Kleist

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                          Lob der Gottheit

Tausend Sternenheere loben meines Schöpfers Macht und Stärke,
Aller Welten Himmelskreise preisen seiner Weisheit Werke,
Meere, Berge, Wälder, Klüfte, die sein Wink hervorgebracht,
Sind Posaunen seiner Liebe, sind Posaunen seiner Macht.

Soll ich denn allein verstummen? Soll ich ihm kein Loblied bringen?
Nein, ich will des Geistes Flügel auch zu seinem Throne schwingen;
Und wenn meine Zunge stammelt, o! so sollen nur allein
Dieser Augen milde Bäche Zeugen meiner Ehrfurcht seyn.

Ja, sie stammelt; sieh, o Schöpfer, meines Herzens Altar rauchen!
Könnt ich gleich den blöden Pinsel in der Sonne Flammen tauchen,
O! so würd von deinem Wesen doch durch ihn kein Strich gemacht;
Dir wird selbst von reinen Geistern nur ein schwaches Lob gebracht.

Wer heißt tausend tausend Sonnen, prächtig, majestätisch glänzen?
Wer bestimmt dem Wunderlauf unzählbarer Erden Gränzen?
Wer verbindet sie zusammen? Wer belebet jeden Kreis?
Deines Mundes sanfter Athem, HERR! dein mächtigstes Geheiß.

Alles ist durch dich. Die Schaaren ungeheurer Sphären liefen
Auf den Ton von deinen Lippen, durch die ewig leere Tiefen.
Fische, Vögel, zahme Thiere, Wild das Feld und Hain durchstrich,
Und vernünftige Geschöpfe scherzten drauf, und freuten sich.

Du giebst den entzückten Blicken zwischen kräuterreichen Auen
Wälder, die sich in den Wolken fast verlieren, anzuschauen.
Du machst, daß darinn aus Felsen wütend sich ein Naß ergießt,
Das sich endlich blitzend schlängelt, und in Muscheln rieselnd fließt.

Du rührst, durch unzählige Gegenstände alle Sinnen,
Du läßt die Gesundheit blühen, und aus tausend Quellen rinnen,
Tränkest mit der Milch des Regens, und mit Thau die dürre Flur,
Kühlst die Luft durch sanfte Winde, und erfrischest die Natur.

Durch dich schmückt die Hand des Frühlings mit Tapeten unsre Gränzen,
Durch dich muß das Gold der Ähren, und der Trauben Purpur glänzen,
Du erfüllst die Welt mit Freude, wenn die Kälte sie besiegt,
Wenn sie eingehüllt in Flocken, wie in zarten Windeln liegt.

Durch dich kann des Menschen Seele in der Sternen Kreise dringen,
Durch dich weis sie das Vergangne, hat Begriffe von den Dingen,
Scheidt der Sachen Ähnlichkeiten von den Sachen selber ab,
Urtheilt, schließt, begehrt und scheuet, durch dich flieht sie Tod und Grab.

O! wer kann die Wunderwerke deiner Liebe gnug erheben!
Selbst das Unglück ist uns nützlich, und beseligt unser Leben.
Zweifler rührt euch nicht die Liebe, o, so fürchtet seine Macht.
Zittert wie verscheuchte Sclaven, wenn des HErren Grimm erwacht.

Schaut! der Mittag wird verfinstert; es erwacht ein Schwarm von Eulen.
Schrecken überfällt die Lüfte, hört ihr ängstlich hohles Heulen;
Schaut! wie dort der Sturm die Klippen, als zerbrechlich Glas zerschmeißt,
Ganze Wälder wirbelnd drehet, und wie Fäden sie zerreißt.

Finstre Wolken, Bergen ähnlich, stossen ungestüm zusammen,
Schaut! aus ihren schwarzen Klüften brechen Ströme wilder Flammen;
Wald und Fluren stehn im Feuer, und die Glut zersprengt das Land,
Krokodille, Löwen, Tieger fliehen zitternd Dampf und Brand.

Wälder starker Masten stürzen vor der Wuth der Wasserwogen,
Auf zerstückten Brettern kommen Kriegesheere angeflogen,
Die der Sturm nebst Steur und Seegeln zu der Wolken Höhe schwingt,
Bis sie schnell der schwarze Rachen des ergrimmten Meers verschlingt.

Sagt, wer donnert in den Wolken? Sagt, wer brauset in den Stürmen?
Zweifler sprich! wer schwingt die Fluthen, die sich wie Gebirge thürmen?
Donner, Meer und Stürme rufen dir mit hohlem Brüllen zu:
O verwegenes Geschöpfe! Dies ist Gott! Was zweifelst du?

HErr, in meinem Munde sollen deine Thaten ewig schallen:
Aber laß dir nur die Schwachheit eines Wurmes wohlgefallen.
Du! der du das Innre prüfest, sieh der Seelen Regung an,
Die sie selber zwar empfinden; aber nicht beschreiben kann.

Werd ich einst vor deinem Throne mit gekröntem Haupte stehen,
Dann will ich mit edlern Liedern deine Majestät erhöhen.
O ihr längst erwünschte Zeiten, eilt mit schnellem Flug herbey,
Eilet, daß ich bald der Freude, sonder Wechsel, fähig sey.


                  Der Vorsatz

Dich treibt dein Eifer, wie dein Roß die Sporen,
O Held! was fleuchst du zu des Todes Thoren!
Suchst du, damit dich Wahn und Nachruhm labe,
Den Weg zum Grabe?

Laß Luft und Zeiten über Thal und Höhen
Mit ewgen Flügeln deine Thaten wehen,
Das Feld Elysens wird von fernem Schallen
Nicht wiederhallen.

Und du, o Geitzhals! magst mit Müh entdecken,
Was uns Gebirge weislich tief verstecken;
Auf! füll in Peru, trotz sey Fluth und Winden,
Dein Schiff mit Sünden.

