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Die drei Lieder
In der hohen Hall saß König Sifrid: "Ihr Harfner! wer weiß mir das schönste Lied?" Und ein Jüngling trat aus der Schar behende, Die Harf in der Hand, das Schwert an der Lende.
"Drei Lieder weiß ich; den ersten Sang, Den hast du ja wohl vergessen schon lang: Meinen Bruder hast du meuchlings erstochen! Und aber: hast ihn meuchlings erstochen!
Das andre Lied, das hab ich erdacht In einer finstern, stürmischen Nacht: Mußt mit mir fechten auf Leben und Sterben! Und aber: mußt fechten auf Leben und Sterben!"
Da lehnt' er die Harfe wohl an den Tisch, Und sie zogen beide die Schwerter frisch Und fochten lange mit wildem Schalle, Bis der König sank in der hohen Halle.
"Nun sing ich das dritte, das schönste Lied, Das werd ich nimmer zu singen müd; König Sifrid liegt in seim roten Blute! Und aber: liegt in seim roten Blute!"
Der junge König und die Schäferin
1.
In dieser Maienwonne, Hier auf dem grünen Plan, Hier unter der goldnen Sonne, Was heb ich zu singen an?
Wohl blaue Wellen gleiten, Wohl goldne Wolken ziehn, Wohl schmucke Ritter reiten Das Wiesental dahin.
Wohl lichte Bäume wehen, Wohl klare Blumen blühn, Wohl Schäferinnen stehen Umher in Tales Grün.
Herr Goldmar ritt mit Freuden Vor seinem stolzen Zug, Einen roten Mantel seiden, Eine goldne Kron er trug.
Da sprang vom Roß geschwinde Der König wohlgetan, Er band es an eine Linde, Ließ ziehn die Schar voran.
Es war ein frischer Bronne Dort in den Büschen kühl; Da sangen die Vögel mit Wonne, Der Blümlein glänzten viel.
Warum sie sangen so helle? Warum sie glänzten so baß? Weil an dem kühlen Quelle Die schönste Schäferin saß.
Herr Goldmar geht durch Hecken, Er rauschet durch das Grün; Die Lämmer drob erschrecken, Zur Schäferin sie fliehn.
"Willkommen, gottwillkommen, Du wunderschöne Maid! Wärst du zu Schrecken gekommen, Mir wär es herzlich leid."
"Bin wahrlich nicht erblichen, Als ich dir schwören mag; Ich meint, es hab durchstrichen Ein loser Vogel den Hag."
"Ach! wolltest du mich erquicken Aus deiner Flasche hier, Ich würd es ins Herz mir drücken Als die größte Huld von dir."
"Meine Flasche magst du haben, Noch keinem macht ich's schwer, Will jeden daraus laben, Und wenn es ein König wär."
Zu schöpfen sie sich bücket, Aus der Flasch ihn trinken läßt; Gar zärtlich er sie anblicket, Doch hält sie die Flasche fest.
Er spricht, von Lieb bezwungen: "Wie bist du so holder Art! Als wärest du erst entsprungen Mit den andern Blumen zart.
Und bist doch mit Würd umfangen Und strahlest doch Adel aus, Als wärest hervorgegangen Aus eines Königs Haus."
"Frag meinen Vater, den Schäfer: Ob er ein König was? Frag meine Mutter, die Schäfrin: Ob sie auf dem Throne saß?"
Seinen Mantel legt er der Holden Um ihren Nacken klar, Er setzet die Krone golden In ihr nußbraunes Haar.
Gar stolz die Schäferin blicket, Sie ruft mit hohem Schall: "Ihr Blumen und Bäume, bücket, Ihr Lämmer, neigt euch all!"
Und als den Schmuck sie wieder Ihm beut mit lachendem Mund, Da wirft er die Krone nieder In des Bronnen klaren Grund.
"Die Kron ich dir vertraue, Ein herzlich Liebespfand, Bis ich dich wiederschaue Nach manchem harten Stand.
Ein König liegt gebunden Schon sechzehn lange Jahr, Sein Land ist überwunden Von böser Feinde Schar.
Ich will sein Land erretten Mit meinen Rittern traut, Ich will ihm brechen die Ketten, Daß er den Frühling schaut.
