Lessing

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Biografie

Seite 2

  Die Sinngedichte an den Leser

Wer wird nicht einen Klopstock loben?
Doch wird ihn jeder lesen? - Nein.
Wir wollen weniger erhoben,
Und fleißiger gelesen sein.


          Ebendieselben

Wir möchten gern dem Kritikus gefallen:
Nur nicht dem Kritikus vor allen.
Warum? Dem Kritikus vor allen
Wird auch kein Sinngedicht gefallen.


 Auf den neuern Teil dieser Sinngedichte

Ins zweimal neunte Jahr, mit stummer Ungeduld,
Bewahrt', auf Besserung, sie mein verschwiegnes Pult.
Was sie nun besser sind, das läßt sich leicht ermessen:
Mein Pult bewahrte sie; ich hatte sie vergessen.


               Der Stachelreim

Erast, der gern so neu als eigentümlich spricht,
Nennt einen Stachelreim sein leidig Sinngedicht.
Die Reime hör' ich wohl; den Stachel fühl' ich nicht.


                       Nikander

Nikandern glückte jüngst ein trefflich Epigramm,
So fein, so scharf, als je von Kästnern eines kam.
Nun schwitzt er Tag und Nacht, ein zweites auszuhecken.

Vergebens; was er macht, verdirbt.
So sticht ein Bienchen uns, und läßt den Stachel stecken,
Und martert sich, und stirbt.


        An den Marull

Groß willst du, und auch artig sein?
Marull, was artig ist, ist klein.


      Merkur und Amor

Merkur und Amor zogen
Auf Abenteuer durch das Land.
Einst wünscht sich jener Pfeil und Bogen;
Und gibt für Amors Pfeil und Bogen
Ihm seinen vollen Beutel Pfand.

Mit so vertauschten Waffen zogen,
Und ziehn noch, beide durch das Land.
Wenn jener Wucher sucht mit Pfeil und Bogen,
Entzündet dieser Herzen durch das Pfand.


              Thrax und Stax

STAX. Thrax! eine taube Frau zu nehmen!
O Thrax, das nenn' ich dumm.
THRAX. Ja freilich, Stax! ich muß mich schämen.
Doch sieh, ich hielt sie auch für stumm.


               Der geizige Dichter

Du fragst, warum Semir ein reicher Geizhals ist?
Semir, der Dichter? er, den Welt und Nachwelt liest?
Weil, nach des Schicksals ew'gem Schluß,
Ein jeder Dichter darben muß.


             Auf Lucinden

Sie hat viel Welt, die muntere Lucinde.
Durch nichts wird sie mehr rot gemacht.
Zweideutigkeit und Schmutz und Schand' und Sünde,
Sprecht was ihr wollt: sie winkt euch zu, und lacht.
Erröte wenigstens, Lucinde,
Daß nichts dich mehr erröten macht!


       Auf die Europa

Als Zeus Europen lieb gewann,
Nahm er, die Schöne zu besiegen,
Verschiedene Gestalten an,
Verschieden ihr verschiedlich anzuliegen.
Als Gott zuerst erschien er ihr;
Dann als ein Mann, und endlich als ein Tier.

Umsonst legt er, als Gott, den Himmel ihr zu Füßen:
Stolz fliehet sie vor seinen Küssen.
Umsonst fleht er, als Mann, in schmeichelhaftem Ton:

Verachtung war der Liebe Lohn.
Zuletzt - mein schön Geschlecht, gesagt zu deinen Ehren! -
Ließ sie - von wem? - vom Bullen sich betören.


       Pompils Landgut

Auf diesem Gute läßt Pompil
Nun seine sechste Frau begraben.
Wem trug jemals ein Gut so viel?
Wer möchte so ein Gut nicht haben?


       Widerruf des Vorigen

Ich möchte so ein Gut nicht haben.
Denn sollt' ich auch die sechste drauf begraben:
Könnt' ich doch leicht - nicht wahr, Pompil? -
Sechs gute Tage nur erlebet haben.


         An die Herren X und Y

Welch Feuer muß in eurem Busen lodern!
Ihr habt den Mut, euch kühn herauszufodern.
Doch eure Klugheit hält dem Mute das Gewicht:
Ihr fodert euch, und stellt euch nicht.


Die Ewigkeit gewisser Gedichte

Verse, wie sie Bassus schreibt,
Werden unvergänglich bleiben: -
Weil dergleichen Zeug zu schreiben,
Stets ein Stümper übrig bleibt.


   Auf das Jungfernstift zu **

Denkt, wie gesund die Luft, wie rein
Sie um dies Jungfernstift muß sein!
Seit Menschen sich besinnen,
Starb keine Jungfer drinnen.


                  An den Doktor Sp**

Dein Söhnchen läßt dich nie den Namen Vater hören:
Herr Doktor ruft es dich. Ich dankte dieser Ehren! -
Die Mutter wollt' es wohl so früh nicht lügen lehren?