Gekrönter Pöbel, laß in stolzen Zimmern
Jaspis, Tapeten und Cristalle schimmern;
In Schlössern drengt sich oft ein Schwarm von Leide
Im Kleid der Freude.

Der Ruh im Schoosse, will ich eure Rotten
An hellen Bächen, wie mein Utz verspotten,
Welchen die Dichtkunst, wenn sein Lied ertönet,
Mit Epheu krönet.

Er schwingt sich muthig in den Kreis der Sterne
Durch Dunst und Wolken. Von der hohen Ferne
Schaut er, wenn Schaaren wilder Krieger lärmen,
Nur Wespen schwärmen.

Er schaut von oben Länder Hufen gleichen,
Und Städte Löchern; in den engen Reichen
Schaut er in Haufen, heissen Geitz zu kühlen
Maulwürfe wühlen.

Dann denkt er seufzend mit gerührten Sinnen:
"Was wollt ihr Thoren endlich noch beginnen?
Ihr raset; meynt ihr in den schmalen Zonen
Ewig zu wohnen?

Tod, Quaal und Schrecken, laßt ihr, um zu siegen,
Aus hohlen Schlünden auf die Brüder fliegen;
Ist eurem Hochmuth in der Länder Menge
Der Raum zu enge?

Laßt ihr nur darum ewge Bäue gleissen,
Um schnell dieselbe wieder einzureissen?
Der Tod kommt plötzlich, der wird euch bey Zeiten
Höhlen bereiten."

Drauf greift er geitzig nach der goldnen Leyer,
Bestraft des Lasters kriechend Ungeheuer,
Sein Lob der Tugend schallt in regen Lüften,
In Wald und Klüften.

So soll mein Geist sich zu den Wolken schwingen,
So rührend sollen meine Saiten klingen.
O Freund erheb mich von den seichten Hügeln!
Auf deinen Flügeln!


                              Menalk

Menalk floh kummervoll den Reiz der schönsten Flur,
Kein Schatten und kein Bach, sein Harm gefiel ihm nur.
Die Heerde gieng zerstreut; er nährt' in einer Höhle
Vom frühen Morgen an, die Schmerzen seiner Seele.
Unglücklicher Menalk! gedacht er da bey sich,
Warum bist du gezeugt? Die Schickung hasset dich,
Durch sie ward Doris jüngst von dieser Flur gezogen.
O wär den Augenblick dein Geist ihr nachgeflogen,
Und dieser Leib verwest! Zwar bey Amyntens Tod
Fühlt ich die Freude nicht, die mir der Frühling both;
Doch endlich hat die Zeit den Kummer überwunden,
Er ist, dacht ich, zuerst der Nichtigkeit entbunden,
Und schaut dir jezt vielleicht von oben glänzend zu,
Schaut Sternen unter sich, ist glücklicher als du,
Nur jezt wird keine Zeit dein ewig Leid vermindern,
Sie lebt und lebt entfernt! Komm Tod! du kannst es lindern,
Komm, jezt ist Welt und Glück und Leben mir verhaßt.
Ihr Felsen stürzt herab, begrabt mich in der Last,
Die meiner Scheitel droht - - - O muß ich euch ihr Auen,
Die ihr uns oft verbargt, noch ferner grünen schauen!
Ihr martert meinen Geist, reizt ihr gleich das Gesicht,
Ihr zeigt mir Doris Bild, und zeigt mir Doris nicht.
Nur zum entfernten Belt - - Doch wer kann dir entrinnen,
O Liebe, welch ein Wahn betäubt die müden Sinnen!
Und trieb auch Angst und Quaal zum Nordpol meinen Schritt!
So flöh doch Doris Bild, gleich meinem Schatten mit.
Ja dort - - dort seh ich sie, dort hat sie oft gesprungen,
Und oft in buntem Klee den Arm um mich geschlungen.
Dort, däucht mich, hör ich noch am Teich den Zauberklang,
Als sie und Galathee Dianens Glut besang.
Ich war Endymion, nach dem sie heimlich blickte,
Dem sie bey manchem Ort die Hand verstohlen drückte.
Dort ruht ich einst allein im Rosenthal am Bach,
Ich schloß die Augen zu, dacht ihrem Liebreitz nach,
Die Lose wußte sich am Ufer hinter Sträuchen,
Ohn daß ich sie vernahm, behutsam anzuschleichen,
Und stund ihr Dämon gleich, der um sie buhlte, nah,
So küßte sie mich doch, als er nur seitwärts sah,
Schnell sprang sie um den Strauch, die Blätter hört ich rauschen;
Und merkte, wer es that, und ließ mich gern belauschen.
Doch wer belauscht mich jezt? Wo seyd ihr Zeiten hin?
O daß ich mit der Lust nicht auch vergangen bin!
Jezt wird der Südwind mich nicht mehr aus regen Büschen,
Davon der Schatten wankt, in ihrem Arm erfrischen!
Jezt werd ich nicht wie sonst, die rauchen Faunen gehn,
Und Ziegen über uns am Felsen klettern sehn.
Mein vorbeglücktes Vieh! Jezt kann ich dich nicht weiden,
Die Kluft, des Grabes Bild, vermehr hinfort mein Leiden!

So quälte sich Menalk, bis Philomele sang,
Und bis der Wachtel Schlag im Felsen wiederklang,
Da stand er auf und sah, daß sich der Schatten streckte,
Und daß der Abend schon die Flur mit Purpur deckte.


                Fillis an Damon

Ja, liebster Damon! Ich bin überwunden,
Mein Geist empfindet, was er nie empfunden;
Ich fühl die von mir sonst verlachten Schmerzen
Jezt in dem Herzen.

Als ich die Hand jüngst, die dein Auge deckte,
Vorwitzig fortriß; Himmel! was erweckte
Dein schönes Auge, voller treuen Thränen,
Mir nicht für Sehnen!