Ich ziehe zum ersten Kriege, Mir werden die Tage schwül. Sprich! labst du mich nach dem Siege Hier aus dem Bronnen kühl?"
"Ich will dir schöpfen und langen So viel der Bronn vermag. Auch sollst du die Kron empfangen So blank wie an diesem Tag."
Der erste Sang ist gesungen, So folget gleich der letzt, Ein Vogel hat sich geschwungen, Laßt sehen, wo er sich setzt!
2.
Nun soll ich sagen und singen Von Trommeten- und Schwerterklang, Und hör doch Schalmeien klingen, Und höre der Lerchen Gesang.
Nun soll ich singen und sagen Von Leichen und von Tod, Und seh doch die Bäum ausschlagen Und sprießen die Blümlein rot.
Nur von Goldmar will ich melden, Ihr hättet es nicht gedacht: Er war der erste der Helden, Wie bei Frauen, so in der Schlacht.
Er gewann die Burg im Sturme, Steckt' auf sein Siegspanier; Da stieg aus tiefem Turme Der alte König herfür.
"O Sonn! o ihr Berge drüben! O Feld und o grüner Wald! Wie seid ihr so jung geblieben, Und ich bin worden so alt!"
Mit reichem Glanz und Schalle Das Siegesfest begann; Doch wer nicht saß in der Halle, Das nicht beschreiben kann.
Und wär ich auch gesessen Dort in der Gäste Reihn, Doch hätt ich das andre vergessen Ob all dem edeln Wein.
Da tät zu Goldmar sprechen Der königliche Greis: "Ich geb ein Lanzenbrechen, Was setz ich euch zum Preis?"
"Herr König hochgeboren, So setzet uns zum Preis Statt goldner Helm und Sporen Einen Stab und ein Lämmlein weiß!"
Um was sonst Schäfer laufen In die Wett im Blumengefild, Drum sah man die Ritterhaufen Sich tummeln mit Lanz und Schild.
Da warf die Ritter alle Herr Goldmar in den Kreis; Er empfing bei Trommetenschalle Einen Stab und ein Lämmlein weiß.
Und wieder begann zu sprechen Der königliche Greis: "Ich geb ein neues Stechen Und setz einen höhern Preis.
Wohl setz ich euch zum Lohne Nicht eitel Spiel und Tand, Ich setz euch meine Krone Aus der schönsten Königin Hand."
Wie glühten da die Gäste Beim hohen Trommetenschall! Wollt jeder tun das Beste, Herr Goldmar warf sie all.
Der König stand im Gaden Mit Frauen und mit Herrn, Er ließ Herrn Goldmar laden, Der Ritter Blum und Stern.
Da kam der Held im Streite, Den Schäferstab in der Hand, Das Lämmlein weiß zur Seite An rosenfarbem Band.
Der König sprach: "Ich lohne Dir nicht mit Spiel und Tand, Ich gebe dir meine Krone Aus der schönsten Königin Hand."
Er sprach's und schlug zurücke Den Schleier der Königin. Herr Goldmar mit keinem Blicke Wollt sehen nach ihr hin.
"Keine Königin soll mich gewinnen Und keiner Krone Strahl, Ich trachte mit allen Sinnen Nach der Schäferin im Tal.
Ich will zum Gruß ihr bieten Das Lämmlein und den Stab. So mög euch Gott behüten! Ich zieh ins Tal hinab."
Da rief eine Stimm so helle, Und ihm ward mit einemmal, Als sängen die Vögel am Quelle, Als glänzten die Blumen im Tal.
Die Augen tät er heben, Die Schäferin vor ihm stand, Mit reichem Geschmeid umgeben, Die blanke Kron in der Hand.
"Willkommen, du viel Schlimmer, In meines Vaters Haus! Sprich! willst du ziehn noch immer Ins grüne Tal hinaus?
So nimm doch zuvor die Krone, Die du mir ließest zum Pfand! Mit Wucher ich dir lohne, Sie herrscht nun über zwei Land."
Nicht länger blieben sie stehen Das eine vom andern fern. Was weiter nun geschehen, Das wüßtet ihr wohl gern?
Und wollt es ein Mädchen wissen, Dem tät ich's plötzlich kund, Dürft ich sie umfahn und küssen Auf den rosenroten Mund.