        Auf den Mnemon

Ist Mnemon nicht ein seltner Mann!
Wie weit er sich zurück erinnern kann!

Bis an die ersten Kinderpossen:
Wie viel er Vögel abgeschossen,
Wie manches Mädchen er begossen;
Bis an das Gängelband, bis an die Ammenbrust,
Ist, was er litt und tat, ihm alles noch bewußt.
Zwar alles glaub' ich nicht; ich glaub' indessen,
Die Zeit ist ihm noch unvergessen,
Als seine Mutter Dorilis
Noch nicht nach seinem Vater hieß.


                         Baus Gast


So oft Kodyll mich sieht zu Baven schmausen gehen,
Beneidet mich Kodyll. Der Tor!
Das Mahl bei Baven kömmt mir teuer gnug zu stehen:

Er liest mir seine Verse vor.


                        Auf den Rufus

Weiß ichs, was Rufus mag so viel Gelehrten schreiben?
Dies weiß ich, daß sie ihm die Antwort schuldig bleiben.


       Auf Dorinden

Ist nicht Dorinde von Gesicht
Ein Engel? - Ohne Zweifel. -
Allein ihr plumper Fuß? - Der hindert nicht.
Sie ist ein Engel von Gesicht,
Von Huf ein Teufel.

An das Bild der Gerechtigkeit, in dem Hause
eines Wucherers, nebst der Antwort


Gerechtigkeit! wie kömmst du hier zu stehen?
Hat dich dein Hausherr schon gesehen?
"Wie meinst du, Fremder, diese Frage?
Er sieht und übersieht mich alle Tage."


Auf einen adeligen Dummkopf

Das nenn' ich einen Edelmann!
Sein Ur-Ur-Ur-Ur-Älterahn
War älter Einen Tag, als unser aller Ahn.


          An eine würdige Privatperson

Gibt einst der Leichenstein von dem, was du gewesen,

Dem Enkel, der dich schätzt, so viel er braucht, zu lesen,
So sei die Summe dies: "Er lebte schlecht und recht,
Ohn' Amt und Gnadengeld, und niemands Herr noch Knecht."


        Auf die Iris

Der Iris blühend volle Brust
Reizt uns, o D*, zu welcher Lust!
Doch ihr erbärmliches Gesichte,
O D*, macht Reiz und Lust zu nichte.
Sieh, Freund, so liegen Frost und Flammen,
Und Gift und Gegengift beisammen.


                       Auf Frau Trix

Frau Trix besucht sehr oft den jungen Doktor Klette.
Argwohnet nichts! Ihr Mann liegt wirklich krank zu Bette.


                 Auf Lukrins Grab

Welch tötender Gestank hier, wo Lukrin begraben,
Der unbarmherz'ge Filz! - Ich glaube gar, sie haben
Des Wuchrers Seele mit begraben.


Im Namen eines gewissen Poeten, dem der König
von Preußen eine goldene Dose schenkte


Die goldne Dose, - denkt nur! denkt! -
Die König Friedrich mir geschenkt,
Die war - was das bedeuten muß? -
Statt voll Dukaten, voll Helleborus.


Auf den falschen Ruf von Nigrinens Tode

Es sagte, sonder alle Gnade,
Die ganze Stadt Nigrinen tot.
Was tat die Stadt in dieser Not?
Ein Zehnteil von der Stadt sprach: Schade!
Doch als man nach und nach erfuhr, daß das Geschrei

Ein bloßes blindes Lärmen sei:
So holten, was zuvor das eine Zehnteil sprach,
Die andern neune nach.


                         Auf den Gargil

Mit richtrisch scharfem Kiel durchackert seine Lieder
Gargil. Ins neunte Jahr schreibt, löscht und schreibt er wieder.
Sein Lied ist Lieb' und Wein. Kann man es ihm verdenken,
Daß er der Nachwelt will vollkommne Possen schenken?


              Die Flucht

"Ich flieh, um öfter noch zu streiten!"
Rief Fix, der Kern von tapfern Leuten.
Das hieß: (so übersetz' ich ihn)
Ich flieh, um öfter noch zu fliehn.


                      Die Wohltaten

Wär' auch ein böser Mensch gleich einer lecken Bütte,
Die keine Wohltat hält: dem ungeachtet schütte -
Sind beides, Bütt' und Mensch nicht allzu morsch und alt, -
Nur deine Wohltat ein. Wie leicht verquillt ein Spalt!


               An einen Geizigen

Ich dich beneiden? - Tor! Erspar', ererb', erwirb,
Hab' alles! - Brauche nichts, laß alles hier, und stirb!


               Hinz und Kunz

HINZ. Was doch die Großen alles essen!
Gar Vogelnester; eins, zehn Taler wert.
KUNZ. Was? Nester? Hab' ich doch gehört,
Daß manche Land und Leute fressen.
HINZ. Kann sein! kann sein, Gevattersmann!
Bei Nestern fingen die denn an.


