mich, wenn du durch das Geweb',
Das der Lindenbaum webt, lächelnde Blicke wirfst,
Oder Edelgesteine
Ueber die blendende Schneeflur streust.

Schon als hüpfender Knab', ehe der Bardenkunst
Funken in mir entglomm, saß ich am Wiesenbach,
Und beschaute dein Antlitz
Mit verschlingenden Wonneblick.

Wie romantisch die Flur meinen Blicken erschien!
Elfen, mit Veilchen bekränzt, tanzeten Reihentanz
Durch die silberbesäumten
Wankenden Schatten des Eichenhains.

Sie bemalten die Flur mit dem heitersten Grün,
Goßen, mit kleiner Hand, Perlen und Silberstaub
In die Locken der Blumen,
Und entfalteten ihre Brust.

Heller blinkte der Mond! Schauer ergriff mein Haar,
Klopfte mit leisem Schlag an mein jugendlich Herz.
Mitternacht sank indeßen
Auf den schlummernden Eichenhain.


                 An eine Quelle

Heil dir, o Bach, der durch die grünen Netze,
Gewebt von Haselstauden, fließt,
Und durch die Flur, mit frölichem Geschwätze,
Die volle Silberurne gießt.

Der junge Lenz bemale dein Gestade
Mit Regenbögen, lieber Bach:
Stets wähle dich das schönste Kind zum Bade,
Und dein Gebüsch umher zum Dach.

Hier ist der Platz, wo jüngst der erste Funken
Der Lieb' in meinen Busen sank,
Wo jüngst mein Geist, so wonnevoll, so trunken,
Den ersten süßen Taumel trank.

Verdecket vom Gebüsch, saß ich und blickte
Zum andern bunten Ufer hin,
Wo Chloe saß und Mayenblumen pflückte,
Gleich einer jungen Huldgöttin.

Das Abendroth vergoldete die Hügel,
Die falbe Dämmerung umzog,
Wie da mein Geist, auf der Entzückung Flügel,
Fern über alle Himmel flog.

Wie schlug mein Herz! Wie warf ich durch die Decken
Der grünen Zweige Blick auf Blick!
Nichts konnte mich aus meinem Rausche wecken,
Nie wich mein Aug' von ihr zurück.

Ich träumte mich in goldne Paradiese,
Sah Nektar und Elysium
Statt meines Bachs, statt meiner bunten Wiese,
Um meinen trunknen Blick herum.

So saß sie lang auf Mayenblumenglocken,
Grub mir ihr Bild in meine Brust,
Und band mein Herz an ihre blonden Locken.
Wie schwamm ich nicht im Meer von Lust!

Wie lieb' ich dich, o silberweiße Quelle,
Wo Chloe unter Blumen saß
Und mit der Hand, so weiß wie deine Welle,
Die schönsten Frühlingsblümchen las.


   An die platonische Liebe

Dir, o Liebe, schallet meine Laute,
Die dem Plato, den sie sich erlas,
Rosenhütten am Ilißus baute,
Mit ihm in den Hütten saß,

Unter Valchiusens Lorbeerschatten,
Taumel über dich, Petrarca, goß,
Bald am Bache, bald auf bunter Matten,
An den Schwanenbusen schloß.

Die der Seele neue Flügel leihet,
Sie in heilge Phantasien wiegt,
Zum Genuß der Götterfreuden weihet,
Und mit ihr gen Himmel fliegt.

Ihr die goldne Himmelsthür entschließet,
Sie dem Engelchor entgegenführt,
Das sie Schwester, und Gespielin grüßet,
Und mit Palmenkronen ziert.

Sorgen, die sich in die Seele stahlen,
Mit der Wurzel aus der Seele reißt,
Tausend übervolle Taumelschaalen
Durch ihr Innerstes ergeußt.

Jeden Keim des Lasters niederdrücket,
Jeden Keim der Tugenden enthüllt,
Sanftmuth, Unschuld in die Herzen blicket,
Und der Gottheit Ebenbild.

Wie der Jüngling, voll Begeisterungen,
In dem Feuer deines Taumels glüht,
Der, an seines Mädchens Arm geschlungen,
Dich auf Purpurwolken sieht!

Wonnebilder gleiten, auf den Schwingen
Der Entzückung, durch den Hayn dahin,
Engel, die zu goldnen Harfen singen,
Kränzen seine Schäferin.