Ich floh und weinte. Wie ward mir zu Muthe!
Ein heftig Feuer wallte mir im Blute.
Die Flammen werden unaufhörlich währen,
Die mich verzehren.

Komm treuster Damon! den ich mir erwähle,
Auf meinen Lippen schwebt mir schon die Seele,
Um durch die deinen, unter Scherz und küssen,
In dich zu fliessen.


                   An Herrn Rittmeister Adler

                                    1739

Die Stürme wüten nicht mehr, man sieht die Zacken der Tannen
Nicht mehr durch gläsernen Reif; man sieht im eislosen Bach
Am Grunde Muscheln und Gras und junge wankende Blumen,
Ein dunkles schwebendes Laub erfüllt den Buchwald mit Nacht.
Hier reizt der Nachtigall Lied durch tausend laufende Töne,
Der West im Rosengebüsch bläst süsse Düfte zur Flur,
Dort stralt im glänzenden Strom das Bildniß blühender Hecken,
Und flieht nebst Ufer und Rohr des Fischers gleitenden Kahn.
Freund! flieh der Waffen Geräusch, jezt ist die Zeit des Vergnügens,
Fühl jezt in Wäldern die Lust, die Held und Höfling nicht kennt.
Was hilfts mit freudigem Blick, vom Dunst der Ehre betrunken,
Mit Ordensketten beschwert, gekrönte Henker zu scheun?
Was hilfts wenn künftig dein Grab vergüldete Waffen beschützen,
Wenn man aus Marmor dein Bild im schreckenden Panzer erhöht!
Achill und Hanniball muß die Nacht des Todes durchschlafen,
Die nach der Schickung Gesetz mich einst in Finsterniß hüllt.
Im Tode werd ich ihm gleich, im Leben bin ich beglückter.
Er sah nur Auen voll Blut, schlief nur vom Himmel bedeckt,
Und hört ein ewig Geschwirr, von Schilden, Spiessen und Pfeilen,
Ihn flohn Vergnügen und Scherz, und Cypris freundlicher Sohn.
Ich seh auf blumigter Flur das Winken schattigter Erlen,
Den Schmuck des lachenden Thals, die weissen Birken voll Laub,
Den drinnen irrenden Bach. Ich schlaf in Lauben von Rosen,
Und höre Chloens Gesang, ob dem die Nachtigall schweigt,
Und lauscht, und aufmerksam horcht. Rings um mich flattert die Freude.
Die kleine Fillis im Hain verbirgt sich wenn sie mich merkt,
Ich such und finde sie nicht; bis sie im dicken Gesträuche,
Wo Phöbus selbst sie nicht sieht, ein schalkhaft Lächeln verräth.


               Trinklied

- - Sobrium decet esse Poëtam
Ipsum, versiculos, nihil necesse est.
                                      Catull

Weiser Damon, dessen Haupt
Lorber um und um belaubt!
Soll dir Gram und Misvergnügen
Ewig Stirn und Wange pflügen?

Wie der Glanz von dunkelm Licht
Schwach aus Todtengrüften bricht:
So blinkt deine trübe Seele
Aus des Leibes Trauerhöhle.

Wiß, in deiner Jahre Zahl
Rechnet dir der Tod einmal
Nebst den freudenvollen Tagen
Auch die Tage voll von Plagen!

Du schwimmst in der Zeiten Raum
Wie auf Strömen leichter Schaum,
Kannst du nicht so schnell zur Erden,
Wie der Schaum zu Wasser werden?

Sieh mich an, wie mir das Haupt
Epheustrauch und Ros' umlaubt,
Und wie mir die Tropfen gleiten
Wegen Kürze dieser Zeiten.

Zehnmahl füll ich schon mein Glas
Mit Liäens edlem Naß,
Noch reizt mich sein güldnes Blinken
Und die Freude wächst im Trinken.

Thür und Teppich tanzt um mich,
Erd und Himmel drehet sich.
O wie selig! welch Vergnügen!
Evan hilf! Ich muß erliegen.


                    Das Landleben

                    An Herrn Rammler

O rus, quando ego te aspiciam? quandoque licebit,
Nunc veterum libris, nunc somno et inertibus horis,
Ducere sollicitae jucunda oblivia vitae?
Horat.

O Freund! wie selig ist der Mann zu preisen,
Dem kein Getümmel, dem kein schwirrend Eisen;
Kein Schiff, das Beute, Mast und Bahn verlieret,
Den Schlaf entführet!

Der nicht die Ruhe darf in Berge senken,
Der fern vom Purpur, fern von Wechselbänken,
In eignen Schatten, durch den West gekühlet,
Sein Leben fühlet.

Er lacht der Schlösser von Geschütz bewachet,
Verhönt den Kummer, der an Höfen lachet,
Verhönt des Geizes in verschloßnen Mauren
Thörichtes Trauren.

So bald Aurora, wenn der Himmel grauet,
Dem Meer entsteigend, lieblich abwärts schauet,
Flieht er sein Lager ohn verzärtelt Schmücken
Mit gleichen Blicken.

Er lobt den Schöpfer, hört ihm Lerchen singen,
Die durch die Lüfte sich dem Aug entschwingen,
Hört ihm vom Zephyr lispelnd auf den Höhen
Ein Loblied wehen.

Er schaut auf Rosen, Thau wie Demant blitzen.
Schaut über Wolken von der Berge Spitzen,
Wie schön die Ebne, die sich blau verlieret,
Flora gezieret.

Bald zeigt sich fliehend auf des Meeres Rücken
Ein Schiff von weitem den nachfliehnden Blicken,
Das sie erst lange gleichsam an sich bindet,
Und dann verschwindet.

Bald sieht er abwärts, voller Glanz und Prangen,
Noch einen Himmel in den Fluthen hangen,
Noch eine Sonne Amphitritens Gränzen,
Grundaus durchglänzen.