          Auf eine lange Nase

O aller Nasen Nas'! Ich wollte schwören,
Das Ohr kann sie nicht schnauben hören.


            Auf Stipsen

Stips ist, trotz einem Edelmann,
Ein Dummkopf und ein braver Degen;
Borgt, wie ein frecher Edelmann;
Zahlt, wie ein Edelmann, mit Schlägen;
Verprasset sein und anderer Vermögen,
Wie ein geborner Edelmann:
Und doch - wer kann dergleichen Torheit fassen? -
Will Stips sich noch erst adeln lassen.


            Auf den Sanktulus

Dem Alter nah, und schwach an Kräften,
Entschlägt sich Sanktulus der Welt
Und allen weltlichen Geschäften,
Von denen keins ihm mehr gefällt.
Die kleine trübe Neige Leben
Ist er in seinem Gott gemeint,
Der geistlichen Beschauung zu ergeben;
Ist weder Vater mehr, noch Bürger mehr, noch Freund.
Zwar sagt man, daß ein trauter Knecht
Des Abends durch die Hintertüre
Manch hübsches Mädchen zu ihm führe.
Doch, böse Welt, wie ungerecht!
Ihm so was übel auszulegen!
Auch das geschieht bloß der Beschauung wegen.


                              An Grillen

Sei kürzer! sprichst du, Grill. Schweig, Grill! du bist nicht klug.
Ist das dir kurz genug?


         An den Salomon

Hochweiser Salomon! dein Spruch,
"Daß unter Tausenden kein gutes Weib zu finden",
Gehört - gerad' heraus - zu deinen Zungensünden;
Und jeder Fluch ist minder Fluch,
Als dieser schöne Sittenspruch.
Wer sie bei Tausenden will auf die Probe nehmen,
Wie du getan, hochweiser Mann,
Muß sich bei Tausenden der Probe freilich schämen,
Wird drüber wild, und lästert dann.


          Auf ebendenselben

Daß unter Tausenden ein weiser Mann
Kein gutes Weibchen finden kann:
Das wundert mich recht sehr.
Doch wundert mich noch mehr,
Daß, unter Tausenden, ein weiser Mann
Nicht Eine gut sich machen kann.


                 Das böse Weib

Ein einzig böses Weib lebt höchstens in der Welt:
Nur schlimm, daß jeder seins für dieses einz'ge hält.


                  An den Aemil

Mit Unrecht klagest du, treuherziger Aemil,
Daß man so selten nur auf deine Worte bauen,
Mit Gleichem Gleiches dir gar nicht vergelten will:
Wer allen alles traut, dem kann man wenig trauen.


                     Trux an den Sabin

Ich hasse dich, Sabin; doch weiß ich nicht weswegen:
Genug, ich hasse dich. Am Grund' ist nichts gelegen.


                         Antwort des Sabin

Haß' mich, so viel du willst! doch wüßt' ich gern, weswegen:
Denn nicht an deinem Haß, am Grund' ist mir gelegen.


                 An einen Lügner

Du magst so oft, so fein, als dir nur möglich, lügen:
Mich sollst du dennoch nicht betriegen.
Ein einzigmal nur hast du mich betrogen:
Das kam daher, du hattest nicht gelogen.


               Auf Trill und Troll

Ob Trill mehr, oder Troll mehr zu beneiden ist,
Trill, der Dorindens Bild, Troll, der Dorinden küßt:
Das möcht' ich wohl entschieden wissen, -
Da beide sie gemalt nur küssen.


    Entscheidung des Vorigen

Ich denke, Trill ist noch am besten dran:
Weil ihn das Bild nicht wieder küssen kann.


                An die **

Du fragst: Wer gibt für meinen Sohn
Mir einen Namen an?
Für deinen Sohn, und wessen Sohn? -
Du schweigest? - Nenn' ihn Pan.


                  Auf Alandern

Alander, hör' ich, ist auf mich gewaltig wild;
Er spöttelt, lästert, lügt und schilt.
Kennt mich der gute Mann? - Er kennt mich nicht, ich wette.
Doch was? als ob nicht auch sein Bruder an der Kette
Auf die am heftigsten, die er nicht kennet, billt.


            Auf einen Brand zu **

Ein Hurenhaus geriet um Mitternacht in Brand.
Schnell sprang, zum Löschen oder Retten,
Ein Dutzend Mönche von den Betten.
Wo waren die? Sie waren - - bei der Hand.
Ein Hurenhaus geriet in Brand.


                                   An Einen

Du schmähst mich hinterrücks? das soll mich wenig kränken.
Du lobst mich ins Gesicht? das will ich dir gedenken!


           Grabschrift des Nitulus

Hier modert Nitulus, jungfräulichen Gesichts,
Der durch den Tod gewann: er wurde Staub aus Nichts.


                     Auf den Kodyll

Der kindische Kodyll wird keiner Steigrung satt,
Läßt keinen Krämer laufen,
Kauft alles, was er sieht: um alles, was er hat,
Bald wieder zu verkaufen.