Alles freuet sich des Götterkindes,
Süßer lispelt jedes Buchenblat,
Milder weht der Hauch des Abendwindes,
Der ihr Haar gefächelt hat.

Götter tanzen mit ihr durch die Fluren,
Seelge Geister folgen jedem Schritt,
Neue Blumen wehen in den Spuren,
Die das holde Mädchen tritt.

Heller wird die Luft um ihre Wangen,
Von den Engelharfen, welche nie
Süßer in den Lauben Gottes klangen,
Strömt ein Strom von Melodie.

Liebe, Mutter holder Schwärmereyen,
Die das Herz zu Gott zu heben weiß,
Lächle mir den Wintermond zum Mayen,
Streue Blumen auf das Eis.

Welch ein Himmel um mich! Laura wallet
Durch die weißbereifeten Alleen.
Heil mir! Aus den todten Wipfeln schallet
Überirrdisches Getön.

Vögelchen erwachen aus dem Schlafe,
Kräuter keimen auf, der West erwacht,
Durch die bunten Kräuter hüpfen Schafe,
Alles freut sich, alles lacht.

Sie verläßt, mir einen Gruß zu nicken,
Itzt die Lindengänge, wo sie schlich.
Welche Himmelsfreude, welch Entzücken,
Götter, überströmet mich.


             Das Landleben

    Flumina amem silvasque inglorius.

Schön ist die Flur, mit Perlen überhangen,
Worin das Bild der Sonne strahlt,
Schön ist das Volk der Blumen, deren Wangen
Die Abendröthe mahlt.

Schön ist das Thal, und die beblümte Weide,
Wo manche Wollenheerde geht,
Sobald der Tag, im purpurrothen Kleide,
Auf den Gebirgen steht.

Schön ist der Hayn, der einen grünen Schleyer
Von Dämmrung um die Hirtin zieht,
Wenn Sirius die Luft beherrscht und Feuer
Aus ofnem Schlunde sprüht.

Schön ist der Bach, der plätschernd durchs Gewimmel
Der Blümchen, das ihm Reize leyht,
Die Wellchen rollt, wenn ihn der Abendhimmel
Mit Purpur überstreut.

Der Garten, den ein Hayn voll Apfelbäume
In seine grünen Arme schlingt,
Wie reizt er nicht! Wie strömen nicht die Reime,
Wenn hier ein Dichter singt!

Ein jedes Kind der bunt bemahlten Flore
Ergießt hier einen Strom von Duft,
Und lacht dem Tag entgegen, den Aurore
Aus Thetis Armen ruft.

Hier wirbelt, wenn der Abendstern im Westen
Den Saum des Horizonts besteigt,
Die Nachtigall, und klaget auf den Aesten,
Bis Phöbus sie verscheucht.

Wie lieb ich dich, du Flur nach meinem Herzen,
Wo blühende Gesundheit thront,
Wo alles scherzt, wie Sommerlüftgen scherzen,
Wo noch die Tugend wohnt.

Du bist mein Wunsch, o Hayn, voll Rasenbetten,
Durch den ein Bach die Urne gießt,
Nicht Gold, das dich, o Geiz, mit Sklavenketten,
An deinen Kasten schließt.

Nimt mich ein Thal, vom silbernen Geschwätze
Des Bachs durchflüstert, in den Schooß,
Webt der Jasmin um meine Lauben Netze,
Wie glücklich ist mein Looß!

Der Abend sieht mich oft in meiner Laube,
Wenn ich dem Thomson und Virgil,
Der Biene gleich, die süßen Schätze raube,
Ganz Wollust, ganz Gefühl.

Ruft einst der Tod mich weg von meinem Hügel,
Von meiner Flur, ich zittre nicht,
Er kommt als Freund, giebt meiner Seele Flügel,
Giebt ihr ein Kleid von Licht.

Er führet mich in Gegenden voll Wonne,
Wo mit der Flora Hand in Hand
Der Frühling hüpft, und eine mildre Sonne
Die Dunkelheit verbannt.

Dann seufzt der West, wenn er die Blümchen küßet,
Die meinen Hügel überziehn,
Die Nachtigall, wenn sie den Freund vermißet,
Tönt Trauermelodien.


Ebentheuer von einem Ritter, der sich in ein Mädchen verliebt,
und wie sich der Ritter umbrachte


                       1.