Er geht in Wälder, wo an Schilf und Sträuchen
Im krummen Ufer Silberbäche schleichen,
Wo Blüthen duften, wo der Nachtigallen
Lustlieder schallen.

Jezt pfropft er Bäume, leitet Wassergräben,
Schaut Bienen schwärmen, führt an Wänden Reben,
Jezt tränkt er Pflanzen, zieht von Rosenstöcken
Schattende Hecken.

Eilt dann zur Hütten (da kein Laster thronet,
Die Ruh und Wollust unsichtbar bewohnet)
Weil seine Doris, die nur Liebreitz schminket,
Ihm freundlich winket.

Kein Knecht der Krankheit mischt für ihn Gerichte,
Unschuld und Freude würzt ihm Milch und Früchte,
Kein bang Gewissen zeigt ihm Schwerdt und Strafe
Im süssen Schlafe.

Freund! laß uns Golddurst, Stolz und Schlösser hassen,
Und Kleinigkeiten Fürsten überlassen.
Mein Lange ruft uns, komm zum Sitz der Freuden,
In seine Weiden.


                 An Herrn E

  nach einer tödtlichen Krankheit

Schon war mein Geist der Erd' entflohn,
In einer hellern Sphäre,
Sang ich bereits des Höchsten Ehre
Es wartete der grosse Lohn
Den Tugend giebt, auf mich.
Die Tugend kam mit Glanze mich zu zieren - - - -
Da dacht ich, Freund! an dich
Da kehrt ich um, wie konnt ich dich so früh verlieren!


                         Amint

Sie fliehet fort! Es ist um mich geschehen!
Ein weiter Raum trennt Galatheen von mir.
Dort floh sie hin. Komm Luft mich anzuwehen!
Du kömmst vielleicht von ihr.

Sie fliehet fort! Sagt Galatheen ihr Flüsse,
Daß ohne sie der Wiesen Schmuck verdirbt;
Ihr eilt ihr nach, sagt, daß der Wald sie misse
Und daß ihr Schäfer stirbt.

Welch Thal blüht jezt, von ihr gesehen, besser?
Wo tanzt sie um ein Labyrinth? wo füllt
Ihr Lied den Hain? Welch glückliches Gewässer
Wird schöner durch ihr Bild?

Nur einen Druck der Hand, nur halbe Blicke,
Ach! einen Kuß, wie sie mir vormahls gab,
Vergönne mir von ihr; dann stürz, o Glücke!
Mich wenn du willst, ins Grab.

So klagt Amint, die Augen voll von Thränen,
Den Gegenden die Flucht der Galathee;
Sie scheinen sich mit ihm nach ihr zu sehnen
Und seufzten: Galathee!


          Sehnsucht nach Ruhe

                       1744

Rura mihi et rigui placeant in vallibus amnes,
Flumina amem, silvasque, inglorius.
                                               Virgil.

O Silberbach! der vormals mich vergnügt,
Wenn wirst du mir ein sanftes Schlaflied rauschen?
Glückselig! Wer an deinen Ufern liegt,
Wo voller Reitz der Büsche Sänger lauschen.
Von dir entfernt, mit Noth und Harm erfüllt,
Ergezt mich noch dein wollustreiches Bild.

Und du, o Hain! O duftend Veilchenthal!
O holder Kranz von fernen blauen Hügeln!
O stille See! In der ich tausendmahl
Auroren sah ihr Rosenantlitz spiegeln;
Bethaute Flur, die mich so oft entzückt,
Wenn wird von mir dein bunter Schmuck erblickt!

Sprich Wiederhall! Der, wenn die Laute klang,
Vom kühlen Sitz, in dickbelaubten Linden,
Mit hellem Ton in güldne Saiten sang,
Sprich! soll ich nie die Ruhe wieder finden?
Wie oft, wenn ich vergnügt im Schatten lag,
Und: Doris! rief; riefst du mir: Doris! nach.

Jezt fliehet mich die vor empfundne Lust;
Ich kann nicht mehr dein schwirrend Schallen hören,
Du fülltest dort mit Anmuth Ohr und Brust,
Hier fliegt der Tod aus tausend ehrnen Röhren.
Dort both die Flur, der Bach, mir Freude dar,
Hier sieht man Schmerz, hier fliesset die Gefahr.

Wie, wenn der Sturm aus Äols Höhle fährt,
Und Wolken Staub im Wirbel heulend drehet,
Dem Sonnenstrahl den freyen Durchgang wehrt,
Das grüne Feld mit Stein und Kies besäet:
So tobt der Feind, so wütend füllet er
Die Luft mit Dampf, die Felder mit Gewehr.

Der Fruchtbaum traurt, die Halmen bücken sich,
Der Weinstock stirbt von räuberischen Streichen,
Die schöne Braut sieht hier ihr ander Ich,
Den Blumen gleich, durch kalten Stahl erbleichen,
Ein Thränenbach, indem sie es umschließt,
Nezt ihr Gesicht, wie Thau von Rosen fließt.

Dort flieht ein Kind. Sein Vater der es führt,
Fällt schnell dahin, durchlöchert vom Geschütze;
Er nennt es noch, eh er den Geist verliehrt;
Der Knabe wankt und stürzet ohne Stütze,
Wie Boreas, wenn er die Schwingen regt,
Gepfropftes Reis, das stablos, niederschlägt.

Die Felder hat ein Feuermeer erfüllt,
Das um sich reißt, von keiner Macht gehemmet,
Wie, wenn die See aus ihren Ufern schwillt,
Durch Dämme stürzt, und Länder überschwemmet.
Die Thiere fliehn, das Feur ergreift den Wald,
Der Stämme hegt, wie seine Mutter alt.