Des Goldschmieds Töchterlein
Ein Goldschmied in der Bude stand Bei Perl und Edelstein: "Das beste Kleinod, das ich fand, Das bist doch du, Helene, Mein teures Töchterlein!"
Ein schmucker Ritter trat herein: "Willkommen, Mägdlein traut! Willkommen, lieber Goldschmied mein! Mach mir ein köstlich Kränzchen Für meine süße Braut!"
Und als das Kränzlein war bereit Und spielt' in reichem Glanz, Da hängt' Helen in Traurigkeit, Wohl als sie war alleine, An ihren Arm den Kranz.
"Ach! wunderselig ist die Braut, Die's Krönlein tragen soll. Ach! schenkte mir der Ritter traut Ein Kränzlein nur von Rosen, Wie wär ich freudenvoll!"
Nicht lang, der Ritter trat herein, Das Kränzlein wohl beschaut': "O fasse, lieber Goldschmied mein! Ein Ringlein mit Demanten Für meine süße Braut!"
Und als das Ringlein war bereit Mit teurem Demantstein, Da steckt' Helen in Traurigkeit, Wohl als sie war alleine, Es halb ans Fingerlein.
"Ach! wunderselig ist die Braut, Die's Ringlein tragen soll. Ach! schenkte mir der Ritter traut Nur seines Haars ein Löcklein, Wie wär ich freudenvoll!"
Nicht lang, der Ritter trat herein, Das Ringlein wohl beschaut': "Du hast, o lieber Goldschmied mein! Gar fein gemacht die Gaben Für meine süße Braut.
Doch daß ich wisse, wie ihr's steh, Tritt, schöne Maid, herzu, Daß ich an dir zur Probe seh Den Brautschmuck meiner Liebsten, Sie ist so schön wie du."
Es war an einem Sonntag früh, Drum hatt die feine Maid Heut angetan mit sondrer Müh, Zur Kirche hinzugehen, Ihr allerbestes Kleid.
Von holder Scham erglühend ganz Sie vor dem Ritter stand. Er setzt' ihr auf den goldnen Kranz, Er steckt' ihr an das Ringlein, Dann faßt' er ihre Hand.
"Helene süß, Helene traut! Der Scherz ein Ende nimmt. Du bist die allerschönste Braut, Für die ich's goldne Kränzlein, Für die den Ring bestimmt.
Bei Gold und Perl und Edelstein Bist du erwachsen hier, Das sollte dir ein Zeichen sein, Daß du zu hohen Ehren Eingehen wirst mit mir."
Der Wirtin Töchterlein
Es zogen drei Bursche wohl über den Rhein, Bei einer Frau Wirtin, da kehrten sie ein.
"Frau Wirtin! hat Sie gut Bier und Wein? Wo hat Sie Ihr schönes Töchterlein?"
"Mein Bier und Wein ist frisch und klar, Mein Töchterlein liegt auf der Totenbahr."
Und als sie traten zur Kammer hinein, Da lag sie in einem schwarzen Schrein.
Der erste, der schlug den Schleier zurück Und schaute sie an mit traurigem Blick:
"Ach! lebtest du noch, du schöne Maid! Ich würde dich lieben von dieser Zeit."
Der zweite deckte den Schleier zu Und kehrte sich ab und weinte dazu:
"Ach! daß du liegst auf der Totenbahr! Ich hab dich geliebet so manches Jahr."
Der dritte hub ihn wieder sogleich Und küßte sie an den Mund so bleich:
"Dich liebt' ich immer, dich lieb ich noch heut Und werde dich lieben in Ewigkeit."
Die Mähderin
"Guten Morgen, Marie! so frühe schon rüstig und rege? Dich, treuste der Mägde, dich machet die Liebe nicht träge. Ja! mähst du die Wiese mir ab von jetzt in drei Tagen, Nicht dürft ich den Sohn dir, den einzigen, länger versagen."
Der Pächter, der stattlich begüterte, hat es gesprochen, Marie, wie fühlt sie den liebenden Busen sich pochen! Ein neues, ein kräftiges Leben durchdringt ihr die Glieder, Wie schwingt sie die Sense, wie streckt sie die Mahden danieder!
Der Mittag glühet, die Mähder des Feldes ermatten, Sie suchen zur Labe den Quell und zum Schlummer den Schatten; Noch schaffen im heißen Gefilde die summenden Bienen, Marie, sie ruht nicht, sie schafft in die Wette mit ihnen.