            An den Pompil

Ich halte Spielen zwar für keine Sünde:
Doch spiel' ich eher nicht, Pompil,
Als bis ich keinen finde,
Der mir umsonst Gesellschaft leisten will.


       Auf den Tod eines Affen

Hier liegt er nun, der kleine, liebe Pavian,
Der uns so manches nachgetan!
Ich wette, was er itzt getan,
Tun wir ihm alle nach, dem lieben Pavian.


Grabschrift auf ebendenselben

Hier faulet Mimulus, ein Affe.
Und leider! leider! welch ein Affe!
So zahm, als in der Welt kein Affe;
So rein, als in der Welt kein Affe;
So keusch, als in der Welt kein Affe;
So ernst, als in der Welt kein Affe;
So ohne Falsch. O welch ein Affe!
Damit ichs kurz zusammen raffe:
Ein ganz originaler Affe.


               Auf die Phasis

Von weitem schon gefiel mir Phasis sehr:
Nun ich sie in der Nähe
Von Zeit zu Zeiten sehe,
Gefällt sie mir - auch nicht von weitem mehr.


            Auf Nickel Fein

In Jahresfrist, verschwor sich Nickel Fein,
Ein reicher, reicher Mann zu sein.
Auch wär' es, traun! nach seinem Schwur gegangen,
Hätt' man ihn nicht vor Jahresfrist gehangen.


  Auf eine Liebhaberin des Trauerspiels

Ich höre, Freund, dein ernstes, schönes Kind
Will sich des Lachens ganz entwöhnen,
Kömmt in den Schauplatz nur, wenn süße Tränen
Da zu vergießen sind. -
Wie? fehlt es ihr bereits an schönen Zähnen?


  Auf ein Schlachtstück von Hugtenburg

Furchtbare Täuscherei! Bramarbas stand vor ihr,
Ward blaß, und zitterte, und fiel, und rief: Quartier!


                   Auf den Hablador

Habladors Mund, Utin, ist dir ein Mund zum Küssen?

Wie er spricht, spricht dir niemand nicht? -
Wie sollte so ein Mann auch nicht zu sprechen wissen?
Er tut ja nichts, als daß er spricht.


                      Auf den Mison

Ich warf dem Mison vor, daß ihn so viele hassen.
Je nun! wen lieb' ich denn? sprach Mison ganz gelassen.


                   Der reiche Freier

Ein Bettler ging auf Freiersfüßen,
Und sprach zu einer Magd, die er nach Wunsche fand:

Nimm mich! Sie fragt: worauf? "Auf diese dürre Hand:
Die soll uns wohl ernähren müssen!"
Die Magd besann sich kurz, und gab ihm ihre Hand.


                  Auf den Rufinus

Rufinus endet nichts, er fängt nur alles an.
Ob alles? Lesbia, sprich doch! du kennst den Mann.


          Hänschen Schlau

"Es ist doch sonderbar bestellt",
Sprach Hänschen Schlau zu Vetter Fritzen,
"Daß nur die Reichen in der Welt
Das meiste Geld besitzen."


                   An die Dorilis

Dein Hündchen, Dorilis, ist zärtlich, tändelnd, rein:
Daß du es also leckst, soll das mich wundern? nein!
Allein dein Hündchen lecket dich:
Und dieses wundert mich.


Grabschrift eines Unglücklichen, welcher
zuletzt in einem Schiffbruche umkam


Hier warfen mich die Wellen an das Land.
Hier grub mich tot, mit frommer Hand,
Ein Fischer in den leichten Sand.

Dein Mitleid, Leser, ist bei mir nicht angewandt!
Im Sturme scheitern und ersaufen,
Hieß mir Unglücklichem, mit Sturm in Hafen laufen.


             An einen schlechten Maler

Ich saß dir lang' und oft: warum denn, Meister Steffen?
Ich glaube fast, mich nicht von ungefähr zu treffen.


            Auf eine Bildsäule des Amor

Hier blieb, als Amor, sich noch mächtiger zu sehen,
Eleonora ward, sein Körper geistlos stehen.


           Auf ebendieselbe

So lieb euch, Kinder, Ruh und Glück:
Zurück von ihm, dem Schalke! weit zurück! -
(Ich hätte viel für diesen Rat gegeben!)
Er stellt sich so nur ohne Leben.


         Auf ebendieselbe

Kommt diesem Amor nicht zu nah,
Und stört ihn nicht in seinem Staunen!
Noch steht er so, in Einem süßen Staunen,
Seit er Philinden sah.


          Auf ebendieselbe

Die Unschuld naht sich ihm, und bebt:
Sie fühlt, sie fühlt es, daß er lebt.


     Auf ebendieselbe

O Chloe, halte deinen Blick
Von diesem Schalke ja zurück!
Gesetzt, er wär' auch ohne Leben:
Was er nicht hat, das kann dein Blick ihm geben.