Was Kunst und Witz durch Müh und Schweiß erbaut,
Korinth und Rom mit Gold und Pracht gezieret,
Der Städte Schmuck wird schnell entflammt geschaut,
Wie mancher Thurm aus Marmor aufgeführet,
Der stolz sein Haupt hoch in die Wolken hebt,
Stürzt von der Gluth! Des Bodens Veste bebt.

Das blasse Volk, das löschen will, erstickt;
Die Gassen deckt ein Pflaster schwarzer Leichen:
Und dem es noch das Feur zu fliehen glückt,
Das kann dem Grimm der Stücke nicht entweichen.
Statt Wasser, trinkt die nahe Wiese Blut,
Es zischt und rollt auf Felsen voller Gluth.

Wenn Phöbus weicht, weicht doch die Klarheit nicht,
Die Nacht wird Tag vom Leuchten wilder Flammen;
Den Himmel färbt ein wallend Purpurlicht,
Von Dächern schmelzt ein Kupferfluß zusammen;
Der Kugeln Saat pfeift, da die Flamme heult,
Mond und Gestirn erschrickt, erblaßt und eilt.

Wie, wenn ein Heer Kometen aus der Kluft,
Die bodenlos, ins Chaos niederfiele:
So zieht die Last der Bomben durch die Luft,
Mit Feur beschweift. Vom reissenden Gewühle
Fließt hier Gehirn, liegt dort ein Rumpf gestreckt,
Hier raucht Gedärm, so ist der Grund bedeckt.

Der Erden Bauch wirft oft, vom Pulver wild,
Nebst Maur und Heer, sein felsicht Eingeweide
Den Wolken zu. Die ferne Klippe brüllt,
Des Himmels Raum erbebt und schallt vor Leide;
Er wird mit Schutt und Leichen überschneyt,
Als wenn Vesuv und Hekla Steine speyt.

O! wer entwirft den Jammer, das Geschrey,
Des Pulvers Grimm, das Winseln und das Sterben
Natur gemäß! Mir sinkt der Kiel aus Scheu,
Wer kann mit Blut und Feur die Worte färben?
Du kannst es Mond! Auf, wink es; wehe du,
Das was du hörst, o Luft! den Völkern zu.

So wütet Mars. Und hört sein Wüten auf,
So drehn wir selbst das Schwerdt in unsre Leiber.
Ja, Gott des Streits! Hemm deiner Waffen Lauf!
Was braucht es Krieg? Wir sind uns selber Räuber.
Uns schließt der Stolz in güldne Ketten ein,
Der Geldgeitz schmelzt aus Schächten seine Pein.

Bald bringet uns ein Schurk um Ruh und Glück,
Bald suchen uns die Richter zu betrügen;
Hier wird das Geld ein heilig Bubenstück;
Dort ras't ein Freund und tödtet uns mit Lügen.
Bist du geschickt, ein andrer glaubt es nicht,
Warum? Weil ihm Geschicklichkeit gebricht.

Des Nächsten Glück, Erfahrung, Frömmigkeit,
Und Wissenschaft und ächter Tugend Proben
Sind Fehler, die kein kluger Mensch verzeiht:
Ein grosser Geist muß niemals andre loben
Wer küßt und drückt und lästert, ist verschmitzt,
Wer höhnisch blickt, der hat sich selbst genützt.

Wenn dich das Glück auf seinen Flügeln hebt,
So mag man nichts der Freunde Huld vergleichen;
Wenn Unglück stürmt, daß Mast und Steuer bebt,
O! wie dem Frost alsdenn die Schwalben weichen!
Man hat den Schwarm wie Stumme anzusehn,
Die bloß zur Pracht auf unsern Bühnen stehn.

Und wer auch noch auf Tugend standhaft hält,
Wird doch zulezt vom Haufen hingerissen,
Gleich einem, der in wilde Fluthen fällt;
Er peitscht den Strom mit Händen und mit Füssen,
Er klimmt hinauf; doch endlich fehlt die Kraft,
Der Leib erstarrt, sinkt und wird fortgeraft.

Ja Welt! Du bist des wahren Lebens Grab,
Oft reizt mich auch ein heisser Trieb zur Tugend!
Vor Wehmuth rollt ein Bach die Wang herab;
Das Beyspiel siegt, und du, o Feur der Jugend!
Du trocknest bald die edlen Thränen ein.
Ein wahrer Mensch muß fern von Menschen seyn.

Pflügt denn das Meer zum fernen Mohrenland,
Ihr Thoren! Eilt, fischt Perlen aus dem Grunde,
Es sey ein Brett des Todes Scheidewand;
Beraubt den Berg, steigt tief in seine Wunde.
Dieß rührt mich nicht. Ihr suchet Angst und Noth,
Ein güldner Dolch befördert euren Tod.

Führt Schlösser auf, laßt eine Morgenwelt,
An jeder Wand, mit Gold durchwirket sehen;
Laßt Trinkgeschirr aus Indien bestellt,
Und Diamant den Werth von euch erhöhen.
Ihr grabt die Ruh bey Marmorsäulen ein,
Ihr sehet Pracht; ich, Leinwand, Erde, Stein.

Vergießt das Blut aus falscher Tapferkeit,
Tobt kühn herum, wie wilde Hauer toben,
Damit ihr seyd, wenn ihr gleich nicht mehr seyd,
Damit euch einst die Todtenlisten loben.
Wird wohl der Geist durch Schilderey ergezt,
Wenn euch der Staar die Augen hat verlezt?

Wie täuscht der Schein; ihr seyd Verliebten gleich,
Die feuervoll den Gegenstand nicht kennen.
Macht mich das Glück nicht groß, berühmt und reich,
Geringer Gram! Ich will es Fürsten gönnen.
Ein ruhig Herz im Thal, wo Zephyr rauscht,
Sey nimmermehr für Flittergold vertauscht.