Ein Mann mit einem Ordensband,
Der Ritter Hardiknut,
Verließ die Stadt, und kam aufs Land,
Wie oft der Städter thut.
Von Geigern und Castraten fern,
Und vom Redutentanz,
Vertauscht' er seinen Ordensstern
Mit einem Schäferkranz.

                       2.

Der Schoos der Au, der Wiesenklee
Verlieh ihm süßre Rast,
Als Himmelbett' und Canapee
Im fürstlichen Pallast.
Er irrte täglich durch den Hayn,
Mit einer Brust voll Ruh,
Und sah, im Blumenmond, dem Reyhn
Der Schäferinnen zu.

                       3.

Stracks war sein Herz, als er im May
Hier Rößchen sah, dahin,
Er liebte bis zur Raserey
Die holde Schäferin.
Sie wurden drauf gar bald vertraut.
Was Wunder doch! Er war
Ein Mann von Welt, und wohlgebaut,
Und Rößchen achtzehn Jahr.

                       4.

Sie gab, durch manchen Thränenguß
Erweichet, ihm Gehör.
Zuerst bekam er einen Kuß,
Zuletzt noch etwas mehr.
Itzt wurde, nach des Höflings Brauch,
Sein Busen plötzlich lau.
Er saß nicht mehr, am Schlehenstrauch,
Mit Rößchen auf der Au.

                       5.

Des Dorfes, und des Mädchens satt,
Warf er sich auf sein Roß,
Flog aus dem Dorf, kam in die Stadt,
Und wieder in sein Schloß.
Hier taumelt' er von Ball zu Ball,
Vergaß der Rasenbank,
Wo, beym Getön der Nachtigall,
Sein Mädchen ihn umschlang.

                     6.

Sein Rößchen, das auf Wiesengrün
Mit ihren Schafen saß,
Sah Mann und Roß vorüberfliehn,
Indeß sie Blumen las.
Mein Hardiknut, mein Hardiknut!
Er sah und hörte nicht!
Und drückte sich den Reisehut
Noch tiefer ins Gesicht.

                    7.

Ach Jesus! ruft sie, Jesus, ach!
Vom Schrecken übermannt,
Starrt sie dem falschen Buben nach,
Bis Mann und Roß verschwand.
Und schluchzt, und wirft sich in das Gras,
Verflucht, ihr Falschen, euch,
Weint ihren schönen Busen naß,
Weint ihre Wangen bleich.

                        8.

Kein Tanz, kein Spiel behagt ihr mehr,
Kein Abendroth, kein West,
Das Dörfchen dünkt ihr freudenleer,
Die Flur ein Vipernnest.
Ein melancholisch Heimchen zirpt
Vor ihrer Kammerthür,
Und weißagt ihren Tod. - Sie stirbt,
Beklaget sie mit mir!

                      9.

Die dumpfe Todtenglocke schallt,
Drauf in das Dorf. Man bringt
Den Sarg daher. Der Küster wallt
Der Bahre vor, und singt.
Der Pfarrer hält ihr den Sermon,
Und wünscht dem Schatten Ruh,
Der diesem Jammerthal entflohn,
Und klagt und weint dazu.

                      10.

Man pflanzt ein Kreuz, mit Flittergold
Bekränzet, auf ihr Grab,
Und manche Herzensthräne rollt
Von jeder Wang herab.
Es wurde Nacht. Ein düstrer Flor
Bedeckte Thal und Höhn,
Auch kam der liebe Mond hervor,
Und leuchtete so schön.

                     11.

Vernehmt nun, wies dem Ritter gieng!
Er lag auf Eiderpflaum,
Um welchen rother Atlas hieng,
Und hatte manchen Traum.
Er zittert auf. Mit blauen Licht
Wird sein Gemach erfüllt,
Ein Mädchen tritt ihm vors Gesicht,
Ins Leichentuch verhüllt.

                    12.

Ach, Rößchen ists, das arme Kind,
Das Hardiknut berückt!
Die Rosen ihrer Wangen sind
Vom Tode weggepflückt.
Sie legt die eine kalte Hand
Dem Ritter auf das Kinn,
Und hält ihr weißes Grabgewand
Ihm mit der andern hin.

                     13.

Blickt drauf den ehrvergeßnen Mann,
Den Schauer überschleicht,
Dreymahl mit hohlen Augen an,
Und wimmert, und entweicht.
Sie kam drauf, jede Mitternacht,
Sobald es zwölfe schlug,
Vermummt in die Gespenstertracht,
Ins weiße Leichentuch.