           Auf den Fabull

Fabull verschließet alle Kisten
Vor Freunden, Dienern, Weib und Kind,
Damit sich niemand läßt gelüsten
Zu sehen, daß sie ledig sind.


        Auf den trägen Y

Mit dir und über dich zu lachen,
Soll ich ein Sinngedichte machen?
Gut! daß du ohne Müh kannst lachen,
So will ichs sonder Einfall machen.


Entschuldigung wegen unterlassenen Besuchs

So wahr ich lebe, Freund, ich wollte ganze Tage
Und ganze Nächte bei dir sein:
Um mich mit dir die ganzen Tage,
Die ganzen Nächte zu erfreun.
Doch tausend Schritte sinds, die unsre Wohnung trennen;
Und hundert wohl noch oben drein.
Und wollt' ich sie auch gern, die tausend Schritte, rennen,
Und jene hundert oben drein:
So weiß ich doch, daß ich am Ende
Des langen Wegs, dich zwanzigmal nicht fände.
Denn öfters bist du nicht zu Hause,
Und manchmal bist du's nicht für mich:
Wenn nach dem langen Zirkelschmause
Der kleinste Gast dir hinderlich.
Ich wollte, wie gesagt, gern tausend Schritte rennen,
Dich, liebster Freund, dich sehn zu können:
Doch, allzu weiter Freund, dich nicht zu sehn,
Verdreußt michs, Einen nur zu gehn.


                       An den Paul

Es scheinet, daß du, Paul, der einz'ge Trunkne bist:
Denn du willst nüchtern sein, wo keiner nüchtern ist.


             Velt und Polt

Zum Henker! fluchte Polt zu Velten,
Mußt du mich einen Lügner schelten?
Zum Henker! fluchte Velt zu Polten,
Ich einen Lügner dich gescholten?
Das leugst du, Polt, in deinen Hals,
Das leugst du, als ein Schelm, und als - - -
Ha! das hieß Gott dich sprechen, Velten!
Denn Lügner laß ich mich nicht schelten.


                        Der kranke Stax

"Komm' ich vom Lager auf, und gibt Gott Fried' im Staat",
Gelobt der kranke Stax, "so werd' ich ein Soldat."


           Die blaue Hand

Ein Richter war, der sah nicht wohl:
Ein Färber kömmt, der schwören soll.
Der Färber hebt die blaue Hand;
Da ruft der Richter: Unverstand!
Wer schwört im Handschuh? Handschuh aus!
Nein! ruft der Färber; Brill' heraus!


                  Der Schuster Franz

Es hat der Schuster Franz zum Dichter sich entzückt.
Was er als Schuster tat, das tut er noch: er flickt.


                            Das Mädchen

Zum Mädchen wünscht' ich mir - und wollt' es, ha! recht lieben -
Ein junges, nettes, tolles Ding,

Leicht zu erfreun, schwer zu betrüben,
Am Wuchse schlank, im Gange flink,
Von Aug' ein Falk,
Von Mien' ein Schalk;
Das fleißig, fleißig liest:
Weil alles, was es liest,
Sein einzig Buch - der Spiegel ist;
Das immer gaukelt, immer spricht,
Und spricht und spricht von tausend Sachen,
Versteht es gleich das Zehnte nicht
Von allen diesen tausend Sachen:
Genug, es spricht mit Lachen,
Und kann sehr reizend lachen.

Solch Mädchen wünscht' ich mir! - Du, Freund, magst deine Zeit
Nur immerhin bei schöner Sittsamkeit,
Nicht ohne seraphin'sche Tränen,
Bei Tugend und Verstand vergähnen.
Solch einen Engel
Ohn' alle Mängel
Zum Mädchen haben:
Das hieß' ein Mädchen haben? -
Heißt eingesegnet sein, und Weib und Hausstand haben.


                        Auf den Fell

Als Fell, der Geiferer, auf dumpfes Heu sich streckte,
Stach ihn ein Skorpion. Was meint ihr, daß geschah!
Fell starb am Stich? - Ei ja doch, ja!
Der Skorpion verreckte.


       An den Herrn D*

Dein Epigramm, o D*, ist fein!
Es hat mich trefflich durchgezogen;
Und ist, vollkommen schön zu sein,
Erstunken und erlogen.


  An einen geizigen Vater

Verlangt dein Kind ein Freier,
Der wenig nach der Mitgift fragt;
So denke, was das Sprichwort sagt:
Sehr wohlfeil ist sehr teuer.


                        Auf den Kauz

Wer sagt, daß Meister Kauz Satiren auf mich schreibt?
Wer nennt geschrieben das, was ungelesen bleibt?


                  Auf den Lupan

Des beißigen Lupans Befinden wollt ihr wissen?
Der beißige Lupan hat jüngst ins Gras gebissen.


           An den Leser

Du dem kein Epigramm gefällt,
Es sei denn lang und reich und schwer:
Wo sahst du, daß man einen Speer,
Statt eines Pfeils, vom Bogen schnellt?