Die Sonne versinkt, es ertönet das Abendgeläute; Wohl rufen die Nachbarn: "Marie, genug ist's für heute!" Wohl ziehen die Mähder, der Hirt und die Herde von hinnen, Marie, sie dengelt die Sense zu neuem Beginnen.
Schon sinket der Tau, schon erglänzen der Mond und die Sterne, Es duften die Mahden, die Nachtigall schlägt aus der Ferne: Marie verlangt nicht zu rasten, verlangt nicht zu lauschen, Stets läßt sie die Sense, die kräftig geschwungene, rauschen.
So fürder von Abend zu Morgen, von Morgen zu Abend, Mit Liebe sich nährend, mit seliger Hoffnung sich labend; Zum drittenmal hebt sich die Sonne, da ist es geschehen, Dort seht ihr Marien, die wonniglich weinende, stehen.
"Guten Morgen, Marie! was seh ich! o fleißige Hände! Gemäht ist die Wiese! das lohn ich mit reichlicher Spende; Allein mit der Heirat - du nahmest im Ernste mein Scherzen, Leichtgläubig, man sieht es, und töricht sind liebende Herzen."
Er spricht es und gehet des Wegs, doch der armen Marie Erstarret das Herz, ihr brechen die bebenden Kniee. Die Sprache verloren, Gefühl und Besinnung geschwunden, So wird sie, die Mähderin, dort in den Mahden gefunden.
So lebt sie noch Jahre, so stummer, erstorbener Weise, Und Honig, ein Tropfen, das ist ihr die einzige Speise. O haltet ein Grab ihr bereit auf der blühendsten Wiese! So liebende Mähderin gab es doch nimmer wie diese.
Sterbeklänge
1. Das Ständchen
Was wecken aus dem Schlummer mich Für süße Klänge doch? O Mutter, sieh! wer mag es sein In später Stunde noch?
"Ich höre nichts, ich sehe nichts, O schlummre fort so lind! Man bringt dir keine Ständchen jetzt, Du armes, krankes Kind!"
Es ist nicht irdische Musik, Was mich so freudig macht; Mich rufen Engel mit Gesang, O Mutter, gute Nacht!
2. Die Orgel
"Noch einmal spielt die Orgel mir, Mein alter Nachbarsmann! Versucht es, ob ihr frommer Schall Mein Herz erquicken kann!"
Die Kranke bat, der Nachbar spielt, So spielt' er nie vorher, So rein, so herrlich, nein! er kennt Sein eigen Spiel nicht mehr.
Es ist ein fremder, sel'ger Klang, Der seiner Hand entbebt, Er hält mit Grauen ein, da war Der Freundin Geist entschwebt.
3. Die Drossel
"Ich will ja nicht zum Garten gehn, Will liegen sommerlang, Hört ich die lust'ge Drossel nur, Die in dem Busche sang."
Man fängt dem Kind die Drossel ein, Im Käfig sitzt sie dort, Doch singen will sie nicht und hängt Ihr Köpfchen immerfort.
Noch einmal blickt das Kind nach ihr Mit bittendem Gesicht, Da schlägt die Drossel schön und hell, Da glänzt sein Aug und bricht.
Der Leitstern
Der ausfuhr nach dem Morgenlande, Des fremden Schiffes leichte Last, Schon führt er zu der Heimat Strande, Von Golde schwer, den eignen Mast.
Er hat so oft nach keinem Sterne Wie nach dem Liebesstern geschaut; Der lenkt' ihn glücklich aus der Ferne Zur Vaterstadt der teuren Braut.
Noch hat er nicht das Ziel gefunden, Obschon er in die Tore trat; Wie mag er gleich die Braut erkunden Im Labyrinth der großen Stadt?
Wie mag sein Auge sie erlauschen? Der Blick ist überall verbaut. Wie mag er durch der Märkte Rauschen Vernehmen ihrer Stimme Laut?
Dort ist ein Fenster zugefallen, Vielleicht hat sie herausgeschaut; Hier dieses Schleiers eilig Wallen, Verbirgt es nicht die teure Braut?
Schon dunkeln sich die Abendschatten, Noch irrt er durch die Straßen hin; Die Füße wollen ihm ermatten, Das rege Herz doch treibet ihn.