                 14.

Der Ritter fiel, in kurzer Zeit,
Drob in Melancholey,
Und ward, verzehrt von Traurigkeit,
Des Todes Conterfey.
Mit einem Dolch bewafnet, floh
Er aus der Stadt, und lief
Zum Gottesacker hin, allwo
Das arme Rößchen schlief.

                    15.

Wankt' an die frische Gruft, den Stahl
Dem Herzen zugekehrt,
Und sank. Sein Antlitz wurde fahl,
Und blutig ward das Schwert.
Es gieng ihm mitten durch das Herz,
Entsetzlich anzuschaun,
Die Augen starrten himmelwärts,
Und blickten Furcht und Graun.

                      16.

Sein Grab ragt an der Kirchhofmaur,
Der Landmann, der es sieht,
Wenns Abend wird, fühlt kalten Schaur,
Und schlägt ein Kreuz, und flieht.
Auch pflegt er, bis die Hahnen krähn,
Den Mordstahl in der Brust,
Mit glühenden Augen, umzugehn,
Wie männiglich bewußt.


                        Die Ruhe

Tochter Edens, o Ruh, die du die Finsterniß
Stiller Hayne bewohnst, unter der Dämmerung
Mondversilberter Pappeln,
Mit verschlungenen Armen, weilst;

Mit dem Schäfer im Hayn flötest, der Schäferin,
Unter Blumen der Au, lächelnd entgegenkommst,
Und dem Schellengeklingel
Ihrer tanzenden Schäfchen lauschst.

Wie der Jüngling die Braut liebet, so lieb ich dich,
Allgefällige Ruh! spähte dir immer nach,
Bald auf blumigen Wiesen,
Bald im Busche der Nachtigall.

Wie der Pilger den Quell suchet, so sucht ich dich,
Ach, und seufzete: Ruh, bist du, wie Morgentraum,
Mit den Jahren der Kindheit,
Dann auf ewig von mir entflohn?

Endlich flüsterst du mir, Herzenerfreuerin,
Mit dem Wehen des Strauchs, Wehen des Uferschilfs,
Mit dem Zittern des Laubes,
Deinen Himmel in meine Brust!

Ueberirdisch Gefühl säuselt mich an, und bebt
Durch mein innerstes Mark! Riß sich der Himmel auf,
Kam die Pilgerin Edens,
Wonne Gottes, herab zu mir?

Jeder Lispel des Baums, jedes Geräusch des Bachs,
Jedes ländliche Lied, welches dem Dorf entschallt,
Ist mir Zauber der Sphären,
Und Geflüster der Seraphim.

Hingegoßen auf Thau, blick ich den Abendstern,
Den Gespielen der Ruh, blick ich den Mond hinan,
Der so freundlich, so freundlich
Durch die nickenden Wipfel schaut.

Ruh, o lächle mir stets, wie du mir lächeltest,
Als mein wallendes Haar, mit der entknospeten
Frühlingsblume bekränzet,
Abendwinden zum Spiele flog.

Keiner Städterin Reiz, weder ein blaues Aug,
Noch ein kußlicher Mund, soll mich aus deinem Arm,
Zu den Hallen des Tanzes
Locken, oder des Opernspiels.

Weile, weile bey mir, unter dem Hüttendach,
Allgefällige Ruh, bis du mich an der Hand
Eines Engels den Lauben
Der Verklärten entgegenführst.


            Das Traumbild

Wo bist du, Bild, das vor mir stand,
Als ich im Garten träumte,
Den Rosmarin ins Haar mir wand,
Der um mein Lager keimte;
Wo bist du, Bild, das vor mir stand,
Mir in die Seele blickte,
Und eine warme Mädchenhand
An meine Wange drückte?

Nun such' ich dich, mit Harm erfüllt,
Bald bey des Dorfes Linden,
Bald in der Stadt, geliebtes Bild,
Und kan dich nirgends finden.
Nach jedem Fenster blick' ich hin,
Wo nur ein Schleyer wehet,
Und habe dich, o Lieblingin,
Noch nirgends ausgespähet.

Komm' selber, süßes Bild der Nacht,
Komm', mit den Engelsminen,
Und mit der leichten Schäfertracht,
Worin du mir erschienen.
Bring' mit die schwanenweiße Hand,
Die mir das Herz gestohlen,
Das purpurrothe Busenband,
Das Sträuschen von Violen.