                  An den Herrn von Dampf

Dein Diener, Herr von Dampf, ruft: Platz da! vor dir her.
Wenn ich an deiner Stelle wär',
Den Diener wollt' ich besser brauchen:
Du kannst dir freien Weg ja durchs Gedränge - hauchen.


                       An ebendenselben

Dem hast du nur die Hand, und dem den Kuß beschieden.
Ich, gnädger Herr von Dampf! bin mit der Hand zufrieden.


  Auf einen gewissen Dichter

Ihn singen so viel mäß'ge Dichter,
Ihn preisen so viel dunkle Richter,
Ihn ahmt so mancher Stümper nach,
Ihm nicht zum Ruhm, und sich zur Schmach.
Freund, dir die Wahrheit zu gestehen,
Ich bin zu dumm es einzusehen,
Wie sich für wahr Verdienst ein solcher Beifall schicket.
Doch so viel seh' ich ein,
Das Singen, das den Frosch im tiefen Schlamm entzücket,
Das Singen muß ein Quaken sein.


                      An den Wesp

Nur Neues liebest du? nur Neues willst du machen?
Du bist, mein guter Wesp, sehr neu in allen Sachen.


                            An den Trill

Bald willst du, Trill, und bald willst du dich nicht beweiben:
Bald dünkt dichs gut, bald nicht, ein Hagestolz zu bleiben.
Ich soll dir raten? Wohl! Tu, was dein Vater tat:
Bleib frei; heirate nicht! - Da hast du meinen Rat.


                 An ebendenselben

Du nennest meinen Rat ein schales Sinngedicht?
Trill, einen andern Rat bekömmst du wahrlich nicht.
Zum Hängen und zum Freien
Muß niemand Rat verleihen.


         An die Fuska

Sei nicht mit deinem roten Haar
So äußerst, Fuska, unzufrieden!

Ward dir nicht schönes braunes Haar,
So ward dir braune Haut beschieden.


                 Auf den Tod des D. Mead

Als Mead am Styx erschien, rief Pluto voller Schrecken:
Weh mir! nun kömmt er gar, die Toten zu erwecken.


Auf die schöne Tochter eines schlechten Poeten

Der Vater reimt und suchet allen,
Nicht wenig Kennern, zu gefallen.
Die Tochter buhlt: o! straft sie nicht!
Das gute Kind will allen,
Wie ihres Vaters Reim, gefallen.


            Auf ebendieselbe

Dein braunes Mädchen, Freund, ist schön:
Das muß ihr auch der Neid gestehn.
So schön, daß man es ganz vergißt,
Daß sie ein wenig buhlrisch ist;
So schön, daß man es gar vergißt,
Daß ihr Papa ein Reimschmied ist.


                    Auf den Sextus

Die, der Ein Auge fehlt, die will sich Sextus wählen?
Ein Auge fehlet ihr, ihm müssen beide fehlen.


                        Kunz und Hinz

KUNZ. Hinz, weißt du, wer das Pulver hat erfunden?
Der leid'ge böse Geist.

HINZ. Wer hat dir, Kunz, das aufgebunden?
Ein Pfaffe wars, der Berthold heißt.
KUNZ. Sei drum! so ward mir doch nichts aufgebunden.
Denn sieh! Pfaff' oder böser Geist
Ist Maus wie Mutter, wie mans heißt.


                         Auf den Bav

Ein schlechter Dichter Bav? ein schlechter Dichter? nein!
Denn der muß wenigstens ein guter Reimer sein.


             Auf Dorinden

Sagt nicht, die ihr Dorinden kennt,
Daß sie aus Eitelkeit nur in die Kirchen rennt;
Daß sie nicht betet, und nicht höret,
Und andre nur im Beten störet.
Sie bat, (mein eignes Ohr ist Zeuge;
Denn ihre Schönheit geht allmählig auf die Neige)
Sie bat mit ernstlichen Gebärden:
"Laß unser Angesicht, Herr, nicht zu Schanden werden!"


                   Auf die Galathee

Die gute Galathee! Man sagt, sie schwärz' ihr Haar;
Da doch ihr Haar schon schwarz, als sie es kaufte, war.


                Auf die Hütte des Irus

Vorbei verwegner Dieb! denn unter diesem Dache,
In jedem Winkel hier, hält Armut treue Wache.


      Auf einen gewissen Leichenredner


O Redner! dein Gesicht zieht jämmerliche Falten,
Indem dein Maul erbärmlich spricht.
Eh du mir sollst die Leichenrede halten,
Wahrhaftig, lieber sterb' ich nicht!


          Das schlimmste Tier

Wie heißt das schlimmste Tier mit Namen?
So fragt' ein König einen weisen Mann.
Der Weise sprach: von wilden heißts Tyrann,
Und Schmeichler von den zahmen.


        Auf die Magdalis

Die alte reiche Magdalis
Wünscht mich zum Manne, wie ich höre.
Reich wäre sie genug, das ist gewiß;
Allein so alt! - Ja, wenn sie älter wäre!