Was hält er plötzlich staunend inne? Horch, Saiten! welcher Stimme Laut! Umsonst nicht sah er ob der Zinne Den Liebesstern, dem er vertraut.
Des Sängers Wiederkehr
Dort liegt der Sänger auf der Bahre, Des bleicher Mund kein Lied beginnt, Es kränzen Daphnes falbe Haare Die Stirne, die nichts mehr ersinnt.
Man legt zu ihm in schmucken Rollen Die letzten Lieder, die er sang; Die Leier, die so hell erschollen, Liegt ihm in Armen sonder Klang.
So schlummert er den tiefen Schlummer. Sein Lied umweht noch jedes Ohr, Doch nährt es stets den herben Kummer, Daß man den Herrlichen verlor.
Wohl Monden, Jahre sind verschwunden, Zypressen wuchsen um sein Grab; Die seinen Tod so herb empfunden, Sie sanken alle selbst hinab.
Doch wie der Frühling wiederkehret Mit frischer Kraft und Regsamkeit So wandelt jetzt, verjüngt, verkläret, Der Sänger in der neuen Zeit.
Er ist den Lebenden vereinet, Vom Hauch des Grabes keine Spur! Die Vorwelt, die ihn tot gemeinet, Lebt selbst in seinem Liede nur.
Das Schifflein
Ein Schifflein ziehet leise Den Strom hin seine Gleise. Es schweigen, die drin wandern, Denn keiner kennt den andern.
Was zieht hier aus dem Felle Der braune Weidgeselle? Ein Horn, das sanft erschallet; Das Ufer widerhallet.
Von seinem Wanderstabe Schraubt jener Stift und Habe Und mischt mit Flötentönen Sich in des Hornes Dröhnen.
Das Mädchen saß so blöde, Als fehlt' ihr gar die Rede, Jetzt stimmt sie mit Gesange Zu Horn und Flötenklange.
Die Rudrer auch sich regen Mit taktgemäßen Schlägen. Das Schiff hinunterflieget, Von Melodie gewieget.
Hart stößt es auf am Strande, Man trennt sich in die Lande. Wann treffen wir uns, Brüder! Auf einem Schifflein wieder?
Sängers Vorüberziehn
Ich schlief am Blütenhügel, Hart an des Pfades Rand. Da lieh der Traum mir Flügel Ins goldne Fabelland.
Erwacht, mit trunknen Blicken, Wie wer aus Wolken fiel, Gewahr ich noch im Rücken Den Sänger mit dem Spiel.
Er schwindet um die Bäume, Noch hör ich fernen Klang. Ob der die Wunderträume Mir in die Seele sang?
Traum
Es hat mir jüngst geträumet, Ich läg auf steiler Höh; Es war am Meeresstrande, Ich sah wohl in die Lande Und über die weite See.
Es lag am Ufer drunten Ein schmuckes Schiff bereit, Mit bunten Wimpeln wehend, Der Ferg am Ruder stehend, Als wär ihm lang die Zeit.
Da kam von fernen Bergen Ein lust'ger Zug daher. Wie Engel täten sie glänzen, Geschmückt mit Blumenkränzen, Und zogen nach dem Meer.
Voran dem Zuge schwärmten Der muntern Kinder viel. Die andern Becher schwangen, Musizierten, sangen, Schwebten in Tanz und Spiel.
Sie sprachen zu dem Schiffer: "Willst du uns führen gern? Wir sind die Wonnen und Freuden, Wollen von der Erde scheiden, All von der Erde fern."
Er hieß ins Schiff sie treten, Die Freuden allzumal, Er sprach: "Sagt an, ihr Lieben! Ist keins zurückgeblieben Auf Bergen noch im Tal?"
Sie riefen: "Wir sind alle! Fahr zu, wir haben Eil!" Sie fuhren mit frischen Winden, Fern, ferne sah ich schwinden Der Erde Lust und Heil.
Der gute Kamerad
Ich hatt einen Kameraden, Einen bessern findst du nit. Die Trommel schlug zum Streite, Er ging an meiner Seite In gleichem Schritt und Tritt.
Eine Kugel kam geflogen, Gilt's mir oder gilt es dir? Ihn hat es weggerissen, Er liegt mir vor den Füßen, Als wär's ein Stück von mir.