Dein großes, blaues Augenpaar,
Woraus ein Engel blickte,
Die Stirne, die so freundlich war,
Und guten Abend nickte.
Den Mund, der Liebe Paradies,
Die kleinen Wangengrübchen,
Wo sich der Himmel offen wies,
Bring' alles mit, mein Liebchen!


Leander und Ismene, oder die schöne Zauberin und der entführte Schäfer

      In drey Balladen

        Erste Ballade

Seit Adam in den Apfel biß,
Glich unter allen Schönen,
Hier unterm Mond, das ist gewiß,
Kein Mutterkind Ismenen.
Bey meiner armen Seel'! es war
Ein Mädchen zum Entzücken,
Mit runder Brust, mit blondem Haar,
Und Adel in den Blicken.

Der ganze Wuchs war Ebenmaaß,
Das Aug voll Himmelsbläue,
Die Wang - ein Chor von Scherzen saß
Darauf in bunter Reihe.
Der Mund, der tausend Lust verhieß,
War sonder alle Mängel,
Und wenn sie sang, so klangs so süß,
Als säng' ein heilger Engel.

Die holde Schöne, denkt einmal,
That aber arge Thaten,
Und muß vielleicht, im Pfuhl der Quaal,
Jetzt kochen oder braten.
Behexte, wie das Dorf erzählt,
Die Kühe des Magisters,
Darob sein Weibchen treflich schmählt,
Das Federvieh des Küsters.

Sie knüpfte manchem Ehepaar
Den Nestel, als ein Meister,
Und rief, wenns ihr gefällig war,
Ein Rudel Höllengeister.
Ritt, trotz dem besten Postkurier,
Auf ihrem Besenstiele,
Und übergab den Winden ihr
Geringelt Haar zum Spiele.

Sie tanzte stets, am ersten May,
Mit Blumen in den Locken,
Den weißen Busen schleyerfrey,
Im Reigen, auf dem Brocken.
Dann pflag der alte Satanas
Den süßen Herrn zu spielen,
Und wenn sie stand, und wenn sie saß,
Nach ihrer Brust zu schielen.

Begierig küßt' er ihre Hand,
Als wollt' ers Händgen eßen,
Und konnt', an des Kocytus Strand,
Die Schöne nicht vergeßen.
Sandt' ihr so manches billet doux
Durch seine Hoflakeien,
Schloß kaum die Augenwimpern zu
Und träumte schon vom Freyen.

Allein Ismene lachte nur
Des grämlichen Pedanten,
Und suchte sich, bald auf der Flur,
Bald in der Stadt Amanten.
Sie sah einmal am Wiesenbach,
Wo manches Blümchen keimte,
Leandern, der im Schatten lag,
Und süße Träume träumte.

Er träumte von der Adelheit,
Mit der er sich versprochen,
Daneben von der Seeligkeit
Der ersten Flitterwochen.
Es sollte schon die Priesterhand
Am Altar ihn beglücken;
Man hieng ein langes, rothes Band,
Das Haar der Braut zu schmücken,

Schon an den bunten Flitterkranz;
Man stimmte schon zum Reigen,
Zum Menuet und Wirbeltanz,
Die Flöten und die Geigen.
Was meynt ihr wohl, die Unholdin
Trat vor den schönen Schäfer,
Zupft' ihn am Ohr und vorn am Kinn,
Und rief: wach auf mein Schäfer!

Sie hatte seines Mädchens Bild
Und Kleidung angenommen.
Leander ward mit Freud' erfüllt,
Und stotterte Willkommen.
Er nannte sie mein lieber Schatz,
Mein Engelchen, mein Kindchen,
Und gab ihr manchen Feuerschmatz
Aufs kleine, rothe Mündchen.

Sie giengen endlich, Hand in Hand,
Der Kühlung zu genießen,
Zum Wald'. Ein schöner Wagen stand
Schnell neben ihren Füßen.
Ein Kutscher, mit besetztem Rock
Und grämlicher Geberde,
Saß majestätisch auf dem Bock,
Und lenkte stolz die Pferde.

Der Wagen war von Elfenbein,
Besetzet mit Opalen,
Kein Galawagen ist so fein,
Die Zaubrin konnt's bezahlen.
Sie stiegen in den Phaeton,
Drauf raßelten die Schimmel
Straks über Stock und Stein davon,
Mit donnerndem Getümmel.