                                Auf Lorchen

Lorchen heißt noch eine Jungfer. Wisset, die ihrs noch nicht wißt:
So heißt Lucifer ein Engel, ob er gleich gefallen ist.


                           Klimps

Der alte fromme Klimps, bei jedem Bissen Brot,
Den er genoß, sprach: Segne Gott!
Den schönen Spruch nicht halb zu lassen, sprach
Und stirb! sein frommes Weib mit Hiobs Weib' ihm nach.


    Der spielsüchtige Deutsche

So äußerst war, nach Tacitus Bericht,
Der alte Deutsch' aufs Spiel erpicht,
Daß, wenn er ins Verlieren kam,
Er endlich keinen Anstand nahm,
Den letzten Schatz von allen Schätzen,
Sich selber, auf das Spiel zu setzen.

Wie unbegreiflich rasch! wie wild!
Ob dieses noch vom Deutschen gilt?
Vom deutschen Manne schwerlich. - Doch,
Vom deutschen Weibe gilt es noch.


Das Pferd Friedrich Wilhelms auf der Brücke zu Berlin

Ihr bleibet vor Verwundrung stehn,
Und zweifelt doch an meinem Leben?
Laßt meinen Reiter mir die Ferse geben:
So sollt ihr sehn!


               Auf die feige Mumma

Wie kömmts, daß Mumma vor Gespenstern flieht,
Sie, die doch täglich eins im Spiegel sieht?


  Eine Gesundheit auf die Gesundheiten

Weg, weg mit Wünschen, Reimen, Schwänken!
Trinkt fleißig, aber trinket still!
Wer wird an die Gesundheit denken,
Wenn man die Gläser leeren will?


          Auf einen unnützen Bedienten

Im Essen bist du schnell, im Gehen bist du faul.
Iß mit den Füßen, Freund, und nimm zum Gehn das Maul.


                      Der Schwur

Ich schwöre Lalagen, daß sonder ihre Küsse,
Kein königliches Glück mein Leben mir versüße.
Dies schwör' ich ihr im Ernst, wofern sie sich ergibt;
Und schwör' es ihr im Scherz, wofern sie mich nicht liebt.


Themis über ihr Bildnis in dem Hause eines Richters

Womit, o Zeus, hab' ich den Schimpf verschuldet,
Daß man mein Bild in diesem Hause duldet?


                   Der Furchtsame

Kaum seh' ich den Donner die Himmel umziehen,
So flieh' ich zum Keller hinein.
Was meint ihr? ich suchte den Donner zu fliehen?
Ihr irrt euch; ich suche den Wein.

                      An den Herrn V.

Du ladest zwanzig Schmauser ein,
Wovon ich keinen kenn'; und dann mich oben drein.
Doch zürnst du, und erstaunst, warum ich nicht erscheine?
Ich schmause, Freund, nicht gern alleine.


      Auf die Genesung einer Buhlerin

Dem Tode wurde jüngst vom Pluto anbefohlen,
Die Lais unsrer Stadt nach jener Welt zu holen.
Sie war so alt doch nicht, und reizte manchen noch,
Durch Willigkeit und Scherz in ihr gemächlich Joch.
"Was?" sprach der schlaue Tod, der ökonomisch denket,
Und nicht, wie man wohl glaubt, den Wurfpfeil blindlings schwenket:
"Die Lais brächt' ich her? das wäre dumm genung!
Nein! Ärzt' und Huren - nein! die hol' ich nicht so jung!"


   An zwei liebenswürdige Schwestern

Reiz, Jugend, Unschuld, Freud' und Scherz
Gewinnen euch ein jedes Herz;
Und kurz: Ihr brauchet eures gleichen,
Den Grazien, in nichts, als an der Zahl, zu weichen.


                  An den Silius

Mein Urteil, Silius, von deiner Überschrift,
Dies Urteil soll nichts gelten,
Weil es die Reime nur betrifft?
Was kann man sonst als Reim' an einem Reimer schelten?


                 Auf den D. Klystill

Klystill, der Arzt - (der Mörder sollt' ich sagen - )
Will niemands frühern Tod mehr auf der Seele tragen,

Und gibt, aus frommer Reu, sich zum Husaren an;
Um das nie mehr zu tun, was er so oft getan.


                   Auf Muffeln

Freund Muffel schwört bei Gott und Ehre,
Ich kost' ihn schon so manche Zähre. -
Nun? frommer Mann, wenn das auch wäre;
Was kostet dich denn deine Zähre?


An ein Paar arme verwaisete Mädchen

Ihr holden Kinder, daß ihr Waisen seid,
Das ist mir herzlich, herzlich leid.
Auch bin ich euch zu dienen gern erbötig
Mit Gut und Blut; euch, die ihr, ohne Streit,
Das beste Blut des besten Blutes seid.
Nur, Kinder, daß ihr arme Waisen seid,
Das sei euch selber ja nicht leid!
Nun habt ihr keines Vormunds nötig.