Zeig du dich mir, o teppichgleiche Flur!
O Bach! den Rohr, Gebüsch und Wald umfangen.
Kein güldner Sand; dein Murmeln reizt mich nur,
Und Zweige, die Vorhängen ähnlich hangen.
Wenn ich im Geist auf euch, Gebirge steh,
Schätz ich die Welt so klein, als ich sie seh.

Wie der, der sich von seiner Schönen trennt,
Untröstbar ist; die dunkeln Blicke kleben
An allen steif, ohn daß er sieht. Er rennt
Er seufzet tief, und sucht umsonst sein Leben,
Liebt Kluft und Wald, klagt, ringt die Hände, schreyt,
Der Wiederhall klagt auch, und mehrt sein Leid.

So sehn' ich mich, o grüne Finsterniß
Im dichten Hain! Ihr Hecken und ihr Auen!
Nach eurem Reiz; so klag ich, ungewiß,
Euch nur einmal, geschweige stets, zu schauen.
O zeigt euch bald! O Doris! meine Ruh,
Drück mir einst dort die Augen weinend zu.


               Damoet und Lesbia

DAMOET:
Du liebtest mich! Kein Glück war meinem gleich,
Durch dich hatt ich ein irrdisch Himmelreich.

LESBIA:
Du liebtest mich, es floh Gram und Beschwerde,
Durch dich war ich der Glücklichste der Erde.

DAMOET:
Anizt weis ich bey Fillis nichts von Quaal,
Für sie ließ ich mein Leben tausendmahl.

LESBIA:
Anizt find ich mein Glück in Tirsis Treue,
Für den ich mich auch nicht zu sterben scheue.

DAMOET:
So schön, wie du, ist Fillis auch; allein
Verließ ich sie, würd ich dir Tirsis seyn?

LESBIA:
Er weiß, wie du, sich Liebe zu erwerben,
Mit dir wünscht ich zu leben und zu sterben.


           Einladung aufs Land

                   an Tirsis

               im November

Der Westwind fliehet Flur und Weiden,
Die jezt verblühn,
O Tirsis sollen Scherz und Freuden
Mit ihm entfliehn?

Nein der Orcane wildes Blasen
Die um mein Gut
Jezt heulend, ausgeschlossen, rasen,
Hemmt nicht den Muth.

Komm mit mir in der öden Fluren
Bereiftes Gras,
Verfolg mit mir des Wildes Spuren
Im Wald von Glas.

Und hör des Hains Gewölbe schallen,
Wenns Horn erwacht.
Und sieh von hohen Bergen fallen
Die schnelle Jagd.

Denn eil in meine Wohnung wieder
Müd' aus dem Hain,
Und singe mit mir süsse Lieder
Bey frohem Wein.

Und Chloris die durch ihre Saiten
Dirs Herz entwandt,
Soll Lalagens Gesang begleiten
Mit kluger Hand.

Sieh hin! Die Sterne sind erschienen
Und Luna winkt,
Sie streiten gleichsam, wer von ihnen
Am besten blinkt.

Den Scherz mit Küssen zu verschwistern
Und fern vom Neid,
Den langen Abend zu verflüstern
Ists jetzo Zeit.

Komm! Laß uns unsern Geist erheitern.
Wen Gold ergözt,
Mag in der Fluth am Felsen scheitern,
Der sich entsezt.

Ruhm, Reichthum, Pracht des Hofs Beschwerde
Vom Volk verehrt,
Ist Wahn, und nicht des Herrn der Erde
Des Weisen werth.


                        Galathee

Beglückter Schmerz, der in den Hain mich führte!
Dort schläft im Klee
Die Ursach meiner Pein, die schöne Galathee.
O wär ich doch der Klee,
Daß mich ihr Leib berührte!
Weh sanft o Luft! daß sich die Blätter nicht bewegen - - - -
Doch sie erwachet schon und fliehet - Folg ich ihr?
O nein, sie zürnt und sie entfliehet mir!
Ich will, o welch ein Glück! Da wo sie lag, mich legen,
Auf Klee der ihren Leib berührte.
Ich will, o welch ein Glück! auf den erfreuten Beeten,
Die schönen Spuren treten.


          Amor im Triumpfwagen

Ich sah, (Ihr Enkel glaubt dem heiligen Gesicht,)
Ich sah den Liebesgott im Siegeswagen fahren
Und Helden zogen ihn.
Nestorn mit grauen Haaren
Und Cäsarn und Bourbon sah ich wie Sclaven ziehn.
Mir fiel Eugen, August und Ludwig, die Catonen,
Und hundert Stifter neuer Thronen,
Und Asiens Bezwinger ins Gesicht,
Nur Friedrich nicht.


Über die Statüe der Venus an die sich Amor schmiegt;

            von dem von Papenhoven, in Sanssouci

Bezaubernd Bild, des Meissels Meisterstück!
Ach schlüge deine Brust! Ach wär dein Auge helle!
Ein jeder, der dich sieht, wünscht dir Elisens1 Glück,
Und sich an Amors Stelle.


                       Auf eben dieselbe Statüe

Sieh Papenhovens Meisterstück die schöne Venus ins Gesicht!
Sieh an den Mund des Marmorbildes! Man sieht die Stimm und hört sie nicht.


            An die Morgenröthe

Aurora fahr herauf auf deinem güldnen Wagen,
Da ich für Lieb und Schmerz nicht schlafen kann!
Wenn Chloe bey mir ruht, dann halt die Zügel an,
Dann Göttin, laß es späte tagen.


        Johann Christoph und Adelgunde

JOHANN CHRISTOPH:
Du lose Adelgunde! Die Leinwand ist zu theuer,
Es giebt ja Weber gnug, was kaufst du von dem Schreyer?

ADELGUNDE:
Mein liebstes süsses Hänschen! Ich sah des Garnes Stärke,
Und denn, bedenk einmahl! Lies't er doch deine Werke.