Will mir die Hand noch reichen, Derweil ich eben lad. Kann dir die Hand nicht geben, Bleib du im ew'gen Leben Mein guter Kamerad!
Der Rosenkranz
In des Maien holden Tagen, In der Aue Blumenglanz Edle Knappen fechten, jagen Um den werten Rosenkranz. Wollen nicht mit leichtem Finger Blumen pflücken auf dem Plan, Wollen sie, als wackre Ringer, Aus der Jungfrau Hand empfahn.
In der Laube sitzt die Stille, Die mit Staunen jeder sieht, Die in solcher Jugendfülle Heut zum erstenmale blüht. Volle Rosenzweig umwanken Als ein Schattenhut ihr Haupt; Reben mit den Blütenranken Halten ihren Leib umlaubt.
Sieh! im Eisenkleid ein Reiter Zieht auf krankem Roß daher, Senkt die Lanz als müder Streiter, Neigt das Haupt wie schlummerschwer. Dürre Wangen, graue Locken; Seiner Hand entfiel der Zaum. Plötzlich fährt er auf, erschrocken, Wie erwacht aus bangem Traum.
"Seid gegrüßt auf diesen Auen, Schönste Jungfrau, edle Herrn! Dürfet nicht ob mir ergrauen, Eure Spiele schau ich gern. Gerne möcht ich für mein Leben Mit euch brechen einen Speer, Aber meine Arme beben, Meine Kniee wanken sehr.
Kenne solche Zeitvertreibe, Bin bei Lanz und Schwert ergraut, Panzer liegt mir noch am Leibe Wie dem Drachen seine Haut. Auf dem Lande Kampf und Wunden, Auf dem Meere Wog und Sturm; Ruhe hab ich nie gefunden Als ein Jahr im finstern Turm.
Weh! verlorne Tag und Nächte! Minne hat mich nie beglückt; Nie hat dich, du rauhe Rechte! Weiche Frauenhand gedrückt. Denn noch war dem Erdentale Jene Blumenjungfrau fern, Die mir heut zum erstenmale Aufgeht als ein neuer Stern.
Wehe! könnt ich mich verjüngen! Lernen wollt ich Saitenkunst, Minnelieder wollt ich singen, Werbend um der Süßen Gunst. In des Maien holden Tagen, In der Aue Blumenglanz Wollt ich freudig fechten, jagen Um den werten Rosenkranz.
Weh! zu früh bin ich geboren! Erst beginnt die goldne Zeit. Zorn und Neid hat sich verloren, Frühling ewig sich erneut. Sie in ihrer Rosenlaube Wird des Reiches Herrin sein. Ich muß hin zu Nacht und Staube, Auf mich fällt der Leichenstein!"
Als der Alte dies gesprochen, Er die bleichen Lippen schloß. Seine Augen sind gebrochen, Sinken will er von dem Roß. Doch die edeln Knappen eilen, Legen ihn ins Grüne hin. Ach! kein Balsam kann ihn heilen, Keine Stimme wecket ihn.
Und die Jungfrau niedersteiget Aus der Blumenlaube Glanz; Traurig sich zum Greise neiget, Setzt ihm auf den Rosenkranz: "Sei des Maienfestes König! Keiner hat was du getan. Ob es gleich dir frommet wenig, Blumenkranz dem toten Mann."
Jungfrau Sieglinde
Das war Jungfrau Sieglinde, Die wollte früh aufstehn, Mit ihrem Hofgesinde Zum Frauenmünster gehn. Sie ging in Gold und Seide Mit Blumen und Geschmeide, Das ward zu großem Leide.
Es stehn drei Lindenbäume Wohl vor der Kirchenpfort; Da saß der edle Heime, Der sprach viel leise Wort: "Was Gold, was Edelsteine! Hätt ich der Blumen eine Aus deinem Kranz, du Feine!"
So sprach der Jüngling leise, Da trieb der Wind sein Spiel, Daß aus der Blumen Kreise Die schönste Rose fiel. Herr Heime tät sich bücken, Die Rose wegzupflücken, Damit wollt er sich schmücken.
Da war ein alter Ritter In Siegelinden Chor, Dem war es leid und bitter, Gar zornig trat er vor: "Muß ich dich Hofzucht lehren? Darfst du vom Kranz der Ehren Ein Läublein nur begehren?"