                       An den Vax

Du lobest Tote nur? Vax, deines Lobes wegen
Hab' ich blutwenig Lust, mich bald ins Grab zu legen.


       Auf den Cytharist

Jahr aus, Jahr ein reimt Cytharist
Zweihundert Vers' in Einem Tage;
Doch drucken läßt er nichts. Entscheidet mir die Frage,
Ob er mehr klug, mehr unklug ist.


                         Der beste Wurf

                     An ein Paar Brettspieler

Zwei Vierer wünschest du, und du verlangst zwei Einer:
Der beste Wurf im Brett bleibt darum dennoch - keiner.


              Auf den Maler Klecks

Mich malte Simon Klecks so treu, so meisterlich,
Daß aller Welt, so gut als mir, das Bildnis glich.


     Auf einen Zweikampf

Warum zog das erzürnte Paar,
Sistan, und wer sein Gegner war,
Die Degen? Aller Welt zum Schrecken
Sie - friedlich wieder einzustecken.


                      Auf den Ursin


Ursin ist ärgerlich, und geht mir auf die Haut,
Daß ich ihm jüngst mein Buch, den Phädon, weggenommen;
Gelesen hab' er ihn, allein noch nicht verdaut.
Ja, ja! zu Stande wär' er bald damit gekommen:
Sein Windspiel, oder er, hat ihn schon brav gekaut.


                         Auf den Veit

Veit ist ein witz'ger Kopf, und zählet sechzig? - Mein!
Er hat noch lange hin, ein kluger Kopf zu sein.


 Die Vorspiele der Versöhnung

Korinne schwur, mich zu vergessen:
Und doch kann sie mich nicht vergessen.
Wo sie mich sieht, und wo sie kann,
Fängt sie auf mich zu lästern an.
Doch warum tut sie das? warum erhitzt sie sich?
Ich wette was, noch liebt sie mich.

Ich schwur, Korinnen zu vergessen:
Und doch kann ich sie nicht vergessen.
Wo ich sie seh, und wo ich kann,
Fang' ich mich zu entschuld'gen an.
Doch warum tu ich das? und warum schweig' ich nie?
Ich wette was, noch lieb' ich sie.


                        Auf den Pfriem

Pfriem ist nicht bloß mein Freund; er ist mein andres Ich.
Dies sagt er nicht allein, dies zeigt er meisterlich.
Er steckt in seinen Sack ein Geld, das mit gehöret,
Und tut mit Dingen groß, die ihn mein Brief gelehret.


                       Auf den Avar

Avar stirbt, und vermacht dem Hospital das Seine,
Damit sein Erbe nicht verstellte Tränen weine.


   Seufzer eines Kranken

Hier lieg' ich schwach und siech;
Und ach! die liebe Sophilette
Weicht keinen Schritt von meinem Bette.
O! daß der Himmel mich
Von beiden Übeln bald errette!


                         Auf den Laar

Daß Laar nur müßig geh, wie kann man dieses sagen?
Hat er nicht schwer genug an seinem Wanst zu tragen?


        Ihr Wille und sein Wille

ER. Nein, liebe Frau, das geht nicht an:
Ich muß hier meinen Willen haben.
SIE. Und ich muß meinen haben, lieber Mann.
ER. Unmöglich!
SIE. Was? nicht meinen Willen haben?
Schon gut! so sollst du mich in Monatsfrist begraben.
ER. Den Willen kannst du haben.


Grabschrift der Tochter eines Freundes, die vor der Taufe starb

Hier lieget, die Beate heißen sollte,
Und lieber sein, als heißen wollte.


          Auf den Marius

Dem Marius ward prophezeiet,
Sein Ende sei ihm nah.
Nun lebet er drauf los; verschwelgt, verspielt, verstreuet:
Sein End' ist wirklich da!


   Auf den einäugigen Spieler Pfiff

Indem der Spieler Pfiff - erzürnte Götter! -
Durch einen schlimmen Wurf ein Auge jüngst verlor:
"Brav, Kamerade!" rief ein Spötter;
"Du gibst uns jedem nun Ein Auge vor."


                 An einen Autor

Mit so bescheiden stolzem Wesen
Trägst du dein neustes Buch - welch ein Geschenk! - mir an.
Doch, wenn ichs nehme, grundgelehrter Mann,
Mit Gunst: muß ich es dann auch lesen?


                     Auf den Ley

Der gute Mann, den Ley bei Seite dort gezogen!
Was Ley ihm sagt, das ist erlogen.
Wie weiß ich das? - Ich hör' ihn freilich nicht:
Allein ich seh doch, daß er spricht.


        Die Sinngedichte über sich selbst

Weiß uns der Leser auch für unsre Kürze Dank?
Wohl kaum. Denn Kürze ward durch Vielheit leider! lang.


             Abschied an den Leser

Wenn du von allem dem, was diese Blätter füllt,
Mein Leser, nichts des Dankes wert gefunden:
So sei mir wenigstens für das verbunden,
Was ich zurück behielt.