          An die geschminkte Vetulla


Du scheinest jung zu seyn, allein wer weis es nicht,
Daß du viel älter bist Vetull! als dein Gesicht.


                           An Iris,

als der Verfasser ein Lied auf sie gemacht hatte

Küß nicht das Lied, gieb mirs, o Schönste wieder!
Küß mich. In mir sticht eine Sammlung Lieder.


                         Marforius

Marforius fand allen Sachen Mängel,
Er lästerte Gott, Engel und Erzengel,
Und schalt darauf mit leichter Müh
Das menschliche Geschlecht, und das Geschlecht vom Vieh.
Er schalt das Lamm, den Hund, das Crocodill - - - -
Vom Esel nur und Affen schwieg er still.


                            Petius

Der feige Petius fortificirt und spricht
Von Folard, Puisegur, von Widdern, Spieß und Lanzen,
Von alt und neuem Krieg. Mich wundert dieses nicht,
Kein Mensch hat nöthiger, als er, sich zu verschanzen.


   Lied der Canibalen

  Montagne T. I. ch. 30

Verweile schöne Schlange,
Verweile! Meine Schwester
Soll in ein Band von Golde
Dein Bild für Isen wirken,
Für Isen meine Freundinn
Alsdann wird deine Schönheit
Vor allen andern Schlangen
Der Welt, gepriesen werden.


          Der Säufer zu dem Dichter

Berausch dich Freund! aus deiner Hippocren,
Berausch dich draus, ich will ins Weinhaus gehn.


                    An Herrn Hempel,

        als er eine Winterlandschaft mahlte

Die Winterlandschaft, die dein Pinsel hier gebiert,
Ist furchtbar, wie der Winter selbst; ich seh sie an, mich friert.


                 An Markolf

Man hört dich ohne Maaß und Ziel
Spott und Verläumdung speyn,
Und du willst ehrlich seyn?
Markolf, du stielst zwar nicht,
Doch fehlt dir nicht zu viel zum Schelm und Bösewicht;
Zum Tugendhaften fehlt dir viel!




C. Neue Gedichte vom Verfasser des Frühlings


An die verwittwete Hauptmannin Freyfrau von der Golz auf Patrow etc. etc

Die Gütigkeit, die Ewr. Gnaden ehemals hatten, auf die Beförderung meines Glücks bedacht zu seyn, ist mir allemal in frischem Angedenken geblieben, und wird mir auch niemals daraus verlöschen, ohngeachtet Ewr. Gnaden, nach Dero mir bekannten Gesinnung, sie vielleicht selber vergeßen haben. Erlauben Sie mir demnach, daß ich Ihnen hierdurch, obgleich späte, ein Zeugniß meiner Dankbarkeit ablege, und Dieselben versichre, daß die Hochachtung, die ich für Dero ungemeine Eigenschaften habe, nie aufhören wird.

                                                                                                                       E. C. v. K.


                                                              Vorbericht

Diese wenigen Gedichte sind unter vielen Zerstreuungen aufgesetzt worden, und der Verfaßer hat so wenig Arbeit daran gewandt, daß ihm vielmehr ihre Verfertigung zur Erhohlung von anderer Arbeit gedient hat. Er wird daher zufrieden seyn, wenn sie nur Kennern nicht ganz mißfallen.
Es sind einige Idyllen darunter. Dem Verfaßer hat immer gedünkt, daß die Franzosen die Idylle dadurch zu sehr eingeschränkt haben, daß sie den Stoff dazu, allein aus dem Schäferleben entlehnt. Das Landleben ist überhaupt dazu geschickt, und es kommt nur darauf an, daß man niedrige und ungesittete Ideen aus derselben entfernt, um sie gefällig zu machen. So hat Theokrit Hirten- und Fischer-Idyllen, und Bion eine Vogelsteller-Idylle mit vielen Beyfall verfertiget; und des Grotius Nauticum, und Sannazars Piscatoria, sind auch Beweise, daß das Schäferleben nicht allein zu dieser Art von Gedichten geschickt ist. Nach diesem Beyspiele hat der Verfaßer ein paar Gärtner-Idyllen und eine Fischer-Idylle gewagt. Es würde anstößig gewesen seyn, wenn derselbe Kunst-Gärtner darin aufgeführt hätte, er hoft aber nicht, daß die seinigen den Geschmack beleidigen werden, und wenn es der Nahme thut, so kan ihn die Gewohnheit erträglich machen.


           Ode an die preußische Armee

                       Im Merz 1757

Unüberwundnes Heer! mit dem Tod und Verderben
In Legionen Feinde dringt,
Um das der frohe Sieg die güldnen Flügel schwingt
O Heer! bereit zum Siegen oder Sterben.

Sieh! Feinde deren Last die Hügel fast versinken
Den Erdkreis beben macht,
Ziehn gegen dich und drohn mit Qvaal und ewger Nacht;
Das Wasser fehlt wo ihre Roße trinken.

Der dürre schiele Neid treibt niederträchtge Schaaren
Aus West und Süd heraus,
Und Nordens Höhlen speyn, so wie des Osts, Barbaren
Und Ungeheur, dich zu verschlingen, aus.

Verdopple deinen Muth! Der Feinde wilde Fluthen
Hemmt Friedrich und dein starker Arm;
Und die Gerechtigkeit verjagt den tollen Schwarm.
Sie blizt durch dich auf ihn, und seine Rücken bluten.

Die Nachwelt wird auf dich, als auf ein Muster sehen;
Die künfftgen Helden ehren dich,
Ziehn dich den Römern vor, dem Cäsar Friederich,
Und Böhmens Felsen sind dir ewige Tropheen.

Nur schone, wie bisher, im Lauf von grossen Thaten
Den Landmann, der dein Feind nicht ist!
Hilf seiner Noth, wenn du von Noth entfernet bist!
Das Rauben überlaß den Feigen und Croaten.