Nun flogen sie gar himmelan,
Ein Wunder anzuschauen;
Leandern, wie man denken kann,
Begonn darob zu grauen.
Wir wollen, wenn es euch beliebt,
Die Leute fliegen laßen,
Und morgen, wenn Gott Leben giebt,
Den Rest in Reimen faßen.


         Zwote Ballade

Der Wagen fuhr auf gutes Glück,
Bis daß der Himmel graute,
Und man, beym ersten Sonnenblick,
Ein grünes Eiland schaute.
Es lag im Süderocean,
Seit lieben langen Jahren,
Es hatt' es noch kein Magellan,
Kein Dampfer befahren.

Sie traten in ein Paradies,
Wo Freud' und Wollust lauschte,
In jedem Frühlingslüftgen blies,
In jeder Quelle rauschte.
Das war euch, traun, ein Luftgefild!
Rings lachten bunte Flächen,
Rings zitterte das goldne Bild
Der Sonn' in hundert Bächen.

Die Weste flüsterten vertraut,
Und raubeten den Veilchen,
Wie der Geliebte seiner Braut,
Auf jeder Wiese, Mäulchen.
Es sahn, um jeden Silberquell,
Die Blumen ihre Wangen
In Fluthen, welche spiegelhell
Durch Auen floßen, hangen.

Musik entströmte sonder Rast
Den kühlen Rebenlauben,
Es herzten sich auf jedem Ast
Des Hains, verliebte Tauben.
Es sprang, Potz Stern, da möcht' ich seyn!
Im Schatten grüner Hecken,
Der feurigste Burgunderwein
In weite, goldne Becken.

Es ragt' ein prächtiger Palast,
Erbauet aus Türkisen,
Mit Gold und Perlen eingefaßt,
Auf angenehmen Wiesen.
Die Treppen waren aus Agat,
Die weiten Flügelthüren,
Durch die man in den Palast trat,
Aus blitzenden Sapphiren.

Das Dach, und auch der Wetterhahn,
Wie man leicht kan erachten,
Von feinem Gold aus Indostan,
Besetzet mit Smaragden.
Ein wunderbares Feyenschloß,
Bei dem wohl sonder Zweifel,
Der es gebaut, viel Schweis vergoß,
Gott sey mit uns, der Teufel.

Ein großer tapezierter Saal
Gieng mitten durchs Gebäude,
Mit Schildereyen ohne Zahl -
Die schönste Augenweide! -
Von Raphael und Titian.
Hier eine nackte Lede,
Dort Vater Zeus mit ihr, als Schwan
In einer Liebesfehde.

Der Großsultan, der Perser Schach,
Im Zirkel ihrer Frauen,
Ein lustig Karnevalgelag,
Gar lieblich anzuschauen.
Der Muselmänner Himmelreich,
Voll niedlicher Figuren,
Ein grüner Wald, im Wald' ein Teich,
Voll Badeposituren.

Sie lebten hier, als Frau und Mann,
Am grünen Meergestade,
Und tranken, wenn der Tag begann,
Bald Thee, bald Schokolade.
Sie hielten im Gemäldesaal,
Von dem wir euch erzählten,
Das Frühstück und das Mittagsmahl,
Dem keine Reize fehlten.

Die Speisen kamen auf den Wink
Der Unholdin von selber,
Es flogen, wenn sie schellte, flink
Gebratne Tauben, Kälber,
Kapaunen, Hasen auf den Tisch,
Lampreten und Forellen,
Und ein poßierliches Gemisch
Von Austern und Sardellen.

Nicht minder kam, auf ihr Gebot,
Viel Backwerk angeflogen,
Pasteten, Torten, Mandelbrodt,
Daß sich die Tafeln bogen.
Das große, goldne Deckelglas,
Gefüllet mit Tokaier,
Goß ihre Kehlen weidlich naß,
Goß durch die Adern Feuer.

Sie spielten alle Nachmittag,
Nach eingenommnem Mahle,
In einer Sommerlaube Schach,
Und aßen kalte Schaale:
Und giengen, wenn das Abendroth
Durch ihre Laube blinkte,
Zum Palast, wo das Abendbrodt
In goldnen Schüßeln winkte.

Sie irrten, wenn der Mondenschein
Den Wald mit Silber deckte,
Vertraulich durch den Myrthenhain,
Wo mancher Vogel heckte,
Und setzten sich auf Immergrün,
Bedeckt von Myrthenästen,
Durch die der schöne Vollmond schien,
Umscherzt von lauen Westen.