O weh dem Garten immer, Der solche Rosen bracht! O Heil den Linden nimmer, Wo solcher Streit erwacht! Wie klangen da die Degen, Bis unter wilden Schlägen Der Jüngling tot erlegen!
Sieglinde beugt' sich nieder Und nahm die Ros empor, Steckt' in den Kranz sie wieder, Und ging zur Kirche vor. Sie ging in Gold und Seide Mit Blumen und Geschmeide, Wer tät ihr was zuleide?
Vor Sankt Marien Bilde Nahm sie herab die Kron: "Nimm du sie, Reine, Milde! Kein Blümlein kam davon. Der Welt will ich entsagen, Den heil'gen Schleier tragen Und um die Toten klagen."
Der Sieger
Anzuschauen das Turnei, Saßen hundert Frauen droben; Diese waren nur das Laub, Meine Fürstin war die Rose. Aufwärts blickt ich keck zu ihr, Wie der Adler blickt zur Sonne. Wie da meiner Wangen Glut Das Visier durchbrennen wollte! Wie des Herzens kühner Schlag Schier den Panzer durchgebrochen! Ihrer Blicke sanfter Schein War in mir zu wildem Lodern, Ihrer Rede mildes Wehn War in mir zu Sturmestoben, Sie, der schöne Maientag, In mir zum Gewitter worden. Unaufhaltbar brach ich los, Sieghaft alles niederdonnernd.
Der nächtliche Ritter
In der mondlos stillen Nacht Stand er unter dem Altane, Sang mit himmlisch süßer Stimme Minnelieder zur Gitarre. Dann auch mit den Nebenbuhlern Hat er tapfer sich geschlagen, Daß die hellen Funken stoben, Daß die Mauern widerhallten. Und so übt' er jeden Dienst, Den man weihet edeln Damen, Daß mein Herz in Lieb erglühte Für den teuern Unbekannten. Als ich drauf am frühen Morgen Bebend blickte vom Altane, Blieb mir nichts von ihm zu schauen Als sein Blut, für mich gelassen.
Der kastilische Ritter
1.
"Bester Ritter von Kastilien! Wann die fernen Berge tosen, Mein ich deinen Kampf zu hören: Doch es ist des Donners Rollen. Wann es hinter jenen Höhen Rot und golden glüht am Morgen, Mein ich, daß du wollst erscheinen: Doch es kommt herauf die Sonne."
2.
"Darum ward ein Weg betreten Längst von Pilgern, Sängern, Wappnern, Darum ward ein Schloß erbauet, Herrlich, an des Weges Rande, Darum schaute von den Zinnen Bis auf mich wohl manche Dame: Weil der schönste, kühnste Ritter Sollte hier vorüberfahren. Wehe nun! es ist erfüllt, Was so lange ward erharret. Weh! die Augen werden brechen, Die so hohen Adel sahen. Weh! die Mauern werden sinken, Drin des Rosses Tritt verhallet. Weh! der Pfad, den er verließ, Wird vergehn in hohem Grase."
3.
Nimmer mochten ihn verwunden Liebesblicke süßer Schönen, Nimmer mochten ihn bezwingen Schwerterschläge, Lanzenstöße. Als er einsam ritt auf Bergen, Fuhr ein Blitz aus dem Gewölke; Und so ist er unterlegen Nur dem Strahl von Himmelshöhen.
4.
Schwarze Wolken ziehn hinunter, Golden strahlt die Sonne wieder, Fern verhallen schon die Donner, Und die Vögelchöre singen; Blumen heben sich und Bäume, Sind erfrischet vom Gewitter, Wanderer, die sich geborgen, Schreiten wieder rasch von hinnen: Nur des Waldes höchste Eiche Hebt nicht mehr die stolzen Wipfel, Nur Kastiliens bester Streiter Bleibt am Fuß der Eiche liegen.
5.
Alle Damen schmachten, hoffen, Ihn, den Schönsten, zu empfahen; Alle Mohren zagen, zittern Vor des kühnsten Streiters Nahen. Damen! würdet nicht mehr hoffen, Mohren! würdet nicht mehr zagen, Wüßtet ihr, daß im Gebirge Längst Gewitter ihn erschlagen.
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