Ich seh, ich sehe schon - freut euch, o Preußens Freunde! -
Die Tage deines Ruhms sich nahn.
In Ungewittern ziehn die Wilden stolz heran.
Doch Friedrich winket dir, wo sind sie nun, die Feinde?

Du eilest ihnen nach, und drückst in schweren Eisen
Den Tod tief ihren Schedeln ein,
Und kehrst voll Ruhm zurück, die Deinen zu erfreun,
Die jauchzend dich empfahn, und ihre Retter preisen.

Auch ich, ich werde noch, - vergönn es mir o Himmel! -
Einher vor wenig Helden ziehn.
Ich seh dich, stolzer Feind! den kleinen Haufen fliehn,
Und find Ehr oder Tod im rasenden Getümmel.


              Lied eines Lappländers

Komm Zama, komm! Laß deinen Unmuth fahren,
O du der Preis
Der Schönen! komm! In den zerstörten Haaren
Hängt mir schon Eis.

Du zürnst umsonst. Mir giebt die Liebe Flügel,
Nichts hält mich auf.
Kein tiefer Schnee, kein Sumpf, kein Thal, kein Hügel
Hemmt meinen Lauf.

Ich will im Wald auf hohe Bäume klimmen
Dich auszuspähn,
Und durch die Fluth der tiefsten Ströhme schwimmen,
Um dich zu sehn.

Das dürre Laub will ich vom Strauche pflücken,
Der dich verdeckt,
Und auf der Wies' ein iedes Rohr zerknicken,
Das dich versteckt.

Und solltest du, weit übers Meer, in Wüsten
Verborgen seyn;
So will ich bald an Grönlands weißen Küsten,
Nach Zama schreyn.

Die lange Nacht kommt schon. Still mein Verlangen
Und eil zurück!
Du kommst, mein Licht! du kommst, mich zu umfangen;
O, welch ein Glück!


           Dithyrambe

Freund! versäume nicht zu leben,
Denn die Jahre fliehn,
Und es wird der Saft der Reben
Uns nicht lange glühn!

Lach der Ärtzt' und ihrer Räncke!
Tod und Kranckheit laurt,
Wenn man bey dem Froschgeträncke
Seine Zeit vertraurt.

Mosler-Wein, der Sorgenbrecher,
Schafft gesundes Blut.
Trinck aus dem bekränzten Becher
Glück und frohen Muth.

So! - noch eins! - Siehst du Lyäen
Und die Freude nun?
Bald wirst du auch Amorn sehen,
Und auf Rosen ruhn.


      Liebslied an die Weinflasche

              - - - - jocos
             Quid vetat innocuos? - -
                                Vanierius.

O Flasche, voll vom Saft der rheinschen Traube,
Du Schmuck der Welt!
Beglückt ist der, der in der Rosenlaube
Im Arm dich hält!

Nun du mich liebst, ist gut und schlimm Geschicke
Mir gänzlich gleich;
Du bist mein Trost, mein Leben, Ruh und Glücke,
Und Himmelreich.

Wenn andre sich in Grausame vergaffen,
O wie lach ich
Der Thoren! Du bist für mein Herz erschaffen,
Und ich für dich.

Du stärkst den Muth und führest Himmels-Freuden
In meine Brust.
Des Waßers Freund muß Pein und Schwermuth leiden,
Und mißen Lust.

Fiel Adam wohl, der Trauben gnug verschlucket,
Dadurch in Noth?
Der Biß in Frucht, aus der man Cider2 drucket,
Verdiente Tod.

Bleib mir forthin, was du mir stets gewesen,
Mein Ruhm und Heil!
Dich hab ich mir aus einer Welt erlesen,
Zum besten Theil.

Und sterb ich einst, so wein auf meine Asche,
Und schluchz betrübt:
Hier ruhet der, der mich gekränkte Flasche
Getreu geliebt.


             Grab-Lied

Weh dir! daß du gestorben bist.
Du wirst nicht mehr Auroren sehn
Wenn sie vom Morgen Himmel blickt
In rother Tracht, mit güldnem Haar;
Und die bethauten Wiesen nicht,
Auch nicht im melancholschen Hayn
Die Sonn im Spiegel grüner Fluth.
Der Veilchen Duft wird dich nicht mehr
Erfreun, und das Gemurmel nicht
Des Bachs, der Rosen-Büsche tränckt,
Auf dem vor Zephirs sanftem Hauch
Die kleinen krausen Wellen fliehn.
Auch wird dich Philomele nicht
Mehr rühren, durch der Töne Macht,
Auch meines Krausens3 Laute nicht
Die Philomelen ähnlich seufzt.

Allein, du wirst auch nicht mehr sehn,
Daß sich der Tugendhaffte qvält,
Sich seiner Blöse schämt und darbt
Und seine Lebenszeit verweint;
Indeßen daß in Seid und Gold
Der Bösewicht stolzirt und lacht.
Du wirst nicht sehn, daß ein Tyrann
Die Ferse, freygebohrnem Volck
In den gebognen Nacken setzt,
Das ihm Tribut und Steur bezahlt,
Nicht für den Schutz, nein, für die Luft.
Kein Narr, kein Höfling wird dich mehr
Mit dummer Falschheit peinigen,
Und keine Rachsucht sieht auf dich
Mit scheelen Blicken eines Wolfs.
Nicht Ungewitter, Pestilenz
Und Erderschütterung und Krieg
Erschreckt dich mehr. Der Erde Punckt
(Samt Pestilenz und Krieg und Noth)
Flieht unter deinen Füßen fort,
In Dunst und Blitz gewickelt. Sturm
Und Donner ruft weit unter dir,
Und Ruh und Freude labt dein Herz
In Gegenden voll Heiterkeit.
Wohl dir, daß du gestorben bist!