Sie ruhten, Brust an Brust gedrückt,
Und was sie weiter thaten,
Der schöne Vollmond hat's erblickt,
Ich kan es nicht errathen.
Ein süßes, klatschendes Getön
Scholl aus den Myrthenbüschen,
Die Vögel sangen wunderschön
Ein Minnelied dazwischen.

Der West, der im Gesträuche war,
Goß einen Blüthenregen,
Voll Abendduft, bald um ihr Haar,
Bald ihrer Brust entgegen.
Sie trippelten, mit trübem Blick,
Und Graß und Staub in Haaren,
Nach ihrem Zauberschloß zurück,
Wo weichre Polster waren.

Sie lasen, wenn sie sich gesetzt,
Zur Zeit des Schlafenlegens,
Rosts schöne Nacht, zu guter letzt,
Anstatt des Abendsegens.
Und schlüpfeten, wenn dies vollbracht,
Zum Ruhekabinette:
Wir wünschen ihnen gute Nacht,
Und gehen auch zu Bette.


       Dritte Ballade

So lebeten auf ihrer Burg,
Wie wir erzählt, die beiden,
Den May, den Junius hindurch,
In Herrlichkeit und Freuden:
Und schwammen hier in Ueppigkeit
Bis über beide Ohren,
Doch endlich floh die Trunkenheit,
Worinn er sich verloren.

Er hatte sich mit Zuckerbrodt
Den Magen überladen,
Ward bleich und hager, wie der Tod,
Es schwanden seine Waden;
Sein Auge, wie Vergißmeinnicht,
Erlosch und wurde dunkel,
Er trug im kupfrigen Gesicht
Rubinen und Karfunkel.

Die Küße, Weine, das Konfekt,
Die Zuckerbißen alle,
Wornach er sonst den Mund geleckt,
Verkehrten sich in Galle.
Der Vögel buhlrisches Koncert,
Das er, in Lust verloren,
Mit solcher Wonne jüngst gehört,
Mißklang itzt seinen Ohren.

Nun floh er, mehr als Tod und Grab,
Den Palast und Ismenen,
Schlich am Gestade auf und ab,
Und weinte große Thränen.
O liebe, liebe Adelheit!
So rief er sonder Ende,
Der ich mein treues Herz geweiht,
Und rang die welken Hände:

Wie magst du, gute Seele! wohl
Leanders Angedenken,
Mit lautem Schluchzen, einen Zoll
Getreuer Zähren schenken!
O könnt' ich dir den Thränenguß,
Dem Kerker hier entrißen,
Durch einen warmen treuen Kuß,
Von deiner Wange küßen!

O welch ein Unstern! wehe mir!
Das Mastvieh war geschlachtet,
Der Pfarrer hatte sein Gebühr,
Wornach er lang geschmachtet.
Wir waren schon, ich armer Mann!
Vom Pfarrer aufgeboten,
Und dachten wahrlich nicht daran,
Was uns für Wetter drohten.

Schon gieng, mit manchem bunten Band
Am Hut, der Hochzeitbitter
Im Dorf herum, der Musikant
Probierte schon die Zitter.
Die Speisen, die wir angeschafft,
Sind nun schon längst verdorben;
Mein Liebchen ist wohl, hingerafft
Von Schwermuth, gar gestorben.

Den guten Göttern mußte dies
Nun wohl zu Herzen gehen,
Drum flog ein Schiff heran und ließ
Die Flagge stattlich wehen.
Der Schiffspatron nahm ihn an Bord,
Und bracht' in wenig Stunden
Ihn wohlbehalten an den Ort,
Wo ihn Ismene funden.

Madam stand unbeweglich da,
Als, fern am Horizonte,
Sie die geschwollnen Seegel sah,
Und es nicht wehren konnte.
Zerriß die Haare, weinte sich
Die Wangen bleich und hager,
Und wand die Hände jämmerlich
Auf dem verwaisten Lager.

Sie ritt mit thränendem Gesicht,
Auf ihrem Besenstiele,
Viel Länder durch, und fand ihn nicht,
Und ritt sich manche Schwiele:
Und ward, wie männiglich bekannt,
Nach vielen Abendtheuern,
Zuletzt elendiglich verbrannt,
In Würzburg oder Bayern.